Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich möchte Sie sehr herzlich zur heutigen Verleihung der Heimrat Becker Preise 2023 begrüßen. 2023 ist nicht nur für das Stifterhaus ein besonderes Jahr. Vor 30 Jahren wurde das Stifterhaus in seiner heutigen Gestalt neu eröffnet. Heuer ist auch ein besonderes Jahr im Zusammenhang mit Heimrat Becker und der Verleihung der Heimrat Becker Preise. 2003, also vor 20 Jahren, wurde der von Heimrat Becker gemeinsam mit seiner Frau Margret Becker gestiftete Preis von der Interessengemeinschaft Heimrat Becker erstmals verliehen. Die erste Preisverleihung fand noch im Beisein von Heimrat Becker im Rahmen einer Ausstellung zu Beckers Werk in der Oberösterreichischen Landesgalerie statt. Im selben Jahr 2003 ist Heimrat Becker einen Tag vor seinem 78. Geburtstag verstorben. Seit 2004 werden nun die Preise jährlich in seinem Andenken von der Interessengemeinschaft Heimrat Becker hier bei uns im Stifterhaus verliehen. Vielen Dank für diese langjährige Zusammenarbeit. Der Sohn Margret Beckers, Michael Marig, ist heute bei uns. Wir freuen uns sehr. Herzlich willkommen. Der Interessengemeinschaft Heimrat Becker gehören Dr. Thomas Eder, seine Frau Dr. Gabriele Kaiser und der Übersetzer. Und sie ist Erhan Altan an und ich begrüße für die Interessengemeinschaft Heimra Becker Dr. Thomas Eder, der seit Anbeginn die Agenten betreut, sehr herzlich willkommen. Die von der Interessengemeinschaft Heimra Becker zu nominierende Jury besteht seit 2010 aus dem ersten Preisträger des Beckerpreises, Franz Josef Cernin, aus Thomas Eder und dem Preisträger bzw. der Preisträgerin des jeweiligen Vorjahres. Und für die heurige Jury begrüße ich sehr herzlich den Heimra Becker Preisträger 2022, Ulrich Schlotmann. Thomas Seel habe ich ja schon begrüßt. Herzlich willkommen. Eine besondere Freude ist es uns, die zu feiernde Preisträgerin und die beiden Preisträger willkommen heißen zu können. Daniela Seel, die mit dem Heimrapeckerpreis 2023 ausgezeichnet wird, Robert Stripling, der heuer den Förderpreis zum Heimrapeckerpreis erhalten wird und Florian Neuner, den Preisträger des Neuen Texte Essaypreises. Wir gratulieren sehr herzlich. Applaus Kritiker und Literaturpublizisten Paul Jandel gehalten. Paul Jandel arbeitet seit 1994 für die Neue Zürcher Zeitung, seit 2010 für die Welt. Ebenfalls herzlich willkommen im Stifterhaus. Der Heimra Becker-Preis zeichnet Dichterinnen und Dichter aus, deren Werk im Zusammenhang zu sehen ist, wie sie Heimra Becker in seiner Edition neue Texte verlegt hat. So lauten ganz kurz die Richtlinien der Jury. Wir vom Stifterhaus haben seit der ersten Lesung Heimra Beckers bei uns am 11. Mai 1999 und dem zweitägigen Symposium zu seinem Werk im Mai 2000, in dessen Rahmen er ebenfalls gelesen hat, und in dieser langen Zeit der jährlichen Verleihung der Heimrat-Becker-Preise nicht nur viele Facetten des Schaffen Heimrat-Beckers kennengelernt, sondern auch viel erfahren über Autorinnen und Autoren, deren Werk mit der ästhetischen Ausrichtung der Literatur, wie Heimrat-Becker sie verlegt hat, im Zusammenhang steht. In diesem Sinne wünsche ich uns auch heute einen anregenden Abend, übergebe das Wort an Thomas Eber. Vielen herzlichen Dank, Regina Pinter und dem Stifterhaus, meine sehr geehrten Damen und Herren. Ich darf Sie ganz herzlich begrüßen zu dieser Preisverleihung der Heimatbeckerpreise, ebenso wie alle Preisträgerinnen und Preisträger, die heute hier zum Glück zu Gange sind und Laudatorinnen. Vielleicht noch ein paar Worte zum Heimatbeckerpreis. zu Gange sind und Laudatorinnen. Vielleicht noch ein paar Worte zum Heimatbecker-Preis. Er ist, wie ich meine, ein außergewöhnliches Signal der Literaturförderung aus mehreren Gründen. Zwei seien genannt. Das eine, die Großzügigkeit des Preisspenders, Preisstifters. Heimrit und Margret Becker haben den Erlös aus dem Verkauf ihres Vorlasses an die Nationalbibliothek nicht, wie das auch im Raume gestanden sei, kurz einer kleinen Gasonäre am Attersee gewidmet, sondern eben der Förderung von Autorinnen und Autoren und diesen Literaturpreis dafür gestiftet. Das ist der äußere Grund. Und zum anderen, und das ist ja die innere Notwendigkeit, ein Literaturpreis, der so dezidiert einer Literatur als Kunst, einer experimentellen Literatur, einer relevanten Literatur oder mit welchen Wörtern, Epitheter und sonstigen Bezeichnungen man diese Literaturausrichtung, die Autorinnen und Autoren, die in dieser Zeit das produziert haben, was ausgezeichnet werden soll und sollte geschrieben haben. Im Rückblick wird man möglicherweise hier auch angemessenere Bezeichnungen finden. Ein Paradox gilt es dabei vielleicht zu überkommen, nämlich Literatur als Kunst, wie ich jetzt einmal dazu sage, Literatur als Kunst bleibt sich im Grunde immer gleich und andererseits Literatur als Kunst ändert sich im Grunde immer. Und in diesem Paradox, das es auszuhalten gilt, muss man auch wahrscheinlich die Fäden ziehen und sehen, was es denn heißen kann, wenn literaturgeschichtlich Zeit vergeht und man dennoch auch Literatur schreiben will, Texte schreiben will, und man dennoch auch Literatur schreiben will, Texte schreiben will, die etwas dazu beizutragen haben, was Literatur sein kann und vielleicht auch immer sein sollte und muss. Ich denke, die Arbeiten der beiden Preistragenden, der Heimatbecker-Preise und des Neue-Texte-Essay-Preises, hängen, wie ich meine, auf vielfache Weise mit der Arbeit Heimrath-Beckers zusammen. Zum einen, und das ist groß gesagt und vielleicht auch viel länger und ausführlicher von den Zulobenden noch zu erweisen, durch die ästhetische Qualität, also ein ästhetisches Qualitätsmerkmal und Urteil, das auf alle diese drei heute hier vorlesenden Autorinnen und die Autorinnen zutrifft. Die Möglichkeit sprachlichen Erinnerns und Dokumentierens, die auch Heimatbeckers Hauptwerk, nämlich die Nachschrift, antreibt, ist, wenn ich das so kurz sagen darf, auch und in vielleicht anderer, mehr ins Individuelle gewendeten und verlagerten Ausrichtung ein sehr wichtiges Moens in der Prosa Robert Striplings. Aus seinem Buch Unterstunden haben wir, das sind die Juroren, einander bei der Jury-Sitzung begeistert vorgelesen, angerührt von der Überblendung des Erinnerten auf sprachliche Gestaltung und vielleicht umgekehrt, dass aus der sprachlichen Gestaltung, aus Besonderheiten von sprachlichen Ähnlichkeiten Erinnerung auch aufsteigen kann und erstmals aufsteigen kann, wenn etwa aus einem tosenden Hang ein tobender Todeshang wird oder wenn von Termiten oder Tretminen die Rede ist. Florian Neuner ist als Autor, Herausgeber der Zeitschrift für neue Prosa Idiome und als literarischer Essayist ein Rufer der Unhintergebbarkeit und der Unsistierbarkeit des literarischen Experiments, auch wenn sich, wie gesagt, mit den Bedingungen auch die Ausformungen dessen, was man als experimentelles Schreiben gelten lassen kann, immer verändern können und vielleicht auch verändern müssen. Auch hier ist die Beziehung zu Beckers Arbeit als Verleger und Autor mehr als offenkundig. Und Danielas Seels poetisches Werk, dazu auch von mir später noch mehr, ist durch die Verknüpfung von Bild und Fotografie und Text sowie auch durch ihre weitere Arbeit im Feld der relevanten Literatur auch ebenso offenkundig mit dem Werk und dem Wirken Heimatbeckers verknüpfbar. Der heutige Abend wird so verlaufen. Es wird zuerst Paul Jandl eine Laudatio auf Robert Stripling halten. Robert Stripling wird aus seinem Werk vorlesen. Danach Maren Jäger die Laudatio auf die Preisträgerin Daniela Seel, die dann jeweils vortragen wird. Also zuerst die Worte der Lobenden, gefolgt von ihrem Kern, den Lesungen der Autorinnen. gefolgt von ihrem Kern, den Lesungen der Autorinnen. Dass das Land Oberösterreich, die Stadt Linz und die Kunstsektion im Bundesministerium diesen Preis unterstützen, hat zum einen natürlich den Aspekt, dass sie Literatur fördern wollen und können und andererseits auch die Arbeit Heimatbeckers hier in Linz, aber auch die Arbeit Beckers, Autorinnen nach Linz zu bringen, zu würdigen. Ich wünsche uns jetzt einen schönen Abend mit Dichtung und Prosa, gratuliere allen Preistragenden im Namen der Jury und bitte jetzt dann Paul Jandl als erster Laudator, Dann Paul Jandl als erster Laudator, der, wie das schon Frau Pinter, Regina Pinter erwähnt hat, an vielen Ecken und Enden des imaginären Literaturraums seit Langem wirkt, als Literaturkritiker, als einer der maßgeblichen Literaturkritiker für maßgebliche Medien, als ehemaliger Verlagslektor, als Dozent für Literaturkritik und als Preisjuror, früher eine Weile beim Bachmannpreis und seit langem und ongoing beim Ernst-Jandl-Preis für Lyrik. Und es freut mich nun sehr. Und ich darf dich, lieber Paul, um deine Laudatio bitten. Schön in Linz zu sein, in dieser paradoxen Stadt. Stifter und Heimatbecker haben sich ergänzt, sagen wir mal so. Es ist natürlich gut, dass es Stifter gibt und es ist gut, dass es einen Gegenstifter gibt, den Heimrat Becker. Und wir haben uns immer wieder konspirativ getroffen in Linz und drüben im neuen Rathaus, das der Vater von der Dichterin Brigitta Falkner geplant hat und das auch wie eine Rache der Moderne an dieser alten Stadt wirkt. Und in diesem neuen Rathaus gab es einen Griechen, wo Heimatbecker gerne hingegangen ist und dort haben wir uns über die neuesten Entwicklungen in Sachen Literatur unterhalten. Und Heimatbecker war ja, es gibt Leute, die ihn besser gekannt haben als ich, aber war sozusagen immer auch eine Nachschrift dessen, was er publiziert hat. Also in ihm haben diese Texte wirklich gewirkt, physiologisch, biochemisch war dieser Mensch zum Teil auch aus Texten bestanden und diese Begeisterung war wirklich enorm und dieser Verlag, den er gegründet hat, mit diesem Verlag hat er Autoren mitbegründet, was wirklich eine sensationelle Leistung ist. Und das Schöne ist, dass Daniela Seel heute den Hauptpreis kriegt, die für viele Autoren auch so etwas ist. Ohne Daniela Seel gäbe es viele Autoren nicht, gäbe es das Selbstbewusstsein als Autor nicht, Autoren nicht, gäbe es das Selbstbewusstsein als Autor nicht, auch wenn Lyrik immer ein etwas unbelohntes Geschäft ist, aber auch so ein Buch wie das von Robert Stripling, du hast es gesagt, das ist auch ein Nachschrifttext, ein Erinnerungstext, auch dieses Buch gäbe es vielleicht nicht ohne Daniela Seel, also dieses ganz enorme Ding, das unter Stunden heißt. Und insofern ist das heute ein bisschen Vereinsabend, die Cookbooks-Verlegerin und der Cookbooks-Autor. Und das ist nochmal was ganz besonders Schönes, wie ich finde. Das ist nochmal was ganz besonders Schönes, wie ich finde. Wie schaut die Literatur in die Welt? In seinem Buch Unter Stunden hat Robert Stripling ein Bild gefunden, das die perspektivischen Verschiebungen der Wahrnehmung auf den Punkt bringt. Auf der ersten Seite dieses erstaunlichen autobiografischen und poetologischen Werks blickt der Erzähler durch den Türspion und sieht sein eigenes Auge. Wer schaut wen an? Handelt es sich hier um ein reines Spiegelfenomen oder ist der Türspion eine Schwellenmetapher unserer Subjektivität? Wenn unser Ich meint, die Welt da draußen vor sich zu haben, dann hat es doch immer nur eine Welt da drinnen vor Augen, die meint, die Welt da draußen vor Augen zu haben. Robert Striplings Buch ist selbst eine Art Türspion, ein magischer Apparat. Das Buch liefert eine totale der Welt und zugleich totale Subjektivität. Man könnte das auch romantisch nennen. Wo sind wir hier? Es gibt topografische Namen wie den der Stadt Frankfurt mit seinem Ortsteil Griesheim, Rom kommt vor oder das Örtchen S in der Nähe von Hannover. Zeitlich staffelt sich die Geschichte des Erzählers bis in die Kindheit zurück, um dann wieder in der Gegenwart zu landen. Schemenhaft erkennt man die Figur des Vaters. Die Klammer zwischen all den Bildern ist ein fragiles Ich. Zitat Am Nachmittag das Gesicht gewaschen und Angst gehabt, ich hätte es weggespült. Nun gut, wer wäre ich jetzt? Heißt es an einer Stelle und später, wo bin ich, wenn nichts feststeht? Steht in diesem Buch gar nichts fest, unter Stunden ist der Gegenentwurf zu einer Literatur, die aus autobiografischem etwas Selbstgewisses macht. Während die risikofreien Routinen des autofiktionalen Schreibens nur Antworten produzieren, die sich zu so etwas wie Identität bündeln lassen, stellt Robert Stripling Fragen. Sein Erzähler befragt eine fragmentierte Welt. Er geht durch diese Welt, so wie sie durch ihn hindurch geht. Er beobachtet und notiert, Erinnerungen tauchen auf und Zitate aus Lektüren. Was wichtig ist, auch im Buch, sind Fotografien, die in diesen Text eingebettet sind und die ihre eigene ästhetische Wirklichkeit entfalten, die diesen Text unterlaufen und ergänzen, die sozusagen eine eigene Geschichte erzählen und trotzdem in dieser Präzision der Fotografie, in diesem strengen Schwarz-Weiß sozusagen ihre eigene Semiotik mitliefern. Also auch das Gestalterische des Buches, man muss da einfach den Cookbooks-Verlag nochmal erwähnen, ist in seiner Intensität ganz enorm. Nie kann sich der Erzähler sicher sein, dass sich im Augenblick des gerade Erzählens, des Notiznehmens nicht etwas anderes dazwischen schiebt, dass sich Wirklichkeiten und Dringlichkeiten überlagern. Von der Stringenz der Assoziation und von der Konsequenz der Collage ist im Text die Rede und genau das ist auch das Konstruktionsprinzip des Textes. Er ist sprunghaft, sein Inhalt lässt sich nicht einfach nacherzählen. Am Ende ist der Inhalt dieses Textes ja die Sprache selbst, ein fulminantes Funkeln aus reflexiven Passagen und Beschreibungen. Robert Striplings Buch ist prozesshaft in einem fast pathetischen Sinn und das wird gleich am Anfang deutlich gemacht. Zitat, ich bin im Aufbruch, wo ich gehe, als würde ich seit jeher wirklich aus demjenigen Schlummer erwachen, aus dem der Alltag hervorgeht. Blütenartig, indem dieser jenen erträumt. Ich probierte versuchsweise mich zu erklären, ich meinte Zusammenhänge zu erkennen, einer Kausalität, deren Spielball ich war. Doch brachen diese im nächsten Augenblick weg. Alles war zugleich verbindungslos, synchron. Die Bruchstücke wie wunderlich funkelnde Glasscherben auf dem Gehsteig Richtung Rossmarkt. Kann ich mir sicher sein nun, dass ich mich nicht täuschte? Wenn es stimmt, dann hat Robert Stripling zehn Jahre an seinem ersten Buch gearbeitet. Davor und nebenbei gab es Gedichte und einen Band, der eine apokryphe Wissenschaftsgeschichte erzählt. Er ist 2018 erschienen und heißt Verpasste Hauptwerke. Darin sind Zitate aus allen Gebieten der Forschung präsentiert. Es ist eine parodistische Lockerungsübung zwischen Wahrheit und Geflunker. Die Wirklichkeit ist ein Eingeständnis, schreibt der sich selbst zum Herausgeber stilisierende Robert Stripling. Er erklärt aber nicht näher, was hier eingestanden wird. Liest man seine Texte, dann hat man das Gefühl, dass die Wirklichkeit ein Eingeständnis von Schwäche ist. Was soll man denn machen, als sich auf irgendetwas zu einigen, das man dann Wirklichkeit nennt? Die Wirklichkeit ist Konsens. Gäbe es diesen Konsens nicht, könnte man den Laden, den wir die Welt nennen, zusperren. Wie gesagt, zehn Jahre hat Robert Stripling an seinem Buch unter Stunden gearbeitet, das im Untertitel Album 1 heißt. Damit wird wohl nicht ohne Grund angedeutet, dass es noch weitere solche Alben geben soll. Weitere Wirklichkeitsdekonstruktionen und poetologische Beweisführungen, dass jeder, der zu erzählen versucht, sich eines Verrats an der wirklichen Realität schuldig macht. In Unterstunden gibt es tatsächlich so etwas wie eine virulente, fast überwirkliche Realität. Es ist eine Traumaerfahrung, die aus dem Text heraussticht. Immer nur in kurzen Passagen kommen die Kindheitserinnerungen vor, die mit dem Vater zu tun haben und mit nicht näher benannten Männern. Sie bilden dumpfe Interessensgemeinschaften mit den üblichen Ritualen des Biertränkens und einer paradox auftrumpfenden Selbstunsicherheit, die unter Alkoholeinfluss offenbar zu Gewalt führt. Der Vater grölt das Horst-Wessel-Lied, schlägt mit der Faust auf den Tisch. Wieder und wieder geht er in den Keller, um sich noch eine Flasche Bier zu holen. Aus seinem Rachen kommen kehlige Laute. Der Vater ist, Zitat, ein Geprügelte, der selbst zum Prügelnden wurde. Aber wer ist der Erzähler? Die dem Buch immanente Frage, wer bin ich, schreibt sich hier einer Kulmination entgegen. In der Erinnerung sieht sich das kindliche Opfer von innen und von außen zugleich. Unter Stunden, der Titel von Robert Striplings Werk, verweist auf die Uhr, die das Kind unterm Schrägdach sieht, als ihm Gewalt angetan wird. Mit diesem Bild der Uhr bleibt die Zeit stehen. Auf der Netzhaut der Erinnerung ist ihr Bild eingebrannt und fürderhin alle Chronologie wie ausgelöscht. Zitat Das beruhigende, parataktische Und, das eine Zeitenfolge der Erzählung ergeben könnte, existiert nicht mehr. Die Welt zerfällt in Partikel. Und damit sind wir auch bei dem, was diesen autobiografischen Text ins Erzählskeptische der Moderne einreiht. Walter Benjamins Passagenwerk, das fragmentarisch Welterfassende eines Novalis und den philosophischen Etüden von Maurice Blanchot, ruft Robert Stripling zu Kronzeugen seines Schreibens auf. Er fädelt seinen Text ins Nadelöhr des Zweifels und landet auf kunstvolle Weise bei den Eudämonien einer Friederike Mayröcker. Die österreichische Schriftstellerin scheint so etwas wie die Schutzheilige von Unterstunden zu sein. Auf nicht wenigen Seiten finden sich Anklänge an ihre Prosa. Performativ wird übernommen, was Mayröcker das euphorische Auge genannt hat. Es ist ein überschäumendes Schauen, das sich Striplings Buch anverwandelt. Mayröcker und Novalis treiben die Wahrnehmung ins Synesthetische vor. Der Autor von Unterstunden zitiert den romantischen Dichter und Philosophen mit dem Satz, es ist kein Schauen, Hören, Fühlen. Es ist aus allen dreien zusammengesetzt. Die Naturforscherin und Künstlerin Maria Sibylla Merian war noch eine, die genau hingeschaut hat. Auch sie wird vom Schreibenden Robert Stripling erwähnt, bekommt ihren Platz an der Seite von Meyrückers Enthusiasmus der Genauigkeit. In Unterstunden stehen die Sätze, dass Maria Sibylla Merian, sage ich zu Anna B., den Atlantik überwärmers hellsehgrün zwischen aufrecht wachsenden Blütenständen abpausten. Pigmentbilder oder Stundenstauben, das dichtige Strüpp, alles abzeichnen, sage ich, damit es festgehalten sei. Eine Art göttlicher Huldigung, eine Huldigung der Schöpfung USF. Und sofort das meierische USF. In Unterstunden steht auch, ich liebe die Welt, ich liebe den unerklärlich erfüllenden poetischen Zustand, poetischer Zustand in Versalien. poetischer Zustand in Versalien. Im dichten Gestrüpp von Robert Striplings Buch ist eine von Sibylla Merian gezeichnete Vogelspinne ein Symbol der Gefahr. Ihr Bild fügt sich in eine vom Autor kaleidoskopisch dargestellte Gegenwart der letzten drei Jahrzehnte. Frankfurter Banker in ihren Pausen, niedersächsische Reihenhaus-Szenen, ein syrisches Kind im Treppenhaus, norddeutsche Schützenfeste, schwankende Halteschlaufen in der Trambahn, die auf Glatteis gestürzte Mutter. Dieser Text ist eine Textur und damit kommen wir zu einer weiteren, vielleicht entscheidenden, poetisch-poetologischen Überhöhung des Projekts unterstunden. Es ist der Mythos der Philomela. Philomela war eine Tochter des attischen Königs Pandion. Sie war die Schwester von Progne, die dem Tragerkönig Tereus zur Frau gegeben wurde. Tereus begehrte aber auch Philomela. Er vergewaltigte sie in einer Waldhütte und schnitt ihr die Zunge ab, damit sie das Verbrechen nicht verraten kann. In ihrer Gefangenschaft im Wald wob Philomela die Geschichte der Vergewaltigung in ein Kleid, das sie ihrer Schwester Prokne zukommen ließ. Prokne las die Textur des Kleides richtig und schritt zur Rache. Im Mythos von Philomela sind Praxis und Hermeneutik, Poesie und Poetologie miteinander verschränkt. Das künstlich Hergestellte verweist auf etwas grausam Reales. Der in die Textur verwobene Sinn muss aus diesem herausgelesen werden, erst dann ist Rettung möglich. Vielleicht kann es zum Buch unter Stunden keine bessere Leseanleitung geben. Aus dem fulminanten und fulminant klugen Wimmelbild dieser Prosa wird dann noch einmal etwas ganz anderes. Ein Gegenwartsbild, das gerade durch die geschilderten Qualen des Persönlichen eminent politisch ist. Unter Stunden ist literarische Emphase bei gleichzeitiger analytischer Nüchternheit. Wenn es jetzt Robert Striplings Werk als Album 1 gibt, dann sollte es unbedingt auch Fortschreibungen davon geben. Fortlaufende Alben, große Splitterwerke des Bewusstseins und des Schauens, des In-der-Welt-Seins. Im Sinne von Novalis, Derrida, Blanchot, Mayröcker, Maria Sibylla Merian und auch Adorno, der sagt, die Absurdität des Realen drängt eine Form auf, welche die realistische Fassade zerschlägt. Vorderpreis. Man muss vom Autor unbedingt fordern, so weiterzumachen wie bisher, damit alles in der Welt des Schreibens und der Wirklichkeit nicht so bleibt, wie es bisher war. Ich gratuliere Robert Stripling sehr herzlich. Ich nehme die Forderung an. Ich freue mich wahnsinnig. Ich freue mich wirklich wahnsinnig. Ich habe lange überlegt und dann habe ich gespürt, ich freue mich. Ich freue mich wahnsinnig. Paul für die Laudatio, vielen Dank an die Jury, Ulrich Schlotmann, Thomas Eder, Franz-Josef Tschernin. Das ist jetzt ein Jahr her, am 9.6. ist das Buch erschienen und dass Sie mir diesen vorgezogenen Geburtstag für das Buch, diesen vorgezogenen einjährigen Geburtstag ermöglichen. Das freut mich. Bei aller Unsinnigkeit und Sinnigkeit von Preisvergaben, die ja zu diskutieren ist, heutzutage in postpandemischen Zeiten, habe ich mich dann dafür entschieden, ich möchte meiner Lesung ein Zitat voranstellen, was mich in den letzten Wochen begleitet hat, als ich überlegt habe, welche Auszüge ich aus dem Buch lesen kann. Und es ist ein Zitat von Arnold Stadler aus seinem jüngsten Buch Irgendwo, aber am Meer. Wieder einmal Hilfe kam aus Österreich. Ich lese einen Zusammenschnitt aus drei Passagen. Derart schrie am Hafen von Marseille, sage ich zu Arna B., vor einigen Jahren eine eindringliche Allgegenwart. Diese Allgewalt, sage ich, eines unendlich umfassenden Weltempfindens, das mir nachhetzte, aus meiner Laufgeschwindigkeit raus oder wie aus der Geschwindigkeit hervorgebracht, global umspanntes Vorgefühl oder oder gewühl das mir folgte so rannte ich weiter wie fliehend vor mir selbst davon mit dem hut von lüg als er noch lebte oder wie man so sagt am leben war als sei man einer der daran entlang lebt am leben ist nicht drin oder dabei lediglich daran dran an der mauer entlang an der peripherie der außenhaut epidermis mit diesem weißen hut von lüg auf meinem k, als er noch lebte, sage ich zu Arnabé, und dem Gepäck sein Zelt, das ich geliehen hatte für den Abstecher nach Korsika. Weil ich unbedingt die korsischen Berge sehen wollte, die sich im Mittelmeer aufkämmen, aus der Strömung heben, unerwartet, als träfe man urplötzlich eine Geisterinsel, ein heimliches Eiland, das die Entdeckung sehnt. Diese flüchtigen Menschenkörper, flüstert Ampers Stimme, durchziehen dich immer zu. Diese vielen, die dich umspülen bei deinem Schweigen, schreiben. Meine Streifzüge oder Spaziergänge spreche ich beim Gang am Mainufer entlang. Es genügt eine einzige Begegnung für den ganzen Monat. Vor wenigen Tagen zog die Familie aus der Wohnung über mir aus. Mit dem syrischen Mädchen, das irgendwo nun groß werden wird. Vielleicht wieder ein Treppenhaus. Bis sie zählen, nicht mehr üben braucht, doch noch immer zählt, jeden Morgen die Stufenzahl prüft, durchs Treppenhaus tappt, in mir marschiert. Weiterhin, als dürfe, was einmal sich bewegt hat, nicht enden letztendlich, müsse sich fortsetzen täglich, Verwandlung werden, Verständnis in mir. Was ist das Wesen von Bewegung, der keine Dauer zugrunde liegt? Am Hafengebäude hockten vereinzelte Grüppchen, Grüppchen, Tunesier, die in engem Oval beisammen zwischen Edelstahlbänken aneinandergelehnt, über Plastiktüten gebeugt, auf die Abfahrt der Fähre warteten. Im tiefen August die langen Schlangen, die anstehenden Schatten. Raschelnde Zellophanpackung, Zellglas, auch korsische Familien mit auf Autodächern zusammengeschnürten Hausrat. Dann werden einander Tomaten gereicht aus merkwürdiger Weise mir salzig erscheinenden Händen. Das Weißbrot reißt, Tunis flirrt, der Name Tunis hinter der blitzenden Wasserfläche. flirrt der Name Tunis hinter der blitzenden Wasserfläche. Von Hafenarbeitern knallen Rufe übers Geländer, eine Rauheit, die in den Nachmittag zerlegt, während Sonne über die Reling ihren Abend schiebt, warm, andächtig bald. Zwischen Fotobänden sitze ich als Kind unterm Schrägdach, auszuharren, angehalten. Oder betrachte die Fotografie von Vivian Sassen, ein ungeschützter, nackter Körper, sage ich, im Sand, muschelförmig, verbogen oder handbreit, Kopf über in die Dünen, auf die nächste Flut wartend, mit eleganter Hand gelegt, wie ein Sandkorn glitzernd, darin verschlossen das Auge. Ich erinnere mich an jeden Schlag, Schakal. Ich hatte nicht vorgehabt, der hart auszuufern. Nun ist es, als könne ans gestern Empfundene ein Anschluss hergestellt werden, als sei es nicht verloschen, verschwommen, sondern nach wie vor in den Motiven fassbar, die ihre Richtigkeit dadurch beweisen, dass alles, auch widersprüchliche Aspekte, die mich ausmachen, einander zulässt. Ich hab mich in den Hain verlassener Gräber gehen lassen. Draußen, die schwülen Nachmittage, Schafotte aus Antennen. Man breitet der Stadt die Picknickdecken aus, die Lagerut, der Sommer steht. Es ist allein in den Wohnungen. Ich bin ja immer überall nach Möglichkeit. In Augsburg beispielsweise, sage ich zu Yves, dieser sonnige Friedhof, wie auf Reisterrassen angelegt oder Klippen auf Erinnerung errichtet, weiße Kiesel, weiße Hochhäuser, die sich zum Springen eignen, sage ich zu Lüg. Das Grab der Eltern von Brecht und so weiter. Oder dein Totensonntag, sage ich zu Lüg, entkleidete Kinder an den Springbrunnen. Mir ist noch nie ein Arm amputiert worden, doch wird in dem Viertel, in welchem ich wohne, ein Haus abgerissen, meine ich, eine Ahnung davon zu bekommen, wie es sich anfühlt. Die Straßen greifen nicht mehr zu. Ein anderer Teil steht in den Aufzeichnungen des Urgroßvaters, gehörte dem Hausiergewerbe an und auch wandernde Musikanten, die bis nach Russland zogen, um für den Winter die Erlöse umzusetzen, bei zum Teil guter Arbeit wie Holzfällen, Hausschlachten, Besenbinden. In meinem freien Fall, Weltfremde, in meiner Scheibenisolation. Weltfremde in meiner Scheibenisolation. Will sagen, im Integral als Kind. Geboren in Berlin-Zehlendorf, wie es auf der Urkunde steht, und mit meiner ersten Erinnerung ganz gewiss im österreichischen Wald verhaftet. Ganz gewiss im österreichischen Wald verhaftet. Ganz gewiss? Man hat nur diese eine Gewissheit, auf die es ankommt. Das Auge springt in den Mund. Die Uhr nimmt ab. Am Abend dieses Sommertags, sage ich zu J., in einer zugewucherten Waldhütte und ein für allemal für ein ganzes Leben zerrüttet. Ein kleines Haus unter feiernden Familienfreunden, schlürfende Münder, die Lippen lappen dicklich, die Gewalt unaussprechlich, wovon irgendwann vielleicht die Sprache sein muss, die Rede sein wird und so weiter Oder meine Sprache handelte alle Zeit von nichts anderem, sage ich Geburtstagsfeier, zu Besuch bei Bekannten meiner Eltern oder zögerlich, unterwürfig Ich verbinde bereits mit meiner ersten Erinnerung eine Art Unterwürfigkeit. Man wird mich verwenden, verwechseln, gastlich, sage ich. Gurkenkaltschale oder Anemonen, Buschwindröschen, Gerüche von flüchtigen Viechern verteilt, ich rieche den Waldboden weiterhin, schmecke fast dieses dichte, mosige Bett, dill mit Nadeln bedeckt. Ohne Vorwurf wiederum. Ein Erwachsener befiehlt, Bier zu bringen. Wiederholt überkommt ein Schauer. In mich dringt die Subversion einer verheerenden Anweisung, eines verheerenden Befehls gedrillt. Ich meine, als schliche ich in dieser Aufforderung, dieser Bitte, einer Gewalt nach, die körperlich auftritt. Übelster Alkoholgeruch, denke ich, lallende Dachse, diese Bitte oder Fürbitte, der Bittsteller, in Bier getauft, in Schaum gebadet, dieser Mann, der mich angrinst und seine Hand auf meine Wange, meine Wangenknochen und so weiter. Ein braver Junge bist du, bist du es nicht? Als röche ich plötzlich den Stechschritt des Jahrhunderts oder Hagel dröhnt durch die Regenrinne. Es gibt immer den Missbrauch vor dem Missbrauch, weißt du, sage ich zu J. Die Misshandlung, die dazu führt, dass der Misshandelte disponiert und häufig beginnt es vollkommen harmlos. Die Behandlung war streng und ungerecht, schrieb Urgroßvater Hermann Eckermann. Die Verpflegung schlecht, denn Offiziere und Unteroffiziere schoben mit ihr. Diese Zeilen meines Urgroßvaters über den Ersten Weltkrieg, als hätte ich nachts davon geträumt und schaue nun der Gegebenheit nach, realitätsnah, einem Tagesgeschehen oder Alltag nach, was alte Bezüge weiß, diese Schützengräben. Habe nachts von Schützengräben geträumt, vom Stellungskrieg, die Kälte umher im Winter. Es befindet sich alles auf der Welt. Alles findet sich in einem grotesken, flächendeckenden Nebeneinander wieder. Die steinernen Mahnmale, Gedenksteine, daneben ein Atomkraftwerk, ein Windrad, der Discounter, die Gruppe Urlauber, die über den Hügel wandert und so fort. Man wird nachträglich geboren, sage ich. Oder Gott hat uns in die Zeit hinein verlassen, Simon Way. Die Stunde wieder aneignen. Ich meine, mit jedem gegenwärtigen Augenblick laufen, aus dem Rhythmen rufen, den Bordstein als eine Stufe auffassen, Schritt für Schritt die Welt wie beschreibend durchgleiten. In den Westminstern der Poesie. Als würde mir jemand am frühesten Morgen auf dem Küchentisch, auf dem Sterbebett und ich halte seine oder ihre Hand dabei sagen, sie müssen das Werk erretten. Was soll das heißen? Sie müssen das Werk erretten. Was soll das heißen? Sie müssen das Werk und so weiter. Ich bewege mich in langsamer gotischer Hellsichtigkeit. Es erscheint alles ganz klar. Ich kann es nicht benennen. Es hängt mit meiner Mutter zusammen, ihrer ungeheuren Kraft gegenüber der Krankheit, eine Art Zuspitzung, eine gelegentliche Treue hinsichtlich der Erinnerung der Wurzel. Diese unbestimmbaren Knochenschmerzen, schubweise Verkrampfung, Versteinerung der Muskulatur oder Erosion des selbstbestimmten Zugriffs, also Kontrollverlust. Und wie dieser körperlich penible, multiple Entzug der Autonomie gleichsam auf seiner Gegenseite den Alkoholismus, was für ein blödes Wort, was habe ich mir selbst geleistet von meinem Geld, Schnaps, aggressiven Selbsthass, die Aufopferung meines Vaters bedingte oder erklärte. Oder ich endlich nicht die Schuld darin, sage ich, sondern die Verbindung, Weltbeziehung, Liebeserklärung sah. Während es nicht zu erklären war oder diese Erklärung selbstredend nicht hinreichend zu einem elementaren Verständnis genügte oder ihn gar von seiner Verantwortung freisprach. gar von seiner Verantwortung freisprach. Im Grunde genommen handelte es sich nicht einmal um eine Erklärung, lediglich um ein jähes Begreifen einer Möglichkeit, ein Nullewerspiel. Die Sonne ist manchmal ein heller, erschrockener Blitz, ein Blinzeln im Himmel, ein Lächeln über der Haut. Und im nächsten Moment verschwindet diese Lichtmetaphysik wieder. Der unmittelbare, vollständige Reichtum der Fensterrose, Weihrauch, Weihwasser. Das murmelnde Geräusch einer telefonierenden Stimme hinten im Seitenschiff. Sie müssen das Werk erretten, spricht es. Und spricht weiter, sie müssen das Werk erbitten. Deshalb also, sage ich. Deshalb der ganze Aufwand, diese Umständlichkeit der Anhörung, des Verhörs, die Höhe der Räumlichkeiten. Deshalb also bin ich hier inmitten des Pilgerstroms oder Pigmentbilds. Es geschieht unterschwellig, unbewusst oder unterbewusst. Es ist keine geführte, kontrollierte Bewegung des Stifts oder der Schreibtastatur, sondern eine aus dem Innern erinnern kommende, auftretende Selbstverständlichkeit. Ich werde geführt von dieser Unzucht, dieser Zärtlichkeit, als hätte sich mein Träumen plötzlich mit Leichtigkeit in die Sphäre des Wirklichen transformiert und verwandle nun Wort für Wort die Gleichzeitigkeit. Man muss sich nur hinreichend wundern. Ich meine, im Grunde genommen war alles bereits von Anfang an da. Das heißt, es war belichtet, bebildert oder konserviert. Man hatte die Erkenntnis noch in eine Art Herbarium eingeführt, doch die Wildnis, Amour-Fou, sage ich, die geballte, ausschwärmende Kraft der Sprache lag bereits in den Sätzen, die die Menschen miteinander austauschten. Sie wollten sich noch verständigen. Ob es möglich ist? Dass mir nun doch die Erlösung gelang, die Befreiung eines alten Fluchs, der meinen Eltern passiert war, und für den sie selbst nichts konnten, den sie selbst bereits jeweils lediglich geerbt und der sich durch ihre Begegnung, die Zusammenkunft zweier unterschiedlicher, energetisch ungeheuer geladener, zueinander passender oder zueinander bestimmter Flüche, sage ich, potenziert, verstärkt oder gesteigert hatte. oder gesteigert hatte. Ob es möglich war, dass diese Flüche, Flüchte, tatsächlich zueinander passen wollten, dass sich verführt gewesen wäre eine allgemeine Aussage darüber, wie sich die Liebe verhielte und so weiter, welche Möglichkeiten, Ursachen, aseptische Bezugsräume oder Lumen, Numen oder unter dem Todesstrom, dem Lebenstaumel, Lichttrubel sich die Liebe freigab, sobald man sie nur machen ließ, schöpfen. Die Geburt der Freude, sage ich, des Rauschs, vergnügliche Seelenbesänftigung, Freude, sage ich, des Rauschs, vergnügliche Seelenbesänftigung, mit Urin geblichene Leintücher oder Rembrandt im Rijksmuseum. Die Liebe ist ein Anfang. Wie wir den Lebenslauf verdienen? Es ist begleitend, es ist peinlich, nackt vor der starrenden Masse, nackt in den Vitrinen der Stadt. Jedoch morgens lediglich der Morgenmantel über dem Körper. Die Sprache gleitet durch die Knochen und ich wünsche wieder, dass diese Anrufung an wen? Diese Wehklage über was? Frohlockung schließlich, der Jubel oder die Hymne, einzig der Schönheit als Leibesübung, der Schönheit als Miteinander, Leibesübung als Schönheit oder Begegnung unter Ungleichen, Leibesübung der Form unter Versuchten, Verführten, dem Miteinander als Schönheit dienen wollte. dem Miteinander als Schönheit dienen wollte. Der kälteste Entzug. Ihnen alles zurückgeben und es war doch nicht für sie, sondern für alle bestimmt. In meiner Sprache, das heißt in meiner Unverständlichkeit zu sagen, dass sie mir nie egal waren. Obwohl ich mich ganz und gar von ihrem Teufelswahnsinn, ihrer Last, Verstrickung abzunabeln hatte, ich mich retten, schließlich entfremden oder teilen musste, letztlich ganz und gar einer der ihren blieb, Spross in Sippschaft, Sippenhaft, aus der Freiheit eines immensen, irren Reichtums, einer Freiheit zur Form aufgebracht. Die einzig sinnvolle Begleiterscheinung. Allmählicher Regenschauer am Montagmorgen gegenüber das illuminierte Büro, diese Finsternis, Fenster simserings um und auf dem Sterbebett die Stimme meines Vaters, die Vorwegnahme einer Trauer, sagte ich zu Barbara P., worauf sie mich mehrfach hinwies, dass ich diese Formulierung benutzt hatte. Alles in seiner Drastik einerseits und zugleich mit höchster Zärtlichkeit zu schildern. Wenigstens der Schneehartbestand in Süddeutschland, in Österreich am 14.01.2019. Man kann sich darauf verlassen, dass seit Tagen die Menschen bis zur Lebensgefahr eingeschneit und der Dauerschnee sozusagen an den irdischen Zustand die einzig wichtige Behausung erinnert, sage ich. Dies ist es, worin ich tatsächlich meine Sprache aufstöberte, entdeckte, fand, wie es gern über die Dichter heißt. aufstöberte, entdeckte, fand, wie es gern über die Dichter heißt. Die Sprache gehört mir nicht. Ich lasse sie los. Sie kommt aus dem Inneren, doch ist ihr kein Ort zuzuweisen. Ihr Stil ist deutlich, die Rhythmusfolge wie selbstverständlich und doch sind die Gesetzmäßigkeiten ihrer Entstehung fluid. Der Himmel tritt aus. Man spricht neuerdings den Gedankenkomplott. Merci. Vielen herzlichen Dank, Frau Böck. Ich darf Ihnen den Namen der Interessengemeinschaft Heimrott-Becker-Preis überreichen. Ich darf Sie jetzt noch einmal begrüßen. Ja, ich lese Ihnen die Begründung der Jury für den Heimrath-Becker-Preis 2023 vor. Daniela Seel hat als Dichterin und Verlegerin von Dichtung und Prosa höchstes Ansehen in der deutschsprachigen und internationalen Literaturwelt. Es halten sich eigene dichterische Produktion und kritische Vermittlungs- und Verbreitungstätigkeit in beeindruckender Weise die Waage. In ihrem Gedichtband »Auszug aus Eden« definiert die Autorin das Genre Naturgedicht neu und legt es auch um in die soziale Realität der heute Schreibenden und Lesenden. Der Band Was weißt du schon von Préry? 2015 spürt, ausgehend von einem Gedicht Emily Dickensons, den Möglichkeiten von Natur- und Weltwahrnehmung und deren poetischer Gestaltung nach. Hier stehen Fragen nach der Phänomenologie des Gedichts mit den Mitteln des Poema-Apros auf dem Spiel, ebenso wie dessen kritische Verknüpfung mit Fotografien in Durchdringung. Der von Daniela Seel verantwortete Verlag zählt zu den an der Spitze der Avantgarde-Bemühungen stehenden Verlagen im deutschen Sprachraum und darüber hinaus. Das Urteil und die kritische Tätigkeit von Daniela Seel sind im Zentrum dieses verlegerischen Projekts. Es wird nun ausführlich und lobend Maren Jäger, Literaturwissenschaftlerin und Literaturvermittlerin über das Werk von Daniela Seel sprechen. Maren Jäger arbeitet seit einigen Jahren an der Humboldt-Universität zu Berlin, wo sie zurzeit eine Gastprofessur inne hat und wo sie auch schon Josef Vogel und Steffen Matus vertreten hat, eben dort. Sie hat unter anderem eine Monografie zur Joyce-Rezeption verfasst. Sie befasst sich seit längerem und ausführlichst mit dem Phänomen der Kürze und der Knappheit. Und sie gibt auch zusammen mit Anke Theesen, Ethel Matala de Maza und Josef Vogel die Reihe Minima – Literatur und Wissensgeschichte kleiner Formen heraus. Und ich bin nun sehr gespannt, was sie vielleicht auch im Lichte ihrer Rhetorik oder ihrer Forschungen zur Rhetorik und Poetik der Kürze über das Werk von Daniela Seel sagen wird. Bitte, Maren. Dann probiere ich das mal aus. Toll. Okay. Was wissen Sie von Prärie, meine Damen und Herren? Oder ein kleines bisschen anders, was wissen Sie schon von Prärie? Oder was wissen Sie schon von, was weißt du schon von Prärie? Ich wüsste jedenfalls keinen Gedichtband, der die Leserin so kess, so herausfordernd, wenn nicht herablassend anspricht. Was weiß ich schon von Prärie? Oder was weiß ich schon? Denn vielleicht ist das schon gar nicht so herablassend gemeint, sondern fragt schlicht nach meinem Wissenstand. Als ich diesen Gedichtband 2015 zum ersten Mal in der Hand hielt, wusste ich nichts von Prärie, außer dass es dort wenige Bäume, dafür ziemlich viel Gras und Sand gibt. Dazu die allbekannten Medien, Stereotypen, die aus meiner Kindheit und Jugend auftauchten. Cowboys und Indianer, Karl May, Winnetou, Lucky Luke, Western, Clint Eastwood und darüber liegt die Musik von Ennio Morricone. Für mich geboren im Ruhrgebiet liegt die Prärie im Sauerland, in Elzbe, mit den jährlichen Karl-May-Festspielen. Für Österreicher womöglich in Kollersdorf am Wagram oder im Steinbruch Winzendorf oder in Kroatien rund um die Plitwitzer Seen, wo die Winnetou-Filme gedreht wurden. Oder in Radebeul nahe Dresden, das DDR-Western-Dorf Stetson City, Karl-May-Museum, die Felsenbühne im Sächsischen Rathen, anscheinend liegt der Wilde Westen im Osten. Später, nach dem Zwiegespräch mit den Gedichten von Daniela Seel, als ich schon einiges mehr über Prärie und über Gedichte wusste, lese ich meine Fragen, die initialen und die bleibenden größeren, im Nachwort. Was weiß ich von Prärie, solange ich keine aus eigener Anschauung kenne? Woher kommen mein Wissen, meine Vorstellung von Prärie und wie informieren diese meine Wirklichkeit? Am Anfang wusste ich nicht viel von Prärie, nicht viel von der oder auch nur von einer Prärie aus eigener Anschauung, nicht viel mehr von Prärie ohne Artikel, als Konzept, als Begriff, als Ökosystem. Was weiß ich von Prärie unter Anführungszeichen? Ich habe das Wort eben wahrscheinlich zum ersten Mal selber überhaupt ausgesprochen und dann gleich ein Dutzend Mal. Was für ein seltsames Wort für einen Gedichtbandtitel, scheinbar gänzlich poesieuntauglich, denkt die Leserin, die das Buch aufschlägt. Und dort neben einem Foto, übrigens dem ersten von sehr vielen Fotos von Daniela Seel in diesem Band, ein Gedicht findet. To make a prairie von Emily Dickinson. To make a prairie, it takes a clover and one bee. One clover and a bee and reverie. The reverie alone will do, if bees are few. Was für ein großartiges Gedicht. Die Leserin ist beschämt, dass sie nichts von diesem Prärie-Gedicht wusste, aber sie fühlt sich beschenkt. Prärie übrigens in den Übersetzungen, die ich gefunden habe, war meist von Lichtung oder von Wiese die Rede. Prärie entsteht durch Reverie, durch Träumerei, durch Imagination, aber Reverie hat auch eine dunkle Seite, in dem sie Imaginationsorte nicht allein schafft, sondern Orte findet, Orte, die, wie es im Feature heißt, was Daniela Seel aus den Recherchen zum Gedichtband produziert hat, nur scheinbar menschenleer und geschichtslos sind, umso schlimmer für die Orte. Die kollektive romantische Imagination von Unberührtheit und Wildnis hat dazu geführt, dass Filmteams auf der ganzen Welt ihre Prärie suchten und ausstaffierten mit mehr als einem Kleeblatt und einer Biene. Und sie hat dazu geführt, dass Menschen die vermeintlich leeren Orte in Besitz genommen, sie sich untertan gemacht haben. Aber ist nicht der Mensch die invasivste Art, fragt ein Gedicht aus Daniela Seels Projekt nach Eden oder nur der nach Herrschaft strebende. In der Prärie kämpfen heute Native Americans nach wie vor um ihr Land, protestieren gegen Landraub, Kupferminen, Ölpipelines, Teersandprojekte an ihren heiligen Steppen. Wie formen Fiktionen meinen Alltag, in dem sie in ihm anwesend sind, in Denk- und Sprachpraxis mein Handeln mitgestalten, fragt das Nachwort. Wie werden Landschaftserzählungen zur Legitimierung von Machtstrukturen und Ausbeutung eingesetzt, zum Schüren von Angst, Größe, Heroismus? Und mit welchen auch künstlerischen sprachlichen strategien lässt sich dem entgegenwirken die antwort geben die gedichte selbst als gedichte nicht indem sie fragen nicht indem sie antworten geben verzeihung sondern indem sie fragen selbst befragungen sind was weißt du schon von Prärie? fragt Daniela Seel zuallererst sich selbst. Mit Günther Eich, was ich weiß, geht mich nichts an. Denn gerade das ist es, so Daniela Seel in ihrem Essay vom Stolpern und Schmiegen, was den besonderen Reiz ausmacht, etwas nicht gleich schon zu kennen und also über mich und mein bisheriges Weltverständnis hinausgreifen, lernen zu können, mich an anderem zu befremden. Eine Bleibe für das Mögliche und vor allem das Ermöglichen von Gedichten. Das Mögliche und das Ermöglichen, besser lassen sich Poetik und poetische Praxis und Poesie als Lebensform von Daniela Seel wohl kaum beschreiben. Möglichkeitssinn. Ihr gefällt Anja Udlers Beschreibung von Gedichten als mehrstimmige Selbstbefragung. Und sie ergänzt, wenn sich jemand ernstlich eine Frage vorlegt, ohne schon im Vorhinein auf eine bestimmte Antwort auszusein, in welcher poetischen Form, mit welchen dichterischen Mitteln auch immer, mag ich dem gerne folgen. Gut möglich, dass sich eine solche Frage an sich selbst gar nicht anders stellen lässt als eben in Form dieses Gedichts, sonst müsste es nicht geschrieben werden. Fragen sind die Kraftzentren in Daniela Seels Gedichten, in früheren Bänden und in späteren. Wenn ich einfach so weiterlebe, wie nahe komme ich Krieg, heißt es in einem Gedicht des Fiebelnzyklus im Prärieband. Das aktuelle Projekt Nach Eden ist intermittiert von den Fragen eines Kindes an die Mutter. Mama, warum gibt es eigentlich die Welt und die Menschen? Gab es auch einmal nichts? Und wann werde ich eine Mama? Und Mama, wann kommt Schnee? Die Gedichte in Nach Eden kennen auch die poetische Geste des Musenanrufs, hier adressiert als Fragen an die Wale als Sänger. Sing mir von Plagenwahlgesicht, von zerfetzten Netzen, dem Lärm der Fang- und Kreuzfahrtruten, das deinen Ruf absorbiert, such mich siebenmal heim. Wem singst du, wenn deinesgleichen dich nicht mehr hören kann, wenn dein Lied kein Ohr mehr trifft, die gewaltigen Wasser bis zu ihrem Verschwinden durchdauert. Aber anders als die Prärie, die man immer dort findet, wo man sie suchen will, die man so herstellt oder entstellt, wie man sie sich vorgestellt hat, geben die Gedichte von Daniela Seel keine erwartbaren Antworten, sondern sie geben Weite und sie geben Raum. Was weißt du schon von Präries, dein Reisebuch? Nicht nur für mich ein Auszug aus der Ahnungslosigkeit, die Gedichte in den acht Zyklen unternehmen, das zeigen die Fotos, Reisen an reale Orte in die USA, auch nach Kroatien, Island, nach Wales. Es ist aber zugleich, wie das Feature, das diesen Untertitel trägt, eine Reise zu den Drehorten unserer inneren Landschaft. Die Reisen sind aber vor allem Sprachreisen und sie sind Formreisen. Es sind keine Ico- oder Geopoetischen Pamphlete, auch wenn das eine zentrale, humane Koordinate in Daniela Seels Dichtung ist. Ich erinnere an die von ihr 2016 gemeinsam mit Anja Bayer vom Deutschen Museum herausgegebene wegweisende Anthologie, all dies hier Majestät ist deins, Lyrik im Anthropozän, die schon früh gezeigt hat, wie sich Naturlyrik unter den Eindrücken von geologischer Zeit und Klimakrise gewandelt hat und wandelt. Die Gedichte sind Labore poetischer Forschung und Selbsterforschung, eigensinnige Instrumente aus dem Sprach- und Formwerkzeugkasten der poetischen Avantgarde, aber nicht um ihrer Selbstwillen angewandt. Wie Heimrat Becker arbeitet die Preisträgerin mit Bildtextarrangements, mit vorgefundenen Materialien. Der Zyklus Verschaffen Natur und den Tag in Auszug aus Eden entstand durch Überschreibung von musiktheoretischen Texten aus dem 18. Jahrhundert. Das Kapitel Rostpfiff in Was weißt du schon von Prärie ist eine homophone, beziehungsweise eine Oberflächenteilübertragung von Rose Beef aus Gertrude Stein's Tender Buttons. Die Übersetzerin Daniela Seel macht sich hier die poetische Produktivität kalkulierten Missverstehens zu Nutze und sie zeigt, wie präzis sie Klang zu orchestrieren weiß. Aus Steins »It means more than any escape from a surrounding extra« wird »Mins Morse, nenn es Kappe, form Sirren Ding Extrakt«. Die Gedichte halten so das Nachwort von Auszug aus Eden imaginäre Korrespondenz mit Quellen und Variationen durch Übersetzung. Sie üben sich im stillen Gespräch wie in Anrufung. mich hinweg. Wovor fürchten sie sich? Wie fühlen sie sich? Sie sind dialogische Ansprache statt monologische Aussprache und sie wissen um ihre formale Verwandtschaft mit Gebeten, in der Hoffnung auf, Zitat, eine fruchtbare Symbiose aus Hybris und Demut, eine furchtlose Furcht. Kunstlos kunstvoll ist die Art, wie Daniela Seel ein Gedicht als Körper, als lebenden, fragenden Sprachorganismus fassbar macht, durch ein eindrückliches Arrangement von Bildern, von Syntax und Klang, wie Sie es in Ihrer Lesung gleich hören werden. Neben Passagen von hoher Sinnlichkeit finden sich in den Gedichten poetologische Bilder knapp und scharf gesetzt. Ich müsste die Knoten nur so verknüpfen, dass sie Mobiles bilden, Reisen größtmöglicher Ungleichzeitigkeit. Mobiles, luftige Gebilde, meist aus Papier, die Elemente vielfach durch Fäden verknüpft, die vom zartesten Wind in Bewegung versetzt werden. Ich suchte eine Form, heißt es, die beweglich ist und trotzdem treffend und die denken kann. Form, heißt es, die beweglich ist und trotzdem treffend und die denken kann. Eines meiner liebsten, dieser viele liebste Gedichte, mein liebstes dieser denkenden Gedichte steht zwischen den beiden Essays am Ende von Was weißt du schon von Préry. Es erscheint nicht im Inhaltsverzeichnis und es lässt sich poetologisch lesen, indem es ein Hybridmultiples Ich, eine Vielstimmigkeit einfordert, eine somatische Dichtung, die alles Leben einschließt. Und es geht so. Komm, komm, komm mal jetzt endlich, ja? Please, will Tier sein, Pflanze, Farbe, auch Anrede, zärtlich. Wie bitte, Liebe, ach gleich eine ganz eigene Art, so hybris, hybrid oder sinnlich. Die Rede der lyrischen Ichs, nein, wieder nicht mit sich identisch, noch mir, dir, uns. Bringt doch ihr eure Körper mit, welche decken das Ich, das spricht. Und das Gedicht endet mit Schnitt. Tut's noch weh, wenn du suchst? Now mind the gaps, move. Diese Dichtung ist beweglich und gegenwärtig, indem sie sprach- und formkritische Verfahren einsetzt, um im Sinne von Rosemary Waldrop die Gaps zu bearbeiten, um radikal autobiografisch und existenziell Lebensräume und ihre Verluste zu erkunden, Lebensräume und ihre Verluste zu erkunden, wobei es ums Ganze geht, um Leben, Tod, um Sterben, Mutterschaft, Verlust, Trauer, Trost und Untröstlichkeit. Und das braucht Mut. Die Bände Auszug aus Eden erschienen 2019 bei Pitt Engstler und Daniela Seels aktuelles Projekt Nach Eden, das ihr vierter Gedichtband wird, nehmen das Schlussgedicht aus dem ersten Band, ich kann diese Stelle nicht wiederfinden, wieder auf. Eine Subkutane, eine somatische Totenklage, zarte, insistierende Ansprachen an ein Du, ein Chimärchen, ein Seelchen. Auszug aus Eden ließ sich ex post als Overtüre für nach Eden und es mag paradox anmuten, eine Umkehrung der Zeit- und Raumordnung aus einem Land ausbrechen, das man später als Richtung anpeilt oder Auszug als Exzerpt, als Teil aus Eden, wie aus einem ungeschriebenen Urtext, den alle Bände umkreisen. Nach Eden nicht direktional, sondern temporal, aus dem offenen Gedichtzeitraum danach. Die Verse von Daniela Seel sind, um einen Vers aus, was weißt du schon, von Prärie zu borgen, Einträge hellster Endlichkeit. Und die Gedichte in Auszug aus Eden kommen, so Seel mit Eichinger, aus einem Denken vom Ende her und auf das Ende hin. Die Gedichte, die dieser Doppelbewegung folgen, wissen vom somatischen Gedächtnis des Körpers und davon, wie leicht sich etwas vergisst. Sie rekurrieren auf Bubas Konzept von Frist, die menschliche Dauer im Vergleich zur göttlichen Zeit. Luther dagegen spricht von Zeit und von Stunde. Und das Buch der Prediger beginnt in der Buba-Rosenzweig-Übertragung von 1929. Für alles ist eine Zeit, eine Frist, für alles Anliegen unter dem Himmel, eine Frist fürs Geborenwerden und eine Frist fürs Sterben. Frist, was ist das? fragt eines der neuen Gedichte und versucht sich behutsam an einer Antwort. einer Antwort. Eine Zeile, atemzuglang, nehme ich an, dichten heißt strukturieren, heißt setzen von Zeit, verdichtete, komponierte Frist. Was macht es mit dem menschlichen oder auch nur dem eigenen Denken, so vom Ende her zu schauen, der eigenen Begrenzung auf Uneinsehbares, Unverfügbares, fragt Daniela Seele. Und nimmt man diese Unterscheidung ernst, woher rührt sie? Daniela Seele führt in den Gedichten diese Unterscheidung poetisch probehalber auf die Figur der Eva zurück. Sie nimmt Eva ernst, indem sie den Auszug aus Eden als Gewinn von Zeitlichkeit denkt. Ihre Bestrafung als mündiges, als mutiges Handeln, als erfahren müssen des Werdens und Vergehens und der Wehen, Neugier und Erkenntnishunger, Erfahrungswillen statt verführt werden, keine Vertreibung, sondern ein Auszug aus Eden. Was fehlt, listet eines der Gedichte in Nach Eden, darunter Sterben als Verlernen, eine Ökologie des Gedichts als Atem setzen, eine Ethik des Verses als Frist. Im Essay Aufzubringen die verdichtete Lehre, der 2016 im Katalog und Textbuch im Kampfgebiet der Poesie in Graz erschienen ist, resümiert Daniela Seel, was ich aufbringe, investiere, Arbeit, Liebe, Persistenz, Begehren, Zorn, mich hineinzustellen in die verdichtete Leere. Liebe Juroren, ich habe mich in der Vorbereitung über Becker und Seel immer wieder aufs Neue über ihre Entscheidung gefreut, diesen Einsatz zu würdigen und eine Preisträgerin im Geiste der Dichtung und des verlegerischen, herausgeberischen Engagements von Heimrat Becker zu finden, das ist gar nicht so einfach. 20 Jahre ist es her, im Todesjahr von Becker, und irgendwie ist es eine tröstliche Fügung, finde ich, und eine schöne kam das Labor für Poesie als Lebensform in die Welt. Guck, so Daniela Seel im Interview mit Michael Braun, ist nicht nur ein Slang-Ausdruck für Spinner, sondern auch ein Künstlernetzwerk. Und diese Spinnerei hat 20 Jahre lang nicht nur ein Slang-Ausdruck für Spinner, sondern auch ein Künstlernetzwerk. Und diese Spinnerei hat 20 Jahre lang nicht nur gehalten. Guck, das ist Daniela Seel, das ist der Grafiker Andreas Töpfer und um sie herum ein beständig wachsendes Netzwerk von Menschen, die mit Ideen und Idealismus, mit Engagement, mit Risikobereitschaft und Eigensinn den Literaturbetrieb aufgemischt und mit literarischer Leidenschaft Berge versetzt haben, das sagt Michael Braun über Daniela Seel. Und vielleicht um eine Sache zu tun, neben der formal ästhetischen Qualität und Originalität der Publikation, bekam Cookbooks schon sehr bald ein Gesicht durch die einzigartige Gestaltung jedes Bandes und sich an ein Cookbooks-Band anzunähern, beginnt sehr oft damit, dass man zunächst mal das Cover ganz vorsichtig vom Buch löst und es auffaltet und bevor die eigentliche Reise, die Lektüre-Reise im Innern des Bandes beginnt, sich diesem Poster zuwendet. Dieses Poster antwortet, so habe ich es verstanden, auf ein Foto am Ende dieses Bandes, auf dem steht, ich halte schon wieder falsch rum, ein Schild Watch for Tortoise. Also man muss schon genauer hinschauen in dem Fall. Das ist, glaube ich, mehr als nur Corporate Design, das ist wirklich ein haptisches Erlebnis. Derzeit werden, und Sie haben wahrscheinlich davon gehört oder gelesen, mal wieder Gedichte oder Ihre VerfasserInnen, was schlimmer ist, von urteilslustigen NichtleserInnen wegen Unverständlichkeit gehatet, sei es, weil sie einen Preis bekommen, sei es, weil sie Aufgabe einer Deutsch-Zentralklausur sind. In dem schon mehrfach zitierten Essay vom Stolpern und Schmiegen schreibt Daniela Seel, sie möchte diesem Vorwurf, ein Gedicht sei hermetisch, entgegnen, ja doch, wenn sich die Sache anders verhielte, hätte es ja ihre Untersuchung in Gestalt dieses Gedichts nicht gebraucht und wie das flirrt und wittert und oszilliert, das Nichts schon verstehen. Und sie zitiert ein Gedicht von Emily Dickinson. I dwell in possibility, a fairer house than prose, more numerous of windows, superior for doors. Das Gedicht als Möglichkeitsraum mit zahlreichen Fenstern und weit offenen Türen, mit Platz für Reverie und das Mögliche als Bleibe. Da möchte man wohnen und leben. Ich danke der Jury des Heimrat-Bäcker-Preises, Franz Josef Czernin, Thomas Eder, Ulrich Schlotmann für ihre Entscheidung. Ich danke Ihnen, meine Damen und Herren, für Ihre Aufmerksamkeit. Und ich danke der Preisträgerin für die Bleibe, für das Mögliche und vor allem das Ermöglichen von Gedichten. Daniela, ganz herzlichen Glückwunsch zum Heimrat Becker-Preis. Vielen Dank. Ja, danke schön auch von mir. Ich bin ganz furchtbar heulverschnupft. Ich muss erst mal meine Nase putzen und ich hoffe, dass ich überhaupt genug Stimme habe, um Ihnen etwas zu lesen. Ich habe jetzt tatsächlich vor allen Dingen Texte aus dem neuen Manuskript ausgewählt. Genau, das wird im nächsten Jahr erscheinen. Einiges haben Sie von Maren schon zitiert gehört. Nach Eden Mein Kind hat mir mein Sterben geschenkt. Es ist keine Grenze, vielmehr ein atmender Übergang, lebendig und zäh, unbeirrt, möchte ich sagen, von Tod. Wie wenig Wissenschaft noch davon weiß. Einmal auf See sah ich, wie das europäische Nordmeer auf die Beringsee trifft, die polare Front deutlich, nur wenige Meter vor Bord, wobei es auf See schwer fällt, den Augen zu trauen. Temperatur, Salzgehalt, Dichte begegnen und mischen, entmischen sich. Entmischen, entmischen sich. Eine Sprungschicht, durchgeistert von Gesängen längst ausgerotteter Wale. Ihre Beiboot großen Barten im Strömen geborgen. Ihr verschwundenes Atmen, verwunschen, meiner Verwünschung Kind. Je länger es her ist, desto gewisser wird mir, dass es nicht einfach Zufall war, dass etwas Witterung verstimmte den Gott, Anfängerin eine jede, der Scham nachbeschaffen, dem kläglichen Läuterwald. Schweigt so ein Gedanke, schattenlos gehen sie, reulos, unteilbar in ihrer Erschöpfung, unteilbar vom Mut. Nur menschlich ist das Erkenntnis. Die aber treffen der Welt vergessen, die roden vom Rohen den Gott. Eine Grobheit, ein Mündel, das meine Hand ist. Wen ruft sie so, händisch, daheim? Ihre Haut, ihre Adern, Membran mehr als Grenze und Maserungen ihren deutlichen Farben, deutliche Hand, hängt Steppen an, Sandstein, benommen von Salbeiduft, ein Knochendurst. Was möchtet ihr heute essen? Würstchen, Fischstäbchen, Nudeln? Welch ein Mündel das Körperliche doch ist, ein Bündel an Ignoranz. Damit im Bund zu sein, dass alles steht und endlich fällt. Ein Becher Kakao, ein Schuh, eine Gabel. Kein Garten, eher ein Fleckchen. Versprengte Ahornpropeller im Kies, mit denen ich nachlässig bin, bis sie Herzwurzeln schlagen. Die nah heranrücken ans Haus, sein Fundament untergraben, Gemauertes aufspalten. Am Morgen danke ich meinen Augen dafür, dass sie mich vieles nicht sehen lassen. Sinne, das es euch gibt, eure Formen von Nachgiebigkeit. Im Hof greift die Hand einen Stein, wägt sein Wechsel warmes Gewicht. Wie viel älter als ich er ist, wie viel menschlicher in seiner Unmenschlichkeit. Bedeutet Leben grausam sein? Wer bestimmte mich? Manchmal möchte ich sagen, mein Sterben, mein Sterben von Eva her. Was gab es denn in der Kita? Manchmal möchte ich eine Geste machen Gegen die eigene Grobheit gerichtet Ob ich hinreiche, weiß ich nicht Es ist nicht an mir, das zu bestimmen Kehr, damit sie schauen sollte In Zweifel, da bin ich Harnenschrei Die Rapierlust hat mich gegeben Schauen sollte in Zweifel, da bin ich, Hahnenschrei. Die Rapierlust hat mich gegeben, um die Löcher des Felses Natürlichkeit. Indessen aber an meinem Schatten der Garten, indessen aber umgehend in der Hitze an meinem Schatten die Schöpfer. Gefäße untereinander, so mit der Stimme, das wachs ich ungehalten, zu lernen, Bouillon, Bougainville, Gras bewachsen und Regen, bald zitternd, gewaltig, ruht. Ist die grotte Not der Garten indessen schnackisch erzogen? Abdruck tut der Natur zu reden, fehlt dieser Erde. Ein Kind verlieren, wie unzureichend sich das sagt. In wie vielen Staaten sitzen in diesem Moment Frauen als Mörderinnen in Haft, weil sie ein Kind verloren haben? In wie vielen Fällen durch medizinisches Unterlassen? Die Halacha sagt, wer nicht 30 Tage geatmet hat, war keine Person. Maurice Lamb fasst es noch 1969 so. A life duration of more than 30 days establishes a human being as a viable person. If a child dies before that time, he is considered not to have lived at all, and no mourning practices are observed. Aber im Blut einer Mutter lebt die DNA ihrer Kinder fort. Bis in meinen Tod lebt dein Tod in mir fort. Schi Märchen. Als ich 18 war, dachte ich von mir nicht als Frau. Ich konnte das, was es vermeintlich meinte, weiblich zu sein, nicht mit mir in Einklang bringen. Ich bin keine Frau, sagt Edith Söder-Kran. Ich bin keine Frau, sagt Gertrude Stein. Daran erkannte ich mich. Als ich 19 war, hörte ich eine Frau sagen, ich bin nicht hier, um geliebt zu werden. Daran habe ich versucht, mich zu halten. Die Mirabellen verschwinden vor ihrer Süße, wegen der Amseln vielleicht oder wegen des Schattens, des Schattens in meinem Verdacht, wie ich die Küken verwünschte in ihrer Niedlichkeit, die noch das Hals umdrehen verleidet. Sind es denn Tiere, die schreien? Dass Schreien einmal nur Gackern sei. Ah ja, raus, Becke raus, und zoppel beim Gickel der Schwanze hinaus. Und das ganze Mannsvolk mit Mistgabeln der Sau nach, der Ausgebüxten. Und fassen sie. Ach, es passierte ja. Unter der Hand oder unter der Haube, unter dem Laub. Ich steh bei den Mädchen, ich sag's nicht bloß aus Erzählung, streut eine hin, kehrt eine aus, also werde ich weinen, lernen vom Stein, der sich barmherzig zeigt, aus Unmenschlichkeit, dass ich atme, wie unter Betäubung noch brüsk, dass er nicht mehr gegen ein Noch-Nicht spielt und vergibt, unmenschlich, von beinahe lichtlos dich nährenden Tiefseegärten, vom Atem in deinen Adern, vom Mikroplastik, wieg mich in deinem uralten Wachen, dass ich weinen kann, verwachsen ins Sterben, dass ich wüte, rase durch meine Unkrautflur, rau oder rotwangig, rohwüchsig wüte ich, wildere Ausunterreseden unter die triftig gefiederten Trugdolden von Wolfsmilch oder verschnupften Ranunkeln im Hof, zanke, verwachse im Argen, im Ach, mit dem Warn- oder Klageruf eines Rotkehlchens, Amsel, die auszog, von unter dem ungeflügelten Blütenständen von Hortensie oder Zichorie ausflog, nächtlichen Räubern, Waschbär, Waldkauz, Katze, entkam, wilder mich aus in Polarnacht, unter die eisverlassen, brüchig emportauchenden Felsmassen, in Erosion und Verwitterungsformen von Karst, Wilderin, die kontrolliert erdlos gedeihenden Pflanzreihen, die Wasser- und Nährstoffkreisläufe der Gurken, Tomaten, Thymian, Paprika, Brokkoli, Rucola, Lattich, Pak Choi, Basilikum, Bohnen, Peperoni, Kohlrabi, Radieschen, Frisee, auf Marsmission benommen, Veronikul Rabi Radieschenfrisé auf Marsmission benommen, in den ins Nimmer verschwindenden gestellten aus Möglichkeitssinn oder Machbarkeitswahn bestellten Gartencontainer von Eden ISS. Ein vollkommen künstliches Ökosystem, unverbunden, isoliert, gespeist von Urin und aus Luft gefiltertem Wasser. Im Grunde also gar kein Ökosystem, vielmehr ein Kreislauf, dem nichts entkommen darf, erdlos aus Angst vor Mikroben. Aber ist nicht der Mensch die invasivste Art oder nur der nach Herrschaft strebende, der das eigene Sterben fliehende. Die endlos von Klopfen umschlagene Ebene, Walnuss, dann Wüstung, dann Flieder. Ich trage die Kanne hinaus, dass sie sich füllt, mit Wasser, mit Steinen. Es ist Jördis, die von der entsetzlichen Baumlosigkeit unter den Bäumen spricht. In der Ebene fasst sie mich an, aber ich will weiter, weiter hinaus, eine Entscheidung zu fällen wie einen Baum. aus, eine Entscheidung zu fällen wie einen wissenschaftlicher Sprache und dem Drang, sich ein Gemeinssein vom Leib zu halten, zwischen Enteignung und Selbstdistanzierung, notwendig ambivalent. öffneten daher viele Mapires. Armes Volk, selbst in den Gräbern stört man deine Ruhe. Die Indianer sahen diese Operation mit großem Unwillen an. Besonders ein paar Indianer von Guaysia, welche kaum vier Monate lang weiße Menschen gekannt hatten. Wir sammelten Schädel. Ein Kinderskelett und zwei Skelette erwachsener Personen. Die Schädel hatten alle sehr breite und ungeschlachte Unterkinnladen. Aber mitten unter diesen fanden wir drei bis vier Schädel hatten alle sehr breite und ungeschlachte Unterkinnladen. Aber mitten unter diesen fanden wir drei bis vier Schädel, die uns in große Verwirrung versetzten. Schädel wie die schönsten Kirkassier, ganz europäisch in allen Proportionen. Welche Hypothese erklärt das? Schreibt Alexander von Humboldt in seinen amerikanischen Reisetagebüchern. Sein eigener Schädel nur wenige hundert Meter von hier, in der Familiengrabstätte, unter uralten Stielarchen am Ende des Parks. Humboldt, der den Zusammenhang der Erde als Ökosystem als erster beschrieben hat, der vorausgewählte Schädel nach Göttingen schickt zur Vermessung menschlicher Rassen, der Pflanzen sammelt und sie in eine wissenschaftliche Nomenklatur überführt, damit zu ihrer Enteignung, nein, vielmehr zu ihrer Inbesitznahme beiträgt. Wenn ich auf Google Maps durch die Amerika scrolle, begegnet mir kaum ein Ortsname öfter als seiner. Orte, von denen viele abseits solcher Karten andere Namen haben. Könnte ich meine Grausamkeit verlernen, indem ich ins Sterben einkehre? Nicht verdammt, sondern zum Sterben begabt. Einen sterben einkehre, nicht verdammt, sondern zum Sterben begabt. Ein geräumiges, gastliches Sterben, das alles Vergängliche als Verwandt denken kann, das mich meint von Eva her und um Grausamkeit weiß, weil sie sich für Erkenntnis entscheidet, für Wehe und Wehe, für den Auszug aus Eden, für Verletzlichkeit. Dabei ist mir keine Lesart bekannt, die Eva Mündigkeit zuspricht, ihre Verantwortung anerkennt. Aus einer Beunruhigung, einer Bewegung, aus weite Raum, da von her eine spricht, ihre Gesichter, konturieren sie mich? Lasst mich von vorn beginnen, von einer Frist. Eva, die Erste, Eva, die ist, die Zweite, die vom Knochen Geborene, von Gottes Hauch, die Zweite, die spricht, die Erste, die weiß, dass sie stirbt. in ihrer Neugier und ihrem Erkenntnishunger, im Urteilsvermögen, in ihrer Lust am Essen, am Teilen, ihrer Verantwortung. Eva, die wusste, was sie tat, als sie aß. Gott hatte es ihr gesagt. Die Schlange hatte es ihr gesagt. Eva entscheidet sich für Erkenntnis und Lust, für Mut. Die Konsequenzen nimmt sie in Kauf. Nämlich Eva Ernst ist die Vertreibung aus dem Paradies nicht Rauswurf, sondern Auszug. Der Ausgang des Menschen in die Zeit, in Sterblichkeit. Aber sterben, was ist das? Frist, was ist das? Eine Zeile, Atemzug lang. Nehme ich an, dichten heißt strukturieren, heißt setzen von Zeit. Verdichtete, komponierte Frist. Und zu gebären, zu wissen von wem, vom weh, soll Strafe sein? Nein, da sage ich nein. Die Ordnung des Gartens geht fehl. Ein Garten scheidet in Kraut und Unkraut, Nutzpflanz und Zierpflanze, Nützling und Schädling. Vom Garten ist es nicht weit zur Plantage, mit ihrer Sklavinnenarbeit Ausbeutung Raub. Für und gegen wen will Garten Eden sein, Paradies, das sich herüberliest von der westisch Pairi Daesa, Einhegung um Wald. Von Eva her denken zieht daraus aus, setz dem dem eine Frist für Apfel und Ei, Wasser, Stein. Aus Nesseln gebürstet, von Wüstung durchwispert, ein Fädchen Vertrauen von Medusensauen. All die Verlassenen, die aufgelassenen Gräber, die von Vertreibung, Habgier, Hass, von Wissenschaft entweite, heilige Erde, die nicht aufhört, jemandem heilig zu sein. Wie lange war ich nicht am Grab meines Vaters? Wie lange wäre ich in der Lage, für sein Grab zu bezahlen, jemanden zu bezahlen, der es in der Ferne pflegt? Lange habe ich geglaubt, meine Trauer um dich wäre durch ein Grab zu beruhigen, durch einen Ort, an dem sie aufgehoben sein könnte, gehalten. Aber ein Grab wende auch mich an einen Ort, mit dem ich nicht verbunden sein will. Bist du mir nun, da du mir vorausgingst, Vorfahrin? Welche Orte den Lebenden, welche den Toten? Was mich immer beruhigt hat, ist das Bild einer Landschaft im Schnee, ihre Stille, ihr Archiv an Verletzlichkeit. Wenn Trost nicht für uns ist, für die verdorrenden Kiefern nicht, die die Stadt wie Zündholzstehlen umstehen, für keine dem Himmel geraubte Taube, nicht für den handwarmen Kiesel im Hof, wenn Trost nicht bei Gott ist, weil Gott jeder Begriff verfehlt, bleibt Trost dann allein den Toten in ihrer unendlichen Frist, die Dauer so ähnlich sieht, aber Dauer nicht ist, weil ihre Zeit noch im Weltlichen liegt. Und die Niegeborenen, die ohne Atem Gestorbenen, die im medizinischen Abfall grablos Verworfenen, wird ihnen ein Zipfel, nein, vielmehr Fiel mir der Hauch einer Mutterseele gewährt Wie Gott verfolgt dagegen die Lebenden Kreaturen wie aus Goyas schwarzen Gemälden Heimgesucht von einem groben, überwirklichen Licht Flammender Hund des 13. Tags Wahlgesicht du und ein nimmer blutender Zunge Im Fadenkreuz deines gefickten augs schaue ich mich an widerstehe mir zu vergeben von den karten die lehre von sanftheit die schwere den händen ein Baum für Fuchtelkinds Zaun. Um 730 fällt der Benediktiner Winfred, genannt Bonifatius, bei Geismar eine Eiche, um die Hoheit Christi über Donat zu zeigen. Er darf sich gar nichts vorbehalten, denn er weiß ja, von diesem Tag an hat er nicht einmal das Verfügungsrecht über seinen eigenen Leib, heißt es in der Regula Benedicti. Was sagt Bonifatius den heidnischen Weibern vom Baum des Lebens? Einmal in Arizona sah ich eine Nacht von so funkelnder Schwärze, dass ich endlich den Hunger nach Tran begriff, nach Öl, Gas, die Gier nach schier unversiegbaren Strömen, den Fluch des Lichts. Könnte ich diese Gier verlernen, könnte ich einkehren in Nacht, von ihr durchweht, nicht verdammt, nein, zur Nacht begabt. nicht verdammt, nein, zur Nacht begabt. Sing mir, Wahlgesicht von der Weisheit des Specks, seiner klugen, verwunschenen Treue, die dich tauchen lässt, trauern, dauern. Sing von den Versunkenen, ihrem entsetzlichen Flehen, vom Gejagtwerden, Auss ausschmelzen der taubheit danach dass ich mich in finsternis einfinde polarnacht lang überwintere licht ledig himmelswütig wärme bedürftig versetzt in die verletzlichkeit von schnee sie lesend durch mein bluten Tiere anlockend unter Auroras unbändigem Schirm. Aurora, Mutter Luzifers, was erzählt sie ihrem Sohn davon, wofür die Titanen gestraft wurden mit Unsterblichkeit, dass er den Menschen ersparen will? Was weiß sie von Wehe, von grausam ummauerten Gärten, über die ihr Gespann hinjagen muss? Was teilt sie mit ihm, das ihn Eva ermutigen hilft, sich zu entscheiden für Sterblichkeit, auszuziehen in Weite, unbehaust, auf sich zu vertrauen? Wer hat die Mauern um Eden gebaut? Dein schlafwarmer Körper neben mir, der sich windet, kreiselt, im Halbschlaf stöhnt. Wie kann ich dir beistehen in deinem Traum? Werde ich die sein, von der du lernst, was grausam sein meint? Wann würde Beruhigung kippen in den Geisterrausch des Reizentzugs? Sing mir von Plagen, Wahlgesicht, von zerfetzten Netzen, dem Lärmen der Fang- und Kreuzfahrtruten, das deinen Ruf absorbiert. Such mich siebenmal heim. Wem singst du, wenn deinesgleichen dich nicht mehr hören kann, wenn dein Lied kein Ohr mehr trifft, die gewaltigen Wasser bis zu ihrem Verschwinden durchdauert? Geister, Gesichter, dass es euch gibt, dass ihr mir beisteht. Wohin wendet sich Eva, als sie geht, als sie die Welt neu benennt? Schnee bleibt immer häufiger aus. Er stirbt nicht einfach, ich rotte ihn aus. Er wird wiederkehren in mir, wenn ich Erde geworden bin. Das Licht im Mutterleib stelle ich mir dem Licht der Polarnacht verwandt vor, gastlich, unbändig, unbeirrt, möchte ich sagen, vom Tod. Bis ich verschwinde, will ich doch glauben an die Auferstehung der großen Vögel, den Rausch ihrer Schwingen von Erdsaum zu Erdsaum. Werden sie flugfähig sein, Pflanzenfresser, Anlass geben zu Furcht, ihre Fänge anmutig oder von einer Gewalt, die Attribute nicht braucht. Ein Hase liegt tot, seine Pfote rot von aufgelöstem Pflaumen, durchtaucht, überbauscht, dann nicht mehr. Da geht das Licht, eine Strenge, die Felsen selbst aufbringt, aus Demut und Grausamkeit. Ich habe, was ich brauche. Herzlichen Dank, Familie Seele. Ich darf im Namen der hessischen Gemeinschaft und der Jury den Heimatgäckerpreis 23. Vielen Dank. Ja, so danke ich Ihnen allen, meine sehr geehrten Damen und Herren, für das Mittragen dieses Abends im Namen der Worte über Poesie und des Sprechens durch und aus Poesie. Es ist noch der Heimrat Becker Preis, also der Neue Texte Essay Preis, der im Jahr 2016 ins Leben gerufen worden ist, an Florian Neuner zu vergeben. Es freut mich sehr, dass Florian Neuner heute hier ist, dass Florian Neuner diesen Preis entgegennimmt, dass er über die Jahre hin in dieser Tradition der Literatur, des Experiments, der neuen Poesie, der neuen Prosa, sowohl als Herausgeber wie auch als schreibender Essayist gewirkt und gewerkt hat, gedacht wäre gewesen, an dieser Stelle ein Gespräch mit Florian Neuner zu führen. Ich wollte es abhängig machen, wir wollten es abhängig machen von der Dauer des Abends, dem Momentum des Abends, dem Momentum des Abends. Ich bin ein schlechter Beender, ich hätte gerne jetzt dieses Gespräch geführt, aber äußere Zwänge, nämlich die Unbarmherzigkeit der Linzer Gastronomie, der Taktung der Linzer Gastronomie, denen ist es geschuldet, dass wir dieses Gespräch mit Florian Neuner in der Abendgesellschaft führen würden und müssen, werden müssen, denn die Linzer Gastronomie beschließt, um 9.30 Uhr mit dem Ausgeben von Speisen Schluss zu machen. Der Kredit, der wenige Kredit, den das Stifterhaus in dieser Hinsicht hatte, ist leider gestern bei einer Veranstaltung zu Ehren Hermann Schürers verbraucht und ausgereizt worden. Und so darf ich dir, lieber Florian, diesen Preis ganz unförmlich überreichen und darf die folgende Gesprächsrunde an den Abendtisch, an den ich Sie herzlich einladen möchte, in die alte Welt mit dir, Florian Neuer, dazu auslachen. Vielen Dank.