Frosin, das werktägliche Infomagazin von Radio Froh auf 105,0. Herzlich willkommen zum Infomagazin Frosin. Marina Wetzelmeier begrüßt zu einer weiteren Ausgabe meines Podcasts Gekommen, um zu bleiben, Diaspora im Gespräch. Bei diesem Podcast stehen Menschen und ihre Migrationsgeschichten im Vordergrund. Gekommen, um zu bleiben. Diaspora im Gespräch. Ein Podcast von Marina Wetzelmeier. Herzlich willkommen noch einmal zu dieser neuen Podcast-Folge. Zu Gast ist Kassandra Blasern. Hallo. Hallo, schön, dass ich da sein darf. Ja, mich freut es besonders, dass du da bist. Du bist aus Adnang-Puchheim hergefahren ins Studio von Radio Froh. Und ich habe dich kontaktiert, weil ich schon seit einer Zeit deinen Instagram-Account abonniert habe. Und da verfolge, was du da so postest. Und es geht vor allem um die Schule. Du bist Lehrerin an einer Volksschule und es geht um die Sprachenvielfalt. Ganz richtig, genau. Wie ist es denn dazu gekommen, dass du das auf Instagram so öffentlich machst? Also, weil du postest sehr viel über deinen Alltag auch an der Schule, über Materialien, die du einsetzt. Also wir kommen dann auch darauf zu sprechen, natürlich, dass du die Mehrsprachigkeit der Kinder aktiv auch im Unterricht einbindest. Und ja, du teilst das einfach auch und äußerst dich auch dazu, dass Mehrsprachigkeit einfach dazugehört, nichts Negatives ist, wie es ja so oft auch in den Medien oder im politischen Diskurs dargestellt wird. Was hat dich dazu bewogen, das öffentlich zu machen? Tatsächlich hat alles vor zwei Jahren im Oktober angefangen. Das war mein erstes Dienstjahr. Man muss dazu wissen, ich habe meine Praxis in der Volksschule, wo ich jetzt tätig bin, begonnen. Und mich hat das fasziniert, dass so viele Kinder mit unterschiedlichsten Erssprachen in einer Klasse waren. Und da habe ich das erste Mal ein Projekt gestartet, wo man zur Weihnachtszeit das Lied We are the World in den Erssprachen der Kinder, Also da habe ich immer jeweils zwei Sätze übersetzen lassen und habe dann gemerkt, ja, das kommt gut an und ich habe das dann mit Kolleginnen geteilt und mit Freundinnen geteilt. Und dann war ich in Karenz und dann, wie ich mein erstes Dienstjahr genau in dieser Schule anfangen habe dürfen, habe ich mir gedacht, wieso nutze ich nicht die Social Media, damit ich meine Ideen, meine Erfahrungen einfach mit ein paar mehr teilen kann, außer jetzt nur Kolleginnen und Freunde. Und ja, ich habe ganz klein angefangen und mittlerweile mache ich das jetzt regelmäßig. Ich merke, es kommen Diskussionen zustande, total nette Gespräche. Und ja, ich bin eigentlich erst so am Anfang dieser Reise und ich hoffe, die geht noch ganz lang weiter. Hast du selber auf Social Media Vorbilder? Es gibt ja einige Lehrpersonen, die sehr aktiv sind, auch sich politisch immer wieder äußern. Gerade zu diesem Thema, hast du da selber auch Vorbilder oder Personen, mit denen du da verknüpft bist? Ich muss ganz ehrlich zugeben, ich habe einen privaten Account auch und da folge ich keinem einzigen Influencer. Ich finde das immer ein bisschen oder oft unrealistisch, wenn man halt dann so den Alltag sieht und kann mich mit dem nicht so identifizieren. Was jetzt mein Schulaccount betrifft, mein Lehrerin-Account, gibt es einige Kolleginnen, wo ich mir denke, boah, die macht das ganz toll und die bringt das auch authentisch rüber und ganz realistisch, so wie Schulalltag ist. Da könnte ich jetzt einige nennen, aber ja, die gibt es auf jeden Fall mit den Müt wir austauschen. Und ja, das ist immer ganz nett, wenn man dann Kontakte hat, mit denen man da gute Gespräche führen kann und einmal fragen kann, wie machst du das? Und ja, es gibt auf jeden Fall Personen, denen ich auch folge und mich da erkundige über gewisse Dinge. mich da auch erkundige über gewisse Dinge. Und an der Schule, wo du bist, bist du da die Erste gewesen, die das auch aktiv so im Unterricht einbindet? Ich glaube, dass viele meiner Kolleginnen gar nicht wissen, dass ich so einen Account habe, also mit Sprachenvielfalt Schule, weil ich das jetzt nicht so an die große Glocke hängen will. Also ich erzähle immer wieder, dass ich solche Projekte habe und dass ich dann einmal irgendwo eingeladen werde, aber ich mache das jetzt grundsätzlich nicht, damit ich da bekannt werde oder jetzt wegen meiner Person, sondern ich möchte da Leute erreichen und ansprechen, die wirklich da diese Ideen annehmen, die was damit anfangen können und die sich dann freuen, wenn es da jemanden gibt, der einfach ein bisschen seine Erfahrungen teilt. Und wie schaut es mit der Mehrsprachigkeit aus? Du sagst, du hast auch deine Praxis in der Schule gemacht. Hat es da auch schon Lehrerinnen gegeben, die das bewusst auch aufgegriffen haben, als Ressource sozusagen eingesetzt haben im Unterricht? Jetzt ganz so genau kann ich das gar nicht so beantworten, aber was mir an der Schule so gefällt, ist, dass man wirklich die Sprachen mit ins Boot holen. Jede Lehrerin macht es auf seine Art und Weise. Die eine macht es mehr, die andere weniger, was ja voll okay ist, weil ich finde, jeder hat so seinen Schwerpunkt. Mein Schwerpunkt ist eben die Sprachenvielfalt und die Mehrsprachigkeit. Aber ja, es wird eigentlich in jeder Klasse, werden die Sprachen thematisiert. Sei das jetzt beim Morgenritual, dass man vielleicht Guten Morgen in den verschiedensten Sprachen sagt oder beim Geburtstag feiern, wo man einfach die Geburtstagslieder in unterschiedlichen Sprachen singt. Also jede Lehrerin hat so seinen eigenen kleinen Schatz. Wie viele Sprachen gibt es denn in deiner Klasse? In meiner Klasse, jetzt in der aktuellen, sieben bis acht unterschiedliche Sprachen sind es heuer. Und wahrscheinlich um die 20 Kinder oder so? 25 Kinder. Und du hast jetzt eine erste Klasse? Genau, mit meiner Kollegin haben wir eine erste Klasse, die wir begleiten dürfen. Und ja, es ist eine Freude, wie jedes Jahr. Wie reagieren denn die Eltern oder die Kinder darauf, dass du dann zum Beispiel mit so Aufgaben kommst, wie wir haben diesen Morgenreim, bitte übersetzt ihn doch in eure Familiensprache. Wie reagieren denn dann die Eltern darauf? Wir haben letzte Woche einen Elternsprechtag gehabt und natürlich sind das auch so Fragen, mit denen ich mich beschäftige. Kommt das gut an? Ist das den Eltern vielleicht zu viel, wenn ich solche Hausaufgaben mitgebe? Und ich muss ganz ehrlich sagen, die Rückmeldungen waren echt voll schön, weil viele das gewohnt sind, viele erwachsene Eltern, die sagen, aber sonst heißt es immer Deutsch, Deutsch lernen und wir sollen da zu Hause Deutsch sprechen. Und sie sind das nicht gewohnt, dass das eigentlich voll was Tolles ist, was sie mit ihren Kindern teilen, ihre Familiensprachen, ihre Herzenssprachen, wie ich immer so schön sage. Und sie waren eigentlich sehr begeistert, dass Sprachen einen großen Raum und Platz in unserer Klasse findet. Und von dem her kommt das total positiv an. Und das ist natürlich für mich dann persönlich auch so ein kleines Erfolgserlebnis, dass ich mir denke, okay, ich bin auf dem richtigen Weg. Dadurch wird die Elternarbeit ja total gestärkt, sage ich immer wieder, wenn man die Eltern einfach mit ins Boot holt. Und sie sind ja dann die Experten ihrer eigenen Sprache. Das heißt, es stärkt ja das Vertrauen zu den Eltern. Auf jeden Fall. Ich habe das durchaus selbst auch in Erinnerung von Elternarbeiten, wo die Mehrsprachigkeit eher als Defizit dargestellt wird und immer dann gesagt wird oder immer, aber ab und zu gesagt wird, zu Hause sollst du bitte Deutsch reden. Das kennst du sicher auch als Argument. Es gibt Sprachwissenschaftlerinnen, die sagen, das soll man eigentlich gar nicht machen. Wie ist da deine Erfahrung dazu? Ich sage das auch immer wieder den Eltern. Es gibt zwei Möglichkeiten. Möglichkeit eins ist, wenn die Eltern selber kein Deutsch oder nur gebrochenes Deutsch reden, dann macht es einfach wenig Sinn, wenn ich das dem Kind weitergebe. Für Eltern meinen es nur gut und denken, ich möchte ja, dass mein Kind schnell Deutsch lernt, weil es ja wichtig ist, dass die Kinder trotzdem auch die Sprache können in dem Land, wo sie wohnen. Ich sage immer wieder, es ist ja wichtig trotzdem, dass sie Deutsch gut lernen können. Aber es ist genauso wichtig, dass sie ihre erste Sprache gut festigen. Und ich sage den Eltern immer wieder, bitte bleibt es bei eurer Familiensprache. Wichtig ist, dass die Kinder mal die erste Sprache wirklich ganz gut festigen. die Kinder mal die erste Sprache wirklich ganz gut festigen, weil ich erlebe das so oft, Kinder, die dann in die Schule kommen und weder die Erstsprache gut beherrschen und sie dann auch beim Deutsch lernen schwer tun, weil die Erstsprache einfach null gefestigt ist. Es ist aber so, und da spreche ich jetzt aus persönlicher Erfahrung, ich habe ja eine Tochter, die bald vier ist, wenn die Eltern selber da vielleicht geboren sind und aufgewachsen ist und ganz gut Deutsch können, dann ist das jetzt kein Problem, wenn man zu Hause ein bisschen mischt. Also ich merke das bei meiner Tochter, die spricht zwar beide Sprachen perfekt, also Bosnisch-Kroatisch und Deutsch, aber sie antwortet mir ganz oft auf Deutsch und manchmal antworte ich auf Deutsch zurück, weil es einfach gerade so passt und das ist dann kein Problem. Es geht nur darum, dass die Kinder einfach eine Sprache wirklich festigen und dass man sich dann in der Familie auf eine Sprache dann auch einigt, die man dann regelmäßig verwendet. Und wenn man dann in der Familie vielleicht Angst hat, dass das Kind ja nicht genug Deutsch lernt oder vielleicht auch in der Öffentlichkeit ein bisschen Scheu hat, dann die eigene Muttersprache oder Erstsprache anzuwenden, das überträgt sich dann auch aufs Kind, so eine gewisse Unsicherheit. Absolut. Und weil du deine Tochter angesprochen hast, ihr mischt das einfach, weil es gibt auch so Theorien, dass man sagt, ein Elternteil spricht dann nur Französisch, der andere Elternteil nur Deutsch oder halt je nachdem, welche Erstsprache man hat. Und so kann das Kind das differenzieren. Ist das in der Praxis aber dann gar nicht so? Genau. Mein Mann ist ja ursprünglich aus Kroatien und er ist aber auch, wie er sechs Monate war, geflüchtet und ist praktisch mit Deutsch aufgewachsen, mit der deutschen Sprache. Und Deutsch ist einfach so eine Art Herzenssprache geworden, dass ich und mein Mann untereinander wirklich Deutsch sprechen, obwohl wir beide unsere Erstsprache eigentlich auch perfekt können. Aber mit unserer Tochter reden wir wirklich konsequent auf Kroatisch oder Bosnisch und ich glaube dadurch, dass sie das dann immer hört, also Mama und Papa reden Deutsch miteinander, aber mit mir dann eben Kroatisch oder Bosnisch, dass sie dann gleich automatisch mit beiden Sprachen groß wird und beide Sprachen dann auch wirklich gut festigen kann. Und ich finde, das ist so schön zu beobachten, was möglich ist, wenn eben wirklich die Erstsprache so gut gefestigt ist, dass man dann auch zehn Sprachen noch lernen kann, also gerade in dem Alter, und das dann kein Hindernis ist, wenn man der Erstsprache treu bleibt. Wie erlebst du das bei den Kindern in der Schule oder auch bei den Kindern, die du bisher begleitet hast? Bei Sprache hat ja auch etwas mit der Identität zu tun. Wie leben denn die Kinder das dann? Sind sie stolz darauf? Ich kenne das selbst von Klassen, die sehr divers sind, dass die Kinder dann gerne erzählen von den Verwandten in der Türkei oder in Bosnien. Und dass sie dann dort sprechen können, ist ja auch für sie dann sehr wichtig eigentlich. Aber gleichzeitig wachsen sie ja in Österreich auf. Wie erlebst du das bei den Kindern? Ist die Identität da ein Thema für sie? Also auf jeden Fall. Ich habe mich ein Leben lang damit beschäftigt, weil, wie du das sagst, wenn man in Österreich ist, fühlt man sich vielleicht irgendwie fremd, weil man hat eine andere Sprache und eine andere Kultur und dann bist im Sommer in Bosnien, wie es bei mir war, da bist du auch wieder fremd, weil eigentlich bist du ja die Österreicherin, weil du die Sprache noch nicht so gut kannst. Und ich merke das schon bei ein paar Kindern oder Schülern und Schülerinnen, die am Anfang, denen ist das so peinlich und unangenehm, wenn man dann die Erstsprachen thematisiert, wenn man es dann immer regelmäßig macht und dem einen Raum gibt und wenn das dann für die Kinder so normal ist, dass die Erstsprachen Platz im Unterricht haben, dann merke ich schon, steigt das Selbstbewusstsein gegenüber der eigenen Sprache und der Herkunft und der Kultur und Religion und alles, was dazugehört. Aber wenn man das nicht thematisiert und wenn man dann einmal im Monat sagt, keine Ahnung, singen wir mal ein Lied auf Französisch oder weiß ich nicht, dann merkt man schon die Scham gegenüber den Wurzeln, was ich so schade finde, weil die Kinder würden so gerne und ich merke das, wenn sie dann irgendwas hören, was sie verstehen und dann sagen, Frau Lehrerin, das verstehe ich, das ist meine Sprache. Also dann merkt man, die brauchen das, die brauchen einfach diesen Raum und dieses Gefühl und diese Wertschätzung, dass andere Sprachen einfach, ja, dass es eine Ressource ist, dass es voll was Tolles ist, wenn ich mehrsprachig aufwachsen darf. Und ich glaube, da gibt es noch viel Luft nach oben. Woher kommt denn diese Scham? Weil wenn man denkt, die kommen in die Volksschule, da sind sie ja noch so jung. Wie kann das sein, dass ich mich dann noch da schon schäme, sozusagen, für meine Erstsprachen? Ich glaube, dass Kinder viel mehr mitkriegen, als wir glauben, als wir Erwachsenen glauben. Also ich will ja die Kinder immer schützen. Also wenn ich jetzt gerade in meine Mama-Rolle hineinschlüpfe, dann kann ich mir schon vorstellen, dass die Kinder das dann oft mitkriegen, dass die Eltern sagen, aber du musst mehr Deutsch reden. Ich habe das auch oft schon erlebt bei Elterngesprächen, wenn das Kind dann dabei ist, nein, sag das jetzt auf Deutsch. Und dann denken wir, okay, das Kind kann das aber jetzt gerade nicht auf Deutsch, sie mitteilen, es sollte halt dann einfach die Erstsprache nutzen. Also ich glaube, dass Kinder viel mitkriegen auch jetzt durch Handys und Social Media und das hat es ja früher in meiner Kindheit zum Beispiel nicht gegeben. Also da habe ich mir die Information nicht so holen können, wie das jetzt möglich ist. Oder die Wahlen, die jetzt vor kurzem waren, wo Kinder dann sagen, werde ich jetzt abgeschoben? Also solche Sachen, glaube ich, Kinder kriegen viel mit. Vieles, was für sie gar nicht so bestimmt ist. Und da ist es wichtig, sie dann abzuholen und nicht einfach irgendwie das unter den Tisch zu kehren, sondern wirklich das Gespräch zu suchen, das kindgerecht zu erklären. Und ja, das ist so eine Aufgabe natürlich für uns Lehrpersonen, aber auch die Aufgabe von den Eltern, da die Kinder gut aufzuklären. Das heißt aber, ihr habt nicht so diese Deutschklassen, von denen ja oft die Rede ist. Deutschförderklassen meinst du? Ja, genau. Also wo dann die Kinder, die erst seit Kurzem in Österreich sind, haben sie auch. Haben wir eine, genau. Wie funktioniert das? Weil da wird ja immer wieder auch Bedenken geäußert, dass die Kinder dann vielleicht in einem Regelklassenverband dann gar nicht so eingebunden sind. Und auch teilweise sehr unterschiedliche Altersstufen haben, aber da in einer Klasse miteinander sitzen. Schwieriges Thema. Oder wie geht es ihr damit um? Ihr könnt ja an diesen Rahmenbedingungen ja jetzt nichts ändern, aber wie geht es ihr damit um? Meine Kolleginnen machen das voll großartig und in der Klasse sind auch Kinder drinnen, die eigentlich alle dasselbe Alter haben oder so ziemlich. Und die machen das wirklich toll. Was ich bei Deutschlehrerklassen immer ein bisschen schwierig finde, ist, also wenn man sich jetzt selber hineinversetzt, du bist in einer Klasse und musst vier Stunden lang einer Sprache zuhören oder reden, die man einfach noch nicht versteht. Und gerade in einem Alter von sechs, sieben Jahren, das ist ja unglaublich anstrengend. Da braucht es vielleicht noch ein bisschen anderen Rahmen, dass die Kinder in der Deutschleiterklasse trotzdem Unterrichtseinheiten haben wie Werken oder Zeichnen, so wie in einer ersten, zweiten, dritten, vierten Klasse. Das heißt nicht, dass die Kolleginnen das nicht machen, aber es gibt halt keine Extrastunden, wo man jetzt sagt, so explizit, da machen wir jetzt nur Werken, sondern die reden und hören am ganzen Vormittag immer die Sprache, die sie noch nicht so gut verstehen. Und das ist natürlich für ein Kind in dem Alter furchtbar anstrengend. Also ja, ich bin da immer ein bisschen, ich habe da immer ein bisschen andere Meinung dazu, aber ändern kann man es nicht. Wie du das sagst, die Rahmenbedingungen sind so. Und ich glaube, das war einfach eine politische Entscheidung und nicht eine Entscheidung für das Kind, für die Lehrpersonen. Aber wie gesagt, an unserer Schule funktioniert das wirklich gut. Also meine Kolleginnen, die brennen wirklich für das Thema. Und ja, von dem her geht das gut voran. Wie macht ihr das als Kolleginnen, dass ihr weiterhin brennt für das Thema und nicht im Schulalltag mal ausbrennt? Weil das hört man ja immer wieder. Es wird viel berichtet über Ressourcenmangel an den Schulen und Überforderung. Gerade in den Städten ist das vielleicht ein bisschen anders. Aber wie geht es ihr damit um? Das ist, glaube ich, ein Thema, das wirklich jeden betrifft oder jede Lehrperson betrifft. Wie du sagst, bei uns ist jetzt, was den Lehrermangel angeht, kein Problem. Also wir sind da gut ausgestattet. Aber natürlich gibt es Phasen, wo es voll herausfordernd ist, wo man überfordert ist. Ich möchte nicht sagen, es ist immer alles so super und so toll und ja, es ist ein toller Beruf und ich liebe diesen Beruf und ich würde nie wieder was anderes arbeiten wollen, weil ich ja schon andere Berufserfahrungen auch sammeln habe dürfen. Aber ja, da muss man einfach schauen, einfach diese Work-Life-Balance gut einteilen. Wo findet jetzt Schule statt und wo darf man mal abschalten, nicht einmal an die Schule denken, weil gerade wir Lehrpersonen neigen dazu, dass wir am Wochenende dann auf Pinterest schauen und ah, das könnte ich noch machen. Da haben wir jetzt, bevor ich hergekommen bin, noch im Konferenzzimmer Gespräch gehabt, dass wir einfach den Kindern so viel ermöglichen wollen. Ausflüge, Wandertage, Eislaufen und das Material wäre noch toll, aber man dann merkt, jetzt geht mir die Puste aus und jetzt schaue ich aber wieder so ein bisschen auf mich und auf mein, ja, das, was ich brauche und schaue, dass ich die Ressourcen gut einteile und ja, das ist, was wir Lehrpersonen einfach nur gut üben und lernen dürfen. Vielleicht schauen wir ein bisschen auf deine Geschichte und da bin ich wieder bei deinem Instagram-Account, weil du hast da eben eine Geschichte geteilt von dir als Kind, weil es hat ja auch einen Grund, weil du hast da eben eine Geschichte geteilt von dir als Kind. Es hat ja auch einen Grund, warum du so brennst für das Thema Mehrsprachigkeit, warum du die Kinder so unterstützen möchtest und Lehrerin worden bist. Und du hast ja als Kind schlechte Schulerfahrungen gemacht. Kannst du da was darüber teilen? Ja, voll gern. du da was darüber teilen? Ja, voll gerne. Es ist so, dass meine Eltern vor 34 Jahren aufgrund ihrer Liebe geflüchtet sind nach Österreich und ein Jahr später ist dann der Krieg ausgebrochen im damaligen Jugoslawien. Und meine Mama war dann lange alleinerziehend und wir waren in Linz, haben eine Wohnung gehabt und bin da eingeschult worden. Habe aber jetzt nicht so gute Deutschkenntnisse gehabt, weil ich im Kindergarten, also ich war noch nicht so lange da. Und dann war das so, dass ich in der ersten Klasse Volksschule einfach, wahrscheinlich, ich kann mich ersten Klasse Volksschule einfach, wahrscheinlich, ich kann mich jetzt nicht mehr so erinnern, aber die einzige war mit einer anderen Erstsprache. Und da hat es Kinder gegeben, die das nicht so verstanden und akzeptiert haben, bin da einfach physisch und psychisch, ich würde jetzt nicht sagen misshandelt, aber angegriffen worden. Es war ganz heftig. Ich habe das ganz lange verschwiegen, einfach aus Scham von meiner Mutter. Und meine Mama hat dann irgendwann gemerkt, überall lauter blaue Flecken. Und irgendwie, da passt was nicht. Und ich durfte es dann einmal erzählt haben. Habe dann die Schule gewechselt. War dann wieder in Linz in der zweiten Klasse Volksschule, dann war wieder das Gleiche, bis wir dann schließlich durch die Caritas dann nach Steinerkirchen gekommen sind. Dort bin ich dann im Kloster groß geworden mit meiner Schwester und meiner Mama und ab da hat eigentlich so meine Kindheit wirklich begonnen. Und dort bist du in einer Privatschule gegangen? Überhaupt nicht. Tatsächlich war es so, dass ich zwar, also ich und noch ein Mitschüler, der war aus Kroatien, wir haben eine andere Erstsprache gehabt, aber das war jetzt überhaupt nicht irgendwie, dass wir jetzt anders wären. Also das war, ich habe mich nicht fremd gefühlt. Im Gegensatz zu den Schulen, wo du vorher warst. Genau. Haben die Lehrpersonen da was mitgekriegt oder reagiert zumindest? Interessante Frage. Laut meiner Mama nicht. Ich kann mich noch erinnern, es hat dann einmal ein Gespräch mit der Direktorin gegeben und mit dem Anführer von dieser Gruppe, von dieser kleinen Gruppe, die mich da angegriffen hat. Aber mehr tatsächlich nicht. Ich habe dann vor vier, fünf Jahren versucht, meine Klassenlehrerin ausfindig zu machen. Habe ihr eine E-Mail geschickt, weil ich das Gefühl gehabt habe, ich brauche da irgendwie so einen Abschluss für mich. Ich wollte wissen, hat sie was mitgekriegt? Hat es da Gespräche gegeben? Ich habe auch den Anführer sogar auf Facebook gefunden, weil ich noch ganz genau gewusst habe, wie der heißt. Habe den angeschrieben, weil ich eben gemerkt habe, ich möchte einfach antworten. Ja, und so haben sich dann beide leider nicht zurückgemeldet. Aber für mich passt das. Ich finde es, das hört sich jetzt vielleicht komisch an, aber ich bin trotzdem dankbar für diese Erfahrung, weil sonst würde ich jetzt nicht da bei dir sitzen und über so ein wichtiges Thema reden. Ich sage immer, es hat alles seinen Sinn im Leben. Auch wenn man am Anfang den Sinn nicht versteht und es weh tut und schmerzhaft ist, aber es hat alles seinen Sinn und das hat so sein sollen. Du schreibst dann auch dazu, also du schreibst über das Mädchen auf diesem Bild, das du bist als Kind und du schreibst dann, ihre Mama freut sich bestimmt, dass sich ihr Kind in der Schule wohlfühlt. Und das ist total berührend, weil ich denke dann automatisch an Kinder, die vielleicht jetzt neu in der Schule sind und die Kinder und die Eltern dann sehr froh sind darüber oder stolz darauf sind, dass die Kinder in der Schule sind, aber vielleicht gar nicht mehr darüber wissen, was da passiert. Also ich weiß nicht, wie es dir da geht. Bei mir kriege ich da schon ein bisschen eine Gänsehaut dabei, weil ich mir denke, diese Erfahrungen, die du geschildert hast, könnte es ja trotzdem geben. Das Kind fühlt sich unwohl in der Schule, die Eltern geschildert hast, könnte es ja trotzdem geben, oder? Das Kind fühlt sich unwohl in der Schule, die Eltern haben hohe Erwartungen und das Kind kann sich nicht mitteilen. Da gibt es sicher viele Geschichten. Auf jeden Fall. Ich bin mir ganz sicher, dass es tagtäglich stattfindet. Mir hat gestern erst der Mama angesprochen, da war der Schüler letztes Jahr bei uns in der Klasse und ist jetzt in der Mittelschule und die war so verzweifelt und hat gesagt, nein, mein Sohn, der wird geschlagen und gemobbt und ob ich nicht helfen kann und mit ihm reden. Also die war ganz aufgewühlt, weil wir die gleiche Sprache haben und sie sich auf Deutsch einfach nicht so mitteilen kann mit den Klassenlehrerinnen. Und das findet tagtäglich statt. Da glaubst du als Mutter, als Vater, wer auch immer, mein Kind, der fühlt sich so wohl und sie sagt nie was, also es gibt sicher keine Probleme, weil die Kinder einfach so ein Schamgefühl entwickeln oder, so wie es bei mir war, glaube ich, sie wollen nicht, dass die Eltern sich Sorgen machen. Und ab einem gewissen Alter ist es dann peinlich, wenn die Mama in die Schule kommt, gerade in dem Alter 12, 13, wo die Pubertät dann schon beginnt, kann ich mir vorstellen, dass die Kinder sich dann nicht trauen, sich Hilfe zu holen, was voll wichtig wäre, weil das ist ja dann voll ein Teufelskreis, aus dem die Kinder dann nicht mehr rauskommen. Ja, ja. In Schulen, wo es dann vielleicht Schulpsychologinnen gibt oder Lehrerinnen, zu denen man Vertrauen hat, da könnte man sich ja dann vielleicht auch Hilfe holen. Du hast eben dann auch geschrieben, dass du dann auch deine Muttersprache am liebsten vergessen hättest, also du hast dich geschämt dafür, dass du jetzt nicht Deutsch als Erste Sprache hast und dann auch beim Einkaufen oder in der Öffentlichkeit war es dir peinlich und du hast dann gesagt, Mama, rede bitte Deutsch hier. Wie lange hat denn das dann gedauert oder wann war der Zeitpunkt, wo du dann gesagt hast, nein, eigentlich stehe ich dazu und es ist mein Schatz sozusagen, wie du auch gesagt hast, mein Sprachenschatz und das gehört zu mir. Also wie lange hat das gedauert, bis du da dann selbstbewusst damit umgehen hast können? Ganz lang. Ganz lang. Und tatsächlich, als ich mit dem Studium an der PH angefangen habe, an der privaten pädagogischen Hochschule, PH angefangen habe, an der privaten pädagogischen Hochschule, da hat es angefangen, dass ich wirklich ganz selbstbewusst zu meiner Erstsprache stehe und das auch in der Öffentlichkeit dann so annehmen kann. Oder wenn ich dann irgendwo bin und ich treffe gerade irgendjemanden, der die gleiche Sprache spricht, dass ich mich dann irgendwie umdrehe und schaue, man könnte das jetzt wieder hören. Sondern ich habe da irgendwie so dieses Selbstbewusstsein entdeckt, dass es eigentlich voll cool ist, dass ich mehr sprechen kann, fließend. Und auch nach der Geburt meiner Tochter, weil ich und mein Mann waren uns ganz einig, total einig, dass unser Kind auf jeden Fall unsere Erstsprachen lernen darf. Was ja auch nicht selbstverständlich ist, weil viele Eltern denken, ja, aber die Sprache braucht es ja gar nicht in Österreich. Also mit Deutsch kommt es eh weiter. Ja, natürlich kommt es mit einer Sprache auch weiter. Aber es ist so ein Geschenk, was wir unserer Tochter mitgeben dürfen. Und ja, es ist tatsächlich eben Geschenk, was wir unserer Tochter mitgeben dürfen. Und ja, es ist tatsächlich eben noch nicht so lange her, dass ich da ganz selbstbewusst sagen kann, ich bin stolz auf meine Erstsprache. Hast du so die Hoffnung, dass das vielleicht mit der zweiten, vielleicht noch nicht, aber mit der dritten Generation, die da aufwächst, dann einfach wirklich einmal natürlich ist, dass man einfach zwischen den Sprachen wechseln kann, also dass man wirklich in der Gesellschaft anerkennt, dass das dazugehört. Es gibt so viele Menschen in Österreich, die zwischen Sprachen wechseln, die fließend mehrere Sprachen sprechen können, gerade auch Kinder dann, die dann später mal Erwachsene werden und das weitergeben können. Also da ein bisschen so ein Bild im Kopf, dass das irgendwann einfach gar kein großes Thema mehr sein muss. Ja, ich hoffe es. Ich hoffe es für alle Kinder, die das dann betrifft auch, dass man dann nicht unbedingt jedes Mal wieder die Ersprachen so intensiv einbauen muss, sondern dass die Kinder schon von Haus aus irgendwie ganz ein gutes Gefühl dabei haben, also wenn das jetzt nicht ganz was Besonderes ist, sondern wie du gesagt hast, ganz normal, dass die Sprachen thematisiert werden. Genauso wie jetzt, ob das jetzt Klima ist oder andere Themen, die auch wichtig sind und wo man aber nicht überlegt, soll ich das aber schon einbauen? Ich kann doch jetzt nicht irgendwelche Sprachen, die Kinder müssen ja Deutsch lernen. Also ich hoffe es wirklich auch für meine Tochter später, wenn sie dann in der Schule ist, dass das einfach ganz was Natürliches, Normales, Tolles ist, was wir damit auf den Weg gekriegt haben. welches Normales, Tolles ist, was wir damit auf den Weg gekriegt haben. Derzeit ist es aber leider nur so, dass es immer thematisiert wird. Und mir würde es interessieren, wie es dir bei so Nachrichten, Meldungen geht. Ich glaube, das war eh in letzter Zeit immer wieder kommt es, so und so viel Prozent der Kinder haben eine andere Erstsprache als Deutsch. Das wird dann oft so wiedergegeben, das steht dann so da. Und was passiert dann mit der Info? Oder was soll dann mit der Info passieren? Also da fällt oft auch ein bisschen der Kontext. Oder der Kontext ist dann, ja, das ist problematisch. Wie geht es dir dabei bei solchen Meldungen? Ich muss da ganz ehrlich sagen, ich versuche solche Meldungen nicht an mich heranzulassen, beziehungsweise bin ich auch nicht der Typ, der recht viele Nachrichten schaut, weil ich merke, ich steigere mich dann sehr hinein und es bringt in Wahrheit nichts. Aber ja, hin und wieder bemerke ich das dann, dass man dann, vor kurzem habe ich diese Schlagzeile gesehen, gerade in Wien, so ein Prozentsatz an Kindern, die nicht Deutsch sprechen. Und ich denke mir dann, ja, wir brauchen diese Ressourcen. Eine Lehrerin, die in einer Klasse steht und es sind viele, die einfach alleine für 25 Kinder verantwortlich sind. Wie soll ich das jonglieren? Also es ist eine Herausforderung und es ist so schade, dass man sich dann immer darauf konzentriert, was nicht funktioniert, weil es gibt gerade in Bildungseinrichtungen so viel, das gut funktioniert. Aber ich weiß, man verkauft eher das Negative als das Positive. Und ja, das ist halt einmal ein Thema, mit dem ich mich nicht so gerne beschäftige, weil ich bin lieber dann aktiv und schaue, dass ich dem ein bisschen entgegenwirken kann. Ja, also alles ist eine Sache der Ressourcen. Schwierig. Schwieriges Thema. Tatsächlich dann der politischen Entscheidungen, weil wie du sagst, es gibt Schulen oder Lehrpersonen, die da sehr aktiv sind, die da kreativ an die Sache herangehen. Andere, die dann natürlich sich alleine gelassen fühlen, wenn sie vor solchen Herausforderungen stehen. Es gibt in der Bildungswissenschaft viele Konzepte für Mehrsprachigkeit. Es gäbe ja Ideen, wenn es dazu dann auch den Umsetzungswillen gibt. Das ist es, genau. Mir ist auch aufgefallen, du verwendest gerne den Begriff Herzenssprache oder Familiensprache und nicht so gern Muttersprache. Was ändert es denn, wenn man es Herzenssprache oder Familiensprache nennt? Also jetzt nicht gern Muttersprache ist jetzt nicht so, dass ich es nicht gern verwende. Ich finde, es ist einfach ein veralteter Begriff. Obwohl mir es auch hin und wieder passiert, dass ich Muttersprache sage, aber Herzenssprache tatsächlich, seitdem wir da unser Projekt gestartet haben, also Pablo's Herzenssprache, ich weiß nicht, ob wir da nachher noch dazu kommen, aber der Titel war irgendwie so passend, weil Herzenssprache, verstehe ich darunter. Das ist eine Sprache, die ich wirklich im Herzen spüre. Und das ist bei mir Deutsch und Bosnisch. Also Muttersprache, wenn wir jetzt diesen veralteten Begriff nehmen, ist es bei mir Bosnisch. Weil meine Mama spricht Bosnisch und dann denke ich mir wieder, okay, aber mein Papa spricht auch Bosnisch, von dem habe ich auch was gekriegt. Wieso heißt es dann Muttersprache und nicht Vatersprache? Darum finde ich Familiensprache passend, weil es gibt Familien, wo der Papa jetzt zum Beispiel, also beim Schüler jetzt bei mir Portugiesisch spricht und die Mama spricht Polnisch. Wenn man jetzt Muttersprache sagt, okay, dann ist es Polnisch, aber den Papa höre ich ja auch reden, der redet ja mit mir auch Portugiesisch. Darum finde ich einfach die Begriffe Familien- und Herzenssprache irgendwie passender. Und es hört sich auch irgendwie schöner an, wenn man weiß, deine Herzenssprache, die Sprache, die du wirklich so im Herzen spürst. Ja, das ist lustig, weil ich habe einmal mit mehrsprachigen Kindern eine Podcast-Folge aufgenommen und sie haben so drüber gesprochen, ja, was sprechen sie zu Hause, in welcher Sprache träumen sie, schimpfen sie, was sprechen sie in der Schule, in der Pause. Also sie haben einfach sich gegenseitig ausgetauscht darüber und die haben immer, ein Kind hat angefangen, meine Muttersprache ist Albanisch, meine Vatersprache ist Bosnisch. Und dann hat das jedes Kind auch wieder übernommen und gesagt, meine Muttersprache ist deutsch, meine Vatersprache ist französisch. Das ist, ja, weil die Kinder das ja wortwörtlich nehmen. Genau. Das ist irgendwie ein interessanter Effekt, das so zu sehen. Und gleichzeitig sprechen sie aber fließend Deutsch, weil was ist dann Deutsch? Genau, was ist dann Deutsch? Eben. Ja, reden wir gern über die schönen Dinge, über euer Theaterprojekt. Fablos Herzenssprache. Wie ist es zu diesem Theaterstück gekommen? Ist das etwas, was ihr sowieso an der Schule oft macht, so kreatives Arbeiten? Und die Geschichte dazu, wie ist die entstanden? Ja, 2023. Also wir haben eine Förderstunde und eine Talenteförderstunde. Die habe ich in Deutsch gehabt und habe da fünf Kinder einladen dürfen, die einfach total kreativ sind im Geschichtenschreiben. Und die ersten zwei Einheiten haben wir wirklich Geschichten geschrieben, Bildgeschichten und irgendwie haben wir gedacht, jetzt jede Woche Geschichten schreiben, ist ja grundsätzlich was Tolles und kreativ sein, aber ich möchte irgendwie die Zeit nutzen für irgendein cooles Projekt. Und ja, dann habe ich den Kindern vorgeschlagen, was hältst du davon, wenn wir ein Buch schreiben? Ja, na, voll toll und super. Und dann habe ich gedacht, aber jetzt nur so ein normales Buch, ist irgendwie fad. Und das Besondere war, dass wirklich jedes Kind von den fünf, die ich eingeladen habe, eben eine andere Erstsprache haben oder zweisprachig aufwachsen oder dreisprachig sogar, habe ich gesagt, wisst ihr was, wir nehmen eure Sprachen mit ins Boot und schreiben ein mehrsprachiges Buch. Also wo wirklich im Fließtext immer wieder dann nach zwei Sätzen dann mal was Arabisches kommt oder, was haben wir noch gehabt, Slowakisch. Also nicht die klassische Übersetzung, also von Deutsch dann auf Arabisch, sondern mit in den Fließtext, weil wir das erreichen wollten, wie fühlt sich das an, wenn ich nichts verstehe, wenn ich jetzt ein Buch lese oder wo sitze und ich verstehe nichts, was macht das mit mir? Die Kinder haben das dann illustriert, also zwei waren zuständig eben für die Illustrationen, die anderen für Schreiben. Und dann haben wir das Buch fertig gehabt. Und ich habe mir gedacht, ja, für die Eltern. Aber das dürfte dann irgendwie so gut angekommen sein, dass dann Büchereien angefragt haben. Wir haben das dann ausstellen dürfen. Und ein Jahr später eben war wieder diese Frage, was tun wir jetzt wieder die nächsten Wochen? Ich habe gesagt, machen wir ein Theaterstück aus dem Buch. Und irgendwie war das dann so schön, weil das dann eine vierte Klasse war, Abschlussklasse. Und dann haben wir daraus ein mehrsprachiges Theater gemacht mit immer Szenen dazwischen, wo ein Schüler die Fluchtgeschichte, was gedichtet hat zu seiner Fluchtgeschichte aus Syrien. Schüler die Fluchtgeschichte, was gedichtet hat zu seiner Fluchtgeschichte aus Syrien. Eine Schülerin hat Tänze einstudiert, dann haben wir ein Lied gesungen über Mehrsprachigkeit. Also es war echt ganz was Besonderes. Und ja, Pablo's Herzenssprache, das bleibt eigentlich für immer so ganz was Besonderes von all den Projekten, die jetzt kommen, weil es hat mir irgendwie so die Türen geöffnet, dass ich ja, dass ich da wirklich die Sachen erteilen darf, die mir so wichtig sind und die mir so eine Herzensangelegenheit sind. Und ich nehme an, bei den Eltern ist das auch gut angekommen, oder? Ja, auf jeden Fall. Also es waren wirklich alle Eltern gerührt und überhaupt, dass die Kinder dann wirklich stolz waren auf ihre Spr gerührt und überhaupt, dass die Kinder ja dann wirklich stolz waren auf ihre Sprachen und auf das, was sie geleistet haben, was sie auf die Beine gestellt haben. Ja, nein, es war wirklich ganz ein tolles Ereignis. Besonders natürlich, weil die Kinder einfach bei dem kreativen Prozess, auch bei der Entstehung der Geschichte und wie du gesagt hast, die Illustrationen dann im Buch und die Umsetzung im Theater, also das war einfach wirklich ihrs. Ja, und sie haben das so fühlen können. Viele Kinder wissen, wie das ist, wenn man ausgegrenzt wird, wenn wer sagt, was redest denn du da für Sprache? Die hört sich ja lustig an zum Beispiel. Also die haben das wirklich authentisch auch so rüberbringen können. Und das war mir wichtig. Gibt es das Buch dann wo erhältlich? Also in Bibliotheken? Ja, genau. In der Bücherei in Adnang-Puchen und in Gmunden. Nach Wien habe ich es auch schon geschickt, aber ich weiß nicht mehr an wen. Ja, hätte ich das gewusst, hätte ich tatsächlich mehr bestellt, weil mir war das nicht so bewusst, dass das doch dann einige kaufen wollen oder erwerben wollen, weil es eigentlich nur so ein Projekt für die Eltern gedacht war. Aber ja, ein Exemplar habe ich noch bei mir zu Hause und auf das muss ich mir gut schauen. Okay, gibt es da keine weitere Auflage davon? Nein, leider nicht mehr. Ich habe das tatsächlich wie ein Fotobuch dann drucken lassen. Und das kann man leider nicht mehr nachdrucken und nachbestellen. Okay, also in der Hinsicht auch etwas Besonderes. Ja, genau. Mich würde auch noch interessieren, also so im Schulalltag, du hast am Anfang auch dieses Morgenritual, das ihr hauptsächlich genannt, und auch diesen Reim, den ihr aufsagt, das machst du mit jeder Klasse dann? Genau, gestartet habe ich mit dem letzten Durchgang. Das war nach der Karenz, da waren die Kinder in der dritten Klasse. Und genau, das ist eigentlich jetzt unser festes Ritual geworden, jetzt auch mit dem neuen Durchgang, mit der ersten Klasse und das kommt voll gut an. Das heißt, pro Monat ist sozusagen eine Sprache dran und die Kinder lernen somit dann die Sprachen der anderen. Genau. Ich muss aber ehrlich sagen, also wir haben jetzt, letzten Monat haben wir Polnisch gehabt und gemerkt, das ist gar nicht so einfach, die Aussprache und jetzt mit Portugiesisch, aber darum geht es gar nicht. Also es geht nicht darum, dass die Kinder dann perfekt die Sprache können, sondern es geht darum, einfach Sprachen kennenzulernen. Wie spreche ich gewisse Wörter oder Buchstaben aus? Jetzt haben wir dann, BKS haben wir schon gehabt, also Bosnisch, Kroatisch und Serbisch und dann in einer anderen Sprache, ah, das heißt ja genauso wie bei uns, als dass wir gemerkt haben, Portugiesisch gibt es Wörter, die ähnlich sind auf BKS und einfach diese Vergleiche und das finde ich so spannend, einfach mit Sprachen zu experimentieren und auch trotzdem dann wertzuschätzen, dass unser ja, dass wir da einen Raum haben für diese Sprachen, weil wenn ich dann das aufhänge an die Tafel und dann sieht das Kind dann schon, also wirklich jetzt gerade bei dem Portugiesisch, das Kind, das hat so ein Strahlen gehabt, wirklich und ich habe das vor kurzem mal irgendwo erwähnt, am liebsten würde ich die Kamera auspacken und das festhalten in diesem Moment, weil es einfach so was Schönes ist, dass die Kinder dann einfach das so annehmen können und sich da einfach auch so freuen und so ehrlich freuen. Würdest du sagen, dass das auch mit der Klassengemeinschaft was macht? Oder ein bisschen, weil die Kinder sich ja über eine andere Ebene dann noch einmal kennenlernen. Also wenn du sagst Polnisch, dann sagst du, das ist aber schwierig. Wie schaffst du das? Oder wenn Arabisch, wie kannst du das schreiben? Dass da vielleicht auch noch ein bisschen mehr Gemeinschaft entstehen könnte. Auf jeden Fall, auf jeden Fall. Wir haben auch in der Klasse so einen Sprachenbaum, wo die Sprachen wirklich ersichtlich sind. Und ich merke das dann schon, wenn die Kinder dann ins Gespräch kommen und sich dann austauschen und fragen, wie sagt man zum Beispiel alles Gute zum Geburtstag auf deiner Sprache? Oder es macht auf jeden Fall was mit einer Gemeinschaft. Es kann ja nur positiv sein, wenn jedes Kind merkt, ich bin willkommen. Du fühlst dich automatisch wohl. Du fühlst dich nicht ausgegrenzt. Und das ist bei uns wirklich, gerade bei 25 Kindern, wo doch viel Potenzial sein könnte, dass sich irgendwer unwohl fühlt, ist das bei uns überhaupt nicht so. Also sicher gibt es hin und wieder mal Streitereien oder Diskussionen, aber jetzt ganz unabhängig von den Sprachen. Also ich habe schon gemerkt, das ist etwas, was nur uns gehört in diesen paar Minuten am Morgen. Und die Kinder freuen sich dann schon auf den nächsten Monat. Ist da noch eine Sprache dran? Ja, es ist schön zu experimentieren mit den Sprachen der Kinder. Wie sind dann die Kinder, sie gehen dann gestärkt sozusagen, so kriege ich das ein bisschen mit, aus deinem Unterricht oder dann auch nach den vier Jahren gestärkt aus der Schule. Welche Art von Vorbereitung ist das dann für die Kinder? Also mit welchen Ressourcen sind die Kinder dann ausgestattet, wenn sie dann in die nächste Schule gehen oder weitere Erfahrungen dann machen? gehen oder weitere Erfahrungen dann machen? Was mir und meiner Kollegin ganz wichtig ist, also wir sagen immer, natürlich ist es wichtig, dass die Kinder schreiben, lesen und rechnen können sollen, ist ganz klar. Für das gehen die Kinder in die Schule. Was uns aber und insbesondere mir fast ein Stück wichtiger ist, ist, dass dann aus der Volksschule rausgehen und sie selbst akzeptieren, wissen, wer sie sind oder zumindest einmal ein bisschen ahnen, weil ich finde es immer schwierig in dem Alter, wer bin ich, wer möchte ich sein, aber dass man sich einfach selber gut akzeptiert, dass man sich selber liebt, dass man hilfsbereit ist, dass man Nächstenliebe leben kann. hilfsbereit ist, dass man Nächstenliebe leben kann. Einfach diese Werte, wenn ich den Kindern oder wenn wir den Kindern sowas mitgeben können und in zehn Jahren denken sie dann, genau, das habe ich vor zehn Jahren von den Lehrerinnen gelernt, dass man helfen sollte, dass man unterstützen sollte, dass man für andere einstehen soll. Das ist dann für uns das größte Geschenk. Ob das jetzt ein Mathematiker wird oder eine Verkäuferin, ich finde, macht die nicht besser oder schlechter. Und das ist immer so mein eigener Anspruch, die Kinder wirklich so aufs Leben vorzubereiten, dass dann wirklich mit einem großen Herzen dann in die nächste Schule weitergehen können. Ich kann mir auch vorstellen, dass wenn die Kinder dann weitergehen in die nächste Schule, dass vielleicht auch der Lehrerin oder dir dann nochmal einen Besuch abstatten. Ja, das teilt tatsächlich. Es ist immer wieder schön dann zu erfahren, was sie gerade so tut in ihrem Leben. Du hast ja selbst auch ein Buch verfasst. Ich erwähne das, weil das ist ja auf deinem Instagram-Account sowieso. Ja, stimmt. Was du nicht gemacht hast. Man darf schon darüber sprechen, anscheinend. Ja, was passiert damit? Wird es veröffentlicht? Was sind da deine Pläne? Ja, das ist ganz schräg. Also ich wollte schon immer einmal ein Buch veröffentlichen. Ich habe nur nicht gewusst, in welchem Rahmen wird das eine Geschichte, weil meine Mama auch voll gerne Gedichte schreibt und da selber schon einmal etwas veröffentlicht hat. Und nachdem immer wieder so Fragen kommen zu meiner Geschichte, wie ich das mache, warum ich das mache, von wo ich die Energie aufbringe, habe ich einfach mal angefangen zu schreiben und habe das so in Kapiteln unterteilt, weil ich doch jetzt so rückblickend gesehen eine sehr besondere Geschichte zu erzählen habe, sei es, wieso ich im Kloster aufgewachsen bin, was hat das mit mir gemacht, was war da in der Volksschule, wieso kann ich mich nicht an den ersten Schultag erinnern, solche Sachen. Und habe angefangen zu schreiben und ein bisschen das auf Instagram zu teilen und habe gemerkt, irgendwie sind die Leute da total interessiert. Und es ist jetzt einmal fertig geschrieben. Und es ist auch geplant, dass ich es veröffentliche in einem kleinen Rahmen. Und ich mache mir da jetzt überhaupt keinen Stress und keinen Druck. Es ist eine persönliche Lebensgeschichte, das habe ich mit Hilfe von StoryOne gemacht, habe ich schon ein paar Mal mitbekommen, dass es eben diese Möglichkeit gibt. Falls es dann wirklich zustande kommt, dass ich das verkaufen darf, habe ich gleich gesagt, die Einnahmen werden dann für einen guten Zweck gespendet, auf jeden Fall irgendwas, wo Kinder, wo das Kinder betrifft und ja, dann lasse ich mich einfach mal jetzt so ja, schauen, in welche Richtung das geht und vielleicht kann ich mir den Traum erfüllen, dass ich ja mal so ein Buch veröffentlichen darf. Das heißt, das war einfach dein Antrieb, das mal niederzuschreiben und zu verarbeiten? Tatsächlich auch. Also einfach das zu verarbeiten, was ich erlebt habe und mir dessen bewusst zu werden, was ich schon geschafft habe. Also man ist dann auch oft ziemlich bescheiden, wenn man dann hört, das Projekt ist so toll. Und dann denke ich, ja, es ist schon cool. Aber dass man da einmal sagen darf, ich bin stolz auf das, was ich geschafft habe. Und ich mache das wirklich mit vollster Leidenschaft. Und weil es mir wichtig ist. Und das jetzt in so einem Format zu machen, schauen wir mal, wie es dann ankommt. Aber es ist eher so ein Geschenk von mir an mich selbst. Ja, das klingt sehr schön, das darf man ruhig machen und man darf ruhig stolz auf sich sein, aber ja, es ist einfach oft so, dass man die eigenen Fähigkeiten oder Ressourcen dann weniger wertschätzt als dann vielleicht die der anderen. Genau, das stimmt. Dann sage ich danke, dass du da warst, dass du einen Teil deiner Geschichte erzählt hast und auch deine Erfahrungen mit der Schule. Gerne. Hat mich sehr gefreut. Sogar danke für die Möglichkeit und vielleicht bis zum nächsten Mal. Genau, vielleicht mit dem nächsten Projekt. Ja, vielleicht wieder ein Theaterstück oder ein Buch oder weitere Ideen gibt, Konzerte, Mehrsprachige, was auch immer euch dann einfällt. Nehme ich gleich auf. Okay. Ja gut, dann danke und ich bedanke mich auch bei den HörerInnen bei Radio Froh fürs Zuhören und auch fürs Zuschauen auf DorfTV. Die Sendung kann nachgehört werden und zwar im Sendungsarchiv der Freien Radios unter cba.media und kann natürlich auch nachgeschaut werden unter dorftv.at. Mein Name ist Marina Wetzelmeier und wir freuen uns, wenn Sie auch beim nächsten Frosin wieder einschalten, immer werktags um 18 Uhr auf Radio Froh. Auf Wiederhören!