22. Dezember. Die Drei. Wie weit ist es noch? hatte der eine Melchior gefragt. Und die anderen beiden, Kaspar und Balthasar, wollten gar nicht mehr antworten. Aber da sie schon längere Zeit immer wieder anhalten hatten müssen, weil Melchior ihr Tempo nicht mitgehalten hatte, versuchte Kaspar, den geschätzten Rest der Strecke nicht genau zu nennen, aus Sorge, dass der Inder dann doch schnell aufgeben könnte. Es werden wohl noch ein, zwei Stunden sein, log er deshalb. Melchior schaute den Schwarzen unglaublich von der Seite an und fragte nach. Wie kommst du darauf, dass es noch zwei Stunden sein könnten? Ich beobachte die Sterne und dadurch merke ich, dass wir unserem Ziel schon sehr nahe sind, versuchte Kaspar sich herauszureden. Jetzt misste sich auch Balthasar in den Disput ein. sich herauszuholen. Jetzt müsste sich auch Balthasar in den Disput ein. Im Grunde ist es doch völlig egal, ob es noch zwei Stunden oder zwei Tage oder zwei Wochen sind. Ich meine, wir sind die Auserwählten. Da müsste es dir doch wirklich eine Freude sein. Und alles, was du tust, ist seit zwei Tagen nur jammern. Glaubst du, mir macht es Spaß, hier herum zu irren? Habe ich schon einmal gejammert, seit wir aufgebrochen sind? Habe ich mich beschwert, dass ich eine riesengroße Blase habe an meiner linken Ferse? Habe ich euch um eine Pause gebeten? Nichts von mir hörst du kein Wort der Klage. Ich gehe, halte Kaspars Tempo mit und bereite mich vor, auf den Zeitpunkt, wenn ich seiner ansichtig werde. Hör doch bitte endlich auf mit deiner Jammerei. Was ist eine Blase an der linken Ferse gegen meine Hüftbeschwerden? rief Melchior entnervt. Ihr wisst genau, dass ich seit Jahren unter diesen Hüftbeschwerden leide. Hätte ich gewusst, dass die Tour so beschwerlich wird, ich hätte nicht zugesagt, mitzukommen. Ein bisschen mehr Rücksicht wäre mir wirklich sehr angenehm. Nun gut, versuchte Kasper einzulenken, machen wir noch eine kurze Rast, aber dann gehen wir, bis wir am Ziel sind. Welcher war erleichtert. Danke euch, stöhnte er und ließ sich augenblicklich nieder, wo er zu stehen gekommen war. Ohne ein Wort hielten sie Rast. Jeder ging seinen eigenen Gedanken nach. Dann war es Melchior, der wahrscheinlich um sein schlechtes Gewissen etwas zu erleichtern, zum Ausbruch rief. Mühsam stand er auf und ging als erster weiter. Die beiden anderen sahen sich erstaunt an, gingen dann nebeneinander hinter dem Inder her. Wie er wohl aussieht, dachte Balthasar laut nach. Ob er ein hübsches Antlitz hat? Ob er Haare auf dem kleinen Köpfchen hat. Egal wie er aussieht, er ist unser Heiland, antwortete Kaspar. Dann gingen sie schweigend weiter, benebelt darauf achtend, dass sie Melchior nicht zu nahe kamen, damit er nicht das Gefühl hatte, dass sie schneller gehen wollten als er. Es war schon fast Mitternacht, als sie sahen, dass der Stern sich zur Erde senkte. Melchior blieb stehen und wartete auf seine beiden Begleiter. Der Stern senkt sich, sagte er froh. Es ist soweit, glaube ich. Ja, dort vorne ist ein kleines Dorf, dort wird es wohl sein, bestätigte ihn Kaspar. Dann waren sie am Ziel ihrer Reise und vor dem Haus blieben sie erst einmal stehen und ordneten ihre Gewänder. Einer nach dem anderen packten sie die Geschenke aus, die sie mitgebracht hatten, den weiten Weg hierher. Balthasar klopfte an die Tür und bald darauf hörten sie Stimmen aus dem Haus dringen, dann Schritte, die sich der Tür näherten. Sie hoben ihre Hände mit den Geschenken andächtig hoch und begrüßten so die Menschen, die ihnen öffneten. Irritiert blickten sie sich an, als sie bemerkten, dass ein Mann mit rötlich-brauner Hautfarbe ihnen geöffnet hatte. Josef bat sie mit einer freundlichen Gäste in das Haus, hatte. Josef bat sie mit einer freundlichen Gäste in das Haus, schloss hinter ihnen die Türe und ging ihnen voraus in die Ecke des Timmers, in dem eine Frau bei einer kleinen Hängematte saß und fleißig mit dem Fuß, der mit einer Schnur mit der Hängematte verbunden war, in Bewegung hielt. Im spärlichen Feuerschein sahen sie das pechschwarze Haar der Frau und ebenfalls dunkelrotes Gesicht. Wieder blickten sie sich erstaunt an. Dann gab Balthasar sich einen Ruck, ging ganz nahe zur Hängematte und blickte darin den Säugling. Er konnte seinen Schreck nicht verbergen und stieß die Luft hörbar aus. Die anderen beiden traten ebenfalls an die Schlafstadt und schreckten ebenso zurück wie Balthasar. Sie wandten sich vom Kind ab und sahen sie unschlüssig an. Das ist er nicht. Das gibt es nicht, sagte Kaspar. Die Weissagung spricht von keiner Hautfarbe, stellte Balthasar sachlich fest. Warum sollte er keine Rothaut sein? Und Melchior meinte, und der Stern? Vielleicht ist er noch weitergewandert. Schnell ging er zur Tür zurück, öffnete sie und blickte hinauf in die Nacht. Langsam und enttäuscht schloss er sie wieder und kam zu den beiden zurück und fragte Kaspar, wo steht er? Über dem Haus, genau darüber war Melchios Antwort. Aber wir können doch nicht, ich meine, das ist doch, aber stotterte Balthasar herum. Was tun wir jetzt? Die Situation wird schon langsam peinlich, sagte Kaspar. Wir müssen etwas tun, wir können doch nicht wie die Esel hier herumstehen. Ich bin dafür, dass wir hier bleiben, bezog Melchior, eindeutig Stellung. Aber was ist, wenn wir an der falschen Adresse sind, fragte Balthasar in die Runde. Stimmen wir ab, schlug Kaspar vor, ich bin für Gehen, ich auch, stimmte Melchior ein. Aber Balthasar meinte, und wenn er es doch ist? Ich meine, stellt euch einmal vor, wir waren hier, haben uns täuschen lassen von seiner roten Haut und sind abgezogen und dann stellt sich heraus, dass er es doch ist. Ach Blödsinn, polterte Kaspar. Kein Mensch wird wissen, dass wir hier waren. Gehen wir. Und so packten sie ihre Geschenke wieder ein, gingen zur Tür und verabschiedeten sich mit tiefen Verneigungen. Sie ließen die Tür offen und Josef ging auch eine Weile hin, schaute hinaus, sah die drei merkwürdigen Männer in einiger Entfernung stehen. Sie redeten, zeigten zum Firmament hinauf, dann auf ihn, redeten weiter miteinander. Josef schüttelte den Kopf, zog die Türe zu und setzte sich wieder zu Maria. Jesus schlief ruhig weiter, ohne zu wissen, dass dieser Irrtum ihm sein Leben, das gerade erst begonnen hatte, retten würde.