Weiter geht's mit Martin Pfeiffer. Sein Fachgebiet ist Biotechnologie. Er arbeitet, er forscht bei Azip. Das steht für Austrian Center of Industrial Biotechnology. Hat das Headquarter in Graz, aber auch einen Standort in Linz. Und der Martin ist Linzer, geboren in Linz. Deswegen freut er sich, in Linz auf die Bühne zu kommen. Sein Thema heute Pseudouridin, der geheime Held der mRNA-Impfstoffe. Riesenapplaus für Martin Pfeiffer. Thank you. 1.5 kg of pork belly Ich habe recht mitgenommen. Das ganze Kinderzimmer. Ja, hallo, ich bin der Martin und jetzt kann es losgehen. Also ich möchte euch heute etwas über meine Forschung erzählen. Und zwar forsche ich im Bereich der mRNA-Impfstoffe und möchte euch heute kurz erklären, wie die funktionieren und was wir dafür einen Beitrag leisten mit der biokatalyptischen Herstellung von dem Molekül Pseudouritin. Fangen wir als erstes einmal an mit dem Molekül der mRNA. Was ist das überhaupt? Fangen wir als erstes einmal an mit dem Molekül der mRNA. Was ist das überhaupt? Also mRNA ist ein Molekül, das kommt in jeder Zelle vor, also in eurem Körper auch. Im Prinzip ist das, kann man sich das vorstellen, wie eine Bauanleitung. Und zwar eine Bauanleitung für Eiweiße. Wir in der Forschung sagen für Eiweiße immer das Wort Proteine. Und ich denke, wir werden das heute auch die meiste Zeit verwenden. Die Sprache oder dieser Text ist nur in vier Buchstaben abgefasst. A, U, G und C. Das kann die Zelle lesen und kann dann Proteine herstellen. Jedes Protein in eurem Körper hat einen eigenen mRNA-Bauplan. Da gibt es zigtausende. Also, was hat das jetzt mit dem mRNA-Impfstoff zu tun? Beim mRNA-Impfstoff ist so, hoppala, muss vergessen, da ist mRNA, so ein Bauplan, in einem Fettkugelchen drinnen und wenn sich ihr jetzt die Spritzen in den Arm einjagt, dann verschmilzt das Fettkügelchen mit der menschlichen Zelle. Das heißt, da kommt der Bauplan in die Zelle rein. Beim mRNA-Impfstoff ist das der Bauplan für ein sogenanntes Spike-Protein. Es ist deswegen für Spike-Protein, weil der Virus, der hat auf seiner Oberfläche ganz viel von diesen Spike-Proteinen. Und wenn ich meinem Immunsystem beibringen will, an was es diesen Virus identifizieren kann, dann eignet sich dieses Spike-Protein wunderbar dafür. So, was passiert als nächstes? Die Zelle, brav wie es ist, fängt an den Bauplan zu lesen und stellt natürlich das Spike-Protein her. Jetzt habe ich eine menschliche Zelle mit einem Spike-Protein oben. Das Immunsystem, das kann man sich vorstellen wie ein bisschen Polizei, die guckt die ganze Zeit durch den Körper herum und kontrolliert die Zellen, was die gerade so machen. Und jetzt hat man plötzlich so eine menschliche Zelle mit einem Spike-Protein. Das kommt ihnen ziemlich komisch vor und dann schreien sie einmal ordentlich Alarm. Das rekrutiert das ganze Immunsystem und die Immunzellen fangen dann an, dieses Protein, dieses Spike-Protein zu analysieren und bauen so schnell wie möglich ein Abwehrprotein, einen sogenannten Antikörper. Der kann dann an das Spike-Protein binden und neutralisiert den, also inaktiviert den und somit kann sich der Körper dann auch gegen den Virus wehren, obwohl er den noch nie vorher gesehen hat. Und das ist das Geniale an Impfungen. Das macht jetzt alles super einfach an und man denkt sich irgendwie so, Das macht jetzt alles super einfach an und man denkt sich irgendwie so, warum braucht es eine geschissene Pandemie, bis die Forscher ähnlich drauf kommen, um so einen mRNA-Impfstoff zu entwickeln. Das ist ja super simpel. Der Hund liegt ein bisschen im Detail. Und zwar ist es so, dass wenn man so fremde mRNA in den Körper rein hat, dann erkennt das das Immunsystem sofort. Er kommt das spanisch vor und denkt, das könnte ja zum Beispiel auch von einem Virus sein und fängt an, das sofort zu zerhexeln. Das ist ein Problem, wenn man einen Impfstoff machen will, weil ohne mRNA-Bauplan gibt es kein Spike-Protein, keine Immunantwort und daher wirkt das ganze Zeugnis. Das heißt, man muss irgendwie das Problem lösen, dass das Molekül stabiler wird. Das hat Forscher jahrzehntelang beschäftigt und vor kurzem ist mir da eben draufgekommen, wie man das lösen, dass das Molekül stabiler wird. Das hat Forscher jahrzehntelang beschäftigt und vor kurzem ist mir da eben draufgekommen, wie man das lösen kann. Und die Lösung ist erstaunlich einfach. Man kann nämlich einen Baustein oder einen Buchstaben austauschen. Man kann aus dem U ein Y machen. Das U steht für Uridin und das Y steht für das Molekül Pseudoridin. Das ist auch das, was wir dann herstellen wollen. Das ist genial, weil die Zelle kann diesen Bauplan noch immer lesen, so wie sonst kein anderer Buchstabe war, aber das Immunsystem zerhexeln sie uns nicht mehr. Jetzt haben wir mRNA, die wirklich für einen Impfstoff zu gebrauchen ist. Dafür ist auch dieses Jahr, also für die Entdeckung, ist dieses Jahr der Medizin-Nobelpreis vergeben worden. Die mRNA-Technologie funktioniert wunderbar, nicht nur für Covid, auch für klinische Studien und Entwicklungen im Bereich anderer Infektionskrankheiten, aber auch gegen Krebs. Und deswegen ist zu erwarten, dass man in Zukunft immer mehr von diesem Pseudoredin-Molekül brauchen wird. Derzeit wird das chemisch-synthetisch hergestellt, da braucht es sehr viele Reaktionsschritte für Energie und ist einfach ineffizient. Und wir haben uns diese Frage angenommen, wie kann man das besser machen? Und ich arbeite in meinem Labor, wir beschäftigen uns mit dem Thema Biokatalyse. Was heißt das jetzt wieder? Biokatalyse ist im Prinzip ein Prozess, das läuft tagtäglich in jedem von eurem Körper ab. Denn was das bedeutet ist, dass Proteine, sogenannte Enzyme, die schauen ein bisschen so aus wie Pegments, die sind Reaktionsbeschleuniger in eurem Körper. Als Biotechnologe würde ich sagen, jeder Mensch, wie er so da sitzt, ist nichts anderes als ein Bioreaktor, in dem ständig chemische Reaktionen ablaufen und die müssen beschleunigt werden von sogenannten Enzymen. Die machen, dass die Reaktion aber Raumtemperatur geht, weil ein Mensch kann ja schlecht kochen, damit eine chemische Reaktion stattfindet. Und wir forschen an diesen Enzymen und überlegen uns, wie wir die nutzen können. Im Fall von diesem Uridin und Pseudoridin haben wir uns überlegt, weil das U und das Y ja so ähnlich ist, könnten wir ja versuchen, aus einem U ein Y zu machen. Aus einem Uridin ein Pseudoridin, weil das U ist super billig zu kaufen. Das heißt, wir haben das U genommen, haben es in unsere Reaktionskessel reingekauft, dann haben wir geschaut, wie viele Reaktionen braucht es, um aus einem U ein Y zu machen. Es braucht vier Reaktionsschritte. Dann haben wir uns vier Enzyme gesucht, die das machen können. Haben sie in ein paar hergestellt und reingekauft in die Reaktion. Eins, zwei, drei, wir müssen schon alle rein. Vier, und dann bin ich heimgegangen, in der Bar hergestellt und eine Kalle in die Reaktion. Eins, zwei, drei, hoppala, müssen schon alle rein. Vier, und dann bin ich heimgegangen und hab einmal eine Runde geschlafen. Nächsten Tag, in der Früh, kommen jetzt ein paar rein und aus dem U ist ein Y geworden. Superlässig. Das funktioniert so gut, das funktioniert so gut, dass das Y sogar auskristallisiert ist. Das sind feine Kristalle, die kann man dann nehmen und direkt in die RNA einbauen. Das Ganze ist nachhaltig und super günstig und wir hoffen, dass wir in Zukunft die mRNA-Impfstoffe dadurch billiger und nachhaltiger produzieren können. Danke sehr. Martin, ein Wahnsinn. Wow. Kommentar im Chat. Warum hat man das nicht schon viel früher so gut erklärt, um den Menschen die Angst vor dem mRNA-Impfstoff zu nehmen? Du hättest in der Pandemie im Fernsehen auftreten sollen. Noch eine Frage. Was ist denn da auf deinem Pullover abgebildet? Das ist ein Bands-T-Shirt. Es hat jemand deine Musikgeschmack gelobt. Welche Band ist das? Das ist Dark Bands-T-Shirt. Ja, es hat jemand deine Musikgeschmack gelobt. Welche Band ist das? Das ist Darkthrone. Alltagsheld. Ja, absolut meine Meinung. Gerne jetzt die Gelegenheit, Fragen an die Martin zu stellen. Das heißt, dieses Pseudo-Uridin, der trinkt damit, war der jetzt bei unserem Covid-Impfstoff, den wir uns spritzen lassen, schon dabei? Ja, war schon dabei. War schon dabei. Es ist ja interessant, das Pseudouridin, das kommt da bei uns natürlich in den Zellen vor. Also die mRNA, das habe ich ein bisschen vereinfacht dargestellt, aber die enthält auch natürlich das Pseudouridin und die haben sich das ein bisschen von der Natur abgeschaut. Noch eine Frage, warum ist Uridin billiger als Pseudouridin? Natur abgeschaut. Noch eine Frage, warum ist Uridin billiger als Pseudouridin? Uridin kann man durch Fermentation herstellen. Das bedeutet, man nimmt Bakterienhaut in einen Kästlein in Warteterzeit und dann kacken die im Prinzip das Uridin und dann kann man das nehmen und verarbeiten. Aber es hat nichts mit Urin zu tun? Nein, es hat nichts mit Urin zu tun. Uridin ist ein Baustein von der RNA. Ist das Ganze schon marktreif? Also kann es wirklich schon auch in den Größenordnungen produziert werden, die wir brauchen? Wir sind da gerade an der Umsetzung dabei, mit Industriepartnern. Noch eine ganz wichtige Frage. Ist das ein Dino-Ei? Ja, ist ein Dino-Ei. Habe ich mir auch von meinem Sohn geflattert. Eine ganz spezifische Frage noch. Was ist der Unterschied zwischen Uridin und Urazil? Also Urazil und Uridin hängen zusammen. Und zwar, man kann es so vorstellen, das Molekül Uridin besteht aus zwei Teilen. Das eine ist der Zucker, das ist die Ribose und das andere ist die Base. Und die Base, die da dranhängt an dem Zucker, das ist das Urazil. Und wenn andere ist die Base. Und die Base, die da dran hängt an dem Zucker, das ist das Uracil. Und wenn man die genetische Information eben ausliest, dann lesen die Enzyme, beziehungsweise in dem Fall dann das Ribosom, immer das anhand der Basen, also anhand vom Uracil, genau. Also egal, was man ihn fragt, er kann alles anschaulich erklären. Eine ganz wichtige Frage noch. Habt ihr das schon patentiert? Ja, ist patentiert. Okay, also keine Gefahr, dass das Irrenweiter im Publikum es jetzt schnappt. Du wurdest auch gelobt für das Ausmalen der Buchstaben. Also nicht nur dafür, sondern vielleicht auch in den gesamten Auftritt hast du nochmal einen Riesenapplaus verdient. Martin Pfeiffer! Vielen Dank! Applaus