Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer von DorfTV und liebe Hörerinnen und Hörer des Freien Radios Freistaat, ich darf Sie ganz herzlich begrüßen zur Dezember-Ausgabe der Sendereihe Im Blickpunkt Soziales und Bildung. Mein Name ist Roland Steidl und ich darf Ihnen gleich meinen Gast vorstellen, Chris Müller. Danke dir, dass du dich bereit erklärt hast, hier eine Stunde mit mir Gespräch zu führen und wir haben, nachdem wir uns in deinem Milieu sozusagen, deinem beruflichen Milieu kennengelernt haben vor einiger Zeit, haben wir uns so vorsichtig an ein gemeinsames Thema herangetastet. Ich habe es jetzt einmal genannt Entwicklung, in einem vielleicht etwas umfassenden Sinn, nicht nur persönlich, aber auch persönlich. Entwicklung kann ja vieles heißen. Entwicklung kann heißen Fortschritt, Entwicklung kann heißen Rückschritt, Entwicklung kann heißen Irrweg. Und in diesem Spannungsfeld möchte ich mich mit dir ein wenig bewegen. Du bist noch Kreativdirektor der Tabakfabrik und hast das jetzt über zehn Jahre gemacht. Und damit steigen wir mal ein, um einfach zu deiner Person hin zu gelangen. Du hast dich entschlossen, diese Arbeit aufzugeben. Es wird nur mehr ein paar Monate dauern und dann wirst du aufbrechen zu neuem Ufer. Und da denke ich, vielleicht ist es gut, wenn du zunächst einmal ein paar Sätze dazu sagst, was habe ich eigentlich in den vergangenen zehn Jahren getan? Jahre habe ich unter anderem sehr viel über Technologie, über Startups, über Themen gesprochen und oft in sehr neongrellen Farben, also im Sinne einer Werbung für die Tabakfabrik und ich würde das nach wie vor genauso machen, weil das ist ein Areal und eine Idee, für die man werben kann und die für sich selbst wirbt. Aber zur Entwicklung gehört auch immer sozusagen ein nächster Lebensschritt. Und mir persönlich war klar, wer Innovation ernst nimmt, wer versteht, dass das Leben endlich ist, also Memento mori Müller, der muss irgendwann aufbrechen. Das macht eigentlich die Tabakfabrik und den eigenen Lebensweg glaubwürdiger. Und ich bin voller Hoffnung, dass die nächsten ungeplanten Höhepunkte in meinem Leben noch kommen werden. Das ist eigentlich der Grund. Also Entwicklung als Beruf, Entwicklung aber auch als Lebensthema und nicht Verwaltung. Also eher Zukunftsentwickeln und nicht Gegenwart verwalten. Und das ist sozusagen die dicke Überschrift über die letzten Jahre. Und ja, was habe ich gemacht? Ich habe die große Chance bekommen, wahrscheinlich ein bisschen vom Schicksal in die Wiege gelegt, ein Areal zu entwickeln, an das nicht so viel geglaubt haben. Habe im Laufe der Zeit ein Areal zu entwickeln, an das nicht so viel geglaubt haben. Ich habe im Laufe der Zeit ein unglaublich super Team bekommen mit fantastischen Menschen, die zu Freunden und Freundinnen geworden sind. Das Ziel ist für mich persönlich, ein Areal zu schaffen, das durchaus die Möglichkeiten hat, die Fragen einer Gesellschaft zu beantworten. Also ein Hub, ein Ort, eine Städte, wo nicht die Gase der Pythia entweichen, um in die Zukunft zu sehen wie in Delphi, aber durchaus das Potenzial zu haben, dass die Stadt, die Gesellschaft der Stadt, die Bürger und Bürgerinnen, die Politik da hingeht und sagt, wie wird es sein mit Bitcoin, mit technologischen Fragen, mit Blockchain, mit Fragen der Kreativität. Also schon, es ist eigentlich ein Bildungsort, aber in Form eines kollaborativen Konzerns, einer Fabrik, ein fabrizierender Ort. Und das war für mich immer die faszinierendste Idee und da hat das geholfen, dass das Areal sehr, sehr groß ist und dass es ein Fabriksareal ist. Und in einer Fabrik muss man fabrizieren und in einer Zeit zwischen der Postmoderne und einer neuen Moderne, also vielleicht der Protomoderne, ist das Prototypische wichtig. Das Prototypische Denken. Verschiedene Ansätze, die vielleicht noch nicht allgemeine Gültigkeit haben oder noch nicht zu Ende gedacht sind, aber die Möglichkeit an Ort zu haben, der Gedanken entwickelt und ein gewisses Unternehmertum, ein Unternehmer, eine Schaffenskraft. Es geht ja sozusagen nicht nur um Unternehmen im wirtschaftlichen Sinne, sondern es geht eigentlich darum, was zu schaffen. Und jeder Mensch, und ich habe ja auch Kunst studiert, der schaffen möchte, sollte so einen Ort haben. Also der nächste Lebensweg in meiner Entwicklung, um das vorherzunehmen, ist viele Orte wie die Tabakfabrik zu schaffen, weil wir brauchen mehr Orte in dieser Ort und nicht weniger. Du hast schon einige für unser Gespräch maßgebliche Stichworte genannt. Hoffnung war eins. Interessant fand ich in dem Zusammenhang, wir haben es nicht übersetzt noch, Memento Mori, Gedenke deines eigenen Todes. Das ist ja ein ganz wichtiger Maßstab im mittelalterlichen Denken auf jeden Fall noch gewesen, also sozusagen dieses Thema Endlichkeit. Und irgendwie kann man schon ein bisschen mit hineinnehmen, die Frage nicht, also die Tabakfabrik als Ort, in dem Technik eine sehr zentrale Rolle letztlich erspielt. Die Frage, wie könnte denn, drittes Stichwort, eine andere Moderne ausschauen. In der Philosophie geistet eben seit etlichen Jahren jetzt dieses Stichwort herum, wir wollen, wir brauchen eine andere Moderne. Nach dem Motto, das, was wir bisher gelebt haben, kommt an seine Grenzen. Memento mori. Immer wieder. Und ich glaube, in dem Spannungsfeld könnten wir uns ein bisschen bewegen. Auch nochmal mit Blick auf dich und vielleicht auch auf mich. Nämlich im Sinne von Leben bewegt sich in Entwicklungszyklen. Manche Leute haben gesagt, alle sieben Jahre gibt es einen neuen Schub, weil da ist auch unser Organismus, die Zellen erneuert. Andere Leute sagen, alle zehn Jahre. Bei uns beiden könnte es zehn Jahre sein, dass man das Bedürfnis hat, etwas zu verändern. Kannst du vielleicht dazu noch einmal im Rückblick auf dein Leben sagen, spürst du diese Veränderungszyklen? Kannst du die irgendwie für dich wahrnehmen, benennen und jetzt mit Blick auf den Nächsten angeben? Du hast es ja schon angedeutet, wohin könntest du gehen? Also es gibt ja diese berühmte Rede von Steve Jobs, der Apple-Gründer, wo er schon sehr krebskrank war und ich glaube in Stanford oder so eine Rede gehalten hat. Und da beschreibt er halt, oder er sagt halt, dass man die Tots immer im Nachhinein verbinden kann, die Punkte des Lebens. Im Rückblick ist es natürlich einfacher. Und ich kann sagen, das ist logischerweise bei mir auch so, dass es im Rückblick einfacher ist, diese Zyklen zu erkennen. Wobei der große Unterschied zum jetzigen Leben ist, dass ich zum ersten Mal rational, also von einem Gefühl gedrängt, von einer inneren Stimme gemahnt, gewarnt, gedrängt worden bin, aber doch rational entschieden habe. Und früher war das ein Hurra-Reinstolpern in die nächste Phase und nächste Phase und glücklicherweise durch viele Täler und Untiefen habe ich immer wieder aufgetaucht. Und jetzt zum ersten Mal im Leben, und das habe ich durchaus schwieriger empfunden, ist es sozusagen auch eine rationale Entscheidung, weil das Leben endlich ist, weil jetzt bin ich 49, also könnte man sagen, 7 mal 7. Oder 5 mal 10. Oder 5 mal 10, ja. Wie man immer das benennen mag, aber zum ersten Mal habe ich gemerkt, also wir waren kurz bei der Tabakfabrik, weil ich hätte noch zwei Jahre einen Vertrag und der erste Mai 2023 wird aber der Tag der neuen Arbeit sein für mich und hätte aber nur zwei Jahre Vertrag, dann müsste nur dürfte noch fünf Jahre verlängern aber dann bis 57 und dann drausste nur weniger und so also mir war klar, jetzt muss ich es machen für die eigene Glaubwürdigkeit Ich dürfte noch fünf Jahre verlängern, aber dann bis 57 und dann drausste ich noch weniger. Also mir war klar, jetzt muss ich es machen. Für die eigene Glaubwürdigkeit vor mir selber, für das Thema. Und eben der große Unterschied dieses Zyklus war, dass ich es emotional gespürt habe. Die Stimme, die Idee, die Stimme wird lauter, die Idee, die irgendwas streiflich ist, wird immer heller und erleuchtet. Die heiligen Hallen, das Denken und das Hirn. Und dann ist zum ersten Mal die rationale Entscheidung erfolgt. Also vielleicht hat das was ein bisschen mit Weise, das ist ein großes Wort, aber klüger. Oder die Verbindung aus Emotion und Ratio war vielleicht zum ersten Mal im Leben bei mir zumindest da. Wir könnten ja vorsichtig sagen, Reife. Dann sind wir gleich weisheitserhältlich. Nicht mehr Weisheit, vielleicht sind wir noch meine Kinder. Ja, wir haben ja im Vorfeld ein bisschen diskutiert über Texte. Vielleicht ist das jetzt gar nicht so schlecht. Du hast den Goethe dabei gehabt. Vielleicht kannst du den Text kurz zitieren. Du weißt ihn auswendig. Ich wüsste ihn auswendig, aber für die Zuschauer. Es gibt eine wahnsinnig schöne, es gibt ja Poesie, Literatur, es gibt ja unendlich viele Textpassagen, die man anwenden kann, was ja zeigt, dass das Thema kein aktuelles ist, sondern ein ewiges werden. Vielleicht gehört Transformation zu den sogenannten Letztfragen der Menschheit, dieses ewige Sein. Und da gibt es von Goethe diese sogenannte selige Sehnsucht. Und ganz am Schluss kommt dann etwas, was glaube ich nicht so unbekannt ist, aber das für mich sehr gut trifft. Und da heißt es, und solange du das nicht hast, dieses Stirb und Werde, bist du nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde. Also wer Transformationen nicht erlebt, das geht ja immer um Sterben und Wiedergeburt in Wirklichkeit, eine Renaissance, eine individualisierte Renaissance für jeden selber, das ist doch auch ein unheimliches Geschenk, wie die Jahreszeiten, wie ein Produktzyklus. Ich glaube, das mit den sieben Jahren erneuern sich... Das ist ein altes Konzept. Genau, ich glaube, dass mit den sieben Jahren erneuern sich. Das ist ein altes Konzept. Ich glaube, dass was dran ist, ob es genau die sieben Jahre sind, keine Ahnung, ich bin kein Wissenschaftler, aber das natürlich zu spüren und so ist auch die Natur angelegt. Und wer jetzt im Haus ruck ist, gerade heute bin ich hergefahren und es schneit, das hat schon einen Zauberschnee. Im selben Moment haben wir gedacht, weil ich früher immer nach Kalifornien gehe, man hätte das nicht. Also diese Veränderungen der Natur, der eigenen Natur, der Natur draußen, der vier Jahreszeiten, eines Hoch und Tiefs, hat wahrscheinlich einen Sinn. Und wenn es keinen Sinn hat, dann haben wir damit zu dealen, zu handeln und dann ist das Grundlage vieler philosophischer Abhandlungen. In Kalifornien hättest du wahrscheinlich das Silicon Valley erneuert. Oder ich hätte Substanzen genommen in San Francisco, aber auf jeden Fall, vielleicht hängt das sogar zusammen, aber das war sozusagen ein alter Wunsch und San Francisco war wahrscheinlich eine Chiffre oder eine Metapher für Aufbruch in eine neue Welt, die jetzt gar nicht mehr so neu ist. Mich interessiert ja die Frage, oder vielleicht sollte sie uns interessieren, diese Bereitschaft zum Stürmen und Werden. Frühere Generationen haben das eben über religiöse Thematiken eingeführt und den Menschen vertraut gemacht. Augenblicklich haben wir den Eindruck, wir werden durch äußere Umstände in der Gesellschaft tatsächlich genötigt zu Veränderungen, in irgendeiner Form zur Transformation, von der wir jetzt ja auch reden hier. Und auf der anderen Seite aber hat man den Eindruck, dass sich viele, viele Menschen sehr, sehr schwer tun mit der Entwicklung der Bereitschaft zur Veränderung. Im Grunde genommen würden wir liebend gerne an allem festhalten, was wir gewohnt sind. Unser Wohlstandsniveau sollte eigentlich noch höher sein und so weiter und so weiter. Also wie kann man nicht, wenn du da jetzt gerade in dieser Phase drin bist, wie kann man tatsächlich andere ermutigen, sich auf Stirb- und Werdeprozesse einzulassen? Das ist ein schwieriges Thema für einen persönlich, aber ich würde mir keinen Ratschlag erlauben, weil es wirklich kompliziert ist. Vor 20 Jahren hätte die Frage noch ganz anders beantwortet wie jetzt. Jetzt bin ich beruflich, finanziell anders ausgestattet wie damals als Künstler. Da hat jede Veränderung sozusagen einen ganz anderen Impact gehabt. Jetzt kann ich es gestalten, also designen und nicht per Desaster herbeigeführt. Oder versuche es zu designen, da kommt man gleich auf funiertes Eschenholz. zu designen, da kommt man gleich auf funiertes Eschenholz. Also die Frage ist ja, wirst du so wie man es in der Wirtschaftssprache bei uns sagt, disruptiert, weil eine Idee kommt, die alles niedermäht und auslöscht oder ich sage in Vorträgen immer, wenn ich das Beispiel nennen darf, da gibt es ein unglaublich eindrucksvolles Foto von dem Indianer-Häuptling Sitting Bull, der so wirklich einen unfassbar tollen Blick in die Zukunft schaut und die nicht rosig war. Und das Sitting Bull dreht, wie viele große Stammesführer damals, den Büffel, den Bullen im Namen, weil diese Kultur davon gelebt hat, den Rohstoff des Büffels, des Bisons zu verwenden, für Schmuck, für Kleidung, für Rohstoff, Zelte, alles. Eine nachhaltige Kultur. Ja, genau. Und dann ist aber wer gekommen, nämlich der Baffalopil. Der trägt das auch wie den Namen. Und der hat diese Kultur über diesen Rohstoff des Bisons, der Büffelherden, vollkommen ausgelöscht. Und wenn der Rohstoff nicht mehr da ist, an dem man die Kultur ausrichten kann, gibt es die Kultur nicht mehr und man wird disruptiert. Es hat also keinen Fortgang, keine Innovation, keine Adaption, keine Integration, sondern man wird attackiert durch eine Neuentwicklung. Dasselbe ist uns passiert im Hausruck, innerfamilier. Da geht es halt um das Thema Braunkohle. Also alle von uns waren unter Tage in einem Braunkohlegebiet. Und dann gibt es halt die Kohlenimmer. Und die Braunkohlenimmer, und plötzlich sind alle Bergleute über Tage, haben keine Arbeit, sind traurig, weil dieser Kult rund um die heilige Barbara und alles, was über Jahrhunderte gewachsen ist, nicht mehr da ist. Das heißt, dieser Ort der Veränderung ist sicher eine schmerzvolle, eine schreckliche, vielleicht für die Gesellschaft im Nachhinein verständliche und richtige, aber für das individuelle Leben meistens eher katastrophal oder sehr, sehr schwierig zu bewerkstelligen. Die Innovation oder die Entwicklung, die ich jetzt versucht habe einzuleiten bei mir selber, ist eben die, das selbst in die Hand zu nehmen, selbst zu designen, selbst zu sagen, jetzt höre ich auf, dann mache ich das, dann mache ich das. Das heißt, so würde ich die zwei einmal unterscheiden, wir haben vorher gesagt, eine designte oder eine im Desaster befindliche Entwicklung. Der Tod ist vielleicht beides, wo Desaster und Design zusammenkommen. Das Leben so angelegt in einen designten Prozess, dass wir zu Zellhaufen werden, die nicht mehr funktionieren und gleichzeitig natürlich ein vollkommenes Desaster für das eigene Individuum, für die Familie. So würde ich es kurz umschreiben. Du leitest oder wir leiten eh schon über jetzt in den zweiten Teil unseres Gesprächs mit den Stichworten Design und Desaster. Deswegen würde ich vorschlagen, wir machen jetzt mal eine kurze musikalische Pause mit einem Lied, das Walter von der Vogelweide zugeschrieben wird. Du hast ja eine spezielle Beziehung zu Walter. Kannst du noch erwähnen nach dem Lied? Kannst du nach dem Lied noch erwähnen, ja? Also, bitte. © BF-WATCH TV 2021 Aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, aran, Terima kasih telah menonton! Thank you. Thank you. Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Ja, also wir haben gesagt, wir sagen noch was zu Walter von der Vogelmeide. Die CD, also die Musik, die ich da ausgewählt habe, stammt von einer CD, die Zeit der Ritter. Wir haben uns daran gewöhnt, oder es gab eine Zeit der Moderne, wo man gesagt hat, das finstere Mittelalter. Gott sei Dank sind wir aus all dem heraus, was dort geschehen ist. Und es gibt sicherlich auch Aspekte des Mittelalters, wo man wirklich fro es auch nicht. Also man muss es sehr differenziert beurteilen. Und deswegen denke ich, könnte das so ein bisschen ein Vorspann sein. Wie beurteilen wir denn unsere Zeit? Können wir die überhaupt schon beurteilen, weil wir mittendrin stecken? Aber vielleicht noch etwas zum Resonanzpunkt Walter von der Vogelweide. Ja, das ist wirklich sehr interessant. Im Vorgespräch hast du mir erzählt, es wird ein Lied geben von Walter von der Vogelweide. Und bei Gott, ich kann es schwören, ich habe noch nie ein Lied von Walter von der Vogelweide gehört oder mich auch nicht näher damit beschäftigt. Aber es hat etwas zu tun mit Entwicklung, zumindest in meinem Bereich. Wie ich dann begonnen habe, im Sommer dieses Jahres in Triest mir sicher zu werden, dass die Tabakfabrik enden wird und wie ein Weg da ausschauen könnte, habe ich auch gleichzeitig gemerkt, dass ich mir viele große Abenteuergeschichten der Kindheit wieder anschaue. Und auch recherchierend für mein Buch Achtet auf die Möwen, was auch ein Teil meines Ausstiegsszenarios ist, als Autor und Reisender und als Vortragender. Und bin durch Recherche zu dem Thema Heilige Barbara und Grabstätten, zur Familiengeschichte, zu einem Eindruck gekommen, dass der Casanova, dieser alte Frauenheld in Dux, in Böhmen, also Königreich Böhmen, begraben ist, weil er, glaube ich, 1785 da hinkommen ist und für 13 Jahre vor Ort war. Und ich habe praktisch mit Casanova, glaube ich, so viel anfangen können wie die meisten, also Frauengeschichten ein bisschen was, aber nicht mehr. Habe mir aber dann reingelesen und muss sagen, ich war dermaßen fasziniert von einem Lebensweg, der ja aus Unternehmertum, aus einer gewissen Mentalität von Trickdieben bestanden hat. Aber er war ein Musiker und hochbegabt in Wirklichkeit und was so toll ist bei diesem Lebensweg, also wie er beschreibt, und du hast ein gutes Bild, ein tolles Bild von einer vorrevolutionären Zeit Europas im ausgehenden im 1700. Und er ist also die letzten 13 Jahre in Dux verbracht, nicht weit von Dresden weg und da hat er sein Leben niedergeschrieben und ist da auch begraben worden. Die letzten 13 Jahre waren nicht so abenteuerreich, sondern eher traurig. Und aus irgendeinem Impuls wollte ich recherchemäßig da hinschreiben, habe zu Hause angerufen und gesagt, ich komme heute nicht heim. Ich habe mich in Tesla reingesetzt und bin nach Dux gefahren und habe dann mir selbst eine Botschaft geschrieben, wie ich das Leben gestalten möchte. Ich bin, hört sich vielleicht total bescheuert an, aber bin dann zu seiner Grabstätte gefahren, habe meine Hand, die linke Hand auf die Grabstätte, eine Gedenktafel eigentlich gelegt und gesagt, du, einer der größten Abenteurer, du wirst helfen dass jetzt nicht wann ich zurückkomme zu angepasst werde zu feige werde zu kompromissbereit werden habe eine botschaft hinterlegt an mich selbst und ich habe gemerkt im nachhinein das war einfach sehr faszinierend weil die geschichte fassen ist aber es war sozusagen eine ritual eine ausstiegshilfe und in diesem zugehörigen jetzt kommen wir zum Walter von der Vogelweide, bin ja draufgekommen, so sagt man, Dux ist auch der Geburtswort von Walter von der Vogelweide. Es gibt da ein Denkmal, das uns abbaut und wieder hinbaut und auch ein Streit entbrannt. Übrigens im Buch und meinen Freunden habe ich gesagt, dass ich mir mit der Erde ein Smoothie gemacht habe, Heilerde, um mir so zu sagen, Mut anzutrinken für die kommenden Abenteuer. dass ich mir mit der Erde einen Smoothie gemacht habe. Heilerde. Um mir Mut anzutrinken für die kommenden Abenteuer. Das war die Casanova-Ausschüttungsgeschichte. Aber es hat wirklich was mit Transformations-Zu. Ich glaube wirklich, man braucht ein bisschen so rituelle Hilfe, um große Dinge bewegen zu können. Das war sozusagen die Antwort auf das, was du vorhin gesagt hast mit den Religionen und Entwicklungen zu erklären. Naja, jetzt springen wir wieder zurück ins gesellschaftliche Thema, mit dem wir uns ja auch beschäftigen wollen. Also Stichwort war, in der einschlägigen sozialpsychologischen Forschung heißt es heute, die Transformation wird kommen. Unzweifelhaft. Entweder per Design oder per Desaster oder aus einer Mischung, was vielleicht wahrscheinlich ist, aus beidem. Wie würdest du jetzt auch mit deiner Erfahrung im technischen Bereich, im Bereich neue Startups, wo würdest du jetzt sehen, könnte dieses innovative Element, wo könnte das angesiedelt sein? Ist es nur im technischen Bereich oder ist es möglicherweise auch woanders zu sehen? Also ich glaube, es ist eigentlich nur woanders zu sehen, weil wenn wir reden von technischen Innovationen, hast du, du brauchst einen gewissen... Also ich würde es mal so erklären. Es ist, ob App, also Applikationen, Apps, Algorithmen, was es sonst noch alles gibt, das ist ja ein Werkzeug wie Hammer, Meißel, Zirkel, Winkel, Besen, das man beherrschen muss. Und um es zu erschaffen, brauchst du Bildung. Und wenn du umfangreich holistisch gebildet bist, und das ist eigentlich mein Plädoyer, also Dinge, du hast umfangreiche Bildung aus dieser Bildungs, aus diesem Bildungsfundus, Wissenszopf, wirst du Innovationen gebären können oder mit auf den Weg bringen können, Bildungsfundus Wissenstopf, wirst du Innovationen gebären können oder mit auf den Weg bringen können, weil du diese Punkte, die Dots, die verschiedenen Innovationen, die es schon gegeben hat, neu verbinden kannst, Neues erdenken. Der Window of Opportunity wird aufgehen und das heißt, die Chance, aber gleichzeitig die Notwendigkeit und dann kannst du was Neues kreieren. Also über alles, was wir reden, über Digitalisierung, ist eine kulturelle Großtransformation und alle Stakeholder des Globus werden davon erfasst, ein privates Sektoren, öffentliche Sektoren, Individually, also persönlich, das wird alles erfassen. Und darum geht es ja eigentlich um Bildung. Und Bildung würde ich gern so sehen, also diese Nachhaltigkeitsthemen. Also ich versuche jetzt wirklich meine Gedankensprünge. Ich glaube, du brauchst Orte, die funktionieren wie eine Vorratskammer. Also nicht nachhaltig sein, sondern vorhaltig. Jetzt haben wir einen Ort, wo wir frei denken können, wo wir frei arbeiten können, wo es Maschinen gibt, wo man bauen kann, wo man basteln kann, wo man experimentieren kann, wo das gefördert ist, was man kann. Also die Tabakfabrik. Ein Ort wie die Tabakfabrik, aber auch so wie hier im Wissensturm, wo halt doch was passiert und wo man Menschen ertüchtigt, gibt es also Orte, wo man sie ausprobieren kann. Und dann gibt es Vorratskammern, wo diese halbfertigen Innovationen liegen, diese Gedankensprengsel, Textpassagen, Filmschnitzel, alles, was wir ein bisschen erdacht haben, in prototypischer Form. Dann kommt die große Transformation der Gesellschaft und dann müssen wir nicht alle zusammenrufen, panisch und sagen, hallo, was machen wir jetzt? Wir gehen runter oder hoch oder in den Wissensturm, in diese Vorratskammer, fügen das zusammen, was wir schon vorgedacht haben und darum spreche ich gerne von Vorhaltigkeit und nicht von Nachhaltigkeit und das wäre mein Bildungsansatz. Und das ist eigentlich die beste Vorbereitung auf die Transformation, so wie ich sie sehe, nämlich, dass man sich mit Dingen beschäftigt. Das heißt aber, dass man Menschen auch Zeit geben muss, nicht nur als im Hamsterrad, im Digitalen oder sonst wo, dermaßen eingespannt zu sein, dass man nicht mehr überlegen kann, dass man keine Muse mehr hat, die einen küsst, dass man keinen Zeitraum mehr hat, um sie auszuprobieren. Und da sieht man schon, da gibt es eine der großen Fragestellungen und großen Knackpunkte. Die Zeit wird immer schneller, die Internetleitungen werden immer besser, immer schneller, 5G, was natürlich zu einer zusätzlichen Überhitzung führen wird. Die Erwartung ist, wenn ich dir ein Handy gebe, dann möchte ich, dass ich die erreiche im Urlaub und sonst wo. Also dieser Zeitraum, wo wir echte Innovationen gebären können, wird weniger. Das ist aber ein unbedingtes Muss. Drum eine Forderung oder eine Idee von mir, Räume schaffen, die alles erfüllen, was eine neue Universität, eine Schule von Athen mit 3D-Drucker und Philosophen und Technologien erfüllen kann, aber auch die Zeit dazu und die Ausstattung auch im Finanziellen. Sonst sind wir immer nach den Ereignissen sehr reaktionär und nicht immer agieren. Das ist ja ganz interessant. Ihr erinnert mich jetzt an den Harald Welzer, den bekannten deutschen Sozialpsychologen. Sein vorletztes Buch ist es, glaube ich, gewesen. Da hat er einen ähnlichen Gedanken ausgedrückt. Er hat gesagt, im Grunde sind ganz, ganz viele Puzzlesteine, Bausteine für eine andere Welt, die möglich werden müsste, sind bereits da. Wir müssen im Grunde genommen nur dazu kommen, diese Puzzlesteine neu zusammenzusetzen, nicht um daraus ein neues gesellschaftliches Verhaltensmuster und alles, was dazugehört, gestalten zu können. Genau, aber dann denkt man an die jetzige Zeit und, Kerstin, du auch dazu, diese philosophischen Themen, Themen, die sich mit den Letztfragen und den Erstfragen und den wichtigsten Fragen der Menschheit befassen, werden ja heute, um das nicht zu plakativ zu beantworten oder zu unrichtig, aber es wird jetzt nicht mit den allergrößten Orden bedacht oder Aufmerksamkeit beschenkt oder finanziell ausgestattet, weil es geht immer irgendwie um Business, nicht verstehen wollen, dass das, was passiert, eine kulturelle Großtransformation, eine Titanentransformation. Und wer die Titanen besiegen, händeln, in Ketten legen möchte, wenn man bei Fehlentwicklungen ist, wie in Social Media, der muss halt verstehen, was da passiert. Und das tun wir als Gesellschaft nicht, weil es zu wenig Orte gibt, weil die Bildung in einem neuen Sinne keine große Rolle spielt. Die Ausstattung in den Schulen und so weiter und so fort. Das soll kein Jammern sein, aber das glaube ich ist es. Und eins hat es, die Gesellschaft in diese Richtung zu drehen und die Freude am Denken wieder zu ermöglichen, die Freude an der Bildung, am Lesen, an fast ein, wenn wir beim Mitleid da waren, aber fast ein renaissancegeprägter Ansatz. Das wäre eine schöne Vorstellung und das ist auch das, was mich aus der Tabakfabrik in eine neue Welt geführt hat, weil ich möchte Teil sein einer Bewegung, die viele Orte entwickelt, mit vielen Talenten, die es gibt und bei neuen Bildungsansätzen dabei sind. Das ist mein neues Berufsbild. Also, das ist mein altes Berufsbild, aber auf anderen Feldern und Städten. Das finde ich sehr bewegend und passt ja auch zu unserem Thema, Soziales und Bildung, so heißt ja eigentlich die Reihe. Mir ist als Lehrer, der ich jetzt gerade nicht mehr bin, weil ich in Pension gegangen bin, ist mir in den letzten Jahren aufgefallen, die ich unterrichtet habe, dass tatsächlich die digitale Welt für meine Schüler, ob älter oder jünger, eine unglaublich große Rolle spielt. Aber ich habe immer festgestellt, um damit gut umzugehen, wenn ich Fragen habe an Google oder sonstige Dinge, brauche ich enorme Bildung. Woher kann ich denn ermessen, welche Antwort jetzt die für mich maßgebliche ist, welche Antwort Qualität hat, welche Antwort nicht nur eine ökonomische Einschaltung ist oder so, mehr oder weniger eine Werbeeinschaltung. Und da fehlt es total nicht. Das Verständnis der Dinge. Und der Zusammenhänge. Nicht so weit der Zusammenhänge, das ist jetzt vielleicht ein überraschendes Thema für uns, auch der Zusammenhänge, was ste jetzt vielleicht ein überraschendes Thema für uns, auch der Zusammenhänge, was steckt denn hinter dem Ganzen? Also was steckt hinter Google? Was steckt hinter Facebook? Was funktioniert das Business-Modell? Und da haben wir gedacht, Wahnsinn, wann werden wir wieder, ich bin ja aufgewachsen mehr oder weniger als Spät-68er, nicht für uns war in der Schule ausdrücklich, von den Lehrern auch zum Ausdruck gebracht, Kritikfähigkeit. Es ist ganz entscheidend, gesellschaftliche Prozesse kritisch reflektieren zu können. Das haben wir gelernt aus dem FF. Wo ist das heute? Wir schleifen ja selbst die Kinder weg, die sie ankleben aus Verzweiflung auf der Straße, weil wir die Welt ruinieren. Das heißt, wir dulden ja weder in Zeitungen noch auf Facebook und sonst keinen Widerspruch oder leben das nicht, man wird ja gleich beleidigt oder was auch immer. Also es ändert sich. Ich will jetzt nicht zu sehr in so eine Jammerstimmung kommen, aber es gibt Dinge, die wir angehen müssen. Das ist ganz sicher, was ich aber als Hoffnungsfall sage, wenn ich meine Tochter mit zwölf oder meinen Sohn mit sechzehn kann ich sagen, die verstehen vielleicht nicht in der Metaebene, aber im technischen Bereich mit der Fokuszeit und was sie sich alles anschauen, viel besser, als ich es getan habe, wie ich mit dem begonnen habe. Also ich habe ein Werkzeug übernommen und habe tausend Sachen gemacht, die jetzt, wenn man am Kopf greift, das machen meine Kinder nicht, werden andere Fehler machen. Aber dass man die Hoffnung ist, sozusagen wieder bei der neuen Generation und zur Bildung, zur Frage digitaler Humanismus oder was kann man alles anrichten. Es gibt ja diese Plattform TikTok, ein chinesischer Betreiber, chinesische Firma, chinesische Plattform. Da sind sie jetzt draufgekommen in einer Studie, dass in China ist TikTok auch sehr weit verbreitet, aber wenn man die chinesischen User, die Jugendlichen fragt, was wollt ihr werden, da kommt letztlich raus, wir wollen Wissenschaftlerin werden, zum Mond fliegen und so weiter. Die europäische Variante von TikTok ist aber so mit Algorithmen gespeist, dass man am Schluss die Frage beantwortet, möchtest du werden, möchtest du Influencer werden und irgendwas im kapitalistischen Konsumbereich. Das heißt, die verwenden dieselbe Plattform unterschiedlich, um Gesellschaften zu verdummen oder in eine gewisse Richtung zu steuern. Das sollte uns schon zu denken geben. Also, dass wir nicht alles zulassen, was man kann. Und man sollte auch überlegen, was man digitalisiert und was man sicher nicht digitalisieren muss. Wir reden ja auch darüber, was soll, kann privatisiert werden und was darf auf keinen Fall privatisiert werden. So sehe ich das mit der Digitalisierung auch. Also da gibt es ein breites Feld, worum wir uns kümmern müssen. Die Hoffnung liegt, glaube ich, in dem, dass wir erkannt haben, dass wir der Jugend Raum, Platz, Werkzeuge geben. Aber letztlich liegt die Hoffnung in uns und in der Jugend. Und da bin ich eigentlich guter Dinge, muss ich sagen. Also wenn ich jetzt dich richtig zusammenfasse und verstanden habe, weil du ja gesagt hast, das, was wir für die neue Zeit, für die Zeitenwende und danach brauchen, sind nicht unbedingt technische Tools, sondern Bildung. Kann man, würde man es so? Genau, das ist ein anderes Werkzeug. Aber das Verständnis der Dinge, die Erkenntnis, das ist letztlich das, was wir brauchen werden. Und für das tun wir zu wenig. Es gibt ja nur einen Wissensturm und nicht 60 Wissenstürme in der Stadt. Dann wären die Türme wahrscheinlich die Hochhausdebatte in Linz ganz anders, wenn es keine Bürogebäude wären, sondern Wissenstürme. Das wäre zum Beispiel interessant für die Stadtentwicklung, zu fragen, wie haben Sie gegen 160 Meter hohe Wissenstürme? Wäre für mich wirklich interessant. So wie in San Gimignano, glaube ich, heißt das, oder? In der Toskana, wo die Türme schon gebaut worden sind. Wäre interessant. Aber eine Skyline aus lauter Wissenstürmen wäre eine gute Idee. Ja, vielleicht noch eine Idee, die einfach so ergänzend dazugehört, bevor wir dann in die dritte Runde gehen. Die Diskussion zwischen Krise und Zeitenwende. Also multiple Krise kann ja auch sein. Ich finde die insofern spannend, als ich immer den Eindruck habe, wir reden lieber von der Krise als von der Zeitenwende. Also Krise bedeutet ja, also wir haben jetzt wieder mal eine Krise, hatten wir schon einige, Finanz- und Bankenkrise und Migrationskrise und so weiter. Wenn wir in einer Krise sind und sie bewältigen, dann ist wieder alles so wie vorher. Wir werden wieder ordentlich mit Ryanair um 30 Euro fliegen können und wir werden viele, viele andere Dinge wieder machen können wie gewohnt. Unsere Urlaube und unsere Konsumgewohnheiten und, und, und. Die Zeitenwende würde ja nahelegen, es ändern sich die Dinge tatsächlich mehr oder weniger radikal. Wir wissen nicht wie schnell, ja oder so. Wie stehst du dazu? Ist es für dich eine Zeitenwende vor der wir jetzt stehen, auch mit deinen Erfahrungen in der Tabakfabrik? Ja, also für mich ist vollkommen klar, dass bei mir für mein Leben sehr sicher versucht Ich versuchte es auch gar nicht, romantisch dieses Leben vor Covid zurückzukriegen, weil Covid hat auch mein Leben verändert, allerdings zum Besseren, glaube ich, mit mehr Zeit und mehr Rücksichtnahme auf Familie und auf mich selber. Ich versuchte es gar nicht. Darum glaube ich, es ist eine Lebensänderung, keine Krise, sondern das nimmt andere Formen an, das Leben. Es wird, wie immer in der Geschichte, ganz schwierige Momente geben, aber es gibt positive Momente in allem. greife zum Wasser und strapaziere halb voll oder halb leer. Aber für mich ist klar, das sind zu viele Krisen, um das Leben aus 1985 wieder zurückzuholen. Das funktioniert so nicht. Und es gibt ja, ich hoffe, ich zitiere richtig, ich glaube, es ist aus China Spruch, dass man niemals in den selben Fluss wieder steigen wird mit dem Fuß, weil der Strom weiterzieht. Also so sehe ich das auch. Das ist einfach unmöglich. Die große Chance ist halt, und das, was Spaß macht, einem eigenen Tun, ist zu erahnen, zu erfüllen, wie ein Detektor, sensitiv zu sein, zusammenzutragen aus Büchern, Gesprächen, Informationen, wie könnte das Leben in zehn Jahren, fünf Jahren, drei Jahren ausschauen. Und dieses Leben, das man dann erahnt, vielleicht nicht so gut ist, dann müsste man das abwenden. Und das Leben, das man haben will, sollte man sich in so positiven Farben malen und darauf zugehen. Und das wäre dann sozusagen eine Möglichkeit, wie man Wandeltransformation designen kann, im besten Fall. Und das ist gleichzeitig, da bin ich in der glücklichen Lage, dass mich das am meisten interessiert im Leben und ich vielleicht ein professionelleres Sicht auf Transformation habe. Weil mir das Spaß macht. Darum habe ich nicht das Gefühl, ach du Scheiße. Aber wie gesagt, ich kann mit vollen Hosen jetzt gut stinken. Vor 20 Jahren, 10 Jahren hätte ich das anders beantworten müssen. Wenn es ums eigene Leben geht, um die ganz wichtigsten Kernfragen, um die Maslow-Pyramide im Ansatz, dann wirst du alles anders beantworten. Und wenn du mir in zehn Jahren nochmal fragst, wo die Zim werden, dann schauen wir, ob wir richtig liegen, weil ich fürchte fast, dass die Zuschauer, die sich die Sendung aufzeichnen, werden draufkommen, dass wir mit allem, was wir gesagt haben, vollkommen falsch liegen und dass es eine nette Unterhaltung war in Wirklichkeit. Scheint mir das so an. Ja gut, danke. Danke, das war's. Glückwunsch. Bitte jetzt Musik. ¶¶ © transcript Emily Beynon... Je nous en sprie de la salvation, et traite-moi si la latérance. L'esprit est fort, peut-il faire chanson? Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Ja, also kehren wir nochmal zurück. Unser Gespräch war jetzt, irren wir uns, nicht? Wir könnten uns mit allem, was wir jetzt sprechen, könnten wir sagen, wir irren uns sowieso. Also, what's changed, nicht? Vergiss es. Und trotzdem denke ich, wir haben ja in den letzten Jahren auch ein neues Wort erfunden, im gesellschaftlichen Kontext, im wissenschaftlichen, das Wort Narrativ. Das Wort Narrativ signalisiert, wir brauchen neue Bilder und Erzählungen darüber, wie künftig Leben gelingen kann. Darüber, wie künftig Leben gelingen kann. Also nicht mehr die Geschichte vom Tellerwäscher zum Multimillionär zum Beispiel, nicht in der klassisch-kapitalistischen Sichtweise, sondern welche Narrative oder welche Bilder gelingenden Lebens könnten uns motivieren, uns auf den Transformationsprozess liebevoll einzulassen, auch risikofreudig einzulassen. Nicht, du bist risikofreudig. Viele Leute sind nicht risikofreudig. Also ich würde mich auch nicht als risikofreudig einschätzen selbst. Aber diese Frage, was für Bilder und Narrative einer künftigen Welt, einer postmoderne, postpostmoderne, anderen moderne, nicht könnten uns helfen, von dieser, du hast das Wort Steigerung gerade verwendet, von dieser maßlosen Steigerungsdynamik Abschied nehmen zu können. Erstmal finde ich es interessant, dass du glaubst, oder vielleicht siehst du mir das, vielleicht stimmt es auch, dass ich risikofreudig bin. Ich habe eher das Gefühl, dass ich nicht risikofreudig bin. Darum versuche ich, Dinge vorher zu wandeln, bevor es mich selber betrifft. Weil wenn ich glaube, es ist alles sicher, alles safe und dann nicht selber entscheiden kann, wann ich gehe, finde ich das viel risikobehafteter, ehrlicherweise. Wegen welchen Umständen, äußeren Umständen auch immer. Ich finde immer das Unternehmerische, ich entscheide selber, sicherer wie mich zu verlassen auf einen Großkonzern, bei dem ich 22 Jahre arbeite. Das ist meine Hoffnung, dass das stimmt, aber das sehe ich eher als wenige Risiko. Aber das ist schon einmal interessant. Und das Zweite ist das mit den Bildern. Wir haben ja an der größten Mahler aller Zeiten in Linz und drüben aus, hinter der Kamera, den Georg Ritter. Und er weiß, was es heißt, mit Bildern Welten zu erschaffen. Und ich glaube auch, und das liegt schon in unserer Bedeutung, der Vorbilder. Wenn du ein Vorbild hast, kannst du mit diesem Vorbild, durch dieses Vorbild, darauf zugehen. Und ich glaube einfach, wir sollten, wie vorhin gesagt, im künstlerischen Bereich mehr Bilder machen, mehr Maler und Malerinnen ausbilden, aber natürlich auch im Lebensbereich. Ich tue mir sehr schwer, ohne Bilder wohin zu gehen oder ein Gefühl zu entwickeln. Zuerst sind es die Bilder, dann kriegt man ein Gefühl, dann wird man sich immer sicherer. Ich persönlich schwöre auf die Vorbilder, die man aber dann selber zusammenbaut. Wenn ich mich für ein neues Leben entscheide, und das geht nicht nur beim Büro so, sondern wirklich, dann lege ich mir einen Ordner an und dann ist alles, schiebe ich mir in den Ordner, was mich interessiert. Und manchmal ist es modisch und ich versuche dann zu erahnen, wie das neue Leben ausschaut, indem ich wirklich sage, jetzt stehe ich auf, es ist fünf Uhr morgens, jetzt stehe ich um fünf Uhr auf. Aber ich stehe weiterhin um fünf Uhr auf. Was mache ich da? Habe ich mehr Zeit, jetzt stehe ich auf, es ist fünf Uhr morgens, jetzt stehe ich um fünf Uhr auf, aber stehe ich weiterhin um fünf Uhr auf. Was mache ich da? Habe ich mehr Zeit, weil ich vorher ins Fitnessstudio laufe, spazieren gehe, habe ich einen Hund? Also ich versuche wirklich, mir einen Alltag vorzustellen, in Vorbilder zu malen, bis dass ich weiß, dieser oder jener möchte ich in Zukunft sein. Nicht für einen anderen, für mich selber. Also ich erschaffe mich selbst wirklich durch Vorbilder. Drum ist das im gesellschaftlichen Sinne dann nennt man es halt Manifest oder so, aber irgendwas müssen wir uns schon einfallen lassen. Wenn die Kinder keine Zukunft wollen, weil sie sagen, die Gegenwart ist sicherer, dann müssen wir was tun. Also dann müssen wir Zukunftsbilder malen, die attraktiv sind und einer Gesellschaft wieder Sicherheit geben. Nur die Apokalypse zu beschwören oder in die Wohnzimmer zu bringen durch die Nachrichten funktioniert auch nicht. Das ist übrigens glaube ich die Aufgabe von Erwachsenen. Nase runter, aber Brust raus und mit einer gewissen Überzeugung sagen, das kriegen wir hin. Übrigens nicht alleine, sondern gemeinsam. Das wäre schon ein neues Bild. Und wenn wir mal gestern Kollegen aus der Sozialdemokratie bei mir waren, um über Dinge zu reden, über Zukunftschancen. Und da habe ich auch gesagt, die Genossin kommt ja vom althochdeutschen Genotse, gemeinsam genießen. Wenn ich nichts gemeinsam genieße, kann ich kein Genosse, die Genossin kommt ja vom Althochdeutschen Genotse, gemeinsam genießen. Wenn ich nichts gemeinsam genieße, kann ich kein Genosse sein. Wenn ich nur einen Erlagschein kriege, kann ich kein Genosse sein. Wenn man gemeinsam was macht, was hebt, in meiner Sprache würde ich sagen, kollaborativ tätig sein oder wie im Bergbau sozusagen einer verschworenen Gemeinschaft, dann schaut das schon anders aus. Und darum glaube ich, diese neuen Bilder sind unabdingbar und die positiven Bilder wollen wir malen, aber sie werden sehr, sehr wichtig sein. Und uns auch erzählen natürlich, nicht die Geschichten, die dazugehören. Aber das hat mich jetzt nochmal auf eine andere Frage gebracht, weil du von Vorbildern sprachst. Das ist ja tatsächlich eine ganz, ganz wichtige Frage, welche Vorbilder haben Menschen heute? Ich weiß nur, ich erinnere mich noch an die Fernsehbilder vom Tod Albert Schweizers. Da war ich neun. Und das hat mich total imponiert. Dieser Mann, der mit 90 noch Arzt gewesen ist was der alles gemacht hat ein Multitalent erster Güte gibt es solche Vorbilder heute noch für junge Menschen wo man sagt die haben auch irgendwie einen ethischen Impetus also etwas wo es und das ist vielleicht das letzte große Thema in diesem Kontext, ermutigt zu werden, Verantwortung zu übernehmen. Das finde ich. Genau, das ist das Unterschöpferische, das Emanzipatorische. Selbst nicht mit, wie heißt das, dass das Schicksal über Wohl und Weh entscheidet, sondern dass du selbst auch was dazu tun kannst. Das ist ja das, was ich vorhin gemacht habe, selbst zu entscheiden, soweit es geht, sein Leben der Krise entgegenzustellen oder den Krisen oder sie für Wandlung zu wappen und gleichsam seine Kompetenzen in der Gemeinschaft einzubringen, in Parteien, in Gesellschaften, in Vereinen, in was auch immer, jedenfalls in einer gesellschaftlichen Form. Das finde ich reizvoll. Und man merkt ja, dass die Sehnsucht nach Räumen, nach Gemeinschaft, nach Anfassen wichtiger wird. Also das ist anscheinend, man redet zwar von neuer Arbeit, aber es sind wahrscheinlich ewige Werte, die man sucht. Also immer noch homoversitzen ist wahrscheinlich kein Optimum. Genau. Ist der Mensch beliebig veränderbar, nicht? Also immer ein Homoversitzender ist wahrscheinlich ein Optimum. Diskussionspunkt. Ulrich Brandt und sein Kollege haben ja ein das ist für das imperiale Selbst, ist alles erreichbar. Zunächst einmal auch ausgeschlossen die Verantwortung, die damit verbunden sein könnte. Also müssten wir nicht von diesem Selbst, du hast jetzt das Selbst als aufgeklärtes, als verantwortungsbewusstes Selbst angedeutet, müssten wir nicht das Menschenbild an der Stelle auch irgendwie neu denken. Also haben wir nicht, vielleicht, wir hatten das Mittelalter, haben wir nicht Werte und Sichtweisen auf uns selbst verloren, vielleicht auch zerstört, die uns dieses imperiale Muster ermöglicht haben und müssten wir nicht einen weiteren Schritt tun, wo wir sagen, nein, die entgrenzte liberale Welt, der liberale Weltzugang hat auch Grenzen und diese Grenzen liegen in der Verantwortung und diese Grenzen müssen wir auch lernen zu ziehen, selber zu ziehen, autonom zu ziehen, wenn man so will, oder solidarisch zu ziehen, weil ansonsten kommen sie eben als böses Verbot, als Einschränkung, als irgendetwas auf uns zu, was dann möglicherweise Kräfte halt mobilisiert, auch politisch Kräfte mobilisiert, die daraus enorm Kapital schlagen können. Wir haben vor, war das in dem Jahr, aber ich glaube schon heuer, haben wir am Kongress eine Expedition für den digitalen Humanismus gemacht, im Stift Willering mit 33 Experten und Expertinnen aus verschiedenen Bereichen. Und die Frage, wie kann man das Digitale den Menschen nützlich machen, also möglichst schauen, ohne negative Begleiterscheinungen das hinzukriegen. Und wir haben über FS Research, Netzwerkanalysten, die wichtigsten Fragen aus diesen 33 Leuten, die sehr unterschiedlich waren, gefragt, was sind die wichtigsten Fragen. Wir brauchen zwölf Fragen aus tausenden Fragen und wir müssen klären, welche Frage beginnen wir. Eins, zwei, drei zu klären, damit wir beginnen können. Und die allererste Frage, summa summarum von allen zu sagen, war, von welchem Menschenbild gehen wir aus? Und das ist doch sehr interessant, oder in einer Hightech, durchtechno- fizierten Welt, wenn man diese Großfrage klären will,ern und so vom Menschenbild auszudenken. Was irgendwie logisch ist, aber doch überraschend war. Und vor allem in dieser absoluten Deutlichkeit. Das macht auch Hoffnung, dass eine Bewegung bildet, die sagt, ja, aber wir müssen immer vom Menschenbild ausgehen. Dann können wir klären, wie sollen die Gesetze sein, was soll erlaubt sein, was soll nicht erlaubt sein. dann können wir klären, wie sollen die Gesetze sein, was soll erlaubt sein, was soll nicht erlaubt sein. Also das deutet ja schon auf diesen Titanenkampf darauf hin, was wollen wir in Ketten legen, was wollen wir Freiheit schenken. Also das schenkt mir Hoffnung, um beim Thema zu bleiben. Super. Das ist jetzt eigentlich schon ein Abschluss für unsere Sendung. Aber der Beginn für die Gesellschaft. Der Beginn für die Gesellschaft. Und wir wissen ja, dass wir irren. Aber ich denke trotzdem, halten wir daran fest, uns über das Bild vom Menschen, das wir haben, vielleicht andere Geschichten zu erzählen, als wir sie bisher erzählt haben. Oder alte Geschichten auch wieder zu erneuern. Das wäre vielleicht eine wichtige Aufgabe. Für die Philosophie, auch für die Techniker, eigentlich für alle. Es gibt ja viele Technikstiftungen, die in philosophische Ausbildung investieren und es gibt große Modehäuser, extrem erfolgreiche in Frankreich, in Paris, die am Tisch der mächtigen Philosophen sitzen haben, weil das Geschäftsmodell ja gar nicht mehr erharnbar ist. Also du brauchst, wenn der ein bisschen länger die Zeiträume sich anschaut, wie jetzt nur die nächsten Quartale. Und das finde ich doch sehr interessant. Und vielleicht darf ich das erwähnen, gestern war bei uns der Rektor und eine Professorin von der katholischen Privatuniversität jetzt bei uns in der Tabakfabrik in der Grand Garage und wir werden gerade versuchen, gemeinsam mit der Grand Garage eine Ausbildung zu schaffen, die das Digitale und das Philosophische zusammenbringt. Also das sind lauter so Ansatzpunkte, die sehr fruchtbringend scheinen, aber das ist ja nicht nur mühsam, das macht ja unheimlich viel Spaß, das durchzudenken und Spaß ist immer eine gute Rüstung für Krisen und Wandlung. Gut, Spaß ist eine gute Rüstung für Krisen und Wandlung. Das ist jetzt überhaupt das ultimative Schlusswort und ich danke dir ganz herzlich, Chris, für dieses Gespräch. Wir sind zeitlich praktisch am Ende. Das war ein, ich fand schon für mich auch erlebbar, ein offenes Gespräch mit überraschenden, kleinen überraschenden Wendungen und so. Aber ich danke dir nochmal ganz herzlich und wünsche dir alles Gute für deine neuen Projekte ab dem Tag der neuen Arbeit. Sehr nett. Ich danke dir für die Eindämmung, aber viel mehr für dieses Format, weil das ist genau das, was wir brauchen. Ein bisschen überlegen, ein bisschen reflektieren, Zeit haben und uns auszutauschen. Dafür auch dir vielen Dank. ¶¶ ¶¶ ¶¶ © transcript Emily Beynon Thank you. © transcript Emily Beynon