Liebe Kinder, ich möchte euch heute das Buch Mama, Mia und das Schleuderprogramm vorlesen von Christiane Tilli und Anja Offermann, erschienen im Balance Verlag. erschienen im Balance Verlag. In dieser Geschichte lernen wir Mia, ihre Katze Yuki und ihre Mama kennen. Das ist Mia, sie geht in die zweite Klasse. Wenn Mia groß ist, will sie zum Zirkus, am liebsten als Raubtier-Dompteurin. Das ist Yuki. Sie kann manchmal durch den Hula-Hoop-Reifen springen und Spaghetti aus der Luft auffangen. Yuki kann fast Mias Namen sagen. Miau. Mama kann zwei Minuten Handstand ohne umzufallen und hört am liebsten laute Musik. Mia liegt auf ihrem Bett und langweilt sich. Yuki will nicht mit ihr spielen und Mama telefoniert jetzt schon seit einer Stunde. Plötzlich hört Mia einen Knall im Flur und Mama schimpft laut. Mama, alles in Ordnung? fragt Mia und sieht, dass das Telefon kaputt auf dem Boden liegt. Aber Mama bemerkt sie gar nicht. Leise schleicht Mia hinaus und klingelt ein Stockwerk drunter bei ihrer Freundin Kathi. Keiner da. Nach ein paar Minuten steht Mia wieder vor Mama. Mama sitzt in der Küche und sagt, alles geht kaputt, am liebsten wäre ich ganz weit weg. Wo denn, fragt Mia. Dann hat sie eine gute Idee. Komm, wir gehen zum Kiosk und holen uns bei Frau Schröder saure Gurken und Eis. Als Mama und Mia wieder nach Hause kommen, sitzt Yuki vor der Waschmaschine und schaut dem Schleuderprogramm zu. Es ist ein großes Durcheinander, man kann die einzelnen Wäscheteile gar nicht mehr erkennen. Mia setzt sich zu Mama aufs Sofa. Mama hat eine wunderbare Idee. Sollen wir uns morgen einen schönen Tag auf dem Jahrmarkt machen? Mia jubelt. Mit Mama Kettenkarussell fahren. Toll. Darf ich Kathi fragen, ob sie mitkommen kann? Nein, sagt Mama, das ist ein Tag nur für uns beide. Am nächsten Morgen ist Mia ganz früh wach. Sie freut sich schon auf den Jahrmarkt. Sie weiß, dass Mama sonntags länger schlafen will und schleicht in die Küche. Juki ist auch schon da. Psst, macht Mia. Ganz leise deckt sie den Tisch. Dann schleicht sie in Mamas Zimmer und flüstert. Mama, aufwachen. Ich habe das Frühstück fertig und bin schon angezogen. Wir wollen doch gleich. Da merkt sie, dass Mamas Bett leer ist. Mia rennt ins Badezimmer. Hier ist Mama auch nicht. Mia sucht überall. Aber Mama bleibt verschwunden. Mia maunst Jucki. Ich muss Oma anrufen, ruft Mia aufgeregt. Sie hebt das kaputte Telefon auf, das immer noch im Flur liegt. Damit kann sie nicht telefonieren. An der Garderobe findet sie Mamas Handy, aber das ist leer. Endlich geht die Tür auf und Mama kommt herein. Wo warst du? Hast du Brötchen geholt? fragt Mia. Oh nein, sagt Mama, die habe ich vergessen. Ich war bei der Telefonzelle. Ich musste mal telefonieren. Mia, weißt du, ich schaffe es heute nicht, mit dir zum Jahrmarkt zu gehen. Ich muss nämlich später noch einmal telefonieren. Mia ist so enttäuscht. Schon wieder, schreit sie und tritt gegen den Türrahmen. Der Jahrmarkt war deine Idee. Du hast es mir versprochen und jetzt hältst du dein Versprechen schon wieder nicht. Miau, maunzt Yuki. Au, heult Mia. Sie rennt aus der Wohnung und knallt die Tür hinter sich zu. Mia läuft zum Kiosk. Was ist denn mit dir passiert, fragt Frau Schröder und lässt Mia an der Seitentür herein. Mia schluchzt und kann gar nicht sprechen. Jetzt erscheint Kathis Kopf am Kioskfenster. Kathi sieht ihre Freundin und fragt, Mia was hast du denn? Ich weiß auch nicht, antwortet Mia. Sie will Kathi und Frau Schröder gar nicht erzählen, wie blöd Mama gerade wieder ist. Geht ihr auch gleich zum Jahrmarkt, fragt Kathi. Mia schüttelt den Kopf. Weißt du was, komm doch mit uns mit, wir holen dich nach dem Frühstück ab, antwortet Kathi. Als Kathi Mia abholt, sagt Mama, ich wäre wirklich gern mitgegangen, aber ich kann nicht, ich muss alleine hierbleiben. Mia hat das Gefühl, dass Mama wirklich traurig ist, aber irgendwie scheint sie auch ein bisschen froh über die Lösung zu sein. Juki ist ja bei dir, sagt Mia. Mia und Kathi haben auf der Kirmes viel Spaß. Fünfmal fahren sie Kettenkarussell und Riesenrad und sie essen ganz viel Zuckerwatte. Als sie zurückkommen, verabschiedet Mia sich fröhlich von Kathi und ihren Eltern und geht ein Stockwerk höher. Sie klingelt einmal und noch einmal, aber niemand macht auf. Miau, macht Juki von drinnen. Dann entdeckt Mia einen Zettel oben an der Tür. Geh zum Kiosk, ich hole dich später ab, hat Mama geschrieben. Im Kiosk wartet Frau Schröder schon auf Mia. Sie sagt, dass Mama plötzlich ins Krankenhaus musste, weil sie sich wehgetan hat. Schon wieder, seufzt Mia. Frau Schröder sagt, es wird alles wieder gut. Mia darf Frau Schröder beim Verkaufen helfen. Dabei muss Mia die ganze Zeit an Mama und an Juki denken. Arme Juki, sie ist ganz allein zu Hause. Als Mama Mia vom Kiosk abholt, ist es schon dunkel. Tschüss Frau Schröder, sagt Mia und Mama bedankt sich bei der Kioskbesitzerin. Dann gehen sie nach Hause. Mia tippt vorsichtig auf Mamas verbundenen Arm. Tut es weh, fragt sie. Es geht schon wieder, sagt Mama. Wie ist denn das passiert, fragt Mia. Ich war so durcheinander, dass ich mir weh getan habe. So wie ich heute am Morgen, als ich gegen den Türrahmen getreten habe. Mama nickt. Ist es jetzt besser? fragt Mia. Mama zuckt mit den Schultern. Als sie nach Hause kommen, steht Juki schon an der Tür. Alle drei gehen schnell schlafen. Alle drei gehen schnell schlafen. Als Mia am nächsten Tag aus der Schule kommt, sagt Mama, ich muss heute noch mal zu meiner Ärztin und ich möchte dich gern mitnehmen. Die Ärztin begrüßt Mia und ihre Mutter. Du hast ja gemerkt, dass deine Mama sich gestern wieder einmal wehgetan hat, beginnt sie. Ja, bestätigt Mia und Mama weiß nicht genau, warum das passiert ist. Das ist auch nicht leicht zu erklären, antwortet die Ärztin. Ihr habt doch eine Waschmaschine zu Hause. Ja, sagt Mia, manchmal sitze ich mit meiner Katze davor, weil Yuki so gerne zusieht, wie die Wäsche da herumwirbelt. Die Ärztin lächelt. Weißt du, genauso geht es deiner Mama manchmal auch. Da wirbeln ganz viele Gefühle, Gedanken und Wünsche in ihr herum. Ist dir mal aufgefallen, wenn die Waschmaschine ganz schnell schleudert? Dann sieht es so aus, als wäre sie leer. Mia nickt. So habe ich mich gestern gefühlt, erklärt Mama Mia. Und als ich versucht habe, das Schleuderprogramm in meinem Kopf anzuhalten, habe ich mir wehgetan. Mia ist sehr erleichtert. An ihr liegt es also nicht, dass es Mama gestern nicht gut ging. Erst wenn die Waschmaschine still steht, kann man die einzelnen Teile auseinanderhalten, sortieren und auf die Leine hängen. So ist das mit den Gefühlen auch, jedenfalls bei der Krankheit, die deine Mama hat, sagt die Ärztin. Ich brauche jetzt einfach viel Zeit für mich. Ich muss lernen, das Gefühlsdurcheinander zu sortieren, sagt Mama. Mia erschreckt. Und ihr Schreck klingt wie Wut. Hast du denn dann noch Zeit für mich? ruft sie und tritt gegen den Tisch. Oder machst du dann gar nichts mehr mit mir? Einen Moment lang schweigen alle. Ich glaube mir, ich habe da eine Idee, sagt die Ärztin schließlich. Als sie zu Hause ankommen, stellt Mama die Waschmaschine an. Yuki setzt sich sofort davor und Mia setzt sich neben sie. Gemeinsam schauen sie, wie die Waschmaschine läuft. Die Ärztin hat Mia und Mama noch viel erzählt, deshalb ist Mia sehr gespannt auf den nächsten Tag. Gerade als die Waschmaschine richtig schnell schleudert und es so aussieht, als sei sie leer, kommt Mama herein. Die Wäsche hat jetzt genug geschleudert, sagt sie und drückt die Stopptaste. Je langsamer die Maschine wird, desto besser kann Mia die einzelnen Wäschestücke erkennen. Als die Trommel still steht, schauen Mia und Mama sich an. Als die Trommel still steht, schauen Mia und Mama sich an. Und plötzlich müssen beide lachen. Sie umarmen sich und dann hängen sie gemeinsam die Wäsche auf die Leine. Am nächsten Tag kommt eine Frau vom Jugendamt. Sie heißt Frau Hoffmann und unterhält sich mit Mia. Mia erzählt von ihrem Traum, zum Zirkus zu gehen. Frau Hoffmann sagt, dass sie noch andere Kinder kennt, deren Mama oder Papa krank ist. Es gibt etwas ganz Tolles für dich und deine Mama, erklärt sie. Sie kennt eine Zirkusgruppe für Kinder und Eltern, die Hilfe in ihrem Leben brauchen. Und von nun an unternehmen Mia und Mama regelmäßig etwas zusammen. Für Mia erfüllt sich ein großer Wunsch, denn sie gehen gemeinsam zum Zirkus und springen durch Hula-Hoop-Reifen und machen Handstand. Nur Juki, die bleibt lieber zu Hause und schaut dem Schleuderprogramm zu.