Hallo liebe ZUSIERinnen und ZUSIER, ich begrüße euch herzlich zu einer weiteren Ausgabe von Streaming Young TV, die Sendung im Jugendformat. Wir sind heute auf der Fachtagung für Jugend und Psyche. An diesem Tag geht es nur um die Generation Z, also Menschen, die zwischen 1995 und 2010 geboren worden sind. Was beschäftigt diese Generation und wie geht es ihr hinsichtlich unserer multiplen Krisen der aktuellen Zeit? Diese und viele weitere Fragen werden anhand von Workshops, Vorträgen und Arbeitskreisen mit Expertinnen und Experten besprochen und behandelt. Die Fachtagung wird organisiert von der Promethe Jugend. Frau Nemesch, Sie sind die Geschäftsfeldleitung der Promethe Jugend und auch Organisatorin der Fachtagung, der heutigen Fachtagung. Meine erste Frage wäre, welche Dienste können denn junge Menschen bei der Promethe Jugend in Anspruch nehmen? Also Promethe Jugend ist ja sozusagen das Dach über alle Einrichtungen der Promethe Österreich, die sich mit jungen Menschen befasst. Das kann sein im Bereich Wohnen, vollbetreut und teilbetreut. Wir haben Ausbildungs-Fit-Standorte, ein Formodul, das ist ganz etwas Niederschwelliges, die Startbox und Chatbox, ein Beratungsangebot, Schulassistenz für Autismus-Spektrum-Störung und Elko-Kiko. Das ist ein Angebot für Familien mit einem psychisch erkrankten Elternteil. Frau Demany, Sie sind quasi, ich darf es jetzt mal so betiteln, Expertin für Mental Health, denn die erste Frage, die ich jetzt dazu hätte, ist der Begriff Mental Health. Können Sie mir den ein bisschen beschreiben? Also ich nutze gern den englischen Begriff Mental Health, weil da irgendwie mehr dazu gehört, als wenn ich jetzt auf Deutsch mentale Gesundheit. Es ist eigentlich alles, was um uns herum ist, alles, was wir mit uns selber machen, welche Menschen wir sozusagen in uns reinlassen. Und eine gute mentale Gesundheit, eine gute Mental Health ermöglicht mir, ganz platt gesagt, das Leben zu leben, was ich wirklich leben möchte. Dass ich nicht eingeschränkt bin von irgendwelchen Mustern, Gedanken oder Verhaltensweisen, die mir einfach was vorgeben. Das ist sozusagen meine Definition von Mental Health. Herr Pavel, warum sind Sie heute auf dieser Fachtagung mit dem Fokus auf der Generation Z? Ich arbeite als Psychotherapeut am Erlenhof. Das ist eine Drogensuchstation und 90 Prozent unserer Klienten sind zwischen 18 und 28 und ich habe drei Söhne, die sind auch in diesem Alter und ich war 15 Jahre Lehrer. Also dieser Generation interessiert mich einfach beruflich und privat auch sehr. Weil wir jetzt gerade ein neues Projekt gegründet haben und wir vom mobilen Familiencoaching, wir haben gesagt, es ist ganz wichtig, dass wir wirklich die Jugend unterstützen, dass wir schauen, welche Angebote gibt es, welche Vernetzungspartner und wir schauen halt immer wieder, dass wir durch die Vernetzungen einfach immer größer werden und diese ganzen Hilfsangebote weit und gut verbreiten können. Die heutige Fachtagung legt den Fokus auf die Generation Z, also Menschen, die zwischen 1995 und 2010 geboren worden sind. Können Sie da eine gewisse Entwicklung bemerken, der Psyche von genau diesen jungen Menschen, wie sie das jetzt über die Jahre beziehungsweise auch bezugnehmend auf die Pandemie entwickelt hat? Also ich glaube, dass es sich nicht gut entwickelt hat, haben schon viele mitbekommen. Es wird dann von älteren Generationen gerne so degradiert, so ja, aber bei uns war es ja damals viel schlimmer noch mit dem Krieg. Das finde ich immer sehr unfair, weil dann werden die eigenen Maßstäbe einfach einer anderen Generation übergestülpt. Und was man einfach sagen muss, die heutige Generation hat das Luxusproblem, sich mit der mentalen Gesundheit auseinandersetzen zu dürfen, zu müssen, zu können. Früher, es stimmt, da gab es andere Probleme, da war es wichtiger, andere Grundbedürfnisse zu klären. Das heißt aber nicht, dass nur, weil meine Grundbedürfnisse geklärt sind und meine Probleme jetzt sozusagen auf einer anderen Ebene sind, dass es mir deswegen automatisch besser geht. Da würde ich mir wünschen, so ein bisschen mehr Verständnis von den Generationen, weil das ist heute nicht leicht, das aufzuwachsen. Das ist, glaube ich, ziemlich offensichtlich. Der Druck, Social Media, Klimawandel, Zukunftsängste, da kommt so, so viel zusammen und wir lassen die Gen Z da so ein bisschen alleine mit. Das finde ich schade. Wie schätzen Sie die Generation Z Ihrer Meinung nach derzeit ein? Wie geht es der? Also meine persönliche Einschätzung ist, dass die Lebenswelt von dieser jungen Menschen sich zunehmend in eine digitale Space sich irgendwie hinauslagert. eine digitale Space sich irgendwie hinauslagert. Und da habe ich sehr, sehr große Bedenken, weil ich was in der Therapie sehe, dass wir diese Leute von dort zurückholen wollen. Auf dem Boden, mit Werkzeugen, mit Kochlöffel, mit in die Realität. Und wenn ich jetzt die Kinder von mir oder auch diese jungen Menschen mit meiner Kindheit vergleiche, ich war die ganze Zeit draußen, ich habe auf den Baum geklettert, ich habe mit dem Ball gespielt, mit Wiese, mit Tieren, also mit realen Dingen und von daher glaube ich, dass ich sehr gut angebunden bin und was ich bei diesen jungen Menschen oft beobachte, dass wir sie wirklich aus einem irgendwo Ort sozusagen quasi so zurückholen müssen und das ist mein großes Bedenken, dass wir hier praktisch einen Realitätsverlust vor uns haben, was für mich eine sehr große Gefahr darstellt. Kann ich das auch sozusagen derzeit als eine der größten Herausforderungen der Generation sehen? Ja, weil das natürlich einerseits eine Suchtgefahr darstellt und andererseits auch, wie gesagt, auch eine Flucht, also systematische täglich stundenlange Flucht in eine nur zum Teil reale Welt, wo man dann plötzlich irreale Dinge, kognitive Dinge für eine Realität hält und dementsprechend entweder Angst davor bekommt oder etwas sozusagen nachahmen will, aber was nicht wirklich so einen guten, gesunden, menschlichen Wert darstellt und da kann man schon sehr gut abdriften. Also das ist meine bisschen kritische Darstellung oder Sicht. Die Promethe Jugend findet man an vielen verschiedenen Orten. Einige Standorte sind in Linz, in Wels, in Ried und online. Auf der Website Mental Health Crowds wurden ein paar Daten veröffentlicht, wo ich jetzt zu zwei jeweils eine Frage hätte. Die erste wäre, 50 Prozent aller psychischen Erkrankungen haben ihren Ursprung vor dem 14. Lebensjahr. Können Sie das sagen, was gewisse Auslöse sind? Kann man das bestimmen, woher da, was die Ursprünge sind sozusagen? Wer eine psychische Erkrankung bekommt, da stecken immer viele Faktoren dahinter. Die Gene sind zwar ein bisschen, aber es ist auch einfach, was für ein Umfeld haben wir, was passiert in unserem Leben, also da muss wirklich viel, viel zusammenkommen. Und dass die vor dem 14. Lebensjahr ihren Ursprung haben, heißt nicht, dass dort schon die Erkrankung besteht, aber das heißt, da sind schon Verhaltensmuster oder Gedanken oder so erste Anlagen und wenn die eben nicht abgefangen werden, dann kann daraus was erwachsen. Und das ist das, warum ich auch nicht verstehe, warum wir an Schulen keine Aufklärung, keine Mental Literacy, keine Prävention haben, weil wir wissen das. Diese Zahl ist seit Jahren stabil. Wir könnten, wenn wir früh ansetzen, könnten wir hinten raus sehr, sehr viel leid und auch wirklich Geld sparen, muss man sagen bei manchen. Und das ist so offensichtlich und es wird trotzdem nicht gemacht. Was ist der Anlass dieser Fachtagung, die die Promethejugend organisiert? Uns ist ganz wichtig, möglichst viel im Austausch zu sein mit anderen, die auch mit jungen Menschen im Themenfeld Psyche, psychischen Erkrankungen arbeiten, da in ein Gespräch zu kommen, neue Ideen auszutauschen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse auch hereinzuholen und das nicht nur einmalig zu machen, sondern wiederkehrend. Heuer ist der erste Teil dieser Veranstaltungsreihe und wird alle zwei Jahre stattfinden. Wie schätzen Sie Ihrer Meinung nach die Generation Z derzeit ein? Wie geht es denen? Ja, es ist eine sehr herausfordernde Zeit. Es ist nicht nur für die Generation Z, sondern es ist ja das ganze Familiensystem leidet darunter. Die Erwachsenen wissen nicht, wie sie jetzt mit den ganzen Herausforderungen klarkommen sollen. Wie tut man weiter? Was für Möglichkeiten gibt es? Und wie überbrückt man das jetzt, dass man das in Zukunft, wenn die nächsten Krisen kommen, die kommen bestimmt, wie wir das verhindern können? Ein weiterer Fakt, den ich von dieser Webseite habe, ist, dass die zweithäufigste Todesursache Suizid im Alter zwischen 15 und 29 Jahren sind, genau die Generation Z mehr oder weniger. Haben Sie da gewisse Sorgen, dass die Suizidrate durch unsere aktuellen multiplen Krisen steigen könnte? Also im Moment zeigt sich das bei uns noch nicht. Weltweit ist die Situation ein bisschen anders. Da ist es tatsächlich mehr geworden, gerade bei Kleinbauern, die vom Klimawandel einfach abhängig sind. Also da sind wir noch ein bisschen in einer luxuriösen Lage sozusagen. Ich bin mal gespannt, was langfristig die Zahlen machen werden. Aber alleine schon, wie auch der Kollege vorhin gesagt hat, dass inzwischen neun Prozent täglich darüber nachdenken, in dieser Altersspanne ihr Leben zu beenden. Und früher waren es zwei Prozent. Sollte ein riesiges, riesiges Alarmzeichen sein. Und gerade bei Suizid sind halt noch diese ganzen Ängste. Lie lieber nicht ansprechen, dann bringt man erst auf die Ideen so ganz viel. Und es wäre so wichtig und einfach, wenn wir das direkt thematisieren, Suizidalität nicht gleich mit Suizidversuch gleichsetzen, sondern auch zu sagen, hey, du darfst mir das sagen, das ist okay, ich halte das aus. Da könnten wir wahnsinnig viel guten Impact haben. Was nehmen Sie von der heutigen Tachtagung mit nach Hause sozusagen oder in Ihrem Beruf mit? Also mehrere Dinge. Das Erste, dass wir es uns als normal ansehen müssten, über psychische Gesundheit zu reden. Ich meine, das ist für mich als Psychotherapeut sowieso eine Selbstverständlichkeit, aber ich glaube, in großen Teilen der Gesellschaft noch nicht. Gerade ländliche Gegend, bäuerlich-ländliche Gegend ist das, glaube ich, immer noch oft so verpönt. Und das Nächste ist natürlich, was zum Beispiel so eine Box in Linz oder auch in anderen Städten so junge Menschen anbieten kann, das habe ich auch beim Vortrag so gespürt, das habe ich alles in der Familie bekommen. Also so je mehr die Familie sozusagen versagt oder weniger Familien den Kindern diese gesunde, gute, stabile Bindungen anbieten können, umso mehr müssen das Institutionen übernehmen. Und das ist gut, was man da macht, aber ich frage mich, wo verlieren wir die Familien, die gesunden Familien? Welche Ziele sollen damit erreicht werden? Also was will die ProMente damit sozusagen schaffen, erreichen? Einerseits den Austausch, genau, und Wissen zu generieren, gleichzeitig Ideen zu entwickeln hinsichtlich Prävention, also präventiver Ideen, was braucht es auch noch von Angeboten für junge Menschen, die es jetzt noch nicht gibt, Interesse zu wecken, auch bei Geldgebern und, und, und, und, ganz viel. Eines Ihrer Ziele ist, dass man mehr über psychische Gesundheit sozusagen spricht und das nicht als Zergluthema behandelt. Wie können Sie das erreichen, beziehungsweise wie sehen Sie das bei den jungen Menschen, wie sie eben mit ihrer psychischen Gesundheit, über die sie sprechen sozusagen, wie sehen Sie das? Also ich kann verändern, indem ich meine eigenen Erfahrungen teile, indem ich sage, wie es bei mir war und indem ich aber auch sage, heute geht es mir gut. Mir ging es sehr lange schlecht, heute geht es mir aber gut. Das war ein längerer Weg. Das war jetzt nicht von jetzt auf gleich, aber es ist möglich. Und bei den Kids in meinen Schulprojekten zum Beispiel kriege ich halt mit, die haben ganz viel Awareness für das Thema. Sie dürfen es aber nirgendwo anbringen. Sie werden damit alleine gelassen. Social Media, in den Filmen, in Serien, in Songs, überall wird Mental Health irgendwie thematisiert. Aber dann diese Kompetenz damit umzugehen, was kann ich da irgendwie tun für mich, für andere, damit werden sie komplett alleine gelassen. Und das ist, was ich mir wirklich wünschen würde, dass wir nicht nur sagen, jetzt sind die alle mental aware, sind wir fertig. Nee, wir müssen dann erst recht sagen, okay, jetzt weißt du, dass du die hast und jetzt sagen wir dir, was du tun kannst. Wie blicken Sie in die Zukunft hinsichtlich auf die Entwicklung der Generation, also der Generation Z? Ja, einerseits kritisch und andererseits back to the roots. Also was ist das, was hilfreich ist? Gesunde Beziehungen, lebendige, gute Anbindungen. Und das ist, was mich auch beeindruckt hat, das ist eine große amerikanische Studie über 70, 80 Jahre und was kommt heraus, das wichtigste sind Beziehungen. Also Entschuldigung, das hätte man ohne diese große 80 Jahre Studie auch gewusst, weil natürlich sind das die wichtigsten Sachen, die gesunden Beziehungen in unserem Leben, aber eben wo nicht ausgenutzt wird, wo nicht missbraucht wird, wo nicht traumatisiert wird, wo eine gesunde Bindung entsteht und das das können wir mit der Digitalisierung nicht ersetzen. Der Fokus wird sozusagen auf die Generation Z gelegt in dieser Fachtagung. Warum wurde genau diese Generation ausgewählt und für wen ist sozusagen diese Veranstaltung auch interessant? Das ist eine gute Frage, lässt sich mehrfach beantworten. Die erste ist, es ist genau die Zielgruppe, die wir betreuen, beraten, also 14- bis 28-jährige junge Menschen. Das andere ist, gerade diese Zielgruppe war gerade auch in den letzten Jahren und ist immer noch, genauso wie alle anderen, stark betroffen, aber noch mehr als das Großteil der restlichen Gesellschaft. Auch die Zeit in diesem Altersspektrum, die Pubertät, das junge Erwachsenenalter, ganz eine vulnerable Zeit ist, wo es ganz wichtig ist, wenn es Schwierigkeiten gibt, dass man möglichst rasch Unterstützung bekommt. Wie ist der Ablauf dieser Fachtagung heute? Was kann man da alles sozusagen wahrnehmen und wer sind die Gäste und Gästinnen? Genau, die Fachtagung baut sich auf vormittags mit Fachvorträgen, einerseits von Selbstbetroffenen, von Fachleuten wie Uni-Professoren, Berichte über aktuelle Standorte und am Nachmittag ganz viele Workshops, wo auch die Teilnehmenden viel in Kommunikation gehen sollen. Wer sind die Gäste? Menschen aus ganz Österreich, die mit jungen Menschen arbeiten. Was erwarten Sie persönlich von dieser Fachtagung am Ende des Tages? Was soll dabei rausschauen? Also ich erwarte mir tatsächlich neue Ideen, neue Motivation auch auf Mitarbeiter-Ebene und so dieses unter den Nägeln brennen neue Dinge auszuprobieren. Haben Sie da konkrete Lösungsansätze seitens der Regierung, die Sie vielleicht umsetzen könnte in diese Richtung? Ja die Mental Health Literacy an die Schulen bringen. Also wir haben zum Beispiel so einen Kurs entwickelt, zwölf Module, das ist so ein Grundkurs in mentaler Gesundheit, also sehr präventiv. Da geht es nur um ein Modul, um die Erkrankungen, wo es einfach eine Awareness gibt. Was beeinflusst alles meine mentale Gesundheit und wie kann ich die beeinflussen? Ich bin überhaupt kein Fan zu sagen, die LehrerInnen sollen jetzt bitte auch noch mentale Gesundheit in den Unterricht irgendwie einbauen. Ich finde aber, Schulen müssen Raum schaffen, dass wir dort dieses Thema aufgreifen können. Mit Stunden, dass man externe Experten holt, weil diese Dankbarkeit, die ich von den SchülerInnen bekomme, ist unfassbar groß. Aber es ist auch immer die Rückmeldung, wenn ich mit 14, 16-Jährigen rede, warum kommt ihr erst jetzt, warum haben wir nicht vorher schon was gelernt? Und da sehe ich schon einfach die Regierung, die Politik in der Verantwortung, dass man da die Rahmenbedingungen ein bisschen schafft, ohne den Druck jetzt auf die LehrerInnen zu erhöhen. bisschen schafft, ohne den Druck jetzt auf die LehrerInnen zu erhöhen. Eine letzte Frage habe ich jetzt noch. Können Sie vielleicht in drei oder ein paar wenigen Wörtern die Generation Z beschreiben? Vernetzt, engagiert, unsicher würde ich es jetzt sagen. Also einfach sich der ganzen Unsicherheiten sehr bewusst. Jetzt nicht selber unsicher, sondern wirklich, wow, es gibt da draußen viele Gefahren sozusagen und da ist heute mehr Bewusstsein für da.