Sehr geehrte Damen und Herren, ein herzliches Willkommen hier im Kepler-Salon in der Altstadt in Linz und aber auch unsere Gäste und unser Publikum online ein herzliches Willkommen hier zum heutigen Abend zum Thema Ankommen. Ich hoffe, Sie sind alle gut angekommen im besten Sinne des Wortes, allerdings im Kontext von Migration und Flucht repräsentiert das Ankommen nicht nur den physischen Eintritt in ein Land, sondern in ein neues Land, sondern eben auch den emotionalen und kulturellen Übergang zu einer neuen Identität. Und jemand, der definitiv angekommen ist, ist Vedran Cihic. Ein herzliches Willkommen an einen meiner heutigen Gäste. Dankeschön. Man könnte sagen, vom Flüchtling zum anerkannten Wissenschaftler. Denn Vedran Cihic wurde 1976 in Bosnien und Herzegowina geboren. Wie Sie dann nach Wien kamenen oder dürfen wir auch Coram Publico per tu sein? Gut, kamst du dann eben nach Wien, das ist dann auch Teil des Buches, das heute Abend präsentiert wird. 2009 Doktorat der Politikwissenschaften an der Universität Wien, wo du heute auch lehrst und Senior Researcher bist, bedeutet Senior Forscher eben an der Universität Wien. Du bist Initiator von zahlreichen Initiativen und du bist eigentlich auch im deutschsprachigen Raum einer der gefragtesten Balkan-Experten, kann man so sagen. Und veröffentlicht regelmäßig Essays und du stellst Fragen wie, und ich nenne jetzt nur ein paar, was braucht es, um den Neubeginn zu schaffen? veröffentlichst regelmäßig Essays und du stellst Fragen wie, und ich nenne jetzt nur ein paar, was braucht es, um den Neubeginn zu schaffen? Wann fühlen wir uns in einer Gesellschaft wirklich zugehörig? Und was kann die Aufnahmegesellschaft dafür tun? Und du beschreibst in einem Buch sehr eindringlich dein persönliches Ankommen. kommen. Und jetzt öffne ich sozusagen den Kreis der Gäste hin zu einem Projekt, das vom Roten Kreuz Oberösterreich und Österreich getragen wird. Es gibt hier 350 ehrenamtliche Botschafterinnen, die mit dem Projekt Exchange im Bereich Migration und Integration tätig sind und unterwegs sind. Und darf ich heute bei uns begrüßen, Sarah Momani. Sie ist Landesvorsitzende der muslimischen Jugend in Oberösterreich und Erasmus-Trainerin. Ein herzliches Willkommen, liebe Sarah. Was dir ganz wichtig ist, ist die Arbeit an An- und Gegenvorurteile und Klischees gegenüber muslimischen Mädchen und du bist da ganz stark im Bildungsbereich tätig. Des Weiteren darf ich Ferda Kucei begrüßen. Wo ist die Ferda? Da ist sie auch vorne hier bei uns. Du setzt dich ganz maßgeblich auch in ein Projekt, das Roten Kreuz im im Projekt Repair für die Familienzusammenführung ein. Und auch nachher dürfen wir dann noch mit einem Beitrag von dir und von euch beiden rechnen. Und wer eben diese Projekte zusammenführt und koordiniert, da darf ich an meiner Seite recht herzlich willkommen heißen und begrüßen, Sabri Opak. Ein herzliches Willkommen, danke. Willkommen heißen und begrüßen Sabri Opak. Ein herzliches Willkommen, danke. Auch du bist als Geflüchteter nach Österreich gekommen und du hast ein sehr langjähriges Asylverfahren hinter dir, in dem du Deutsch gelernt hast und dich sehr viel ehrenamtlich auch in diesem Bereich beschäftigt und engagiert hast in diversen Projekten. Und du beschäftigst dich ganz intensiv mit der Frage, wie man Heimat in einem fremden Land finden kann. Und hier spannt sich der Bogen zum heutigen Abend, nämlich zum Ankommen. Und in diesem Sinne darf ich das Wort jetzt an Vedran Cihic übergeben. So, liebe Cornelia, lieber Sabri, liebe alle. Also ich bin jetzt in Linz angekommen. Das ist natürlich für jemanden, der jetzt schon länger in Wien lebt, ein außergewöhnliches Ereignis. Aber Scherz beiseite. Es freut mich sehr, dass ihr, sie, heute bei diesem verregneten Abend den Weg zum wunderbaren Kepler-Salon gefunden haben habt. Es ist so gemütlich hier. Ich habe der Cornelia jetzt am Beginn gesagt, ich möchte da ganz einfach einziehen und mich dann auf diesem Sofa so bequem machen, dass ich sie richtig ankomme und einschlafe irgendwann. Also vielen lieben Dank. Cornelia, danke auch für die Einführung. Also ich möchte vielleicht ein paar Worte zum Buch sagen, dann eine Kleinigkeit vorlesen. Und dann entsteht sowieso ein interessanter, hoffentlich dynamischer Abend, also mit Fragen und mit Diskussion. Die Frage, die oft bei den Lesungen, die ich bis jetzt gehabt habe, gestellt wird, lautet, warum hast du das Buch jetzt geschrieben? Warum hast du das nicht vor 10, 15 Jahren geschrieben? Ich bin 1993 aus Bosnien geflüchtet, vertrieben worden. Der Krieg in meiner Heimat begann im Mai 1992. Wir waren noch sieben, acht Monate in diesem neuen Kriegsland, das vorher eben meine Heimat war, gewesen. Wir sind dann zufällig in Treskirchen gelandet im Jänner 1993. Und das ist jetzt schon eine Zeit her, also seit 1993. Damals gab es noch den Jörg Haider, werden sich einige erinnern. Es gab einen Ausländer aus Volksbegehren, es gab ein Lichtermehr, es gab einen Kanzler, Bundeskanzler Franz Franitzki, wenn man sich noch erinnern kann. Also heute haben wir andere Kaliber, aber nicht unbedingt bessere. Sie werden sich erinnern. Es waren andere Zeiten. Man könnte fast schon sagen, es waren selige Zeiten. Und es gibt ja diesen Spruch Österreich als Insel der Seligen. Und manchmal natürlich jede Insel der Seligen ist auch ein bisschen eine Insel der Unseligen. Und ich glaube, das Land hat sich in den letzten 30 Jahren gewandelt. Ich hätte das Buch, also meine Lebensgeschichte, aber auch dann die politischen Ableitungen und die sozialen Ableitungen daraus sicherlich auch vor 10, 15 Jahren schreiben können. Warum habe ich es jetzt geschrieben? Ich habe es deswegen geschrieben, weil ich das Gefühl gehabt habe, Ich habe es deswegen geschrieben, weil ich das Gefühl gehabt habe, dass zunehmend im Laufe der Zeit dieser Diskurs über die Mitmenschen und MitbürgerInnen in unserem Land, und dieses Land ist eine Einwanderungsgesellschaft, also das politische Bekenntnis dazu fehlt, aber es ist de facto und real eine Einwanderungsgesellschaft. Es ist eine super diverse Gesellschaft mit unterschiedlichen, also allein wenn man in diesem Raum sich umschaut und wenn sie sich fragen, welche Wurzeln habe ich, woher komme ich, was ist mir wichtig, wer ist mein Freund, wer ist meine Freundin, also wem begegne ich im Arbeitsplatz, wer pflegt mich, wer bringt mir ein Paketstück, mit wem gehe ich tanzen, also wenn ich Freude haben will, mit wem stoße ich an. Also das Land ist längst eine super diverse Gesellschaft, in der wir alle gern die Verantwortung für dieses Land übernehmen und in der die ganz große Mehrheit der Menschen, ob jetzt organische Österreicher oder Österreicherinnen, jetzt scherzhaft gemeint, oder Menschen mit Migrationsvordergrund, Hintergrund, Untergrund, Obergrund, was auch immer. Wir sind alle das Österreich. Und ich sage dann immer, also mein Österreich lasse ich mir auch nicht wegnehmen. Das ist auch mein Land, das ist das Land meiner Kinder. Ich habe meine zweite Heimat, aber auch das ist mein Land. Und ich habe das Gefühl dann irgendwann gehabt, weil ich mich auch professionell damit beschäftigt habe und weil mich das natürlich auch betrifft, habe ich das Gefühl gehabt, dass sich die Diskurse in diesem Land zunehmend verschieben. Dass ab dem Jahr 2005, 2006, wo wir diese große Fluchtbewegung gehabt haben von Menschen aus Syrien, Afghanistan, die zu uns gekommen sind, die heute mittlerweile ein Teil dieser Gesellschaft sind, ob am Arbeitsplatz, ob im Freundeskreis, dass sich hier nach dieser anfänglichen Phase der sogenannten Willkommenskultur, wo auch die Zivilgesellschaft sehr viel beigetragen hat, wo man diese Bilder vom Hauptbahnhof in Wien gesehen hat, also wie die Menschen willkommen geheißen wurden, unterstützt wurden, dass sich der Diskurs aber rasend schnell verschoben hat, hin von einer Willkommenskultur zu einer ausschließlichen oder sehr, sehr starken Problematisierung der Migration und Integration. der Diskurse, die vor allem auch von den Rechten vorangetrieben wurde, die aber auch es geschafft haben, dass die Mainstream-Parteien, die ehemaligen großen Parteien auch Teile dieser Diskurse übernommen haben. Die österreichische Volkspartei mit unserem lieben, unter Anführungsstrichen lieben, ehemaligen Bundeskanzler Sebastian Kurz, der berühmterweise die Barkanroute damals geschlossen hat, ohne dass sie jemals geschlossen wurde. Also ich glaube, er hat dann irgendwann erkannt und gerochen, dass man mit rechten Diskursen, rechten Narrativen und auch mit Migrations-Integrationsnarrativen, mit der Problematisierung dieser Normalität punkten kann und hat sicherlich in vielen Punkten auch die freiheitlichen Diskurse auch normalisiert. Und was wir hier gesehen haben in den Jahren ab 2015 und 2016 mit einer Kulmination im letzten Wahlkampf, wo auf einmal Dinge möglich wurden und geworden sind in diesem Land, die eigentlich zutiefst auch im Kern gewaltvolle Form des Umgangs mit den anderen. Das ist etwas, was sich wirklich in Kontinuität verdichtet hat, bis hin zu diesem Sieg der Freiheitlichen Partei, der auch sehr stark auch einem vergifteten Migrations- und Integrationsdiskurs zu verdanken ist oder einer Migrationspanik, die gewissermaßen erzeugt wird. Und wenn natürlich etwas panisch erzeugt wird oder eine Migrationspanik, wenn etwas emotionalisiert wird, wenn Migration, Integration zum Mutter aller Probleme erklärt werden in einem Land, wo natürlich kann man dann diskutieren, also es gibt die Extremisten und es gibt die Islamisten, es gibt dies und das und wie auch immer, es gibt ja Entfremdungsprozesse und vieles, vieles mehr bei einigen, aber ich glaube, im Kern ist es ein Land, in dem es wichtig ist, dass man sich begegnet, in dem man sich begegnet, in dem das auch auf Augenhöhe geschieht und wo wir es nicht zulassen können und zulassen dürfen, dass diese Ausgrenzungsmechanismen sich durchsetzen. einen muslimischen Namen, meine Mutter ist ukrainischer Herkunft, beide waren Atheisten, die Mutter ist weiterhin Atheistin, also wir sind Kinder einer sogenannten Mischehe, sofern man überhaupt Menschen als Gemisch von etwas bezeichnen kann. Und mein Vater, der von Beginn an aufgrund seines Namens, seines Aussehens, also er war nicht so blond und blauäugig wie ich, das ist mein Großvater, mütterlicherseits der Ukrainer, der irgendwie groß und blond und blauäugig war. Der Vater sah aus wie ein türkischer Gastarbeiter aus Ost-Anatolien. Mit Schnauze, dunkel. His Abdullah hat von Beginn an, als er ankam, Diskriminierung erfahren in sehr vielen Bereichen. Wurde verletzt, wurde doppelt verwundet, das heißt seine Verwundung durch den Krieg, durch den Verlust seiner Heimat hat sich hier nahtlos fortgesetzt und er war dann irgendwann innerlich ausgebrannt, hat seine alte Heimat verloren gehabt, hat seine neue Heimat nicht gefunden und blieb irgendwo stecken. Das Buch ist meinem Vater gewidmet und ich habe eine persönliche Geschichte darin erzählt, aber mir ging es um eines. Mir ging es darum, dass jetzt durch das Erzählen eines Flüchtlings mit all den Ängsten und Verunsicherung, mit Furcht, mit diesem im Krieg stattfindenden Verlust des Urvertrauens an die Menschheit, dass dies universelle Erzählungen sind. Und dass auch die Frage des Ankommens eine universelle Frage ist. Also ich glaube, unabhängig davon, ob man Flüchtling, Migrant, Migrantin ist, wollen alle Menschen ankommen. Also ich bin jetzt im Linzer Kepler-Salon gut angekommen, fühle mich wohl. Wir wollen uns alle wohlfühlen in der Nachbarschaft, zu Hause, im Familienkreis. gut angekommen, fühle mich wohl. Wir wollen uns alle wohlfühlen in der Nachbarschaft, zu Hause, im Familienkreis. Und es ist gewissermaßen eine stellvertretende Erzählung für uns alle, aber es ist vor allem auch ein Versuch gewesen, jenen Menschen wie meinem Vater, die keine Stimme haben, die kein Gesicht haben, die an den Rändern sind, den Unsichtbaren auch ein bisschen eine Stimme zu geben. Und wenn ich schon eine Stimme erlangt habe in diesem Land und das jetzt seit 20 Jahren an der Uni den jungen Menschen weitergeben kann und wenn ich jetzt in österreichischen Medien, deutschen Medien irgendwie schreiben kann, Vorträge halten kann, dachte ich mir, das ist fast schon eine Pflicht, auch eben den anderen, den vielen Unsichtbaren ein Gesicht zu geben, eine Erzählung zu geben, eine Stimme zu geben. Was ist ein Teil dieser Erzählung? Und da lese ich gleich eine kleine Stelle vor. Ich glaube, bei jedem Menschen, der flüchtet, bei jedem Menschen, der unfreiwillig seine, aber auch manchmal freiwillig, aber vor allem unfreiwillig bei Geflüchteten seine Heimat oder ihre Heimat verliert, steht am Beginn immer eine ganz, ganz große Verwundung da. Es steht die Angst da, es steht die Verunsicherung da, man verliert den Boden unter den Füßen und verliert auch den Glauben an die Menschheit. Das heißt, man glaubt nicht mehr, dass es das Gute gibt, sondern erfährt das Ausschließende, das Böse gewissermaßen. Und auf der anderen Seite will, und das habe ich auch schon gesagt, also will jeder Mensch ankommen. Also jeder Mensch will gesehen werden. Jeder Mensch will berührt werden. Jeder Mensch braucht ein warmes Wort, braucht Empathie, braucht Umarmung. Also das brauchen wir alle. Und die Geflüchteten oder auch die anderen, die jetzt im Diskurs zueinander installisiert werden, brauchen das auch. Also diese Geschichte steht jetzt jenseits von der Frage nach politischen, nach sozialen Debatten über Integration und Migration, darüber kann man auch reden. Aber hier ging es mir auch um diese menschliche Dimension. Und ich lese jetzt am Beginn eine Passage aus dem Buch, die schon ziemlich persönlich ist, aber für mich auch das zum Ausdruck bringt. Die heißt Die Flucht und der Neubeginn. Das ist das Kapitel des Buchs. Es geht, und nur etwas, was ich vorausschicken möchte, es beginnt mit einem Ereignis in einer Nacht im Jänner 1990. An diesem Tag ist der Bund der Kommunisten Jugoslawiens, der ab 1945 bis 1990 dieses ehemalige Jugoslawien regiert hat, zerfallen. Also es gab eine Live-Übertragung im Fernsehen, also es gab keine Privatfernsehsender, es gab nur eins und zwei und auf beiden Kanälen hat man dann im Fernsehen dieses Ereignis übertragen. Bei dem Kongress des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens sind dann die Slowenen, die Kroaten, die beiden Delegationen ausgezogen. Das hat man live mitverfolgt. Ich war als damals 13-, 14-Jähriger früh politisiert durch den Vater, saß ich im Wohnzimmer, habe mir das angeschaut, gemeinsam mit dem Vater. habe mir das angeschaut, gemeinsam mit dem Vater. Mutter, trotz der Emanzipationsversuche des jugoslawischen Sozialismus, war im Badezimmer, hat die Wäsche gemacht. Leider auch das ein Teil der ex-jugoslawischen Erzählung. Und als sie dann gehört hat, dass die Abgeordneten aus Kroatien ausgezogen sind, stürmt sie rein ins Wohnzimmer und sagt, wir müssen Koffer packen, es kommt der Krieg, das ist aus. Also das wird nichts mehr. Und der Vater, es kommt Krieg, es ist 1990, also es wird schon alles gut werden und beruhigen und wie auch immer. Und diese Passage beginnt mit dieser Szene. Ich lese das jetzt kurz vor und dann kann man vielleicht noch ein bisschen einsteigen und kann später noch ein bisschen was vorlesen. Exakt drei Jahre nach jener Nacht im Jahr 1990, in der die Mutter mit ihrer Vorahnung des Krieges ins Wohnzimmer zum Vater und zu mir platzte, wurden wir aus unserer Heimatstadt Bredor vertrieben. Vertrieben wurden wir, weil mein Vater einen muslimischen Namen trug und im dominanten serbischen Narrativ damit das andere konstituierte, das durch die Politik der ethnischen Säuberung aus der Welt geschafft werden sollte. Und nun waren wir Flüchtlinge. Mein aus einer muslimischen Familie stammender Vater, meine aus einer ukrainischen Familie stammende Mutter, beide vom Sozialismus und Atheismus überzeugt, mein Bruder und ich als Kinder aus einer Mischehe. Der Name des Vaters besiegelte unser Schicksal in Bosnien und machte uns zu Feinden. Die nächste Station auf der Flucht war Kroatien, wo wir nur wenige Wochen blieben. Mein Vater hatte weiterhin Angst, dass er von kroatischen Behörden an die bosnische Front geschickt wird, so wie es vielen Flüchtlingen aus Bosnien in diesen Wochen und Monaten passierte. Wir wussten, dass wir weiterziehen mussten. Der erste Versuch, unsere zu diesem Zeitpunkt schon ehemalige jugoslawische Heimat endgültig zu verlassen, Unsere zu diesem Zeitpunkt schon ehemalige jugoslawische Heimat endgültig zu verlassen, führte uns mit dem Zug zur ungarischen Grenze in der Hoffnung, dass wir es bis nach Schweden schaffen konnten. Doch die ungarischen Polizeibeamten nahmen uns vom Zug herunter und schickten uns nach Kroatien zurück. Schweden blieb ein unerfüllter Traum. Also beide Wege später war ich schon in Schweden und so toll ist auch wieder nicht. Also Linz ist schöner. Schon ziemlich verzweifelt erfuhren Vater und Mutter durch einen reinen Zufall, dass es in Österreich in der Nähe von Wien, in einem Ort namens Dreskirchen, noch Platz im dortigen Flüchtlingslager gäbe. Wir bereiteten unsere Dokumente vor, organisierten den Transport und brachen erneut auf. Es war ein kalter Wintermorgen mit sehr viel Schnee, als wir vor den Toren des Flüchtlingscamps in Treiskirchen standen. Jedes Mal, wenn ich diesen Moment in Erinnerungen nachzuspüren versuche, ist es der Schnee, der mir zuerst in den Sinn kommt. Die ukrainische Schriftstellerin Tanja Majarczuk hielt 2023 die Eröffnungsrede beim Ingeborg Bachmann Literaturwettbewerb in Klagenfurt. Majarczuk verblieb in ihrer Rede eine Weile bei ihrem Schnee, der mit meinem verschmolz. Und ich zitiere, Schnee legt sich betäubend auf den Schmerz und dämpft Geräusche. Stellen Sie sich eine Vergangenheit vor, in der nichts wehtut und niemand aus Verzweiflung jammert. Gäbe es eine solche Vergangenheit, würde es darin ganz bestimmt ununterbrochen schneien. Wie Tanja Majarczuk liebe auch ich den Schnee. Ich habe mich als Kind immer so sehr über jeden Schnee gefreut. Der erste Schnee aus Treskirchen dämpfte kurz meinen Schmerz. Die Aufnahmeprozedur, wir mussten von der Asylbehörde in Treskirchen registriert werden, dauerte bis tief in die Abendstunden. Nach langem Warten wurde uns ein vorläufiges Zimmer zugeteilt, ein kleiner Raum mit militärischen Stockbetten für acht Personen, in dem bereits eine junge, vierköpfige iranische Familie wohnte. Ich spürte, wie sich im warmen Raum mein aus Angst, Anspannung und Ungewissheit bestehender Krampf langsam löste. Wir waren endlich in Sicherheit. Ich hatte noch nie in einem Stockbett geschlafen und wollte sofort oben sein. Ich kletterte hinauf, fand eine Decke auf dem Bett, aber kein Polster. Hallo, sagte da plötzlich eine Stimme. Ich drehte mich um und sah den iranischen Vater, der mit einem müden, aber breiten Lächeln ein kleines Polster in der Hand hielt und mir deutete, es zu nehmen. Das Bild des lächelnden Fremden und des Polsters in seiner Hand, die Wärme dieses beengten Raumes und die tiefe Atmung meiner Eltern, die offensichtlich die Angst um unser Leben zumindest für eine kleine Weile beiseite schieben und einschlafen konnten, haben sich tief in mir eingebrannt. Die kleinen Geste des Vaters, der iranischen Familie und sein Lächeln gaben mir in dieser Nacht Sicherheit und Kraft zurück. Wir wussten damals nicht, wo wir waren. Wir wussten nicht, was der nächste Morgen bringen würde. Wir wussten nur, dass wir in Sicherheit und alle vier heil waren. Meinen Glauben an die Menschheit hatten die Kriegsmonate zutiefst erschüttert. Ich war skeptisch, ich war vorsichtig, ich sah überall Gefahren. Ich konnte damals aber nicht ahnen, dass die Geste des iranischen Vaters und das schlichte Polster der erste Schritt waren, mit dem mein Glaube an das Gute im Menschen zurückkehren würde. So, das ist diese kleine Passage und da geht es sehr stark um die Empathie, um ganz einfach, damals war es ein Polster, das kann eine Hand sein, die dich drückt, das kann eine leise Stimme sein, die dir sagt, wird schon gut werden, es ist okay, es kann was auch immer sein, aber was ich da und was mir wichtig ist, jenseits eben diesen strukturellen Fragen, was braucht es rechtlich, was braucht es politisch, was muss ein Mensch, der ankommt, tun, was muss die Gesellschaft tun, jenseits von diesen Fragen ging es mir um diese Menschlichkeit, um diese Empathie, die in meinen Augen, das wird später auch verhandelt im Buch, die natürlich durch eine Erzeugung von Migrationspanik und durch diese Schaffung von binären Korts wir und die anderen, wir sind gut, die anderen sind in der Gefahr, passt auf die anderen auf, geht es nicht nach Favoriten, also da verliert es gleich den Kopf oder wie auch immer, dass da natürlich dann auch diese menschlichen Gesten, von denen es trotz dieses Diskurses wahnsinnig viele gibt in diesem Land und ich bin auch stolz auf dieses Land, auch wenn ich die letzten 30 Jahre dann zurückblicke, aber dass das natürlich zunehmend schwieriger wird und dass die Menschen dann Angst bekommen vor den anderen und diese anderen Angst vor diesen, die vor ihnen Angst haben. Und dann setzt sich so eine Spirale in Bewegung, die wirklich dann am Schluss verhängnisvoll sein kann. So, das ist für das Erste so ein bisschen ein Einstieg, ein Einblick ins Buch. Zurück an dich, Corinna. Vielen Dank. Mir geht es bei der Lektüre deines Buches so, also von deiner persönlichen biografischen Erzählung hin zu strukturellen Themen, die rund um das Thema Migration und Flucht kreisen. Und ich habe mir dann so im Lesen gedacht, diese 30 Jahre zurück, du warst ja da schon ein junger Mann, mitten in der Adoleszenz. Also das sind ja sehr, ohnehin schon, selbst wenn man in einem friedvollen Umfeld lebt, sehr prägende Jahre. Und du hast dann auch geschrieben, welche Erinnerung will man behalten? Diese Fragestellung hast du aus der Literatur auch heraus. Und gab es da eine Erinnerung für dich? Also ich weiß die Antwort ja schon, aber gab es da diese eine Erinnerung, wo du sagst, ganz bewusst behältst du die für dich, oder konntest du dich überhaupt gar nicht entscheiden? Es gibt ein paar Erinnerungen, die im Buch auch dann als wichtig herausgestrichen werden, aber ich würde jetzt nicht einzeln herausgreifen. Aber ich glaube, was für mich natürlich nach dieser Phase der Angst und des Krampfes ganz, ganz wichtig war, das beginnt natürlich mit diesem kleinen Poster, also dieses Gesicht des Vaters werde ich nie vergessen. Es geht dann irgendwie weiter mit einer ganzen Reihe von Gästen, aber auch so mit ersten Berührungen auch mit Österreich. Also zum Beispiel eine der ersten Erinnerungen ist in die Titelseiten der Kronenzeitung zum Beispiel für mich, weil mein Vater bestand darauf und hat dann immer gesagt, das beschreibe ich in einem Kapitel, Bildung, Bildung, Bildung, also ihr müsst sofort Deutsch lernen und das ist das Wichtigste und dann hat er immer gesagt, ihr müsst zehnmal so gut sein wie die anderen und ihr dürft nicht schlafen, ihr müsst nur lesen und arbeiten oder wie auch immer. Also permanent geschafftig sein bis zu, ich meine, und arbeiten oder wie auch immer. Also permanent geschafftig sein, bis zu, ich meine, was mein Vater auch sehr stark gehabt hat, und das sehe ich aus der heutigen Perspektive sehr kritisch, ihr müsst euch bis zur Unkenntlichkeit anpassen. Also das wollte er immer. Und es gibt auch diesen schönen Roman von der toxischen Pommes, wo sie beschreibt und sagt, ich zitiere ja auch irgendwo im Buch, also keine Ahnung, also ich bin hier, ich spreche perfekt Deutsch, war in der Schule die Beste in Deutsch, esse Schweinefleisch, bin blond, habe sogar Just studiert und sitze in einem Fadenbüro und mache dann irgendwas, ohne dass ich das hinterfrage und wie auch immer. Und ich habe mich bis zur Unkenntlichkeit angepasst, aber ich bin innerlich tot und ausgebrannt. Und zum Beispiel bei mir, also das ist so diese, der Vater hat das immer gepredigt und als wir dann kamen, haben wir dann irgendwie entdeckt, am Sonntag gibt es, also ich darf jetzt aus rechtlichen Gründen nicht sagen, Gratiszeitungen, die man rausnehmen kann aus den Laschen, also da hat man da was reingeworfen, damals war es noch Schilling. Und ich kann mich dann erinnern, ein erstes Bild war dann irgendwie dieses Ausländer raus Volksbegehren, also Ausländer raus, riesengroß auf der Titelseite. Aber das ist immer, das ist wichtig, wir haben zwei Taschen aus Bosnien mitgenommen und der Papa hat gesagt, in diesen zwei Taschen, okay, ein bisschen was an Kleidung brauchen wir, das werden wir schon irgendwo kriegen, wenn wir ankommen, aber ihr braucht unbedingt Wörterbücher. Also dann hat er ein englisches und ein deutsches Wörterbuch eingepackt. Und ich habe dann nachgeschaut, Ausländer raus, das heißt, wir sind gerade angekommen, ich habe das Gefühl gehabt, aha, jetzt geht es uns gut, jetzt ist die Sicherheit da, und auf einmal schreibt jemand Ausländer raus. Das ist die erste Erinnerung. Die zweite dann, da gab es ja dieses Lichtermeer, also dieses großartige Zeichen der österreichischen Zivilgesellschaft, auch der Menschlichkeit, also mit 200.000 Menschen auf dem historischen Heldenplatz, der natürlich 1938 der Platz eines ganz anderen schrecklichen Ereignisses war, aber diese 200.000 Menschen, also die hat man dann auch auf der Titelseite der Kronenzeitung, sehen diese Lichter, die haben da wieder die Hoffnung zurückgegeben. Also das sind so Dinge und das geht dann über die Schule weiter, ich habe eine wunderbare Schulklasse und Schulgemeinschaft vorgefunden, meine 7b, die mir dann später auch die Matura-Reise bezahlt hat, also ich war dann auf Corfu und konnte mit den Jugendlichen um die Häuser ziehen. Das hätte ich ja nicht machen können, wenn es diese 7b und diese Wärme nicht gegeben hätte. Also es gibt eine ganze Reihe von Erinnerungen. Was aber dann später im Laufe des Lebens schon auch dazukommt, ist auch die sehr starke Wahrnehmung auch bei mir, dass ich mit meinem Lebensweg aufgrund der Verkettung von Umständen, oft sind es Zufälle, oft ist es natürlich der eigene Wunsch, etwas zu gestalten, Verantwortung zu übernehmen, oft ist es manchmal auch Glück, aber dass auf der anderen Seite bei meinem Vater das überhaupt nicht funktioniert hat. Dass er dann immer wieder gesagt hat, ich halte es da nicht aus. Dann ist er einmal zum, also dann hat er einmal das Gefühl gehabt, der wird ja permanent von den Behörden schikaniert, weil sie ihn alle zwei Monate zu einer TBC-Untersuchung geschickt haben, weil der irgendwie aus Ausländer oder wie auch immer. schon als Gastarbeiter kamen, die weiterhin unsichtbar geblieben sind, aber so wichtige Dinge in dieser Gesellschaft auch gemacht haben und geleistet haben. Das war dann immer so ein bisschen eine kleine Mini- Verwundung oder Verletzung, die ich mit mir mitgezogen habe. Du schreibst ja auch in einem Satz, man verstummt, man verliert seine Stimme und wie man die wiederfinden kann und eben auch an der Lebensgeschichte deines Vaters, dass es auch sein kann, sie nicht mehr zu finden. Beziehungsweise es gibt ja einen unvollendeten Roman von ihm, der jetzt in deinen Händen liegt. Genau, da gibt es das. Kann ich vielleicht auch noch, wenn es Zeit bleibt, kann ich noch ein bisschen was vorlesen, wo es eben um die Frage geht, ob man dann jemals ankommen kann und was dann die Voraussetzungen dafür, dass man ankommt und auch meine Zweifel und meine Schmerzen, die damit einhergehen, gerade aufgrund des Schicksals des Vaters. Und das beschreibe ich dann auch gegen Ende des Buchs und leite auch mit, also ich nehme ein Zitat zu Hilfe von Georg Tabori, der einmal gesagt hat, jeder ist jemand. Also jeder ist jemand und jede ist jemand. Und was man im Diskurs oft hört, dass einige niemand sind. Also im politischen Diskurs haben wir doch die Botschaft, einige sind niemand und einige sind jemand. Und für mich leitet sich aus diesem persönlichen Schicksal, aus dem Schicksal meines Vaters und von vielen anderen Menschen auch eine politische und wenn man so will kämpferische Botschaft. Jeder ist jemand aus einem Appell an Menschlichkeit, an Zwischenmenschlichkeit, an die Tatsache, dass auch unsere demokratischen Gesellschaften, unsere Freiheiten nur dann funktionieren können, wenn alle jemand sind. Wenn zu viele ausgeschlossen sind, tut sich dann eine Demokratielücke auf. Also wenn zu viele sich diskriminiert fühlen oder nicht verstanden fühlen, dann entsteht eine Spirale von Entfremdung, eine selbst erfüllende Prophezeiung und vieles, vieles mehr. Und das ist mir dann tatsächlich auch wichtig und ist auch einer der Gründe, warum ich das Buch geschrieben habe. Ich möchte jetzt noch bei der persönlichen Identität bleiben und zu dir kommen, Sabri. bleiben und zu dir kommen, Sabri. Was bedeutet es, in einer neuen Gesellschaft anzukommen, ohne die eigene Identität zu verlieren? Also die Suche der Identität ist besonders jetzt meine Beobachtung, kann ich mal in Österreich oder im Oberösterreich Schwerpunkt erzählen. Es ist eine ganz schwierige Prüfung für die Menschen, die wirklich mal das Beste geben wollen und in Österreich ankommen wollen. Und die Identitätssuche wird oft erschwert. Und das bekommen wir sehr viel von unseren Mitmenschen, die jetzt mal im Roten Kreuz in unseren Projekten so freiwillig mitwirken, bekommen wir sehr stark mit, was das heißt, mit einem ausländischen Vor- und Nachnamen sich so zu bewerben. Was das heißt, in Österreich sozusagen mit einem Kopftuch auf dem Lebenslauf sich so zu bewerben. Und hochinteressant ist, da gibt es nämlich sehr viel auch, sozusagen Forschungen an pädagogischen Hochschulen vor allem, dass man Lebensläufe so gestaltet mit den gleichen Qualifikationen, Fähigkeiten, Sprachkenntnisse und dass man nur das Foto ändert und Vor- oder Nachnamen ändert. Und dass man nur das Foto ändert und Vor- oder Nachnamen ändert. Und jeder in diesem Raum kann das selber üben. Werden wir herausfinden, diejenigen, die sich unterschiedlichere ausländisch klingende Vor- und Nachnamen haben, müssen sich fast vielfach mehr bewerben, dass sie überhaupt zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen werden. Noch dazu, diejenigen, die aber auch zum Bewerbungsgespräch eingeladen werden, werden sozusagen über ihren, auch in diesem Fall, nicht die Fähigkeiten, sondern sind sie dann sicher, dass sie das Kopftuch nicht ablegen wollen? Mit dem sich konfrontiert. Und ich wünsche mir noch dazu, diejenigen, die jetzt nicht typisch oberösterreichisch ausschauen, in dieser Stadt, also jetzt rede ich nicht irgendwo auf der Welt oder draußen, in dieser Stadt, in öffentlichen Haltestellen von wildfremden Menschen, weiß ich nicht typisch oberösterreichisch, was das heißt, ausschauen, ausgespuckt werden. Von Wildfremden. Und das findet in dieser Stadt leider statt. Und das macht mit Menschen viel aus, indem die Menschen sagen, wie kann ich mit meiner Farbe, mit meiner Biografie in diese Gesellschaft ankommen. Noch dazu, auch in diesem Raum sitzen die Personen, wenn sie fortgehen, erzählen sie mir, wir werden nicht reingelassen. Und das findet in dieser Stadt statt. Und das macht mit dem Identität etwas aus. Und die Frage ist natürlich, woran kommt das, dass unsere Gesellschaft so eine sichtbare oder unsichtbare Blockade hat, dass die Neueinheimischen sich irrsinnig schwer tun beim Ankommen. Und was können wir tun, dass wir auch als Gesellschaft lernen, eigene Kritik zu üben, dass wir dann bei den Menschen, die jetzt in unserer Gesellschaft diesen sozialen Anschluss finden wollen, unterstützen können. Und das fängt oft mit banalen Begegnungen an. Wenn wir mit jemandem begegnen, oft fragen wir, allererste Frage, woher kommst du? Und diese Frage, wenn man sich sozusagen, wir können uns das mal so vorstellen, wenn wir das einmal am Tag bekommen, ist gut. Einmal in der Woche bekommen ist gut. Aber wenn man das 20 Mal am Tag bekommt, dann wie ein Gelsenstich. Wenn 20 Mal ein Gelsenstich ist, irgendwann fängt sozusagen ein schmerzhafter Prozess an, dass man denkt, mit dieser Frage werde ich daran erinnert, dass man denkt, mit dieser Frage werde ich daran erinnert, dass ich daher nicht sozusagen zugehörig bin. Und da gehört, dass viel Bewusstsein entwickelt, als Gesellschaft, dass wir mal lernen oder eine Kompetenz, eine Fähigkeit entwickeln, wie können wir an diesem Prozess Menschen begleiten? Und wollen wir wirklich, dass die Menschen ankommen? Oder haben wir versteckte Ängste? Das spielt eben sozusagen auch an auf das, was du gesagt hast, dass in diesen Narrativen oft eben auch die Angst vor dem Fremden, vor dem Anderen ohnehin, weil es gibt ja auch nochmal Unterschiede, von welcher Nationalität komme ich. Also es gibt ja diese Zuschreibungen, auch wie du in deinem Buch schreibst, der Geflüchtete als entweder als Opfer, Täter oder es gibt drei Zuschreibungen sozusagen. Also meistens ist, die Angst ist sozusagen die große Überschrift. Und was ich dich jetzt fragen möchte noch, Sabri, von dem Wunsch, hier anzukommen, habe ich ja gegenüber dann eine Aufnahmegesellschaft, die es zu verhindern weiß, leider. Und wie sind denn da eure Erfahrungen, gerade mit dem Projekt Exchange? Welche Erfahrungen habt ihr da? Oder was sind so die Anforderungen, die da an die Botschafter herangetragen werden? Oder die Begegnungen oder diese signifikanten Themen, die da hier begleitet und verhandelt werden? Damit ich diese Frage so beantworten kann, gehe ich mal einen Schritt zurück. Wir haben nämlich in Oberösterreich ein Projekt namens Projekt Exchange und mit diesem Projekt arbeiten wir mit Menschen, die Flucht- oder Migrationsbiografien haben und gehen wir mit diesen Menschen in die Schulklassen, um die Verurteile abzubauen. Haben wir aber auch Veranstaltungen wie heute, damit wir sozusagen einen Begegnungsraum schaffen. In dieser Arbeit beobachte ich seit Jahren, wie polarisiert an sich unsere Gesellschaft ist. wie polarisiert an sich unsere Gesellschaft ist. Ich komme in einen Raum, da sage ich, weltoffener Menschen gibt es nicht. Es ist wahnsinnig so weltoffen interkulturell. Und gehe ich in einen anderen Raum, in derselben Stadt, und da sieht man diese zwischenmenschliche Kälte, Abneigung und diesen Wut und diese Nicht-Zukommen-Heißen zu vermitteln und dann überlege ich natürlich, wie kann ich an sich in diesem unterschiedlicheren Babel, die in dieser Stadt existiert, eine Begegnungszone schaffen? Eine Begegnungszone schaffen, dass man sozusagen Neueinheimische nicht mögen muss, aber zumindest inhaltlich ein Begegnungsgespräch hat. Inhaltlich, dass man miteinander sozusagen reden kann, aufeinander zugehen kann. Und wünsche ich mir für unsere Stadt, dass wir solche Begegnungsräume haben, dass aus den unterschiedlicheren Communities Menschen in einem Raum zur Diskussion kommen. Menschen in einem Raum zur Diskussion kommen. Sarah, du bist ja in deiner Botschafterinnentätigkeit in ganz unterschiedlichen Räumen. Da darf ich jetzt die Carla um unseren Würfel bitten, damit wir auch die Sarah gut verstehen können. Und dass du einfach kurz berichtest von deinen Erlebnissen, wie lange du das machst, wie diese Tätigkeit ausschaut und was deine Erfahrungen sind. Und vor allem auch die Herausforderungen und das alltägliche Arbeiten. Danke. Jetzt zunächst mal danke für den schönen Abend. Ich finde das sehr wertvoll, dass du dieses Buch jetzt geschrieben hast und nicht vor 15 Jahren, weil eh wie du gesagt hast, ich glaube, es ist jetzt nötiger denn je. Und ich wollte noch auf eine Sache Bezug nehmen, die du gesagt hast, in Bezug auf Demokratie. Nämlich, wir müssen uns als Gesellschaft wirklich die Frage stellen, was hält unsere Demokratie aus? Wie viel kann sie ertragen und wie viel vor allem Ausschluss von Menschen kann sie eben auch ertragen? Und ich habe jetzt verschiedene Rollen, in denen ich da sitze. Einerseits bin ich in der Jugendarbeit stark aktiv. Ich bin natürlich als Botschafterin aktiv. Ich bin aber auch bei Erasmus aktiv, wo ich ganz viel im internationalen Setting auch bin und Menschen beim Ankommen hier in Österreich bei ihren freiwilligen Projekten auch begleiten darf. Das, was ich die letzten Jahre erlebt habe, ist, dass Hass in der, wenn ich es vergleiche mit meiner Schulzeit und mit dem Jetzt, dass es inzwischen einfach gewisse Grenzen überschritten wurden in der Gesellschaft, was wir ertragen und was wir als normal ansehen. Also dass es inzwischen einfach normal ist, als Frau mit Kopftuch auf der Straße beschimpft zu werden. Es ist eine Normalität geworden, die sich für viele seltsam anhört vielleicht, weil sie das auch selber noch nie erlebt haben. Aber muslimische Frauen mit Kopftuch erleben gerade extrem viel Hass und Ausgrenzung auf der Straße. Und ich finde das sehr spannend, weil alles, was wir auch gerade politisch erleben, es wird dann oftmals auf den Rücken einiger weniger sozusagen ausgetragen. Und muslimische Frauen sind halt so ein klassisches Beispiel. Die einen wollen Frauen anziehen, die anderen wollen sie ausziehen. Und dass man sozusagen ständig die Kleidung von Menschen irgendwie zum Thema macht, warum oder wieso, eigentlich eine sehr hochintime Angelegenheit, die eine jede Frau für sich selber entscheiden muss, dass man das politisch sich erlaubt und auch gesellschaftlich erlaubt, dass ständig zum Thema gemacht wird, finde ich für eine Demokratie hochproblematisch. Ich selber bin Lehrerin, Mathematiklehrerin und irgendwie alle zwei Jahre, alle ein, zwei Jahre, wenn irgendwie ein neuer, so jetzt fängt der Wahlkampf an, jetzt brauchen wir wieder ein neues Thema, kommt immer wieder dieses Thema auf mit, na, Frauen mit Kopftuch sollen nicht Lehrerin werden und so weiter und so fort, wo ich mir denke, wie weit sind wir als Gesellschaft gekommen, dass wir so eine Frage überhaupt erlauben? Also dass es überhaupt für uns vorstellbar ist, die Kleidung eines Menschen infrage zu stellen und seine Qualifikation oder ihre Qualifikation damit infrage zu stellen und das als Gesellschaft auch zu erlauben. Und was für mich auch sehr wichtig ist, ist die Macht von Sprache. Sprache schafft Realitäten. Und daher bin ich eine große Feindin von diesem Wort oder von vielen Wörtern, die wir so im Alltag verwenden in diesem ganzen Kontext, nämlich vor allem von Integration. Also rein sprachlich macht dieses Wort mal überhaupt keinen Sinn, weil es bedeutet einfach ein abgeschlossenes System, das ich in einem größeren System habe. Das, was wir uns eigentlich als Gesellschaft wünschen sollten, ist Inklusion und ist vor allem Partizipation. Nämlich, dass wir alle an der Gesellschaft positiv und konstruktiv teilhaben und es komplett irrelevant was wir für einen background haben also für eine religion haben was wir für eine muttersprache haben oder nicht haben und ich habe das gefühl dass wir aber immer uns wieder in diesem kreis drehen von diesem reden wir doch mal über deine herkunft. Na, du bist gut integriert, na du bist ein gutes Role Model, du bist eine gute Ausländerin. Aber die anderen, das sind halt die Probleme. Und das bringt uns als Gesellschaft halt nicht weiter. Und diesen Hass, den wir aber mit der Sprache transportieren, der ist in den letzten Jahren einfach salonfähig geworden, er ist normal geworden. Eben du angesprochen hast das Wort Remigration, allein die Vorstellung, dass man über etwas so menschenfeindliches offen sprechen kann, ist für uns als Gesellschaft ein ganz großes Armutszeugnis. Und noch ein letzter Punkt, weil du auch Identität angesprochen hast. Ich kann mich erinnern, in meiner Schulzeit, als ich noch sehr jung war, wurde ich in der Schule öfters mal gefragt, was bist du mehr, Muslimin oder Österreicherin? Und als Kind kann man das halt noch nicht so einordnen. So, aha, ja, keine Ahnung. Beides sind wichtige Identitäten für mich, aber ja, keine Ahnung, also beides sind wichtige Identitäten für mich, aber anscheinend kann ich nicht beides sein, weil ich werde das immer wieder gefragt, also anscheinend muss ich mich dafür was entscheiden. Als ich älter geworden bin, habe ich verstanden, hey, das Problem liegt ja gar nicht bei mir. Ich bin ja beides und ich habe das dann in der muslimischen Jugendarbeit gelernt. Ich bin muslimisch, ich bin österreichisch. Ich trage ein Kopftuch und ich trage einen Dirndl. Und ich gehe Skifahren und ich bete auf der Piste fünfmal am Tag, wenn es mir halt reinpasst. Und es ist kein Widerspruch, sondern es ist einfach eine Selbstverständlichkeit. Und es ist mein Österreich und ich lasse mir das auch nicht wegnehmen. Und was ich aber damit sagen will ist, ich erlebe das heute immer noch im Bildungskontext. Also diese Frage ist circa so intelligent, als wenn ich jemanden fragen würde, was bist du mehr, Frau oder Vegetarierin? Es macht einfach keinen Sinn. Aber bei so einer Frage scheinen wir das anscheinend zu akzeptieren und erlauben es, dass Menschen sich sozusagen entscheiden müssen. Und ich werde ganz oft gefragt, ja, aber die meinen es ja nicht böse. Aber was macht es mit jungen Menschen und vor allem mit Jugendlichen und Kindern, wenn sie immer wieder nach ihrer Identität gefragt werden? Genau das, was du vorher beschrieben hast, nämlich man fragt sich, aha, okay, also ich bin hier offensichtlich nicht Teil von dem, was wir alle sind. Ich bin hier offensichtlich nicht Teil von dem, was wir alle sind. Ich bin hier offensichtlich etwas anderes. Die Politik verwendet dieses Mittel der Sprache ganz bewusst, aber ich möchte auch uns als Zivilgesellschaft daran erinnern, dass wir Sprache sensibel einsetzen und auch dieses Wir, Ihr und Gut und Schlecht und wer wir sind und Identität einfach sehr überdacht bedenken und auch darüber nachdenken, was es bei Menschen auslöst, auch in ihrer Entwicklung. Weil wir brauchen uns dann nicht fragen, bei einem Kind, das so aufgewachsen ist und es nach 20 Jahren sich nicht mit dieser Gesellschaft hier identifiziert. Nein, ohne nicht. Also das ist einfach eine gesellschaftliche Verantwortung, die wir hier gemeinsam tragen. Und ja, daran möchte ich nochmal erinnern. Danke. Ja, ich wollte nämlich, danke Sarah, ich wollte eben auch ergänzen, die politische Partipulation sozusagen von einer Seite her, gibt es voll viel Workshops über die Demokratie, über die Wertevermittlung. über die Wertevermittlung, zugleich in unserem Land 15 bis 20 Prozent, soviel ich weiß, österreichweit, die Menschen, die da leben, da Steuer zahlen und politisch nicht mitgestalten dürfen, weil sie die Stadtbürgerschaft nicht haben. Weil sie die Stadtbürgerschaft nicht haben. Und zugleich erwarten wir, dass die Menschen sich unbedingt mal in diesen politischen Diskurs integrieren. Und da ist sehr vielbürgerschaft auch immer schwer gemacht. Und zu dem, was auch Sarah erzählt hat, die jungen Menschen, die auf der Suche nach Identität sind, auf der Suche nach einer kulturellen, religiösen, sozialen Identität sind. Und wenn sie diese Identität nicht finden, dann kommen die extremistischen Gruppierungen, was derzeit, dass wir auch eine Herausforderung haben, und geben dem jungen Menschen vor allem eine Identität. Das heißt, wenn wir als Gesellschaft versagen, kommen die anderen und dann holen diese Jugendlichen, die sozusagen diesen gesellschaftlichen, sozioökonomischen Anschluss nicht bekommen haben, finden woanders eine Identität. Es geht um dieses Gefühl des Angenommenseins und der Zugehörigkeit. Und aus diesem Nicht-Gefühl in einer größeren Gemeinschaft eingebettet und anerkannt zu sein, gibt es dann halt eben für bestimmte Gruppierungen vermutlich die Stärke, dort Zuflucht zu finden. Zugehörigkeitsgefühl ist ein menschliches Gefühl. Und heutzutage sind wir nicht mehr in 90er Jahren, sondern durch diese Online-Möglichkeiten haben die jungen Leute viel mehr Alternativen. Und wenn wir als Gesellschaft versagen, kommen da andere Alternativen. die als Gesellschaft versagen, kommen da andere Alternativen. Ich möchte jetzt aber noch überleiten zu dir, Ferda, weil du auch einen sehr wichtigen Aspekt noch mit in dieses ganz große Feld, zu Themenfeld hineinbringst und dass du uns ein paar Worte aus deiner Erfahrung und deinem Fokus schilderst, weil ich finde, das ist noch einmal ein neuer Aspekt aus dieser Zusammenführung. Ja, denke ich auch. Also ich bin die Ferda und bin auch hauptberuflich beim Rotten Kreuz seit 2013. Ich mache Familienzusammenführung, Suchtdienst und Projekt Repair, was jetzt zu Ende geht. Das wurde vom EU finanziert, Familienzusammenführung über regionale Unterstützung, auch im Bereich Integration. Das muss ich leider jetzt sagen, das Wort gefällt dir nicht, aber ja. Also wir unterstützen auch im Bereich Integration. Ja, was in unserem Alltag so mit unseren Klienten halt immer vorkommen, ja, die sagen halt zu uns immer, dass die sehr gut bei uns ankommen, ja, weil wir ein offenes Herz und ein offenes Ohr natürlich schenken. Ich habe selber einen Migrationshintergrund. Ich bin zwar jetzt nicht gewollt geflüchtet. Ich höre Gott sei Dank nicht zu denen, sage ich mal. Meine Eltern waren schon davor, also Gastarbeiterzeit, sind meine Eltern, meine Großeltern nach Österreich gekommen. Und ich habe immer meinen Migrationshintergrund gehabt und ich habe das auch immer so akzeptiert. Also ich war gern in Österreich, aber auch gern in meinem Herkunftsland. Also das habe ich so angenommen. Da hat es keine Probleme gegeben. Und darum habe ich die Personen, die Menschen, die zu mir ins Büro gekommen sind, auch so angenommen, wie sie sind. Die sind teilweise ohne Deutschkennt die zu mir ins Büro gekommen sind, auch so angenommen, wie sie sind. Die sind teilweise ohne Deutschkenntnisse zu mir ins Büro gekommen, aber wir haben mit Händen und Füßen irgendwie eine Möglichkeit gefunden, dass wir gemeinsam arbeiten können. Und wir haben Lösungen für die Klienten eigentlich einarbeitet. Wir haben jetzt nicht geschaut, dass die Klienten sich an uns anpassen, sondern wir haben uns an denen angepasst, weil das war für uns sehr wichtig, ein wichtiges Teil von Familienzusammenführung, dass wir mit den Leuten gemeinsam arbeiten können, weil das war unser Arbeitsbereich. Und wir haben das auch gern gemacht. Und der Ahmed, der ist auch da, der hat Familienzusammenführung bei mir gemacht und der ist auch ein super Beispiel für Integration auch, weil der ist auch 2015 geflüchtet und mittlerweile ist er Vertriebstechniker, genau, also der hat wirklich diese Schiene voll super durchgemacht und wie gesagt, also wir kennen natürlich auch die andere Seite auch vom, sage ich mal, die Leute, ja, es flüchten, warum flüchten nur die Männer und nicht die gesamte Familie? Ja, ich habe immer gesagt, es ist nicht schön, wenn man jetzt dann sieht, okay, Mittelmeer, die ganze Familie muss jetzt ertrunken und der Mann kann nichts machen und schaut einfach, ja, Mittelmeer, die ganze Familie muss jetzt ertrunken und der Mann kann nichts machen und schaut einfach. Es ist nicht schön, aber einige Leute haben das leider nicht mitfühlen können. Diese Migrations oder diese, weiß ich nicht, wie ich das jetzt ausdrucken soll, Empathie hat einfach gefehlt. Die Empathie war einfach jetzt nicht da für einige Situationen. Und da brauchst du mit solchen Leuten eigentlich gar nicht drüber diskutieren. Und das war eigentlich für mich, okay, du verstehst das nicht und ich brauche auch mit dir eigentlich über das gar nicht diskutieren. Weil für mich ist trotzdem, ich schaue, dass ich meine Energie in meiner Arbeit wertvoller nutzen kann, bevor ich jetzt mit einem da zum Diskutieren anfange, die gar keine Ahnung von einer Fluchtroute oder Migration oder einzelne Begriffe hat. Für den war es einfach Asylanten. Ich meine, dieses Wort gibt es schon lange nicht mehr. Was heißt denn Asylanten? Der Begriff ist für mich einfach nicht akzeptabel, sagen wir mal so. Und ja, hauptsächlich mit unseren Syrern arbeiten wir zusammen, Afghanen, Irak, also mit ganzen Nationalitäten. Auch Österreicher gehören dazu, weil wir unterstützen die Familien im Asylgesetz und im Niederlassungsgesetz. Und es kommen auch sehr viele Österreicher, die quasi in der Türkei sich kennengelernt haben und dann einfach die Ehe schließen wollten und dann Ehemann nach Österreich bringen wollten. Also es gehören zu unserer Arbeit alle Nationalitäten. Ja, Gott sei Dank. Und so habe ich eigentlich, kenne ich alle Perspektiven von allen Seiten, aber für mich ist einfach die Personen, die zu uns ins Büro kommen, dass die einfach uns sagen können, okay, hier habe ich wirklich jetzt Unterstützung bekommen, ich wurde einfach, ja, herzlich aufgenommen, meine Nationalität, meine, weiß ich jetzt nicht, meine Sprachbarriere, das war jetzt gar kein Problem. Und die gehen alle fröhlich raus. Und was uns dann als Dankeschön immer zurückkommt, ist einfach, dass wir die Familien, dass man die wieder zusammenführen kann. Und wenn die uns ein Foto schicken, das ist schon das größte Dankeschön für uns. Und so gehen wir eigentlich unsere Arbeit tagtäglich an. Und ich möchte jetzt noch eine emotionale Mitteilung hier auch dann sagen, weil einige Kolleginnen werden auch das Livestreamen. Wir sind in Oberösterreich zu dritt, die Ida und ich und die Karin hat es noch bis am Freitag gegeben. Sie ist leider jetzt verstorben und darum war das auch jetzt für mich sehr wichtig, dass ich da anwesend bin, weil sie hat auch gemeinsam mit der Sabri das alles organisiert. Und ja, also jetzt auch Andenken an Karin. Leider ist sie nicht da, aber ich glaube, sie wird uns irgendwo, also sie wird uns hören und uns von irgendwo sehen, ja, genau. Und genau, das ist unsere Arbeit, genau. Vielen Dank, liebe Ferda. Danke, Ferda und Sarah, für eure Einblicke wirklich in diese Alltagsrealitäten. Das oberösterreichische Rote Kreuz ist da wirklich unglaublich aktiv und engagiert. Und wir haben auch ein paar Unterlagen mitgenommen, wer sich nachher da dann noch näher informieren möchte. Ich möchte das Wort noch einmal an dich geben, weil du hast gesagt, du möchtest eventuell noch einmal etwas aus dem Buch lesen. Ich kann eine Kleinigkeit vorlesen, weil das, was du jetzt gesagt hast, ich glaube, das ist ja ganz wichtig, ich glaube, das Wort Demokratie ist gefallen. Und ich glaube, wir leben in Zeiten, die nicht mehr die 90er sind, keine 70er, auch nicht die 2000er. Wir leben im Jahr 2024, wo jetzt im historischen Vergleich, also im langen historischen Vergleich, unsere liberale Demokratie, die Vorstellung von unserem guten Leben, von Gleichberechtigung, von Freiheit, von Partizipation, so stark bedroht ist, wie sie historisch vielleicht nur in den letzten 100 Jahren, vielleicht nur in den 30ern bedroht war. Also ich bin jetzt vor ein paar Tagen aufgewacht und habe gesehen, dass Donald Trump in den USA gewonnen hat, also mit einer Wahlkampagne, die auf Lügen, auf Jenseits der Wahrheiten beruht, mit einer Zuspitzung des öffentlichen Diskurses, mit ganz klar noch gewalttätigen Ansagen in Bezug auf die anderen. Wir sind alle, also ich bin zumindest dann, als es eben den Wahlkampf gab und als dieser Begriff der Remigration dann in der Debatte aufgetaucht ist. Und wir können uns noch erinnern, es gab im Februar dieses Aufkommen der Protokolle von Potsdam, wo es dieses Treffen der NTT angegeben hat und es gab einen riesengroßen Aufschrei in Deutschland. Also es sind Millionen von Menschen auf die Straßen in Deutschland gegangen. Es gab auch Menschen in den Straßen der österreichischen Städte. Als dann aber später im Wahlkampf die Freiheitlichen den Begriff in das Wahlprogramm reingeschrieben haben, ist eben der Aufschrei enden wollend gewesen. Und ich bin selbst konfrontiert worden dann in meiner Community, in der ex-jugoslawischen Community und in anderen Communities mit jungen Menschen, die mich auch teilweise angeschrieben haben und gesagt haben, kannst du uns da wirklich erklären, muss man jetzt wirklich die Koffer packen oder wie auch immer. Das heißt, die Angst ist zurückgekehrt. Das heißt, wir leben in Angst, in ängstlichen Zeiten, in Zeiten der Verunsicherung. Also es gibt ja einen schönen oder schlecht, nicht schönen, einen guten, treffenden Begriff des deutschen Soziologen Leppenich, der gemeint hat, wir sind Gesellschaften am Rande des Nervenzusammenbruchs. Alles zittrig. Und was hat das jetzt mit Demokratie zu tun? Und was hat jetzt diese ganze Migrationsfrage auch mit Demokratie zu tun? Also ich glaube, insgesamt, wenn man historisch schaut, Demokratien sind Herrschaftssysteme, die basieren auf ganz klaren Prinzipien. Also man braucht in einer Demokratie, damit man Dinge ausverhandeln kann, diskutieren kann, es braucht Freundschaft, es braucht Anerkennung, es braucht Sichtbarkeit, es braucht Verfahren, es braucht Prinzipien und Werte, die wir gemeinsam teilen. Und es braucht etwas, was ganz zentral ist, es braucht Hoffnung. Demokratien sind Herrschaftssysteme der Hoffnung. Die versprechen etwas, die versprechen eben die Gleichheit und die Freiheit und die Gleichberechtigung. Und was sind die Autokratien, die uns bedrohen? Also ich glaube, in den USA stehen wir jetzt vor einer Wende und können womöglich dann in ein paar Monaten sagen, dass die amerikanische, US-amerikanische Demokratie kippt. Also wir haben hier in unserem Nachbarland, also gleich um die Ecke, also nicht um die Ecke von Linz, aber um die Ecke von Wien in Ungarn, eine Autokratisierung der Gesellschaft seit 2010, also wo, keine Ahnung, Viktor Orbán 2018 die Wahlen gewonnen hat mit einem Migrationsthema. Und in Ungarn in den zivilgesellschaftlichen Kreisen erzählt man sich den Witz, dass eben mehr Menschen in Ungarn U-Force gesehen haben als Migranten und Migrantinnen, weil es keine gibt. Es kommt ja niemand hin. Er hat aber die Wahlen damit gewonnen. Und jetzt, wenn wir uns da vor Augen halten, was jetzt in Europa und weltweit sich abspielt. Wir haben mal eine Diktatur in Russland, wir haben eine Autokratie mit China, also die Weltherrschaft irgendwie für sich selbst beansprucht. Wir haben einen erratischen, unvorhersehbaren Egozentristen und Egomaniak in den USA, der die Gesellschaft umbauen will, gemeinsam mit seinem Kumpel, also mit dem Multimilliardär Elon Musk. Und wir haben, und jetzt komme ich zu dieser Frage, was das mit Österreich zu tun hat, mit dem Migrationsdiskurs. Wir haben eben eine Gefahr für das, was ich jetzt gerade als Demokratie, Hoffnung, Fortschrittsglaube gleich um die Ecke. Und diese Gefahr operiert sehr stark mit einem Grundgefühl, und zwar mit dem Grundgefühlte Angst. Und die Autokratien sind Herrschaftssysteme, die mit der Angst arbeiten. Das heißt, wenn du jetzt nicht Gehorsamkeit zeigst, wenn du nicht brav das machst, was wir da sagen, kriegst du eins drauf auf den Deckel. Das heißt, es gibt Repression, es gibt Kontrolle, Gehorsam, hierarchische Struktur der Gesellschaft und eben keine Freiheiten. Und jetzt, wenn man sich die österreichische Gesellschaft anschaut, also wir haben ja das, was der Sabri schon erwähnt hat, zum Beispiel einen weitgehenden Ausschluss von vielen Menschen ohne Staatsbürgerschaft und politische Partizipation auf der einen Seite. Wir haben auf der anderen Seite den Aufstieg von ideologischen Versatzstücken, also bei den Rechten, die ganz klar für eine autoritäre Umfärbung dieser Gesellschaft hinauslaufen. Und das heißt, wir haben auch dann, also bei den, aus meiner Sicht, bei den Rechten, die ganz klar für eine autoritäre Umfärbung dieser Gesellschaft hinauslaufen. Und das heißt, wir haben auch dann, also aus meiner Sicht, bei den autoritär gesinnten rechtsextremen und rechten Kreisen, das Versprechen, dass die Zukunft sich aus einer untoten Vergangenheit ergeben wird, die es so vielleicht nie gegeben hat. Es gibt einen Begriff von Sigmund Baumann, von einem Soziologen, der sagt, Utopien brauchen wir in demokratischen Gesellschaften, damit wir hoffen können, damit wir projizieren können und etwas anstreben können. Und was die autoritären Systeme anbieten, sind Retrotopien. Das heißt, das sind Gesellschaftsprojektionen in die Zukunft, die sich auf einer vielleicht niemals so vorhandenen Vergangenheit, aus dieser Vergangenheit irgendwie aufbauen. Und diese Retrotopien sind ja dann eben, keine Ahnung, ein Gesellschaftsbild Österreichs oder der USA aus dem 19. Jahrhundert oder was, oder aus dem 13. Jahrhundert oder aus dem 4. Jahrhundert vor Christus, wo dann nur die, da gab es ja keine Nationen, aber wo nur die richtigen Österreicher und Österreicher herumgelaufen sind. Und ich glaube, diese Vorstellung, der muss etwas entgegengesetzt werden. Und das, was entgegengesetzt werden muss, ist etwas, was in einem neuen Buch sehr empfehlenswert von Alida Aßmann und Jan Aßmann, der vor kurzem verstorben ist, unter dem Titel Gemeinsinn, der sechste soziale Sinn zum Ausdruck kommt. Und was die dort ansprechen, ist eben dieses Gefühl oder die Frage, wie schafft man die Gemeinschaft? Was ist die Voraussetzung dafür? Und was die sagen und was ich überzeugt bin, dass wir heute brauchen, um die österreichische Demokratie zu retten, oder vielleicht auch die Demokratie in Europa, wir brauchen eben jenseits dieser Politik der Angst eine Politik der Hoffnung, die auf rechtlich regulierten, sozial regulierten, politisch regulierten Formen von Gemeinsamkeit beruhen. Und diese Gemeinsamkeit verträgt es nicht, dass du dann diese Fragen gestellt bekommst. Diese Gemeinsamkeit beruhen. Und diese Gemeinsamkeit verträgt es nicht, dass du dann diese Fragen gestellt bekommst. Diese Gemeinsamkeit verträgt es nicht, dass meine Kinder, die einen Itsch im Namen haben hinten, die aber dann sagen, wenn wir kommen, sind wir aus Österreich weg, sagen die Papa, dann gehen wir nach Hause. Und natürlich, so deutsch ist für sie ja die Sprache. Genauso wie für mich, keine Ahnung, Deutsch. Genauso Friederike Mayröcker oder Goethe sind ja auch meine Schriftsteller oder meine Poeten. Mag ich auch, die lassen wir nicht wegnehmen. Aufgabe wird, weil wenn dieser Gemeinsinn nicht gelingt, wenn uns nicht gelingt, wieder die Gesellschaft auf der Basis der Fakten, der Wahrheiten, der Faktizität, der Freundschaft, des Dialogs aufrechtzuhalten und aufzubauen, wird es keine Insel der Seligen für niemanden in diesem Land geben, weil das, was dann beginnt bei den Migranten, Migrantinnen, bei Frauen mit Kopftuch, bei Menschen mit Itch, bei Menschen, die vielleicht anders aussehen, als wie mein Vater ausgesehen hat, das bleibt nicht bei diesen Menschen. Diese vernichtenden Ideologien, die wir aus dem 20. Jahrhundert kennen, die machen ja keinen Halt. Die treten nach unten und irgendwann sind all diejenigen, die vielleicht eine blaue Sauge haben, eine Brille haben, eine Glatze haben, vielleicht irgendwie sich nicht so verhalten, wie man sich das vorstellt, auch die Opfer. Und das ist diese Aufgabe, die war glaube ich in Österreich jetzt zu bewältigen, aber vielleicht in Europa auch. Und ich kann dann zum Schluss noch eine kleine Passage vorlesen und ich muss dann auf diese große Uhr schauen. Es gibt vielleicht noch Fragen. Und es gibt noch Fragen. Aber dann lasse ich das. Dann gehen wir ganz auf die Fragen ein. Das ist sehr viel gescheiter, weil wir wollen ja diskutieren. Unser Würfel. Würfel geht herum. Ich würde gerne zu dir was sagen. Also willkommen. Du hast gesagt, ihr wurdet, als ihr geflüchtet wart, angenommen. Erst. Mit offenen Armen. Vergleichbar ist es 1989, als die Mauer geöffnet wurde. Also ich komme aus dem Westteil. Und da war das ähnlich. Also die Leute sind geflüchtet, haben ihre Koffer gepackt, zack, wurscht, ihr Zuhause gelassen, weil sie nicht wussten, was passiert. Und ich weiß es von einer Politikerin aus der DDR, aus Ostberlin, die hat ganz klar mal in einem Interview gesagt, dass die Panzer vor der Tür standen. Also hätte ein Fopo geschossen, wäre da wirklich der Dritte Weltkrieg ausgebrochen. Und dann war es so, dass sie ja begrüßt das Geld gekriegt hat. Dann waren plötzlich die T-Shirts weg, alles Mögliche. Und dann plötzlich kam innerhalb vom halben Jahr der Hass. Es wurden wirklich die Leute in der U-Bahn verprügelt, die aussahen, dass sie aus der DDR kamen. Und dann hat man eine Kleidung einfach gesehen etc. Und dieser Hass ist ja heute noch, besteht ja heute noch. Deshalb sagt man ja auch aus die und Wessi, weil die früher nicht in den Mund genommen hat, mache ich auch jetzt nur Zitatmäßig, habe ich erst kennengelernt. Das wollte ich einmal sagen. Und das andere ist, dass heute in Ö1, in Punkt 1, eine Sendung war genau über dieses Gemeinschaftsleben. Also ich habe es so ein bisschen nebenbei, ich will es mir auch nochmal anhören, da ging es gerade um, was, Russland oder so irgendwie angreift. Es gibt kein Gemeinschaftsgefühl mehr. Also dass man auf den anderen guckt, dass gesagt wird, wir sind wir. Zum Beispiel, da haben sie auch so Hausgemeinschaften oder so als Beispiel gebracht. Das hast du ja auch so ein bisschen gesagt, das geht verloren. Jeder ist für sich, nicht nur durch die Digitalisierung, sondern einfach auch so diese typischen Sachen wie, wer bist du? Du lebst anders. Also du hast nicht den gleichen Stil oder die Sachen an. Jetzt nicht nur Kopftuch, sondern einfach eine andere Persönlichkeit. Und in dem Moment fällst du raus aus dem System. So, jetzt hör auf, ich wollte noch irgendwas sagen. Das war mir jetzt einfach wichtig, auch mit der Willkommens... Ach so, und doch, ich wollte ganz kurz noch zu ihm sagen, ich wollte wissen, ob das Akkubaleno, ist ja jetzt aufgelöst worden und jetzt ist es ja Begegnungszentrum Rotes Kreuz. Ist das im Anschluss gewesen oder ist das zufällig? Also Akoboleno, ehemaliger Akoboleno, ist übernommen worden von der Organisation vom Roten Kreuz. Und im Roten Kreuz, all diese Projekte, die im Migrationsbereich oder im Fluchtbereich tätig sind, kommen sozusagen in dem neuen Haus. Ja, ich wollte nur sagen, bei all den Erzählungen von Ihnen, finde ich sie wahnsinnig wichtig und beeindruckend. finde ich sie wahnsinnig wichtig und beeindruckend. Für mich war immer die Frage, welche politischen, auch weil sie so kämpferisch im letzten Statement geworden sind, wo es wirklich direkte, unmittelbare politische Einflussmöglichkeiten sind. Die finden an bestimmten Orten statt, in Schulen etc. Aber wo gibt es mehr, weil Sie ja gesagt haben, vom Diskurs reden, wie war das möglich, dass Sie das so innerhalb von doch kurzer Zeit so immer in die Richtung, wo sind die Unterschiede, die Kopftücher, alle diese Blödheiten, sage ich jetzt einmal. Also das würde mich interessieren, gibt es da Möglichkeiten, mehr politisch direkt unmittelbarer zu agieren? Also ich soll gleich was dazu sagen. Nein, aber dann ein paar Sätzchen. Also ich glaube, Politik, also ich meine, was wir heute schon ein bisschen bis zu einem gewissen Grad haben, ist ja die Entfremdung der Menschen von Politik. Und Politik, so nach Hannah Arendt noch hochsprünglich, ist ja der Dienst für den Menschen, der Dienst an den Menschen. Und das heißt, Politik als Dienst an den Menschen ist eine gestaltende Kraft. Und die kann gestalten, also wenn jetzt das, was der Trump macht, wird wahrscheinlich verheerende Auswirkungen haben, weil er politisch die Macht hat und für sich und für seine Zirkel dann irgendwie entscheiden kann. In einer demokratischen Gesellschaft sollte sich die Politik an diesem Gemeinsinn auch richten und orientieren. Und natürlich da macht es ja ganz große Unterschiede, welche politischen Entscheidungen getroffen werden. Also ich bin der Meinung, dass in Österreich in den letzten 10, 15 Jahren, aber auch schon länger, gerade in diesem Migrationsbereich, die Entscheidungen, die politisch getroffen wurden, einem Diskurs, der nicht auf ein Entweder-Oder hinausläuft, sondern auf ein Sowohl-als-auch, also die Pluralität. Also ich kann alles Mögliche sein. Ich kann Bosnier sein, lustiger Burgenländer, Basketballspieler, Vater und was weiß ich was alles. Vieles kann man sein, das sind wir alle. Also wir tragen ja multiple Identitäten mit uns, das ist eine Selbstverständlichkeit. Aber was glaube ich durch die Gesetzgebung, also es beginnt bei der Frage, wie die Staatsbürgerschaftsgesetzgebung aussieht, also ich glaube, das haben wir ja schon angesprochen. Also es geht dann um die Frage, also in Wien haben wir die akute Frage, wie die MA35, also die für die Neuankommenden zuständig ist, um Visa auszustellen und Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen, wie man politisch zum Beispiel die Schulbildung und diese Frage der ganz zentralen, basalen, des ganz zentralen Basalen hineinwachsend in eine Gesellschaft gestaltet. Also wir haben ja noch immer in Österreich, also die österreichische Volkspartei hängt an diesem Ding, Volksschule, Leistung, also ich weiß jetzt von meiner Tochter, die große ist jetzt elf und so in der dritten Klasse Volksschule beginnt irgendwie der große Stress, also alle Eltern laufen wie aufgeschäuchte Händel und haben dann irgendwie Angst, also kommt mein Kind ins Gymnasium und kommt mein Kind, also ich glaube, das sind so Interventionsmechanismen, wenn man sagt, man hat eine Volksschule, wo man auch mehr Zeit auch jetzt für Deutsch lernen, für Zusammenwachsen in einer Klassengemeinschaft, um dann die Entscheidung später zu machen, auch das ist eine politische Maßnahme. Oder dann auch die Maßnahmen, die man im sozialen Bereich treffen kann, also wie man einerseits mit Traumatisierung umgeht, wo man dann spezielle Hilfe hat oder Bedürfnisse, die gestillt werden sollen. Auf der anderen Seite, wie man bei der Frage der Geschlechtergleichstellung agieren kann. Das sind politische Dinge, das sind politischen Entscheidungen und mit einem begleitenden toxischen Diskurs, wie ich jetzt sagen würde, die Gestaltungsräume von der politischen Seite einzuengen. Und wenn die eingeengt werden, entstehen ja Probleme und entstehen irgendwie selbsterfüllende Prophezeiungen und Prozesse, die man auf beiden Seiten nicht haben will. Und ich glaube, das ist jetzt die vorrangige Aufgabe. Und vielleicht stehen wir eh jetzt vor der Frage, wie es die neue österreichische mögliche Bundesregierung angehen wird, vor dem Hintergrund dessen, dass auf der einen Seite sie von der freiheitlichen Vorsicht gehetzt wird und die dann natürlich auch ganz, ganz große Dinge anzupacken haben. Aber Politik als eben gestaltende Kraft für den Menschen ist nicht zu unterschätzen. Das ist ganz, ganz zentral. Ich wiederhole es vielleicht nochmal kurz, weil ohne Mikro, die politische Anschlussfähigkeit oder Kontaktaufnahmefähigkeit auch zwischen den Organisationen, jeweils wie weit ihr da Möglichkeiten oder konkrete Möglichkeiten seht, auch von der Politik gehört zu werden? Ja, also ich glaube, Jugendarbeit per se ist politische Arbeit, weil Jugendarbeit ermöglicht Partizipation in der Gesellschaft. Jugendarbeit ist aktive Teilhabe einer Gesellschaft. Und das, was wir in der Jugendarbeit machen, ist eben konkret das, dass wir alle Jugendlichen, die zu uns kommen, ermächtigen wollen, zu sagen, habt Teil einer Gesellschaft und gestaltet sie aktiv mit. Sei es jetzt zum Beispiel die Wahlen, wo wir alle Jugendlichen dazu ermuntert haben, bitte geht, informiert euch, nehmt Gebrauch von eurer Stimme, ihr werdet gehört. Natürlich auch in allen Erasmus-Projekten, also eine Sache vielleicht zu Erasmus, ich glaube, dass wir in Österreich und in Deutschland glaube ich auch, aber besonders in Österreich, wir haben eine sehr schwache europäische Identität. Und als ich selber auf meinem ersten Erasmus-Projekt war als Teilnehmerin, ist mir das aufgefallen und ich habe mir gedacht, das ist das erste Mal, dass ich mich als Europäerin fühle, weil dort, du hast Teilnehmerinnen aus ganz Europa gehabt und es war überhaupt nicht die Frage, woher kommst du, woher kommst du, woher kommst du, sondern es war einfach diese gemeinsame Identität, wir sind Europa. Und ich habe das so schön gefunden, wir sind dann beim Abendessen gesessen, haben alle auf Englisch geredet und durch Zufall sind wir drauf gekommen, dass wir hier alle Deutsch können. Das ist einfach genial, weil das war für mich so, das ist Europa. Und ich glaube, das müssen wir noch viel mehr forcieren, weil am Ende, wir sind nicht nur dieses oder jenes, sondern wir sind auch, ich glaube, wir stehen auch alle für die europäische Idee, die ja auch eine sehr demokratische Idee ist. Und das müssen wir auch viel mehr forcieren. Und das ist mir auch ganz wichtig in der Jugendarbeit zu transportieren. Der Würfel ist jetzt gesprungen. Wir haben da noch einmal... Hallo, ich wollte irgendwie jetzt noch eine schöne Geschichte erzählen von Integration und also ich finde das, was Sie vorher gesagt haben mit unser Herz aufmachen und eigentlich das, was wir alle ursprünglich, wenn die Angst weg ist, in uns haben eigentlich so ein Mitgefühl und Liebe und wenn wir mal weg sind von diesem, dass wir denken jemand ist so oder so, wenn wir ihn kennenlernen und feststellen, nee der ist eigentlich genau, der hat auch Angst oder weiß nicht oder ist unsicher und wir denken der ist vielleicht irgendwie überheblich oder arrogant. Und ich bin irgendwie dieses Jahr die Elbe entlang gefahren und ich war in Hamburg und es hat geschüttet und alles war nass, ich war nass bis auf die Unterhose und ich habe zu meinem Freund gesagt, jetzt such uns mal eine Pension, ich will heute nicht zelten. sagt, jetzt such uns mal eine Pension, ich will heute nicht zelten. Und dann kam eine Frau zurück zu mir, die hat dann zu mir gesagt, ich finde dich so cool und so, wo schläfst denn du heute Abend? Und ich habe gesagt, wir suchen uns gerade was. Ah, ihr schlaft bei mir, hat sie gesagt. Und dann sind wir da mitgegangen und dann saßen wir zusammen und so und dann sagt sie, wer sage ich, wer ist denn das da hinten auf den Bildern? Da sind ja ganz viele Leute und so. Und dann sagt sie, ja, ja, das ist unsere Familie, hat sie gesagt. Und dann hat sie mir eben erzählt, dass sie irgendwo in der Stadt, ich glaube, eine sechsköpfige syrische Familie kennengelernt hat. Und sie hat gesagt, diese ganze Geschichte von Flucht und der Vater hatte irgendwie mit der Mutter noch drei oder vier Kinder dabei und er hat gesagt, wenn er jetzt ins Wasser fällt, dann kann er nur ein Kind retten oder so. Und das Schlauchboot hat auch Wasser abgelassen und so. Und sie hat gesagt, die Kinder waren alle krank. Und dann war es irgendwie so, dass er gesagt hat, ja, der Nachbar hat ihm in Altona eine Wohnung angeboten und das sind irgendwie ganz normale Leute, die Wohnung ist auch sehr bescheiden eingerichtet und dann hat sie gesagt, das können wir doch irgendwie stemmen, dass wir die Wohnung jetzt doch kaufen und wir kriegen dann irgendwie vom Staat noch, die kriegen 1500 Euro Wohngeld und den Rest schaffen wir, hat sie gesagt. Und dann haben die die Wohnung gekauft. Jetzt wohnt diese fünfköpfige syrische Familie direkt daneben. Die hüpfen da hin und her und kochen zusammen. Und die fahren zusammen in den Urlaub. Da hat sie mir dann ein Bild geschickt. Das waren drei Frauen mit Kopftuch und alle nebeneinander mit Riesenkoffern sind dann in den Urlaub, da hat sie mir dann ein Bild geschickt, das waren drei Frauen mit Kopftuch und alle nebeneinander mit Riesenkoffern sind dann in den Urlaub gefahren und das ist jetzt eine Familie, die verbringen Weihnachten zusammen, und ich habe dann zu ihr gesagt, ich finde euch unglaublich toll, und dann sagt sie, sie hat dann irgendwie zu mir gesagt, nee, das ist toll für uns, dass wir die haben jetzt, dass wir irgendwie zusammen sind. Naja, auf jeden Fall waren wir jetzt wieder in Hamburg, ein halbes Jahr später und dann habe ich zu dem kleinen Sohn, den habe ich dann irgendwie ins Bett gebracht und mit dem noch gelesen, habe ich gesagt, Joni, du hast ja gar kein Zimmer mehr. Und er sagt, sieh, nee, die Geschichte muss ich dir nachher erzählen. Also bei uns wohnen jetzt nochmal drei Syrer in Jonis Zimmer und haben auch eine ganz schlimme Geschichte, also von Missbrauch vom Vater. Und die haben wir jetzt einfach auch mal aufgenommen für ein halbes Jahr. Und irgendwie habe ich mir gedacht, wow. Und die haben mich auch gefragt, was kann ich tun? Und ich finde das auch so wichtig, weil ich meine, wir sind hier wahrscheinlich in so einem Kreis, wo wir alle im Besten reflektiert sind und achtsam mit dem, wie wir, also ich spreche schon lange niemanden mehr an, woher kommst du? Also das sind irgendwie Sachen, die, man hat ja ein Bewusstsein, befasst sich und setzt sich damit auseinander. Ich habe auch eine Tochter, durch die ich unheimlich viel gelernt habe, aber dass ich immer noch achtsamer bin und mir noch viel mehr überlege. Und das, was Sie vorher gesagt haben, dass man jemanden, und Ihr Vater hätte wahrscheinlich auch jemanden gebraucht, das hat mich total berührt irgendwie, der eine Hand oder eine Umarmung oder irgendein Willkommen, das sind ja manchmal nur Kleinigkeiten oder so, aber ich bin jetzt auch ein bisschen aufgeregt. Ich wollte einfach nur jetzt irgendwie eine Geschichte erzählen, die mich total berührt hat, weil ich es auch total wichtig finde, dass wir irgendwie Mut machen und sagen, es gibt auch Leute, die irgendwie unglaublich toll sind und wahnsinnig liebevolle und tolle Sachen machen. Ich glaube, das ist auch total wichtig. Und ich möchte auch so sein und ich möchte immer mehr Bewusstsein dafür bekommen. Und das, was Sie vorher gesagt haben, dass man Räume öffnet und mit Leuten diskutiert und so, das finde ich auch total wichtig. Aber ich glaube, es muss politisch auch ganz viel passieren, dass da viel Schutz da ist einfach. Wie viel mehr Schutz da ist und viele Dinge einfach auch, wenn was passiert, dass da viel strenger dagegen vorgegangen wird. Vielen Dank fürs Teilen und auch für den Appell. Wir haben jetzt eine, zwei und drei Wortmeldungen noch. Wir müssen nämlich ein bisschen die Uhr, vier, die Uhr ein bisschen im Auge behalten. Sieben Minuten. Danke vielmals. noch, wir müssen nämlich ein bisschen die Uhr 4, die Uhr ein bisschen im Auge behalten. Danke vielmals, ganz herzlichen Dank für die Lesung und für die tollen Ideen und euch beiden auch natürlich und Sabri kenne ich, weil wir einmal das Glück hatten, zusammenzuarbeiten. Ihr fragt bitte nicht, du kannst gut Deutsch, wo kommst du her? Das höre ich immer wieder. Und jetzt sage ich auch den Leuten, sie können auch gut Deutsch, weil viele reden nicht Hochdeutsch, viele reden Oberösterreichisch hier. Gut, Spaß zur Seite. Ich weiß nicht, ich bin ein bisschen alt, deshalb habe ich in der Mathematikstunde in der Schule auch Menge, Mengenlehre gelernt. Und in der Mengenlehre, zwei Kreise treffen sich und es gibt einen Schnittpunkt und das sind die Gemeinsamkeiten. Gemeinsamkeiten. Und das Problem ist, dass in jeder Gesellschaft, nicht nur in Österreich, die klar zu machen, wo unsere Gemeinsamkeiten liegen. Und ich habe das auch in Hamburg erlebt, in den 80ern, wie die Mauer fiel, war ich gerade dort. Alle Ostdeutschen sind super da mit Trabis. Nach einem halben Jahr, weil jeder Westdeutsche 50 D-Mark spenden musste, waren alle Ostdeutschen nicht mehr so nett für sie, weil das gemeinsame Punkt verloren gegangen war. Und was das mit der Integration ist, also Integration als Wort vielleicht ist nicht so schlecht, solange es nicht in Assimilation umkippt, denke ich. Und ja, das ist nur eigentlich, was meine Erfahrung so herausbringt aus mir, sagen wir als Ausländerin noch immer. Ich will nur kurz das sagen, was ich vorhin nicht vergessen, aber nicht lesen konnte. Es ist im Moment eine Aufkleberserie in Linz. Ich weiß nicht, ob ihr das wahrnehmt. Ganze Laternenmasten sind beklebt mit dem Aufkleber. Ganz Linz gehört uns. Und dann sind, sage ich mal, so Symbole dabei, die ich nicht zuordnen kann und andere Sprüche in verschiedenen Farben. Und mich irritiert es eigentlich, dass die so öffentlich, klein, groß, dass die Polizei nichts macht. Ich weiß nicht, wo sie herkommen. Jedenfalls irritiert mich das sehr. Das ist auch bei uns unten, wo ich wohne, direkt an den Objekten vom Haus. Vor allen Dingen an Ampelkreuzungen sieht man es im Moment sehr stark. Da vielleicht einfach mal ein bisschen Acht geben, das wollte ich sagen und vielleicht auch mal die Polizei darauf darauf aufmerksam machen. Oder halt recherchieren, was es wirklich ist. Also ich weiß es nicht. Gut, mehr wollte ich dazu nicht sagen. Dann darf ich den Würfel noch dort weitergeben. Wer? Der Herr. Der Herr da hinten. Ach, okay. Entschuldige, ich habe meine Brille nicht auf. Danke. Ich wollte anknüpfen an Ihre Worte zum Thema Demokratie und Utopie. Und auch passt ein bisschen zu der Geschichte Hamburg, die Sie erzählt haben. Ich würde gerne das Augenmerk auch lenken auf den Themenbereich der Unterstützung, die wir dann tatsächlich leisten. Ich sage das jetzt als einheimischer Österreicher. Die Radikalisierung in der Politik hat sehr viel mit dem zu tun, dass Gefühle bedient werden von Ausgrenzung, Benachteiligung. Grenzung, Benachteiligung, die bekommen mehr, wir bekommen weniger. Und die werden natürlich von diesen Parteien, FPÖ etc., sehr professionell bedient. Ich glaube, dass wir beim Helfen, sage ich einmal ganz einfach, sehr unprofessionell sind. Wir helfen, weil wir ein gutes Herz haben, weil wir uns verpflichtet fühlen, Gutes tun wollen, mit einem Anteil, der vielleicht auch von uns selber kommt und uns etwas zurückgibt. Aber es ist unprofessionell und es führt zu Schäden. Ich arbeite in dem Bereich seit fast 50 Jahren. Die letzten 900 Tage überwiegend in der Ukraine, vorher in anderen Krisengebieten, auch in Kosovo etc. Was ich beobachte ist, dass gerade humanitäre Hilfe, die ich grundsätzlich für extrem wichtig, gerade in Katastrophensituationen als sofortige Maßnahmen für sehr wichtig halte, dass wir bei der humanitären Hilfe genau auf diese Probleme nicht achten. Wir verteilen, ich möchte ein Beispiel dazu sagen, wir haben zum Beispiel in Nordromanien mit den ukrainischen Flüchtlingen eine Situation gehabt, dass eine Schuldirektorin uns kontaktiert und sagt, ich habe hier sieben oder acht ukrainische Kinder, die haben überhaupt nichts, bitte könnt ihr uns Schultaschen geben. Wir haben dann gefragt, bitte wie viele Kinder sind in der Schule, es waren weniger als 50 und wir haben 50 Rucksäcke gebracht, weil wir nicht wollten, dass die fünf oder die sieben ukrainischen Kinder plötzlich mit den Harry-Potter-Rucksäcken kommen und die anderen, die bodenständigen Kinder, Schachteln runtergeworfen worden und sie wussten nicht, was drinnen, füttern wir die rechten Parteien und die Radikalisierung, weil wir damit auch diese Gefühle von Ungleichheit, Benachteiligung und ja, unterstützen. Danke. Da war jetzt noch eine letzte. Ja, ich bin hier, weil ich das Buch gelesen habe. Und das ist eine gute Gelegenheit. Und ein Gewächs von mir, der Ali Ibrahimi, hat mich auf den Vortrag aufmerksam gemacht. Und da habe ich gedacht, da komme ich her. Was mir hier ein bisschen zu kurz kommt, ist, was sind die Lösungsmöglichkeiten? Ich kann natürlich auch nicht darüber sprechen en gros, aber ich bin seit zehn Jahren intensiv in der Flüchtlingsbetreuung tätig, habe Gott sei Dank eine gute Pension und somit bin ich bei den Freiwilligen. Aber es fehlt mir hier Lösungsmöglichkeiten für die Ängste der österreichischen Staatsbürger, die ja so viel anders gewählt haben, als es mir gerecht ist. Ich muss mich ja verteidigen, auch in meinem Bekanntenkreis, auch in meiner Familie. Aber das ist jetzt keine Anklage deswegen, da muss ich mir eh selber helfen. Aber was können wir tun? In unserer Verzweiflung haben wir jetzt einen kleinen Plan entworfen, weil nur über die Unmöglichkeiten, was dem Ali passiert ist und was dem Mohammed und so weiter, das wissen wir eh alle, das haben wir ja schon so oft zehn Jahre lang erlebt. Schrecklich. Aber was können wir machen, damit wir die, die die Angst haben, die können ein YouTube von mir finden, vor acht Jahren über den Kurz, als ehemaliger Schwarzwähler mit meiner Frau, wo wir irgendwie das so in etwa vorhergesagt haben, mangels Demokratieverständnis. Aber was können wir tun, dass wir diese verängstigten Leute, meine Nachbarn, Bauern oder wer immer das auch ist, dass wir denen die Angst ein bisschen wegnehmen. Unser Programm im Moment ist ein bisschen ein hilflosen Programm, aber doch, vielleicht hilft es den einen oder anderen, die Angst wegzunehmen. Wir planen eine Artikelserie von Nummer 1, 10 bis 20 Erfolgsstories, wo Menschen, die hergekommen sind, 15 oder, es wird jetzt immer kürzer der Zeitraum, jetzt haben wir schon nach zwei Jahren Erfolge, beruflich etc., ob angekommen ist, ist eine zweite Frage, aber wo sie sich beginnen, in die Sozialkasse, das war mein Credo, einzuzahlen. Ich lerne euch Deutsch, damit ihr so schnell wie möglich in die Sozialkasse... Und ich habe ihnen meine Lohnstreifen gezeigt. Und der ist Gott sei Dank hoch. Und da habe ich ihnen auch eine hohe Summe zeigen können, die ich jedes Monat zahle. Und da habe ich ihnen klargemachthe Summe zeigen können, die ich jedes Monat zahle. Und da habe ich ihnen klar gemacht, schon in der zehnten Stunde, hey, ich möchte von euch was zurückhaben. Das war mein Credo. Aber wie können wir diesen Leuten die Angst wegnehmen, mit zehn Artikeln über Erfolgsstories, es gibt so viele gute, es wird ja nur das Schlechte beschrieben. es gibt so viele Gute, es wird ja nur das Schlechte beschrieben. Und nur das Schlechte zählt. In der Medien, in der Plattform. Vielleicht eine ganz kurze letzte. Ich muss wirklich die Uhr im Auge behalten. Ich glaube, grundsätzlich ist meine Meinung nicht ich und die anderen, sondern ein kleines Stück aufeinander zugehen. Ich glaube, dass grundsätzlich nicht denken ich und die anderen oder ich gegen oder mit den anderen, sondern ein Stück auf den anderen zugehen. Dann ist man mehr ein Teil des Ganzens und sieht sich nicht so am Rande oder als Belehrender, würde ich sagen. Von den Parteien können wir uns nichts erwarten. und zieht sich nicht am Rande oder als Belehrender, würde ich sagen. Bravo. Ich will nur abschließend sagen, von den Parteien können wir uns nichts erwarten. Von den Parteien können wir uns auch jetzt nach der neuen Koalitionsvereinbarung nichts erwarten. Die wollen ja ihre Stellung festigen, mit dem sie rechte Programme schnüren. Wir werden sehen demnächst. Es liegt an uns, an der Zivilgesellschaft. Ich habe so mal gesagt, schön wäre es, wenn jeder Österreicher einen Ausländer nimmt und sagt, ich bin dein Buddy, ich helfe dir. Hätte mir überhaupt kein Problem. Ich darf jetzt Ihr Wort aufgreifen. Es liegt an uns, an jeder, an jedem. Und ich darf Sie einladen, dass wir dann noch an der Bar oder auch hier die Gespräche im Einzelnen oder auch im Gemeinsamen fortführen möchte, weil, wie Sie gesagt haben, wir haben sehr viele Themen heute aufgemacht. Ich hätte noch sehr viele Aspekte mitgehabt für meine Moderation. Ich darf aber dich jetzt noch um ein Schlusswort bitten, ehe ich dann noch ein paar Worte aus dem Buch sagen darf. Ich glaube, das, wie wir jetzt heute diskutieren, zeigt, dass es einen Riesenbedarf gibt an Dialog, an Auseinandersetzung. Ich glaube, jetzt könnte man da noch zehn Stunden sitzen und irgendwie dann weiterreden. Und das bräuchte man wahrscheinlich. Wir bräuchten Räume, wo man es machen kann. Aber was ich, also um jetzt, könnte man natürlich auch reden, was gibt es für Lösungsansätze im Bildungsbereich, sozialen Bereich, politisch. Da gibt es natürlich eine ganze Reihe von Möglichkeiten jenseits von Angsterzeugung. Weil ich meine, bei der letzten Wahl haben wir gesehen, dass die Menschen, wo es sehr wenige Ausländer gibt, stärker für die Freiheitlichen gewählt haben im ländlichen Raum als in Wien, also wo es die meisten gibt und wo angeblich Favoriten brennt. Und ich war vor ein paar Tagen mit meinem kleinen Mädel beim Karate, da brennt gar nichts und das war alles wunderbar. Also was ich sagen wollte, nur zum Abschluss. Also es gibt ja, vielleicht kennt ihr immer diese deutsche Publizistin Caroline Emcke, die hat einmal vor ein paar Jahren ein wichtiges Buch geschrieben gegen den Hass. Und da hat sie versucht zu definieren, also was ist denn das Wir? Und da hat sie gesagt, Wir ist eine Kraft, die dann entsteht, wenn die Menschen zusammenkommen und dann hat sie drei Dinge genannt. Konstruktiv, also das ist ganz wichtig, miteinander umgehen, konstruktiv diskutieren. Mutig, das heißt man braucht Mut. Und Mut ist eine politische Kategorie A. Also wenn man mutlos ist und nicht gestalten kann, verliert man. Und dann hat sie gesagt, Zärtlichkeit. Zärtlichkeit, zart, zart, mutig, konstruktiv. Wenn die Menschen zusammenkommen und die drei Eigenschaften dann irgendwie da sind, dann kann man gegen den Hass und auch politisch dann irgendwie was bewirken. Und das bringt mich wirklich zum Letzten. Also ich glaube, in der Anthropologie wird immer diese Geschichte erzählt, was ist der älteste Beweis der Zwischenmenschlichkeit? Das ist der menschliche Femurknochen. Also wenn der früher, dann vor 10.000 Jahren oder wie auch immer, gebrochen war, gab es keine Chance, dass der Femurknochen zusammenwächst. Also der zusammengewachsene Femurknochen ist der älteste Beweis für das Wir, für die Zwischenmenschlichkeit. Das heißt, wenn der bricht und wenn es niemanden gibt, der helfen kann, das Bein richten kann, geht der Mensch zugrunde. Und ich glaube, wir müssen wirklich nochmal, und ich unterstreiche das, das Gemeinsame, auch das Hoffnungsvolle, auch das Freundschaftliche, nicht nur als eine naive Form der Zukunftsprojektion oder wie es auch immer in den Vordergrund steht, sondern als eine politische, gestaltende Praxis. Und das, was sie tun und das, was ihr macht und das, was wir machen, was du, Cornelia, machst mit dem Kepler, Sloane ist das beste Beispiel dafür. Und ich glaube, von dem brauchen wir mehr und dann natürlich einen politischen Druck und Zuversicht. Wie gesagt, ich habe am Beginn gesagt, das ist mein Land, ich lasse mir das nicht kaputt machen und ich glaube, es gibt so viele Menschen in dem Land, die das genauso so sehen und das ist der einzige Weg. Auch wenn es manchmal vergeblich ist. Also, wird schon werden. Ja, danke. Die österreichischen Sprüche sind immer gut, wird schon werden und schauen wir mal, dann sehen wir schon. Aber ich glaube, man muss das ernsthaft, ernsthaft denken. Vielen Dank, lieber Vedran, liebe Vertreterinnen und Botschafterinnen vom Roten Kreuz. Vielen Dank auch für euren Beitrag. Liebe Gäste, danke für Ihren Beitrag. Ich möchte den Schluss noch ein wirklich ein dringliches Appell an Sie und an euch alle richten, dieses Buch zu lesen. Es hat eine sehr persönliche Geschichte, die aber auch sehr viele strukturelle Themen rund um all diese Felder, die wir heute Abend aufgemacht haben, wirklich an euch und an Sie richten. Und ich darf Vedran Cihic noch zum Abschluss zitieren. Er schreibt, dieses Buch ist ein Zeugnis der Suche nach einem neuen Zuhause und einer anderen Welt der Freiheit und Gleichheit, nach einer pluralen demokratischen Gesellschaft für uns alle. Das Buch ist eines über das Österreich der letzten 30 Jahre, zugleich aber auch eines, das die Konturen der Verrohung vieler europäischer Gesellschaften nachzeichnet und Wege auslotet, um anzukommen und endlich sagen zu können, ich bin auch jemand, jeder ist jemand. Thank you.