Die Literaturgalerie im Stifterhaus der Werke des Dichters mit Doktorin Nicole Streitler-Kastberger, Universitätsprofessor Dr. Klaus Kasberger und Dr. Martin Wever. Wir freuen uns sehr, die für die 2023 abgeschlossene 19-bändige historisch-kritische Gesamtausgabe Verantwortlichen bei uns, bei Stifter und aktuell bei Kofler begrüßen zu können und von Ihnen etwas zur Edition und auch darüber, wie eine solche gemacht wird, also über Freuden und Leiden des Ediens im Gespräch zu erfahren. Herzlich willkommen, wie schön, dass Sie da sind. Sie da sind. Es wird das Besondere an der Ausgabe vorgestellt werden, Ihre materiellen und wissenschaftlichen Voraussetzungen und Ihre Zielrichtungen in der Druckausgabe. Sie sehen sie hinten. Man müsste eigentlich von Druckausgaben sprechen, neben der prächtigen Himmelblauen gibt es noch eine handliche Gelbe. Neben diesen beiden Ausgaben dann auch noch digitale Anwendungsformen. Wir werden davon hören und auch Horvath selbst kommt zu Wort. Florentin Groll liest aus ausgewählten Texten Horvaths Best of Horvath passenderweise zu Öden von Horvaths Geburtstag, der sich just heute zum 123. Male jährt. Wir begrüßen Florentin Groll sehr herzlich im Haus. Wie erfreulich, Sie wieder einmal hier zu haben. Herzlich willkommen. haben. Herzlich willkommen. Ödön von Horvath ist Teil des Literaturkanons, geboren wurde er 1901 in Fiume, Rijeka. Es folgten wechselnde Aufenthaltsorte der Familie, bedingt durch den Beruf des Vaters im diplomatischen Dienst, darunter auch Wien. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Zerfall der Habsburger Monarchie, deren Vielvölkerzusammensetzung die Familie Horvath gewissermaßen teilweise abbildet, lebt Horvath mit ungarischem Pass unter anderem in Berlin, Salzburg und im Haus der Familie im bayerischen Murnau am Staffelsee. Sein Versuch, Bayer zu werden, scheitert. Aus Gründen von Horvaths nicht gesichertem Einkommen werden seine Anträge zur Einbürgerung abgelehnt. Eine Existenz im nationalsozialistischen Deutschland ist Horvath nicht möglich. Letztlich nicht möglich, auch darüber hören wir vielleicht heute noch etwas. möglich, letztlich nicht möglich, auch darüber hören wir vielleicht heute noch etwas. 1938 geht er übrigens von Scherding aus, es gibt also einen kleinen Oberösterreich-Bezug, wo Horvath sich zur Kur aufgehalten hatte, ins Exil. Horvath stirbt am 1. Juni desselben Jahres in Paris, sein Tod ist so spektakulär wie unnötig, ein herabfallender Ast erschlägt den Autor auf den Champs-Élysées. Horvaths Romane zu Spießern, Kleinbürgern und zum Faschismus, wie Jugend ohne Gott, um einen zu nennen, sind vermutlich auch noch heute Schullektüre. Seine Theaterstücke, moderne Volksstücke kommen nach wie vor auf die Bühnen. Die Geschichten aus dem Wiener Wald etwa wurden mehrfach, darunter zweimal mit Helmut Gwaltinger verfilmt. Horvath ist ein Klassiker der Moderne, Grundkenntnisse zu seinem Werk können vorausgesetzt werden. Vermutlich weniger bekannt ist, dass Horvath-Texte, insbesondere die für das Theater lange Zeit in ihrer Gestalt stärker von Gebrauch, Praxis, Verlagen, Editoren geprägt waren, als abgesichert durch den Autor selbst. und dazu seine Geschichte in der erhaltenen Überlieferung, den unterschiedlichen Textzeugen transparent und nachvollziehbar machen, also den Prozess der Werkentstehung zu zeigen, das wie die Wiener Ausgabe und das kann sie und noch einiges mehr. Wir hören nun davon Ihnen allen einen anregenden Abend mit Öden von Horvath und mit unseren Gästen. Aus den weißblauen Kalkalpen. 15. Juli. Die Schulen sind aus, die Ferien beginnen, die Städter strömen in die Natur, um sich auszuschwitzen. Heuer gibt es wieder mal besonders viele unbefriedigte Damen. Pflichtgetreu absolvieren die Bauernburschen ihre galanten Abenteuer. Diese Meister der praktischen Psychologie. Ich sitze in einem Aussichtscafé. Misstrauisch erkundigt sich die Kellnerin, warum ich so ohne irgendeiner Frau da sitze. Ich sage, ich sitze auch mal gern so allein. Worauf sie meint, Freilich, man muss auch mal ausschnaufen. Jetzt ist wieder Saison. Jetzt haben die Herren wieder streng zu tun. Jetzt haben die Herren wieder streng zu tun. Ein Fremder fragt zwei eingeborene Brüder, verzeihen Sie bitte, können Sie mir sagen, welche Kuppe der Krottenkopf ist? Hä? Der Krottenkopf, bitte. Der Krottenkopf, befleißigte sich der eine schriftdeutsch zu antworten. Das ist dort der dritte, der dritte rechts hinter dem vierten links ganz hinten. Aber jetzt singen Sie den nicht. Von hier aus kann man nämlich den Krattenkopf nicht ziehen. Geh, lass doch den Socker, meinte der ältere Bruder freundlich. Leg mich am Arsch, belehrt ihn der Jüngere. Wenn du eine Fremdenart sein willst, dann musst du schon freundlich sein zu den Leuten. Da hilft dir nichts. Herr Reithofer wird selbstlos. Agnes Lachte. Es fiel mir nämlich plötzlich ein, dass sie ja noch gar nicht weiß, wie der Mann da neben ihr heißt. Sie wissen ja nur, dass er den noch gar nicht weiß, wie der Mann da neben ihr heißt. Sie wissen ja nur, dass er den Vornamen Eugen hat. Und vielleicht hat er einen sehr komischen Nachnamen, etwa Käseborer, Itzelblitz, Ritzkopf, Kalbskopf oder die drei bayerischen Köpfe, Holzkopf, Gipskopf, Saukopf oder Baron Rotz, Fürst Steiß, Graf Hubert Sepp. Warum sie denn lache und worüber, erkundigte sich Eugen. Es sei ihr nur etwas eingefallen. Was? Es sei ihr eingefallen, dass sie einmal einen Menschen kannten, der Salat hieß. Er meinte, das fände er gar nicht komisch, eher tragisch. So kenne er einen tragischen Fall, einen Kollegen in Linz, der an seinem Familiennamen zugrunde gegangen ist. Er hieß Johann Suppe und war in ganz Oberösterreich berühmt. Er war nämlich der Zahlkellner im Erzherzog Albrecht. Und alle Gäste riefen ihn nur per Herr Rindsuppe, Herr Nudelsuppe, Herr Reissuppe, Herr Krautsuppe, Zahlein, Herr Brotsuppe. Sie haben sich verrechnet, Herr Erdäpfelsuppe. Wo bleibt meine Erbsensuppe, Herr Erbsensuppe? Was macht mein Bier, Herr Biersuppe? Schweinreilers, Herr Schweinsuppe und so weiter. Bis eines Tages sagte ich, jetzt habe ich aber die Suppen satt. Meiner Seele, ich lasse mich umtaufen, aber wenn ich Bischeles heißen wird. Er ist aufs Magistrat gegangen, um die Formulare zur Namensänderung auszufüllen. Aber diese Formulare hatte ein Beamter unter sich, der auch Stammgast im Erzherzogalbericht war. Und er hat ihn gleich bei Herr Bohnenzuppe apostrophiert und hat ihn gefragt, na, wo fällst du, mein lieber Puyo, mit ein? Und da hat sich mein unglücklicher Kollege eine Beamtenbeleidigung geleistet. Und hat sich dann später im Gefängnis ein Magenleiden geholt. Und wie er dann herausgekommen ist, da hat ihm der Arzt gesagt, also Sie müssen strengste Diät halten. Sie dürfen nur mehr Suppe essen. Sonst nichts. Da ist er ganz bleich geworden. Der Arzt hat ihn trösten wollen und hat gesagt, so ist das Leben, mein lieber Herr Kraftbrühe. Und da hat er sich einem Arzt vergriffen und hat wegen schwerer Körperverletzung Kerker gekriegt und hat sich dann dort erhängt. Er ist an sich selbst gestorben. Auf einer Lichtung am Ufer der schönen blauen Donau, der Zauberkönig und Marianne, Oskar, Valerie, Alfred, einige entfernte Verwandte, unter ihnen Erich aus Kassel in Preußen und kleine, weiß gekleidete, hässliche Kinder machen einen gemeinsamen Ausflug. Erste Tante, lieber Herr Oskar, ich hätte ein großes Verlangen. Geh, möchten Sie nicht mal die Kinder allein abfotografieren? Die sind doch heute so herzig. Oskar, aber mit Vergnügen. Er gruppiert die Kinder und küsst die Kleinste. Zweite Tante zu Marianne. Nein, mit welcher Liebe er das arrangiert. Na, wenn das kein braver Familienvater wird. Ein Kindernah, ein Kindernah, unberufen. Sie umarmt Marianne und gibt einen Kuss. Valérie zu Alfred. Also das ist der Cimborazo. Alfred, was für ein Cimborazo? Na, dass du dich nämlich diesen Herrschaften hier anschließt, wo du doch weißt, dass ich dabei bin, nach all dem, was zwischen uns passiert ist. Was ist denn passiert? Wir sind auseinander. Noch dazu als gute Kameraden. Na, du bist halt keine Frau. Sonst würdest du meine Gefühle anders respektieren. Was für Gefühle? Noch immer? Als Frau vergisst man nicht so leicht. Es bleibt immer etwas in einem drinnen, wenn du ein großer Gauner bist. Ich bitte dich, werd vernünftig. Das wird dir so passen? Darf sich der Gauner jetzt empfehlen? Wer hat ihn denn hier eingeladen? Sag ich nicht. Man kann sich's ja lebhaft vorstellen, nicht? Alfred zündet sich eine Zigarette an. Wo hat man sich denn kennengelernt? In der Puppenklinik? Als Maul. Zauberkönig nähert sich Alfred mit Erich. Was höre ich? Die Herrschaften kennen sich noch nicht, also darf ich bekannt machen, das ist mein Neffe Erich, der Sohn meines Schwibbschwagers aus zweiter Ehe. Und das ist Herr Zentner. Stimmt's? Gewiss. Herr von Zentner. Erich mit Brotbeutel und Feldflasche am Gürtel. Sehr erfreut. Zauberkönig. Erich ist ein Student aus Dessau. Aus Kassel. Onkel. Kassel und Dessau. Das verwechsel ich immer. Er zieht sich zurück. Alfred zu Valerie. Ihr kennt euch schon? Oh, schon seit Ewigkeiten. Ich hatte erst unlängst das Vergnügen. Wir hatten uns über das Burgtheater unterhalten und über den vermöntlichen Siegeszug des Tonfilms. Interessant. Alfred verbeugt sich korrekt und zieht sich zurück. Jetzt erst lässt eine Tante ihr Reisemikrofon-Grammophon singen. Wie eiskalt ist dies Händchen? Mikrofon, Grammophon singen. Wie eiskalt ist dies Händchen? Erich lauscht. Boheme. Göttlicher Puccini. Marianne, nun neben Alfred. Wie eiskalt ist dies Händchen? Das ist Boheme. Puccini. Valerie zu Erich. Was kennen Sie denn für Operetten? Aber das hat doch nichts mit Kunst zu tun Gehe, wie können Sie denn so etwas sagen? Kennen Sie die Brüder Karamasoff? Nein, das ist Kunst Marianne zu Alfred Also ich wollte mal rhythmische Gymnastik studieren Nein, das ist Kunst. Marianne zu Alfred. Also ich wollte mal rhythmische Gymnastik studieren. Und dann habe ich von einem eigenen Institut geträumt. Aber meine Verwandtschaft hat keinen Sinn für sowas. Papa sagt immer, die finanzielle Unabhängigkeit der Frau vom Mann ist der letzte Schritt zum Bolschewismus. Alfred, ich bin kein Politiker, aber glauben Sie mir, auch die finanzielle Abhängigkeit des Mannes von der Frau führt zu nichts Gutem. Das sind halt so Naturgesetze. Das glaube ich nicht. Oskar fotografiert nun den Zauberkönig allein und zwar in verschiedenen posen fotografierte gern der bräutigam das tut er leidenschaftlich wir kennen uns ja schon seit acht jahren ja als wahnsinn damals das war jetzt nur eine automatische Reaktion. Ich war damals 14. Das ist nicht viel. Er ist nämlich ein Jugendfreund von mir, weil wir Nachbarskinder sind. Und wenn Sie jetzt keine Nachbarskinder gewesen wären, wie meinen Sie das? Ich meine, dass das halt alles Naturgesetze sind und Schicksal. Schicksal, ja. Eigentlich ist das nämlich gar nicht das, was man halt so Liebe nennt. Ja, vielleicht von seiner Seite aus, aber ansonsten... Nein! Was sag ich da? Jetzt kenn ich sie noch kaum, mein Gott. Wie soll das alles aus einem herausziehen? Ich will gar nicht, dass ich ihn herausziehen. Im Gegenteil. Können Sie hypnotisieren? Oskar zu Alfred, pardon! Zu Mariante, darf ich bitten? An der schönen blauen Donau. Nun ist die Sonne untergegangen, ist Dämat bereits. Und in der Ferne spielt der lieben Tante ihr Reisegrammophon den Frühlingsstimmenwalzer von Johann Strauss. Alfred im Bademantel und Strohhut, er blickt verträumt auf das andere Ufer. Marianne steigt aus der schönen blauen Donau und erkennt Alfred. Alfred lüftet den Strohhut. Ich wusste es, dass Sie hier landen werden. Woher wussten Sie das? Ich wusste es dass sie hier landen werden woher wussten sie das ich wusste es die däner ist weich wie samt wie samt heute möchte ich weit. Heute könnte man im Freien übernachten. Leicht. Ach, wir armen Kulturmenschen. Was haben wir von unserer Natur? Was haben wir aus unserer Natur gemacht? Eine Zwangsjacke. Keiner darf, wie er will. Und keiner will, wie er darf. Und keiner darf, wie er will und keiner will wie er darf und keiner darf wie er kann und keiner kann wie er will alfred umarmt sie mit großer gebärde und sie wehrt sich mit keiner faser ein langer kuss marianne ich hab's gewusst ich hab's gewusst. Ich hab's gewusst. Ich auch. Liebst du mich, wie du's wolltest? Das hab ich im Gefühl. Komm, setzen wir uns. Ich bin nur froh, dass du nicht dumm bist. Ich bin nämlich von lauter dummen Menschen umgeben. Auch Papa ist kein Kirchenlicht. Manchmal glaube ich sogar, er will sich durch mich an meinem armen Mutterl selig rächen. Die war nämlich sehr eigensinnig. Du denkst zu viel. Jetzt geht's mir gut. Jetzt möchte ich singen. Immer wenn ich traurig bin, möchte ich singen. Warum sagst du kein Wort? Liebst du mich? Sehr. So wie du solltest. Ich meine, ob du mich vernünftig liebst. Vernünftig? Ich meine, ob du keine Unüberlegtheiten machen wirst, denn dafür könnte ich keine Verantwortung übernehmen. Oh Mann, grübel doch nicht. Grübel nicht. Schau, die Sterne, die werden nach oben troben hängen, wenn wir drunten liegen. Ich lass mich verbrennen. Ich auch. Du, oh du, du. Du, wie der Blitz hast du in mich eingeschlagen und hast mich gespalten. Jetzt weiß ich es aber ganz genau. Was? Dass ich ihn nicht heiraten werde. Marianne! Was hast du denn? Ich hab kein Geld. Oh, warum sprichst du jetzt davon? Weil das meine primitivste Pflicht ist. Noch nie in meinem Leben habe ich eine Verlobung zerstört. Und zwar prinzipiell. Lieben, ja. Aber dadurch zwei Menschen auseinanderbringen? Nein. Dazu fehlt mir das moralische Recht. Prinzipiell. Ich habe mich nicht getäuscht. Du bist ein feiner Mensch. Jetzt fühle ich mich doppelt zu dir gehörig. Ich passe nicht zu Oskar und Basta. Raketen, deine Verlobungsraketen, unsere Verlobungsraketen und bengalisches Licht, blau, grün, gelb, rot. Sie werden dich suchen, sie sollen uns finden. Bleib mir, du, dich hat mir der Himmel gesandt, mein Schutzengel. Jetzt gibt es bengalisches Licht, blau, grün, gelb, rot. Uns beleuchtet Alfred und Marianne und den Zauberkönig, der knapp vor ihnen steht mit der Hand auf dem Herz. Marianne schreit unterdrückt auf. Alfred geht auf den Zauberkönig zu. Herr Zauberkönig, schweigen Sie! Mir brauchen Sie nichts zu erklären. Ich habe alles gehört. Ja, das ist ein gediegener Skandal. Am Verlobungstag nackt herumliegen. Herr Christian und Maria, zieh dich an! Dass nur der Oskar nicht kommt. Jesus und Maria und der Stöcker Josef. Ich trage natürlich sämtliche Konsequenzen, wenn es sein muss. Sie haben da gar nichts zu tragen. Sie haben sich aus dem Staub zu machen, Sie Herr. Diese Verlobung darf nicht platzen, auch aus moralischen Gründen nicht. Es ist mir keine Seele, was erfährt sich. Herr Junk, Ehrenwort. Ehrenwort. Nein! Brüll nicht. Bist du daneben? Zieh dich an. Aber marsch, marsch, du Porthuhr. Oskar erscheint und überblickt die Situation. Marianne, Marianne, krach in die Melon. Das Fräulein Braut haben bis jetzt geschwommen. Lüg nicht. So lüg doch nicht. Nein, ich bin nicht geschwommen. Ich mag nicht mehr. Ich lass mich von euch nicht mehr tyrannisieren. Jetzt bricht der Sklave seine Fessel. Da! Sie wirft Oskar den Verlobungsring ins Gesicht. Ich lass mir mein Leben nicht verhunzen, das ist mein Leben. Gott hat mir im letzten Moment diesen Mann dazu geführt. Nein, ich heirate dich nicht, ich heirate dich nicht, ich heirate dich nicht. Meine Zulegen sollen unsere Puppen nicht verrecken, aber heute eher als morgen. Das einzige Kind, das werde ich mir merken. Das einzige Kind, das werde ich mir merken. Stille, während zuvor Marianne geschrien hat, sind auch die übrigen Ausflügel erschienen und horchen interessiert und schadenfroh zu. Oskar, Marianne, ich wünsche dir nie, dass du das durchmachen sollst, was jetzt in mir vorgeht. Und ich werde dich auch noch weiter lieben. Du entgehst mir nicht. Und ich danke dir für alles. Ab. Zauberkönig zu Alfred. Wer sind Sie denn überhaupt? Alfred, ich? Malarie? Nichts. Nichts ist er. Wer sind Sie denn überhaupt? Alfred, ich? Malary? Nichts! Nichts ist er! Zauberkönig, ein Nichts, das auch noch. Ich habe keine Tochter mehr. Ab mit den Ausflüglern. Alfred und Marianne bleiben allein zurück. Jetzt scheint der Mond. Ich bitte dich um Verzeihung. Marianne reicht ihm die Hand. Dass ich dich nämlich nicht hab, haben wollen, dafür trägt aber nur mein Verantwortungsgefühl die Verantwortung. Ich bin deiner Liebe nicht wert. Ich kann dir keine Existenz bieten. Ich bin überhaupt kein Mensch. Mich kann nichts erschüttern. Lass mich aus dir einen Menschen machen. Du machst mich so groß und weit. Und du erhöhst mich. Ich werde ganz klein vor dir in seelischer Hinsicht. Und ich gehe direkt aus mir heraus und schaue mir nach. Jetzt siehst du, jetzt bin ich schon ganz weit fort von mir, ganz dort hinten. Ich kann mich kaum mehr sehen. Von dir möchte ich ein Kind haben. Wie der Tafelobertoni seinen Hitler verleugnet hat. 1931. Gegen den Satan der Fleischeslust ist noch kein Kraut gewachsen. Besonders im Fasching nicht. Auch wenn man eingeschriebenes Mitglied der NSDAP ist, erliegt man halt leicht der Versuchung, wie uns dies der Fall Tafelhuber zeigt. Der Tafelhuber Toni war nämlich ein überaus eifriger Hakenkreuzler, aber trotzdem verleugnete er bei der letzten Reduz seinen Hitler. Und daran war nur so ein raffiniertes Frauenzimmer. Gott verzeihe, die sind schuld. Der hat den Tafelhuber Toni direkt um ihre Finger gewickelt. Akkurat wie die Dalila ihren Simson. Dabei war der Tafelhuber gar kein Simson, nicht. Begonnen hat es so, wie es nämlich angefangen hat. Da ist der Toni noch bei seinen speziellen Parteifreunden gesessen, in der Nähe der illuminierten Tanzfläche. Eine illustre Corona war das. Noch nie hat er sich nicht mal nach dem Schatten eines Weibes umgeschaut, sondern hat bloß sarkastische Bemerkungen fallen lassen über dem Kardinal Faulhaber, seine letzte Predigt. Aber dann wollte es das hinterlistige Schicksal sein, dass er seine Zirze findet. Das war eine üppige Erscheinung, direkt rassig. Sie ging als Andalusierin und hatte was für ihn. Sie ist an ihm vorbeigerauscht und er fühlte sich magisch hingezogen. Und sie hatte halt nicht locker gelassen mit ihren verheißungsvollen Augen, den halb geöffneten sinnlichen Lippen, und so wurde er verzaubert. Fünfmal hat er dann getanzt damit, und zwar gleich hintereinander. Sie presste sich an ihn, und ihm tat das wohl, denn sie war halt kein Christbärl. Danach wurde er plötzlich romantisch und gebrauchte ein dichterisches Bild, worauf sie sich an seinen Arm hängte und meinte, sie müssen nun etwas trinken, fuhr lauter linksrum. Er stieg mit ihr auf die Galerie in ein schattiges Eck. Dort setzten sie sich und wie auf ein Kommando intonierte die Musik eine getragene Weise. eine getragene Weise, aber es war alles nur Schicksal. Sie trank einen süßen roten Likör und er sah ihr dabei zu. Dann kamen sie sich immer näher und gaben keinen Ton von sich. Mittendrin ging aber plötzlich ein Herr vorbei und dieser Herr war ein Jud. Er lächelte rabulistisch und warf der Andalusierin einen provozierenden Blick zu, denn diese automatisch erwiderte, denn sie war halt eine kokette Person. Vor seinem geistigen Auge wiederholte er sich diese Szenen und immer mehr wurde für ihn diese Episode abermals zum Beweis. Er wollte sich nicht gefallen lassen, dass ein Semit die seinige so orientalisch lüstern anschaut. Aber der Orientale war schon verschwunden. Und nun entstand zwischen dem Paar ein Meinungsaustausch über diese ganze Judenfrage. Der Tafelober wurde immer stolz haben und setzte seine Andalusierin allerhand auseinander. Aber diese blieb verstockt. Sie meinte sogar, dass ihr das schon sauwurscht wäre, ob Jude, ob Christ, ob Heid. Für sie wäre die Hauptsache, dass einer ein Menschenantlitz trägt. Und plötzlich fuhr sie ihn an. Oder bist du kein Hagenkreuzler? Ja, die mag ich nämlich schon gar nicht. Sie sah ihn direkt durchbohrend an. Mein Vater ist Sozialdemokrat, meine Mutter ist Sozialdemokrat und ich bin Saar, sagte sie und zog sich zurück von ihm, sodass es ihm an der ihr bisher zugewandten Seite ganz eisig entlangwehte. Weil er halt auch schon ziemlich durchgeschwitzt war. Er wollte sich an ihr wärmen wie an einem Feuer. Aber da fiel ihm schon wieder der Kardinal ein. Und der Herr Owen Young, besonders letzterer, grinste sehr höhnisch. Nur nichts mehr denken, dachte der Tafelhofer verzweifelt konnte nicht mehr anders sein aufgestacheltes verlangen nach den einladenden formen seiner marxistischen andalusierin blieb weiter bestehenden wuchs ich aus trotz der diametral anderen weltanschauung auch eine saarmann ist halt zu guter Letzt nur ein Mensch. Auch er ist doch nur ein Mann mit demselben Gestell wie ein Exot. Es helfen alle die guten Vorsätze, das Leben legt seine Netze aus und fragt weder nach Rasse noch nach Religion. Manchmal ist halt auch bei einem Hitler-Mann der Geist willig und das Fleisch schwach. Und er sagte, nein, ich bin kein Hitler nicht. So hat er seinen Hitler verleugnet, ehe die dritte Française getanzt war. Aber hernach hat er es mit den Gewissensbissen bekommen und nicht zu wenig. Er ist ganz dasig an den Tisch seiner Parteigenossen zurückgekehrt und hat sich einen furchtbaren angetrunken vor lauter Zerknirschung. Düster hat er vor sich hingestarrt und gegrübelt eine lange Zeit. Dann ist er plötzlich aufgesprungen und hat losgebrüllt. Ja, Herr, da zerkrommelt! Sind wir denn auch in Deutschland oder nicht? Man beruhigt ihn und setzt ihm auseinander, dass er sich noch in Deutschland oder nicht? Man beruhigte ihn und setzte ihm auseinander, dass er sich noch in Deutschland befände, und zwar mitten in München. Aber er wollte es nicht glauben. Er leilte nur Abwegiges vor sich hin und wankte benommen. Man führte ihn hinaus in die frische Luft. Ein feiner Nebel lag über dem Asphalt. Und wenn er sich nicht hätte übergeben müssen, dann hätte er die Sterne der Heimat gesehen. Caroline, was willst du denn schon wieder? Kasimir, was sind denn das dort für Leute? Lauter alte Bekannte? Sei nicht boshaft, bitte. Ich bin nicht boshaft. Der dicke dort ist der berühmte Kommerzienrat Rauch, der wo Alleininhaber ist. Der andere kommt aus Norddeutschland, ein Landgerichtsdirektor. Was soll er, der bessere Menschen? Du kannst mich jetzt nicht mehr aufregen. Was willst du noch? Ich habe dich um Verzeihung bitten wollen, von wegen meinem Misstrauen, dass ich zuvor so grob zu dir war. Nein, das war nicht schön von mir. Willst du mir das verzeihen? Ja. Ich danke dir. Jetzt geht es mir schon wieder anders. Du verkennst deine Lage. Was für eine Lage? Es hat keinen Sinn mehr, Kasimir. Ich habe mir das überlegt und habe mich genau geprüft. Das sind doch keine Menschen für dich. Die nützen dich doch nur aus, zu ihrem Vergnügen. Du bist ja doch nicht so sentimental. Das Leben ist hart. Deine Frau, die wo etwas erreichen will, muss einen einflussreichen Mann immer bei seinem Gefühlsleben packen. Hast du mich auch dort gepackt? Ja. Das ist nicht wahr. Doch. Was willst du denn durch diese Herrschaften dort erreichen? Eine höhere gesellschaftliche Stufe und so. Das ist aber eine neue Ansicht, die du da hast. Nein, das ist keine neue Ansicht. Aber ich habe mich von dir tyrannisieren lassen und habe es dir nachgesagt, dass eine Büroangestellte auch nur eine Proletarien ist. Aber da drinnen in meiner Seele habe ich immer anders gedacht. Mein Herz und mein Hirn waren ja umnebelt, weil ich gehörig war. Aber jetzt ist das aus. Aus? Du sagst das. So? Mhm. Also, es wird dann schon so sein. Der Kasimir ist halt abgebaut. So und nicht anders. Da gibt es keine Ausnahmen, lächerlich. Hast du mir noch etwas zu sagen? Lang bin ich herumgeschlichen. Da hab ich mir überlegt, ob ich dich nämlich um Verzeihung bitten soll. Aber jetzt tut es mir leid. Ab. Don Juan kommt aus dem Krieg. Spätherbst 2018. Fronttheater in einer Baracke. Primitivste Künstlergarderobe. Zwei Subretten, bereits etwas bejagt, packen ihre Koffer. In weiter Ferne Trommelwirbel und Trompetensignal, es regnet. Die erste, der Krieg ist aus und wir haben den Krieg verloren. Die zweite, ich finde meine rote Perücke nicht. Der Direktor ist auf der Kommandantur. Der Nachschub hat gemäutert. Und der dicke Oberste ist abgesetzt. Es gibt keine Offiziere mehr. Ein Feldwebel ist General. Ich wollte diesen Hundvertrag nicht mal so unterschrieben. So Brett in einem Fronttheater. Wo ich da schon mal das Grätchen gestaltet habe. Niemals unterschrieben. So prägt in einem Fronttheater. Wo ich da schon mal das Grätchen gestaltet hab. Glaubst du, dass wir heute Abend noch spielen werden? Das steht bei Gott. Die Hauptsache ist, wir bekommen bald Frieden. Ich bin nur neugierig, wie sich jetzt die Theaterverhältnisse entwickeln werden. Ha, ha, da ist sie ja, die rote Perücke. Der Wecker läutet, Kusch, sie stellt ihn ab. Heute ist ein historisches Datum. Um zwölf beginnt der Waffenstillstand. Zweite vor dem Spiegel. Also in 20 Minuten. In weiter Ferne schlägt eine Granate ein. Wie viel mögen wohl noch fallen? Mir tun nur die Weiber leid, die ohne Männer zurückbleiben. So wie du redest. Ist denn ein Mann kein Mensch? Nein. Don Juan tritt ein. Er steckt in einer verdreckten Uniform, ohne Sterne, ohne Waffen. Erste, perplex. Sie wünschen? Don Juan, zu zweit. Ich suche Sie. Wir kennen uns. Wir? Wissen Sie nicht, woher? Ich sah Sie in zwei Operetten. Aha, in welchen? Puh, die habe ich vergessen. Ich weiß nur, sie standen am Souffleurkasten und warteten. Sie wussten, dass er kommen wird. Die Gardinen waren weiß, erinnern Sie sich? Das war die erste Rolle. Dann schrieben sie einen Brief, es war Nacht und sie wussten, dass er antworten wird. Das war die andere Rolle. Ihr Lächeln erinnerte mich an eine Frau, noch vor dem Krieg. Und manchmal ist es mir, es wären schon hunderte Jahre vergangen. Darf ich Ihnen ein kleines Geschenk als Dank dafür, dass Sie mich erinnerten? Er lächelt und bereicht ihr ein Päckchen. Zigaretten. Meine einzige Eroberung. Echte, ägyptische. Er nickt ihr zu und ab. Hast du Worte? Er ist verrückt geworden. Als ich am nächsten Tag erwachte, wusste ich, dass ich viel geträumt hatte. Ich wusste nur nicht mehr, was. Es war ein Feiertag. Man feierte den Geburtstag des Oberplebejers. Die Stadt hing voller Fahnen und Transparenten. Durch die Straßen marschierten die Mädchen, die den verschollenen Flieger suchen. Die Jungen, die alle Neger sterben lassen. Und die Eltern, die die Lügen glauben, die auf den Transparenten stehen. Und die sie nicht glauben, marschieren ebenfalls mit. Die Visionen der Charakterlosen unter dem Kommando von Idioten. Im gleichen Schritt und Tritt. Sie singen von einem Vögelchen, das von einem Heldengrabe zwitschert, von einem Soldaten, der am Gras erstickt, von den schwarzbraunen Mädchen, die den zu Hause gebliebenen Dreck fressen und von einem Feinde, den es eigentlich gar nicht gibt. So preisen die Schwachsinnigen und Lügner den Tag, an dem der Oberplebeja geboren war. Und wie ich so denke, konstatiere ich mit einer gewissen Befriedigung, dass auch aus meinem Fenster ein Fähnchen flattert. Ich habe es bereits gestern Abend hinausgehängt. bereits gestern Abend hinausgehängt. Wer mit Verbrechern und Narren zu tun hat, muss verbrecherisch und narrisch handeln, sonst hört er auf mit Haut und Haar. Er muss sein Heim beflaggen, auch wenn er kein Heim mehr hat. Wenn kein Charakter mehr geduldet wird, sondern nur der Gehorsam, geht die Wahrheit und die Lüge kommt. Die Lüge, die Mutter aller Sünden. Fahnenhörs, lieber Brot als Tod. So dachte ich, als es mir plötzlich einfiel, was denkst du da? Hast du denn vergessen, dass du vom Lehramt suspendiert bist? Häng nur deine Fahne hinaus, huldige dem Oberplebeer, krieche im Staub vor dem Dreck und lüge, was du kannst. Es bleibt dabei, du hast dein Brot verloren. Vergiss es nicht, dass du mit einem höheren Herrn gesprochen hast. Du lebst noch im selben Haus, du mit einem höheren Herrn gesprochen hast. Du lebst noch im selben Haus, aber in einem höheren Stock. Auf einer anderen Ebene, in einer anderen Wohnung. Merkst du denn nicht, dass dein Zimmer kleiner geworden ist? Auch die Möbel, der Schrank, der Spiegel. Du kannst dich noch sehen im Spiegel. Er ist immer noch groß genug, gewiss, gewiss. Du bist auch nur ein Mensch, der möchte, dass seine Krawatte richtig sitzt. Doch sieh mal zum Fenster hinaus. Wie entfernt ist alles geworden. Wie winzig sind plötzlich die großen Gebete und wie arm die reichen Plebeier, wie lächerlich, wie verwaschen die Fahnen. Kannst du die Transparente noch lesen? Nein. Hörst du noch das Radio? Komm. Erst sieben Wochen nach dem 20. Mai wurde das Wahlmysterium zum Mittelsöcherring enträtselt. Dort wurden 68 Stimmzettel abgegeben, davon 67 für die Bayerische Volkspartei und einer für die Kommunisten. Natürlich wurde unter Leitung des Pfarrers nach dem Roten Hund geforscht. Aber wie gesagt, erst nach sieben Wochen kamen durch Zufall dahinter, dass die kommunistische Stimme nicht vom Anderlbauern stammt, der im Weltkrieg verschüttet worden war und seither nichts von all dem wissen wollte, der als vermeintlicher Roter schon des Öfteren gefotzt worden war, sondern von der 80-jährigen Schwester des Pfarrers, die bei der Wahl ihre Brille daheim vergessen hat und also das Kreuz statt bei der 7 bei der 5 gemacht hat. Die Wahrheit hat selten Pointen. Ja, schönen guten Abend auch von meiner Seite. Mein Name ist Nicole Streitler-Kastberger und ich habe 19 Jahre an der historisch-kritischen Horvath-Ausgabe gearbeitet. Ich schicke das vorne weg, weil es vielleicht nicht uninteressant ist, dass man sein Leben auf Horvath bauen kann. Das hätte er sich, glaube ich, nie vorgestellt, aber so ist das heutzutage mit der Wissenschaft. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Arbeit machen konnte, auch wenn sie oft sehr mühselig war. Wir werden jetzt einen kleinen oder ich mache einen kleinen Einstieg in die Horvath-Ausgabe, damit Sie ein bisschen sehen, wie die ausschaut und wie die auch zustande gekommen ist. Und vielleicht haben Sie in den Textausschnitten auch gesehen, dass dieser Autor doch einiges auf dem Kasten hat und durchaus lesenswert ist und dass er auch so eine große Werkausgabe verdient. Gut, der Nachlass Horvaths, also unsere historisch-kritische Ausgabe, beruht ja auf diesem gesamten literarischen Nachlass Horvaths und der liegt im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien zu einem Teil und zum anderen Teil in der Wien-Bibliothek im Rathaus und dieser Nachlass umfasst etwa oder über 5000 Blatt. Blatt. Wir hatten insgesamt fünf FFF-Projekte von 2002 bis 2023 undvaths, die also den größten Teil der Werkhausgabe ausmachen. Dann sind vier Bände mit Prosa und dann noch ein Band mit autobiografisch-theoretischem Lyrik, Rundfunk und Film und Revue, einem Band mit Briefen und Lebensdokumenten sowie Akten und Band 19 versammelt dann noch die Notizbücher Horvaths, von denen neun überliefert sind. Und das ist eigentlich auch ein sehr schöner Band, weil man da wirklich diese handschriftlich beschriebenen Notizbücher von vorne bis hinten durchblättern kann. Der Nachlass besteht, was vielleicht wenig verwundert, wenn man denkt, dass Horvath am Beginn des 20. Jahrhunderts geschrieben hat, vor allem aus handschriftlichen Blättern, aber auch aus Typoskripten. Also er war ein Autor, der auch die Schreibmaschine verwendet hat und wir haben in der Ausgabe deshalb einerseits eben, also die Ausgabe bildet diesen Nachlass in gewisser Weise ab. Es sind sowohl diese handschriftlichen Blätter sichtbar in der Ausgabe, die als Faximiles abgedruckt wurden und daneben eine schon etwas weiter in der Textentwicklung war, also Notizen, handschriftliche Entwürfe sind eher in den frühen Stadien der Werkgenese vorhanden, also der Textentstehung und dann die Typoskripte folgen in späteren Phasen und mit den Typoskripten, also da haben Sie jetzt ein Beispiel für die diplomatische Transkription dieses handschriftlichen Blattes aus der Schönheit aus der Schellingstraße. Das ist eine Vorstufe von Geschichten aus dem Wiener Wald. Das sieht dann so aus, wenn wir das transkribiert haben. Und die Typoskripte schauen so und ähnlich aus. Ich muss mich ein bisschen für die Qualität entschuldigen, es ist leider keine sehr gute Aufnahme dieses Blattes, aber dieses Blatt hat es in sich, könnte man sagen, also dieses Blatt besteht, wenn man genau hinschaut, eigentlich aus drei Blättern. Sie sehen da am Ende des ersten Drittels, ich gehe da kurz mal hin, da habe ich einen Pointer, nein, habe ich nicht, also am Ende des ersten Drittels sieht man so Wellenlinien und diese Wellenlinien sind nicht von Horvath, sondern von der Berliner Bearbeitung des Nachlasses. Warum jetzt Berliner Bearbeitung der Nachlass wurde, in den, glaube ich, 50er oder 60er Jahren von den Erben Horvaths zunächst der Akademie der Künste in Berlin übergeben. Und diese Akademie der Künste hat dann festgestellt, dass dieser Nachlass eben auch aus ganzen Blättern besteht, aber auch aus Textschnipseln. Und diese Textschnipsel, die Horvath hergestellt hat, indem er Blätter zerschnitten hat und irgendwo anders dann teilweise wiederverwendet, sind eben im Nachlass überliefert und die Berliner Bearbeiter haben dann gesucht, wo passen diese Textschnipsel hin. Anhand der Schnittkanten, Horvath hat meistens relativ ungerade oder schief geschnitten und deshalb konnte man diese Schnipsel dann an andere Blätter anlegen. Und wenn man sich jetzt dieses Blatt anschaut, dann hat man hier eben diesen einen Teil, also das ist jetzt die linearisierte Transkription dieses Blattes, aber hier ist es nochmal abgebildet und wenn man da genau schaut, sieht man eben, dass es ein Blatt gibt, ein Textschnipsel, das unten auch oder oben an der Linie auch diese drei Wellenlinien hat und dann kann man sehen, dass dieses Blatt eben an dieses andere Blatt anschließen würde. Wir haben das in der Wiener Ausgabe auch abgebildet, diese Textentstehung, dieses Abschneiden und Zusammenkleben, das Horvath in vielen Fällen betrieben hat, also das ist durchaus ein sehr modernes Verfahren. Er hat eigentlich Cut and Paste gemacht, was man heute am Computer macht. Und bei diesem Blatt gibt es noch eine zweite Zierleiste, also die, die Berliner reingemacht haben, nachdem sie endlich das Blatt, nämlich dieses Blatt 9. Und man muss natürlich dazu sagen, diese Behandlung des Nachlasses durch Hinzufügung von Zierleisten ist eigentlich ein archivarisches No-Go. Und das war natürlich auch dann den Erben, wurde das irgendwann zugesteckt, dass sie das da machen. irgendwann zugesteckt, dass sie das da machen, indem sie versuchen, so irgendwie den Nachlass zu ordnen und herauszufinden, welche Blätter zusammengehören. Und die Erben haben dann diesen Nachlass wirklich aus der Akademie der Künste in Berlin wieder herausgeklagt und so kam der Nachlass dann erst nach Österreich. Also das als kleine Background-Information. Wenn man sich jetzt das anschaut, also das ist jetzt dieses Blatt 9, das da auch reinpasst, dann sieht das eigentlich so aus. Wir haben dieses Blatt 23, dann passt da dieses Blatt 15 hinein und in das Blatt 15 passt noch das Blatt 9 hinein und eigentlich geht es umgekehrt. Eigentlich hat Horvath zuerst dieses Blatt 9 rausgeschnitten, dann das Blatt 15 war noch dort und das kam als nächstes weg. Und dann ist das Blatt 23 dann vollständig entstanden. Man sieht das auch an den Spuren von Kleb. das auch an den Spuren von Kleb. Also Horvath hat diese Blätter wirklich zusammengeklebt dann, also die neuen Teile dieses Blattes 23. Und wenn man sich das jetzt nochmal anschaut, dann hat man hier das fertige Blatt 23 und wir haben dann noch versucht zu zeigen in der Ausgabe, wie Horvath eben gearbeitet hat. Wie er zum Beispiel hier zum zweiten Bild von Geschichten aus dem Wiener Wald, da gibt es sogenannte Ansätze. Horvath hat ein Blatt beschrieben, dann hat er ein neues Blatt, eins ausgearbeitet, hat das erste Blatt durch das zweite ersetzt, hat dann drei Blätter ausgearbeitet, dann hat er wieder gedacht, nein, der Anfang passt mir so nicht, hat wieder ein neues Blatt ausgearbeitet für den Beginn dieses Bildes und so weiter und so fort und wir haben versucht, das wirklich für diese Fälle, wo wir wirklich das Material auch hatten, herauszuarbeiten, wie Horvath da vorgegangen ist und haben das ganze Simulationsgrafik genannt. Und diese Simulationsgrafik ist eben das Tool, das abbildet, wie Horvath vorgegangen ist, wie diese Texte chronologisch entstanden sind. Gut, das wäre jetzt mein Teil gewesen. Ich übergebe jetzt an meinen Kollegen Martin Weber, der es immerhin auf 15 Jahre mit Horvath gebracht hat und jetzt über den Band der Briefe und Dokumente ein bisschen was berichten wird. Dankeschön. Ja, dankeschön. Wie gesagt, um diesen sozialtherapeutischen Ton noch einmal genau zu treffen. Hallo, mein Name ist Martin Weber und ich habe 15 Jahre lang Horvath gemacht. Ich möchte jetzt ganz kurz noch sprechen über einen anderen wichtigen Teil der Horvath-Edition, und zwar konkret die Edition der Briefe, Dokumente und Akten. Wir haben alle das Gefühl, wir kennen Öl von Horvath sehr, sehr gut. Man weiß, er ist in Bayern aufgewachsen, hat einen Ast auf den Kopf bekommen und so weiter. Tatsächlich haben wir bei Horvath allerdings ein eminentes Quellenproblem, was im weitesten Sinne Ego-Dokumente betrifft, also eben seine Briefe und seine sonstigen Lebensdokumente. Das wurde nie ordentlich aufgearbeitet und unsere Edition ist tatsächlich die erste, die alle existierenden Briefe und Lebensdokumente Ödün von Horvaths abbildet. Also einerseits, es gab nicht extrem viele Briefe von Horvath, aber wir haben die alle mal zusammengetragen. Wir haben dann auch noch versucht, diese Quellen auch zu sichern. Wir hatten dann auch noch das besondere Problem, dass obwohl es nicht sehr viele Briefe Ödün von Horvaths gibt, Auch das besondere Problem, obwohl es nicht sehr viele Briefe von Horvaths gibt, ausgerechnet der eindrücklichste Briefwechsel, der mit Franz Theodor Tschokor ein eminentes Quellenproblem hat, weil Franz Theodor Tschokor viele Briefe mehr oder weniger erfunden hat. Und wir haben dann noch als besonderes Gimmick noch dazugegeben die Edition der Aktenöden von Horváth. Das ist ganz kurz mal die Einbürgerung Horváth, das ist ein Versuch, sich einbürgern zu lassen, in Bayern zur Sprache gekommen. Solche Akten haben wir versucht abzubilden. Das ist ein eher seltenes Verfahren für germanistische Editionen, sich mit Akten zu befassen, ist allerdings bei einem Autor wie Horváth, der natürlich auch im 20. Jahrhundert damit schon in einer verwalteten Welt gelebt hat, doch ein nicht unrelevantes Thema. Ganz kurz nur zu den Briefen. Es hat dann auch Brieffunde gegeben im Laufe der Arbeit. Wir haben tatsächlich auch neue Briefe entdeckt, die noch dazu eine große Überraschung waren. Das hier ist ein Brief, Karl Kraus, Leserinnen und Leser wissen das vielleicht, ein Brief an Bernhard Diebold, den Karl Kraus in der dritten Walpurgisnacht zu Boshaft als Bernhardo Dieboldo aufs Korn genommen hat. Also mit dem gab es einen Krieg mehr oder minder. Und das ist dahingehend auch ein sehr interessanter Brief von 1937, weil Bernhard Diebold hatte noch dazu die Frechheit, als einer der wenigen Horvaths Jugend ohne Gott nicht gut zu finden. Und Horvath hat das sehr getroffen und deshalb haben wir, das ist wiederum der Glücksfall für uns, einen der wenigen Briefe Horvaths, wo er versucht, seinen Roman zu erklären. Dann haben wir hier ganz kurz noch eine Rekonstruktion. Ödem von Joker an seinen Freund, Französer Joker an seinen Freund Ödem von Horvath, nicht umgekehrt. Und zwar hier ein Brief, also diese Briefe waren eine ganz wichtige Quelle über lange Zeit in der Forschung, wurden ganz begierig aufgenommen, noch dazu, weil es so wenige gab. Und dann sind sie alle so lang und so ausführlich und so toll und so viel steht drin und sie sind so zitierbar. Und dann stellt sich heraus, der gute Joko hat diese Briefe irgendwie zusammengezimmert. Hier ist ein ganz eklatantes Beispiel. 28.05.1934 adressiert das Joko an seinen Freund Ölens Horvath in Wien, Dominikaner-Pastei VI. Diese Adresse war erst drei Jahre später Horvaths Adresse und zu diesem Datum wissen wir ganz genau, befand sich Öden von Horvath in Berlin. Diese Rekonstruktionen haben wir uns angeschaut, wir haben dann auch noch Quellen gefunden, wir konnten ausmachen, was von diesen Briefen verlässlich ist, also was originalgetreue Abschriften aus der Zeit waren, was dann wiederum Djokovic sich dazu gedacht hat und das ein bisschen auseinanderklamüseln, damit man nachher sinnvoll später damit arbeiten kann, denn so unglaubliches Klingen mag, auch wenn wir hier Jahrzehnte mit Horvath verwendet haben, die Sache ist ja noch nicht fertig. Jetzt beginnt erst sozusagen, wo wir mit der Edition uns abgearbeitet haben, jetzt werden eigentlich die Kolleginnen und Kollegen aus den weiteren literaturwissenschaftlichen Fächern am Ball. Wir haben auch noch Dokumente und Fotografien zusammengetragen. Hier zum Beispiel links ein recht interessantes Zeitdokument, die Erkennungskarte Horvaths, die ab einem bestimmten Zeitpunkt in Österreich für Ausländer verpflichtend war. So eine erkennungsdienstliche, diktatorische Maßnahme des Ständestaats. Horvath war ja Zeit seines Lebens Ungar. Rechts eine Fotografie, das war übrigens eine Studiefotografie, die seine damalige Pfleger Ulstein anfertigen hat lassen. Und schließlich noch Akten. Und hier gibt es eine ganz besonders problematische Akte, über die wir nachher vielleicht noch kurz sprechen können, nämlich seinen Versuch, sich irgendwie dann doch 1934 mit dem Regime im nationalsozialistischen Deutschland zu einigen, indem er einen Antrag gestellt hat, in den Reichsverband deutscher Schriftsteller aufgenommen zu werden. Das blenden bis heute wahnsinnig viele Leute, die sich mit Horvath beschäftigen, einfach aus. Das gibt es nicht. Horvath hat doch Jugend ohne Gott geschrieben, der kann doch nichts mit den Nazis am Hut gehabt haben. Er hat zumindest ein Jahr lang versucht, also nicht, dass er parteipolitisch tätig gewesen wäre, er hat zumindest versucht, sein Fähnchen rauszuhängen. Diese Aktenläufe, hier zum Beispiel aus dem Einbürgerungsakt, versuchen wir auch zu rekonstruieren. Das sind Akten, wie soll man sagen, jeder, der damit befasst ist, seien sie physisch oder seien sie für Landesmitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Elvis, nicht unbedingt leicht rekonstruierbar, was genau wo wohin gehört und was auf was verweist. Das haben wir versucht zu rekonstruieren. Wir haben uns dafür auch Hilfe geholt bei einem Aktenexperten, bei Herrn Holger Bärwinkel, der das Universitätsarchiv in Göttingen leitet. Dazu gibt es einen Kommentar und Regesten dazu, damit sich auch jeder auskennt. Und ich sage jetzt einmal vielen Dank für die Aufmerksamkeit für diesen Teil und über alles andere reden wir in der Folge. Eine Weiberseite. Ja, wo beginnen? Vielleicht am Anfang. Ich habe in der Urheberrechte irgendwas geändert hat an diesem Plan. Archiv, mittlerweile heißt es Literaturarchiv der österreichischen Nationalbibliothek, zu arbeiten begonnen unter Wendelin Schmidt-Dengler und einer der Bestände, die schon dort waren, war neben den grandiosen Erich Fried, der viel grandiosere Ödern von Horvath und da waren wir eine Gruppe von jungen Wissenschaftlern und ich habe mir gedacht, den Horvath, den krall ich mir, weil das ist der interessanteste von allen und er hat Kapazitäten, was daraus zu machen und dann ist tatsächlich, habe ich mich mal mit diesem Nachlass auseinandergesetzt. Und es sind diese ganzen Problematiken aufgetaucht, dass der eigentlich dreimal umgeordnet worden ist und eigentlich sehr, sehr schwer zu verstehen war. Und dann habe ich einmal Kontakt aufgenommen mit der deutschen Editorenszene. Und dann habe ich einmal grundlegend einen Artikel geschrieben in dem Fachorgan, wo alle, denn alle, die Edizio, das ist sozusagen das Organ der deutschen Gesellschaft für Edition. Und dort habe ich die Notwendigkeit dieser Ausgabe einmal dargelegt und das war eigentlich sehr überzeugend, glaube ich. Und dann haben wir eben, ist schon gesagt worden, mit einem ersten Projekt begonnen, mit einem Mitarbeiter, der dann irgendwie zu einem Winzer in Kärnten geworden ist. Er hat sich gedacht, es ist angenehmer, draußen zu arbeiten, in diesem wunderschönen Bundesland. Erwin Gartner war das, der teilweise noch in der Arbeit von Geschichten aus dem Wiener Wald mit eingeflossen ist. Und dann hat sich das langsam ergeben und natürlich ist 2009 ein wichtiges Datum, da sind die Urheberrechte abgelaufen, aber wir haben schon vorher mit der Arbeit begonnen eigentlich, um das aufzustellen und es war auch nicht so einfach, fünf FWF-Projekte hintereinander zu bekommen, also weil im Gegensatz zu der Förderlandschaft in Deutschland oder in anderen europäischen Staaten ist in Österreich so, dass es eigentlich keine Förderung für Ausgaben gibt. Das heißt, man muss immer mit Einzelprojekten die drei Jahre gehen, eins nach dem anderen beantragen und dann geht es weiter oder geht es nicht weiter. Also das ist wirklich ein großes Versäumnis der Förderpolitik und teilweise hat es auch Regeln gegeben während dieser 19 Jahre, wo wir daran gearbeitet haben, die eigentlich solche Dauerförderungen ausgeschlossen haben. Aber in Österreich gibt es immer eine Regel und gleichzeitig ein System, wie man die Regel übergeht. Und es ist zwar nervig, dass man alle drei Jahre nicht weiß, wie es beruflich weitergeht, aber es ist dann doch gelungen, das zu machen. Und das ist jetzt das Resultat der Arbeit. Die beiden haben immer gesagt, wir versuchen, wir versuchen, wir haben gar nichts versucht, wir haben das alles gemacht, also das ist nicht versucht worden, das ist alles total gemacht worden irgendwie. Also das ist kein Versuch mehr, sondern das ist auch etwas, was da ist und man hat ja die Komplexität des Ganzen gesehen, das ist aber nur die eine Seite, weil die andere Seite ist die schlagende Einfachheit von der Ausgabe, weil Sie nämlich so sagen, eigentlich ist alles im Hintergrund, was da ist an Editorik geschildert worden ist. Der große Vorteil dieser Ausgabe ist, dass man den Entstehungsprozess mit lesen kann. Also Sie können sich nachher dann in so einem Band da krallen, müssen ihn wieder zurückgeben, weil er ist vom Stifterinstitut, und da sieht man, wie der Text entsteht, indem man sozusagen diese ganzen Textstufen lesbar gemacht hat. Naja, aber wie ist das so? Wir haben jetzt über das Material gehört, du hast gemeint, faszinierender Bestand. Gibt es Besonderheiten an diesem Material, die es woanders nicht gibt, weil dass die Akten dabei sind, ist eigentlich ungewöhnlich. Ist der Bestand also angereichert worden, um zu, die Editionsarbeit ist auch möglich geworden, indem am Literaturarchiv ein zweiter ganz wichtiger Bestand da war, der eigentlich gar nichts mit Horvath zu tun hatte, von der Person her, aber eigentlich alles mit Horvath, nämlich der von Traugott Grischke. Traugott Grischke war sozusagen der Mann, der Horvath wieder entdeckt hat, nach 1945, man muss sich das so vorstellen, nach 1945 war Horvath ein vollkommen unbekannter Autor. Den kannte keiner. Das wusste niemand, wer das ist, wer das soll. Zaghafte Versuche, den Österreich wieder zu etablieren, sind krachend gescheitert. Wenn Sie nachlesen wollen, 1948 am Volkstheater, die österreichische Erstaufführung von Geschichten aus dem Wiener Wald endete in einem veritablen Theaterskandal. Und daraufhin hat man dann jahrelang in Wien kein Horvath mehr gespielt. Und Krischke hat über Jahre hinweg sozusagen Horvath im Surkamp Verlag herausgegeben später und es hat sich fast schon eine Horvath-Industrie entwickelt, muss man sagen. Und dieser Bestand war unglaublich wichtig, was Hintergrundmaterial betrifft, was Kommentarmaterialien betrifft. Also der war unglaublich bienenfleißig. Er hat wahnsinnig viele editorische Fehler gemacht, allerdings auch, weil er nicht die Optionen, die Möglichkeiten hatte, sich dieser Fehler auch überbewusst zu werden. Und war auf deiner Seite sozusagen dann der Abstoßpunkt, um unsere Ausgabe zu machen, aber auch wiederum das Fundament, gerade auf dem man aufbaut. Ich bleibe jetzt aber trotzdem noch einmal bei diesen Akten, weil Akten haben eigentlich in einem Literaturarchiv nicht wirklich was verloren und auch nicht in einem privaten Nachlass eines Herrn Krischke. Die Akten sind natürlich Material, die natürlich nicht im Nachlass sind, aber es gibt sozusagen eine ganze Reihe von historisch-kritischen Ausgaben, Grillbarzer, Goethe und viele andere bringen immer schon Aktenmaterial. Also Aktenmaterial sind Teile von historisch-kritischen Editionen und um sozusagen den Lebensweg zu verstehen, haben wir diese Akten eben mit aufgenommen. Aber die Akten sind eigentlich auch ein verschwindender Teil von dem Ganzen. Wenn du fragst nach den Spezifitäten dieses Nachlassbestandes, dann ist es der Grundnachlass, der eigentlich so über den Nationalsozialismus in ein Münchner Banktresor sich rübergerettet hat. von einem Leiter der Monizensia gefragt worden nach einer Handschriftenprobe und ab dem Zeitpunkt hat er sich gedacht, das könnte irgendwie relevant sein für die Nachwelt, dieses handschriftliche Material und diese vielen Schnipseln und so weiter. Und das Besondere an dem Nachlass ist genau das, was die Nicole gesagt hat, diese Schnipselei und diese vielen handschriftlichen Baupläne. Und eine Besonderheit war auch, dass dieser Nachlass total kompliziert zu verstehen war, weil er dreimal umgeordnet worden ist, weil die Berliner ihn umgeordnet hat, weil die Frau Dr. Irblich an der Nationalbibliothek ihn umgeordnet hat und dann wir sozusagen dreimal das verstehen mussten, was da eigentlich passiert ist. Das heißt, für ein Literaturarchiv ist es immer am besten, wenn ein Befund festgehalten wird, also wenn die Sachen so ans Literaturarchiv kommen, wie sie der Ablage in der Schreibstube entsprochen haben. Am fürchterlichsten sind diese Witwen und diese Witwer und diese Enkel, die da dauernd herumordnen und irgendwas verstecken wollen und dabei eh das alles auspacken, das ist alles fürchterlich. Also am besten ist der genuine Befund, wie das abgelegt ist, dann kennt man sich am meisten aus. Und beim Horvath ist es dreifach verborgen gewesen. Und das ist hochkomplex und hochkompliziert, was man dann ediert. Und das ist alles sozusagen verborgen hinten in der Editorik dieses Bandes. Und das ist die Besonderheit, man hat es ja in der Lesung gehört auch, wie präzise beim Horvath alles ist. Also diese präzise Sprache und man glaubt immer, bei Casimir und Caroline ist ihm der Vorwurf gemacht worden, naja, dieser Asphaltautor da, also der rennt halt einfach aufs Oktoberfest und schneidet mit einem Tonband mit, aber niemand redet so, wie Casimir und Caroline reden. Das ist eine hoch konstruierte Sache. Also mein Lieblingsbeispiel ist, die Caroline steht vor diesem Hypotrom da irgendwie und wird eingeladen von dem Kommerzialrat da einmal zu reiten und dann sagt sie im Nachlass, wenn ich jetzt dreimal reite, reite ich gleich viermal, wenn ich jetzt fünfmal reite, reite ich gleich sechsmal. Und dann kommt auf den Satz, wenn ich jetzt einmal reite, dann reite ich gleich viermal. Wenn ich jetzt fünfmal reite, reite ich gleich sechsmal. Und dann kommt er auf den Satz, wenn ich jetzt einmal reite, dann reite ich gleich zweimal. Und das ist der Satz. Und da muss er aber irgendwie durch, also und bei vielen dieser Pointen, die da sind, das sind konstruierte Sachen und das ist ein moderner Auto, der mit Cut and Paste arbeitet und nicht einer, der Genuit schreibt von ir von einer Eingebung. Und da sieht man diese Präzision, die da am Werk ist, wie diese Dramenwerke da funktionieren. Und das kann man sozusagen an diesen Textstufen sehen. Und das Theater interessiert sich auch dafür. Das war mit einer unserer Hauptargumente immer sagen zu können, das Theater interessiert sich für die Ausgaben, also die spielen die Ausgabe und das ist natürlich für Forschungsgelder super, wenn man sagen kann, das sind nicht nur zehn Leute auf der ganzen Welt, die das interessiert, sondern das sind ganze Theaterwelten und das war immer einmal haben wir das Glück gehabt, dass in München Frank Kassdorf, Casimir und Caroline inszeniert hat, es hat fünf, ein Viertel Stunden gedauert mit Offscharek und Minichmeier irgendwie. Kein Kritiker hat eigentlich verstanden, weil die alle so dämlich waren, das Programmheft zu lesen, was da passiert ist. Und der Kassdorff hat den Entstehungsprozess gespielt. Er hat das erste Blatt gespielt, das zweite Blatt gespielt, das dritte Blatt gespielt und du hast gesehen, wie das Stück entsteht auf der Bühne. Und das ist natürlich grandios, wenn du sagen kannst, eine wissenschaftliche Ausgabe, hochwissenschaftlich, hat diese Anwendung irgendwie, diese Wirkung. Aber wie kommt man jetzt dazu zu wissen, in der Simulationsgrafik hat es ja sehr eindrucksvoll und sehr verwirrend ausgeschaut, welches Schnipsel wirklich wohin gehört? Ob die Berliner recht gehabt haben oder oder auch eben nicht. Also die Schnittkanten sind eben sehr unregelmäßig und dann findet man halt tatsächlich dieses Blatt, das dahin passt. Da muss man es hinhalten. Und das schiebt man so lange herum, bis sie zusammenpassen. Wir haben die wirklich alle aneinander gehalten. In der Literatur aktiv konnten wir das noch händisch machen. Bei den Bänden, die wir in Graz gemacht haben, konnten wir das nicht mehr. Aber da war, glaube ich, auch kein Stück mehr dabei, bei dem so ein Material vorgelegen ist. Also das hat dieses Material... Glaube, liebe Hoffnung war es noch. Glaube, liebe Hoffnung war es noch. Glaube, liebe Hoffnung war es noch. Es war sogar relativ vertrackt, wobei zu dem Zeitpunkt waren wir bereits so deformiert, dass wir das auch ohne die Originale konnten. Aber das ist eigentlich der leichteste Teil der Übung. Also die Passstrecke aneinander zu machen, das ist simpel. Das liegt auf der Hand beziehungsweise es liegt im Material. Schwierig ist ja eine editionstheoretische Fragestellung, die hinter dem Ganzen steht. Weil wenn man sich den Produktionsprozess, und das ist bei jedem Autor so, wenn man sich den Produktionsprozess anschaut an einem Stück, dann ist das ein hochkomplexer, lebendiger Prozess, wo permanent etwas im Fluss ist, wo etwas umgestellt wird, wo bei Horvath ganze Strukturen geändert werden, wo aus Stücken, die in drei Teilen sind, plötzlich welche mit 153 Szenen werden und Edition heißt immer, diesen lebendigen Prozess an irgendeinem Punkt zu stoppen und dieses gestoppte Ding, das eigentlich ein Eichenflausen ist, als Lesetext zur Verfügung zu stehen. Es ist einerseits auf dieser Simulationsgrafik wahnsinnig komplex und bis in einzelne Sätze hinaus und dauernd passiert irgendwas und du musst dann irgendwie eine Entscheidung treffen, jetzt stoppst das und diese Fassung und das sind die Ansätze, die da drinnen waren, die haben wir addiert. Also wir haben sozusagen ein Bild dieses Produktionsprozesses geliefert, aber an eigentlich theoretisch ausgewählten Stellen. Aber der Hintergrund ist eigentlich der, und das ist auch eigentlich der Impetus, der von dieser historisch-kritischen Ausgabe ausgeht, weil man glaubt immer, historisch-kritische Ausgaben sind etwas, wo etwas erstarrt ist und wo etwas sozusagen zu einer fixen Form wird und wo der endgültige Text für Jahrtausende aufgehoben wird. Genau das Gegenteil ist der Fall. Historisch kritische Ausgaben zeigen, wie komplex Produktionsprozesse sind und wie wenig lesbar Produktionsprozesse sind. Ich habe mal einen Vortrag gehalten vor diesen Editoren und da habe ich eben dieses Kassdorff-Beispiel genannt und die meisten Editoren, das sind natürlich Karl-Marx-Editoren und alle möglichen irgendwie, die sagen, das ist ja fürchterlich, was die mit einer Ausgabe gemacht haben am Theater. Und ich sage, das ist das Beste, was passieren kann, weil die lebendige Energie dieses Produktionsprozesses genau das ist, was uns heute anspricht und nicht der Klassiker in seinen erstarrten Formen. Und das ist eigentlich der Hintergrund von der ganzen Ausgabe, sozusagen diese Lebendigkeit und auch dieses anarchistische Herumgetue im Produktionsprozess zu etwas lesbaren zu machen. Und das war der Plan? Das war von vornherein der große Plan? Ja, das war die Frage. Oder hat sich der erst entwickelt? Nein, aus der Kenntnis des Materials war klar, wie bringen wir die Lebendigkeit und wie machen wir das so, dass jeder Depp, also jeder Deppenregisseur, der so ein Band kauft, 380 Euro, dass ihn anspringt, bitte inszenier mich. Weil das Material ist, was total interessant ist. Es war von vornherein und deshalb hat es auch eine lange Phase der Konzeption gebraucht, auch vor dem 2009er Datum, um klar zu machen, wie das gehen kann. Und das ist ja auch vielfach diskutiert worden mit der Fachwelt, also mit den Editoren, die sonst was machen. Und es ist ja auch so, jede historisch-kritische Ausgabe erfindet Edition neu. Also man kann das nicht adaptieren. Und genau das war der Grund, warum die Ausgabe so ausschaut, weil wir genau das ausdrücken wollten damit. Und in der konkreten Arbeitsteilung? Das ist die nächste Frage. Wie schaut das dann in der konkreten Arbeitsaufteilung aus? Wer hat da welche Rolle? Ja, wir haben halt Martin und ich, also der Klaus war der Projektleiter und wir haben uns dreimal im Jahr zusammengesetzt und besprochen, was als nächstes gemacht wird. Und der Martin und ich haben eigentlich früher auch inklusive Produktionszeit hat ein Band etwa eineinhalb Jahre gedauert. Also ein Jahr in der Ausarbeitung, da haben wir das Manuskript erstellt, da hat jeder von uns von diesen Manuskriptblättern diplomatische Transkriptionen hergestellt mit Wortdokumenten. Das ist teilweise sehr mühsam gewesen, weil Horvath auch unglaublich kleine Schrift teilweise verwendet hat. Also wer Robert Walsers Mikrogramme kennt, da waren teilweise wirklich Blätter, die er komplett vollgeschrieben hat, an denen wir tagelang gesessen sind, an einem Blatt, um das zu transkribieren in ein Word-Dokument. Und man hat dann auch keine Möglichkeit, wirklich so klein zu werden. Wir konnten dann mit Schriftgröße 7 vielleicht noch 7 Punkt operieren, um die kleinste Schrift irgendwie zu imitieren. Aber ja, also das war teilweise schon sehr mühselig und wie gesagt, also ungefähr ein Jahr an einem Band und dann eben noch die Produktion im Verlag, die ungefähr immer ein halbes Jahr gedauert hat. Und so sind wir dann auf diese 19 Jahre gekommen. Und das dialogisch? Genau, es war quasi dialektisch, dialogisch, wie man es haben möchte. Sozusagen einer erstellt einen Band ab Owo, sozusagen von dem Haufen, der das Material da ist. Manchmal muss man auch ein bisschen die Vorarbeiten von unterscheiden. Gibt es Werkcluster bei Horvath, wo man nicht sagen kann, gehört das eher zu dem Werkprojekt oder eher zu dem Werkprojekt, oder ist es überhaupt sozusagen ein eigener Haufen? Also gehört das eher zu den Fragmenten im weitesten Sinne, als eigenständiges Fragment? Stellt das dann fest, erarbeitet dann eine plausible Hypothese über die Textgenese, kommentiert das parallel dazu auch und wenn es fertig ist, dann kriegt es der andere und der spielt dann Advocatus Diaboli, beziehungsweise geht einmal alles durch und dann gehen wir uns gegenseitig auf die Nerven beistrichen und du hast, aber was, gehört das oder so oder nicht und wenn man dann kurz wechselseitig verdaut hat, dass man den anderen gerade würgen möchte, dann ist irgendwann einmal der Band fertig. Aber es war ganz wesentlich, dass es auch sozusagen, eigentlich war das auch für den Verlag eine totale Innovation, und es war sozusagen eigentlich alles nur Trockentraining, solange nicht der erste Band dann erscheinen hat müssen und wir hatten, Gott sei Dank, diesen Dekreuter Verlag, eigentlich sind die auf uns zugekommen, es hat damals einen Lektor gegeben vor 15 Jahren, das war der Herr Hartmann und der hat große Augen gehabt, er will unbedingt diese Ausgabe haben irgendwie in seinem Dekreuter. Das ist eigentlich die erste historisch-kritische Ausgabe der Moderne und das war damals schon gar nicht so klar, warum man überhaupt noch Druckausgaben macht. Es ist aber sozusagen, ohne Druckausgabe kostet es was, wenn Sie sich hier alle Bände kaufen, dann können Sie sich auch so einen chinesischen Kleinwagen kaufen mit dem Geld, was das kostet. Aber das hat einen Sinn, warum das ein Buch ist, weil lesbar ist letztlich nur als Buch und auch Regisseure würden niemals mit irgendwelchen digitalen Formen arbeiten. Das war ganz wesentlich. dieser Buch, der Herr Hartmann ist dann gekommen und hat den ersten Band gebracht, Kasimir Karolin, und ich weiß noch, der ist damals im Prunksaal von der Nationalbühne gestanden und er hat dieses Buch gestreichelt und er hat gesagt, 500 Jahre, also dieser Band hält jetzt 500 Jahre. Und dann schaue ich mir die ganzen digitalen Ausgaben vor, die halten alle noch 15 Jahre, dann ist ein wahnsinniger Aufwand wieder. Also, dass das ein Buch ist, ist ganz, ganz wesentlich. Und auch, dass der Verlag, das mussten wir alle mit erfinden, also wie die Transkriptionen, wie die markiert sind und so weiter. Und ich habe die letzten 15 Jahre, haben die beiden das völlig eigenständig gemacht und teilweise auch ganz neue Editionskonzepte erstellt bei dem Aktenband da irgendwie. Und das war dann die Arbeit. Aber sozusagen die Form musste auch einmal erfunden werden und die ist dann auch noch immer wieder adaptiert worden. Aber es war ganz, ganz wichtig, dass man sozusagen eigentlich alles neu erfinden musste. Auch die Markierungen im Text, wie das drucktechnisch umgesetzt wird. Also es war alles sozusagen am Anfang eine Vorlaufzeit von fünf bis sieben Jahren, die auch wirklich genutzt werden musste, damit das Ding einmal fährt irgendwie. Ganz spannend, vielleicht noch kurz im Zusammenhang mit diesen Typoskripten, die ich gezeigt habe, ist, dass Horvath natürlich auch in die Typoskripte dann teilweise handschriftlich reingearbeitet hat. Und genau wenn wir diese Typoskripte transkribiert haben in sogenannte linearisierte Transkriptionen, hat man dann noch diesen sogenannten kritischen Apparat unten, wo man dann auch noch nachvollziehen kann, wenn Horvath etwas handschriftlich korrigiert hat, dann ist das alles auch nachvollziehbar, also das wird abgebildet. War bei der Beantragung die digitale Plattform oder Ebene notwendig, weil das ist ja etwas, was beispielsweise, große Jean-Paul-Ausgabe, musste jetzt abgesichert werden durch eine sogenannte Hybrid-Ausgabe, durch ein Projekt, das nur gefördert wurde, weil es eine digitale Komponente hat, in deren Schatten sozusagen das klassische Buch erst zur Welt kommen kann. Also das ist für jedes Jahr unterschiedlich zu beantworten. Es gab immer sozusagen so Förderungszeiten, wo die alle digital werden wollten. Dann hat auch jedes einzelne literaturwissenschaftliche Projekt plötzlich eine digitale Komponente gehabt. Deshalb ist die Akademie der Wissenschaft aufgebläht worden zu einem geht nicht mehr irgendwie, weil man gedacht hat, irgendwie nur wenn man eine digitale Komponente drin hat, hat man überhaupt keine Chance. Mittlerweile ist es wieder ein Backslash. Mittlerweile hat man gesehen, dass diese digitalen Heilsversprechungen auch nicht das Gelbe vom Ei waren. Aber wir haben ja eigentlich, da kann der Martin viel besser erzählen, wir haben ja nicht nur eine E-Book-Ausgabe gemacht, sondern eine wirklich digitale Ausgabe, die Möglichkeiten aufzeigt, die nur im Digitalen gegeben sind. Das ist frei zugänglich auf der GAMS-Plattform heißt das, das ist so ein nachhaltiges Repetitorium, ein Institut in Graz, das federführend ist bei all diesen digitalen Umsetzungsformen, das ZIM, das Zentrum für Informationsmodellierung. Und da kannst du vielleicht erzählen, was mit dieser Ausgabe noch möglich ist. Ich muss jetzt meinen, wenn wir dagegen reden, du bist ja immer derabe noch möglich ist. Ich muss jetzt meinen, wenn ich dagegen reden soll, du bist ja immer der Anwalt des gedruckten Buches, da muss ich auch ein paar sagen, es gibt ja durchaus auch bei den digitalen Editionsformen extreme Vorteile, weil eben sozusagen dann zum Beispiel diese Entscheidung, wo genau setze ich gewissermaßen den historologischen Schnitt, welche Fassung stelle ich fest, das kann ich zu einem gewissen Grad umschiffen mit einer digitalen Edition, wo ich sozusagen dann tatsächlich, wenn man es ganz großhaft sagen will, auf Play drücken kann und sozusagen dem Text beim Entstehen zusehen kann. Wenn man sich anschaut, man hinweist zum Beispiel das Freie Deutsche Hochstift, macht eine Faustedition, genetische Faust, oder ist mittlerweile fertig damit, ist etwas sperrig zum Einsteigen, so wie jede avancierte Edition, aber es eröffnet einen ganz anderen Blick auf den Text und wie er entsteht. Auch bei einem Text, von dem man meint, man kennt wirklich schon jeden Quadratmillimeter wie den Faust. Was wir hier gemacht haben, weil wir wussten, die historisch-kritische Editionsarbeit kann man jetzt nicht eins zu eins einfach umsetzen, das wäre noch einmal ein Projekt auf 15 Jahre gewesen. Also da hätte man völlig neu etwas entwickeln müssen, umsetzen etc. Was wir gemacht haben, ist, wir haben gesagt, okay, wir haben etwas, das zu einem gewissen Grad stabil ist, das sind die Endfassungen und mit diesen Endfassungen wollen wir arbeiten. Und digital edieren funktioniert zu einem gewissen Grad ganz anders als analoges Edieren. Digital edieren geht immer sozusagen eine Datenmodellierung des Textes voraus. Das heißt, man geht einmal her und schaut sich an, was habe ich für Elemente in diesem Text? Wie kann ich den zerlegen? Wie kann ich den zergliedern, dafür gibt es einschlägiges Vokabular, XML-Vokabular dazu, bastel mir dann ein Datenmodell, bilde die einzelnen Texte dann nach diesem System ab und kann sie dann in verschiedenen Ausgabeformate spielen. Einerseits, ich kann sie regulär als Text wiedergeben, ich kann dann, wenn ich zum Beispiel überall Sprechrollen markiert habe und getaggt habe, wer was spricht, kann zum Beispiel eine elementare Auswertung, was sind die Sprechakte, die ein Alfred macht, den Geschichten aus dem Wiener Wald. gleichzeitig miteinander auf der Bühne. Das lässt sich dann durch Auftritte, Abtritte markiert nachvollziehen und dann kann man etwas damit machen. Auf diese Idee hat man uns gebracht mit einem anderen Projekt, das mittlerweile vielleicht kennen wir es manchmal, es gibt das DRAKUR, das Dramen-Korpus, das für Deutsch, für Russisch, für Englisch mittlerweile auch und die machen Netzwerkgrafen. Das heißt, die machen Netzwerke, wie man es eigentlich oft, also damals hat es mal Zeit gegeben, wo das alle aus dem Standard kannten, weil das Ganze für die Fußballspiele gemacht wurde. Also wer zu wem passt. Und wir haben gesagt, das muss doch für die Stücke auch gehen und das geht wunderbar. Das heißt, man kann Dramen modellieren durch Auf- und Abtritte, wer gleichzeitig miteinander auf der Bühne steht und da kann man jede Menge über die Stücke lernen, separat, also unabhängig von einem traditionellen Interpretationsakt. Mein Lieblingsbeispiel dafür, oder was ich dann immer ganz gerne als Frage aufwerfe, ist, welche Figur ist die Hauptfigur von Geschichte aus dem Wiener Wald? Alle Antworten sind die Marianne. Und ich kann dann sagen, ja, aber wie geht das dann, wenn zum Beispiel jetzt eine Figur wie die Valerie viel öfter spricht und viel öfter auf der Bühne ist in diesem Stück. Und da kommt etwas Kontraintuitives dazu, sozusagen, Moment einmal, was heißt denn, was ist ein Protagonist, was ist eine Protagonistin? Ist das die Figur, die am meisten anwesend ist oder gibt es da andere Qualitäten dazu? Also kann man dann aus einem gewissen Empirischen Verfahren, wie diesen Netzwerkanalysen, dann Fragen ableiten und zurückspielen in traditionelle interpretatorische Fragestellungen. Und ich glaube, das bringt uns weiter. Also diese digitale Komponente hat zumindest dazu geführt, dass sich gewisse Mitarbeiter in dem Projekt so qualifiziert haben auf dem Sektor, dass sie darauf eine Berufskarriere gründen konnten. Und das ist schon einmal ein toller Effekt. Das ist doch schon sehr erfreulich. Mir tut es immer leid, wenn ausgebildete Literaturwissenschaftler nichts anderes tun, über Monate XML-Dokumente auszuzeichnen, wie die Idioten. Jeder auftritt, jeder auftritt. Also diese digitale Welt führt zu Idiotismus in der Arbeit. Also das konnte ich kaum vereinbaren mit mir. Aber manche machen das auch gern irgendwie. Und diese Tram-Netzwerke sind wirklich super. Also man drückt drauf und dann hat bei jeder Szene, und es gibt auch interpretatorisch etwas her. Und es gibt viele Möglichkeiten, die wir da eingebaut haben. Und Martin hat noch einen Teil erzählt. Aber das war eigentlich eine wesentliche Komponente auch. Wenn Sie sich das anschauen wollen und das ausprobieren wollen, geben Sie bei Google Horvath digitale Edition ein, dann finden Sie die Seite und dann können Sie diese Netzwerkgrafen sich produzieren lassen. Das schaut unglaublich spektakulär aus, weil das auch so wackelt zuerst. Es wackelt so rein, ja. Und es ist nicht etwas, was schon vorher drin ist, sondern es ist generativ. Also in dem Augenblick, wo man es abruft, wird es gepasst. Immer neu produziert. Ich glaube, was wirklich bei der Ausgabe auch wesentlich ist, weil du auch mit dem Reklamen so herumwackelst, also es gibt sozusagen eigentlich unterschiedliche Umsetzungsformen. Also das ist sozusagen der Rolls Royce da hinten, die Druckausgabe, die übrigens aber an jeder Universitätsbibliothek auch als E-Book frei zugänglich ist, weil es in dem De Kreuter E-Book-Bündel drin ist. Also es hat jeder auch eigentlich Zugänglichkeit über die Bildungs- und Hochschulinstitutionen. Es gibt dann eben diese digitale Ausgabe, die auch noch den anderen Hintergrund hat, dass diese ausgezeichneten Stücke jeder sich runterladen kann. Also man braucht es nicht mehr noch einmal ein zweites Mal machen, sondern diese nach diesem ETI kodierten Stücke sind für alle zugänglich. Die kann man sich runterspiegeln. Das ist sozusagen ein Gratiszugang. Und dann gibt es noch die Reklamumsetzungen. Also das war uns wichtig, sozusagen den Preis zwischen 380 Euro und 3,90 Euro zu legen. 5,20 Euro. Es ist aber auch viel genetisches Material da drin. Sehr viele Faximile und in sieben Bildern. Es ist tatsächlich auch diese kleine Ausgabe. Die haben ein bisschen Auswahl an genetischem Material, haben ganz gute Sachnachworte und man kommt ein bisschen rein in die Entstehung. Und vor allem zum Beispiel, das ist eines der Fehler, die jeder, also woran erkennt man eine Surkamp-Ausgabe? Es gibt in Jugend ohne Gott keine Rechtschreibfehler, aber in Jugend ohne Gott sind Rechtschreibfehler drinnen, weil nämlich die Lehrer, weil nämlich die Schüler und teilweise auch die Eltern zu dämlich sind, Deutsch korrekt zu schreiben. Und deshalb hat Horvath Fehler eingebaut und die Herausgeber bei Surkamm, und die haben gesagt, ah, das ist ein Fehler, das ist nicht ein Exilverlag irgendwie, und die haben alle Fehler korrigiert. Also irgendwie so zu sagen, und wenn Sie eine Horvath-Ausgabe sehen, weil es gibt ja, mittlerweile ist Horvath gemeinfrei, und wir können auch nicht genau sagen, was mit unseren Texten da irgendwie ist, also wenn Sie auf eine Ausgabe von Jugend ohne Gott stoßen, wo Rechtschreibfehler drinnen sind, dann ist es unsere Ausgabe, das ist die bessere in dem Fall. Also Rechtschreibfehler sind ein Qualitätsmerkmal bei Jugend ohne Gott. Aber das sind natürlich ganz wesentliche Sachen und auch, ja, also das ist natürlich dann in der Ausgabe zwei verschiedene Blautöne sichtbar sind? Die ganze Ausgabe soll zwar 500 Jahre halten, aber der Lieferant des Leinens hat leider keine 500 Jahre gehalten und ist nach ein paar Jahren in Konkurs gegangen, hoffentlich nicht wegen unserer Ausgabe. Und deshalb musste man dann einen anderen Leinenlieferanten finden und der gleiche Blauton war nicht zu finden, leider Gottes. Horvath-Bild der einfachen Leserin oder des einfachen Lesers gegenüber diesen alten Surkamp-Ausgaben, die man selber noch konsultiert hat. Es hat auch andere Nebenprodukte, das möchte ich nur erwähnen, gegeben, nämlich die Ausstellung zu Horvath im Theatermuseum Wien. Ich glaube auch mit einem sehr schönen Katalog im Übrigen. Was ändert sich bei den Editorinnen, Editoren, wenn man so lange Zeit mit einem Autor verbringt? Gewinnt man ihn lieb? Hätte man gerne einen Tag mit Horvath verbracht? Oder stellt es sich umgekehrt heraus, dass es vielleicht im Papier am besten zu einem passt. Ich habe Ihnen vorher schon etwas als fünftes Familienmitglied vorgestellt. Also ich habe wirklich keine Minute bereut, die ich mit ihm verbracht habe. Und es war wirklich so, dass jeder Band seine neuen Herausforderungen hatte. Und es ist immer spannend geblieben. Und sogar Texte, die ich ursprünglich nicht so gut gefunden habe, wie jetzt etwa mit dem Kopf durch die Wand, sind mir durch die Arbeit an diesen Texten dann so ans Herz gewachsen, dass ich jetzt eine glühende Verfechterin von mit dem Kopf durch die Wand geworden bin. Der Titel hat was zu sehen. Genau, und das ist auch ein Spezialfall, weil da gibt es nämlich wirklich vier fertige Endfassungen, die teilweise nämlich unterschiedliche Namen auch noch haben, also ganz ein spannender Band auch. Und ja, ein Tag mit Horvath wäre super natürlich. Was würde man wissen wollen von Horvath? Gibt es Fragen, die die Edition nicht klären konnte? Warum er alle Briefe, die an ihn gerichtet wurden, weggeschmissen hat. Kein einziger überlebt. Keiner. Null. Nada. Niente. Also ich bin der Sicheren überzeugt, dass wir mehr über Horvath wissen als er über sich. Also das ist eigentlich der Grundsatz der literarischen Hermeneutik überhaupt. Also Autoren wissen prinzipiell nichts über sich und die eigenen Stücke. Also wir wissen mit Sicherheit mehr. Also irgendwie dieser Gag mit Goethe bei der Prüfung. Also bei jedem Horvath-Seminar würde Horvath durchfliegen wahrscheinlich und wir würden alle glänzen. Aber vielleicht würde er eher das seltsam finden, wie Nikolaus eh schon gesagt. Also es war heute Studierende frage, habt ihr in der Schule irgendeine Literatur gelesen? Wenn sie überhaupt noch Literatur lesen, haben 50 Prozent Jugend ohne Gott. Also Jugend ohne Gott ist derartig fix in dem Kanon drinnen. Jetzt ist auch der ewige Spiesser Thema geworden, Matura Thema in Niedersachsen, deshalb hat Reklam dann auch zu ewigen Spießer einen Band machen wollen. Und dann ist es diese überwältigende Präsenz auf der Bühne, also nur im deutschsprachigen Raum. Also Übersetzungen geht überhaupt nicht. Im deutschsprachigen Raum aber wird Horbert nach wie vor rauf und runter gespielt und auch die Regisseure was Neues machen wollen, teilweise auch die unbekannteren Stücke. Und da muss man sich so fragen, auch bei der Lesung, worin besteht denn diese Wirksamkeit? Und auch da gibt es Antworten in den Entstehungsprozessen. Eines der Dinge, die da passieren, ist, dass das am Anfang alles so tagespolitisch ist. Da kommt ein KPD-Funktionär vor und da kommt Antisemitismus noch in einer total direkten Art und Weise vor. Und im Laufe des Entstehungsprozesses gibt es dann KPD mehr und keine 20er Jahre. Und es wird sozusagen zu etwas, zu einem Transferwert, der auch 100 Jahre später noch aktuell ist. Das ist irgendwie die besondere Kunst von Horvath, dass er im Entwicklungsprozess diese politischen Sachen, die in der Zeit verhaftet sind, so umformt, dass sie plötzlich etwas in sich haben, was in 100 Jahren noch verstehbar ist. Und da geht es auch zentral immer, das hat auch die Ausstellung so geheißen, da geht es um Politik, da geht es um Sex und da geht es irgendwie um zwischenmenschliche Beziehungen und Genderproblematiken und die sind hoch aktuell irgendwie. Und auch natürlich das rechte Gedankengut, das kommt ja immer wieder. aber man kann sich wirklich fragen, was ist in den 20er Jahren alles geschrieben und aufgeführt worden und was ist übrig geblieben, und da muss schon ein spezieller Sinn haben, da muss ja etwas drinnen sein, dass das überhaupt funktioniert. Tiefpunkt keiner? Tiefpunkt von Horvath, ja. Tiefpunkt keiner? Tiefpunkt von Horvath? Tiefpunkt in der Arbeit? Interessanterweise bezeichnet er ja genau dieses Stück mit dem Kopf durch die Wand als seinen moralischen Tiefpunkt. Und du verteidigst das jetzt auch noch. Und ich verteidige das, ja genau. Ich würde ihn ja tatsächlich fragen, was er sich gedacht hat. Also nachdem er ja in Geschichten aus dem Wiener Wald diesen Erich ja als Karikatur eines Faschisten dargestellt hat und auch in Italienische Nacht schon 1931 hat er ja auch gewettert gegen die Faschisten oder die Faschisten in parodistischer Form dargestellt im Stück oder in satirischer Form. Da kann man sich fragen oder würde man gerne ihn fragen, was er sich dabei gedacht hat, als er 1934 dann wieder nach Deutschland gegangen ist und eben diesen Eintritt in den Reichsverband gemacht hat. Wir haben es in dem Ausschnitt aus Jugend ohne Gott eventuell gehört, da hat er eventuell sogar ein eigenes Geständnis reingebaut. Mir kommt das immer wieder so vor, wenn ich das höre, wer mit Verbrechern zu tun hat, muss verbrecherisch handeln. Denn sonst kommt er um, so ähnlich heißt es an der Stelle. Und irgendwie hat er da, glaube ich, sich selber dann ein bisschen nachträglich noch gerechtfertigt, warum er da wirklich 1934 versucht hat, in irgendeiner Form mit den Nationalsozialisten zu kollaborieren, würde ich gar nicht sagen, aber sich da irgendwie durchzulavieren. Und man hat auch teilweise vermutet, also das haben dann Freunde, es gab ja schon Freunde auch nach 1945, die Horvaths Fahne noch ein bisschen hochgehalten haben, zum Beispiel Alfred Ibach. Und die haben dann gesagt, der Horvath wollte dann Feldstudien betreiben in Deutschland. haben dann gesagt, der Horvath wollte dann Feldstudien betreiben in Deutschland. Durch die Mitarbeit am nationalsozialistischen Filmbetrieb dann irgendwie ein Einkommen zu sichern. Da gibt es aber dann auch dieses Stück Himmelwärts von 1934, das ein sehr seltsames Stück ist, das in einem nationalsozialistischen Verlag auch vertrieben wurde, im Neuen Bühnen Verlag. Und das wollten sie dann auch inszenieren, aber dazu kam es dann eigentlich nicht. Das ist dann in Österreich uraufgeführt worden. Und das ist ein sehr seltsames Stück, weil da eigentlich Horvath, er macht da so ein Experiment. macht da so ein Experiment. Eine Frau, eine Opernsängerin macht Karriere, indem sie ihre Seele an den Teufel verkauft und macht dann eine Riesenkarriere. Und dafür muss sie aber auch auf ihre privaten Gefühle verzichten im Vertrag mit dem Teufel. Also so ein Faustpakt. Und dann irgendwann wird ihr das aber zu blöd, auf ihre privaten Gefühle zu verzichten und dann bittet sie den Teufel, den Vertrag zu lösen, weil sie möchte dann doch private Gefühle haben. Sie verliert ihre Stimme und landet dann in so einem kleinbürgerlichen Milieu, also sie hat kein Einkommen mehr, sie hat ärgste Geldsorgen und lernt einen Kellner kennen, mit dem sie dann irgendwie in einer Beziehung landet. Also ein ganz tragisches Stück eigentlich von jemandem, der sich verkauft hat und dann doch in der Gosse landet sozusagen oder vielleicht gerade deshalb in der Gosse landet. Also man kann dieses Stück wirklich sehr interpretieren in die verschiedensten Richtungen. Das ist noch nicht gemacht worden, eigentlich fast gar nicht. Und wir haben ja auch dieses Horvath-Handbuch herausgegeben, das auf dieser historisch-kritischen Ausgabe beruht und versuchen damit auch sozusagen die Forschung an Horvath wachzuhalten und weiter zu befördern. Und es gibt auch Pläne für eine Horvath-Forschungsstelle in Graz und wir wollen, dass die Ausgabe, oder wir versuchen, oder versuchen, das sollen wir ja nicht sagen, wir arbeiten daran, dass die Ausgabe auch wirklich weiterverwendet wird in der Forschung und in den kommenden Jahren. Und dazu wollen wir anregen. Es gibt so einen Paradox an dem Horvath. Ich meine, der Horvath verdankt eigentlich seinen großen Erfolg einer völlig moralisierenden Lesart. Also Horvath ist immer wieder als Moraliker gelesen worden. Jugend ohne Gott ist für mich ein katastrophal schlechter Text, der ästhetisch die größten Löcher hat. Und nur weil man glaubt, dass Horvath so ein toller Antifaschist ist und der Lehrer irgendwie auch, glaube ich, wird es noch gekittet, ist ein total brüchiger Text. irgendwie auch, glaube ich, wird es noch gekittet. Das ist ein total brüchiger Text und Horvath ist da so, glaube ich, selber in diesen Antifaschismus hineingetappt mehr oder weniger und hat dann halt selber im Schreiben einer geworden. Das wäre so meine These und deshalb kommt auch sozusagen diese Geschichten, dass er sich den Nazis angebiedert hat, kommen bei denen, die ihn moralisch lesen, das ist nicht vereinbar. Für mich ist aber Horvath eigentlich kein Moraliker, sondern Horvath hat eigentlich alle möglichen politischen Positionen durchgemacht. Und Politik hat er eigentlich aus dem Schreiben heraus gewonnen und nicht das Schreiben aus der Politik. Also ich glaube, er war ein absoluter Techniker der Wirkung. Er hat genau gewusst, was Wirkung ist, hat er Wirkung permanent ausprobiert. Er hatte mit einem seiner ersten Stücke, mit der Bergbahn, hat er keinen Erfolg gehabt, den wollte er irgendwie in einer berühmten Bühne in Berlin unterbringen, mit Piskator. Und es war keine Reaktion. Und dann hat er sich selber, es ist ein verwöhntes Diplomatensöhnchen gewesen, dieser Horvath, der da in Murnau residiert hat und seine Stoffe von den Leuten da vor Ort genommen hat. Und dann hat er sich selber so eine Bergmannsuniform angezogen und hat gesagt, er war dabei beim Bau dieser Bergbahn. Da geht es um den Bau der Zugspitzbahn. Das war zuerst irgendwie so ein marxistisch-proletarisches Stück, wo er diese vielen Toten beklagt hat. Und dann hat er es umgemacht zu einem Naturspiel, also irgendwie, wo die Natur plötzlich der Gegner war und er setzt sich selber da rein irgendwie und in dem Augenblick empfinden das alle als authentisch, weil da einer ist, der so ausschaut wie einer, der arbeitet dort. Und Wirkungen, auch übrigens das Wirkungen ausprobieren, glaube ich, ist auch so ein Prozess im Werk, im Schreibprozess. Also er musste das vor Augen sehen, um Wirkungen ausprobieren, glaube ich, ist auch so ein Prozess im Werk, im Schreibprozess. Er musste das vor Augen sehen, um Wirkungen ausprobieren zu können. Und er war ein Techniker der Wirkung. Und ich glaube, ein extrem moderner Charakter, der irgendwie auch dieses Gesellschaftsbild der 20er, 30er, der verstanden hat, was Gesellschaft ist und der sozusagen diese Gemeinschaftsformen, auch diese Rechten mit Gesellschaftsanalyse auf den Punkt gebracht hat. Und auch das Mann-Frau-Verhältnis. Also Horvath ist ein, also warum, also Horvath, es hat einmal so ein Ehepaar gegeben, die haben den Horvath so gehypt irgendwie und dann hat die eine immer gesagt, ja Horvath war so ein Freund der Frauen. Also Horvath war so ein Freund der Frauen. Horvath war überhaupt kein Freund der Frauen. Horvath hat sozusagen diese Vergenusswurzelung von der Marianne in dem Stück, Geschichten aus dem Wiener Wald, führt er auf der Bühne ja noch einmal vor irgendwie. Also wir haben, es gibt eine Laienbühne in Fischermänt, da haben sie die Geschichten aus dem Wiener Wald gespielt. Und keine von diesen bürgerlichen Damen wollte da die Marianne spielen in der Szene im Maxim. Weil das ist irgendwie so Nacktplastik und das ging irgendwie nicht. Und dann kam der Regisseur auf den grandiosen Einfall, wie retten wir uns über das drüber in dieser Aufführung? Und dann ist er auf die Idee gekommen, für diese Szene holen wir uns drei Profi-Tänzerinnen aus Bratislava. Unden wir uns drei Profi-Tänzerinnen aus Bratislava. Und dann haben sie drei Profi-Tänzerinnen aus Bratislava. Und das ist, die Profi-Tänzerinnen aus Bratislava sind ein wesentlicher Teil des Horvathschen Stückes, weil das sind immer die hübschesten und tollsten Schauspielerinnen. Und sozusagen dieses in die Auslage stellen der Frau und das Entblättern und das Nacktmachen gehört wesentlich zur Wirkung des Stückes dazu. Und natürlich kann man sagen, er erklärt es, aber trotzdem, die Schauwirkung hat er natürlich schon auch. Und das ist hochambivalent und das ist überhaupt kein moralischer Standpunkt, sondern das ist ein hochanalytischer, also das ist ein extrem analytischer Autor und ich glaube, da wäre noch viel auch für die Interpretation zu machen, wenn man ein bisschen von dem Moraliker wegkäme, weil für mich wird ja so sagen, das ist ihm ja eigentlich nicht vorzuwerfen in dem Sinn, dass er da mit den Nazis paktiert. Das macht seine Stücke ja noch komplexer und gerade viele dieser Stücke aus den 30er Jahren, aus der Kamölie, also die mit dem Kopf durch die Wand, die sind doch eigentlich unentdeckt und die sind aber hochkomplex irgendwie. Oder hin und her, das ist eigentlich ein Migrationsstück, da sind welche auf der Brücke und die eine Grenze geht nieder und die andere Grenze geht nieder und die ganzen trennen es auf der Brücke hin und her. Das wird jetzt gerade in Salzburg offensichtlich, das wären so Problematiken da drinnen, die eigentlich auch auf der Bühne, glaube ich, sie gut machen würden und total aktuell sind. Ich meine, das ist auch ganz, weil du sagst Wirkung, man ist ja theaterpraktisch gedacht, Horvath war ja auch einer, der tatsächlich mit Theater mitgedacht hat, also er war keiner, der Lesedramen geschrieben hat und sich dann fürchterlich aufgeregt hat, wenn ein Regisseur damit gearbeitet hat, sondern der ist tatsächlich dann bei den Proben dabei gestanden. Der hat genau gewusst, was geht auf einer Bühne, was geht dort nicht und hat dann manchmal bis in die letzten Proben hinein noch wirklich an der Rampe die Stücke umgeschrieben. Ganz berühmtes Beispiel, der Schluss von Geschichten aus dem Wiener Wald, wo die Marianne auf einmal verstummt, das ist so nicht im Rollenbuch ursprünglich drinnen gestanden, das hat er da handschriftlich eingefügt. Also das war mehr damit auf den letzten Drücker. Dieser Schluss, wo die Marianne nicht irgendwie so versucht, sich zu erklären, oder so mit einem Monolog dagegen hält, sondern die ist einfach aus. Also die Marianne ist einfach aus. Das ist ja auch eine spannende Frage, wo hören eigentlich Dramen auf? Also beim Buch ist relativ klar, dass das Buch schon in Druck geht und dann ist es halt fertig irgendwie nicht. Aber bei so Dramen eine spannende Frage, wo hören eigentlich Dramen auf? Also beim Buch ist relativ klar, du hast das Buch geschrieben, es geht in Druck und dann ist es halt fertig irgendwie nicht. Aber bei so Dramen ist auch die Frage, wer da eigentlich die letzte Fassung festhält und hoher Tat bis zum Schluss und auch das macht die Ausgabe klar. Also Kasimir Karolin ist auch ein total tolles Beispiel. Also die haben es irgendwie, in Berlin sollte es aufgeführt werden, aber es gab so, wie heißt die, Max Aufricht? Diese Ernst Aufrichts. Und man hat Stücke, bevor sie in die Hauptstadt gekommen sind, in der hintersten Provinz damals, in Leipzig voraufgeführt und geschaut, ob das dort alles funktioniert und dann hat man teilweise noch Änderungen gemacht und dann sozusagen diese Änderungen erst dort ausprobiert, die Leipziger Publikum, und dann erst noch Berlin übernommen. Was ist die letzte Fassung? Die Leipziger Fassung, die Berliner Fassung, also das ist total schwer zu sagen und auch das ist so ein Beispiel dafür, dass der Text im Fluss ist und ich glaube, Text im Fluss wäre eigentlich der richtige Titel für die historisch-kritische Ausgabe und nicht Text erstarrt, sondern ganz im Gegenteil. Aber sie ist da und sie ist fertig und die Leidenschaft scheint ungebrochen. Also die Jahrzehnte mit Horvath haben nicht so eine... Stockholm sind Traum. Stockholm sind Traum. Vielleicht mögen Sie auch. Ich zeige noch einmal die schöne gelbe kleine Ausgabe, die Sie heute auch hier in einzelnen Bänden erwerben können. Lesen Sie Horvath, spielen Sie Horvath. Herzlichen Dank, Florentin Groll und unseren Gästen, den Editoren, Editorinnen. Danke Ihnen für Ihr Interesse.