🎵 Martin, Wassermann ist unser Politikredakteur seit 2015, denke ich auch. Ja, seit 2015 hat der Auf TV eine Politikredaktion. Es war einfach die Überlegung, quasi auch im Bereich der politischen Information alternative Themen, Gedanken, Diskurse aufzugreifen, andere Menschen zu fragen als die, die auf allen Sendern immer wieder vorkommen. Und Martin hat mit großer Leidenschaft das Projekt begonnen und ist noch immer dabei. Martin, was ist dein Resümee nach fünf Jahren Politikredaktion? Ja, du Gabi, ich kann mich durchaus sehr zufrieden zeigen. Ich erinnere mich noch allzu gut, die Idee, eine Politikredaktion bei DorfTV einzurichten, das ist ja gemeinsam mit euch entstanden. Da muss ich auch den Otto Tremetsberger nochmal erwähnen, den Georg Ritter und dich, dass ihr damals eigentlich in unmittelbarer Folge der oberösterreichischen Landtagswahl im September 2015 konsequent an der Idee festgehalten habt, die kritische Auseinandersetzung mit Politik und politischen Entwicklungen im Programm von DorfTV noch zu intensivieren, da irgendwie gemeinsame Überlegungen anzustellen, wie sowas überhaupt ausschauen kann. Und in diesen Jahren bis heute ist eine Unmenge an Sendungen entstanden, die, was jetzt meine redaktionelle Arbeit betrifft, fast ausschließlich, also fast zu 98 Prozent Live-Talkshows im Studio sind. Live-Diskussionen, die unterschiedlichste Themen behandeln. Es gibt dafür ja auch verschiedene Formate. Ich streiche jetzt mal das eine hervor, wie ich es immer sage, die Königsklasse auch der Politikredaktion bei DorfTV. Das ist der Stachel im Fleisch, die Politikgespräche mit Vorwärtsdrang, wie wir es ja so sehr liebevoll betitelt haben. Und da ist es gelungen, tatsächlich einen Anspruch zu verwirklichen, der sich schon, und du hast das ja auch angesprochen mit dem Etikett Alternativ, der sich schon von anderen Programmangeboten im Fernsehen unterscheidet. Erstmal geht es schon mal darum, wie viel Zeit man einer Diskussion gibt. Bei uns, bei DorfTV, die Politikdiskussionen, die gehen nicht unter 50 Minuten, also schwanken immer so zwischen 50 Minuten, 60 Minuten. Das ist natürlich eine Möglichkeit, wo du tatsächlich eine Auseinandersetzung, eine Beschäftigung auch mit einem Thema, gerade dort, wo es auch ums kritische Hinterfragen geht, wirklich mehr in die Tiefe gehen kannst. Mehr als 60 Minuten wäre wahrscheinlich wieder ein zu viel, aber dennoch, das ist einer der ersten Punkte gewesen, wo wir auch ja sehr gutes Feedback gekriegt haben, nämlich dass gerade auch Politikerinnen und Politiker sagen, wow, bei euch habe ich echt jetzt erstmals die Gelegenheit, die vielen Aspekte, Überlegungen, Zusammenhänge, an denen ich selber arbeite, endlich mal vor Publikum ausführlicher darlegen zu können. Woanders kannst du das nicht. Da kriegst du einen Soundbite von 12 Sekunden und das war es dann aber auch. Das ist das eine. Das andere ist, dass gleichzeitig mit diesen Formaten ja für die Politik, gerade auch auf lokaler und auch auf regionaler Ebene, eine Möglichkeit geschaffen wurde, die sie sonst nicht haben. Welcher Linzer Lokalpolitiker, welche Linzer Lokalpolitikerin kriegt schon im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Sonntag spätabends eineinhalb Stunden zur Primetime? Das gibt es dort nicht bei uns. Das machen wir das rund um die Uhr. Das andere ist, dass wir auch als DorfTV uns, das ist auch schon angesprochen worden, als Stimme, als Sprachrohr einer oberösterreichischen Zivilgesellschaft verstehen und die dann auch in dieser engen Verknüpfung und Einbindung ins Politikprogramm die Möglichkeit erhält, selber auch ein bisschen zum Agenda Setting beizutragen. Agenda Setting ist ein Begriff aus der Politikwissenschaft, aber der ist sehr wesentlich, dass man selber quasi sich Gehör verschafft, sich selber sichtbar macht und das, was uns oder den anderen ein Anliegen ist, sozusagen durch diese Präsenz auf die Tagesordnung setzen. Also immer daran klopfen, immer daran klopfen, dann ist es auch mal für die tatsächlich herrschende Politik, die Regierenden, dann irgendwann unausweichlich. Man kann an diesen Themen dann genau dieser Sendereihe bekommen haben. Es gab ein neues Format, das quasi ausgewählt wurde, das man einreichen konnte, nämlich Talks. Ich habe zu dir gesagt, Martin, das ist aufgelegt. Tatsächlich hast du dann den Fernsehpreis für Erwachsenenbildung für die Reihe der Stachel im Fleisch bekommen. Die Preisverleihung ist im Dezember, glaube ich, oder? Das ist noch etwas ungenau aufgrund der Corona-Maßnahmen, aber man hat es versprochen, es soll noch in diesem Jahr stattfinden. Und tatsächlich im realen Raum, da soll irgendwas noch passieren an würdiger Preisverleihung. Als Politikredaktion hast du ja ziemlich engagierte Sendungen gemacht während der Pandemie, also sagen wir nicht während der Pandemie, wir sind dort immer noch in der Pandemie, während dem ersten Lockdown, ziemlich schnell umgestellt quasi auf ein Setup, wo du im Studio bist und wo die Experten, Expertinnen zugeschaltet sind über Remote Tools. Ich hebe jetzt hervor, du hast einen beachtlichen Frauenanteil dabei gehabt, der war über 60 Prozent. 78 Prozent. 78 Prozent. Man hat ja bei uns im Fernsehen eher den Eindruck, die Krise ist männlich. Bis auf Virologinnen, Expertinnen treten hauptsächlich Männer auf, um die Krise zu managen. Also wie sind deine Auswahlkriterien? Also dieser Talk hat geheißen, Notfall Corona. Notfall Coronavirus, ja. Im Grunde genommen Auswahlkriterien, es ist gar nicht so schwer, Frauen zu finden. Man führt ja immer wieder ins Felde, die Frauen sind so nicht vorhanden, die sagen immer ab, die würden sich nicht zur Verfügung stellen, trauen sich nicht, was auch immer. Das ist natürlich völliger Blödsinn, wenn man recherchiert, wer könnte zu diesem Thema sprechen. Gibt es eine ganze Menge sehr spannender, sehr interessanter Frauen. Man muss sie einfach nur einladen und man kriegt dann auch schnell die Zusage. In der Corona-Krise war es natürlich im ersten Lockdown einfacher, weil da hat man jetzt nicht die Anreise nach Linz auf sich nehmen müssen, sondern ist einfach zu Hause im Wohnzimmer geblieben oder in der Küche, hat einfach sozusagen das Laptop eingeschaltet mit der Kamera und war quasi per Videoschaltung mitten im Studio dabei. Das war natürlich schon auch so angelegt, dass wir komplementär zu anderen Medien vor allem Themen aufgreifen, die so von anderen doch auch vernachlässigt werden. Das war ja, ich sage das ganz offen, gerade in den ersten Wochen im Frühjahr des ersten Lockdowns, das war ja teilweise Propaganda, die hier Medien auch mitgemacht haben. Das ist auch ein schweres Versäumnis, das bis heute nachwirkt, weil natürlich in der Öffentlichkeit schon auch sehr früh der Eindruck entstanden ist, es gibt eh keine kritische Auseinandersetzung. Die Medien keuen ja nur das wieder, was die Regierenden sagen, was sie gerne glauben machen wollen und lassen sich dann auch mit Corona-Hilfen sehr, sehr gut bezahlen. Da ist schon was dran. Ich möchte aber jetzt das nicht weiter bestärken, sondern für uns ist es interessant, andere Wege zu gehen. Und tatsächlich, wir haben zum Beispiel auch Themen aufgegriffen. Was heißt das eigentlich Corona-Krise und Datenschutz? Da geht es jetzt nicht allein um die Corona-App, sondern auch, dass wir jetzt alle mit Videokonferenz-Tools arbeiten, die in Sachen Datenschutz sehr, sehr problematisch sind. Es ist natürlich auch gegangen, wo können hier lokal, regional gerade Betroffene von häuslicher Gewalt, die ja tatsächlich angestiegen ist in dieser Phase, Hilfe finden, schnelle Unterstützung finden. Das war auch eine Informationsleistung. Martin, und jetzt sage ich wieder, wir haben nicht mehr so viel Zeit auf der Uhr. Ich zitiere dich, wie du immer sagst, bei deinen Sendungen. Ein Highlight, das sich auch immer wiederholt und das relativ oft gekommen ist, waren natürlich immer die Live-Übertragungen von Wahlen, von Nationalratswahlen, EU-Wahl waren wir. Und ich darf noch ankündigen, dass ja auch ein Talk im Anschluss an das nächste Video von dir gemacht werden wird, ein Stachel im Fleisch zu Karikaturenpolitik mit den Gästen. Der bei mir zu Gast sind dann um 13 Uhr Alexander Wazelek, Geschäftsführer des österreichischen Presserats. Er kommt eigens aus Wien, so wie der Linzer Karikaturist, den viele sogar kennen, Milan Ilic. zur Karikaturistin, viele sogar kennen, Milan Ilic, um 13 Uhr bis 14 Uhr, eine spannende Debatte zur Frage, wie weit dürfen Karikaturen eigentlich gehen. Thank you. Bye.