Wir werden Lisa Maria nie vergessen. Es geht heute um die Erinnerung an eine bemerkenswerte Frau. Jeder von euch hat seine spezielle Erinnerung an Lisa Maria. Und ich rufe euch dazu auf, diese Erinnerung in den kommenden zwei Minuten an Lisa Maria Kellermeyer zu denken. Frau Brotesser, Sie haben die heutige Mahnwache organisiert und doch eine ganze Menge Menschen hierher bewegt. Was soll uns, beziehungsweise was muss uns aus dem tragischen Tod von Lisa Maria Kellermeyer Mahnung sein? Dass wir Menschen, die bedroht werden, viel mehr wahr und ernst nehmen. Dass wir das nicht mehr runterspülen, ja, ist ja nur eine Mail, ist ja nur das Internet. Wir sehen, die Bedrohungen gehen ins echte Leben rüber. Und was solche Bedrohungen, wenn man dann alleine gelassen wird von den Behörden, wenn man verleumdet wird, dann mit einem Menschen machen, vor allem mit so einem starken Menschen wie mit der Lisa Maria, das sollte uns wirklich eine Meinung sein. Sie hätte viel mehr Unterstützung gebraucht, damit sie nicht den Weg wählen muss. Dieser Hass, die Hetze, die letztlich dazu geführt haben, ist ja nicht aus heiterem Himmel gefallen, das hat sich in dieser Gesellschaft aufgebaut. Was läuft denn Ihrer Meinung nach falsch? Es sind meiner Meinung nach nur ganz, ganz wenige, die dermaßen viel Hass verbreiten. Sie sind aber einfach die letzten zwei Jahre durch die Demos und so bestärkt worden, weil Menschen mitmarschiert sind, weil man einfach das akzeptiert hat, dass es da diesen Bodensatz der Gesellschaft, nennen wir es einfach, gibt. Und man hätte schon viel früher sagen müssen, nein, so geht es nicht. Man kann Kritik üben, man kann eine andere Meinung haben, aber solche Menschen akzeptieren wir nicht. Die sind gesellschaftsunfähig. Und das ist nie gekommen. An wen genau richten Sie Ihre Kritik? An die Politik. Vor allem, also in erster Linie an die Politik. An die Politik, vor allem in erster Linie an die Politik. Es ist nie wirklich rigoros dagegen vergangen worden, gegen die Hetzer. Kritik geht natürlich auch an die Polizei in Oberösterreich, die da zu wenig ermittelt hat. Also ich weiß, ich bin kein Profi, ich habe keine Ahnung, welche Kompetenzen das da haben, aber es muss Mittel und Wege geben, um Anteil zu nehmen. Es ist in erster Linie eine menschliche Tragödie. Und es ist mir einfach persönlich tatsächlich ein Anliegen, da gemeinsam mit anderen Menschen Anteil zu nehmen. Erstens bin ich persönlich betroffen, wenn ein Mensch mit solchen Drohungen, einem solchen Hass in persönlichen Botschaften in Wahrheit in den Tod getrieben wird. Und es ist heute ein Zeichen der Solidarität und des Mitgefühls. Und auch ein Zeichen, dass wir so eine Hetze weder im persönlichen Bereich noch im Online-Bereich akzeptieren und auch nicht akzeptieren werden und wollen. Ich habe zuvor mit Daniela Prodesser gesprochen, der Organisatorin der heutigen Mahnwache. Sie hat die Kritik in erster Linie an die Politik gerichtet. Wie können Sie als Politikerin diese Kritik aufgreifen? Welche Schlüsse ziehen Sie aus diesem tragischen Tod? Welche Schlüsse ziehen Sie aus diesem tragischen Tod? Ich meine, es ist in so einer Situation, muss in erster Linie natürlich das Menschliche im Vordergrund stehen, aber natürlich muss man sich auch damit beschäftigen, wie die Behörden handeln, was politische Rahmenbedingungen sind, die es nicht schaffen, so eine Tat auch zu verhindern. Da geht es in erster Linie, finde ich, darum, die bestehenden Gesetze, da geht es um Hass im Netz, auch zu nutzen, auch Personal zu schulen, solche Dinge zu ahnden. Ich glaube, wenn solche Drohungen monatelang passieren und einen Menschen in den Tod treiben, dann wurde offenbar nicht genug getan, um eine Person persönlich zu schützen. Und darüber muss man sich, glaube ich, auf der rechtlichen Seite Gedanken machen. Also welche Lücken gibt es da noch, die wir schließen müssen? Und auf der anderen Seite müssen sich aber die Ermittlungsbehörden schon auch die Frage gefallen lassen, was sie verabsäumt haben. Und es ist offenbar nicht genug geschehen. Wir müssen alle anerkennen und viel mehr anerkennen, dass Hass im Netz tatsächlich eine Bedrohung ist. Ich glaube, das ist bei vielen noch nicht so angekommen. Da geht es ganz viel um Bewusstseinsarbeit. Da geht es ganz viel darum, dass wir auch aufeinander schauen. wieder in Diskurs zu kommen, zu diskutieren, nicht diese zum Teil anonymen Hassgeschichten im Netz zuzulassen, beziehungsweise da auch einzugreifen. Da sind wir alle gefordert, auch die Politik natürlich, aber in letzter Konsequenz sind wir alle gefordert, unseren Beitrag zu leisten. Mit dem Andauern der Pandemie haben wir kennengelernt Impfgegnerschaft, Corona-Leugnung, Antisemitismus, sehr viel Hass, sehr viel Hetze, vor allem gegenüber jenen, die die Maßnahmen befürworten. Jetzt ist es zu diesem tragischen Tod gekommen. Was läuft denn falsch in dieser Gesellschaft? Ich glaube, dass einfach viele Regierende und Verantwortliche in dieser Pandemie viel Vertrauen verspielt haben. Und ich glaube, dass Klarheit, Vertrauenschaft und eine klare Linie in der Bekämpfung der Pandemie hat einfach in den letzten Jahren gefehlt. Die Richtung wurde zu oft verändert und dieses verlorene Vertrauen merken wir in diesen radikalisierten Gruppen. Aber diese Netzwerke muss man ernst nehmen und einem muss man entgegenhalten, dass wir so eine Hetze und so ein Aufwiegeln nicht akzeptieren, sondern dass wir als demokratische Mehrheit auf der Seite der Vernunft stehen. Die vergangenen Monate waren zugegeben sehr trügerisch, weil wir alle den Eindruck hatten, dass Corona sei ja schon halbwegs gegessen. Es habe sich beruhigt. Tatsächlich offenbaren sich gerade in diesem tragischen Fall die Verwerfungen auch in unserer Gesellschaft. Dieser Hass, der nicht von irgendwo herkommt, gerade auch Impfgegnerschaft, Corona-Leugnung, Antisemitismus, das vermischt sich zu einem Amalgam, das tatsächlich auch tödliche Folgen haben kann. Was können denn Sie als Politikerin für Schlüsse daraus ziehen? Müssen wir da jetzt noch einfach weiterdenken, einfach Probleme, Konflikte auch mehr beim Namen nennen? Wie kann das geschehen, etwa auf der Ebene der Landespolitik? Ja, da gibt es eine Reihe an Schlüssen, die eh auch gezogen werden. Es ist ja jetzt nicht so, dass in der Vergangenheit nicht versucht wurde, auch wieder dieses berühmte Gräbenzuschütten ist so eine Floskel, aber in Wirklichkeit geht es darum, dass man aufeinander zugeht, eben diesen Diskurs, nämlich im wahrsten Sinne des Wortes, widersucht, miteinander redet, vor allem einander auch zuhört. Man muss ja nicht immer einer selben Meinung sein, aber man kann vielleicht einander zuhören und versuchen zu verstehen, was auch Ängste oder Bedenken oder Sorgen einer anderen Meinung sind. Und da muss Politik in Wirklichkeit ein Vorbild sein. Und das ist sicher etwas, wo die Politik auch noch zu tun hat, auch im Diskurs miteinander, nämlich auch untereinander der Parteien, hier mehr Vorbild zu sein, dass wir mehr aufeinander zugehen, zuhören und versuchen, Dinge zu diskutieren. Wie gesagt, es muss ja nicht immer so sein, dass man der gleichen Meinung ist. Es kann ja auch eine unterschiedliche Meinung stehen bleiben und man kann sich dabei trotzdem respektieren. Und das ist, glaube ich, das Wichtige, dass man den Respekt voneinander nicht verliert. Ich glaube, man muss jetzt einfach nüchtern und ganz klar analysieren, was ist da falsch gelaufen und das auch gemeinsam mit den zuständigen Ermittlungsbehörden, damit auch miteinander das Polizeidirektion aufarbeiten und Verbesserungen einleiten, wenn man draufkommt, dass man hier nicht genug getan hat. Sie haben in Ihren kurzen Worten zu Beginn dieser Mahnwache davon gesprochen, das muss ein Ende finden. Jetzt sind hier viele Menschen hier am Taubenmarkt, viele Menschen aus der Zivilgesellschaft. Was kann denn die Zivilgesellschaft tatsächlich auch leisten? Was können die Menschen hier auch beitragen, damit es besser wird? Ernst nehmen, wenn irgendwer sagt, ich kriege Drohmails, ich werde beschimpft. Nicht, auf gut Deutsch gesagt, anschasseln. Nicht sagen, nein, das ist nur das Internet oder lese es einfach nicht. Sondern ernst nehmen, wahrnehmen. Wenn man zum Beispiel nicht weiß, wo man sich hinwenden kann, zusammenhelfen. Es gibt viele Vereine, die sich gegen Hass im Netz wenden. Die Menschen begleiten, zeigen, dass sie nicht Erlass haben. Das ist, glaube ich, das Einfachste, was jede und jeder von uns machen kann. Jetzt.