Darf es ein bisschen weniger sein? Ich darf euch recht herzlich begrüßen zu einer neuen Ausgabe von den Geschichten von Verzichten. Wir haben heute einen Ausflug gemacht in den Tauschraum in der Wörser Bahnhofstraße und wir sitzen da jetzt mit der Petra Stockinger, die die Obfrau vom Tauschraumverein ist. Magst du uns ein bisschen was erzählen über den Tauschraum, über das Konzept im Allgemeinen? wo man Kleidung bringen kann, die man selber vielleicht nicht mehr anziehen kann, aber die sehr wohl noch in Ordnung ist und sauber und ohne Löcher. Und die Kleidungsstücke werden von uns, von unserem Team, das ganze Arbeit-Ehrenamtlich-Team wird bewertet und die Leute kriegen dann dafür Jetons und mit diesen Jetons können die Leute bei uns einkaufen oder spenden oder natürlich auch weiter schenken an wen der es vielleicht dringender braucht oder wie auch immer. Bewertet, da gibt es eine Skala? Genau, es gibt eine Skala von 1 bis 3 nach der Ampel, ganz einfach, grün, gelb, rot und grün ist das günstigste, rot ist das teuerste. Es gibt jeweils einen Geldbetrag, der dahinter steckt, hinter der Wertigkeit. Das ist ein Mindestbetrag. Und jeder kann natürlich und darf auch mehr bezahlen. Die Kriterien für die Bewertung auf der Ampelskala sind? Das hängt jetzt ab von was es ist. Ich sage, T-Shirts sind natürlich günstiger als Herrenanzüge. Dirndl-Kleidln sind teurer als kurze Jeans. Das ist das das Kriterium dahinter. Und der Preis ist dann? Also das ist jetzt zum Beispiel, was ich da an habe, ist jetzt orange. Genau, das ist gelb, das ist orange. Das heißt, wir kriegen dafür zwei Jetons. Die Jetons haben wir kreiert. Oder du zahlst dafür mindestens 3,50 Euro. 3,50 Euro. Und rot wäre dann preistechnisch? 7 Euro. 7 Euro, okay. Also 1 Euro, 3,50 Euro und 7 Euro. Aber nur als Mindestpreis? Genau, als Mindestpreis. Weil es gibt natürlich Leute, die bei uns einkaufen, weil sie es eventuell nicht leisten können und trotzdem dann zu klasser Mode kommen und trotzdem dann das Gefühl haben, weil es ist ja bei uns ganz nett, dass sie halt in einem Laden einkaufen, der wertvoll ist. Oder die Leute kommen aufgrund eines nachhaltigen Lebensstils und sagen, okay, ich will eigentlich nichts Neues. Also das heißt, zielgruppentechnisch versucht ihr sowohl sozialbedürftige als auch vielleicht junge Leute, die an Vintage interessiert sind, und so etwas abzudecken. Wie würdest du sagen, ist das Verhältnis 50-50 so ziemlich? Oder mal sind die einen mehr, mal die anderen? Ja, es ist natürlich auch sehr schwierig, weil man nicht immer herausfindet, wer ist jetzt wirklich bedürftig. Weil die Leute wollen das ja eigentlich nicht sofort hervorkommen. Aber ich würde sagen, es ist relativ ausgewogen. Wie würdest du dann sagen, bezahlen mehr Leute oder nutzen mehr Leute das Chetonsystem? Also das Chetonsystem wird total genutzt und es ist unglaublich, weil wir haben schon dreimal Chetons nachproduziert und wir wissen, es müssen unglaublich viele Chetons im Umlauf sein. Und es kommen auch immer wieder Leute, die Sackerl voll mit Chetons haben. Und dann halt immer wieder zum Shoppen kommen, schauen, weil man kann ja nicht gezielt bei uns einkaufen, sondern wirklich schmökern und dann was klasse finden. Wie du dein klasse Sakko. Ja und wie, ihr seid quasi nicht gewinnorientiert, ihr seid... Genau, wir seid ein Verein. Und wie finanziert sie euch die Miete da jetzt? Über die Spenden quasi? Genau, wir haben Spenden, wir kriegen Mitgliedsbeiträge, also kann jeder bei uns Mitglied werden. Von 30 Euro Jahresbeitrag bis 100 Euro als förderndes Mitglied, aber auch ermäßigt 15 Euro. Also es ist, glaube ich, für Jahresbetrag, also ich glaube, es ist ganz gut zum leisten und für unsere große Hilfe. Und durch die Einkäufe, die Leute, die halt dann da mit gewohnt shoppen und wir sind halt immer wieder auf der Suche nach Förderungen. Wir haben letztes Jahr den Diakoniepreis der evangelischen Kirchen gewonnen. Da haben wir Unterstützung gekriegt. Glaubst du, dass das Konzept sehr gut auf andere Bereiche umlegen lassen wird? Also jetzt abgesehen von Gewand und Kleidung? auf andere Bereiche umlegen lassen wird? Also jetzt abgesehen von Gewand und Kleidung? Auf jeden Fall. Also wir haben ja gesagt, wir fangen jetzt einmal an mit Kleidung, weil das erstens einmal massiv da ist, aber man kann es genauso auf Geschirr ausdehnen, man kann es auf Wohnaccessoires ausdehnen, auf Fernseher, DVD-Player, wenn man die jetzt noch hat, was auch immer. Aber wir sind natürlich vom Platz her ein bisschen beschränkt. Also es ist jetzt schon gut voll, aber das war so für uns der zweite Schritt. Wie siehst du die Entwicklung von der Modebranche, wenn ich es so nennen kann, weil ja schon mehr auf faire Mode, auf grüne Mode, auf second hand zumindest so da wird, als wäre das von Interesse, aber ist das mehr Marketinggag? Geht wirklich was weiter? Verbessert sich was? Oder wird das von Marketingstrategen ein bisschen aufgefressen und dann gegreenwashed? Sowohl als auch, denke ich. Es gibt sehr viele Leute, die sich schon lange mit fairer Mode beschäftigen und schon sehr erfahren sind, faire Mode herzustellen. und schon sehr erfahren sind, faire Mode herzustellen. Ich habe eben früher einen Laden gehabt, der mit fairer Mode gehandelt hat und bin da eigentlich schon relativ lang... Also jetzt als Secondhand oder... Nein, das war eben wirklich ein Concept-Store, wo wir nur fair produzierte Artikel verkauft haben. Daher habe ich die Szene schon relativ lang im Auge. Und es gibt aber sehr wohl auch große Firmen, die halt Greenwashing betreiben. Das ist ja das Lustige an Secondhand Mode, weil es einerseits natürlich besser ist, weil es nicht neu produziert wird, aber man weiß ja auch über die Produktionsstandards, weiß man ja dann leider auch nichts. Naja, man muss sich genauso mit dem Thema beschäftanzlich gefärbt wird oder wie auch immer. Aber Baumwolle ist halt ein riesengroßer Wasserpirat. Und das wird dann zumindest weg, weil es wird nicht nur mehr Wasser unnötig verschwendet. Und es ist halt auch schon so viel da. Das ist das große Thema. Vorher im Vorgespräch hast du was gesagt, vielleicht kannst du das noch mal kurz erzählen. Ich habe es jetzt natürlich nicht total recherchiert, aber angeblich ist es so, wenn man jetzt mit der Produktion von Kleidung aufhören würde, dann hätten wir noch 10 Jahre genug, um das zu kaufen. Einmal mit Profis arbeiten. Der Wecker. Dann vielleicht noch eine persönliche Frage. Wie legst du deinen Gewand-Einkauf an? Wo kaufst du immer Secondhand oder vielleicht Secondhand und Weitladen? Ja, ich habe heute überlegt, wie ich aus dem Haus gegangen bin, was habe ich? Nein, also das geht gar nicht. Ich habe gerade den Wolfgang wieder geschimpft, weil der hat mir eine Rechnung auf den Schreibtisch gelegt, wo er was auf Amazon gekauft hat. Ja, aber er sagt, ja, das habe ich so dringend gebraucht. Ja, nein, also ich kaufe wirklich nur wann ich fahre. Das heißt, es gibt einige Läden in Wöhl, wo man gut einkaufen kann. Und ich schaue immer vor allem, dass ich auch die Leute kenne, die dahinterstecken. Also das ist zum Beispiel ein Hamburger Label, wo ich die Leute einfach auf einer Messe kennengelernt habe und wo ich weiß, die unterstütze ich auch gerne und die erzählen keine Geschichten. Und die Hosen sind von da. Die Schuhe habe ich von einer Freundin geschenkt bekommen, weil sie jetzt groß sind. Ja, und so ist das quer durch mein... Es ändert sich dann auch etwas an deinem Verhältnis zum Gewand, dass du das dadurch, dass du vielleicht weniger und bewusster kaufst, dass du die einzelnen Kleidungsstücke mehr schätzt oder wenn du das jetzt irgendwie ertauscht hast, dass du dann so wie beim Panini-Pickerl-Album oder sowas quasi stolz darauf bist, weißt, dass du harte soziale Arbeit oder so erkämpft hast? Ich weiß nicht. Also ich war immer schon beim Gwant, ich bin vielleicht noch eine andere Generation als ihr, also bei uns war es früher wirklich auch noch so, dass es eigentlich nur zwei Kollektionen im Jahr gegeben hat. Also es hat früher eine Winter- und eine Sommerkollektion gegeben. Mittlerweile gibt es ja, glaube ich, teilweise sogar in Labels wöchentlich eine neue Kollektion. Von dem her habe ich relativ wenig gewonnen in meinem Kosten und ich bin auch derjenige, der relativ wenig Gewand herbringt. Das wirklich dann als Putzfetzen endet. Aber ja, ich finde es interessant, ist jetzt natürlich ein bisschen voller, weil man dann denkt, okay, da kann ich mir jetzt mal was nehmen. Und es ist mit gutem Gewissen, dass es eben second hand ist und weitergetragen wird. Hast du grundsätzlich den Satz unterschrieben, weniger Gewand, mehr Wertschätzung? Oder ist das ein... Auf jeden Fall. Also ich habe wirklich Teile, die habe ich 15 Jahre, das hat aber damals auch wirklich was gekostet und es ist aber immer noch cool und immer noch klasse. Von dem her finde ich es schon ganz wichtig, oder ist meine Geschichte auch die, dass man wenig kauft und das immer wieder klasse kombinieren kann. Das ist das, wo ich mir denke, das ist ganz wichtig. Über einen neuen Kontext setzen. Genau, genau. Und seine Individualität mit der Mode ausdrucken kann. Nicht, weil man jetzt alle Monate oder alle Wochen etwas kauft, sondern weil man überlegtlege, wie zirkusant, wie kombinier ich es. Weil man den neuen Trend nachrennt und macht das Gegenteil von... Was meiner Meinung nach Mode sein sollte. Dann sage ich danke Petra für das Gespräch. Gerne, ich sage danke. Für die Begrüßung mit dem Tauschladen. Tauschraum. Tauschraum. Das ist der Schneider. Tauschraum. Ich muss es nur mal sagen. Nein, das passt. Danke für eure Aufmerksamkeit.