Bunt, Schkrapferl, glücklich. Bestandsaufnahme, Status Covid-19 Nummer 26 am 23. November 2020. Der Montag ist nicht das Problem. Der November ist nicht das Problem. Das Jahr ist das Problem. 2020 hat das Zeug zur Metapher zu werden. Wie geht's? 2020. Wie war's? 2020. Ist der Neoliberalismus ein Zombie? 2020. 2020 ist nicht 5 vor 12. 2020 ist 12. Seit Stunden, Tage, Wochen. 2020 ist ein Jahr lang 12. 2020 ist die nächsten 5 Jahre Rot-Pink in Wien. 2020 ist ein koalitionär glückliches Bunch-Grabfall. In den SES von Robert Menasse war das Bunch-Grabfall noch das Symbol für die Verkommenheit der Österreicherinnen und Österreicher. Außen Pinker Zuckerguss, innen braune Masse. Jetzt wird das Bunch-Grabfall mit einer vermeintlich sozialliberalen Stadtregierung konsolidiert. Mozart Kugel, Ludwig Grab Grabfall, Bunch, Wiederkehr. Ja, alle Jahre wieder Bunch, Wiederkehr, aber bitte nie mehr wieder 2020 Wiederkehr. Wie findest du Rot-Pink in Wien? 2020. 2015 ist Primetime, 2020 ist Scheiß-Time. 2020 scheint aber auch Schieß-Time zu sein. 1930 ist Zeit im Bild, 2020 ist Schieß-Zeit. Denn Waffengeschäfte sind systemrelevant. Es muss nicht unbedingt gelesen werden in Scheiß-Zeiten wie diesen, aber es muss unbedingt geschossen werden. Buchläden in den Städten werden geschlossen, in den Wäldern des Landes wird geschossen. Der Voll-Lockdown ist nicht das Problem, die Ausnahmen sind das Problem. Doch der zweite Lockdown ist schon auch ein Problem. Beim ersten Mal war alles noch mit dem Zauber des ersten Mahls versehen. Beim ersten Lockdown saß man den Frühling daheim aus und ab und freute sich auf einen Sommer der Freuden. Beim zweiten Lockdown sitzen wir im Herbst fest und fürchten uns vor einem Winter der Entbehrungen. Wer kriecht im Winter im Haus rum? Wir. Was kriecht mit Haus im Winter? Die Schneeke. Ich bin ein schlechter Witz. 2020 ist ein schlechter Witz. Ich bin jetzt schon verlockt. Mich lockt nichts mehr, was virtuell. Ich werde zum virtuellen Rebell ausgereizt, das Netz. Ich will wieder in die Realität eintauchen, in der Realität zappeln, nicht nur bloß einkaufen, spazieren, arbeiten und helfen dürfen. Ich will, es gilt nichts zu wollen. Es gilt sich zu bescheiden. Es gilt sich an den kleinen Dingen zu erfreuen. Es gilt sich an den kleinen Dingen zu erfreuen. Toll, die Milch ist nicht aus. Sehr toll, es ist noch Wein da. Super toll, aber doch auch traurig. Mir schmeckt das Bier nicht mehr. Man kann auch ohne Freizeiteinrichtungen Spaß haben. Man kann sich mit sich selbst unterhalten und an sich selbst erfreuen. Der Körper des Menschen ist ein Wunderwerk mit Abfallprodukten sonder Zahl. Man kann beispielsweise die Haare, die sich im Duschabflussgitter verfangen, sammeln, wochenweise auswerten und die wöchentliche Haarverlustleistungen vergleichen. Verlieren wir immer mehr Haare? Und wenn ja, verlieren wir, je mehr wir die Nerven verlieren, auch immer mehr Haare? Es gilt, die Grenzen des handwerklichen Könnens auszuloten. Stufe 1. Schlage einen Nagel in die Wand. Brauchst du dafür mehr als fünf Nägel oder mehr als eine Wand? Lass es bleiben und versuch das Konzept Nagel erst intellektuell zu erfassen und in seiner potenziellen Tragweite zu ergründen. Hält der Nagel in der Wand und hast du selbst dir dabei keinen blauen Nagel eingehandelt? Trapiere die bisherigen Lockdown-Haarverluste auf demselben, mach ein Foto davon und verbreite es in der Welt. Hashtag Lockdown-Hobby. Hashtag Lockdown-Lockenwickler. Wenn dir mehr nachdenken denn nach handwerklichen Tätigkeiten ist. Versuche, Küchengeräte zu verstehen und hinterfrage ihre Berechtigung. Beginne mit der Spaghetti-Pinzette. Verschone auch den Zitronenzestenreiser nicht. Vergleiche Nutzen, Platzverbrauch und Verwendungshäufigkeit von Nudelsieb und Salatschleuder. Arbeite an dir und deinen Fähigkeiten. Versuche, den Kühlschrank mit deinem Blick zum Abdauen zu bringen. Zeig Verständnis für das Aufbegehren des Geschirrtums in der Spiele und quittier's mit Schwamm drüber. Maßregel in den Wasserkocher mit du kochst auch nur Wasser. Beschimpfe die Waschmaschine, du Dreckschleuder. Und wenn dann der Tag immer noch nicht um ist, versuche eine Zwiebel durch das Schneiden deiner Haare zum Weinen zu bringen. Gelingt dir das alles? Brauchst du dir keine weiteren Gedanken machen? Du bist ganz normal Lockdown-Gracie. Du bist 2020. Ich bin 2020. Wir sind 2020. Fällt dir nichts Hoffnungsvolleres ein? Wir sind 2020. Fällt dir nichts Hoffnungsvolleres ein? Doch, noch 38 Tage 2020. Dann Neustart, dann neues Jahr, dann hoffentlich neues Glück, sagt Markus Köhle in der Depeche Nummer 26 am Montag, den 23.11.2020. Danke fürs Zuhören. Bis nächste Woche.