Einen schönen guten Tag und herzlich willkommen aus dem Studio von DorfTV in der Kunstuniversität Linz. Ja, heute am 21. September ist wie jedes Jahr wieder einmal Weltfriedenstag und damit ist es auch natürlich sehr passend, an diesem Abend wieder eine Ausgabe meiner Senderei unter weißer Flagge Medien und Haltung in Zeiten des Krieges anzusetzen. Ich freue mich sehr, dass heute aus dem fernen Burgenland Elias Birtl zu uns ins Studio gekommen ist. Sehr, sehr renommierter, ich kenne ihn schon sehr lange, renommierter Autor, Journalist und auch Menschenrechtsaktivist. ein bisschen kennt, ist jemand, der vielleicht wie kaum ein anderer tatsächlich Kritik, Medienkritik, gerade auch im Hinblick auf Konflikte, Krisen, Kriege, auch sehr viel aus sehr unmittelbarer Anschauung erlebt hat. Herr Bürdel, ich bin froh, dass Sie heute hier sind, wunderbar und ich freue mich auf jetzt spannende 45 Minuten unseres Gesprächs. Ich falle gleich mal mit der Tür ins Haus. Eine Fragestellung, die vielleicht ungewöhnlich wirkt, aber sie erscheint mir wichtig, wenn wir tatsächlich einen kritischen Blick auf die Fragestellung Medien und Krieg entwerfen wollen. In den vorangegangenen Sendungen meiner Reihe ist sehr klar herausgekommen, es gibt sowas wie ein wechselseitiges Bedingungsverhältnis im 21. Jahrhundert vor allem, wechselseitiges Bedingungsverhältnis zwischen Medien und Krieg. Wenn wir jetzt mal diese ungewöhnliche Frage wagen, mit welchen Erwartungen gehen Medien ihrer Meinung nach oder auch ihrer Erfahrung zufolge an Kriege heran? Meinung nach und auch Ihrer Erfahrung zufolge an Kriege heran? Ui, also erstmal, ich glaube nicht, dass es ein neues Phänomen ist oder nur auf das letzte Jahrhundert bezogen. Wir haben über die Jahrhunderte immer wieder auch wichtige Schriftsteller und so gehabt, die embedded waren, würde man heute sagen, in irgendwelchen Truppen unterwegs waren. Und heute ist es für mich vor allen Dingen schmerzlich zu sehen, dass man so lange zuwartet, bis ein Konflikt auf diese schreckliche Ebene eines Krieges eskaliert ist und dann erst hinschaut und dann läuft die ganze Maschine an. unserer Gewaltkultur, die wir hier in unserer Gesellschaft haben und dem unterliegen auch Medien. Da müsste man auch genau schauen, was sind jetzt Medien. Wir haben ja heute eine breite, das ist das beste Beispiel hier, DorfTV von Varietäten da, von Möglichkeiten. Aber nehmen wir mal professionelle Journalisten. Naja, da gibt es drei Möglichkeiten. Entweder es ist jemand, der schon dort stationiert ist, also ein Korrespondent, Korrespondentin. Das sind Menschen, die haben ja schon, wenn es gut ist, einen engeren Kontakt zu einer Region, zu den Menschen, sprechen die Sprachen. Die haben eine andere Perspektive, wenn sie im Konflikt dann sind oder wenn Konflikte dort eskalieren. Konflikte dort eskalieren. Dann gibt es Kriegsberichterstatter, die werden geschickt aus dem Mutterhaus. Das sind Leute, mit denen habe ich nichts zu tun, journalistisch. Das sind richtige Söldner, hochbezahlte Spezialisten, die überall dahin fahren, wo es knallt. Die natürlich keine innere Bindung zu einer Region, nicht kulturell, nicht historisch und auch nicht zu Menschen dort haben. Das macht einen Unterschied. Und dann gibt es noch die Armen, die halt mitfahren, weil ein Politiker eine Region besucht, also aus der Zentrale mitgeschickt werden. Die haben im Prinzip gar keine Ahnung vor Ort und machen dann dann Aufsager und stehen halt da auf dem Fernsehen. Das ist nur ein Beleg dafür. Wir waren eh da. Und das ist für mich dann natürlich die unterste Stufe von journalistischer Befassung. Also das Interesse einer Gesellschaft ist leider dann erst da, wenn es knallt. Das hat was Spektakuläres, was Tolles, was Aufregendes. Und leider viel zu wenig da, wo der Konflikt sich aufbaut über viele Jahre. der Konflikt sich aufbaut über viele Jahre. Im aktuellen Fall Ukraine sehen wir das ja, dass es im Grunde acht Jahre sind, mindestens, wo wir genau hätten hinschauen müssen und mit anderen Mitteln agieren, als jetzt halt Raketen zu zählen und Tote. Sie haben meines Erachtens einen sehr spannenden Punkt angesprochen bei dieser Differenzierung. Da gibt es sozusagen diese dort in den Konfliktregionen schon lange verweilenden Korrespondentinnen und Korrespondenten, die eigentlich sich sehr vertraut gemacht haben, auch mit Land und Leute, Kulturen und so weiter. Und dann sozusagen diejenigen, die auch im Mutterhaus, dann haben sie eine Live-Nachrichtensendung, dann quasi Kontakt aufnehmen mit den Korrespondentinnen und Korrespondenten. Ich frage das jetzt nicht zuletzt auch mit dem Wissen im Hintergrund, wie aktuell etwa im österreichischen Rundfunk im ORF über den Ukraine-Krieg berichtet wird. für den ORF berichtet und von ihm weiß man es ja auch aus seiner Biografie. Der ist ja jemand, der sich sehr für Militär begeistern kann, der schnell mal über die Leistungsfähigkeit von Präzisionswaffen schwärmt und so weiter. Und dass die Interviewpartnerinnen und Partner im Studio selbst finden kaum ein kritisches Wort ihm gegenüber. Ist das etwas, was wir einfach als gottgegeben annehmen müssen oder ist das ein Spannungsverhältnis, wo man eigentlich, weil wir auch über die Haltung von Medien reden, ein bisschen mehr Kritik erwarten könnte? Also der Christian Wehrschütz, den ich nicht persönlich kenne, ist aber ein von mir geachteter Kollege, der sehr kenntnisreich jedenfalls unterwegs ist. Deshalb muss ich nicht alles gut finden, was er sagt und da, wo er hinschaut. Aber was er da tut, ist hochkompetent. Und es ist nicht meine Wahrnehmung, dass er da nur den Militarismus irgendwie predigt. Das liegt natürlich an den Fragen, die gestellt werden, wenn er direkt da ist in der Schalte. Er hat auch eine gewisse Entwicklung gemacht in den letzten Wochen und Monaten. Das war schon mein Eindruck, dass er zumindest mal neben der Kenntnis von Land und Leuten auch einen militärischen Hintergrund hat. Ich nehme an, er ist Reserveoffizier oder sowas. Das ist ja nicht zum Schaden der Berichterstattung. Also das ist schon jemand, der auch ein erstaunliches Pensum übrigens da absolviert und der, das muss man hier schon mal kurz sagen, auch ein hohes persönliches Risiko geht. Weil der geht dahin, wo es weh tut, weil er denkt, dass das da wichtig ist. Und ich schätze ihn so ein, aber das ist wirklich nur meine Wahrnehmung als Zuschauer. Ich bin ja ORF-Konsument auch und DorfTV natürlich ab jetzt. Ich denke, dass er nicht zu denen gehört, die sich einfach als willenloses Werkzeug aus einer Zentralredaktion steuern lassen. Ich glaube, der hat da schon sehr eigene Agenda und die jedenfalls respektiere ich sehr. an einem Buch mitgewirkt, herausgegeben von Thomas Reutner, einem Kollegen von Ihnen, unter dem Titel Krieg im Abseits. Ein Sammelband, der Krieg als Phänomen aus verschiedensten kritischen Perspektiven beleuchtet. Sie haben sich damals sehr intensiv auch mit Frontex und dem Abwehrkampf der Europäischen Union an den Außengrenzen, der ja sehr kriegsähnlich oder sehr militärisch geführt wird. Darauf kommen wir aber noch zu sprechen. der ja sehr kriegsähnlich oder sehr militärisch geführt wird. Darauf kommen wir aber noch zu sprechen. Ich habe sehr interessant gefunden einen Auszug aus einem Beitrag von dem Journalistenkollegen Martin Staudinger, der quasi auf die Frage eingeht, ob Medien irgendwie, wenn sie über Kriege berichten, einer Zensur folgen oder unter einem politischen Einfluss stehen und er hat das entkräftet, sagt aber, es kann aber durchaus sein, dass manche Medien quasi ökonomischen Zwängen folgen und sowas haben, eine Vorstellung von einem vorauseilenden Gehorsam dem Publikum zu gefallen. Ist das etwas, eine Ansicht, die Sie teilen würden? Das ist mir ein bisschen undifferenziert, entschuldige, das ist keine persönliche Kritik, sondern ich denke halt, wir müssen genau schauen, welcher Bereich von journalistischer Tätigkeit ist hier gemeint. Zum Beispiel Kameraleute müssen Bilder liefern. Was für Bilder sollen die liefern? Wie irgendjemand da sitzt und weint? Kann er auch machen, kommt auch vor. Aber natürlich sind es die spektakulären Bilder von Flugabwehrgeschützen, Detonationen und all das, was ja auch im Internationalen einfach das Bild dominiert. Und das muss dann auch jemand liefern, der im Grunde hier aus einer friedfertigen, relativ friedfertigen Gesellschaft und Ecke der Welt kommt. Das ist mal die Situation. Ein Hörfunk-Korrespondent zum Beispiel, wie ich es war, der hat ganz andere Möglichkeiten. Ich muss nicht da sein, wo jetzt gerade im Moment es knallt. Ich bin da zwar hingegangen, weil mich ja auch interessiert hat, was mit den Menschen da passiert. Aber ich kann besser dosieren, wie weit ich selber da vorrücke. Und deshalb war die Möglichkeit, ich bin auch ein Nichtgedienter, das ist natürlich auch eine persönliche andere Sache, und setzt je ein Sender Leute ein, die keine militärische Vergangenheit haben sozusagen oder nicht. Das sind schon Fragen, die man stellen kann. Aber grundsätzlich ist das, was Journalisten im Kriegsgebiet machen, genauso wie hier im Inneren der Gesellschaft, abhängig davon, welchen Auftrag sie bekommen, was sollen sie liefern und abhängig davon, welche persönliche Verantwortung sie übernehmen dafür, was sie da berichten. was sie da berichten. Und das gilt im Krieg erst recht. Und weil es dort eben mit einem höheren Risiko, so wie das allgemein wahrgenommen wird, das stimmt ja gar nicht immer, geschieht, muss man das auch unbedingt so belassen. Dass ein Journalist also in einer Konfliktzone eine höhere Bewegungsfreiheit hat, dem kannst du nicht aus der Zentrale sagen, oder ihr, Entschuldigung, geh jetzt da nach rechts, das haut nicht hin. Der muss und sie in der Lage sein, selber seine letzte Risikoabschätzung dort zu treffen und dann zu verantworten. Was ist das Gesamtbild hier und was kann ich davon im Moment auch berichten? Natürlich, der politische Einfluss ist ja schon mal mindestens auch in dem Land, wo er da ist. Das ist der Einfluss erstmal auch von den Konfliktparteien, die ja da schauen, wer berichtet da was. Das ist ja ein großes Spiel, auch der Psychologie. Deshalb natürlich unterliegen Journalistinnen und Journalisten dort ganz vielen verschiedenen Einflüssen. ganz vielen verschiedenen Einflüssen, aber nicht so simpel, Entschuldigung, dass das schlichterdings daran liegt, was von ihm bestellt wird. Das spielt eine Rolle, aber nicht die entscheidende vielleicht. Im Titel der heutigen Sendung habe ich ja bewusst auch den Begriff der Konflikte oder des Konflikts herausgestrichen, weil ich dem auch nachspüren möchte. Es gibt natürlich diesen inneren Konflikt, wenn Sie als Journalist im Krisen- und Kriegsgebiet sind, wie kommen Sie mit Ihren eigenen Ansprüchen zurecht, wie weit können Sie das tatsächlich einlösen, bis hin natürlich, es gibt die Auftraggeber in den Medienhäusern, die erwarten etwas von Ihnen, das hat ja auch Konfliktpotenzial. Welche Erfahrungen haben Sie denn da gemacht? Also ich war in einer heißen Konfliktzone als Korrespondent im Kosovo und habe mich dann dort versteckt, als die Bombardements dann begannen. Aber ich war natürlich schon vorher dort gewesen, schon Jahre vorher. Ich hatte diesen Konflikt schon gesehen. Ich hatte die unfassbaren Verhältnisse dort schon miterlebt, die ja im Grunde eine Apartheid in Europa darstellten, wo eine Mehrheitsbevölkerung im eigenen Land im Untergrund lebte. Also das können wir hier nicht nochmal auffächern, aber es ist ziemlich verrückt, glaube ich, gewesen. Übrigens hatten die Kosovaren damals einen Pazifisten als Präsident, Ibrahim Rugova, der gesagt hat, Leute, wir greifen nicht zu den Waffen. Das wollen die doch bloß, damit sie mit uns wie in Bosnien verfahren können. Wir bleiben friedlich. Wir machen nur nicht mit bei diesem Spiel. Und er hat acht Jahre lang es geschafft, dass die Menschen bis ins letzte Dorf hinein wirklich ihrem Präsidenten, Ibrahim Rugova, gefolgt sind und haben gesagt, Gewalt, nicht mit uns. Aber man hat Rugova verhungern lassen. Der ist ins Ausland gefahren, man hat mit ihm gesprochen, alles sehr interessant, gelobt, super, super, guter Mann. Aber es gab keine Kosovo- Politik in diesem Moment. Weder in der Europäischen Union, auch nicht in Amerika, sondern erst in dem Moment, wo das dann eben doch eskaliert, wo dann erste Anschläge passieren, dann anschließend Polizeiaktionen, Großangelegte und so weiter laufen. Und dann wird das erst richtig interessant. Und das ist für mich ein ganz wichtiger Punkt. Es reflektiert unsere eigene Gewaltkultur hier. Wir sind eigentlich auch in Europa nicht besonders weit entwickelt darin, eine präventive Friedenspolitik zu etablieren, zu betreiben. Die ist nämlich komplizierter. Wenn ich dieses Beispiel nochmal sagen darf im Kosovo, ich habe später ja andere Kriegs- und Krisenorte auch noch besucht als Gast jeweils. und Krisenorte auch noch besucht als Gast jeweils. Aber wenn man das anschaut, welche Chancen da vertan wurden, einen anderen Weg zu gehen, das ist ein historisches Versagen. Bitter und traurig. Wir hätten sehr viel daraus lernen können. Leider ist es dann dort eben in dieselbe Richtung durchgeschossen, wie es jetzt in der Ukraine und anderswo auch zu sehen ist. Ich bin sehr froh über dieses Beispiel des Kosovo-Kriegs aus dem Jahr 1999. Das war auch etwas, was ich schon sehr bewusst wahrgenommen habe. Ich war damals 28 Jahre alt und habe auch schon mit Medien gearbeitet. Das war auch deshalb, weil es historisch die erste große NATO-Intervention war, nach Bosnien, Sarajevo 95. war, nach Bosnien, Sarajevo 95. Und damals, erinnere mich, gab es ja auch Streit und Konflikte rund um die Rezeption dieses Krieges, die Intervention der NATO. Wie soll sie bezeichnet werden? Ist das eine Verteidigungshaltung oder darf man das beispielsweise bei Bombardierungen mit Kollateralschäden auch als Angriffskrieg beschreiben? Das taucht ja auch in der Literatur rund um Ihren Namen auch immer wieder auf. Wie haben denn Sie damals einen Umgang gefunden, welche Frames, welche Narrative man eigentlich brauchbarerweise dafür anwenden kann? brauchbarerweise dafür anwenden kann. Ich muss jetzt zunächst mal erklären, dass in dieser Phase der Geschichte ich ja nicht alleine stand, in der ARD damals und weit darüber hinaus zu berichten darüber. Nachdem ich ja dann im Land versteckt war, gab es sehr wenige, die man noch live irgendwie hören konnte. Da war ich sonst wo geschaltet, Fachbegriff. Sondern es gab ja die Perspektive Kosovo, da war ich. Es gab die Perspektive Belgrad, da war der Kollege Henrik Jatschik. Es gab die NATO-Perspektive in Brüssel und so weiter und so fort. Das heißt, das ist ja ein ganzes Mosaik. Ich habe meine Berichte mir im Nachhinein alle nochmal angehört. Ich habe einen guten Freund im Archiv des Deutschlandfunk und der hat sich wirklich die Arbeit gemacht und hat meine gesamten Sachen. Das ist ja wahnsinnig viel, weil man ja nicht nur die berühmten Schalten zu bestimmten Zeiten kurz, lang und so weiter macht, sondern vor allen Dingen ja die in der ARD 56 einzelnen Sender unbedingt dann noch live mit dir reden wollen. Das ist ein bisschen auch absurd und jedenfalls ein wahnsinniger Stress das Ganze. Das heißt, ich war mir nicht so sicher, ob ich zu jedem Wort stehen kann, was ich gesagt habe. Und, das weiß ich aber jetzt, ja, das kann ich. Also die Begriffe, die ich benutzt habe, die waren angemessen, immer bezogen auf zu sagen, das ist, was die Menschen hier erleben, das ist, was die Menschen mir hier sagen und es ist sehr klar, wo ich hier bin. Das ist nicht eine Frage von der persönlichen Meinung. Außer, dass ich selbstverständlich als Mensch, auch ganz allgemein, mich eher auf die Seite der Geschlagenen stelle. Ich finde, die haben es nötiger, die brauchen eher Unterstützung als die Mächtigen und so weiter und so fort. Das war natürlich in der Situation ganz, ganz eindeutig, was da passiert. Und ich will die Details hier gar nicht bringen, aber es gab so einen kurzen Impuls, kurz jemanden zum Helden hochzustilisieren. Da war ich da plötzlich in einer schrecklichen Zeitschrift, will den Namen gar nicht sagen, war ich da auf einmal der Held der Woche oder sonst irgendwas. Und da habe ich zu meiner Frau gesagt, du, da kommt jetzt dann als nächstes der Absteiger der Woche, ist doch klar. Und deshalb gehe ich auch mit der Kritik daran, die etwa behauptet, ich hätte da irgendwo ein Hurra-Patriotismus oder sonst was da geübt. Damit gehe ich mittlerweile sehr gelassen um. Das war überhaupt nicht das Thema dort. Aber Sie in Ihrer Rolle als Journalist im Krisenkonfliktgebiet, Sie kommen ja nicht aus dem Nichts, Sie haben ja auch Ihre Prägungen, Sie beziehen ja auch Ihre Informationen, auch Informationen sind nicht neutral oder sind nicht sozusagen ohne einen gewissen ideologischen Gehalt. Inwieweit haben Sie auch eine, das klingt jetzt sehr hochgestochen, aber so etwas wie eine eigene Agenda verfolgt in Ihrer journalistischen Rolle? Oder haben Sie doch versucht, bestmöglich daran festzuhalten, eine unabhängige, neutrale Position einzunehmen? Also ich würde erst mal sagen, ich war nie ein Journalist, bin ich ja nicht mehr, ich war nie ein Journalist, der diesem großen Wort folgt, dass man nie eine eigene Position beziehen darf irgendwo. der bei der BBC war nach dem Krieg und so. Und der hat gesagt, ein guter Journalist zeichnet sich dadurch aus, dass er sich mit keiner Sache gemein macht. Auch nicht mit einer guten Sache. Ich verstehe den Satz. Und ich verstehe den aus der Zeit auch. Nach dem Krieg und Dings und so weiter. Und ich finde es richtig, ein Neutralitätsgebot einzuhalten. Dafür gibt es ja die Regeln, mit wem man redet und so. Nur die Vorstellung, als Mensch keine Position zu beziehen irgendwo, die finde ich absolut absurd. Denn ohne Standpunkt gibt es keine Perspektive auf etwas. Natürlich bin ich da als der, der ich bin. Es ist übrigens gut, das transparent zu machen, aber meine Meinung ist hier nicht entscheidend. Außer man fragt mich nach meiner Meinung. Dann kann ich die ja sagen. Dafür gibt es ja schon handwerkliche Regeln, wie man sowas voneinander trennt. Und das ist mir doch im Wesentlichen gut gelungen. Aber das ist eine bisschen theoretische Geschichte. Darf ich das am Beispiel Kosovo jetzt immer da halten? Das ist auch lang genug her. Also, die Frage, welche Seiten und so. Wir erleben hier, wie immer mehr Militär unterwegs ist. Es war dann die berühmte OSZE-Mission da, die sollte das überwachen. Das war so ein bisschen wie heute in der Ukraine ja kein Krieg, sondern das war ja nur eine Polizeiaktion. Außer, dass da Panzer, Haubitzen, alles im Schwange war. und die OSZE-Mission war nicht in der Lage, irgendwas zu kontrollieren, weil die fahren raus und dann gab es damals einen ganz einfachen Trick, ich weiß gar nicht, ob das schon mal jemand erzählt hat, aber fällt mir gerade ein, nämlich plötzlich stand mitten auf der Straße ein kleines Fähnchen, da stand drauf, Vorsicht, Minen. Und an der Stelle fährt ein OSZE-Beobachter nicht mehr weiter. Das sind oft Militärs oder ehemalige Militärs und so weiter. Verstehe ich auch. Da war natürlich keine Minen, aber so kann man das machen. Und dadurch konnte man dann nicht sehen, was da wirklich passiert. Also ich habe mich verschiedentlich, aber das ist kein Heldentum, sondern das war mein Anspruch, zu sehen, was hier passiert. War, da reinzufahren, dann halt auf anderen Straßen, oft auch inmitten von Kriegsgeschehen und so. Ich weiß noch, in der Trenitzia-Region, da brannten die ganzen Berge, die Dörfer. Und ich fahre da rein und da sind also Panzerkolonnen, die schießen mit speziellen Geschützen, Pragern. Das ist jetzt militärisches Wissen, das hatte ich mir dann halt irgendwo angeeignet, die gezielt Dächer in Brand setzen können. Die schießen also die Dörfer in Brand, nicht unbedingt, um die Leute alle umzubringen, sondern um sie im Wesentlichen zu vertreiben. Das war ja auch der ganze Sinn dieser Aktion. Vor dem Ort war ein großer Lagerplatz, da waren die ganzen Soldaten und da war was sehr interessantes, nämlich Kühlschränke, Fernseher, Couchgarnituren, Betten, Möbel. Da räumte die Soldateska die jetzt freigeschossenen Häuser aus und verteilte die Beute, das waren ja zum Teil damals diese Arkamen, Militionäre und so, also extrem üble Typen. Und das zu sehen, zurückzufahren nach Pristina, da war in diesem sagenhaften Hotel, war ja der Geheimdienst da einquartiert und da war nun auch das Informationsministerium, das serbische, da war ich akkreditiert, gehe ich zum Informationsministerium und sage, ja, was ist denn da los? Warum schießt ihr denn da die Dörfer in Brand? Da sagte der erst mal zu mir, da brennen keine Dörfer. Der dachte ja nicht, dass ich da wirklich war. Ich sage, oh doch, da brennen die Dörfer. Ich komme gerade von da, und zwar die Dörfer A, B, C, D, E, F, G und F. So, und dann sagt er, ach das, nein, nein, nein, das sind nur Manöver. Unsere Panzersoldaten müssen ja irgendwo mal schießen üben. So, und jetzt musst du dich einfach fragen, ist das jetzt eine Berichterstattung? Du sagst, naja, das ist deren Sicht und das ist die andere Sicht. Und dann sagst du, wie bitte? Hallo? Geht's noch? Und da war ich eher von dieser Sorte, bin ich, fürchte ich, bis heute. Das ist eine Temperamentfrage. Natürlich musst du beide Seiten fragen, aber wenn das nun so ist, so zynisch, so kalt und so gemein, ja dann kommst du da nicht weiter. Das kann ich zwar noch erwähnen, aber ich bilde mir trotzdem da mein eigenes Bild und das sah ganz anders aus als die Propaganda damals der serbischen Regierung, das dort wollte. Das führt mich zu einem Thema, das natürlich auch gerade auch für die Gegenwart höchste Relevanz hat. Das ist, wir leben ja in einer Informationssphäre, die jede Menge Reizüberflutungen kennt. Da geht es natürlich auch darum, Medien stehen auch in Konkurrenz zueinander. Über Kriege zu berichten kann natürlich auch da zu einer Konkurrenz führen, hier permanent Aufmerksamkeit zu generieren. Und da ist natürlich auch in der Frage der audiovisuellen Entwicklung, digitale Medien, Social Media ist alles sehr, sehr schnell. Du brauchst eigentlich immer starke Bilder und starke Erzählungen. Inwieweit sind Sie bereit, mitzugehen und wo haben Sie einen Punkt gemacht? Ich war kein Fernsehkorrespondent. Ich habe zwar dann auch fürs Fernsehen berichtet, einfach nur, weil da keiner sonst mehr da war. Aber ich bin Hörfunkmann, das ist tatsächlich ein Unterschied. Dann sprechen Sie ja auch Bilder. Ja, das stimmt, aber das ist eine andere Situation, weil ich das ja aufgrund meiner Einschätzung und so weiter dann entscheiden kann. Die Fernsehkolleginnen und Kollegen, das muss ich ja nochmal erklären, die sind ja arm in Dannen, wenn zum Beispiel in Bosnien, haben sie halt Bilder von irgendwas, wissen aber nicht genau, wer ist das jetzt da? Welche Truppe rennt jetzt da gerade einen Hügel hoch? Waren das jetzt die Kroaten, die Bosnien, die Serben? Das ist manchmal schwer auseinanderzuhalten, zumal das ja im Grunde auch eine und dieselbe Armee gewesen war. Und dann haben sie also Bilder und wissen nicht genau, was passiert. Oder sie haben eine Geschichte, haben aber keine Bilder dazu. Das ist halt das spezielle Problem von Fernsehkolleginnen und Kollegen. Da war ich auch immer froh, dass ich dem nicht unterlag, weil wenn ich eine Geschichte hatte im Sinne von, ich habe mit Menschen gesprochen, ich habe was wahrgenommen usw. und ich habe das journalistisch sorgfältig natürlich recherchiert, dann kann ich es auch erzählen. Das war ein Vorteil. Übrigens ist natürlich auch Hörfunk einfach viel, viel schneller. Und das ist in so einer Zeit, wo die Dinge sich dynamisch entwickeln, ja auch ein Punkt, der gut ist, der mir auch liegt. Ich finde das sehr gut. Das ist das Direkteste und so auch eigentlich das Ehrlichste, was in dem Augenblick passiert war. Natürlich stehe ich als Mensch da, wenn ich jetzt beschossen werde, das ist mir mal passiert, das habe ich nicht drauf angelegt, aber das war dann so. Naja, dann hört man das schon irgendwie an der Stimme und auch an den Hintergrundgeräuschen, dass es ja jetzt gerade zugeht. Das ist klar. Aber dass ich speziell darauf ausgewiesen wäre, jemals da irgendwo das Bumm zu zeigen, das ist mir so nie passiert. Das ist auch etwas, was ich natürlich eher ablehne. Ich habe schon gesagt, die Fernsehleute sind da oft arm, weil die fragt keiner. Die müssen diese Sachen bringen. Wenn ich das mal kurz sagen darf, wir haben ja hier durchaus, wir haben jetzt den Namen noch gar nicht gesagt, aber wir haben ja eine ganz ähnliche Geschichte. Ich war mit einem Konflikt, der nicht Krieg heißen darf und so weiter und so fort. Das ist auch schon ein Muster, was wir nur auch kennen aus der Geschichte. Also da sehen wir ja, wie jetzt plötzlich jede Menge auf Material der jeweiligen Propagandastäbe zurückgegriffen wird. Und was wir im Fernsehen sehen, ist manchmal zu 80 oder 90 Prozent Material aus den entsprechenden Bilderschmieden der Militärs. Also da werde ich natürlich, wenn das nicht entsprechend gekennzeichnet ist, okay, das ist dann eher, also wenigstens steht es irgendwo dran meistens. Aber das müsste man ja sehr, sehr distanziert auch in dem Kommentar zumindest mal noch irgendwie deutlich machen, dass das hier nicht Ergebnis von journalistischer Arbeit ist, sondern wir sind blind und wir kriegen das, was die Propaganda uns zeigen möchte. Das ist nicht nur im Krieg so. Ich habe gehört, das passiert auch manchmal im Gemeinderat in Wallerstedt. Ich hoffe, es gibt kein Wallerstedt, ich habe mir den Namen leider ausgedacht. Aber kommen wir auf einen Krieg zu sprechen, den die allerwenigsten als solchen bezeichnen wollen, nämlich den Krieg gegen Menschen, die ihre angestammte Umgebung aufgrund von Krieg, Zerstörung, Klimakrisen, was auch immer, Hungersnöten verlassen müssen, die aufbrechen, unglaubliche Situationen auf sich nehmen, um beispielsweise Europa zu erreichen. Das Jahr 2004 markiert sicherlich ein ganz besonderes Jahr auch in Ihrer Lebensgeschichte. Das ist auch das Jahr, wo viele Menschen, ohne sie persönlich zu kennen, auch von Ihnen gehört oder gelesen haben. Stichwort Cap Anamur. Sie waren damals Präsident, ein Geschäftsführer einer Hilfsorganisation, einer deutschen unter dem Titel Cap Anamur. Und es gab ein Rettungsschiff im Mittelmeer, das den gleichen Namen trug. Und Sie waren damals unterwegs und haben, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, 37 Menschen, die aus Afrika nach Europa gelangen wollten, konkret auf Sizilien in Italien, aus großer Seenot gerettet und wollten sie in Sizilien an Land bringen. Daraufhin, also sie haben im Grunde genommen das getan, was das internationale Seenotrecht vorschreibt, nämlich Hilfe zu leisten, sie wurden aber dann strafrechtlich verfolgt von den italienischen Justizbehörden. Wir sprechen da vom Jahr 2004, mussten dann sozusagen ein fünfjähriges Verfahren, ein Strafverfahren über sich ergehen lassen wegen Verstoß gegen Einwanderungsgesetze Italiens und sind dann aber im Jahr 2009 freigesprochen worden. Das ist ja ein Konflikt, der sofort auch die Frage aufwirft, erstens inwieweit wir hier von einem Kriegszustand sprechen können oder müssen, beziehungsweise wie verhalten sich Medien. oder müssen, beziehungsweise wie verhalten sich Medien? Ich habe in Erinnerung, Sie haben damals auch mit der Politik versucht, Kontakt aufzunehmen. Der zu dieser Zeitpunkt sozialdemokratische Innenminister Deutschlands hat Ihnen die kalte Schulter gewiesen. Und vielleicht können Sie nochmal ganz kurz rekapitulieren, wo haben Sie mit welchen Mitteln tatsächlich Gehör gefunden? Wie sind Sie damals vorgegangen und welche Erfahrungen haben Sie tatsächlich auch mit Medien gemacht? Also ich war da nicht als Journalist, das habe ich auch immer sauber getrennt unterwegs, sondern hier war ich jetzt in einer anderen Funktion. Also Präsidenten gibt es nur in Österreich. In Deutschland heißt sowas Vorsitzender, Geschäftsführer oder irgendwas. Und tatsächlich einer in Deutschland recht bekannten kleinen privaten Hilfs- und Rettungsorganisation Kapandamur, das sind vor allen Dingen, die machen vor allen Dingen medizinische Projekte in unmittelbaren Krisenzonen, also Emergency Doctors. Und die hatte ich kennengelernt, übrigens im Kosovo. Und nach dem Erlebnis dort hatte ich irgendwie keine Lust mehr, mich journalistisch weiter zu betätigen, weil mir das zu viel Gerede war und zu wenig, was ich selber tun konnte. Also ich bin in Lagen gekommen, jetzt muss ich nochmal ganz kurz zum Kosovo kommen, wo ich einfach mit Leuten sprach, mit Mikrofon und deren Elend war so offensichtlich, dass ich mich schämte, dass ich nicht irgendwas dabei hatte, um diesen Kindern oder den Frauen oder irgendjemandem auch wirklich selber zu helfen. Übrigens, das kennen fast alle Kolleginnen und Kollegen in Krisenzonen. Das ist ein schlimmes Gefühl. Und ich habe dann also angefangen, meinen Dienstwagen mit Belgrader Diplomatenkennzeichen übrigens, vollzupacken mit irgendwas. Mit Nudeln, mit Plastikplan ist das am meisten Gefragte. Wenn man Leute im Regen irgendwo sitzt, mit Nudeln, mit Plastikplan, ist das am meisten gefragte, wenn man Leute im Regen irgendwo sitzen, die haben alles verloren, aber jetzt noch nass werden, ist das Schrecklichste. Also Plastikplan, Reis, Windeln, ich weiß nicht, was ich alles im Auto hatte, Öl. Und irgendwann komme ich da hin in so ein Dorf und habe mein Equipment gar nicht dabei. Und an der Stelle habe ich nachgedacht, wer bist du eigentlich und was machst du hier eigentlich? Journalismus ist das ja offenbar nicht mehr. Und da habe ich dann anschließend mich umorientiert und habe mich für die humanitäre Arbeit sozusagen beworben. Und das war bei Kapan Amur, die ich halt zufällig kannte. Später wurde ich dann da Vorsitzender, war in Afghanistan. Und ja, auf dem Schiff wir haben eigentlich ein Projekt beliefern wollen im Irak damals, über den Hafen Aqaba in Jordanien, ich will jetzt nicht zu weit gehen, aber wir haben ein Schiff gekauft, ein eigenes. Und das Mittelmeer war schon sowas von voll mit Menschen, die in kleinen Booten, das waren zunächst noch Holzboote, später waren das immer mehr dann Schlauchboote, die halt unterwegs waren irgendwie. Und das haben wir in dieser Größenordnung auch nicht gewusst. Ich auch nicht. Das kann man ja auch naiv finden, aber so war's. Klar war nur, dafür stand auch mein Kapitän Stefan Schmidt, mein Lieblingskapitän aller Zeiten und Weltmeere, sage ich immer so. stimmt aber auch. Der hat gerade übrigens letzte Woche das Bundesverdienstkreuz gekriegt in Lübeck, in seiner Heimatstadt. Das ist ja alles interessant, wie solche Dinge da bewertet. Also wir sind volle Kanone in die Festung Europa reingekracht mit diesem Schiff. Und das war so nicht der Plan. Ich wollte auch nichts Konfrontatives, aber es musste doch klar sein, Menschen in Not, die man irgendwie findet, natürlich helfen wir denen. Und ich hätte mir nicht vor Plan. Ich wollte auch nichts Konfrontatives, aber es musste doch klar sein, Menschen in Not, die man irgendwie findet, natürlich helfen wir denen. Und ich hätte mir nicht vorgestellt, dass man uns da jetzt so behandelt, also elf Tage dieses Schiff, ich meine 37, das muss ich mir vorstellen, das ist ja lächerlich. Mit 37 Leuten machen die eine Staatsaffäre und dann wurden die Leute also nicht von Bord gelassen. Das ist immer das gleiche Muster. Dadurch entsteht auf den Schiffen, die retten nicht von Bord gelassen. Das ist immer das gleiche Muster. Dadurch entsteht auf den Schiffen, die retten, eine ganz schwierige Situation. Die Lage da eskaliert erheblich. Auch die Stimmung zwischen den Geretteten, der Besatzung und alles ist sehr, sehr schwierig. Und nach elf Tagen haben wir dann gesagt, so und jetzt fahren wir in den nächsten Hafen rein. Wir lassen uns hier nicht mehr länger hinhalten unter Bezug auf die geltenden Rechtsvorschriften. Dieser Punkt, Sie haben mich vorhin gefragt nach persönlicher Motivation, also der ist mir wichtig. Wenn ich erlebe, wie ein Staat, ein Staatenverbund, die Europäische Union, eine Gesellschaft usw. gegen ihre eigenen Regeln verstößt, die eigenen Gesetze missachtet und permanent Dinge tut, die auch gar nicht erlaubt sind, abgesehen davon, dass sie menschlich ganz schrecklich sind. Das ärgert mich. Und das ist eine Heuchelei. Das ist vielleicht etwas Persönliches. Die kann ich überhaupt nicht leiden. Und da gehe ich sehr dagegen. Aber Entschuldigung, trotzdem sind wir im Knast gelandet und das Schiff ist beschlagnahmt worden. Ein einziges Desaster. Die Leute haben sie aus dem Land gedroschen, Italien damals. Und übrigens von diesen 37, das habe ich dann ein Jahr später gehört, ist einer der Geretteten bei seinem nächsten Versuch, nach Europa zu kommen, dann fast an derselben Stelle doch noch ertrunken, wo wir ihn ein Jahr zuvor gerettet hatten. Ich habe dem dann mein Buch über diese Sache gewidmet, was kann ich tun. Aber da ist mir klar geworden, dass dieser Anspruch, Leute fernzuhalten, so groß und so mächtig und so wichtig ist, dass man sie gern auch immer wieder wegschiebt, damit sie bei den fortlaufenden Versuchen doch noch in Sicherheit zu kommen und etwas zu genießen, was wir ihnen hier versprechen. Asyl. Dass wir gerne in Kauf nehmen, dass sie dann bei diesen Versuchen doch noch irgendwann wegbleiben. Und das sind Tausende und Zehntausende Tote an unseren Grenzen, die wir anscheinend als Normalität hinnehmen sollen. Und da bin ich einfach nicht dabei. Und deshalb, als mir klar wurde, wir stehen jetzt in einem Prozess, lang anhaltend, und hörte den Staatsanwalt mit seinem Plädoyer, das war ein Dokument des Wahnsinns aus meiner Sicht. Wir haben später festgestellt, es war ein gefälschter Dokument, es waren Falschaussagen von hohen Beamten, auch aus dem deutschen E-Ministerium. Also sagenhaft. Und da sind wir da raus und haben gesagt, okay, wir stehen in einem politischen Prozess. Das hätte ich mir nicht vorgestellt. Naiv vielleicht, ja. Und habe dann versucht, gemeinsam mit dem Stefan, dass wir halt möglichst gute politische Angeklagte sind. Im Sinne von immer wieder auf der Sache bestehen. Aber dass wir am Ende mit einem Freispruch davon gekommen sind, war dennoch eher ein Glück. Und andernfalls würde ich hier nicht sitzen. Also das war schon ganz klar so gedacht. Menschen, die sowas machen, das sind ja vor allen Dingen Fischer, die dazukommen und sehen dann so ein Boot und die sollen nicht helfen. Und die, die das machen, die werden mit der Auslöschung ihrer, sagen wir mal, bürgerlichen Existenz bedroht. Und in vielen Fällen funktioniert das auch. Bei uns war es nicht so, obwohl ich schon sagen kann, wir hatten da auch gewisse Nachteile. Aber aus meiner Sicht ist das der Preis, den du dann zahlst, wenn du deinen Überzeugungen da treu bleiben möchtest. Und wie sich dann erweist im Laufe der Jahrzehnte, gibt es dann auch so komische Um... Also ich sage noch mal, Bundesverdienstkreonto habe ich nicht. Ich habe Menschenrechtspreise bekommen. Aus der Zivilgesellschaft, ganz andere Sache, einen staatlichen Preis anzunehmen. Da habe ich ein Riesenproblem. Weil wenn der Staat, die Gesellschaft, die EU und so weiter, seinen Verpflichtungen genügen würde, dann bräuchte es all die, die jetzt, wir freuen uns sehr darüber, die jetzt unterwegs sind im Mittelmeer und auch persönlich was riskieren, die bräuchte es ja dann gar nicht. Und da lasse ich mir doch nicht von so einem Minister irgendwas anhängen. Der soll mal schön heimgehen und in den Spiegel schauen. Das ist meine ehrliche Meinung. Dass der viel mehr Geld verdient als ich und dass der ein großes Auto fährt und so weiter, das ist eine Sache. Das sind ja nicht alle schlechte Menschen, das ist ja auch klar. Aber wir stehen auch zu dem, was wir da getan haben und freuen uns, wenn das immerhin einen Anstoß gegeben hat, da genauer hinzuschauen. Es ist ja interessant, dass ein bisschen weniger als eineinhalb Jahrzehnte ebenfalls eine Retterin des Mittelmeers med medial für großes Aufsehen gesorgt hat, Kapitänin Rakete, ist uns allen ein Begriff, vor allem auch natürlich schon vor dem Hintergrund von Social Media. Natürlich die Anfeindungen sind auch hochinteressant, die sind ja sehr stark sexualisiert und auch gegen sie als Frau, die quasi jetzt auch selber gewisse alternative Lebensmodelle bevorzugt und deshalb auch sehr stark in Anfeindungen gerät. Aber wie bei Ihnen, so auch bei ihr und bei vielen anderen, es ist interessant, dass es sehr stark mediatisiert ist, was zum einen für große Solidarität sorgt, das ist ja begrüßenswert, aber auf der anderen Seite natürlich auch sehr, sehr viel Sentiment schürt, Hass und Diffamierung. Deshalb möchte ich nochmal ganz kurz noch mal stärker fokussieren auf diese Rolle und Verantwortung der Medien. Sind Sie da der Meinung, dass Medien eigentlich im Sinne von Humanismus, Menschenrechte und ihrer Universalität eigentlich den Konflikt zu sehr scheuen, dass sie hier auch quasi jemanden, der in Konflikt tritt, zu unterstützen oder selber auch sagen, diesen Konflikt, den leiste ich mir, den brauche ich für mich auch als Journalist oder als Journalistin. Hat sich da sowas wie eine große Feigheit eingeschlichen? Puh, das sind immer so ganz große... Also wir haben zum Beispiel zu einem bestimmten Zeitpunkt, als wir festhingen mit dem Schiff, dann gesagt, okay, was können wir machen? Öffentlichkeit. Wir haben also gesagt, wer immer an Bord kommen will, und es wollten viele, viele kommen, haben gesagt, kommt. Wir werden niemanden verweigern, dieses Schiff zu betreten. Journalisten, willkommen und ihr berichtet in eurer eigenen Verantwortung. Ich kann das nicht kontrollieren und gar nichts, ich kenne euch nicht, ich kann nur hoffen, dass ihr das, was ihr seht, auch treulich berichtet und mit den Leuten redet und so weiter, damit wir hier eine Lösung finden. Das ist ja im Grunde der Punkt. Und eine Lösung gibt es nicht ohne das Bewusstsein. Also die Gesellschaft muss wissen, was da wirklich passiert. Und praktisch alle, bis auf einen, haben das absolut gut gemacht. Die waren oft tagelang da, die haben auf den Fluren, auf den Bänken irgendwo gelagert und haben berichtet. In Sprachen, die wir ja gar nicht sprechen, also das konnte ich nicht kontrollieren. Aber die Killergeschichten, die kamen ganz woanders her. Die kamen auf einmal aus meiner eigenen ARD, für die ich ja lange Jahre auch als Korrespondent gearbeitet hatte, völlig unvermutet. Und das waren eindeutig lancierte, aufgesetzte Geschichten, um uns kaputt zu machen. Und das hat ja dann auch irgendwie funktioniert. Was soll ich jetzt dazu sagen? Die Medien. Also im Prozess war das ja sehr interessant und sehr wichtig, bis zum heutigen Tage. Alle Journalisten, die an Bord waren, die haben das halt richtig gesehen. Und die anderen hatten halt ihre Meinung, haben zum Teil auch Material gekauft und das dann umgedreht. Also das sind alles unappetitliche Details. das vorhin schon mal kurz angesprochen. Das bewegt mich sehr. Wir hier leben in einer Kultur der Gewalt. Auf allen Ebenen. Klimawandel, wer ist schuld? Nicht die Schweizer, sondern eben unser Konsum. Wenn wir diesen Lebenswandel aufrechterhalten wollen, das ist nur ein Beispiel, dann wird das zu immer mehr Gewalt und immer mehr Toten führen. Wir versuchen das einfach zu verteidigen mit sehr unschönen Mitteln, die Pushbacks und all diese Sachen. Das ist ja keine neue Erfindung, das haben wir schon dokumentiert. 2005 war ich da schon im Mittelmeer mit Pro Asyl damals aus Deutschland unterwegs. Wir haben das sehr genau alles dokumentiert, was da passiert. Da werden Leute ermordet, Entschuldigung. Das sage ich nicht leichtfertig. Und das wollen wir eben normal finden, wir wollen auch nicht hinschauen. daran etwas verändern. Ich habe ja gesehen, dass mein sehr, sehr geschätzter Kollege Rainer Steinweg, den ich kenne von der Arbeit auf der Friedensburg Schleining, ein großer, großer alter Mann mittlerweile in der Friedensszene in Österreich und jemand, der speziell auch immer verfolgt hat, die Sprache anzuschauen. Die Gewalt, die in der Sprache ist, in der Art, wie wir, weil ganz viele Begriffe kommen aus dem Militärischen, wir machen uns das gar nicht so richtig klar. Ich meine jetzt mich mit. Und er ist da jemand, der sehr weit ist darum, darf ich auch den Zuschauerinnen und Zuschauern sagen, dann dürfen sie schon gespannt sein. 9. November, da haben wir den kleinen Trailer gleich mit eingebaut. Also das sind die Wege, die wir hier beschreiten müssen und können. Und es gibt einen anderen Kollegen, den ich sehr, sehr schätze, den Politologen Thomas Reutner. Auch den kenne ich aus dem Kontext der Friedensarbeit da in Schleining. Und der hat immer schon gesagt, der Krieg ist ja das letzte Mittel. Das heißt es ja immer so, ich glaube, das ist Klausewitz, wahrscheinlich. Warum reden wir so wenig über die vorletzten Mittel? ist ja das letzte Mittel, das heißt es ja immer so, ich glaube, Klausewitz, wahrscheinlich. Warum reden wir so wenig über die vorletzten Mittel, über das, was davor ist? Warum sprechen wir nicht darüber, was wir tun können, damit es eben nicht dahin eskaliert? Und da ist leider, zeigt sich gerade jetzt auch, jetzt rede ich mal wieder von Deutschland, das ist ja mein Heimatland, man hört es eh, aber bekennen wir es gleich. Und wenn ich da einen sozialdemokratischen Bundeskanzler, den ich wage, aber persönlich auch mal kennengelernt habe, sehe, wie der sich hinstellt und quasi ruft, und jetzt werden wir ein 100-Milliarden-Euro-A Aufrüstungspaket. Da weiß ich ja, der ist auf einer völlig falschen Fahrt. Und seine Außenministerin, eine beachtliche junge Frau, Annalena Baerbock, ja, Entschuldigung, ich erwarte von der Chefdiplomatin, dass sie mir was erzählt über die diplomatischen Bemühungen, dass sie sie zumindest betreibt. Aber was macht die? Die redet pausenlos über Waffen, wie viele Geschütze irgendwo hin müssen. Und das ist doch wirklich deprimierend und zeigt das nochmal. Wir haben keine wirkliche Entschlossenheit und Kultur für eine präventive Friedensarbeit. Stattdessen schauen wir alle, wie verrückt, und da hin ist ja auch schön. und die Deutschen verkaufen auch gerne ihre Waffen irgendwo hin. Es soll auch in Österreich Firmen geben, die da profitieren wollen, habe ich gehört. Jedenfalls das ist wirklich traurig und wie wir sehen, absolut ungenügend. Wo ist die Entschlossenheit? Wo ist das Geld? Wo ist die große Stimme dafür, dass wir anders, friedlicher miteinander umgehen. Das ist ein Wort, was ich von einem ganz großen Österreicher mal so im Gespräch gehört habe, von Robert Jung, dem großen Friedensforscher und Zukunftsforscher. Du durftest ihn persönlich kennenlernen. Ja, ich auch. Genau, und der hat dann nämlich zu mir, ich habe den damals gefragt, der war schon sehr alt, kurz danach ist er gestorben. Wir müssen noch ganz kurz nachdenken. Ich wollte nur sagen, den habe den damals gefragt, der war schon sehr alt, kurz danach ist er gestorben. Ich wollte nur sagen, den habe ich gefragt, gibt es eine Botschaft, die Sie der jungen Generation als Ihre Philosophie hinterlassen wollen? Und da hat er sofort gesagt, ja, wir müssen lernen, freundlicher miteinander umzugehen. Und das ist sehr, sehr wahr und sehr weise, sagt heute der Opa Elias Biedl, der hier bei DorfTV sitzt. Ja, vielleicht darf ich ganz kurz noch erkämpfen, Österreich und Rüstungs- und Waffenproduktion, wir sind gut im Geschäft. Ich kann unter anderem darauf verweisen, dass wo immer Kriege und militärische Konflikte ausgefochten werden, sehr zum Leidwesen vieler Menschen, immer sogenannte Antipersonenminen aus österreichischer Provenienz im Einsatz sind. Das ist etwas, worüber Medien kaum oder gar nicht berichten. Das wollen wir auf jeden Fall mit der Sendereihe auch ein bisschen durchbrechen. Vielen herzlichen Dank, Elias Birtl, dass Sie heute bei uns waren. Wir sind am Ende der Sendezeit. Das ist immer viel zu kurz. Auf alle Fälle ist das auch ein wichtiger Anstoß heute gewesen, auch entsprechend motiviert mit dieser Sendereihe weiterzumachen, das auch weiterzutragen. Großes Dankeschön natürlich auch wie immer an die Zuseherinnen und Zuseher von DorfTV, die wieder mit Interesse dabei waren. Ich darf wie immer mit dem Ersuchen schließen, bleiben Sie dem Sende ihres Vertrauens, nämlich DorfTV auch weiterhin gewogen. In diesem Sinne wünsche ich noch einen schönen Abend und auf Wiedersehen. you