Einen schönen guten Abend, herzlich willkommen zur heutigen Veranstaltung und Buchpräsentation wie ein Tschetschene und ein Polizist zu TikTok-Stars wurden. Es freut mich besonders, viele Gesichter heute hier zu sehen, vor allem so viele junge Gesichter. Das kommt gar nicht so oft vor in diesem Saal. Und auch die allerjüngsten Vortragsbesucher, die ich in meiner Karriere bisher gehabt habe. Ich begrüße euch ganz herzlich, ich freue mich schon, dass ihr da seid. Im Namen des Hauses und des Wissenstums, im Speziellen der Volkshochschule Linz, die diese Veranstaltung heute organisiert, darf ich auch die ProtagonistInnen des heutigen Abends begrüßen. Ich fange an mit dem Cop und Jay. Also ich darf recht herzlich Uwe Schaffer bei uns im Wissensturm begrüßen. Und ich darf recht herzlich Achmed Mitaev begrüßen bei uns im Wissensturm. Es gibt jetzt Achmed Methaev, begrüßen Sie uns. Begrüßen darf ich auch die Autorin und Journalistin Edith Meinhardt. Sie hat ein Buch über die Geschichte der beiden geschrieben, das sie uns heute präsentieren wird und das es draußen auch am Büchertisch von Promethe zu kaufen gibt. Ein herzliches Dankeschön auch an Promethe an dieser Stelle und herzlich willkommen, Edith Meinhardt. Der vierte im Bunde ist Fabian Reicher, der ist Jugendsozialarbeiter und er wird uns heute als Moderator durch den Abend begleiten. Herzlich willkommen. Ich freue mich ganz besonders, dass wir eine Veranstaltung wie diese heute bei uns im Wissensturm haben, weil sie sehr dem Geist des Wissensturms oder der Idee, die wir hier verfolgen, entspricht. Der Wissensturm, wie viele wissen, ist nicht nur ein Lernort für alle, sondern es ist auch ein Ort der Begegnung, unabhängig von Alter oder Herkunft, wo wir miteinander und voneinander lernen. Und damit wir das tun können, ist es ganz wichtig, dass wir aufeinander zugehen, dass wir vor allem einander zuhören und dass wir miteinander reden, so wie Cop und Jay es getan haben oder immer noch tun in den sozialen Medien und wo sie präsent sind. Und aus diesem Grund freut es mich ganz besonders. Ganz kurz noch ein Hinweis, es stehen hier Kameras, DorfTV zeichnet heute auf und in etwa einer Woche wird der Abend auch auf DorfTV nachsehbar sein. Also wenn Freunde, Freundinnen heute nicht da sein können, bitte weitersagen, man kann das Ganze heute auch nachsehen. Ja und mir bleibt nun Ihnen allen einen interessanten Abend zu wünschen. Ich darf das Wort noch an unsere übergeordnete Hausrätin, an Bildungsstaaträtin Eva Schobers-Gilberger übergeben, die Sie auch gerne begrüßen möchte. Danke. Danke. Sie sehr gerne begrüßen möchte und vor allem auch Danke sagen möchte, dass Sie mit diesem Projekt heute bei uns auf der Lesetour Stopp gemacht haben. Ich habe ein bisschen nachgeschaut und habe gesehen, dass Sie heute auch schon in Traun oder dass ich heute auch schon in Traun war und jetzt auch zu uns in den Wissensturm gekommen seid. Ich bin selber ein bisschen Fan von diesem Projekt. Ich schaue mir sicher nicht jede Folge, die ich mitbekomme, aber die, die ich gesehen habe, finde ich einfach großartig. Ich finde das Projekt deswegen so großartig, weil es einfach so ein verbindendes Ding ist und nichts Deutliches sagen kann, dass es sich auszahlt, dass man miteinander redet. Nämlich egal, welche Herkunft man hat und aus welcher gesellschaftlichen, ethnischen oder sonstigen Herkunft man ist und man einfach zusammenfinden kann, wenn man miteinander spricht. Das kann man, wenn man auf TikTok oder auf Instagram folgt, sehr gut sehen. Es werden auch immer interessante Fragen, die das Publikum euch zuwirft, beantwortet, die immer irgendeinen rechtlichen Zusammenhang haben in Kooperation mit der Arbeiterkammer, auch arbeitsrechtlich. Aber manchmal auch einfach so interessante Fragen aufwerfen, die ihr dann aufgreift und beantwortet. Ich zum Beispiel habe gelernt, dass es in Österreich 16 eingetragene Religionsgemeinschaften gibt und bedanke mich für diesen Wissensgewinn. Insgesamt sage ich nur mal zu dir, Katja, danke, dass du mit deinem Bereich im Wissensturm, der Gesellschaft und Politik heißt, solche Dinge möglich machst. Nämlich, dass du da eingeladen hast, dass diese Lesereise bei uns auch Stopp macht. Das war ein Kooperationsprojekt mit DorfTV, wo du mit Martin Wassermeyer gemeinsam die Einladung ausgesprochen hast und danke, dass Sie der Einladung gefolgt sind. Also recht viel mehr möchte ich gar nicht mehr sagen, außer vielen Dank und großartig, dass Sie heute im Wissensturm sind. Ich freue mich auf den Abend. Viel Vergnügen. Vielen Dank und großartig, dass Sie hier im Wissensturm sind. Ich freue mich auf den Abend. Viel Vergnügen. Super, danke euch für die Willkommensworte. Danke, dass wir hier sein dürfen. Danke für die Einladung. Wir freuen uns sehr, zum ersten Mal eine Lesung und auch einen Event quasi außerhalb von Wien zu machen. Wir sind schon gespannt, was da die Unterschiede sind. Wir haben schon gelernt, dass man statt Ur voll sagt. Das ist für mich jetzt nicht so die Überraschung, weil ich ursprünglich aus Salzburg komme, aber trotzdem. Ich würde euch ganz kurz noch den Ablauf vorstellen, was wir geplant haben mit euch. Als erstes ziehen wir uns noch ein kurzes Video rein. Dann machen wir ein moderiertes Gespräch, Schrägstrich Lesung, das heißt Ahmad, Uwe und Edith werden auch ihre Lieblingsstellen aus dem Buch vorlesen und dann, Stichwort ins Gespräch kommen, würden wir uns freuen, mit euch ins Gespräch zu kommen, das heißt wir würden dann einfach gern eure Fragen antworten, in dem Fall, wenn wir Fragen stellen, eure Fragen, eure Statements und natürlich auch Kritik, wir freuen uns immer über Kritik. Ja, mit euch ins Gespräch kommen. Passt das so für euch? Okay, nice. Ganz kurz noch eine Sache. Neben uns vier auf der Bühne begleitet uns auch Christopher Glanzl. Der ist da hinten und wird herumlaufen mit der Kamera. Die Fotos kriegt ihr dann den Link, Wissensturm. Das heißt, wir machen richtig coole Fotos. Und der Felix ist heute auch am Start, der eine Doku über uns plant. Schauen wir mal, in welche Richtung es geht. Von dem her vielleicht wird er auch den einen oder die andere nachher noch vor die Kamera holen. Und mit ein paar aus der ersten Reihe habe ich eh schon gesprochen. Wenn ihr Bock habt für ein bisschen Behind the Scenes Interviews ich bin dann nachher draußen und würde ein paar von den Jüngeren vielleicht vor die Kamera bitten aber dazu kommen wir später jetzt legen wir los mit dem Trailer, oder? ok, eine Sekunde die Wisi schreibt ein Netflix Film oder Serie von euch zwei wäre legendär, der Chicheno und der Cop, das wäre wie Bad Boys von Will Smith. Das machen wir gerade, oder? In einer Stadt, in der es verboten ist, auf eine Hochzeit mit einer Barbeier rumzuschießen. In einer Stadt, in der man mit Cannabis im Barmeier geht. Und in der das Böllern auch dieses Jahr wieder nicht erlaubt sein wird. Beantworten ein Cop und ein TschNin. Die Fragen der Jugendlichen. Alle Fragen. Zusammen sind sie Cop und Che. Und sie haben noch nie Nein zu einem Selfie gesagt. Ich habe meine Hausaufgaben gemacht. Ich muss die ganze Zeit grinsen und denke mir, siehst du meinen Grinsen? Ich drehe einfach weiter. Ihm ist egal. Bevor wir loslegen, würde ich euch noch kurz bitten, dass ihr euch selber vorstellt. Ahmad, ich starte bei der Edith. Voll. Edith, magst du ganz kurz dich vorstellen? Ja, ich bin übrigens gebürtige Oberösterreicherin, darum geht mir das voll leicht von den Lippen. Ich bin 26 Jahre Journalistin beim Nachrichtenmagazin Profil gewesen, habe viel über Migration geschrieben, über gesellschaftspolitische Themen von Bildung, Polizei, Justiz und auch viel, um das es da im Buch geht. Bin seit Anfang des Jahres eine freie Journalistin und mache einen Podcast mit meinem Kollegen, der heißt Die Dunkelkammer und habe das Buch geschrieben. Danke dir. Uwe? Ja, der Uwe ist Kretzl-Polizist, das heißt, er ist in Wien im 20. Bezirk als Polizist tätig, war vorher 30 Jahre im Zweiten und die letzten mittlerweile jetzt elf Jahre im zwanzigsten und davon eben jetzt ungefähr zehn Jahre als Grätzl-Polizist. Das heißt, ich bin fast wie ein Sozialarbeiter innerhalb der Polizei. Ich bin ein Bindeglied zwischen der Bevölkerung und der Polizei. Ich bin zuständig für die kleinen Wehwehchen der Bevölkerung, mit denen sie nicht unbedingt zur Polizei gehen wollen. Die kommen dann genau zu mir, wenn sie mit den Nachbarn ein bisschen Streit haben oder beim Eingang zum Haus da ist es zu finster. Dann kommen sie zu mir mit solchen Wehwehchen. Ich bin irrsinnig gut vernetzt, kenne fast Gott und die Welt da ist zu finster dann kann man sich zu mir mit solche wie ich hin ich bin erst nicht gut vernetzt gehen fast gott und die welt und habe natürlich dadurch die möglichkeiten da immer zu vermitteln das ist meine aufgabe und nebenbei machen wir noch ein bisschen videos für koppen tja danke dir uwe achmann jetzt bist du in der reihe ja ich bin ach mal ich bin der Tschetschene von Kop und Tschä, wie wahrscheinlich alle mitbekommen haben. Und bin seit mehreren Jahren, also gemeinsam mit dem Fabian unterwegs, sind in der Jugendarbeit tätig, begleiten so Projekte, also das Projekt, das wir jetzt machen, solche Projekte begleiten wir eigentlich von Jugendlichen. Und bis heute haben wir auch gemeinsam einen Film gedreht, also einen Kurzfilm im Schatten von Wien im Rahmen eines großen Projektes Demokratie was geht und das haben wir halt mit Jugendlichen gemacht und dieses Jahr kommt auch die zweite Staffel und höchstwahrscheinlich in die zweite Staffel draußen ist, kann man beide auf einmal schauen, also kann man sich auch ruhig popcorn kaufen medium und genau ja ich bin auch zum teil selbstständig aber jetzt nachdem er werde ich höchstwahrscheinlich ab dem nächsten jahr wieder meine technik karriere aufnehmen und höchstwahrscheinlich auch das studium nachholen super danke dir vielleicht ganz kurz die Frage, wer von euch ist denn auf TikTok? Wer von euch ist auf Instagram? Wer von euch ist auf Facebook? Die Frage wird nachher noch wichtig sein. Ihr habt auf euren Plätzen überall auch Sticker, wo ihr, wenn ihr uns noch nicht folgt auf Instagram oder TikTok, die Dinger drauf habt, wo ihr uns folgen könnt. Also wir freuen uns über Follows. Heute geht es aber weniger um TikTok, sondern um dieses Buch. Edith, magst du den Ehrengast quasi das Buch kurz vorstellen? Ja, sehr gerne. Gibt es Leute, die es schon gelesen haben? Stabil. Dann ist es vielleicht für Sie jetzt ein bisschen langweilig. Ich würde gerne kurz erzählen, worum es in dem Buch geht. Es geht natürlich zunächst einmal um Ahmad, der als Vierjähriger mit seiner Familie aus Tschetschenien geflüchtet ist, über Tschechien, Polen, dann in Österreich gelandet ist. Und hier hat der Vater das erste Mal das Gefühl gehabt, er kann eigentlich aufatmen und zuckt nicht mehr zusammen, wenn ein Auto vorbeifährt oder es an der Tür klingelt. Und der Ahmad hat zunächst recht gute Erfahrungen gemacht in der Unterkunft in Niederösterreich, wo er mit vielen Kindern zusammen war und einen netten Quartiergeber namens Otto hatte. Aber dann mit 13 ungefähr in der Schule haben Schwierigkeiten begonnen, der Gestalt, dass der Ahmad sich immer öfter unfair behandelt gefühlt hat und den Eindruck gewonnen hat, dass es nicht so viel wert ist, wenn er eine Leistung bringt, wie wenn das Kinder, die in Österreich aufgewachsen sind, bringen. Und da hat es dann ein recht bitteres Erlebnis gegeben mit einer Lehrerin, die auf eine sehr gute Note bei einer Schularbeit den Ahmad vor der ganzen Klasse bloßgestellt hat und die Kinder gefragt hat, wer von euch glaubt, dass der Ahmad geschummelt hat? Und da mussten dann alle Kinder aufzeigen und sie hat beide Hände in die Höhe gegeben. Und das war so schmerzhaft für den Ahmad, der ist dann aus der Klasse rausgelaufen und hat dann eigentlich beschlossen, auf die Schule zu pfeifen. Und dann hat ein neuer Abschnitt begonnen, der nicht schön war, also und der auch sehr ungeschönt erzählt ist. Also ganz kurz gesagt ist der Ahmad dann auf der Straße gelandet, hat die falschen Freunde kennengelernt, ist kriminell geworden, kam dann auch ins Gefängnis als damals jüngster Häftling im Erwachsenentrakt noch dazu, wofür er eine Tat, die er nicht begangen hat, für viele Monate war. Er war im Gefängnis, hat sich dort radikalisiert und fast war er schon im Bus nach Syrien, um sich dort dem sogenannten Islamischen Staat anzuschließen. Hätte nicht sein Vater ihn wirklich einem ganz dramatischen Showdown in buchstäblich letzter Minute in seinen Rekrutierern entrissen. Und ich mache da jetzt einen großen Sprung, ich kann nicht das ganze Buch erzählen, aber es gibt natürlich eine dramatische Wendung, die sich auch sehr viel seinem Vater verdankt. Und das Buch erzählt, durch welche Höhen und Tiefen der Ahmad gegangen ist und auch seine Familie, was das alles bedeutet hat für seinen Vater, für seine Mutter, die Schwester, Brüder. Und wie es gekommen ist, dass jemand, der so viele schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht hat als Jugendlicher, der so oft kontrolliert worden ist, nach Waffen durchsucht worden ist, schlecht behandelt worden ist, heute mit einem Polizisten zusammenarbeitet. Das ist ja eigentlich unglaublich. Und das hat viel mit dem Ahmad zu tun, der eine unglaubliche Person ist, aber auch mit dem Uwe, der ja auch quasi die Mehrheitsgesellschaft repräsentiert und ein steirischer junger Mann war, der gar nicht so ganz freiwillig zur Polizei gegangen ist, sondern ein bisschen, weil ihm nichts anderes eingefallen ist. Und auch nicht gute Erfahrungen mit sich sehen hat. Also die beiden sind heute die TikTok-Stars, die sie, die ihr kennt. Und machen das extrem erfolgreich, um Jugendliche davor zu bewahren, dieselben Fehler zu machen, die der Ahmad gemacht hat oder fast gemacht hätte. Ich muss da kurz dazwischengrätschen. Tut mir leid, wenn ich das mache, aber ich arbeite nicht mit der Polizei zusammen. Nach wie vor nicht. Also für oder mit der Polizei werde ich auch nie in meinem Leben arbeiten. Wie ich immer sage, ich würde lieber unter der Brücke schlafen, als bei der Polizei zu arbeiten. Aber mit dem Uwe arbeite ich. Und nur Videos. Mit einem Polizisten? Okay, nicht mit der Polizei. Uwe ist kein Polizist für mich. Sehr wichtig, sehr wichtig zu sagen. Danke dir, Ahmad. Edith, ich hätte noch eine Frage an dich. Das ist ja schon ein bisschen angedeutet. Warum hast du dieses Buch geschrieben und warum ist es dir im Allgemeinen so wichtig, Geschichten zu erzählen? Deshalb eine gute Geschichte ist, weil sie ermöglicht, in verschiedene Perspektiven zu gehen. Also ich glaube, dass von dieser Geschichte wir alle extrem viel lernen können. Wir sehnen uns in Wahrheit alle nach ermutigenden Beispielen, wie eine Gesellschaft, in der es so viele Schwierigkeiten gibt und so viele nicht ermutigende Konflikte gibt, es trotzdem gelingen kann, dass wir zusammenleben, dass wir auf Augenhöhe einander begegnen, obwohl wir nicht in allem einer Meinung sind, so wie ihr das ja auch vorlebt, also ihr nicht einer Meinung seid. Und das war mein Antrieb. Ich wollte eigentlich das Gleiche, was der Ahmad auch gesagt hat, dass er will, nämlich dass Menschen verstehen, warum jemand wie der Ahmad so ist, wie der Ahmad ist, beziehungsweise war. Und ich glaube, dass man Dinge, die man vermeintlich nicht verstehen kann, die so fremd sind und so unverständlich in Wahrheit, wenn man sich darauf einlässt, nachvollziehen und verstehen kann. Und auch von Ahmad und Uwe in Kombination sehr viel gelernt. Ahmad, ich gebe an dich weiter. Warum hast du deine Geschichte mit uns geteilt? Also ich meine, da geht es auch um sehr viele Episoden, die ja nicht so schön sind, dass es sich auch schwer ist, darüber zu reden. Und jetzt ist das in einem Buch, das die ganze Welt lesen kann. Warum hast du dir das angetan? Na, ich meine, zum Teil hat die Edit eh schon die Antwort gespoilert. Das heißt, ich habe es, also meine Antwort auf die Frage war, warum ich das schreiben will, so Wort für Wort, genauso habe ich gesagt, ja, ich will das ältere Österreicher und Österreicherinnen verstehen, warum ein 13-Jähriger so wird, wie ich geworden bin. Das war eigentlich so anfangs mein Hauptziel und dann während dem Prozess, als wir geschrieben haben und auch wir zum Teil auf TikTok gegangen sind und so weiter und so fort, also dieses digitale Streetworken quasi begonnen haben, habe ich mir gedacht, das ist jetzt die perfekte, wie soll ich sagen, Chance, die Bühne dafür zu nutzen, um mit den Betroffenen zu sprechen und ich selbst als Betroffener meine eigene Geschichte so zu erzählen, wie sie war, ohne dass sie durch irgendwelche Journalisten und Journalistinnen verfälscht wird und sie über mich sprechen, wie böse ich sei und was ich alles schon gemacht habe und welche Fehler ich begangen habe. Ich rede besser selbst darüber, weil ich kann es besser erklären und die Leute können es auch besser nachvollziehen, wenn ich es erkläre, warum bestimmte Sachen passiert sind. Und nicht irgendwelche politische Agenten oder eigene Meinungen und so eigenen Senf dazugeben und sagen, ja, wir vermuten das war deswegen, ohne zu wissen, jemals irgendwie in meinen Schuhen gewesen zu sein. Genau. Und das war quasi das Hauptziel. Natürlich auch, um Jugendlicheliche also davon abzuhalten das gleiche zu tun was ich getan habe weil wenn sie sehen dass jemand schon vorgekaut hat ich weiß es ist immer so bei uns waren es auch immer ältere die haben zu uns gesagt ja wir haben das schon gesehen macht das nicht das ist blödsinn, oder? Ja, ja, die Eltern sagen das immer, haben genau dasselbe gesagt und jetzt sagen wir es euch. Es ist jede Generation immer so. Eben alle 10 Jahre jedes Mal das Gleiche. Ja, ist die Menschheit, aber trotzdem vielleicht 1, 2, 3 Leute von 10 können wir abhalten. Wir probieren es auf jeden Fall. Du hast es auch schon ein bisschen angesprochen, so die mediale Berichterstattung auch über Tschetschenen, über Jugendliche, ganz grundsätzlich. Also ich meine, wer von euch den Sommer ein bisschen mitverfolgt hat, sind zwar natürlich viele schlimme Sachen passiert, aber wie medial auf Jugendliche eingeprügelt wird, das ist wirklich sehr, sehr crazy, das muss man wirklich so sagen. Und wir haben schon wirklich auch sehr, sehr negative Erfahrungen gemacht, jetzt auch in letzter Zeit mit Journalistinnen, die mit vorgefertigten Meinungen quasi schon in die Interviews kommen und dann halt nur die Sachen, die zur Geschichte passen, die sie im Kopf sich schon überlegt haben, nehmen und den Rest da drausschneiden. Also es geht darum, auch Herr über die eigene Geschichte zu sein, Main Character zu sein. Und es geht auch darum, den Jugendlichen eine Stimme zu geben, oder? Ach, was hörst du gerade so von den Jugendlichen auf TikTok auf der Straße? Was sind bei denen so die Themen und was hat das mit deiner Geschichte zu tun? Ja, ich meine, Themen bei Jugendlichen, zum Teil Polizeigewalt natürlich, Rassismus ist ein Thema und das sind so zwei Sachen, die kenne ich so gut wie meine eigenen Hosentaschen. Ja, und genau, ja, das sind eigentlich die Hauptthemen, aber natürlich ist Politik auch ein großes Thema, egal wo man hinschaut, also seien wir uns ehrlich, wir, ich sage von mir noch nicht, Gott sei Dank, dass ich Erwachsener bin, aber ihr Erwachsenen, ihr lebt uns das ja quasi vor also die erwachsenen machen überall wo man hinschaut die politik über läuft schlecht da gewinnen irgendwelche nazis wahlen und da gewinnen irgendwelche extremen rechten die wahl hieß krieg dort ist krieg dort ist jenes dort ist jenes was wollen die jugendlichen dann machen von wem sollen sie lernen und genau das sind die themen und das versuchen wir irgendwie aufzubrechen und zu sagen, schaut mal natürlich die ganz Gescheiten, die sehr viel Geld haben und Millionen auf Konto mit den Krawatten herumfantasieren, das ist eine eigene Partie, aber wir, wir sind für euch da. Und ja, das ist das, was ich denen mitgeben will und sagen will, genauso wie eure Eltern gibt es da draußen auch Menschen im Alter von euren Eltern, ein bisschen jünger, ein bisschen älter, aber die für euch da sind. Genau, also auch auf der Seite der Jugendlichen stehen und die Themen, die vielleicht im Mainstream nicht so da sind, auch eine große Bühne bringen. Dafür ist Social Media tatsächlich bei aller Kritik auch sehr wichtig. Jetzt machen wir kurz einen Perspektivenwechsel. Uwe, du bist Polizist, jetzt schon 40 Jahre, oder? Bisschen drüber, ja. Sehr stabil. Was bleibt mir anders über? Ja, wir sind schon sehr traurig, wenn du in Pension gehst, aber darüber reden wir heute noch nicht. Das dauert noch ein bisschen. Uwe, was mich interessieren würde, als Polizist, du hast uns auch immer wieder erzählt, was waren deine ersten Kontakte mit tschetschenischen Jugendlichen, was sind da vielleicht auch für Perspektiven von Seite der Polizei gewesen und wie hat sich das vielleicht bei dir auch verändert? Ich habe ja mitbekommen, dass du einer der ersten Polizisten in Wien warst, die sehr proaktiv quasi auch Kontakt zur Community aufgenommen haben, zur tschetschenischen. Ja, ursprünglich bin ich erst selbst am Streifenwagen gefahren. Tschetschenische Jugendliche waren ein rotes Tuch für uns. Bei jedem Einsatz, den wir gehabt haben, haben sehr oft tschetschenische Jugendliche gegen irgendeinen anderen Graf Körperverletzungen, Raubüberfälle, oft tschetschenische Jugendliche gegen irgendeinen anderen Graf, Körperverletzungen, Raubüberfälle, jedes Mal mit Messer bewaffnet, Schreckschusspistolen eingestickt oder einen Schlagring eingestickt. Dadurch haben wir natürlich alle die Jugendlichen, die wir da irgendwo angetroffen haben, als erstes aus Sicherheitsgründen für uns an die Wand gestellt, einmal durchsucht von oben bis unten, ob sie Waffen mit haben oder nicht. Wir haben sehr viele Waffen gefunden, oft genug. Ja, und das war unser Eindruck. Ich habe auch von anderen Kollegen genau dieselben Geschichten gehört. Jugendliche gehen permanent auf Konfrontation. Es gibt keinen, wo man hingeht und sagt, hey Freund, ich würde gerne den Ausweis kontrollieren, dass er Freiwilliger nachher gibt. Nein, muss ich nicht und will ich nicht. Gerade, dass man nicht rauf haben muss mit ihm. Also das waren, ich sage mal, ganz ungute Geschichten, die wir da erlebt haben. Und irgendwann, da war ich dann schon Kretzelpolizist, hat mein Telefon geläutet, hat mich ein älterer Herr angerufen, in gebrochenem Deutsch, und hat gesagt, er ist der Obmann vom tschetschenischen Kulturverein. Sie eröffnen ein Büro in meinem Reion und er möchte gerne, dass ich da zur Eröffnung vorbeikomme, weil sie möchten zur Polizei ein Bindeglied haben. Ich habe das meinem Chef gesagt. Mein Chef hat gesagt, bist du wahnsinnig, du willst da allein nicht hingehen? Soll ich da einen Zweiten mitschicken? Sag ich, nein, warum? Ich geh da alleine hin. Was soll passieren? Wenn die ungut sind, drehe ich mich um und gehe wieder. Die Omaxln werden es mir ja da nicht leisten. Bin dort hingekommen, wurde absolut toll empfangen. Ich war ärgstens verwundert, dass es Tschetschenen gibt, die wirklich freundlich sind, zuvorkommend sind, hilfsbereit und gastfreundlich. Absoluter Wahnsinn. So bin ich dann in die tschetschenische Community gekommen und habe da gemerkt, unter den Tschetschenen gibt es wirklich sehr, sehr gute Leute. Ich habe dann in weiterer Folge ein paar Jugendliche kennengelernt, Top-Leute, mit denen man wirklich reden kann und die absolut in Ordnung sind. Das heißt, Begegnungen sind sehr, sehr, sehr wichtig, auch die medialen Bilder und die Geschichte und so weiter, die man mitkriegt. Für uns ist das Wichtigste in meinen Augen, was ich auch meinen Kollegen mitgegeben habe, lernen sie einmal ankennen. Ihr kennt es nicht über alle urteilen. Lernt es auch einen kennen. Und dann kann man einmal sagen, okay, es gibt ordentliche und nicht ordentliche. Dann kann man das wirklich differenzieren. Aber nicht alle über einen kommen, sind alle mies. Nein, ist nicht. Mittlerweile hast du auch Schutz von allen Tschetschenen. Sehr viele stehen hinter mir, ja. Ich kann schon ein bisschen frech sein. Mies. Mittlerweile hast du auch Schutz von allen Tschetschenen. Sehr viele stehen hinter mir, ja. Ich kann schon ein bisschen frech sein. Auch zu Uros Martin vor allem, genau. Wie man in den TikTok-Kommentaren immer wieder liest. Und Uwe, du hast jetzt schon ein bisschen erzählt, wie deine ersten Kontakte waren und irgendwann hast du einen ganz besonderen jungen Mann kennengelernt, habe ich gehört. Achmad Uwe, wollt ihr gemeinsam vielleicht ein bisschen erzählen, wie eure erste Begegnung abgelaufen ist? Ja, die Polizeidirektion Wien hat ein Pilotprojekt gestartet zum Thema Integration. Da man wusste, dass ich schon gute Kontakte zur tschetschenischen Community habe, war es natürlich, fangen wir bei euch an. Gut, es hat dann ein paar Gespräche gegeben mit der Community und im Endeffekt dann einen Workshop im Amtshaus im 20. Bezirk. Da hat uns die Bezirksvorsteherin einen Saal zur Verfügung gestellt. Dort haben wir einen Workshop abgehalten. Da ist darum gegangen, wie kann man das Image der Tschetschenen aufbessern, das Verständnis zwischen den Tschetschenen und der Polizei verbessern. Da haben wir halt die Alten beraten und unsere Offiziere, das sind ja auch nicht mehr die Jüngsten, aber wusstet, die haben eben beraten, was können wir machen, dann haben wir Schachspielen gehen, also ein Tschetschenen und ein Polizist, da macht man ein Video draus, das wird dann gepostet auf Facebook, da hat einer schon die Augen verdreht, dann haben sie gemeint vielleicht eine Fußballmannschaft, Tschetschenen gegen Polizei, da können wir auch ein Video machen und das posten wir auch auf Facebook, bis dann eine Nachbar gereicht hat und er ist aufgestanden. So. Ja, ich habe gesagt, Leute, seid mir nicht böse, aber wo lebt ihr überhaupt? Ich habe gesagt, was für Facebook? Facebook schon gar nicht. Und ich habe gesagt, Schach spielen? Wen interessiert es, jemandem beim Schachspielen zuzuschauen? Selbst spielen ist etwas anderes. Wenn man selbst spielt mit einem Kollegen, einer Kollegin, dann macht es natürlich vielleicht Spaß, wenn man Interesse hat. 99% der Jugendlichen wissen nicht mal, wie das funktioniert. Wissen nicht mal, wozu das Brett da ist. Ich habe gesagt, wozu machen wir das? Und dann haben sie gesagt, was ist dein Vorschlag? Ich habe gesagt, ja, wir machen coole, lustige Videos und posten die auf TikTok. Ja, setz dich wieder hin. Passt schon. Habe mich hingesetzt und dann bin ich wieder aufgesprungen und habe gesagt, Leute, die Jugendlichen sind da. Ich habe extra Jugendliche geholt, damit sie in der letzten Reihe sitzen und schauen, wie 60-, 70-Jährige darüber reden, was Jugendliche brauchen. Dann haben sie gesagt, setz dich wieder hin. Und dann hat der Uwe gesagt, du komm mal nach vorne bitte. Bist ein sehr interessanter junger Mann. Bin vorgegangen, habe begonnen ein bisschen mit ihm zu reden. Auch wenn der Uwe mich nach vorne gebeten hat, auch wenn wir uns gut verstanden haben, die Erfahrung mit der Polizei war nach wie vor da. Und dementsprechend bin ich natürlich das Gespräch eingegangen und habe auch ein bisschen kritisiert, gell Uwe? Ich habe eh keine Arbeit da in Wien. Schaut einmal nach Deutschland oder nach Frankreich, da hat die Polizei eine Arbeit. Ich habe jetzt nichts anderes zu tun als Kaffee trinken und Kipferl fressen den ganzen Tag. Was waren deine aussagen nach wie vor so also ich stehe dazu und ja das ist dann so in eine kleine diskussion ausgeartet aber ich muss sagen das erste mal dass ich einen polizisten sowas gesagt habe und keine 150 euro strafe oder paar schläge bekommen oder sonst irgendwas sondernes Gegenargument. Und das hat mir gefallen. Ich habe ein bisschen Gefallen daran gefunden. Da habe ich zurückgehauen, er hat zurückgehauen, da war die Zeit schon vorbei. Aber unsere Diskussion noch nicht, wie der Uwe immer so schön sagt. Und hat seine Visitenkarte da gelassen und gesagt, du, wir diskutieren das noch aus. Wir treffen uns noch auf ein, zwei Cafés und wir diskutieren das aus. Okay? Passt. Super. Da haben wir uns getroffen und ich habe die Diskussion gewonnen. Ja. Dann haben wir uns noch ein zweites Mal getroffen. Da haben wir dann schon überlegt, was wir für Jugendliche machen können. Und dann ein drittes Treffen, da war dann der Fabian mit dabei und da hat sich dann das entwickelt, dass wir eben Videos auf TikTok für Jugendliche machen, wo wir deren Fragen beantworten. Weil wir mittlerweile auch von Fabian gewusst haben, die Jugendlichen haben einfach Fragen, was darf ich, was darf ich nicht und so weiter. Und da haben wir dann eben dieses Format entwickelt. Genau, und die Diskussion geht bis heute weiter. Wir haben bei der Herfahrt im Auto schon viel diskutiert. Was mich noch interessieren würde, ihr habt so zwei schon wirklich sehr verschiedene Perspektiven. Und Achmed, natürlich arbeitet das nicht für die Polizei, aber wir arbeiten mit dem Uwe gemeinsam. Wie schafft ihr das, diese zwei Perspektiven zusammenzubringen und gemeinsam zusammenzuarbeiten, ohne dass ihr euch einen Schädel einschlagt gegenseitig? Im Großen und Ganzen, wenn jeder noch so viel Hirn hat, kann man darüber reden, man kann diskutieren und ganz was wichtig ist, eine andere Meinung einfach stehen lassen. Wenn ich nicht derselben Meinung bin, denke ich mir momentan, okay, er ist dieser Meinung und lasse die einfach stehen, fertig. Und er macht es genauso bei mir, wenn wir nicht derselben Meinung sind, lasst das auch einfach im Raum stehen. Natürlich versucht ja jeder zu erklären seine Argumente, warum er das so sieht. Der andere genauso. Aber im Endeffekt, die Meinung bleibt stehen. Und genau so kommt man einfach aus miteinander. Man kann auf Augenhöhe reden. Und eines ist ganz wichtig, zu treffen. Und all dem haben wir beschlossen, dass wir sagen, das Wichtigste für uns ist, dass alle Menschen gleich viel wert sind. Komplett egal, wo sie herkommen, woran sie glauben oder wie sie ausschauen, wie auch immer, dass wir jedem Menschen auf Augenhöhe begegnen werden und dass für uns einfach der Respekt zueinander, seine Kultur, seine Religion, genauso meine Kultur, meine Religion, er respektiert und ich seine. Somit hat sich das. Und das funktioniert bis heute. Das Einzige, was ich respektiere, aber wo es mir trotzdem bis heute schwerfällt und ich ein paar Schläge in den Magen bekomme, also geistige Phantomschmerzen im Magen, habe ich immer wegen seinen Aussagen. Manchmal, wenn er so Aussagen sagt, um die Polizei zu wecken, denke ich, aber hat er wahrscheinlich auch, wenn ich sage, oder Uwe? Absolut. Genau, und ihr seht es jetzt eh, was auch sehr hilfreich ist, ist ein guter Schmäh, Humor. Wenn man gemeinsam darüber lachen kann, dann schaut die Welt schon ganz anders aus. Edith, wir haben jetzt die Perspektiven vom Achmad und vom Uwe gehört. Im Buch kommen ja noch mehrere Perspektiven dazu. Also wir haben ja auch geredet im Vorfeld, du hast auch mit dem Vater vom Achmad gesprochen, mit der Schwester von Ahmad gesprochen, unter anderem. Wie schafft man es, diese verschiedenen Perspektiven in einer Geschichte zusammenzuführen? Wie funktioniert das? Also ich habe ja, wir haben ja insgesamt drei Jahre an dem Buch gearbeitet und da gab es dann Phasen, wo ich wirklich Wochen, Monate lang mit der Geschichte, mit dem was wir geredet haben, alleine war und in der Früh damit aufgestanden bin und den ganzen Tag im Kopf die verschiedenen Perspektiven durchgegangen bin, mich gefragt habe, wie war das für den Vater, wie war das für die Schwester, den Ahmad dann wieder gefragt habe, eben auch mit Ahmads Vater und verschiedene Perspektiven auch die vom Fabian, vom Jugendsozialarbeiter und dann auch vom Uwe später eingeholt habe und versucht habe, die dann auch zu einer Geschichte zusammenzufügen. Ich glaube, dass das wird dann auch im Buch, wenn man das liest, so sein, dass man immer wieder die Perspektiven wechselt, weil das ist das, was ich dann auch beim Schreiben gemacht habe. Ich würde vielleicht da gerne sogar eine Stelle vorlesen, die für mich so eine ganz markante Stelle ist, wo der Vater und der Sohn, also Ahmad und Ahmads Vater, zusammentreffen. Sie müssen sich vorstellen, das war jetzt, nachdem der Ahmad am Busbahnhof in Graz im Begriff war, in den Bus nach Syrien einzusteigen. Und die Rekrutierer sagen zu ihm, er darf noch einen Anruf tätigen und er meldet sich bei seiner Schwester, die immer schon seine Vertrauensperson seit Kindheit an war. Und die Schwester schafft es, ihm den Standort zu entlocken, mit dem Versprechen, ihm Geld zu geben. Und da waren noch drei Stunden Zeit und die haben genügt, um dem Vater zu ermöglichen, ins Auto zu springen, nach Graz zu rasen und den Ahmad dort abzuholen. Und dann gibt es eine Fahrt zurück nach Wien. Der Ahmad sitzt da im Auto, total wütend, schaut, dass er nie den Blick des Vaters im Rückspiegel trifft. Und dann kommen sie nach Wien und er sperrt die Wohnung auf. Und dann sagt er noch zu Ahmads Mutter, sie soll den jüngeren Bruder nehmen, die Wohnung verlassen. Und das lässt sich vor. Der Ahmad denkt sich, jetzt fängt das jüngste Gericht an. Jetzt gibt es so ein Donnerwetter, oder vielleicht kriegt er das erste Mal im Leben richtig Prügel. Und das ist jetzt die Stelle. Der Vater schiebt ihn ins Wohnzimmer. Ahmad setzt sich im Schneidersitz auf den Teppich. Der Vater, ebenfalls im Schneidersitz, ihm gegenüber. Ahmad, beginnt der Vater. Ja, sagt der Sohn, ich will dir nichts Schlechtes. Ich werde dich nicht zusammenscheißen. Ich werde dich auch nicht schlagen. Sieh das hier so, als wäre ich in deinem Alter oder du in meinem. Du bist nicht mein Sohn und ich bin nicht dein Vater. Wir sind hier auf Augenhöhe und reden. Alles kommt zur Sprache. Ahmad erzählt von der Schule, den Tagen und Wochen auf der Straße, von seinem kriminellen Doppelleben und seinen Erfahrungen mit der Polizei. Davon, wie es ihm im Gefängnis gegangen ist. Er spart nichts aus. Das Gespräch kommt auf Beziehungen, Familie, auf die Religion und den Koran, auf den Krieg und den Dschihad, auf Achmads Gründe nach Syrien aufzubrechen. Der Vater hört aufmerksam zu. Erst als der Strom an Gedanken und Worten seines Sohnes schwächer wird und schließlich versiegt, hebt er zu einer Predigt an. Sie ist flammend. Als das Gespräch sich zu Ende neigt, alle Standpunkte ausgetauscht sind, Sie ist flammend. wirst du sie akzeptieren, egal wie schwer es ist, sagt der Vater. Dann unterbreitet er dem Sohn ein Angebot. In einer Moschee, die vor allem von Zitinen besucht wird, solle er, Ahmad, bei einem bestimmten Imam drei Monate lang Kurse besuchen, den Prediger alles fragen, was ihm unklar ist, sich mit allem, das ihm unter den Nägeln brennt, beschäftigen. Beharre er danach weiter darauf, nach Syrien zu fahren, würde er, der Vater, ihm die Reise erlauben und von A bis Z finanzieren. Niemand werde davon erfahren. Ich schwöre bei Gott. Bis zu diesem Tag hielt der Vater stets Wort, seine Aufrichtigkeit steht außer Zweifel. Schauen wir uns das an, denkt Ahmad. Er schlägt ein, vor ihm liegt eine offene Zukunft, eine Reise in die Ungewissheit. Er wird sich auf den Weg machen und den Zweifel kennenlernen. Weil der Vater ihm vertraut, an ihn glaubt und ihm die Wahl lässt. Ahmad schaut auf die Uhr. 13 Stunden sind vergangen, seit der Vater sich mit dem Sohn am Teppich des Wohnzimmers niederließ. Sie werden Ahmad als die 13 wichtigsten Stunden seines Lebens in Erinnerung bleiben. Danke dir, Edith. Warum findest du diese Stelle so wichtig oder warum findest du diese Stelle so spannend? Welche Bedeutung hat sie für dich? Sie ist eigentlich die Wende, sie ist eine unglaubliche Gratwanderung. Man muss sich vorstellen, der Vater, der mit der Familie aus Sizilien geflüchtet ist, um sie vor dem Krieg zu retten, um ein Überleben zu ermöglichen, hat dann einen Sohn, der sich in so eine Kriegszone begeben will. Und er weiß, er wird ihn verlieren, wenn er ihn einfach nur zusammenscheißt, wenn er einfach nur sagt, bist du irre. sagt, bist du irre. Und dieses Vater-Sohn-Gespräch ist für mich so eines der intensivsten Momente in diesem Buch. Ich habe nicht jetzt alles vorgelesen, weil es sonst zu lang wäre, aber es gibt auch die Situation, wo der Ahmad und sein Vater dann zwischendurch nebeneinander beten, Schulter an Schulter und dieses am Teppich sitzen und miteinander reden, in so einer Aufrichtigkeit und nicht weggehen, auch wenn es weh tut, über alles reden, über den Krieg, auch sicher Sachen, die dem Vater extrem weh getan haben. Und dass der Vater dann zum Sohn sagt, ich glaube dir und du wirst das machen, das war für mich irgendwie quasi der Turning Point in dem Buch. Also ich als Jugendsozialarbeiter habe sehr viel gelernt, auch vom Achmar, seinem Vater. Sehr, sehr stabiler Typ, kann man echt nichts sagen. Uwe, ich würde an dich weitergeben, weil wir gerade beim Lesen sind. Magst du uns deine Lieblingsstelle vorlesen im Buch und vielleicht auch erzählen, warum dir die so wichtig ist? unsere Videos, die wir machen, vor allem mit der Genehmigung, bei unserer Besprechung, wo du mit dabei warst, da ist dann darum gegangen, schießen wir einen Piloten. Sprich, wir machen ein ganz kurzes Video, das stellen wir ins Netz, einmal nur um zu sehen, schauen sich die Jugendlichen überhaupt an oder nicht. Wenn nicht, dann sparen wir uns viel Arbeit, dann können wir das Projekt vergessen. Wenn doch, okay, dann machen wir weiter. Wir sind da in einen Innenhof von einem Gemeindebau gegangen also ein kinderspielplatz und sind wir hingegangen wir haben uns begrüßt wie waren die worte ich habe dich gefragt ob er mein bester was geht du hast gesagt alles was zwei beine hat wenn es eins hätte müsste es hüpfen naja genau so und das war das ganze Video. Hat gedauert sieben Sekunden oder so. Ins Netz gestellt und ja. Jetzt geht's los. Das inhaltlich völlig belanglose Versuchsvideo schlägt sofort ein und erzielt 70.000 Klicks. In der Polizeidirektion bekommt man davon Wind. Eikloa, ich habe mich nicht vorher darum angesucht, dass ich das machen darf. Ein Oberst meldet sich bei Uwe, es müsse gelöscht werden. Uwe ist auf 180. Ich glaube, das ist ein bisschen untertrieben. Da bemüht er sich, etwas Sinnvolles aufzubauen, startet nur einen Versuch, bei dem außer einer Begrüßung nichts passiert, nur um zu testen, ob die Videos ankommen. Bereits das erste Hip-Hop. Und dann wirkt man das Vorhaben von oben gleich wieder ab. An diesem Punkt könnte Cop und Che Geschichte zu Ende sein. Bevor Achmed und Uwe überhaupt losgelegt haben. Doch der Steirer, das bin ich, verhält sich nicht so, wie man es von einem Beamten in den unteren Chargen erwartet. Er meldet dem Vorgesetzten nicht, dass er die Botschaft verstanden hat, um danach Achmed anzurufen und ihm mitzuteilen, dass es ihrem TikTok-Projekt leider nichts wird. Uwe macht etwas Ungehöriges. Er legt sich quer. Nein, das kann es echt nicht sein, sagt er. Es folgen dann Telefonate mit allen möglichen Stellen. Uwe will nicht nachgeben. Die für Öffentlichkeitsarbeit zuständige Kollegin lässt sich erweichen. Schick mir den Link, ich schau mir das an. Ich ruf dann zurück. Kurze Zeit später läutet das Telefon. Naja, da ist wirklich nichts Problematisches zu sehen was das im netz uwe fällt ein stein von herzen doch es dauert trotzdem erst noch ganze fünf monate bis die polizeidirektion grünes licht für ein erstes Cop-on-G-Video gibt. Das war aber nur so, die haben gesagt, okay, macht einmal eines und schickt es dann hinein zur Begutachtung. Da war von Veröffentlichung noch keine Rede. Das hat dann noch einmal drei Monate gedauert, bis das erste 45 Sekunden Video, in dem wir uns beziehungs. das Format vorgestellt haben, auf Sendung bringen durften. Hat mittlerweile 380.000 Aufrufe oder so. Also ein paar schauen sich das an. Warum ich das jetzt vorgelesen habe? Mir geht es darum, setzt euch ein Ziel. Wenn irgendeiner da von oben sagt, vergiss es, nein, mag mich nicht, nein, so ist es nicht. Es gibt immer einen Weg, bemüht euch, steht dahinter und es wird funktionieren. Und speziell, wenn man in einem Team ist, wird es funktionieren. Wenn man sich nur vorstellt, das ganze Team geht aufs Glatteis. Wenn nur jeder den anderen mit einer Hand hält, wird es keinen auf die Pfeifen hauen. Und so war es bei uns. Es funktioniert. Wir sind ein tolles Team, arbeiten spitzenmäßig das Ergebnis auf TikTok, Instagram und da vor allem schaut es sich an. Stabil, danke dir Uwe. Gesprochen wie ein Löwe, oder? Wow. Ahmad, last but not least, magst du uns deine Lieblingsstelle im Buch vorlesen oder die Stelle die dir am wichtigsten ist und uns ein bisschen dazu erzählen warum sie so wichtig für dich ist wenn das Mikro eingeschaltet ist ja die Stelle die ich jetzt vorlese hat sehr sehr viel mit der aktuellen Politik in Österreich zu tun. Hamdoulila noch nicht aktuell, aber die Wahlen, wie sie ausgegangen sind, wissen wir ja alle, wer gewonnen hat, die Wahlen, wer der neue Volkskanzler werden soll, Bundeskanzler, Entschuldigung. Und dementsprechend habe ich auch sehr viel von den Jugendlichen mitbekommen, dass es so eine gewisse Ungewissheit, Unsicherheit gibt. Was wird mit uns passieren? Wir haben weder die Staatsbürgerschaft noch irgendwas anderes. Werden wir jetzt abgeschoben? Wir leben seit zwölf Jahren, 15 Jahren, 20 Jahren hier. Was passiert mit uns weiter? Was tun sie uns an? Und dementsprechend habe ich dann die Stelle rausgenommen, weil ich kenne das Gefühl sehr, sehr gut. Vor allem Leute aus dem Kaukasus oder aus Afghanistan, aus Syrien oder aus dem Irak kennen dieses Gefühl sehr gut. Und ja, das lese ich euch jetzt mal vor. Und genau. Verdammt, wann passe ich euch? Nur wenige Menschen können ermessen, welcher Druck auf den rebellischen Jungen Tschetschenen lastet. Allen Seiten zu genügen, ist schlicht unmöglich. Ich bin kein Österreicher, sagt Ahmad, sondern ein Wiener mit tschetschenischen Wurzeln. Seine Stadt erscheint im Wienarnia, das magische Universum aus den sieben Büchern der Fantasy-Serie von Clive Staples Lewis. Es ist eine Welt, die es gar nicht gibt und jedenfalls ist Wien für Ahmad nicht Österreich. Nach wie vor nicht. Jedenfalls ist Wien für Ahmad nicht Österreich. Nach wie vor nicht. Im April 2023, noch vor der Hochzeit, schreibt er sich das Gefühl, nirgends richtig zu sein, roh und ungefiltert von der Seele. Und das ist halt jetzt der Teil, den ich jetzt lese. Das ist ein Text, den ich selber geschrieben habe, beziehungsweise auch heruntergetippt habe, als ich gerade in so einer bisschen schwierigeren Situation war. Früher sagte man immer, wird einem die Rücke in die Heimat verwehrt, man diese ganz besonders verehrt. Was ist an dieser Redensart dran? 20 Jahre ist es her, dass ich die Heimat gesehen habe. Mehr als 3000 Kilometer war ich entfernt, als meine Großväter verstorben sind, ohne sie ein letztes Mal in den Arm nehmen zu können. Hilflos habe ich mitbekommen, dass mein Onkel jahrelang im Gefängnis gefoltert wurde, und das jeden Tag, ohne ihm beistehen zu können. Ich bin in Trauer, nachts mit einem Malzgetränk neben mir, an der Donau gesessen und habe um meine Cousins geweint, die im Ukraine-Krieg ihr Leben lassen mussten. 3000 Kilometer von meiner Heimat entfernt, auf der Suche nach einer neuen Heimat, habe ich unschuldig sieben Monate und 16 Tage als 14-Jähriger in einem Gefängnis sitzen müssen für ein, verzeihen Sie bitte, es sind Fehler in den Ermittlungen unterlaufen. 3000 Kilometer von meiner Heimat entfernt habe ich mir jeden Tag anhören müssen, wie kriminell, böse und gewaltbereit ich sei, weil ich aus Tschetschenien stamme. Trotz allem habe ich nach vorne geblickt und gehofft, eines Tages werde ich akzeptiert als ein Teil von diesem wunderschönen Land. Wenige Menschen kennen das Gefühl, um die Existenz fürchten zu müssen. Und dass all das, was man sich in 20 Jahren aufgebaut hat, morgen schon umsonst sein könnte, wenn gewisse Menschen an die Macht kommen. Ich bin ein Mensch, der mit den Zeilen Österreich. Ich verbinde viel Schlechtes, aber auch viel Gutes mit dir. Es ist eine komplizierte On-Off-Beziehung zwischen uns beiden. Dank dir habe ich vier Sprachen gelernt, habe gelernt, wie man Wurzeln zieht und nicht die Hoffnung zu verlieren. Egal wie schwer es ist, du bist mein neues Zuhause, das mir die Sicherheit gewährt, den morgigen Tag zu erleben, ohne um meine Freiheit fürchten zu müssen. Und heute sage ich immer, die Heimat jeden Menschen prägt, weil jeder sie immer in sich trägt. Genau, das war der Text, den ich geschrieben habe. Und was ich damit sagen will, ich kenne das Gefühl, diese Ungewissheit zu haben und diese Ohnmacht zu verspüren, was passiert, wie geht es weiter. Aber ich habe in meinem Leben sehr, sehr viele Leute getroffen, unter anderem auch die Leute, die um mich herum sind. Angefangen beim Christopher, bis zu Edith, Uwe, Fabian und viele andere, die das Gefühl einfach geben, du bist nicht alleine. Dass sie jetzt von heute auf morgen kommen und sagen, du wirst jetzt abgeschoben, dass sich das nicht spielen wird und dass sie zu 100%ig hinter mir stehen werden und mir dabei helfen werden. Und das möchte ich auch allen sagen, die diese Ungewissheit haben. Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht, um das zu verhindern und solidarisch mit euch sein, weil wir verlangen das auch von euch, wenn uns so etwas widerfährt. Und wir kennen es ja von den Klimaklebern, das ist ein Angebot, das ich immer mache. Wenn jemand von euch abgeschoben wird, genauso wie die, werden wir uns vor die Polizeistation picken und von dort nicht weggehen. Stabil. Danke dir, lieber Ahmad. Das heißt, Zusammenhalt ist so ein bisschen auch die Message. Danke euch allen. Das war jetzt so der formale Teil der Lesung, den wir vorbereitet haben quasi. Jetzt wäre Zeit für eure Fragen, Statements, Kritik auch sehr, sehr gerne. Ich glaube, hier gibt es ein Handmikro. Genau. Bitte ins Mikro reden dann, dass wir den Ton haben. Und ich habe noch ein zweites. Das heißt, wir sind sehr gespannt. Dankeschön. Danke erstmal für die tolle Veranstaltung. Ich finde es sehr spannend. Was mich interessiert ist, weil ja das erste Video erstmal von der Polizei hat bewilligt werden müssen, wie das jetzt eigentlich abläuft, ob die jedes Video vorher sehen und freigeben müssen. Ja, wie gesagt, der Fabian sucht die Fragen aus, die schickt er mir. Ich arbeite die Fragen aus, alles was rechtliches anbelangt und so weiter, wird ausgearbeitet. Dann schicke ich einmal den fertigen Katalog in die Direktion. Da wird einmal drüber geschaut, dann wird gesagt, okay ja passt. Manche antworten die vielleicht doch sagen möchte, sagen sie nein, das, ja, passt. Manche antworten, die ich vielleicht doch sagen möchte, sagen, nein, das ist ja ein bisschen anders, das klingt nicht so gut. Okay, machen wir. Dann werden die Videos gedreht, die werden dann wiederum in die Direktion geschickt, werden dort noch einmal begutachtet und dann kriegen wir die Freigabe dafür. Also komplizierte Spiele. Magst du noch ergänzen, Ahmad? Nein, ich weiß nur, dass es sehr, sehr anstrengend ist, die Freigabe dafür. Also kompliziertes Spiel. Magst du noch ergänzen, Ahmad? Nein, ich weiß nur, dass es sehr, sehr anstrengend ist, was alles, was mit der Polizei zu tun hat. Wirklich, ist aber so, oder? Verdammte Videos dauern sogar Wochen. Die ersten, ja. Jetzt geht es ja schon besser. Mir ist noch wichtig dazu zu sagen, Jungs, sorry, der Deal mit der Polizei ist keine Zensur. Das heißt, was der Uwe sagt, muss natürlich abgenommen werden, weil Gesetzestexte in Form von TikTok-Videos zu übertragen, ist wirklich nicht so easy. Also wirklich großen Respekt an den Uwe, wie er das macht. Das ist echt der Wahnsinn. Aber natürlich bei 30 Videos, die wir in einer Session aufnehmen, sind zwei, drei, wo halt irgendwas nicht ganz genau passt. Und es gibt Juristinnen bei der Polizeidirektion, die sehr genau sind Session aufnehmen, sind zwei, drei, wo halt irgendwas nicht ganz genau passt. Und es gibt halt Juristinnen bei der Polizeidirektion, die sehr genau sind. Aber das, was der Ahmad sagt, ist das, was der Ahmad sagt. Sonst würde ich es gar nicht machen. Genau. Danke dir. Herr Ruwe, Sie haben letztens ein Video geschickt, wo Sie bei Achmat gegessen haben, chinesisches Essen. Hat es das gefallen oder nicht? Wenn man da her schaut, dann weiß man, es hat gefallen. Nein, das war wirklich Weltklasse. Gajnaš, oder? Selten so gut gegessen. Gajnaš, Mantisch, was gab es noch? Olivier haben wir gemacht. Man muss schauen, es gab Karottensalat, was gab es? Nachspeise, Pirognis gab es, Torten. Beim Rausgehen habe ich gerade knapp alle vier gebraucht, dass ich im Bauch tragen kann. Aber spitzmäßig. Danke. Zunächst einmal Hochachtung, Frau Meinhardt, wenn ich einen Hut auf hätte, würde ich ihn ziehen, weil ich verfolge ihre arbeitsjournalistische Tätigkeit seit Profilzeiten schon. Sie waren immer schon eine kritische, aufklärerende Stimme und auch euch beiden mein Respekt, vor allem, dass man Mut hat, so detail-hochpersönliche, auch intime Sachen in die Öffentlichkeit zu tragen und dadurch eine Diskussion anzustoßen. Da braucht es sehr viel Mut. Auf uns selber, jetzt sage ich bewusst uns selber, ich habe selber auch Migrationshintergrund, auch ich selber habe Diskriminierungserfahrungen gemacht und ich stelle mir schon auch immer wieder die Frage, warum es gewisse Nationalitäten und Menschen aus Kulturkreisen und vor allem islamischen Ländern betrifft. Und da erkenne ich dann schon auch, dass es etwas mit unserer Art der Religion, wie sie gelebt und interpretiert wird, die Exegese zu tun hat. Und wir wissen, dass der Islam in Tschetschenien erst ungefähr seit 200, 250 Jahren existiert und dass vor allem der salafistisch-wahhabitische Islam einen sehr großen Einfluss auf das islamische Leben und auf die tschetschenische Gesellschaft genommen hat. Gepaart mit den Kriegserfahrungen, den traumatischen Erfahrungen, mit der Exegese, einer Theologie der Verachtung, der der Salafismus zweifelsohne ist, ist es für mich persönlich gesehen schwer bis denkunmöglich, hier das mit demokratischen Werten und einer Gesellschaftsordnung in Eingang zu bringen. Und ich glaube, jeder von uns, gerade die muslimischen Männer, sollten die Ehre der Mutter, der Frau oder der Schwester nicht zwischen den eigenen Beinen suchen, sondern durch ihr eigenes Verhalten. Wir sind alle, die Kinder und Jugendlichen, die hier drinnen sitzen, wir sind alle Botschafter unserer Länder, wir sind alle Botschafter unserer Kultur, wir sind alle Botschafter auf unserer Religion und für unser eigenes Verhalten sind wir selber verantwortlich. Und wenn wir das Wissen haben und das Selbstbewusstsein, welche reiche Kultur wir haben, dass wir auch eine Theologie leben können und die gibt es im Islam, die das humanistisch-ethische in den Vordergrund stellt, dann liegt es an uns, dass wir das aufgreifen. Und es ist wichtig, dass wir, wenn wir in den Moscheen Imame, Prediger aufsuchen, dass wir jenen den Gehör schenken und jenen in den sozialen Netzwerken, die die humanistischen Werte in den Vordergrund stellen und nicht eine Theologie der Verachtung von sich geben. Daher erstes Gebot des Korans, lese und benutze deinen Verstand, wenn du das nicht machst, wird alles Schlechte über dich hervorwiderfahren. Das ist Lokmansure 100. Daher, wir sind alle Botschafter, ich finde es super, was ihr da macht miteinander und der Austausch und der Dialog ist ganz, ganz wichtig, aber leider Gottes muss man auch so realistisch sein, dass mit leider Gott nicht wenigen der Dialog sehr, sehr schwierig bis unmöglich ist und da müssen wir gemeinsam daran arbeiten. Danke. Dankeschön. Ich habe eigentlich nicht gewusst, dass wir jetzt eine Religionsdebatte hier anstoßen wollen. Wollen wir das? Es geht nicht unbedingt um eine Religionsdebatte, sondern ganz kurz, also Dankeschön, sehr, sehr schöne Worte, kann ich auch größtenteils zustimmen, aber ich lehne diese Begriffe Wahhabismus und Salafismus komplett ab, weil ich sage selber, ich folge den Salaf, die beste Generation, die nach dem Propheten Mohammed s.a.w. kommt, ich folge denen und wenn jemand so Begriffe, vor allem Leute, die sich selber Muslime nennen und andere Muslime als Salafisten bezeichnen, das stört mich halt unnormal. Also von daher würde ich sagen, nicht böse gemeint, man sollte ein bisschen schauen, wo kommen diese Begriffe her, wer hat diese Begriffe für uns erfunden, um uns zu diffamieren, um uns in Schubladen zu stecken. Aus dem Grund lehne ich diese Begriffe ab. Ich sage, Leute, die gegen ein Zusammenleben, gegen Menschlichkeit sind, die verurteile ich nicht als Wahhabiten, Salafisten, Sufis, Shia oder sonst irgendwas, sondern sage, das sind Menschen, mit denen muss man arbeiten. Ganz einfach. Ich arbeite mit Leuten, die sagen, heute noch Daulat al-Islam barriere. Das heißt, der islamische Staat wird bestehen bleiben für immer. Mit solchen Leuten arbeite ich heute noch. Und ich komme super mit denen aus. Anfangen sie zu mir zu sagen, du bist ein Käfer, du bist ein Ungläubiger. Weil du das machst, was du machst und IS ablehnst. Sag ich, tamam, ist gut. Du sagst das so, wir kommen ins Gespräch, religiöse Debatte, dann geht es eh schon langsam so auf die soziale Ebene. Der hat schlechte Erfahrungen in der Schule gemacht, mit Eltern gibt es Probleme und dies und jenes. Arbeiten das auf, dann auf einmal dieser potenzielle Feind wird ein bester Freund. Aus dem Grund, man muss einfach nur mit den Leuten reden. Einfach nur sprechen und selber diese ganzen Bilder, die man im Kopf hat, über bestimmte Gruppierungen oder Begrifflichkeiten, alles beiseite legen und auf neutralem Boden miteinander reden. Wenn man voreingestellt auf Leute zugeht, ist genau das Gleiche, was sie bei uns machen, seine Kolleginnen und Kollegen. Und sobald es strafrechtlich relevant wird, gibt es hier die Polizei. 1-3-3. Ist aber eine geheime Nummer, gehört nicht weiter. Achmad, ich habe eine Frage an dich. Wie lange kennst du schon Uwe? Sind schon mittlerweile zwei Jahre, gell? Sogar ein bisschen mehr, zweieinhalb. Zweieinhalb, ja. Zweieinhalb Jahre. Oh, passt. Ich wollte nur wissen, wie haben denn deine Freunde oder dein Umfeld darauf reagiert, dass du jetzt auf einmal Videos mit einem Polizisten machst? Ich meine, über die Antwort werde ich wahrscheinlich geschockt sein. Die haben gesagt, was machst du da überhaupt? Wie kommst du überhaupt auf die Idee, sowas zu machen? Mit einem Bullen? Haben gesagt, bist du behindert im Kopf? Haben gesagt, bis jetzt hattest du nur Probleme mit denen. Du bist Tschetschene. Wie kannst du mit einem Polizisten Videos machen? Und ich habe gesagt, ja Leute, wir machen nur Aufklärungsvideos. Ich habe gesagt, ich gebe ihm keine Informationen über irgendwelche Leute oder verpfeife irgendwelche Menschen bei ihm. Ich sage, das würde ich nicht einmal im Traum übers Herz bringen. Und die haben dann anfangs gesagt, ja, wir wissen nicht und wenn man zu viel mit denen abhängt, dann nimmt man ein paar Sachen von denen und so weiter und so fort. Und ja, die haben gesehen, was wir tatsächlich vorhaben, wie es seinen Lauf genommen hat, das ganze Projekt und wie viel Mehrwert, beziehungsweise wie viel Aufklärungsarbeit dahinter steckt, haben sie einfach dann selber begonnen, Fragen zu stellen. Und haben gesagt, Amo, du hast ja diesen Kollegen, diesen Uwe, frag ihn mal wegen Autostraostrafe ich habe da unter autostrafe bekommen jetzt ist mittlerweile so hallo also ich wollte fragen wie ihr euch kennengelernt habt. Ich glaube, das hast du ein bisschen verpasst, du bist später reingekommen. Bisschen später reingekommen, ja. Ganz kurz, willst du? Oder nein, ich kürze das ab. Streich mir ein Teil raus und geht schon. Wir haben uns auf so einer Veranstaltung von der Polizei geti getroffen da war der uwe da und ich war da und tschetschenische community also der kulturfan und die polizei und wir haben darüber geredet wie kann man das image der tschetschen bei der polizei und das image der polizei bei den tschetschenen aufpolieren das heißt wie kann man irgendwie sich einander dazu bringen sich zu verstehen und miteinander auszukommen. Und ja, dann gab es Vorschläge, ich habe die kritisiert und Uwe hat mich entdeckt, hat gesagt, komm nach vorne. Ich habe mit ihm gesprochen, ich habe ihn kritisiert, habe gesagt, ihr fährst den ganzen Tag nur herum, frisst Kipferl und trinkt Kaffee. Und er hat gesagt, dem ist nicht so, wir haben diskutiert und ja, so sind wir dann Freunde geworden, gell Uwe? Und er hat gesagt, dem ist nicht so, wir haben diskutiert und so sind wir dann Freunde geworden. Mittlerweile haben wir gemeinsam gegrillt und gut gegessen. Ich habe eine Frage an den Uwe. Wie viele so Projekte gibt es in Österreich? Also dieses Projekt, so wie wir es machen, ja, mit den Videos auf TikTok gibt es weltweit nur unseres. Gut. Achmed hat einen großartigen Vater. So einen Vater würde ich wünschen allen Jugendlichen. Ich hätte gerne für eine persönliche Statistik jetzt drei Fragen an die Anwesenden. Wie viele politisch tätige Personen sind hier anwesend? Die mögen bitte aufstehen. Wie viele Polizeischüler sind hier? Wie viele Polizisten aus der Uwe? Das ist leider ein österreichisches Problem, das für gewisse Probleme sehr wenig Interesse herrscht. Das hat meines Erachtens auch damit zu tun, dass Österreich eine schwarz-braun-blaue Landschaft hat und zwar überwiegend, muss man sagen. Und so Projekte wie in Wien sind also außergewöhnlich und einzigartig. Danke. Wir wissen, wie die Community reagiert hat. Aber wie haben deine Kollegen reagiert, Uwe? Ja, ein Teil davon hat es sehr gut befunden und ein Teil davon war es einfach burscht. Wirklich negative Rückmeldungen habe ich keine einzige bekommen. Also es funktioniert. Ich möchte gerne etwas sagen, ich mag mich ein bisschen aufregen. Und zwar mag ich dich bitten, Uwe, du hast ganz am Anfang über die Erwachsenen gesprochen. Und ich habe mich da drinnen nicht gefunden, weil auch wir Erwachsene sind differenziert. Und es gibt Menschen, die sich ganz intensiv auseinandersetzen mit diesen Problemen. Und wir sind nicht alle hinterwürtlerisch. Also mir ist dieses Anliegen ganz wichtig. Und es gibt viele respektvolle Erwachsene, die auch versuchen, ganz so gut wie möglich zu unterstützen die Menschen, die Migrationshintergrund haben. Weil wir alle haben eigentlich Migrationshintergrund, irgendwann einmal. Danke. Dankeschön. Ich habe es eh auch dazu gesagt, dass es natürlich Leute gibt, die euch unterstützen und die hinter euch stehen und alles drum und dran. Aber danke Ihnen vielmals und ich bin auch noch nicht Uwe. Alles gut. Ich habe euch schon in Wien gehört, bei der Romana im Buchcafé. Ja, genau. Und mich hat das Buch einfach weiter beschäftigt und auch, man, die hätte noch eine Frage, weil diese Szene, wo beschrieben wird, dass du halt in die ES-Szene reinrutschst und diese Filme siehst und deine Eltern eigentlich nichts mitbekommen haben davon. Ich arbeite im Sozialbereich, wie können wir die Jugendlichen, wo können wir es sehen? Wo können wir es schneller spüren? Wo kann man es abholen? Weil die Propagandavideos, wie man es liest, man vielleicht beschreibt es, wenn du zu lieb wärst, machen was mit einem. sagt, eine bestimmte Gruppierung vertritt eine Meinung, die mir auch persönlich gefällt, wo ich dahinterstehen kann. Aber das alleine reicht nicht. Man sagt, okay, diese Meinung, wir sind gleicher Meinung, ich finde die Gruppe cool, aber um dazu zu gehören, beziehungsweise mit denen mitzumachen, auch sich für Sachen überreden zu lassen, gehört dann eine gewisse Gehirnwäsche dazu. Und da sind die videos dann so mit islamischen gesang also anna schied genannt darunter gestellt und ähnliche kriegs videos oder videos wo leute mit diesen ganzen symbolen sitzen gemeinsam tee trinken und das harmonische und auf so wie soll ich sagen so basis der gefühle arbeiten von den mens. Weil das hat ja nur was mit Gefühlen zu tun. Jemand mit Verstand, mit Scharfsinn, weiß ja ganz genau, dass sowas Unsinn ist. Mittlerweile ja, früher nicht. Und da war halt so der Punkt, für mich persönlich, durch die Videos ist es nur stärker geworden. Ein Grundgedanke war da, mir hat die Gruppe hier rumgefallen, weil sie genau das, was bei mir gedrückt hat, der Schuh, dieses Rache-Gefühl, an Russland Rache zu nehmen, für das, was sie meinem Onkel und anderen Leuten angetan haben von mir, das Volk, das sie von mir ausgerottet haben, die Geschichte, die sie von unserem Volk vernichtet haben, aus dem Grund war die Rache da. Und der andere Punkt war natürlich, so das Leben eines Versagers im Gefängnis, aus der Schule, also rausgeschmissen worden, da Anzeige, dort Anzeige, da dies, da jenes. Da habe ich mir gedacht, was mache ich noch? Ich habe sicherlich keine Zukunft mehr in Österreich. Ich habe mir gedacht, in einem anderen Land wäre es wahrscheinlich anders. Aber in Österreich sind ja sehr pinkelig, was solche Sachen angeht. Leumundszeugnis, auch wenn du nur aufs Klo gehst. Und es ist aber wirklich so. Und so habe ich mir gedacht, gibt es nichts, kann ich alles aus dem Fenster werfen und das Einzige, was ich tun kann, dann religiöser Aspekt natürlich, ich kann als Märtyrer fallen. Wenn ich als Märtyrer falle, entkomme ich am Tage des jüngsten Gerichts, woran die Muslime halt glauben, Aspekt natürlich, ich kann als Märtyrer fallen. Wenn ich als Märtyrer falle, entkomme ich am Tage des jüngsten Gerichts, woran die Muslime halt glauben, da entkomme ich dieser Befragung. Also die Befragung im Sinne von, warum hast du dies gemacht, warum hast du jenes gemacht. Und ich werde direkt im Kehlkopf eines Paradiesvogels, wird meine Seele direkt ins Paradies getragen. Das ist so die Erzählung. Und das war so die Sache, wo ich gesagt habe, ich will allem entkommen, die Bestrafung hier, die Bestrafung dort, die Verantwortung hier, die Verantwortung dort. Ich will gar keine Verantwortung, ich will einfach nur sterben. Und für eine gute Sache. Und deswegen war es einfach attraktiv für mich. Und ich habe gesagt, das mache ich jetzt. Da fahre ich jetzt hin. Aber Alhamdulillah, Gott sei Dank, hatte ich die schwester und den vater die zu mir gesagt haben du stellst dich der verantwortung du stellst dich den fragen ob du willst oder nicht und mein vater hat mir so gesagt als er mich da abgeholt hat in graz hat er zu mir gesagt du wolltest denn sie hat der jihad beginnt erst jetzt richtig hat diese kommen, komm nach Hause. Das hat mir Angst gemacht. Das heißt, das perfide an Propaganda ist ja, dass sie immer im Namen des Guten passiert. Also es zieht ja kein Mensch für das Schlechte in den Krieg. Auch Putin macht seinen Krieg im Namen des Guten gegen die NATO und die LGBTQI-Propaganda, so wie er es selber framet. Das ist das perfide daran. Das Wichtige ist, die Propaganda hat sich seit 2014 extrem geändert. Diese IS-Blockbuster, die es damals gab, No Respite und so weiter, das gibt es alles nicht mehr zum Glück. Aber was sehr prominent ist und sehr populär ist, sind diese Do-It-Yourself-Propaganda-Clips auf TikTok. Und das Ding ist, was das große Problem ist, es gibt halt hauptsächlich reaktionäre bis problematische Inhalte auf TikTok. Das ist auch der Grund, warum wir auf TikTok sind. Man muss den Jugendlichen alternative Angebote setzen, alternative Angebote zu ihren Interessen. So Polizei, Polizeigewalt, das interessiert alle. Wenn wir es nicht machen, gibt es genug Extremistinnen von allen möglichen Seiten, ob religiös, politisch, wie auch immer, die die Kids abholen. Das heißt, auch wenn TikTok zum Kotzen ist, so Achmed und ich, lässt dann sicher jeden Tag eine halbe Stunde über TikTok, aber wir müssen da hin und Angebote setzen, sonst haben die anderen leichtes Spiel. Ich habe eine Frage an Achmed. Ich habe eine Frage an Ahmad. Haben Sie noch Freunde von früher, die Sie dabei unterstützen, dass Sie mit einem Polizisten arbeiten? Meinst du Leute von früher, mit denen ich unterwegs war, so Gefängnis und diese Zeit? Ja. Von dort kenne ich zwar noch Leute, also wenn ich die so sehe, wir grüßen und sagen Hallo, Tschüss, wie geht's, alles gut, aber intensiver Kontakt nicht. Der Einzige, mit dem ich unterwegs bin, und das ist mein bester Freund, ist mein jüngerer Bruder und ja, ein Familienfreund, den ich auch seit klein auf kenne, aber mit dem ich die ganze Zeit unterwegs bin, sind meine zwei leiblichen Brüder und der eine Kollege. Danke. Danke dir. Uwe, wie hat dein Chef reagiert, als du mit einem Schöner Videos gemacht hast auf TikTok? Verwundert. Wie kann man mit einem Schönen Videos machen? Die sind ja alle böse, haben alle immer Waffen einstecken und so weiter. Also dieses Klischee-Bild, das ich vorher auch schon erklärt habe, warum das ist, das hat er noch immer gehabt. Aber mittlerweile ist auch schon drauf gekommen, aha, die machen was Gutes. Nach 30 Millionen News hat sogar ein T-In-USN-Chef verstanden. Gibt es noch Fragen? Eins, zwei, könnte man noch... Ich habe eine Frage an Ahmed. Du hast ja gesagt, du warst seit sieben Monaten im Gefängnis unschuldig. Hat sich da jemals jemand bei dir entschuldigt? Hast du da irgendeine Abfindung gekriegt? Ist da jemals irgendwas passiert? Und nur eine Frage ist, du bist ja jetzt erwachsen und hast das alles hinter dir. Hat das für dein weiteres Leben Konsequenzen gehabt in Bezug auf Arbeitssuche und diese ganzen Geschichten? Also spürst du das immer noch rückwirkend oder ist das nicht mehr so bezüglich Leumundszeugnis und solche Geschichten, was du vorher gesagt hast? Das würde mich interessieren. Ja, also danke auf jeden Fall. Das sind sehr, sehr gute Fragen. Und was die Entschädigung angeht, werdet ihr mir wahrscheinlich nicht glauben, aber im Gefängnis ist etwas vorgefallen. Ich war ja 14 Jahre alt und dementsprechend haben die Leute dann versucht, einen 14-Jährigen, ich bin potenzieller Sklave für die. Das heißt, ich kann drinnen aufräumen, in der Zelle, kann sie sauber machen, Geschirr putzen, WC putzen. Also haben sie sich zu mir gedacht, aber das funktioniert niemals. Also mit dem Ego, das ich habe, wird das niemals funktionieren. Und haben die mich aufgefordert und ich habe gesagt, du, ich ziehe dir gleich hier ein Schmetterling und so ein schwarz-weißes Kleid an. Ich habe gesagt, du kannst das selber machen. Und er hat gesagt, ja, ich werde dich hier zwingen und so weiter und so fort. Dann ist halt diese Auseinandersetzung, hat sie gestartet und wir haben uns geschlagen. Ich habe da anscheinend meine Kontrolle verloren. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, das ist das, was mir erzählt wird. Ich habe ihm dann anscheinend das ganze Gesicht durchgebrochen. Also Augen, Höhlen, Nase und das Kiefer. Dafür hätte ich 15.000 Euro eigentlich bekommen sollen, aber diese Verletzungen waren genau auf dem Punkt, genau diese Entschädigung, die ich bekommen sollte. Und das haben sie einfach ihnen als Schmerzensgeld gegeben. Die Entschädigung, die eigentlich an mich gezahlt werden sollte. Und so ist sich das perfekt ausgegangen. Das heißt, ich war siebeneinhalb Monate auf Urlaub im Gefängnis. Gratis, habe selber nichts gezahlt, aber auch nichts bekommen. Außer natürlich fünf Sternessen, nicht fertig gekochte Kartoffeln, Weißbrot als Crackerbrot, kaputte Milch zum Teil, Wurst, die bis zum Himmel stinkt, die ich nicht mal gegessen habe, aber meine Zelligen genossen. Und genau so war es. Und natürlich so im Großen und Ganzen im Nachleben, beziehungsweise im späteren Leben hatte das zum Teil Konsequenzen bzw. hatte Folgen. Was die Arbeit angeht, musste ich immer über Freunde, Bekannte eine Arbeit finden, die mich ohne Läumungszeugnis aufnehmen. Aber jetzt mittlerweile ist es nicht mehr so. Das heißt, im Gegenteil, egal wo ich mich bewerbe, wo ich eine Bewerbung hinschicke, ich bekomme gefühlt immer eine Antwort. Also ich habe einige Jugendliche im Gefängnis betreut, die dann freigesprochen wurden und die wenigsten haben dann wirklich eine Entschädigung bekommen. Meistens ist drinnen irgendwas vorgefallen, wo sie dann genau die Strafe bekommen haben, die sie in Untersuchung selbst gesessen sind. Könnte man hinterfragen, in der Theorie. Hier war noch eine Frage, oder? Ahmad, hast du dich wohlgefühlt in Gefängnis und durftest du Handy haben? Sehr gute Frage. Ja, ich meine, was heißt wohlgefühlt, Bruder? Es war keine, wie soll ich sagen, keine so schlimme Zeit, wo ich sage, oh nein, ich habe ein Trauma davon. Aber natürlich war es nicht schön. Also es war nicht so, dass ich sage, ich würde das gerne wieder machen. Und in der Mitte bewegt sich das auch nicht, dieses Gefühl, sondern eher weiter unten. Aber im Gegensatz zu Gefängnissen in anderen europäischen Ländern, wie zum Beispiel Bosnien, Serbien, Ungarn, Slowakei und so weiter, mit denen sind die gar nicht zu vergleichen natürlich, die österreichischen Gefängnisse. Geht auch, scheiße zu, geht schlimm zu dort. Es passieren Verbrechen, die nicht aufgeklärt werden, die ich selber mit eigenen Augen gesehen habe, mit eigenen Ohren gehört habe, aber die im Endeffekt vor Gericht Aussage gegen Aussage enden. Und da auch vielleicht ein gutes Beispiel, um dir ein bisschen das Gefühl zu geben, beziehungsweise zu sagen, wie gut es mir da drin gefallen hat. Ich hatte eine Auseinandersetzung mit einer Justizfachbeamtin und weil über uns, dort drin gefallen hat. Ich hatte eine Auseinandersetzung mit einer Justizfachbeamtin und weil über uns, so müsst ihr euch vorstellen, die Fenster da hinten, direkt darunter war unser Fenster, so ein bisschen längeres Fensterbrett. Das heißt, alles, was von oben runtergekommen ist an Flüssigkeiten, ist in meine Zelle reingekommen. Und die haben da heißes Öl und alles mögliche runtergeschüttet, in unsere Zelle rein. Und alles ist auf mein Bett getropft. Ich habe angeläutet, bei der Türe gab es so zwei Knöpfe, grünen und roten Knopf. Roter Knopf war schlimmer Einsatz, wo das 8. Kommando deine Zelle gestürmt hat, also Spezialkommando, die für so Sachen zuständig sind und grüner Knopf war medizinische Versorgung. Allgemeine Fragen gab es gar nicht. Deswegen hat man je nach Bedarf rot oder grün gedrückt, egal worum es geht. Ich habe grün gedrückt, ist die Justizwachbeamtin gekommen. Ich habe gesagt, so und so da oben. Da hat sie gesagt, ach so, schießt sich der kleine Tschetschene jetzt an und braucht die Hilfe von einer Frau und so weiter. Ich habe gesagt, ich sage Ihnen doch nur, schicken Sie mich selber rauf oder gehen Sie selbst rauf. Ich habe gesagt, wenn ich alleine raufgehe, kläre ich das auch. Sie hat gesagt, nein, du wirst hier unten bleiben und du wirst den Mund halten und, und, und. Ich habe sie wiedergeholt, habe gesagt, bitte tun Sie etwas, sonst passiert was. Sie hat gesagt, was passiert denn? Und ich wusste ganz genau, es wird Konsequenzen haben und ich habe ihr ins Gesicht gespuckt, weil sie die ganze Zeit mich unten halten wollte. Und ihr Freund, zufällig, war beim 8. Kommando, und es sind acht, neun Leute in meiner Zelle gestürmt, und haben mich mit Stahlkappen schon in mein Gesicht getreten, Rippen geprellt, komplett blaue Flecken auf meinem ganzen Körper, Wunden im Gesicht, und da bin ich 15 geworden. Also ich war 15 Jahre alt, und ich dachte bei gott ich dachte ich sterbe in dem moment dachte sie töten möchte weil niemand kann mir zu hilfe und das ist in meiner zelle passiert genau wo keine kameras sind und vor gericht ich war sogar bei männerberatung amt amtsarzt und und und aussage gegen aussage 9 istwachbeamte gegen einen 15-jährigen tschetschenischen Häftling. Wer gewinnt? Natürlich die. Aussage gegen Aussage. Nichts passiert. So schön war es. Also das zahlt sich wirklich nicht aus, ins Gefängnis zu kommen. Die Kurzzusammenfassung. Handy? Gute Frage. Nächste Frage. Nein, Spaß hatten wir hin und wieder. Es gab ein paar Leute, die haben uns das reingeschmuggelt. Aber sehr, sehr teuer. Ein Handy, was du draußen 200 Euro zahlst, hast du da 1500 gezahlt wahrscheinlich. Und ist natürlich illegal. Ja, und wenn du erwischt wirst, zwei Wochen Keller, wenn du Pech hast oder ein paar hundert Euro Strafe. Danke dir. Ich war extrem beeindruckt, Danke dir. von deiner Begebenheit berichtet in der Schule, wie die Pädagogin mit dir umgegangen ist, wie sie dich bloßgestellt hat. Man kriegt den Buch mit, wie du jetzt auch gerade erzählt hast, die Justizwachebeamtin, was die alles probiert hat, um dich mehr oder weniger zu demütigen, zu brechen etc., die mit Rechtsextremen zusammengelegt hat usw. die mit Rechtsextremen zusammengelegt hat und so weiter. Und letztendlich ja auch zu deiner Hinwendung mehr oder Kontakte eigentlich dort da entstanden sind zu Menschen, die dich dann auch radikalisiert haben oder die halt da in die Richtung gebracht haben. Auch von deinem Vater hören wir Geschichten, wie es ihm gegangen ist mit Österreicher, Österreicherinnen, wie ihr nach Österreich gekommen seid. Also wir haben da noch extrem viel Baustellen. Man merkt auch, oder ihr erzählt es auch, dass ihr ja Videos gemacht habt, aufklärerische Videos, vor Coppongé schon, und sobald irgendwie die Fördergeberinnen dazukommen sind, hat es eine Art Zensur gegeben. Die haben gesagt, das dürft ihr machen, das andere wollen wir nicht. Und ich denke mir halt, oder meine Frage wäre, wenn ihr euch etwas wünschen dürftet, damit diese Arbeit noch fruchtbarer ist, damit das noch in mehr Bereichen gut funktioniert, was würdest du denn da noch brauchen? Ich kann wie aus der Pistole geschossen mit Zusammenarbeit antworten. Ich sage dir ganz ehrlich, dass alle Organisationen zusammenarbeiten. Und nicht, dass wie bei der Polizei die Leute sich denken, also ich habe die goldene Information, die teile ich mit niemandem. Und das bleibt bei meinen vier Jugendlichen bei mir. Würden alle sich austauschen und sagen, schau mal, vielleicht ist das ein guter Ansatz, vielleicht ist das eine gute Methodik, dann würden wir vorankommen. Irith? Darf ich da vielleicht auch was sagen, weil Sie das Buch erwähnt haben? Das klingt jetzt komisch, aber ich finde tatsächlich, dass man nur im Buch, eigentlich wenn man sich auf die ganze Geschichte einlässt, diesen systemischen Überblick kriegt. Weil sonst erzählt man nur über die Schule, nur über die Justiz, nur über diesen einen Bereich. Und in Wahrheit, glaube ich, muss man einmal so eine Geschichte wie von Ahmad und dann auch, was zwischen euch passiert ist, einmal verstehen, sich einmal auf das einlassen. Und dann wird einem auch klar, was jeder selbst für einen Beitrag leistet, dass ein verwundbarer Jugendlicher sich dann abwendet und dann radikalisierten Ideologen zuwendet. Und da hat jeder einen kleinen Anteil daran. Nicht die Lehrerin allein den Ganzen, nicht die Polizei allein, den Ganzen. Und dass wir da nirgends hinkommen, wenn wir, und das ist die Chance von so einer Geschichte, nicht einmal das Ganze sehen. Weil was ich so berührend gefunden habe, auch an der Geschichte von Ahmad ist, er war ja dieser kleine Bub, der sich so gefreut hat über den Pulli mit dem Bären drauf. Und er war ja ein Kind mit dem Potenzial in jede Richtung. Und ich finde es auch ein bisschen traurig, dass wenn ich dann das Gefühl habe, weil ich habe die Geschichte schon auch aufgeschrieben für Polizisten und für Justizwache, Beamtinnen und Lehrerinnen. Und ich würde mir wahnsinnig wünschen, dass sie diese Geschichte sich nahe gehen lassen. Ehrlich. Einer, der das gemacht hat, ist der Uwe. Uwe, was würdest du sagen, was braucht es, damit es irgendwie besser funktioniert? Ich bin da ganz genau an Achmed seiner Linie. Einfach Zusammenarbeit. Und das passiert einfach zu wenig. Jeder kocht sein eigenes Süppchen und schlürft da draus. Wenn alle in einem großen Topf kochen würden und jeder kann hineinschauen, was spielt sich da drinnen ab, dann wird es garantiert weitaus besser funktionieren. Danke Uwe. Das war tatsächlich auch die perfekte Überleitung, danke auch für die Frage. Gemeinsam etwas tun, so, also der formale Teil unserer Lesung wäre jetzt beendet, aber bleibt bitte unbedingt noch sitzen. Wir würden jetzt gerne noch gemeinsam mit euch ein Abschlussvideo machen. Ihr kennt es eh, vielleicht unsere TikTok-Videos, wir haben nach den Lesungen meistens ein Abschlussvideo, Ihr kennt es eh vielleicht unsere TikTok-Videos. Wir haben nach den Lesungen meistens ein Abschlussvideo. Das würde jetzt so ausschauen. Wir gehen das in aller Ruhe gemeinsam durch, also kein Stress. Achmar und Uwe stehen verkehrt mit dem Rücken zu euch. Wir haben nämlich jetzt für die Linz-Kampagne ein bisschen so den Running Gag, dass der Achmar zum ersten Mal raus ist aus Wien und jetzt quasi das Landleben erkundet. Und der Uwe hilft ihm ein bisschen, weil der weiß schon mal und weiß, wie das Land so funktioniert. So, also wir haben schon gelernt, dass man hier auch mit Euro zahlt und dass der Dialekt quasi der Unterschied ist und nicht die andere Sprache. Das heißt, wir würden es jetzt so machen, Achmar und Uwe stehen verkehrt zu euch. Achmar sagt ganz kurz, jetzt habe ich das Skript, Achmar sagt ganz kurz jetzt habe ich das Skript Achmed sagt ganz kurz das war unsere erste Copenjay-Lesung außerhalb Wien dann sagt der Uwe Linz, wie hat es euch gefallen? und dann werdet ihr an der Stelle dass ihr alle ganz laut schreit und applaudiert und auszuckt und keine Ahnung tanzt, was weiß ich und Achmed dann ins Mikrofon, wo wir das Landleben kennengelernt haben. Wir finden das eigentlich ziemlich leiwand. Also leiwand heißt gut auf Wienerisch. Der Ahmad dann noch ganz kurz sagt, erst Linz ist überleiwand. Sorry, das war nur mein Ding. Passt das so für euch? Passt. Dann machen wir kurz Probe, damit es gut funktioniert. Linz, wie hat es euch gefallen? Sehr stabil. Okay, passt. Dann würde ich sagen, wir legen gleich los. Sobald der Uwe sich umdreht zu euch, genauso wie jetzt. Man hat sich müde. Jetzt geht es der etwas besser, oder? Nein, jetzt fragen wir mal. Linz, wie hat es euch gefallen? Dankeschön. Also, trotzdem, Winner Dialekt, sie haben dich verstanden. Ich habe sie auch verstanden. Na bitte, und? Und ich habe sogar am Bahnhof mit Euro gezahlt. Wow. Kommen wir wieder? Auf jeden Fall. Geld wechseln. Super, danke euch Leute. Wir sind jetzt noch hier vorne. Ich erinnere jetzt euch an den Trailer. Achman und Uwe haben tatsächlich noch nie Nein zu einem Selfie gesagt. Das heißt, kommt es gern vor. Wir reden gern noch informeller, ohne große Bühne und so weiter. Hat uns voll gefreut. Danke euch allen und wir sehen uns. Applaus Thank you.