Günther, ich war ja bei den Vorbereitungen für diese Sendereihe nur am Rande involviert, aber ich habe sozusagen doch ein bisschen was beitragen können. Vor allem auch im Hinblick darauf, dass wir beide ja auch eine gemeinsame Geschichte haben, die sehr weit zurückreicht, ich darf verraten, bis ins Jahr 1987. Du hast in Christkirchen gelebt, ich habe in Christkirchen gelebt. Du hast damals den Kulturverein Rossmarkt I, der ja schon ganz früh auch ein Flaggschiff für die Kupf gewesen ist, geleitet als Geschäftsführer. Ich bin dann irgendwann mal 1987 als 16-Jähriger wahrscheinlich bei der Tür reingekommen. Und da war ich plötzlich und dann hatten wir eine gemeinsame Zeit. Ich war damals ein großer Bewunderer von dir, weil natürlich habe ich aufgeschaut, wow, der hat das alles so gemanagt und das war eine coole Möglichkeit für mich auch als Jugendlicher, mich da auszutoben. Aber da habe ich natürlich sehr früh auch was mitgekriegt, nämlich Planungen, also so wie du dir auch mit anderen die Kupf gemacht hast. Bei den Vorbereitungen für die Senderei habe ich mir versucht zurückzuerinnern, es sind ja doch 30 Jahre und ich habe mir immer ausgemalt, damals sind wir ja sehr viel in den Wirtshäusern rumgesessen. Also nicht nur im Verein, sondern in den Sitzungen. Unser Kulturzentrum war ein Wirtshaus. Das ist richtig, es war ein Wirtshaus. Früher. Mit eigener Fassbieranlage und so. Und dann habe ich versucht, auch im Gespräch mit meinen jungen Kolleginnen, die diese Senderei gestalten, ein bisschen zu rekonstruieren, wie war das eigentlich oder wie könnte das gewesen sein? Weil irgendwann ist man selber in dieser Dynamik drin, dass man Mythen erzeugt. Und ich habe gesagt, nein, das ist sicherlich nicht irgendwie super planmäßig auf irgendeinem Reißbrett entwickelt worden, das Festival Region. Ich habe mir ausgemacht, du und der Franz Briller, ihr seid wahrscheinlich irgendwann mal irgendwo sicher in einem Wirtshaus gesessen. Wahrscheinlich habt ihr ein Händl gegessen. Und da ist euch das mit dem Festival der Regionen eingefallen. Wie war es wirklich? Tja, wie war es wirklich? Also zuerst möchte ich noch sagen, bei deiner wunderbar charmanten Einleitung. Ich glaube, du warst 17. Plötzlich ist ein dür ganz, ganz besonders, weil du warst damals schon ein echtes Talent und ich war sowas wie in der Kulturszene Talentescout. Und du warst ja nicht allein, es waren dann einige rund um dich. Und weil du gesagt hast, du hast mich bewundert, das habe ich damals gar nicht so bemerkt, weil du warst der freche Pippen und bist das ja eigentlich bis heute noch geblieben. Jetzt hast du es professionalisiert. Und im Endeffekt habt ihr die Sache dann so gut gemacht, dass ich die und euch bewundert habe. Und ihr wart dann auch unsere Nachfolgegeneration und wir haben euch das, wir haben gerne das in eure Hände gelegt. Das zu der Geschichte am Rossmarkt. Und ich würde mal sagen, der Rossmarkt war schon so ein guter Platz, weil du von Wirtshäuser sprichst. Da war Wirtshaus, Kunst und Kultur sozusagen in einem. Und da ist viel entstanden. Also ich kann mich noch erinnern, da war ich noch gar nicht aktiv so richtig. Da war ich, glaube ich, 15. Da war ich beim ersten oder zweiten Kupftreffen, das es überhaupt gegeben hat, bei der Gründung irgendwo dabei. Da war der Mitterndorfer Kurt Apriler, der Josef Ecker aus Haibach, der damals schon in der Kulturabteilung war und dann später die Kulturszene betreut hat vom Land aus. Da war ich schon dabei und das Festival der Regionen ist jetzt nicht wirklich dort am Rossmarkt entstanden. Das ist auch schwer zu sagen, wie das entstanden ist. Also es war glaube ich mehr so, der Brillo Franzi hat einmal gemeint, wir haben das unabhängig voreinander, ähnliche Ideen gehabt, vielleicht war es einfach auch im Feld in der Zeit, sozusagen damals. Aber die Initiatoren waren hauptsächlich wir beide. Er war damals mein Kupf-Präsident, Obmann, und ich war dann einmal eine Zeit lang Geschäftsführer. Und ja, da haben wir einiges angeschoben. Aber beim Festivalteam war ja dann noch der Rainer Zentron dabei, der Wolfgang Preisinger von den Fabrikanten dabei. Das war so das Kleeblatt, würde ich sagen, das die Keimzelle war für das Festival. Und ja, wer mir schon auch noch einfällt und wer noch wichtige Menschen waren in der Anfangsphase, im ersten Jahr war zum Beispiel die Gitti Wasitschek auch so in leitender Funktion dabei. Beim zweiten Festival fällt mir ein, der Gerald Groschenig, der in der IG Kultur lange Zeit aktiv war und bis heute im Kulturbereich. Die waren damals noch in Salzburg. Die waren noch in Salzburg, genau. Also der Gerald Groschenig war im Festivalteam. Ich glaube, das war hauptsächlich Kommunikation, Marketing. Ein Festival später war der Gerald Harringer von den Fabrikanten, der Florian Sedmak, die Jungs damals. Wer fällt mir denn noch so ein? Die Jutta Skroka, ganz besonders zu erwähnen, die ja dann in Gmunden ihre wunderbaren Sachen ich glaube noch 20, 30 Jahre lang veranstaltet hat das waren so ein paar Beispiele jetzt fallen mir gerade nicht alle ein wenn wir es mal kurz mit der Gegenwart koppeln heutzutage ist es ja gar nicht mehr so einfach mit einer Projektidee, einer Größenordnung von einem regionalen Festival zu einem Kulturpolitiker oder zu einer Kulturpolitikerin zu gehen und zu sagen, das ist unsere Idee, das wollen wir jetzt verwirklichen und jetzt brauchen wir die Kohle dafür. Ich habe versucht, das auch noch einmal in meinem Kopf darzustellen, wie ihr das damals geschafft habt, auch mit dem Josef Bühringer, der war ja damals noch nicht Landeshauptmann, er war schon Kulturressort verantwortlicher. Wie war das, was habt ihr ihm angeboten, dass er vom Festival kriegt, dass euch das bezahlt? Wir haben in dem Sinn nicht in erster Linie was angeboten, also ich kann mich noch gut erinnern, ich bin in Christkirchen an der Schreibmaschine gesessen und habe an dem Ideenkonzept geschrieben, habe das dann abgestimmt intern in unserer Gruppe und das war dann mein Job. Ich habe dann drei Monate lang bin ich einfach durch den Putzen gegangen überall hin der irgendwie entscheidungsträger war damals bis hin zum bund also wir haben ja das war natürlich ein angebot dass man sagen haben können wir haben im bund schon gesprochen die seien sehr interessiert die würden so und so viel Prozent, ich weiß nicht mehr, ein Drittel übernehmen und das ganze Konzept war natürlich auch auf viel Eigenmittel einbringen, der Projekte, Sponsoren der Projekte, Gesamtsponsoren und ich glaube, das Land oder das Kulturland Oberösterreich hat damals ganz, ganz viel gekriegt. Viel, viel mehr, als viel gekriegt, viel, viel mehr als was es eingezahlt hat sozusagen. Da ist eine kulturpolitische Komponente, da ist eine Öffentlichkeitsarbeitskomponente, da ist eine touristische Komponente. Wir haben auch Umwegrentabilitätsstudien gemacht, das hat ja damals der Kulturreferent auch betrieben und das auch immer wieder argumentiert, ich kann mich erinnern, ich glaube das war ja damals der Sager von 1 Kultureuro, oder war das noch Schilling? Nein, das war noch Schilling, das war eine Evaluierung der KUF. für ein bisschen später, 8-3 sozusagen, Umwegrentabilität und so weiter. Einfach, wir haben uns wirklich total engagiert, monatelang dafür. Ich glaube, in den drei Monaten habe ich im Prinzip Fulltime dafür gearbeitet. Und ja, dann war noch ganz, ganz wichtig, dass wir den Landeskulturbäuerrat einbezogen haben und den Vorsitzenden Leopold Seder, Gott hab ihn selig, der leider verstorben ist vor ein paar Jahren, aber er hat ein gutes Näschen gehabt für Initiativen, die ja Potenzial haben zu der Zeit. Und ich würde sagen, die Zeit war reif für so ein Großprojekt. Es war ja sogar angedacht als Alternative zu den Landesausstellungen. So ist es ja in den ersten Konzepten für den Landeskulturbäuerat drinnen gestanden. Und ja, das war auch so der Lehrraum, der die Entscheidung des Landes ermöglicht hat, die Landesausstellungen noch alle zwei Jahre zu machen. Und dann haben wir natürlich gesagt, da muss was für die freie Szene passieren. Und da wollen wir einfach auch Budget dafür, wenn natürlich auch weit nicht so viel, aber zumindest ein Budget, mit dem man auch was anfangen kann. Und das war also. Was ja auch noch zu erwähnen ist, dass ja gerade so Beginn der 90er Jahre, Mitte der 90er Jahre, wir ja auch in einer politischen Situation waren, gerade auch hier in Oberösterreich, wo die FPÖ für sich das Thema Kultur ja als ein echt rechtes Aufmarschgebiet entdeckt hat. Wir haben damals von einem Kulturkampf gesprochen, die haben gewettert gegen die Kupf, da haben es sogar Organigramme gegeben, völlig Verschwörungs- wahnsinnige Seite Kupf im Zentrum eines linken Terrornetzwerkes. Oh, das war doch noch in meiner Zeit. Das hat man sich noch vor Augen, kann man sich bis heute noch einsehen in den Kupf-Archiven. Aber das war auch dann die Zeit, wo der Bühringer als politischer Verantwortlicher ja auch ein bisschen seine Rhetorik verändert hat. Er hat dann immer gesagt, einerseits defensiv, ja, wir investieren in Kultur, weil Unkultur oder Nichtkultur kommt uns noch viel teurer an. Das war das eine, was sehr interessant war, aber gleichzeitig, meine Frage ist, hat das bei euch eine Rolle gespielt, dass ihr gesagt habt, und jetzt erst recht, jetzt schauen wir, dass man quasi mit einem solchen Festival sozusagen die Regionen oder den Alltag noch mehr mit Kultur durchfluten, mit kantiger Kultur, mit starkem Signal und so weiter. Hat das eine Rolle gespielt? Ja, auf jeden Fall. Danke FPÖ. Es hat uns sicherlich die gesamte Szene, nicht nur unser Festival, aber es hat uns sicher angestachelt, motiviert, inspiriert, da dagegen zu halten. Und Kunst und Kultur haben ja auch die Aufgabe, Bewusstsein zu schaffen, Bewusstsein zu erweitern. Und das war die miefigste Denunziationskultur. Und da muss man einfach dagegen halten. Es war eine gute Zeit eigentlich? Im Prinzip war es eine sehr bewegte Zeit, ja, und eine absolute Gründerzeit auch. Es ist nämlich total witzig, wenn ich jetzt rückkopple mit meinem Werdegang, wir haben schon darüber geredet, ich komme da mit 17 oder 16 in den Rossmarkt rein, das war natürlich schon auch beflügelt. Es waren so meine ersten Jahre, wo ich politisiert wurde. Da war zuerst der Aufstieg von Jörg Haider. Da war er 86, dort den Parteitag in Innsbruck. Dann natürlich wenige Zeit später der Bundespräsidentschaftswahlkampf rund um Kurt Waldheim, die ganze Waldheim-Kiste. Plötzlich steht sozusagen diese Thematik Österreich und die NS-Vergangenheit. Das hat natürlich schon auch sehr viel Anschub gegeben in die ganze Kulturszene hinein. Ja, genau. Also das ist die alte Geschichte, wenn bei einem Pol, wenn sozusagen etwas in den einen Pol mehr geht, dann entwickelt sich auch ein Gegenpol. Und so war das. Und wie hast du deinen Bühringer wahrgenommen? Der ist ja trotz alledem einigermaßen mutig in Erscheinung getreten. Er hätte auch sagen können, oh, das ist mir jetzt alles viel zu heiß. Ja, also ich möchte da sogar noch einen Schritt zurückgehen. Ich habe noch als OK-Leiter 1991 den Ratzenböck kennengelernt. Und der hat, ich würde einmal sagen, dem haben wir es zu verdanken, zum großen Teil, dass die Stimmung für die Kulturszene in Oberösterreich, für die freie Kulturszene aufbereitet wurde. Ich sage es einmal in meinen Worten, der hat ein Herz gehabt, also Herz und Seele und nicht nur Kopf. Und das hat ihn ja auch ausgezeichnet und auch beliebt gemacht. Also ich war damals noch Stabstelle direkt von ihm im OK und ich habe wirklich das Gefühl gehabt, das ist ihm wichtig. Und es kommt nicht infrage, dass er sich das schlecht reden oder missmachen lässt. Also der hat uns durchaus, auch wenn die damals natürlich diese ersten Kämpfe waren mit dem Ratzenböck überhaupt. Da war die ganze Fördersituation noch krottenschlecht. Da waren Kulturzentrum, wie es heute selbstverständlich sind, Lokalbühne, Guck, also Lokalbühne Freistaat, Guck, Braunau, Akkusteuer, Kikriot, Kulturzentrum Ebensee, alsozentrum Ebensee, also Kino Ebensee, das war praktisch in Ansätzen und kaum finanziert. Aber es ist was gegangen und ich würde einmal sagen, da hat er ganz viel das Feld aufbereitet für die Ära Püringer, der das, Gott sei Dank, ich glaube auch mit seiner ganzen humanistischen Grundbildung aufgegriffen hat, auch verstanden hat, aber auch ganz gut beraten wurde von der Kulturabteilung. Josef Ecker möchte ich da ganz explizit erwähnen. Und so hat es ganz gute Auseinandersetzungen gegeben. Natürlich war es nicht immer, gerade für die kulturenitiativen Szenen, nicht immer leicht. Aber das waren ja auch die Zeiten der Phoenix-Gründung, die das Kino besetzt haben, in der Wienerstraße und so weiter. Also da ist schon ganz viel passiert. Es gibt ja nur andere Entwicklungen auch, wo ich mir denke, das wird sicherlich vielleicht auch einen Impuls ausgeübt haben auf die Gründung des Festivals, nämlich auf Bundesebene. Das waren ja genau die Jahre, da ist ja man ebenfalls natürlich unter dem Druck der FPÖ ist ja was in Bewegung geraten. Also 1991 hat auch die Hilde Havlicek damals in ihrer Eigenschaft als Kunstministerin, da war ja noch Kunst und Kultur getrennt, zwischen Rot und Schwarz, aber da hat die Hilde Havlicek ja auch gesetzlich die Existenz von Kulturinitiativen, ich habe da mal festgeschrieben, ins Kunstförderungsgesetz hinein, das war ja maßgeblich. Und natürlich auch durch ihre Persönlichkeiten und dann später natürlich auch nochmal mit dem Rudolf Scholten. Genau. Das wird sicherlich ja auch eine Rolle gespielt haben, so wäre es meine Lesart jetzt mal, dass das auch natürlich eine Wirkung gehabt hat, auch auf die ÖVP-konservative Kulturpolitik hier im Land. Ja, denke ich mir auch. Also meine Anfangszeiten waren eben noch unter dem Ministerium Scholten. Und ich war zwei Jahre lang in dem allerersten Beirat für regionale Kulturinitiativen und Kulturentwicklung. Und das war schon faszinierend. Also da war ich sozusagen der Kulturinitiativenvertreter und dann noch einige andere ExpertInnen. Aber damals sind die Pflöcke eingeschlagen worden. Und ich weiß noch, wie ich damals ein paar Mal wirklich auf den Tisch hauen habe müssen, ein paar Mal wirklich auf den Tisch hauen habe müssen, damit Initiativen wie die Stadtwerkstatt oder eben Theater Phoenix und solche Leitbetriebe, dass ich argumentieren konnte, die haben überregionale Bedeutung. Das war denen das Allerwichtigste. Und ich habe damals den Minister Scholten als sehr konstruktiv letztlich und auch sehr angenehm empfunden. Ein Humanist im besten Sinne. Also der hat etwas davon verstanden. Dabei gehen wir nochmal ganz kurz zurück, auch zur Gründungszeit. Also ich habe ja jede Menge kritischen Blick auf 30 Jahre Fest, weil die Regionen da haben jetzt gar nicht die Zeit dazu. Das ist eh gut. Jahre fest, weil die Regionen, da haben wir jetzt gar nicht die Zeit dazu. Das ist eh gut. Was für mich immer eine der spannendsten Fragestellungen ist, und das ist natürlich jetzt auch total spannend, auch in die Gründungszeit zurückzublicken, ist, wie man sowas andenkt und letztendlich umsetzt. Wir sind hier in einem Bundesland, das ist wirklich ausgewiesen konservativ in seiner Ausrichtung, sehr wirtschaftsorientiert, sehr starke Kulturpolitik, trotz alledem, wo eigentlich eine enorme Menge Geld auch aufgewendet wird zur Förderung von Kunst und Kultur. Es ist vorwiegend dann auch stark, was ich was brauche, Dumm und Tradition, ist egal. Landesmusik, schön beispielhaft. Landesmusik ist natürlich ein enormer Brocken, der das Budget ausmacht. Aber trotzdem, ich habe das Festival von der Gründungszeit her immer als sehr clever angedacht, empfunden, wahrgenommen, dass man das auch so arrangieren kann mit dieser Landeskulturpolitik unter diesen Voraussetzungen. Aber es ist mir zugleich auch immer sehr, fast übermäßig dialogfreudig oder gefällig reingekommen. Ich habe eigentlich immer vermisst, eigentlich doch auch eine sehr starke Signalwirkung in Richtung, naja, aber mit uns müsst ihr schon rechnen und wir wollen euch schon die ein oder andere schlaflose Nacht bereiten. Oder wir gehen nicht aus diesem Spiel, dass man nachher unbedingt alle Freunde sind, sondern da wollen wir schon ganz klare, provokante, kantige Zeichen setzen und auch im Sinne von Nachhaltigkeit vielleicht Strukturen schaffen, die eben nicht gefällig sind, die dissident sind, die das Land tatsächlich auch aufwühlen können oder was auch immer. Wie hast du das wahrgenommen? Du warst ja damals auch Akteur, der das auch verhandelt hat. Was ist da in euren Köpfen vorgegangen? Na, du hast sicher recht. Also ich wollte dich dann eh fragen, was da an jeder Menge Kritik sich angesammelt hat. Da können wir dann gerne noch drüber reden, aber gerade so, ich würde einmal sagen, eben so in meiner Zeit der ersten drei Festivals, da stimmt diese Kritik ziemlich sicher. Nur ist sie, wie soll man sagen, hast du die damals auch schon gehabt oder hast du die erst später entwickelt? Genau du die damals auch schon gehabt oder hast du die erst später entwickelt? Ich habe sie später entwickelt, zugegeben. Genau, weil damals, das muss man in dem Kontext der Zeit sehen, im Kontext, was da alles war und was wir, ich meine, wir waren ein Team mit einem Beirat und mit einer Jury, die die Projekte ausgesucht haben. Beirat und mit einer Jury, die die Projekte ausgesucht haben. Da waren ja wirklich absolute Kapazonte darunter. Damals schon zum Beispiel die Elisabeth Schwäger haben wir einmal in der Jury gehabt. Ich glaube, es war für 1997, für 1993 der Hermann Glaser und so weiter. Also wirklich Leute, die sich das einfach auskennen. Und so sind die Projekte ausgewählt Leute, die sich das, glaube ich, einfach auskennen. Und so sind die Projekte ausgewählt worden. Und ich würde sagen, es war eine gute und geschickte Mischung. Also du hast das Wort clever verwendet. Ich glaube, das Festival war nicht nur clever aufgebaut und strukturiert, sondern es war auch die Programmauswahl letztlich auch, kann man durchaus sagen, gescheit gemacht, sodass man eben diesen Anspruch, wir wollen auch in die Breite gehen, aber wir haben auch den Anspruch, kantig zu sein, kritisch zu sein, dass wir das, soweit es irgendwie gegangen ist, im Balance irgendwie vereinen haben können. Das war das Kunststück. Das ist immer das Kunststück dabei, wenn du ein Projekt machst, das kann kantig sein, unheimlich kritisch sein und dann kommen keine Leute. unheimlich kritisch sein und dann kommen keine Leute. Dafür hat es andere einzelne Projekte oder beziehungsweise Kulturträger gegeben, Stadtwerkstatt zum Beispiel, Phoenix durchaus, aber auch andere kleine Initiativen im Land. Und das Festival wollte mehr so dem, oder das war natürlich ein Spiegel von dem, was es gegeben hat. Wenn es die Projekte nicht gegeben hat, die jetzt ganz ganz kantig waren, aber es waren durchaus auch solche dabei, würde ich sagen. Nur die sind schon wieder ein bisschen untergegangen, da hat sich die mediale Bühne nicht so viel darum gekümmert. Obwohl wir den ORF natürlich als Partner gehabt haben. Aber ja, das ist eine strukturelle Geschichte halt auch gewesen. Ich habe ja damals für mich auch die sehr spannende Vergleichsmöglichkeit gehabt. Ich habe ja damals gelebt und dann auch gearbeitet in Wien und nicht zuletzt auch sozusagen in einer kulturpolitischen Interessenvertretung. Ich habe sehr viel mit Wiener Stadtpolitik und Wiener Kulturpolitik zu tun gehabt und ich habe immer die Meinung und die Auffassung vertreten bis heute, dass ein Festival der Regionen in Wien, im sozialdemokratisch regierten Wien, immer einen roten Bürgermeister zu dem Zeitpunkt 92, 93 überhaupt nicht möglich gewesen wäre. Das wäre nicht möglich gewesen, die hätten das nicht zugelassen. Musste ja auch letztendlich der SPÖ wahnsinnig trotzig abgerungen werden, erst viel, viel später in der rot-grünen Regierungskoalition, damals mit der Einrichtung der Wien-Woche. Das ist so ein einwöchiges Festival, ist in etwa auch was die Budgetierung betrifft vergleichbar. Aber so lange hat es gedauert und das ist für mich immer total interessant, dass ausgerechnet auch in einem sehr konservativen Bundesland wie Oberösterreich das möglich ist und das tatsächlich 30 Jahre lang, also 2023 haben wir eine weitere Ausgabe davon. Während noch eine Vergleichsmöglichkeit in der Steiermark, die haben es ja auch versucht mit der Regionale, wie das Festival geheißen hat, ist auch schon lange nicht mehr am Programm. Wir sind nachher überall hineingeladen worden zum Donaufestival Niederösterreich. Wie erklärst du das, dass das in Oberösterreich so früh möglich war? Da habe ich schon eine These. Also ich glaube nicht, dass Oberösterreich so konservativ war. Das war vielleicht Vorarlberg oder Tirol. Also wenn du von eng konservativ redest. Aber in Oberösterreich, es sind die Menschen einfach. Die Menschen, die dann in dieser Kulturszene gearbeitet haben oder noch viel breiter, einfach die gesamte Gesellschaft. Ich glaube nicht, dass die Menschen in Oberösterreich so konservativ waren oder sind. Das nehme ich nicht wirklich wahr. Ich nehme eher Tendenz wahr, dass wir, wenn man das überhaupt so sagen kann, als Bundesland, Ich muss da schon widersprechen. eine relativ offene Gesellschaft entwickelt haben. Das Anzeichen ist ja, dass sich damals ganz viele Kulturinitiativen, so wie wir am Rossmarkt, gebildet haben, dass sich ganz viel Widerstandsgeist in den Städten da hinten sitzt, einer der Gründer der Stadtwerkstatt, jetzt hätte ich schon bald gesagt Visionswerkstatt. Der Georg Ritter übrigens. Der Georg Ritter, genau. Das ist ja auch ein Zeichen gewesen, auch damals in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts, des vorigen Jahrtausends, dass Oberösterreich nicht so konservativ ist wie zum Beispiel andere, wie Niederösterreich zum Beispiel. Jetzt einmal, sobald man das überhaupt spürmäßig vergleichen kann. Ich finde Oberösterreich von den Menschen her bis heute ein konservativ strukturiertes, geprägtes, aber relativ offenes Land. Ich muss da widersprechen, weil parallel, nämlich wirklich historisch, zeitgeschichtlich parallel, haben wir vor allem in Oberösterreich Ende der 80er Jahre ja auch eine Entwicklung gehabt, dass beispielsweise Ende der 80er Jahre in Österreich es wirklich große politische Anstrengungen gegeben hat, Sexualaufklärung etwa an den Schulen endlich nach so langer Zeit zu verwirklichen. Wie haben die 80er Jahre ausgeschaut? Österreich war in ganz Europa führend, bei den Zahlen jugendliche Schwangerschaftsabbrüche und überhaupt sozusagen jugendliche Schwangerschaften. Wir haben eine totale Notwendigkeit hier endlich bei der Sexualabbrüche. Es war sicher in gewissen Bereichen sehr konservativ. Es hat Kräfte gegeben, die haben eine moderne Sexualaufklärung verhindert und die sind in erster Linie Ende der 80er Jahre aus Oberösterreich gekommen. Oder eher politische. Ja, aber die sind aus Oberösterreich gekommen. Das heißt, das gesellschaftliche Klima hier in Oberösterreich, das kulturelle Klima, ist noch überhaupt nicht zu diesem Zeitpunkt in der Gegenwart angekommen gewesen. Das heißt, du musst dich da praktisch insofern auch widersprechen, dass ich eher die Meinung vertreten würde, dass die ÖVP, die die Kulturpolitik damals maßgeblich und fast alleine gestaltet und verantwortet hat, sich als vielleicht gesellschaftlich liberaler erwiesen hat als ihre eigene Klientel, die sich gewählt hat. Das mag sein, ja. Und trotzdem würde ich sagen, so etwas wie das Festival der Regionen wäre nie entstanden, hätte Oberösterreich nicht so eine Breite an Kulturinitiativen gehabt, an freier Kulturszene auch in den Städten gehabt und das sagt ja auch etwas aus. Also letztlich kann das alles nur auch wieder ein Spiegel sein und eine Essenz sein. Und das war halt das Festival. Und das ist es vielleicht heute nicht mehr. Und da war ich gespannt, ob es das wieder sein will oder mehr sein will, sagen wir so. Die Zukunft ist offen, wir wissen es jetzt noch nicht. Im Juni nächsten Jahres haben wir quasi die Möglichkeit, uns das anzuschauen. Es hat ja quasi jetzt einen Wechsel gegeben, personell und auch sozusagen in den Paradigmen. So habe ich wahrgenommen, die Veränderungen wieder eine sehr starke Fokussierung auf dieses große Segment der Kulturinitiativen, die sollen quasi die eigentlichen Trägerinnen dieses Festivals werden, weg von einer Intendanz. Das ist mit einem großen Fragezeichen versehen im Moment, wie das tatsächlich ausgeht. Sie hat eine Chance verdient, sozusagen der neue Vorstand und die Geschäftsführung. Aber das Land hat sich auch verändert natürlich und wir haben momentan natürlich ganz andere politische Vorzeichen. Also die Krisenhaftigkeit, die wir derzeit erleben müssen, auch hier in Oberösterreich, die hat es 1992, 1993 so nicht gegeben. Das war damals eher eine Aufbruchstimmung, so kurz nach dem Ende des Kalten Kriegs. Die Mauern, die Grenzen sind gefallen in Richtung Osten, dem Kommunismus und dem Sowjetsystem. Da gab es natürlich schon eine Aufbruchstimmung und gleichzeitig auch eine sehr viel postmoderne Beliebigkeit. Hervorgang entdoziert. Das ist ja klar gewesen damals. So wie es auch den Staaten im Osten gegangen ist, mit wahnsinnig viel Liberalismus, Neoliberalismus, Transformation, da war irgendwie so ein bisschen fast wie der Wilde Osten. So habe auch ich das damals da wahrgenommen. Plötzlich hat man es schon, ich meine, Anfang der 90er ist auch die Gesellschaft, sind auch die politischen Kräfte wirklich mal abgerückt von ihren Ideologien. Das ist dann alles beliebiger geworden. Plötzlich sind die Sozialdemokratinnen ausländerfeindlich geworden und dieses und jenes hat sich alles ein bisschen vermengt. Plötzlich waren Wirtschaftsliberale die Speerspitze der Ökologiebewegung. Das war damals die Zeit, in die das Festwerk hineingeraten ist, oder? Ich würde sagen, es war ein bisschen später, das, was du da ansprichst. Aber darf ich dir mal eine Frage stellen? Ja, eben die Frage, was weiß ich jetzt, du sprichst von einem Umbruch jetzt und was waren denn nun, weil du sagst, du hast sehr viel Kritik in petto und angesammelt, was waren denn deine Kritikpunkte sonst so in den letzten Jahren? Ich habe von Anfang an das Festival eigentlich verstanden und das hat sicherlich auch mit der Kommunikationsarbeit des Festivals zu tun. Ich habe es immer wahrgenommen als ein eigentliches Kunstfestival. Ist es mehr und mehr geworden? Naja, ich habe eher den Eindruck, man will eher wieder davon weg. Ich habe mir gedacht, okay, dass das Netz der Kulturinitiativ und der Kulturarbeit in Oberösterreich ohnehin immer sehr, sehr reichhaltig gewesen ist. Dass man sagt, okay, da haben wir jetzt ein Fundament, da haben wir jetzt sozusagen einen aufbereiteten Boden, wo wir jetzt auch Kunst ermöglichen wollen, Kunst initiieren wollen und das Land auch mit zeitgenössischer, kritischer, zukunftsgewandter Kunst durchfluten. Du hast das zuvor auch im Gespräch mit Marie-Therese Jahn ja auch angesprochen, wo du gefragt wurdest nach deinen persönlichen Perspektiven auf Kunst oder eine Funktion von Kunst. Da gibt es verschiedenste Funktionen, aber natürlich auch provozieren, zur Reflexion anregen, die Sublimierungsfunktion von Kunst. Und das ist mir eigentlich in Summe letztlich abgegangen. Es war sehr stark ausgerichtet auf die Einbeziehung möglichst breiter Bevölkerungskreise, wo ich sage, das ist alles lieb und nett. Auch in den letzten Jahren? die letzten Jahre ist es immer sehr schwierig, weil natürlich habe ich jetzt auch nicht in der gleichen Intensität den Überblick. Ich habe ja ein paar Jahre auch außerhalb von Europa gelebt und so weiter. Das ist natürlich nicht so leicht, in der Sahelzone die Geschicke des Festivals mitzuverfolgen. Aber trotzdem, das, was ich wahrnehmen konnte, war immer sehr auf den Schwerpunkt gesetzt, wirklich die Einbeziehung. Also man arbeitet mit den traditionellen Blasmusikkapellen, man arbeitet mit der Lebenshilfe. Das waren, würde ich sagen, eher die ersten zehn Jahre. Das ist eher weniger geworden, viel weniger geworden. In der Ära unter Eran Berg, der zwei Festivals als Intendant konzipiert und gestaltet hat, war das schon sehr stark vorgesehen. gestaltet hat, war das schon sehr stark vorgesehen. Natürlich auch der Auftakt im PERC im Jahr 2019 beim Festival noch vor der Pandemie. Da war zum Auftakt ein großer Chor und sozusagen ein Konzert, das unter lokalen Musikerinnen und Musikern verwirklicht wurde mit einem internationalen Dirigenten. Und immer diese Einbeziehung, das ist ja durchaus zu begrüßen, aber da sage ich, das sind Partizipationsverfahren, die eine wichtige Rolle spielen im Kulturbetrieb. Das ist ja auch etwas, das durchaus Lösungsansätze bieten könnte für die große Krise, in der sich der Kulturbetrieb momentan überhaupt befindet. für die große Krise, in der sich der Kulturbetrieb momentan überhaupt befindet. Die Leute mehr, also die Menschen nicht bloß als zahlendes Publikum zu begreifen, sondern wirklich auch einbeziehen. Das war immer mein Credo. Sie sind nicht nur vor der Bühne sitzen zu lassen, in einer konsumistischen Rolle, sondern sie auf die Bühne zu heben, dass sie dort selber auch mitwirken können. Aber das ist etwas, was in 30 Jahren für mich dann irgendwann mal auch zu kurz greift. Ich will auch meine Aha-Erlebnisse, ich will auch meine Schock-Erlebnisse. Aber das war ja nicht allein. Also es war ja nicht der alleinige Aspekt, dass man regionale Kulturträgerinnen und so weiter mit einbezieht. Das war ein Aspekt, aber es hat jede Menge Projekte gegeben, wo das nicht der Fall war. Ich glaube, dass es aufgrund der Notwendigkeit und weil es auch den politischen Druck gibt, immer wieder und stetig auf Nachhaltigkeit zu achten, dass das natürlich schon auch sehr stark den Vorzug bekommen hat. Du glaubst wegen der Nachhaltigkeit? Na klar, weil die Menschen, die vor Ort leben, es wird ja ein Ort ausgewählt oder eine Region ausgewählt, wo das ausgerichtet wird, dass die Menschen dort quasi die Trägerinnen und Träger der Nachhaltigkeit sind. Ja. Du hast auch selber zuvor gesagt, von dem Wochenmarkt in Ottensheim, das übrig geblieben ist, das ist ja quasi eines der Resultate dieser Einbeziehungsprozesse und die Wochenklausur hat immer so gearbeitet. Es ist immer schön, wenn man so etwas Greifbares erzählen kann oder hinweisen kann, das andererseits, was man nicht erzählen kann, obwohl ich habe das kurz in einem Vorgespräch mit der Marie-Therese war erwähnt, ist die Nachhaltigkeit in den Köpfen und in den Herzen der Menschen. Und ich denke mir, dass es hat von jedem etwas gegeben und die gute Mischung macht, bei dem Festival. Und mir hat es eigentlich immer geholfen, dass es diese gute Mischung gegeben hat. Hätte man sich wieder mehr auf zum Beispiel eine Schiene konzentriert, wäre wieder das Interesse wieder weniger groß gewesen. Das kennen wir ja alles. Das ist immer ein Balanceakt letztlich. Und es ist die Frage, wie. Ich finde aus deiner Perspektive diese Kritik vollkommen berechtigt. Aber ob das Festival wirklich so sein soll das würde ich jetzt nicht unbedingt mit Ja beantworten Ja, aber das ist genau die Frage die du auch selber angesprochen hast dass man natürlich irgendwann wird man den großen und tiefgreifenden Diskussionsprozess in Angriff nehmen müssen wohin soll die Reise des festes in zukunft mein zugang ich meine ich weiß nicht ob ich in irgendeiner form dabei eingebunden werde oder wäre muss auch nicht sein aber ich glaube dass ein solcher diskussionsprozess für das festival regionen nur gelingen kann wenn man zuallererst mal sozusagen schaut was geht in der Gesellschaft vor, in der wir aktuell leben und was sind Themen, die uns eigentlich bewegen sollten. Wir haben momentan eine Gesellschaft, die sehr, sehr viele Verwerfungen aufweist, aufgrund verschiedenster Umstände. Das hat mit wirtschaftlichen Entwicklungen zu tun und mit vielen anderen. Wir haben eine Gesellschaft, deren Konflikte mehr werden und nicht weniger, was ich ja grundsätzlich begrüße, weil Konflikte sind immer gut, weil ohne Konflikte können wir eine funktionierende Gesellschaft, eine demokratische Gesellschaft gar nicht verwirklichen. Aber wir brauchen ein intelligentes System, das wir gemeinsam erörtern und entwickeln müssen, um das auch tatsächlich zu bewerkstelligen. Kunst und Kultur spielen da eine ganz wesentliche Rolle, weil sie nicht nur Räume sind, wo Menschen anzutreffen sind, sondern weil sie auch Denkmöglichkeiten bieten, die andere gar nicht zulassen können oder wollen, weil sie in ganz anderen Konventionen stecken. Da wird sich wahrscheinlich das Festival positionieren müssen. Komme ich noch mal ganz kurz zur Wien-Woche, dem Regional- oder Kommunalfestival der Stadt Wien, das natürlich jedes Jahr wieder in der Kronenzeitung steht, aber nicht mit einem kleinen Eintrag, das hat stattgefunden, sondern wird fürchterlich gehetzt, was da nicht alles Böse an Steuergeld verschwendet wird, weil die natürlich ganz unnachgiebig und rücksichts- und schonungslos gesellschaftliche Themen ansprechen in ihren Kunstprojekten, die selbstverständlich die Mehrheiten der Bevölkerung vor den Kopf stoßen. Aber die bringen auch den Mut auf, das zu riskieren, das zu tun, weil wenn sie es nicht tun, müsste man es ja fast als Feigheit bezeichnen. nicht tun, müsste man es ja fast als Feigheit bezeichnen. Und das Gegenteil von Feigheit erfordert Mut. Und diesen Mut möchte ich persönlich, ich bin ja mittlerweile nur noch in der Rolle eines Konsumenten des Festivals, diesen Mut möchte ich persönlich den Festivalregionen auch in der Zukunft abverlangen. Nicht wünschen, abverlangen. Naja, du erwähnst da so explizit die Wien-Woche. Die kenne ich jetzt zu wenig, aber es hat schon den Ruf, ein sehr kritisches Festival zu sein. Das ist in der kulturpolitischen Landschaft in Wien hat die Wien-Woche offensichtlich in etwas hineingestoßen, das eine Lücke war. Und auf eine andere Art und Weise wieder hat das Festival der Regionen vor 30 Jahren das Zerweck gemacht. Und spannend wird es sein, wenn es jetzt einen Umbruch gibt, wo orten die Festivalverantwortlichen jetzt die Lücken oder jetzt die Essenz. Und da wird es zum Diskutieren, da wird es richtig zum Streiten. Und ja, es wäre eben auch spannend, diesen Streitprozess transparenter zu machen, breiter zu machen, vielleicht auch medial mehr zu begleiten, dann ist sozusagen der Entwicklungsprozess schon genauso wichtig wie das Ergebnis. Davon war ich immer Anhänger. Bei allen Projekten, die wir gemacht haben, oder haben wir auch immer gesagt, der Prozess, der künstlerische, aber auch der gesellschaftliche, der partizipative und so weiter, der ist uns genauso wichtig, als wie die Aufführungen oder Installationen und so weiter, Konzerte oder eben interdisziplinäre Projekte, was wir hauptsächlich waren. Und das war für mich so eine Vision, dahingehend viel mehr das Augenmerk auf die Entstehungsprozesse der künstlerischen Projekte, der kulturpolitischen Projekte und was auch immer. Und das Festival könnte an sich sozusagen der große Vorreiter sein. Ihr stoßt es ja an, wie ich vorher auch gesagt habe, ihr begleitet es. Sozusagen, naja, recht lang haben wir nicht mehr Zeit, oder? Halbes Jahr. Das hätte man schon viel früher, kann man auch beim nächsten Mal vielleicht versuchen. Das muss ja nicht immer bei runden Jubiläen sein. Mindestens ein Jahr so einen transparenten Diskussions-, Reflexions-, Inspirations- und Visionsprozess zu machen, an dem sich in Oberösterreich der gesamte kulturpolitische Landschaft beteiligt. Und das aber hinausgeht über Landeskultureinrichtungen natürlich oder freie Szene, das dann auch hineingeht in soziale Bereiche, Umweltthematiken und so weiter. Ich habe es in meinem Notizblock, in meinem Kopf bereits notiert. Es gibt bei DorfTV jede Menge Möglichkeiten, das auch tatsächlich zu realisieren. Ja, und dass das Festival sozusagen aber damit das Vorbild oder das Leitprojekt schon ist für die kleineren oder eben kleineren, mittleren, größeren Projekte beim Festival, dass die das genauso machen. Aber in Ansätzen habe ich das durchaus auch in den letzten Jahren so verfolgt, dass das so war. Und wenn man das jetzt intensivieren würde, wunderbar. Fände ich ganz toll. Dann machen wir hier einen Punkt. Machen wir hier den Punkt. Gehen wir auf ein Bier. Gehen wir auf ein Bier, genau. Aller Ursprung ist der Wirtshaus-Tisch. Dann setzen wir da mal für heute Abend. Ich dürfte ja lernen in meiner Arbeit bei Großgruppenprozessen, also Visionsentwicklungen geht ja bis Hunderte, bis sogar Tausende, wenn man es lang genug vorbereitet, dass die Pausen wenn wir jetzt sagen, weil du sagst, wir gehen jetzt in die Pause, die Pausen fast immer genauso produktiv waren mit den ganzen Menschen als wie das eigentliche Arbeitssetting. Also Pausen sind ganz, ganz wichtig. Also macht mehr Pausen, schöpferische Pausen. Ich kann es dir schon erklären, warum. Weil Pausen haben etwas An es dir schon erklären, warum. Weil Pausen haben was Anarchisches. Weil es in Selbstorganisationen entsteht. Und du gibst mit der Pause und sei es nur in fünf Minuten die Möglichkeit, aus all diesen Strukturierungen, den Konventionen, alles was vorgegeben ist, auszutreten und sozusagen dich deiner eigenen anarchischen Neigung hinzugehen. Ganz genau. Jetzt darf ich noch etwas sagen. Du hast ja das Wort Esoterik in einem Vorgespräch verwendet und ich würde sagen, da sind wir jetzt genau bei einem energetischen Thema. Nämlich, dass die Energie, die da ist, dass die dorthin fließt, dass die ins Fließen kommt. Und dann kommen die richtigen Leute zusammen. Dann passieren Ergänzungen bei Ideen, Befruchtungen und so weiter. Und das ist ein urenergetisches Prinzip. Hat mit Esoterik überhaupt nichts zu tun. Das ist genauso wie die Energie in einem Konzertraum anders sein kann, da und dort, je nachdem, wer da auf der Bühne steht und so weiter. Und das passiert da auch in diesen kreativen Pausen. Ich, wenn schon die Kraft angesprochen wird, das ist wirklich mein letztes Wort, ich glaube an die... Ich glaube ja an die Kraft des Arguments Kraft angesprochen wird, das ist wirklich mein letztes Wort. Wir können nicht aufhören anscheinend. Ich glaube ja an die Kraft des Arguments und das ist wieder sozusagen so auch mein Appell an das Festival der Regionen. Mich wird das Festival der Regionen auch weiterhin sehr, sehr beeindrucken, wenn es die Argumentation aufrechterhält, wenn es argumentiert, wenn es mit Argumenten überzeugt und das so gut wie möglich und so reichhaltig wie möglich sozusagen über künstlerische Argumentationsmittel, das würde mich schon sehr, sehr glücklich machen. Das würde dich sehr künstlich machen. Ja, künstlich war ein freudscher Versprecher. Da sind wir natürlich beim eingemachten Thema. Das verstehe ich zu 100 Prozent und hat absolut seine Berechtigung. Aber da fehlt was. Das ist der männliche Teil. Der männliche Teil? Das ist der männliche Teil. Der Argumente, des Verstandes bis hin zur Hirnwichserei, Entschuldigung, das passiert ja genauso. Also was da fehlt, ist der weibliche Teil. Ying und Yang sozusagen. Nicht nur, dass das Festival gut argumentiert, absolut, sondern dass es auch die Herzen erreicht, dass es mich gefühlsmäßig erreicht, dass es mich berührt, dass nicht alles da oben passiert, sondern dass es da auch passiert. Und das habe ich lernen dürfen in meiner Arbeit in der Visionswerkstatt der letzten 20 Jahre. Nur wenn die Menschen in die Balance von diesen zwei, nennen wir es Ebenen, weil Teile ist zu krass, wenn die Menschen in diese Balance kommen, und das gilt genauso für das Projekt, dann kannst du die Menschen auch wirklich erreichen. So erreichst du wieder nur die Kopfigen, die gut sind im Argumentieren. Ich glaube, dabei verstehst du mir jetzt bewusst miss. Nein, nein, nein. Ich sehe ja das... Ich sehe das Festival der Regionen auch, oder eigentlich sehr wichtig, als ein Kommunikationsprojekt. Ja, genau. Eine Kommunikation zwischen Senderinnen und Empfängerinnen. Und da wird es natürlich dann auch in Zukunft ausschlaggebend sein, und da widersprechen wir uns gar nicht so sehr, wird es ausschlaggebend sein, wer in Zukunft für das Festival spricht. Und natürlich ist da die Frage des Repräsentativen. Wer wird hier repräsentiert? Wer kann sich repräsentieren? Wer spricht? Wer argumentiert? Wer wendet sich wohin? Da sind wir natürlich dabei, genau zu schauen, wir leben in einer sehr diversen Gesellschaft. Wird das hier abgebildet und spiegelt sich das wieder? Im Augenblick nicht. Ich habe jetzt versucht, meinen Überblick zu schaffen. Da ist kaum auszumachen eine Berücksichtigung der Menschen mit migrantischem Hintergrund. Zumindest nicht an den Spitzen des Festivals der Regionen. Beim Frauenanteil mit einer neuen Vorsitzenden als Frau ist das gewährleistet. Es wird auf jeden Fall all das auch genauer anzuschauen sein, weil natürlich dadurch auch das Festival sich seine eigene Glaubwürdigkeit sicherstellen kann. Und das ist meines Erachtens die wichtigste Voraussetzung, überhaupt irgendwen ansprechen zu können, egal ob ein Kopf oder das Herz anspricht. Das sind wichtige Strukturen oder wichtige Strukturen, Basisstrukturen. Von was ich spreche, sind die Projekte selber das, was dann draußen die Menschen wahrnehmen vorher im Prozess, aber auch in der Darbietung. Wir sind noch einig. Wir klopfen auf Holz und wünschen dem Festival alles Gute. Ideal. Wir sind auf Holz und wünschen dem Festival alles Gute. Ich dir auch.