Herzlich willkommen bei Malibu Orange, so der Titel des neuen Romans von Ulrike Heidacher, der ganz neu erschienen ist. Die Autorin ist Grazerin, sie ist Schriftstellerin und Kabarettistin und hat soeben beim Ingeborg Bachmann Preis teilgenommen. Silvana Steinbacher begrüßt Sie herzlich bei Literatur im Dorf. Ich freue mich heute mit der Autorin über ihr zweiten Roman Malibu Orange zu sprechen, aber nicht nur, auch über ihre beiden Berufe und auch ihren Zugang zur Literatur. Und ich begrüße jetzt Ulrike Heidacher einmal sehr herzlich. Hallo. Hallo. Danke für die Einladung. Ich möchte natürlich mit dem Bachmann-Preis beginnen, der ja kürzlich erst war. Ich möchte natürlich mit dem Bachmann-Preis beginnen, der ja kürzlich erst war. Also Sie haben bei diesem Preis, obwohl dieses Buch der Malibu Orange eigentlich sehr vielschichtig ist, ich habe es so empfunden mit sehr vielen Themen, haben Sie gelesen den Sterbeprozess der Großmutter, der Protagonistin. Wieso haben Sie sich gerade für diesen Passage entschieden? Naja, man entscheidet sich ja dann relativ pragmatisch für Textausschnitte. Und in dem Fall war es so, dass ich eben gefragt worden bin, einen Text einzureichen in dem Prozess, wo das Buch fertiggestellt worden ist. Das heißt, es war eigentlich schon klar, ich werde etwas aus dem Buch nehmen. Und dann muss man natürlich schauen, dass man eine Stelle nimmt, die möglichst für sich steht und die man in 25 Minuten lesen kann, ohne dass man eine ganze Vorgeschichte erzählen muss. Und die unveröffentlicht ist bis jetzt, weil man veröffentlicht ja manchmal schon im Vorfeld irgendwie kleine Textausschnitte. Ich habe diese Geschichte mit den zwei Freundinnen auch schon vor zwei Jahren da habe ich auch einen Erzählwettbewerb damit gewonnen und das ist auch in einer Anthologie erschienen. Das heißt, es war für mich dann eigentlich relativ klar, ich diese Stelle nehme, die sehr für sich steht und da habe ich das Gefühl gehabt, das passt. Und ich habe es natürlich dann auch noch umschreiben müssen oder umgeschrieben, dass es eben als eigener Text funktioniert. Was interessant ist, ich kannte ja diese Stelle auch nicht, habe es dann auch erst gehört, ist, dass ja auch so dieser Sterbeprozess der Oma, das hat aber Klaus Kastberger, glaube ich, auch formuliert, fast so wie eine Verwandlung ist. Wie hat er gemeint? Die Oma sei nicht mehr die Oma, das hat aber Klaus Kastberger, glaube ich, auch formuliert, fast so wie eine Verwandlung ist. Wie hat er gemeint? Die Oma sei nicht mehr die Oma, sondern ein sterbender Mensch geworden. Also das ist fast so wie ein längerer Prozess, wenn es jetzt ein natürlicher Tod ist. Sehen Sie das auch so? Naja, ich selber analysiere meinen Text ja nicht so intellektuell, wie es andere machen. Also ich habe mir beim Schreiben sicher nicht das Gleiche gedacht, wie das jetzt von außen formuliert wird. Aber auch aus meiner eigenen Erfahrung heraus habe ich das einfach so formuliert, so formuliert, dass Menschen sich eben dann auch in dieser letzten Zeit noch einmal verändern und anders wirken, anders ausschauen und man sie vielleicht anders erkennt, als man es halt davor hat im Alltag. Beim Bachmann-Preis teilzunehmen ist ja der Wunsch von sehr vielen Schriftstellerinnen und Schriftstellern. Wie ist denn der Juryvorsitzende, der Sie ja empfohlen hat, Klaus Kastberg, überhaupt auf diesen Text aufmerksam geworden? Also er kennt meine Texte halt schon. Ich war ja mit dem ersten Roman auch bei den O-Dönen eingeladen, die auch er moderiert hat und mitkuratiert. Und daher hat er meine Texte schon gekannt. Und ich habe halt davon erzählt, dass ich ein neues Buch schreibe. Und dann hat er mich gefragt, ob es was gibt davon, was ich ihm schicken könnte für den Bachmann-Preis. Und das habe ich dann gemacht und das hat er dann eben angenommen für den Bachmann-Preis. Wie haben Sie jetzt zu diesem Preis empfunden, dieses enorme Medienecho, das ja eigentlich dieser Preis, dieser renommierte Preis eigentlich hat? Ich habe mich schon, also ich habe schon gewusst, ich gehe ein Risiko damit ein. Und es gibt ja, es kursieren ja tausende interessante Geschichten über den Bachmann-Preis. Und ich habe auch sehr viele Geschichten gehört, wie viele Leute es schon bereut haben, da hinzufahren. Und wie schrecklich das sein kann und wie viele Schreibblockaden und was weiß ich, was danach gegeben hat. Also ich bin auch schon davor gewarnt worden. Und gleichzeitig, ich denke mir halt immer, wenn ich gefragt wäre, was zu machen, wenn ich eingeladen wäre, dann sage ich ja nicht mehr nein. Und ich finde, ich habe das von Anfang an auch gesagt, ich sehe das als Chance und als Erlebnis. Und mehr, also wenn es sich mehr daraus ergibt, dann, also wenn man einen Preis gewinnt, schön und das ist super, aber ich bin nicht mit dem Ziel hingefahren, ich muss jetzt unbedingt was gewinnen, sonst ist mein Leben zu Ende, weil so wäre das, glaube ich, sehr anstrengend geworden. Und ich habe mich einfach auch innerlich gut vorbereitet, weil ich auch weiß, dass Kritik hart sein kann. Und ich weiß auch, dass es mein Schreiben beeinflussen kann. Und darum habe ich mich auch, ich habe mit vielen, auch mit dem Verlag viel darüber geredet. Und ich war sehr eigentlich gut vorbereitet, was passieren kann. Ich war auf Kritik vorbereitet. Und darum habe ich eigentlich relativ gut damit umgehen können. Ja, ich habe dieses Medienecho schon erwähnt. Sehen Sie jetzt das eher so als ein Forum, wo man sich auch austauscht mit Kritikern, mit anderen Kolleginnen und Kollegen oder hat es ein bisschen was Spektakelhaftes auch, um es ganz böse zu formulieren? Ja, also das war auch das, worauf ich mich gefreut habe, mal so eine Woche unter Menschen zu sein, die das Gleiche machen, weil der Schriftstellerinnenberuf ist ja ein sehr isolierter. Man sitzt hauptsächlich allein zu Hause und hat nicht viel Kontakt zu anderen, außer man macht sich es einmal privat aus. Und darum sind überhaupt so Festivals immer was Schönes, weil man da einfach auf andere Menschen trifft und sich einmal austauschen kann. Da findet man dann meistens heraus, den anderen geht es eh gleich wie einem selber. Und ich habe mich einfach auch gefreut, andere kennenzulernen, weil ich habe niemanden gekannt, jetzt persönlich. Und das war auch eine nette Gruppe. Also wir haben auch nachher über die Texte geredet. Das war auch, also mit manchen hat man sich gut verstanden, mit manchen hat man weniger zu tun gehabt, weil wir sind dann relativ lang dort. Ich bin dann auch manchmal einfach ins Hotelzimmer gegangen und habe dann Zeit mit mir selber verbracht irgendwie. Aber ich habe dann schon gemerkt, weil ich war ganz am Anfang dran, ich habe es sofort hinter mir gehabt. Ich habe dann auch sofort, also ich habe sicher keinen glücklichen Startplatz gehabt, das hört man auch immer wieder, ganz am Anfang sollte man nicht rankommen. Es war wahrscheinlich, da habe ich ein bisschen Pech gehabt. Das Gute war aber, dass ich es wirklich hinter mir gehabt habe. Ich habe das dann für mich selber alles schon verarbeiten können. Ich habe den anderen zuhören können und ich war dann einfach bei der Preisverleihung relativ entspannt, weil ich irgendwie selber das schon hinter mir gehabt habe, die anderen schon gehört habe. Und je länger ich dann dort war, irgendwann habe ich mir dann auch gedacht, okay, jetzt möchte ich dann wieder wahrnehmen, dass es auch was anderes gibt auf dieser Welt. Weil man glaubt ja dann wirklich, es dreht sich alles um einen und um die Texte. Und sobald man zwei Straßen weitergeht, merkt man, okay, da haben die Leute ein ganz normales Leben, das hat nichts mit dem Barmherz zu tun. Und da habe ich mir gedacht, so nach drei, vier Tagen reicht es dann auch wieder. Und auch eine Woche lang nur darüber reden, wie bin ich angekommen und wer findet meine Texte super. Ich weiß nicht, ob das so gesund ist. Es ist ja begrenzt, Gott sei Dank. Ja, eben, aber es ist in dieser Zeit sehr intensiv. Und es war dann schon so, ich bin dann, wie ich gerade gefahren bin, mit meinem Mann noch an einen See gefahren. Und dann habe ich dann nur, oh, die schönen Bäume. Also ich war dann echt irgendwie so, ich dachte, okay, jetzt will ich einmal meine Ruhe haben. Aber es war, ich meine, es ist einfach super, mal dort gewesen zu sein und das erlebt zu haben. Und es war auch im Vorfeld vom Roman sicher eine gute Angelegenheit, einfach die Öffentlichkeit zu haben. Und ja, ich bin froh, dass ich dort war. Sie haben gesagt, Sie waren gelöster, wie Sie gelesen haben, obwohl, ich denke mal, Sie haben schon einen Startvorteil auch, weil Sie ja sozusagen das Auftreten dadurch, dass Sie ja Kabarettistin sind oder waren, einfach gewohnt sind. Ja, das Auftreten bin ich schon gewohnt. Ich meine, das war so eine Sondersituation, so eine Situation habe ich heute noch nie gehabt. Es war sehr seltsam, auch wie ich da reingekommen bin und da sitzt da dieses Publikum in diesem Studio und eine Jury schaut mich an. Es war schon eine Situation, die ich so noch nie gehabt habe. Ich kann natürlich vor Leuten sprechen und auftreten, aber ich habe den Eindruck gehabt, es haben alle super gelesen, finde ich. Es haben alle die volle Präsenz gehabt. Ich habe den Eindruck gehabt, dass auch alle anderen Kandidatinnen, also es haben ja alle schon Erfahrung und selbst wenn man nicht irgendwie Kabarettistin oder Schauspielerin oder auf der Bühne ist, dann hat man ja schon Lesungen hinter sich. Es waren auch diesmal viele aus dem Spoken Word oder aus dem Poetry Slam. Also das ist mir extrem aufgefallen, weil man das ja auch Schriftstellern immer nachsagt. Die können zwar gut schreiben, aber die können ihre Texte nicht lesen. Das sagt man immer wieder. Und ich finde, das ist mir sehr aufgefallen. Die haben alles super gelesen, finde ich. Das ist vielleicht so ein bisschen, kommt mir vor, so ein Unterschied vielleicht zu meiner Generation. Weil da kenne ich doch einige, die immer noch sagen, obwohl sie viel bei Lesungen ziehen, die sagen, ich sterbe jedes Mal vor einer Lesung. Ah, wirklich? Ja, ja, doch. Ja, mir ist es sehr aufgefallen, und das haben auch andere gesagt, dass eigentlich alle wirklich gut gelesen haben. Ja, das gehört. Ich gehört das auch jetzt mehr dazu. Vielleicht, vielleicht. Also ich möchte jetzt natürlich zu Ihrem Roman kommen, der ja jetzt gerade neu erschienen ist. Also ein Zentralthema war für mich, es ist sehr viele, sehr viele Themen, auf die wir ja noch zu sprechen kommen, aber ein Zentralthema war für mich dieser Volker. In diesen Volker verliebt sich die Freundin, die beste Freundin von der Protagonistin. beste Freundin von der Protagonistin. Und ich habe mir immer gedacht, wenn mir dieser Volker jetzt so aus Fleisch und Blut erscheinen würde, die würde einfach davonlaufen, so schnell es geht. Aber vielleicht sagen Sie, wie ist diese Figur? Sie sind ja Autorin. Ja, es ist immer interessant, wenn man dann so anfängt, die eigenen Figuren zu analysieren. Weil das mache ich eigentlich gar nicht. Ich schreibe sie einfach und da passiert oft einfach was mit den Figuren. Aber ich probiere es. Ich habe diesmal im ersten Roman in der Party, da kommt ja auch eine Männerfigur vor, eine narzisstische, der Regisseur. Und dem habe ich ja da im ersten Moment sehr viel Text gegeben. Jetzt ist es anders. Der Volker, dieser destruktive männliche Figur, hat fast gar keinen Text gekriegt, also der spricht ja auch fast überhaupt nicht. Ich könnte mir vorstellen, wenn man diesen Volker kennenlernt, und so habe ich versucht, ihn zu beschreiben, dass der eigentlich ihm sehr ruhig und sehr sensibel und sehr häuslich wirkt. So beschreibt ihn die Anja auch am Anfang. Er ist hell gekleidet, sie macht sich dann ein bisschen lustig, weil sie schreibt, ist das seine Verkleidung, weil er irgendwie so Baumwoll gekleidet, so natürlich gekleidet ist. Aber sie beschreibt ihn auch positiv, so er riecht nach neutralem Nichts. Also er hat irgendwie was Unaufdringliches, würde ich jetzt einmal sagen, in seinem Erscheinen. Und ich habe ja auch versucht, ihm, ich habe mir auch bewusst Eigenschaften gegeben, die positiv sind. Zum Beispiel, dass er eben sehr häuslich ist, dass er gern sein Granola selber macht und das gern auch das Frühstück zubereitet für seine Freundin. Aber ich glaube, man kann recht schnell erahnen, dass irgendwas vielleicht nicht mit ihm stimmt. Das ist eh gleich bei dem ersten Kennenlernen, wo die Magda, die beste Freundin, dann am Telefon erzählt, dass der Volker sich eingebildet hat, dass ein anderer Besucher in dem Lokal sie die Magda dann so angeschaut hat und dass da ist sie so eifersüchtig und ist so schnell mit dem Auto gefahren. Und ich glaube, da klingen dann eh schon die Schrillen, schon die Alarmglocken bei der Leserin wahrscheinlich. Und trotzdem ist es halt dann so, ich habe es halt auch so versucht zu beschreiben, dass das ist halt eine Geschichte, die die Anja hört und das wird so nebenbei erwähnt, dass sie sich zuerst überhaupt nicht sicher ist, okay, ist das jetzt, finde ich das jetzt zu Recht arg oder war das jetzt irgendwas, was gar nicht so schlimm war? Und solche Kleinigkeiten kommen dann halt immer wieder. Und ja, also ich habe es ja auch so geschrieben, dass man eigentlich nie wirklich, man erfahrt ja nie die eine Wahrheit über ihn. Aber es wirkt schon so, und zwar habe ich es auch bewusst geschrieben, also dass er eben sehr einengend, eifersüchtig und sie dann halt auch isoliert. Also für mich war er schon so ein, ich kann es nur sagen, wie er auf mich gewirkt hat, so ein Vampir. Und sie schreiben ja auch einmal, es war, als würde er sich von ihr ernähren. Ja, genau. auch einmal es war, als würde er sich von ihr ernähren. Ja, genau. Weil die wird ja immer blasser und immer dünner und er beschränkt sie. Sie beendet dann ihr Studium, das sie begonnen hat und wohnt da in irgendeinem unmöglichen Hausturm am Land, obwohl sie das nie wollte. Aber was ich mich gefragt habe, natürlich war, welchen Reiz haben für Sie diese Figuren, also nicht nur der Volker, sondern eben auch diese Magda als Autorin? Ich wollte halt, also was mich auch an der Geschichte und an der Figurenkonstellation und auch an dem Thema gereizt hat, war die Perspektive, aus der ich es geschrieben habe. und auch an dem Thema gereizt hat, war die Perspektive, aus der ich es geschrieben habe. Nämlich, dass ich jetzt, ich meine, ich beschreibe ja schon eindeutig eine psychische Gewaltbeziehung, aber ich habe es aus einer ganz bestimmten Perspektive, nämlich der der besten Freundin, beschrieben. Und auch diesen Volker und die Magda in ihrer Widersprüchlichkeit wollte ich eben auch darstellen. Und wie schwer das eigentlich ist, als Außenstehende und gleichzeitig nicht Außenstehende, weil sie ja dann doch die beste Freundin ist, die kennen sich ja schon ewig und wissen ja alles übereinander, wie schwer das ist, das zu erfassen, dass das eben was Negatives und was Destruktives und was Gewalttätiges irgendwie ist, was dieser Volker da aufführt. Und wie schwer das manchmal ist, das zu erkennen. Und ich habe es eben manchmal bewusst in der Schwebe gelassen. Also es war mir schon wichtig darzustellen, okay, das bildet sie sich nicht ein. Und sie ist jetzt nicht nur die eifersüchtige Freundin. Und der Volker ist wirklich ein ganz toller Typ. Ich glaube, es kommt eindeutig raus, dass das nicht so ist, also dass ihre Wahrnehmung durchaus stimmt. Aber gerade wenn so eine Beziehung beginnt, ich glaube, das beginnt ja auch wirklich sehr subtil und mit so Kleinigkeiten, dann rutscht man da immer mehr rein. Und wie schwierig das ist, das von außen als sowas auch zu erkennen und zu beschreiben und festzustellen, das ist jetzt so. Und dann auch natürlich die Frage, inwiefern kann man dann helfen oder einschreiten. Oder wie kann man diese gute Freundschaft dann trotzdem behalten und weiterhin Malibu Orange trinken wird. Daraus ist ja der Titel auch entstanden, weil die ja immer Malibu Orange miteinander getrunken haben, das hat sie so verbunden. Also das, was mir auch noch sehr gut, wirklich was mich, was ich imposant gefunden habe, war, weil ich das auch schon anders erlebt habe bei vielen Büchern, es sind ja wahnsinnig viele Themen, die sie da in dieses Buch hinein verpackt haben. Also die Krise, dieses Burnout der Protagonistin, die dann wieder aufs Land zieht, also so Land, Stadt und auch der Vater, der nicht versteht, warum sie da jetzt so lange bleibt und nicht einfach wieder zupackt und vieles andere mehr. Aber manchmal hat man so das Gefühl, wenn viele Themen in einem Buch sind, das zerfasert jetzt, das zerfällt. Aber Sie haben es trotzdem, oder beziehungsweise die Frage, wie ist es Ihnen gelungen, das stilistisch alles so in einem Guss zu behalten? Ich bin froh, wenn mir das gelungen ist. Ich habe halt von Anfang an diese zwei Geschichten im Kopf gehabt und das war eben die Anja, diese Protagonistin, die mit ihrem Job im Endeffekt auch kündigt, weil sie überfordert ist und dieses Zurückkehren zu den Eltern und dann mit Anfang 30 im Kinderzimmer zu wohnen. Und so am Anfang noch fühlt man sich noch so, es wird zurück und fühlt sich geborgen und dann wird es einfach immer umpassender. Das war das eine. Und das andere war eben diese Geschichte mit der Freundschaft. Und ich weiß es nicht. Also ich habe auch viel daran gearbeitet. Also das war einfach auch Arbeit. Ich habe auch bei diesem Buch sehr oft begonnen. Also den Anfang habe ich sehr, sehr oft überarbeitet. Und es war wirklich auch länger die Frage, wie baut man es auf? diese Rückkehr und diesen Erschöpfungszustand genau zu beschreiben und dann immer mehr in diese Geschichte am Land oder am Land in der Kleinstadt zu kommen. Und dann habe ich aber gemerkt, das nimmt alles viel zu viel Raum ein, das geht sich alles nicht aus. Vor allem, ich bin dann im Laufe, das verändert sich ja dann auch der Fokus, im Laufe seiner Arbeit bin ich dann drauf gekommen, eigentlich möchte ich den Fokus auf die Freundschaft legen und dann war es und dann bin ich auch gemeinsam mit der Daniel Reich und meiner Verlegerin auf die Idee, sind wir drauf gekommen auch irgendwie so ein bisschen als Link zur Party, zum ersten Buch, weil das erste Buch spielt ja nur auf einer Party und dann sind wir auf die Idee gekommen, die Geschichte anhand von vier Partys oder Events zu erzählen und das Buch beginnt ja auch mit einer Faschingsparty und dann ist es noch einmal das Konzert, die Hochzeit und dann noch einmal Fasching, also es ist dieses Jahr, das dann abgerundet wird. dann noch einmal Fasching. Also es ist dieses Jahr, das dann abgerundet wird. Und so, glaube ich, habe ich dann diesen Fokus behalten können, dass ich mich auf diese vier Ereignisse, die im Laufe des Jahres stattfinden, konzentriert habe. Und anhand... Das gliedert ja auch. Und das hat das dann gegliedert. Und so habe ich den Fokus auch behalten können. Ich glaube, das war dann so ein bisschen der Schlüssel dazu, dass es sich eben nicht... Weil eben so ist es mir am Anfang auch gegangen, dass ich mir gedacht habe, okay, ich will viel erzählen und das kann total ausufern. Also das heißt, beide Romane sind jetzt bei Leitkampf erschienen und sie haben offensichtlich da auch wirklich einen guten Ansprechpartner. Sie können sich da austauschen. Ja, also es war so, bei dem Roman hat mir die Tanja Reiche geschrieben, hast du etwas Neues? Dann haben wir uns getroffen und dann hat sie es halt gelesen und mir dann eben ein Feedback gegeben. Und sie hat dann auch wirklich, finde ich, gutes Feedback gegeben. Mir auch noch einmal gesagt, wo sie findet, wo meine Stärken liegen. Und dass wir halt geschaut haben, die Stärken darauf, den Fokus auch darauf zu legen. Weil wenn man dann, das Problem ist ja auch, wenn man ein halbes Jahr lang allein in seinem Zimmer sitzt und schreibt, verliert man irgendwann auch. Und man ist froh um den professionellen Blick. Ja, genau. Und man braucht irgendwann jemanden, der es liest und der sagt, das ist Arbeit daran weiter und das kannst du eher vergessen. Und das ist, also man hat am Anfang jetzt nicht einen monatlichen Austausch, aber das braucht man auch gar nicht. Aber wenn er dann irgendwann kommt, dann ist es hilfreich. Und da ist der Like and Flag, finde ich super. Also ich möchte auch noch ein paar Worte zu Ulrike Heidacher sagen. Ulrike Heidacher ist 1985 geboren in Graz. Sie hat Germanistik studiert und dann als Kabarettistin gearbeitet, hat auch einige Preise schon bekommen. Den österreichischen Kabarettpreis 2017 und ihr erster Roman eben die Party, eine Einkreisung mit dem Untertitel, erhielt den Peter-Ross-Säcker-Preis und ist am Grazer Schauspielhaus uraufgeführt worden. Ich möchte vielleicht jetzt auch ein wenig so zu dem Thema der Kabarettistin kommen. Kabarettistin wird man ja nicht einfach. Also man kann nicht sagen, ich möchte jetzt einfach auftreten. Wie hat denn das begonnen bei Ihnen? Das war wirklich eigentlich recht lustig. Ich habe in Graz Germanistik studiert und bin dann nach Wien gegangen und ein halbes Jahr später nach mir ist Antonia Stabinger nach Wien gekommen, mit der ich Lüsterzweig, haben sie dann gebindet. Mit der ich in der Schule die Theatergruppe besucht habe. Und wie das halt so ist, wenn man neu in Wien ist, sagt man, treffen wir uns einmal. Viel haben wir nicht miteinander zu tun gehabt, aber sie hat auch kein Mann ist. Also wir haben eigentlich unabhängig voneinander die gleiche Biografie gehabt. Und bei mir war es so, ich wollte, wie das halt so ist, manchmal Anfang 20, ich weiß nicht, ich war, ich habe manchmal nicht so recht gewusst, wie ich zu den Sachen komme. Ich wollte halt irgendwie künstlerisch arbeiten, aber habe nicht so recht genau gewusst, was und wie und sie auch. Also ich habe damals Schauspielunterricht genommen, sie hat so Kurzfilme gedreht und was uns damals sehr verbunden hat, war dieser Wunsch, künstlerisch was zu machen. Wir haben dann gemeinsam Impro-Theater gemacht in Wien und eines Tages hat sie vorgeschlagen, weil sie in Graz im Theatercafé als Studentin einmal gearbeitet hat und hat sie gewusst, da gibt es einen Wettbewerb, den Grazer Kleinkunstvogel. Und dann hat sie mich gefragt, ob wir nicht wieder einmal gemeinsam auf der Bühne stehen wollen und ob wir da mitmachen. Und da kann sich einfach jeder anmelden. 15 Minuten spielen. Und die Idee war einfach so, dass wir halt wieder gemeinsam auf der Bühne stehen. Und man muss dazu sagen, wir haben davor schon, wir sind sehr viel zusammen, also wir waren halt 23, sind sehr viel fortgegangen, haben sehr viel Party gemacht und haben sehr viel Spaß miteinander gehabt. Also das weiß ich noch, wie sie nach Wien gekommen ist, hat mich das so erlöst, irgendwie so ihr absurder Humor und wir haben uns da gegenseitig halt total aufgestachelt. Und dann haben wir eigentlich aus dem, wie wir halt so privat miteinander geredet haben, einfach so, wir haben immer so Figuren nach, glaube ich, wahnsinnig nervig für unser Umfeld, total lästig. Und dann haben wir eigentlich aus dem, wie wir halt so privat miteinander geredet haben, einfach so, wir haben immer so Figuren nach, glaube ich, wahnsinnig nervig für unser Umfeld, total lästig, immer Figuren, Dialekte nachgemacht, Figuren dann irgendwelche Nonsens-Dialoge und das haben wir dann halt ein bisschen verdichtet und in 15 Minuten, 15 Minuten Programm verpackt, unseren Humor und haben dann tatsächlich den Jurypreis gewonnen beim Grazer Kleingunstvogel und daraus ist Flüsterzweig entstanden. Und daraus ist dann halt fünf Programme geworden und wir haben dann eben jetzt wirklich 15 Jahre gemeinsam gespielt. Also immer weiter auch, ich meine weiter jetzt, dass man von einer kleinen Bühne dann auf eine große eingeladen wird. Oder hat sich das dann so ergeben? Genau, beim Graz Klagenfurt Kunstvogel gewinnt man dann nämlich Auftritte im Theatercafé. Das heißt, wir waren quasi, unter Anführungszeichen, gezwungen, ein abendfülliges Programm zu schreiben. Und dann haben wir halt, ich meine, das war 2009 und wir waren 24, zwei junge Frauen. Ich meine, das war ja wirklich, ich muss mittlerweile sagen, das war eine andere Zeit. Aber es war echt so, zwei junge Frauen, ich meine, das war ja wirklich, ich muss mittlerweile sagen, das war eine andere Zeit, aber es war echt so, zwei junge Frauen war damals so, da haben die Leute schon hingeschaut, also auch so innerhalb der Branche und da ist man relativ schnell auf uns aufmerksam geworden und halt auch, weil wir was gemacht haben, das war alles wirklich naiv, wir haben, ich habe keine Ahnung gehabt, was Kabarett ist, ich habe gedacht, es muss halt lustig sein und bin dann drauf gekommen, irgendwann, okay, die meisten Kabarettisten machen was komplett anderes. Und dadurch haben wir halt einen sehr eigenen Stil gehabt, weil wir sind vom Theater, vom Impro gekommen und haben auch gleichzeitig gesagt, wie finde ich das lustig, wir machen das jetzt. Und haben auch keine Lust gehabt, uns anzubiedern, weil wir auch nicht gesagt haben, wir müssen jetzt Superstars werden. Ich glaube, es kann auch irgendwie hemmend sein, wenn man sagt, was tut sich so rundum? Wir müssen uns da jetzt ein bisschen eingliedern und anpassen. Und das kommt dann eh. Also man macht es dann eh. Und dann sind wir so lange nach des Kabarets gekommen. Das waren damals noch so Newcomer-Formationen, wo man dann halt durch Österreich tingelt mit anderen, um halt einmal Bühnen zu bespielen und dadurch sind wir ins Kabarett Niedermayer, dann sind wir zu FM4, also es hat sich dann halt dadurch, man ist da recht schnell auf uns aufmerksam geworden. Bei uns war es so, dass dann auch relativ schnell die Stimmen gekommen sind, boah, mit dem, was ihr macht, werdet ihr nicht lange überleben, weil das ist nicht massentauglich. Und dann sind wir halt ein bisschen so ehrgeizig und haben gesagt, ich werde es schon sehen. Wir machen unser Ding. Und wir haben halt auch unsere feministischen Ansprüche gehabt, das halt in der Branche jetzt auch nicht immer so einfach war. Gerade bei den Mixed Shows am Anfang waren ja nur Männer. Dann irgendwann ist die Zeit gekommen, wo sie eine Quote, wo sie auch gesagt haben, wir brauchen halt eine Frau. Und also so, das hat sich jetzt wirklich alles verändert verändert seit ein paar Jahren, das muss man schon auch sagen. Und das war dann auch anstrengend irgendwie. Aber wir haben immer als Nischenprodukt gegolten, dadurch, dass eben die Form so anders war und dadurch, dass der Humor auch eher subtil war. Und wir haben halt nie so ein bisschen Richtung Stand-up oder Witze gemacht. Sondern es war halt immer eher ein bisschen seltsam und eigenartig, was wir gemacht haben. Und dafür waren wir eh recht erfolgreich. Wir haben auch alle guten, wichtigen Bühnen bespielt. Aber wir haben jetzt nie so, das war auch nie unser Ziel, in die Stadthalle zu kommen oder so. Aber Sie haben dann den Sprung dann auch, sie haben dann alleine weitergemacht sozusagen. Genau, ich habe dann, und irgendwann ist dann halt, wenn man dann, es war mir sowieso immer wichtig, dass ich andere Sachen auch nebenbei mache, das habe ich dann schon gemerkt, weil, und das ist nach wie vor so, ich könnte nie nur eine Sache machen, weil ich finde, dann passiert nämlich sowas, dass man verkrampft ist, anfängt Sachen zu wollen und das finde ich, weiß ich nicht, denn eben so Dinge wie den Bachmannpreis, ich hätte das nie krampfhaft wollen, weil ich auch viele andere Sachen habe, die mich erfüllen und das ist jetzt, ich möchte, also ich finde es sehr schön, Romane schreiben zu können und die Möglichkeit zu haben, aber ich möchte nie diesen Zwang haben, ich muss jetzt da genauer, weil ich glaube, diese Zwänge, zumindest bei mir nicht, machen mich nicht erfolgreich. Und darum war es mir immer schon wichtig, auch andere Sachen zu machen und allein, weil es auch inspirierend ist. Und ich habe dann, ich habe das ÖAD-Lektorat gemacht. Also ich habe deutsches Fremdsprache in Ungarn unterrichtet. Als Kabarettistin. Das war auch relativ lustig. Ich bin dann mit einem alten Twingo nach Ungarn gependelt. Damals haben wir sehr viel in Deutschland gespielt. Und dann bin ich so Montag bis Mittwoch in Ungarn gearbeitet. Mittwoch zurück und dann mit einem alten Twingo irgendwo nach Deutschland. Und dort Flüsterzweig gespielt. Das volle Doppelleben-Gefühl. Also das war schon sehr, das war lustig, da war ich halt nur unterwegs die ganze Zeit. Und meine Kollegin, die Antonia, die hat dann auch, weil von Flüsterzweig allein hat man nicht leben können, hat sie dann halt nach dem Studium dann auch angefangen. Sie hat dann schnell einmal Sachen allein fürs Radio gemacht und ist dann auch in diese, was gibt es Neues, in diese Fernsehsendungen eingeladen worden. Und dann habe ich gemerkt, okay, ich unterricht, schön, aber was kann ich künstlerisch eigentlich allein? Und ich habe schon vorher, mir ist schon immer gesagt worden, meine Texte sind fürs Kabarett so lang, ich schreibe so lange Sätze und das ist so kompliziert und da muss man so genau zuhören. Und ich habe immer mir gedacht... Na ja, das soll man ja eigentlich, oder? Ja, aber das ist halt, es war glaube ich halt auch irgendwie fürs Genre manchmal einfach zu, da muss man halt relativ schnell zum Punkt und zur Pointe kommen. Und eine lange Geschichte zu erzählen ist halt dann eher Literatur. Und da habe ich mir schon gedacht, vielleicht geht es eher in Richtung Literatur. Und dann habe ich halt so angefangen, die ersten Texte zu schreiben und die über den Lichtungen veröffentlicht, der Literaturzeitschrift in Graz. Das habe ich mir halt auch total gefreut, dass die das gleich veröffentlicht haben. Und dann habe ich mir gedacht, okay, ich mache ein Soloprogramm. 2018, einfach weil ich wissen wollte, kann ich überhaupt was allein? Und dann habe ich diesen Text aber schon sehr erzählend geschrieben. Da habe ich mir schon gedacht, da möchte ich einen Roman draus machen. Und da habe ich mir gedacht, na, ich bring's doch auf die Bühne. Dann habe ich mit meinem Regisseur diesen ganzen, ich bin da mit 50 Seiten Text hingefahren zu ihm und dann haben wir halt aus dem ganzen ein Kabarett-Skript gemacht und das muss man dann verändern, weil da braucht man konkrete Figuren. Ich bin da echt so mit Texten halt hingekommen und dann haben wir halt aus dem Ganzen ein Kabarett-Skript gemacht. Und das muss man dann verändern, weil da braucht man konkrete Figuren. Ich bin da echt so mit den Texten hingekommen. Und dann haben wir halt meine seitenlangen Sätze, die ich ja teilweise schreibe, verkürzt und halt die kabarettistischen Figuren draus gemacht. Aber da würde ich vorschlagen, schauen wir uns das einmal an. Ja, bitte. So wie der Farkas gesagt. Oder schauen Sie sich das an. Das hat der Farkas schon mal gesagt. Ja, die war nämlich echt eine starke Frau, die Bertha von Suttner. Da habe ich eine Doku auf ORF2 gesehen. Der ORF bringt nämlich, neben richtigen Themen, auch in regelmäßigen Abständen Porträts über starke Frauen. Nämlich immer genau einmal im Jahr und immer genau am 8. März und immer über die Bertha von Suttner. Außer in die Scheut, da ist es dann über die Marie Curie. Und das ist das erste Mal, dass ich mich was fragen traue. Aber irgendwie tun sich auf dieser Party langsam echt sehr viele Fragen auf und ich frage Sie, ob irgendjemand von Ihnen auch Frauen kennt, die was schreiben oder die irgendwo vorkommen, die aber näher wohnen als im 19. Jahrhundert oder in Afrika? Ja, dann möchte ich doch nach diesem Einstieg, also nach diesem Ausschnitt möchte Ausschnitt ganz banal fragen, nachdem wir jetzt so über das Kabarett gesprochen haben, was muss für Sie denn eigentlich gutes Kabarett beinhalten? Ich finde es immer dann gute Komik, wenn halt irgendwie auch der Abgrund oder die Tragik auch mitschwingt. Oder wenn es sehr absurd ist. Wenn es mich überrascht, wenn es nicht was ist, was ich schon... Bei Witzen ist oft das Problem, dass sie sich sehr oft ähnlich aufbauen. Und mir geht es manchmal so, wenn der Satz beginnt, weiß ich schon, was der Witz ist und das finde ich dann eher langweilig und es ist aber gar nicht so leicht, eben Witze oder das ist halt die große Kunst im Kabarett, dass man wirklich in kurzer Zeit in zwei Zeilen oder so einen Witz macht. Ich meine, so wie ich es im Roman mache, ich baue eher etwas Innersprachliches auf. Und das ist gar nicht so leicht, einen wirklich guten Witz in sehr kurzer Zeit zu machen. Und wenn das gelingt, dass der überraschend ist, dann finde ich es gut. Und das können halt nicht viele, weil es ist erstens sehr viel Arbeit und zweitens, glaube ich, muss man das einfach auch können. Also in einem Interview, kann ich mich noch erinnern, mit Dirk Sterrmann hat er mal gesagt, eigentlich kann man alles sagen. Also das war so, da habe ich ihn angesprochen, so auf die Political Correctness. Sehen Sie das eben so? Ich finde das auch. Ich finde, das Interessante ist, sowohl beim Erzählen als auch beim Witz, dass es sehr stark darauf ankommt, weil die Themen wiederholen sich ja sowieso. Und natürlich geht es in den Comicfilmen um Tabubrüche. Und das finde ich auch gut und wichtig, weil das braucht man ja auch, um lachen zu können. Aber es kommt sehr stark auf den Blickwinkel an und auf die Formulierung. Ich bin ja auch oft gefragt worden, was darf Satire? Da dürfen tut es eh alles. Aber es ist halt, ich glaube, es macht mehr Sinn, und der Begriff Satire meint er ja auch schon, dass man halt jetzt nicht unbedingt nach unten haut. Ja genau, das hat er eben ausgeschlossen. Also über Minderheiten würde er sich zum Beispiel nie lustig machen, das hat er dann eben noch gesagt. Und auch das ist halt, das ist ein sehr, finde ich, ein sehr komplexes Thema, weil es dann wieder darauf ankommt, wer macht sich über wen lustig. macht sich über wen lustig und eben so, ja, also sich jetzt von außen über wen anderen, der eben irgendwie jetzt eine schlechtere Position hat, lustig zu machen, ist einfach für dich persönlich jetzt nicht wahnsinnig lustig. Ist auch nicht sowas, was mich jetzt überraschen würde, das kriegt man leider die ganze Zeit mit, hört man eh dauernd, will ich nicht mehr hören. Ich möchte auch noch über Ihr Programm sprechen, Die Party. Weil es ja da auch eine Fortführung gewissermaßen gab. Es gibt das Kabarettprogramm Die Party und dann eben den ersten Roman Die Party. Wie, vor allen Dingen, trennen Sie diese beiden Bereiche oder sind die eher, wie soll ich sagen, befruchtend einander? Kabarett und Schreiben. Ja, es war komisch. Literarisch Schreiben, ja. Es war seltsam für mich. Also ich habe das Kabarettprogramm dann geheißen aus Liebe. Das war dann das Kabarettprogramm. Und das waren Aus Liebe, das war dann das Kabarettprogramm und das war dann die Basis für den Roman Die Party. Und eben da war es schon, wie ich den Text angefangen habe zu schreiben und schon meinen Prämierendermin gehabt habe und gewusst habe, es wird ein Kabarettprogramm, habe ich mir schon gedacht, nachher will ich das Roman rausbringen, weil ich einfach so viel Material gehabt habe und ich wollte irgendwie, ich habe da gerade gelernt mit meiner Sprache umzugehen und ich habe irgendwie so das Bedürfnis gehabt, das weiterzuentwickeln. Und dann habe ich eben auch für Literaturstipendien angesucht und habe mich dann oft gefragt, darf man das eigentlich? Kann man Texte, die man für Kabarett geschrieben hat, also ich habe da manchmal so Sachen im Kopf, darf man das oder muss man das trennen? Und da bin ich dann drauf gekommen, ich kann machen, was ich will. Und im Kopf, darf man das oder muss man das trennen? Und da bin ich dann drauf gekommen, ich kann machen, was ich will. Ich weiß es nicht. Ich meine, mittlerweile bin ich ja, das zweite Buch hat mit Kabarett gar nichts mehr zu tun. Und ich glaube auch, dass das erste Buch, den merkt man da so ran, dass es für die Bühne geschrieben ist. Darum ist es ja dann auch ans Schauspielhaus gekommen. Natürlich befruchtet es gegenseitig, aber es gelten halt natürlich auch schon noch andere Regeln, eben wie ich es vorher auch erwähnt habe, dass ich, wie ich dann meine Texte für die Bühne geschrieben, also wie ich ein Bühnenskript daraus gemacht habe, da hat man einfach nochmal anders dran arbeiten müssen. Aber ich finde es spannend. Ich finde es sehr interessant, die eigenen Texte für unterschiedliche Genres auch zu verwenden. Ich bin jetzt öfters gefragt worden, ob ich es diesmal umgekehrt mache, ob ich aus dem zweiten Roman dann ein Kavarettprogramm mache. Da habe ich gesagt, nein, sicher nicht. Jetzt mittlerweile denke ich mir schon, eigentlich jetzt reizt es mich schon wieder. Wie würde ich das jetzt komprimieren auf 90 Minuten Kavarettbühne. Ja, schauen wir mal. Also als ich jetzt auf Sie gewartet habe, an der Haltestelle, da saß neben mir ein Mann und hat mir ich glaube in fünf oder sieben Minuten seine Lebensgeschichte erzählt und das war so skurril. Und dann habe ich mir gedacht, schade, dass Sie nicht da sind, weil Sie hätten vielleicht was daraus schöpfen können. Ich muss mir gedacht, schade, dass sie nicht da sind, weil sie hätten vielleicht was daraus schöpfen können. Ich muss auch sagen, ich kenne einen Schriftsteller, der alles, was er so, also nicht alles, aber einiges, was er so interessant findet in Gesprächen oder auch in der Straßenbahn hört, dass er das dann eben verwertet. Sind Sie auch so eine Verwerterin im positiven Sinn? Ich mache das, wenn mir Situationen oder Gespräche oder so wirklich sehr auffallen. Also ich sitze jetzt, bin jetzt keine, die im Café ist, die heute sagt, so jetzt gehe ich ins Café und höre Leuten zu und schreibe dann mit. Also das mache ich nicht. Aber manchmal bin ich in so Situationen, die ich mir dann aufschreibe. Und gerade wenn ich dabei bin, dass zum Beispiel ein neues Buch entsteht, da bin ich natürlich aufmerksamer und auch empfänglicher. Und manchmal gibt es Situationen, in denen fühle ich mich dann auch so. Sie haben dann was Surreales irgendwie und die schreibe ich dann auf und da habe ich schon auch Ideen, die zu verwerten. Da zum Beispiel in dem Buch ist eine Szene drin, wo die Anja in einem Arztwartezimmer sitzt und zwei ältere Damen so empört sind, weil sie die Zeitschrift nicht richtig hinlegt. Und das habe ich in uralten Aufzeichnungen von mir selber gefunden. Und ich war mir dann nicht mehr sicher, ob mir das wirklich passiert ist oder ob ich es mir einfach aufgeschrieben habe. Aber ich meine mich zu erinnern, dass mir das wirklich einmal passiert ist. Und das ist mir damals auch so absurd vorgekommen, weil das eben auch so eine surreale Situation war. Ich glaube, ich war in einem Arztwartezimmer und da waren zwei so ältere Damen, die dann, und ich glaube, es war auch ich diejenige, die die Zeitschrift irgendwie so ein bisschen schräg und die sind dann ewig lang da gewesen und haben gesagt, na, wir haben das ja noch gelernt. Ganz lang. Und sowas schreibe ich mir dann halt auf und manchmal findet es dann erst sieben Jahre später oder so irgendwo aus, wenn es halt wo reinpasst. Ja, ja. Also Ihr erster Roman, wenn wir jetzt ein bisschen noch über den reden, also die Party eine Einkreisung, was ja schon einmal ein bisschen, wie soll ich sagen, widersprüchlich ist. Ja, weil die Party ist ja, so finde ich, eine etwas freudige, etwas lustige Einkreisung, ist irgendwie nicht so angenehm. Eingreisung ist irgendwie nicht so angenehm. Also da sprechen Sie von einer Kochparty, wo so die Gutmenschen und der Feminist und so auftreten. Also ein bisschen war ich einmal, oder was heißt einmal war ich bei so einem Ambiente, bin dann aber sehr schnell geflohen. Also das heißt, Sie sind dann auch eine extrem präzise Beobachterin. Das ist mir schon öfters gesagt worden. Ich glaube, das ist vielleicht wirklich so Typsache. Ich glaube, ich sehe manche Dinge einfach, vielleicht sehe ich sie auch ein bisschen extrem manchmal, aber mir ist das immer schon gesagt worden, du beobachtest die mir sogar. Wir sagen auch manchmal, was die immer für Sachen passieren. Und dann denke ich mir, wenn ich so Geschichten erzähle, die ich beobachtet habe, manchmal, das stimmt schon, so im Zug zum Beispiel, manchmal passieren da komische Sachen. Und wenn ich die erzähle, sagen öfters Frauen zu mir, was ist denn passiert, was ist denn passiert, wie haben das passiert? Und vielleicht hat man irgendwie einen, vielleicht habe ich da irgendwie auch einen Blick dafür oder vielleicht höre ich da genauer zu, vielleicht fällt es mir einfach auf, vielleicht ist das irgendwie so, vielleicht kann ich deswegen ein Buch schreiben. Also diese Ironie und dieser Humor, den spürt man natürlich schon, finde ich, auch in Ihrer Literatur. Also mir hat auch besonders gut gefallen, wenn wir jetzt noch einmal zurückkehren zum so eben erschienenen Buch Malibu Orange, also diese Reflexionsebene, die sie manchmal einsetzen. Da gibt es so eine Episode, wo sie dann sagen, bei diesem Faschingsfest, was machen wir jetzt mit Anja und ihren Bienenflügeln oder so ähnlich. Und dann haben wir mal gedacht, es lässt einen weiten Interpretationsspielraum zu. Also fragt sich das jetzt die Autorin? Fragen wir uns das? Wie soll jetzt die Handlung weitergehen? Also es lässt sehr viel offen, was ich auch interessant finde. Also das setzen Sie gern auch ein, oder? Ja, eben da war auch so ein bisschen die Frage, also ich mag das auch irgendwie ganz gerne, immer so eine Stimme da so eben so Fragen zu stellen und das hat sich dann irgendwie so ergeben, vielleicht sind das auch Fragen, die ich mir selber stellen würde, wenn ich in so einer Situation wäre und mir war es wirklich auch, mir ist das immer wichtig, dass ich den Humor und die Absurdität und das Surreale und das Absurde, dass das in meiner Literatur drinnen ist. Das war auch interessant beim Bachmann-Text. Da haben ja Leute, die mich kennen und die meine Texte kennen, zumindest waren sie überrascht, weil es kein lustiger Text war. Interessanter war es aber, wie ich im Studio gelesen habe, dass die Menschen um mich herum durchaus geschmunzelt haben, immer wieder. Ich meine, das war jetzt wirklich eine Sterbeszene, die jetzt bei sehr einfach kein humoristisches Feuerwerk ist. Das ist halt einfach so. Und auch das Buch ist eigentlich vom Thema her ernst. Also es geht eigentlich um einen Verlust einer Freundschaft und es geht um eine sehr negative Beziehung. es sind auch viele Themen drin, die mich auch persönlich wütend machen. Und für mich ist so Dinge, die mich selber emotional stimmen oder so, die finde ich dann gleichzeitig auch irgendwie witzig auf eine Art. Ich glaube, weil sie mich wütend machen. Und ich möchte auch in dem und im Abgrund und im Düsteren dann halt trotzdem irgendwie so das Absurde und die Komik finden. Ich finde, das ist auch sehr tröstlich. Natürlich ist Literatur nicht das Leben, nicht die Realität. Aber wenn ich zurückdenke, einige Situationen, die wirklich alles andere als komisch waren, die wirklich traurig waren. Wenn ich jetzt zurückdenke, war dann immer irgendwie eine skurrile Note dabei. Ja, eben, das ist eben oft so. Ja, das finde ich dann, das ist eben oft so. Und das finde ich dann, das gefällt mir am Leben auch immer wieder, dass manchmal in Situationen, die einfach eben, wo alles ernst oder alles irgendwie auch negativ ist und plötzlich auch wenn es so eine Kleinigkeit ist, es ist immerhin etwas Seltsames oder Lustiges dabei. Und ich finde auch, das hat irgendwie was, macht es erträglich. Und ich würde jetzt auch nicht ein Buch mit einem ernsten Thema bei der Party, da haben ja auch viele Leute gesagt, ich finde das Buch deprimierend. Das ist ja auch sehr ironisch geschrieben, aber das Thema ist ja auch eher, es ist schon auch abgründig und ernst. Und ich würde jetzt nicht irgendwie ernste Themen jetzt in seiner sehr ernsten und schweren Sprache beschreiben wollen. Da interessiert mich dann mehr, wie kann man das in einer ironischen Sprache beschreiben. Wie sehen Sie denn so die Generation, weil Sie haben gesagt, also nur jetzt als Abschlussfrage, Sie haben gesagt, es hat sich irgendwie was verändert, weil die Kolleginnen und Kollegen, die tragen auch besser vor, oder? Sagen wir mal, die tragen alle gut vor, sagen wir es so. Hat sich so auch die Themen, das Schreiben der jungen Generation, der sie ja angehören, auch verändert? Ich kann es so schwer beurteilen. Also auch das, ob die Autorinnen heute besser oder selbstbewusster lesen, das weiß ich auch nicht. Mir ist es nur beim Bachmann-Preis aufgefallen, dass ich selber das Gefühl gehabt habe, die lesen alle sehr gut. Und man sagt Autorinnen immer wieder nach, die haben meistens keine Bühnenpräsenz. Und ich habe nur beim Bachmann-Preis gedacht, das stimmt einfach nicht, weil da war niemand dabei, der seinen Text nicht gut vorgetragen hat. Aber ich meine jetzt so von den Themen her. Oder vom Zugang zur Literatur. Ja, das weiß ich eben, jetzt bin ich ein bisschen abgeschweift, aber das weiß ich nämlich genauso wenig. Ich glaube halt, dass so jede Zeit halt auch ihre Themen hat, weil man lebt ja auch in der gleichen Zeit. Also ich sehe auch nicht der einzige Roman, der jetzt das Thema Berufe oder das Thema Gewaltbeziehung behandelt. Ich glaube halt einfach, als Autorin nimmt man einfach Tendenzen, also versucht man Tendenzen in der Gesellschaft wahrzunehmen und die zu erfassen und zu beschreiben. Und man lebt halt in der gleichen Zeit. Aber auf der anderen Seite, finde ich, bleiben die Themen dann auch immer wieder die gleichen. Gerade jetzt eben wieder, wenn man vom Bauchmannpreis redet, Mutter-Dochter-Themen, Mutter-Dochter-Konflikte, Familien, Vergangenheitsbewältigung. Also eigentlich sind es dann wieder Migrationsgeschichten. Das sind jetzt keine wahnsinnigen Themen, die man noch nie gehört hat. Ich glaube, es kommt immer darauf an, wie man es erzählt. Und ich glaube, die großen Themen bleiben wahrscheinlich. Ja, die bleiben natürlich. Aber die kann man natürlich immer auf sehr verschiedene Arten und Weisen erzählen. Sie haben gemeint, Sie arbeiten jetzt im Moment nicht als Kabarettistin? Also bei uns war es jetzt so, dass wir unser Projekt Flüsterzweig nach 15 Jahren beendet haben. Das war aber jetzt erst. Und jetzt ist sowieso in den Theatern nochmal Sommerpause und dann beginnt die nächste Saison. Ich habe das Buch fertig geschrieben, das auch dann jetzt ab Herbst präsentiert wird. Also ich habe jetzt gerade aktuell kein Kabarettprogramm, aber so ganz, ich habe mich nicht ganz davon verabschiedet, noch von der Bühne nicht verabschiedet. Da ist es jetzt, ich habe jetzt einfach mal das Buch geschrieben und dann ist es halt immer so, die nächste Frage, okay, kommt jetzt ein Programm oder kommt jetzt das nächste Buch? Und das ist jetzt eben gerade so ein bisschen, also es ist noch nicht fix entschieden, aber ich plane wieder ein Programm zu machen. Wünsche ich Ihnen für beides alles Gute, sowohl für Ihr nächstes Projekt, literarisch als auch kabarettistisch und vielen Dank fürs Kommen. Ja, danke für die Einladung. Also das war Literatur im Dorf, heute mit Ulrike Heidacher. Wir haben über Ihr soeben erschienenes Buch Malibu Orange gesprochen, auch über Ihren anderen Beruf, nämlich über Ulrike Heidacher als Kabarettistin und vieles mehr. Silvana Steinbacher wünscht Ihnen noch einen angenehmen Nachmittag und machen Sie es auf jeden Fall gut.