Hallo, ich sitze hier heute mit Josef Püringer im Seniorenbund? Seniorenbund. Im Seniorenbund, aber das Haus heißt? Gleisnerhaus. Gleisnerhaus, genau, an der Donaulände. Der Herr Püringer war von 1995 bis 2017 der Landeshauptmann Oberösterreichs und in der Funktion auch sehr relevant fürs Festival der Region. Was mich jetzt da am meisten eigentlich gerade interessiert erstmal ist, was waren denn die Gründe, warum Sie praktisch damals, ich meine 1993 waren Sie jetzt noch nicht Hauptmann, aber... Kulturreferent war ich damals. Genau, eben, also schon beteiligt an der Entscheidungsfindung. Ja, ich glaube sehr wesentlich. Denn das Land hat das Festival der Regionen finanziell im Wesentlichen getragen oder trägt es. Und wir waren damals der Meinung, dass in einem modernen Land auch ein alternatives Festival zu den bestehenden, wie zum Beispiel den damaligen Landesausstellungen, dem Brucknerfest usw. durchaus einen Platz haben soll. Also es ging vor allem um diese Alternative eben zu dem Bestehenden, das zu schaffen. Es ging unter anderem zur traditionellen Kultur und auch der Aspekt der Regionen war für uns interessant. Also wenn Sie jetzt praktisch sagen würden, gab es irgendwas, wo Sie gesagt haben, das hat mich überzeugt sozusagen. Es war ein Diskussionsprozess, ein sehr kurzer, aber intensiver. Und wir haben gesagt, das passt in die Gesamtkonzeption der Kulturpolitik von Oberösterreich. Was haben Sie sich praktisch dann als Landeshauptmann von dem Festival erhofft oder erwartet? Wie von jeder anderen Kulturinitiative auch, dass sie von den Menschen angenommen wird, dass sich Menschen finden, die dieses Festival gestalten. Es geht ja auch darum, dass nicht nur eine Kultur herbei gescharrt wird durch Gaskonzerte und dergleichen, sondern dass in der Region vorhandenes Potenzial geweckt wird. Ist diese Hoffnung oder Erwartung erfüllt worden? Diese Hoffnung und Erwartung ist im Wesentlichen erfüllt worden, manchmal mehr, manchmal weniger, das wissen die Initiatoren selbst, je nach der Region, je nach dem Thema des Festivals, aber wenn etwas so lange existiert, ist es eher ein Beweis dafür, dass es funktioniert und dass es angenommen wird. Nur das Gute hält sich. Verstehe. Sie haben jetzt gesagt, es gab einen kleinen Diskussionsprozess. Gab es da praktisch innerparteilich Diskussionen? Parteilich hat es da gar keine großen Diskussionen gegeben. Es hat eine Diskussion gegeben im Landeskulturbeirat und es hat eine Diskussion gegeben mit mir als Kulturreferenten vom damaligen Verein KUPF und von anderen Kulturorganisationen, die es damals in der freien Szene bereits gegeben hat. Und die Gründer, die da vorgebracht wurden? Die waren schlüssig und wie gesagt, es hat so etwas im Kulturangebot Oberösterreichs eben nicht gegeben. Und mit so etwas beziehen Sie sich eben auf diesen regionalen? Regionalen Aspekt und dem Aspekt, würde ich einmal sagen, der Zeitkultur. Aspekt und dem Aspekt, würde ich einmal sagen, der Zeitkultur. Also praktisch der aktuellen Kunst und Kultur sozusagen im Gegensatz zu dem traditionellen, wenn man so will. Genau so ist es. Ja, verstehe. War es für das Vertrauen auch von Ihrer Seite wichtig, dass es auch politische Vertreter in dem Vorstand gab, jetzt vom Landeskulturbeirat? Das hat das eine mit dem anderen nichts zu tun. Im Landeskulturbeirat ist ganz genau durch Statut vorgegeben, wer da vertreten ist. Wichtig war mir die Zustimmung des Landeskulturbeirats immer wieder, dass wir dieses Festival ja zu einer Langzeitinitiative entwickelt haben. Und es sind von dort auch die eine oder andere Idee zur Veränderung oder Erneuerung gekommen. Ich fand es nur interessant, weil ja praktisch auch wirklich im Festival vorstand, Leute saßen, die auch im Landeskulturbeirat saßen, also es gab ja einen recht engen Austausch da scheinbar. Das ist so, dass die Kulturinitiativen im Landeskulturbeirat vertreten sind. Und da sind eben auch Leute der Zeitkultur im Landeskulturbeirat. Aber das hat jetzt allein mit dem Festival nichts zu tun. Verstehe. Waren Sie selber beim Festival dann auch dabei? Ich war fast bei jedem Festival dabei. Ich habe die meisten eröffnet und auch die eine oder andere Veranstaltung besucht. Gibt es ein Projekt, an das Sie sich noch erinnern, das Sie irgendwie begeistert hat? Ja, da hat es viele Projekte gegeben. Manche haben mich etwas, ich will nicht sagen entsetzt, aber haben mich nachdenklich gemacht, ob das dazugehört, wie man zum Beispiel im Hochgebirge oben Betten aufgestellt hat, kann ich mich noch gut erinnern, aber auch an viele, viele andere Initiativen, die mich auch zum Teil sehr beeindruckt haben. Und ich bin ein Vertreter als Kulturpolitiker damals, der immer gesagt hat, Heimat ist nie enge, Heimat ist weite, wie Hans Koren sagt. Und da muss viel auch in einer Landeskultur Platz haben. Also Sie hatten jetzt das mit den Betten angesprochen, aber mich würde es interessieren, wenn bei Ihnen ein Projekt hängen geblieben ist, vielleicht können Sie nochmal, weil es auch manchmal ein bisschen einen Einblick gibt, über was interessiert einen eigentlich. Also mich haben Filmprojekte interessiert, mich haben Kunstprojekte interessiert. Ich möchte jetzt nicht eines herausgreifen, weil das wäre unfair, aber ich sage auch ganz ehrlich, mir hat das eine oder andere nicht so gefallen, aber es ist ja nicht entscheidend bei einem Kulturpolitiker, dass ihm, dem Kulturreferenten, alles gefällt. Entscheidend ist, dass die Kultur in ihrer Breite präsentiert wird und dass sie Anlass ist für Auseinandersetzungen, für Diskussionen. Sie soll ja nicht nur unterhalten, sie soll ja auch aufrütteln. Und frage ich mich, es gab ja auch viele politische Inhalte auf dem Festival. Gab es da jetzt für Sie eine Art rote Linie, die irgendwie nicht überschritten werden darf oder wo dann vielleicht auch, wenn sie überschritten wird, die Förderung infrage gestellt wird? Also mit der Förderung Politik zu machen, wenn du nicht tust, wie ich will, dann entziehe ich dir die Förderung, war nie, weder bei meinem Vorgänger noch bei meinem Nachfolger noch bei mir, das Instrument der Regulierung. Natürlich hat es manche politische Diskussionen gegeben, die musste man dann mit den regionalen Politikern draußen führen, die gesagt haben, das hätte man nicht unbedingt in der Region gebraucht. Aber ich habe immer einen Kulturbegriff der Breite vertreten. Und für mich ist die Grenze der Anstand. Und wie definiert sich der sozusagen, der Anstand? Dass ich erstens nicht persönlich werde, dass ich nicht untergriffig werde und dass ich das nicht tue, von dem die Menschen sagen, das tut man nicht, das ist unanständig oder das ist grob, grob sage ich unfair. Aber ich möchte da nicht zu einzelnen Projekten Stellung nehmen, denn die Diskussionen haben wir zu ihren Zeiten geführt. Ja, es ist halt spannend, weil wir jetzt ja wirklich 30 Jahre sozusagen als ein Block hier gerade vor uns haben und versuchen so ein bisschen zu verstehen, was ist da eigentlich alles passiert in der Zeit. Vielleicht erlauben Sie mir eine Frage zu einem konkreten Ding, was uns praktisch aufgefallen ist. Es gab ja 2003 diese Eröffnung am Kohlebrecher in Wolfsegg. Wahrscheinlich ist Ihnen die noch in Erinnerung. Ja, da war ich. Da waren Sie ja genau an der Rede gehalten, der Eröffnungsrede. Und ja, wie erinnern Sie sich daran? hatte und denen eben sagen musste, dass das eine Auseinandersetzung ist mit einem historischen Thema, das aber auch einen Bezug im Heute hat und dass das natürlich zu Irritationen und Fondsicherungen führt, aber das ist nun einmal auch Aufgabe der Kunst und Kultur. Also sozusagen grundsätzlich schon eher als Vertreter auch von eben dieser... Sonst wäre ich nicht hingefahren und hätte das feste Willen nicht eröffnet, wenn ich es mit meinen Ansichten nicht in Einklang bringen hätte können. Ja. Ja. Aber zensuriert habe ich nie, und das hat auch mein Nachfolger nie getan. Warum braucht es Festival der Regionen? Und auch vielleicht in Bezug auf, warum würde es es noch weiter brauchen? Weil es Initiativen braucht, die zur Auseinandersetzung, zur Hinterfragung ermuntern. Und jetzt konkret in Oberösterreich, hat das sozusagen einen konkreten Bezug zu Oberösterreich oder ist es eigentlich? Oberösterreich ist ein Land, das einen sehr liberalen, breiten Kultureinsatz in der Kulturpolitik immer gewählt hat. kulturensatz in der kulturpolitik immer gewählt hat ob feste welt der regionen oder andere initiativen ich will mich jetzt nicht auf eine initiative festlegen wir brauchen die zeitkultur sie ist ein teil der gesamtkultur und ihre aufgabe ist es da und dort wach zu rücken da und dort wachzurückeln, da und dort in Frage zu stellen, da und dort auch zu kritisieren, aber immer, um Auseinandersetzungen herbeizuführen, die qualitätsvoll und inhaltlich geführt werden sollen. Eben auch mit dem Instrument der Kunst. Also eigentlich auch ein politisches Werkzeug, wenn man so will. Kultur und Kunst ist nie unpolitisch. Denn die Kunst setzt sich mit dem auseinander, was die Menschen in der Zeit bewegt. Kann man jetzt auch sagen, wenn es sozusagen nicht so ein Festival geben würde, dann würden die Leute, die sonst irgendwie jetzt auf dem Festival sich mal austoben können, praktisch irgendwie zerstörenfrieden werden? Nein, das würde ich so nicht sagen. Das kann man nie von einer Initiative abhängig machen. Ich sehe die Kultur immer als Gesamtes. Es braucht die Kultur eines Landes. Sie ist der Kitt der Gesellschaft. Sie führt die Menschen zusammen. Auf der einen Seite, sie ist der Kitt der Gesellschaft, sie führt die Menschen zusammen. Auf der einen Seite, sie ist der Spiegel der Gesellschaft, sie hinterfragt das, was heute ist, sie hinterfragt die Zeit und die Menschen und sie ist vor allem auch ein Gewissen für eine bestimmte Zeit. Und ist das etwas, wo Sie sagen würden, diese Haltung setzt sich fort oder gibt es da sozusagen auch Diskussionen darüber, ist das jetzt Ihre oder allgemein die gültige Haltung? Wenn es über etwas keine Diskussionen gibt, ist das nicht gut. Dort, wo grabe Stille herrscht, gibt es keine Weiterentwicklung. Diskussion ist immer wichtig. Aber lässt sich sozusagen jetzt aus der Sicht eines aktuell mit dem Festival arbeitenden Menschen oder so, darauf vertrauen, dass diese Haltung sozusagen weiterhin besteht? Da müssen Sie die aktuellen Politiker fragen. Ich bin jetzt das sechste Jahr in Pension und ich schaue gerne zurück auf das, was sich alles entwickelt hat. Ich begleite aber auch die Zukunft, aber ich kommentiere sie nicht, denn das ist die Aufgabe der aktiven Politiker. Verstehe. Hätten Sie 1993 gedacht, dass das Festival mal 30 Jahre alt werden würde? Ich habe schon gesagt, was gut ist, hat Bestand. Mir war von Haus aus klar, dass eine solche Konzeption nicht mit drei oder mit vier Festivals abgeschlossen ist. Und die Konzeption, da geht es, können Sie das nochmal zusammenfassen, was jetzt die Konzeption war? Die Konzeption war, die Zeitkultur zu betonen, ihr einen Raum zu geben, ihr eine Bühne zu geben, auch ein wenig zur Ergänzung des großen traditionellen Programms, mit einem Festival in die Region zu gehen, also nicht zentral. mit einem Festival in die Region zu gehen, also nicht zentral. Drittens, mit dem Festival auch kritische Fragen zu stellen und die Menschen einzuladen, darauf im Rahmen des Festivals auch Antworten zu geben, natürlich auch die Künstler. Und wenn Sie jetzt zurückblicken, wie haben Sie das erlebt praktisch? Also wie viel Diskussion hat so ein Festival ausgelöst, wenn es mal in einer Region gewesen ist? Manchmal mehr, manchmal weniger. Aber Diskussionen hat es immer gegeben. Die meisten im Vorfeld und dann, wenn etwas gelaufen ist, was besonders irritiert hat, hat es natürlich auch manchmal noch nach Diskussionen gegeben. Aber die Frage, ob das jetzt zu weit ginge oder sowas, gab es eigentlich nie, wenn ich das richtig verstanden habe? In den Augen von regionalen Verantwortlichen in den Regionen draußen, wo das Festival stattgefunden hat, hat es sicher Leute gegeben, die gesagt haben, das ist oder jenes ist zu weit gegangen. Das ist überhaupt keine Frage. Aber risikofrei gibt es so ein Festival nicht. Was ist das konkrete Risiko, was man da sozusagen eingeht? Ja, dass es von Teilen der Bevölkerung nicht akzeptiert wird. Verstehe. Und dafür müssen Sie dann auch irgendwie gerade stehen, wenn man so will? Der Kulturpolitiker kann nie seinen persönlichen Geschmack, seinen persönlichen Maßstab zum Maßstab aller machen. Er muss die Kultur als Ganzes im Auge haben und muss in erster Linie ein Ermöglicher sein und nicht einer, der mit der Zensur arbeitet. Ich stelle es mir gar nicht so leicht vor, muss ich sagen. Das ist auch nicht immer sehr leicht. Also vielleicht, wie war das 2003, sozusagen, da irgendwie so einen Gegenwind zu haben? Das war nicht nur 2003, das war öfter, dass es einen Gegenwind gegeben hat. Mit Gegenwind muss man leben. Aber da redet man mit den Veranstaltern hinter Freikdas, dann redet man mit den politisch Verantwortlichen der Region, aber ich kann mich nicht erinnern, dass es Zerwürfnisse durch das Festival gegeben hätte, die eine Langzeitwirkung gehabt hätten. Okay. Super, danke. Jetzt wäre noch die Frage, Sie haben gesagt, Sie schauen lieber zurück, aber trotzdem, es hat sich ja im Festival-Team jetzt gerade auch einiges getan, es ist viel jünger geworden. Was wünschen Sie demnächst? Ich wünsche, dass es dem Festival der Regionen gelingt, spannende Festivals auch in Zukunft zu veranstalten, die von der Bevölkerung angenommen werden und die zu qualifizierten Diskussionen und Auseinandersetzungen mit den Fragen unserer Zeit führen. Was mir jetzt gerade noch einfällt, es gibt ja auch die Kommunale, die hat jetzt eigentlich ein relativ ähnliches Konzept. Die Kommunale hat ein doch alternatives Konzept dazu, denn die Kommunale ist einmal eine Ausstellung in erster Linie, wo eine Art kleinere Landesausstellung zu einem bestimmten Thema präsentiert wird. Und um diese Hauptausstellung gruppieren sich natürlich, so wie ich das heute verstehe, ob ich bin da nicht eingebunden, natürlich nicht mehr, weil ich ja nicht mehr in der Politik bin, in der Landesregierung bin, rundherum schaden sich dann oder sind da angegliedert eine Reihe von Kulturveranstaltungen. Das geht nicht von einem Thema aus, wie das Festival der Regionen, sondern ist rund um eine Ausstellung. Verstehe. Also ist jetzt die Sorge angebracht, dass die Kommunale das Festival der Region ablöst? Das glaube ich nicht. Okay. Was braucht es aus Ihrer Sicht, damit das Festival weitere 30 Jahre besteht bzw. auch gefördert wird? Ich weiß nicht, ob es gut ist, wenn ein Festival 60 Jahre besteht. Was wir in Oberösterreich brauchen, ist eine lebendige Kulturszene, egal in welcher Form.