Herzlich willkommen zur Marianne von Willemmer Preisverleihung. Ich freue mich sehr über Ihr Kommen und Ihr Interesse. Ihr Interesse an unserer Preisträgerin Cornelia Hülmbauer und darüber, dass Sie heute mit uns feiern werden. Frau Hülmbauer ist Preisträgerin 2021. Sie ist und bleibt unsere Preisträgerin des Jahres 2021. Aus allseits bekannten Gründen mussten wir die Veranstaltung vom Herbst auf heute verschieben. Umso größer ist die Freude auf ein Wiedersehen und einen gemeinsamen Abend. Mein Name ist Jutta Reisinger, ich bin die Frauenbeauftragte der Stadt Linz und darf stellvertretend für das Team im Frauenbüro heute durch den Abend führen. Tatkräftig unterstützt werde ich dabei von vielen. Sehr sichtbar ist Frau Mag. Stefanie Gunisch. Vor allem werde ich aber unterstützt von den Kolleginnen im Frauenbüro. Es sind die Roswitha Magauer, Marlene Katusch und Laura Schachner. Ich danke euch für eure Organisation und alles. Danke. Die drei arbeiten im Hintergrund und ziehen die Fäden für diese Veranstaltung. Musikalisch begleitet wird der Abend vor allem der Teil nach dem offiziellen Teil von Andaka. Im Sinne der Vernetzung, und dieser soll dieser Veranstaltung auch dienen, darf ich ein paar Besucher und Besucherinnen persönlich begrüßen. Ich freue mich sehr, den dritten Landtagspräsidenten Peter Binder bei uns zu begrüßen. Herzlich willkommen. den dritten Landtagspräsidenten Peter Binder bei uns zu begrüßen. Herzlich willkommen. Außerdem begrüße ich ganz herzlich die Landtagsabgeordneten Frau Magistra Dagmar Engl und die Landesfrauenvorsitzende Renate Heitz. Herzlich willkommen. Und die Landesfrauenvorsitzende Renate Heitz, herzlich willkommen. Für die Stadt Linz begrüße ich ganz herzlich Frau Vizebürgermeisterin Karin Hörzing, herzlich willkommen. Und Frauenstadt-Rettin Mag. Eva Schobesberger. Ich freue mich auch sehr, dass heute einige Gemeinderätinnen bei uns sind. Ich darf diese en bloc begrüßen. Ich begrüße ganz herzlich Stefan Pirz, Helge Langer, Tomislav Pilipovic, Frau Magistra Ekova Stojanova-Rosica und Zeljko Malesovic. Guten Tag. und Zeljko Malesovic. Guten Tag. Außerdem begrüße ich ganz herzlich eine ehemalige Gemeinderätin, Frau Erika Rockenschaub, die als Wegbereiterin für den Marianne-von-Willemer-Preis eine große, wichtige Rolle spielt. Herzlich willkommen. Für den Magistrat der Stadt Linz begrüße ich ganz herzlich Frau Personaldirektorin Brigitta Schmitzberger. Schön, dass du da bist. Applaus Stellvertretend für die Jury und die Jurorinnen freut es mich, Sabine Weißensteiner zu begrüßen. Applaus Jurorinnen, freut es mich, Sabine Weißensteiner zu begrüßen. Sie wird heute auch noch als Laudatorin in Erscheinung treten, schon jetzt danke dafür. Und natürlich freut es mich, unsere Preisträgerin begrüßen zu dürfen, Cornelia Hülmbauer. Herzlich willkommen. Sie ist zweifellos der Stargast des heutigen Abends. Ich heiße Sie alle, jede Einzelne und jeden Einzelnen herzlich willkommen. Schön, dass Sie da sind und ich begrüße auch alle Zuseherinnen, die wir DorfTV dabei sind. Danke für Ihr Interesse. Soviel vorerst von meiner Seite. Ich freue mich nun auf die offizielle Begrüßung durch Frauenstadträtin Mag. Eva Schubesberger. Ja, ich darf Sie als Frauenstadträtin heute sehr herzlich begrüßen. Guten Abend. Ich möchte gern auch noch zwei, drei andere Worte verlieren. Zuallererst freue ich mich sehr, dass wir heute überhaupt wieder hier sein können und gemeinsam feiern können. Also wir haben diese Veranstaltung ja auch verschoben und diese Entscheidung war ganz bewusst. Also wir wollten nicht absagen, sondern tatsächlich verschieben, weil wir der Meinung waren im Team des Frauenbüros und ich, dass sehr einhellig, dass wir unserer Preisträgerin natürlich die Bühne bieten wollen, die ihr auch zusteht. Also daher sind wir heute da und haben diese Veranstaltung verschoben. Ich möchte mich auch vorweg gleich bei dir, Jutta, und deinem Team bedanken, weil das Verschieben von einer Veranstaltung von einem zum anderen Termin ist nicht nur doppelte Arbeit, sondern in Wahrheit mindestens dreimal so viel Arbeit, wenn man nicht zuerst alles plant, organisiert, dann alles absagt und dann noch einmal plant und organisiert. Und ihr habt es, wie immer, hervorragend gemacht. Also vielen Dank für das, was ihr so unterm Jahr leistet und heute ganz besonders für die Vorbereitung für diese Veranstaltung und natürlich auch, dass die Jury-Sitzung stattfinden kann und so weiter und der Preis überhaupt. Also herzlichen Dank an euch vier Jutta Reisinger. Ich sage jetzt nur einmal alle Namen. Hinten steht die Laura Schachner, die neu im Team ist, die Roswitha Magauer, die Sie in den letzten Jahren auch schon kennengelernt haben und die Marlene Kartusch zu ihrer Seite. Also die drei Damen, die da hinten stehen, sind neben Jutta Reisinger das Team im Frauenbüro, das diesen Abend heute möglich macht. Diese beiden Jahre, in denen jetzt kaum Veranstaltungen stattfinden haben können, waren natürlich für uns alle fordernde Jahre, aber ganz besonders fordernd waren diese Jahre für die Branchen wie eben den Kunst- und Kulturbereich. Also daher bin ich auch wirklich froh, dass wir heute da sein können. Ganz besonders fordernd war das aber auch für Frauen. Also diese beiden Jahre haben zu Tage gebracht, dass wir klass für die Homeschooling zuständig sind, für den Haushalt zuständig sind und so weiter und da bis zu vier-, fünffach Belastungen in Kauf nehmen. massiv der Fall war. Also These 1, es ist durch Corona und diese spezielle Situation entstanden. These 2, es war eh vorher auch schon so, weil wir uns in einer Phase des Backlashes befinden und es ist einfach nur verstärkt zutage getreten. Also bis hin, dass wir massive Gewaltdelikte zu verzeichnen haben und wenn ich richtig mitgezählt habe, auch heuer bereits den neunten Femizid, also die neunte Frau, die ermordet wurde von ihrem Partner, Ex-Partner oder einem anderen Mann in der Familie. Also das sind katastroph nicht sicher, welche der beiden Thesen richtig ist. Vielleicht können wir das im Anschluss auch noch diskutieren. Fakt ist aber, dass Frauen besonders getroffen waren jetzt in den letzten beiden Jahren und dass es besonders für Frauen schwer war. Also diese massive Schieflage, die wir haben zwischen den Geschlechtern, die hat es jetzt noch einmal verstärkt abgezeichnet. Also Frauen sind dort, wo es um Sorgearbeit geht und außerhalb der Klatschphase ist sie natürlich meistens auch noch schlecht bezahlt und schlecht bewertet und ungedankt. Frauen sind überall dort, wo es um Macht und Geld geht und genau das ist jetzt unsere Aufgabe, da dagegen anzukämpfen und gegenzusteuern. dagegen anzukämpfen und gegenzusteuern. Wie gesagt, ich freue mich daher besonders, dass wir heute diesen Frauenliteraturpreis verleihen können und noch dazu an eine so hervorragende Künstlerin und für ein Werk, das genau da ansetzt, nämlich Rollenbilder aufbricht und gegen tradierte Rollenbilder auch anschreibt. Also die Protagonistin in diesem Werk ist eine selbstbewusste junge Frau, die in einer Autowerkstatt lebt, aber ich will das jetzt gar nicht zu sehr spoilern. Ich glaube, dass es nicht besser am Punkt sein könnte und bedanke mich sehr herzlich bei der Jury für die Auswahl dieser Preisträgerin und dass wir heute ihnen den Preis übergeben können. Die Jury, Jutta Reisinger hat es schon genannt, Sabine Weißenstein, ich bin nur mehr stellvertretend für alle bei dir bedanken. Du wirst die Laudatio daran halten. Ich möchte vielleicht an der Stelle noch einmal betonen, also die Namen sind ja schon gefallen. Wir versuchen, dass wir die Jury tatsächlich immer breit die Buchbranche insgesamt abbilden, also eine Vertreterin haben, die für auch schon mehrfach gemacht hat. Sie ist die Leiterin des Adalbert-Stifter-Instituts, die Sabine Weissenscheiner, die Stellvertretin für den Buchhandel in der Jury ist. Sie ist die Inhaberin der Buchhandlung Fürstlberger und wo er neu in der Jury war, die Vertreterin des Verlagswesens, die Leiterin des Residenzverlags, die Claudia Romeda. Also ich freue mich sehr auf den heutigen Abend die Leiterin des Residenzverlags, die Claudia Romeda. Ich freue mich sehr auf den heutigen Abend und möge uns die Protagonistin im Werk inspirieren. Wir haben viel zu tun, aber heute geht es einmal darum, dass wir feiern, unsere Preisträgerin feiern und auch ein bisschen feiern, dass wir wieder beieinander sein können. Ich wünsche uns einen schönen Abend. Wie Sie alle wissen, wird heute der Marianne von Willemmerpreis in der Sparte für Literatur verliehen. Wir dürften uns 2021 über insgesamt 74 Einreichungen freuen. Diese Anzahl sehen wir als Anerkennung für den Preis und als Zeichen dafür, wie wichtig und bedeutend er noch ist, nach wie vor ist. 74 Einreichungen sind nicht nur eine anregende Lektüre, sondern für unsere Jurorinnen auch eine Menge Arbeit. belegende Lektüre, sondern für unsere Jurorinnen auch eine Menge Arbeit. Auch von meiner Seite noch großer Dank an die Jury und unsere drei Expertinnen und Fachfrauen, die sich wieder engagiert haben und bereit waren, diese Aufgabe zu übernehmen. Wir haben einen spannenden Mix. Die Frau Stadträtin hat es schon angekündigt. Vertreterinnen aus Wissenschaft, Verlagswesen und Buchhandel haben beraten. Sie haben alle 74 Einreichungen wirklich gewissenhaft gelesen, durchgearbeitet und ich kann aus der Jury-Sitzung bestätigen, wie immer sehr konsequent und sehr wertschätzend alle Einreichungen diskutiert. Sie sind schließlich zu einem einstimmigen Ergebnis gekommen. Sie waren alle von und sind alle von der Qualität der Einreichung Ö30 von Cornelia Hülmbauer überzeugt. Ihre Wahl haben sie folgendermaßen begründet. ein sprachlich und formal sorgfältig gebauter und sehr origineller Text gelungen. Mit großer Leichtigkeit erzählt uns die Autorin von dem Leben einer jungen, selbstbewussten Frau in einer Autowerkstätte, ohne dabei gängige Klischees zu bedienen. Besonders gelungen fand die Jury die Lakonie der Momentaufnahmen, die einen erzählerischen Bogen über die Jahre des Heranwachsens in einem männerdominierten kleinen Kosmos spannen. Cornelia Hülmbauer werden Sie auch gleich persönlich kennenlernen. Sie wird den Text aus eigenem Wunsch heute selbst vortragen. Zuvor darf ich Ihnen noch ein paar Informationen, Vorabinformationen zu Ihrer Person geben. Cornelia Hülmbauer wurde 1982 in Amstetten geboren. Sie ist Autorin von Lyrik, Kurzprosa und Hörstücken. Sie studierte Anglistik und Kunstgeschichte in Wien und Malta, sowie Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. sowie Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Sie promovierte in angewandter Linguistik und war auch wissenschaftlich tätig. Mittlerweile kann sie auf zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien verweisen und auch Auszeichnungen. Bereits 2018 erhielt sie zum Beispiel den Theodor-Körner-Preis für Literatur. Ebenfalls 2018 erschien ihr Lyrik-Debüt »Mauöd« bei Sucultur Berlin. 2020 wurden ihre Texte in der Literaturpassage des Museumsquartiers Wien ausgestellt. Wie sie selbst sagt und schreibt, ist sie nicht weit entfernt von der oberösterreichischen Grenze aufgewachsen und machte in Linz beinahe alle ihre kindlichen Stadterfahrungen. Ich finde es sehr schön, dass wir sie heute wieder nach Linz locken konnten und ich hoffe, dass sie auch diesen Ausflug in schöner Erinnerung behalten. Nun freuen wir uns auf die Lesung aus Ihrem Text. Frau Hünbauer, bitte. Ö 30 Der Bruder trank Kinder-Tee aus Instant-Pulver. Er tobte und schrie viel. Der Tee vermochte ihn für eine Weile zu beruhigen. Kleiner Stier, sagte die Mutter zu ihm, wenn er die Augen noch nass vom Weinen kurz innehielt und heftig an der Schnullerflasche saugte. Ich sammelte indessen die Blechdeckel der Teedosen. Sie hatten kräftige Farben und waren mittig mit lustigen Motiven versehen. Am Rand wölbten sie sich nach oben wie Teller. Am Rand wölbten sie sich nach oben wie Teller Mittags ging ich über den Hof zum Aufenthaltsraum der Mechaniker Ich platzierte die Teller auf dem Tisch für jeden der Männer einen und legte jeweils eine kleine Süßigkeit hinein Einer der Mechaniker konnte Rad fahren, ohne die Hände zu benutzen. Ein anderer aß drei Wurstsemmeln hintereinander. Sein Auto hatte Scheiben, durch die man nur von innen nach außen sehen konnte, nicht umgekehrt. Nach der Gesellenprüfung gingen sie beide fort. der Gesellenprüfung gingen sie beide fort. Der Vater baute mir einen Drachen. Er bespannte einen Holzrahmen mit dickem Papier und besprühte es mit roten und blauen Punkten. An einem windigen Tag fuhren wir mit dem Auto zur großen Wiese. Der Vater lief und brachte den Drachen in die Luft. Dann durfte ich ihn halten. Ich hielt ihn. Er war schön. Dann ließ ich los. Sei es wie es sei, stirbt Kur, bleibt's heil, sagte der Vater und zitierte den ältesten Mechaniker. Die richtigen Bauernregeln kannte aber die Mutter. Früh lernte ich, dass man Keilriemen nicht durch Damenstrumpfhosen ersetzen konnte, wie man es in Filmen sah, und dass man Riemen ohne H schrieb, obwohl es auf den Arbeitsberichten der Mechaniker mit H stand. Einmal sollten wir im Sachunterricht ein Auto mit offenem Verdeck benennen. Ich sagte den Namen des Modells, das vor unserem Haus zum Verkauf stand. Es war nicht die richtige Antwort. Es war nicht die richtige Antwort. Mein erstes Wort, Auto. Mein erster Satz zur Hitze des Heizkörpers. Eine Wahrheit. In der Schrift der Mutter stand es in einem Heft. Im Aufenthaltsraum der Mechaniker gab es ein breites metallenes Waschbecken. Sie wuschen sich die schwarzen Hände mit gelbem Waschsand, den sie aus weißen Plastikeimern entnahmen und rissen rosa Putzpapier von großen Rollen, um sie abzutrocknen. Nach dem Waschen waren die Hände rot. Es gab viele Telefone im Haus, weil es viele Räume gab und Durchwahlen, die man sich merken musste. Es gab auch eine Zahlenkombination, durch die man alle Apparate gleichzeitig zum Klingeln bringen konnte. Es klingelte dann in der Werkstatt, im Geschäft, in den Büros, im Wohnzimmer der Großeltern und im Flur der Eltern. Wenn man abhob, war es meistens die Mutter, die jemand anderen suchte. In den frühen Jahren gab es eine Tankstelle vorm Haus. Sie wurde morgens vor der Werkstatt geöffnet. Am 1. April rief die Mutter den Vater übers Haustelefon an und sagte, komm schnell, jemand will tanken. Als er vom ersten Stock heruntergeeilt war, riefen wir, April, April. runtergeeilt war, riefen wir April, April. Jedes Jahr taten wir das, bis zu jenem Jahr, als es die Tankstelle nicht mehr gab. Das heißt, die Tanks blieben da unter der Erde, aber sie wurden mit Sand gefüllt und mit Gehsteig überdeckt. Immer wieder fragte ich Mutter und Vater nach ihrem Kennenlernen und immer wieder lachten sie dann und erzählten. Alle haben mich aufgefordert, sagte die Mutter stets, nur er hat geraucht und geraucht. Er noch mit dem Moped, sie mit dem Mercedes des Vaters. Fünf Kilometer und kein Telefon. Ein früher Ausflug, er kauft ihr Vanilleeis, drei Kugeln, sie mag kein Vanilleeis. Er sagt, dann schmeiß es weg. Ich war die Tochter eines Mechanikers. Ich war die Tochter eines Autoverkäufers. Ich war die Tochter eines Werkstättenbesitzers. Ich war die Tochter eines Sohnes eines Werkstättenbegründers. Ich war die Tochter einer Frau eines Chefs. Frau Chef, sagten die Mechaniker zu ihr. Die Tore der Werkstatt waren grün gestrichen. Ein jedes hatte eine kleine runde Öffnung. Manchmal steckte einer der Mechaniker von innen einen Schlauch bis nach draußen in den Hof und trat im stehenden Auto das Gaspedal durch. Spinne am Morgen, Kummer und Sorgen. Spinne am Abend, Kummer und Sorgen. Spinne am Abend, Glück und Gaben. Spinne am Mittag, Glück am dritten Tag. Manche der jungen Männer, die als Kunden oder Besucher in die Werkstatt kamen, hatten in ihrem Ohrläppchen einen goldenen oder silbernen Ring. Flinsau nan, sagte der Vater. Legen alle Kinder im Büro ihren Finger in die Klammermaschine und drücken zu, wenn die Erinnerung nicht hält, mehrmals? Es gab eine wuchtige schwarze Ledertasche mit einem silbernen Verschluss, die aussah wie ein Portemonnaie einer älteren Dame, nur viel größer. Sie wurde Tankstelltasche genannt, auch nachdem es die Tankstelle nicht mehr gab. Abends wurden alle Geldscheine und Papiere aus der Kasse und alle Autoschlüssel und alle Schlüssel zu den Türen und Toren in die Tankstelltasche gepackt. Über Nacht und an den Wochenenden lagerte sie auf dem Teppichboden im Schlafzimmer der Eltern. Oft waren wir bereits im Begriff, das Haus zu verlassen. Da sagte die Mutter, geh, hol den Schlüssel zur Garage aus der Tankstelltasche. Und ich rannte und kramte und fand ihn neben den Geldscheinen und Papieren zwischen den anderen Schlüsseln, von denen keiner beschriftet war, jeder aber eine Eigenheit hatte Die Tasche roch indessen nach Öl und Männerjacken. Beschließen alle Mädchen einmal auszureißen? Kommen alle Mädchen wieder, bevor jemand sie hätte suchen können? Weil sie nicht weiter wissen? Weil sie nicht wissen, wie weiter? Hinter die weißen Seiten eines Poesiealbums musste man einen Zeilenspiegel legen. So konnte man verhindern, bergauf oder bergab zu schreiben. Bergauf war ein gutes Zeichen, bergab ein schlechtes. Man durfte sich jedenfalls nicht verschreiben. Die Mutter passte mit auf. Im äußersten Notfall konnte man falsch geschriebene Wörter mit den glitzernden Stickern überkleben, die die Mutter hoch oben im Küchenschrank aufbewahrte. Ich brauchte die Wörter nur aus dem Buch, die schönsten Sprüche fürs Poesiealbum abschreiben. Es waren meist nur vier Zeilen, aber die Hand tat danach ein bisschen weh. Poesiealben waren aber besser als Freundschaftsbücher mit den vorbedruckten Seiten. Als eines der ersten Dinge wurde man nach dem Gewicht gefragt. Du bist nicht dick, sagte die Freundin, du hast nur schwere Knochen. Brust raus, Bauch rein, sagte die Mutter, als wir nebeneinander her durchs Dorf gingen. Was für den Hintern galt, wollte ich wissen. Tu deine Schenkel zusammen, sagte die Mutter, so können nur Männer sitzen. Der Vater sagte zum Stecker Mandel und zur Buchse Weiwei. Er kannte sich beim Elektrischen aus. Er kannte sich beim Elektrischen aus. Fallen alle Töchter die Treppe ihres Elternhauses hinunter, wenn sie zu schnell laufen, früher oder später? Nach den Reparaturen mussten die Autos probegefahren werden. Männer und Autos verschwanden. Wohin sie fuhren, ob es bestimmte Routen gab, ob sie immer die gleichen nahmen oder wechselten je nach Fall, dazu stellte ich keine Fragen. Manchmal kam einer fluchend zurück. Der Wagen hatte nicht standgehalten. kam einer fluchend zurück. Der Wagen hatte nicht standgehalten. Mit 16 bekam ich ein Moped jener Marke, die im Geschäft verkauft wurde. Beim ersten Ausprobieren verwechselte ich Gas und Bremse und knallte mit dem Vorderrad gegen die Stoßstange eines in der Wiese geparkten Gebrauchtwagens. gegen die Stoßstange eines in der Wiese geparkten Gebrauchtwagens. Der Vater stand daneben und lachte. »Mim Ford vorst furt, mim Zug vorst harm«, sagten die Mechaniker und lachten. Als ich anfing, selber Auto zu fahren, stand bald ein Reh auf meinem Weg. Nach dem Aufprall verschwand es spurlos. Später überschlug sich der Wagen an fast derselben Stelle mit mir über dem Eis. Wir hatten ihn Mücke genannt. Vielen Dank, Cornelia Hülmbauer, für diese wunderbare Lesung und den wahrlich ausgezeichneten Text. Als nächstes wenden wir uns der Sicht der Jurorinnen zu. Wir freuen uns auf die Laudatio des heutigen Abends. Diese wurde verfasst von Frau Doktorin Petra Maria Dallinger. Vorgetragen wird sie dankenswerterweise von Sabine Weißensteiner. Guten Abend. Ö30. Rund drei Dutzend Momentaufnahmen aus dem Heranwachsen eines Mädchens. Tochter eines Mechanikers, Tochter eines Autoverkäufers, Tochter eines Werkstattbesitzers, aber auch Tochter der Frau Schäf ist die Ich-Erzählerin in Cornelia Hülmbauers ausgezeichneten Text Ö30 ein zunächst kleinkindliches Ich, mit dem wir im Eischritt mitwachsen. Schauplatz der Einzelbilder ist zumeist die Kfz-Werkstätte. Sie ist mehr als nur Hintergrundkulisse, bildet das Zentrum, um das sich Familienleben anordnet, ist Prägesform für Selbstverständnis und für die Sicht auf die Welt. Noch serviert das kleine Mädchen den Mechanikern Süßigkeiten, während der Bruder an der Trinkflasche mit Instant-Tee saugt, schon lässt es mit dem Vater Drachen steigen, lernt in der Schule, dass sich Wirklichkeit in vielfältige Wirklichkeiten auffächert, dass etwas Sach- beziehungsweise Markenkenntnis in Bezug auf Cabriolets keinen Vorteil bringt, weil Fragen meist nach dem Allgemeinen und viel seltener nach dem Besonderen gestellt werden. Es lernt, dass diese Wirklichkeiten zuweilen unverbunden nebeneinander herlaufen, manchmal in Konfrontation zueinander geraten, dass sie letztlich doch nicht ohne einander bestehen können. und verschränken sich dabei doch untrennbar. Die Mutter ist das Gedächtnis der Familie. Ihre Schrift beglaubigt den Spracherwerb. Sie kennt die Warenbauernregeln. Freilich ist sie zuständig für die ästhetische Seite der Erstkommendenvorbereitung, das Einüben der Technik des aufrechten Ganges des Mädchens. Aber sie ist eben auch zuständig für die Verwaltung der zentralen Dinge im Betrieb, der Tankstellentasche mit Einnahmen und unbeschrifteten Schlüsseln. Die Tochter bleibt auf sie bezogen wie auf den Vater, der ihr die Möglichkeit einer Lehre im eigenen Betrieb unter Hinweis auf die nicht vorhandene Damentoilette wie auf die ebenfalls mangelnde Körperkraft lapidar abspricht, was die Erzählerin ebenso lapidar und ohne weiteren Kommentar mitteilt. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass die Werkstätte mit ihrem Geruch nach Öl und ihrem Versprechen von Geschwindigkeit dem Mädchen unzugänglich wäre. Nach dem Moppet, das die Puppetierin der Gegenden gebraucht Wagen fährt, setzt sie einen Ford aufs Eis und vielleicht sich selbst. Doch bevor es soweit ist, wird aus der Märchenwelt mit Gesellen in der Werkstatt und dem mütterlichen Rumpelstilzchenzorn eine Welt mit Reifekrise, mit Mädchenpoesiealben und einem fernen Anklingen von Mädchenfreundschaft. Eine diskret deutliche Anspielung auf das Erwachen der Sexualität in Form der Erwähnung der Bezeichnungen, die der Vater für Steckdose und Buchse verwendet, markiert eine Zäsur und lässt erahnen, was die hinaus ins Leben eilende zu Fall bringen könnte. Das alles und noch mehr findet sich in Ö30, einer sehr dichten, dabei lakonisch verknappten Erzählung, Miniaturen, die Atmosphäre und Mikrogeschichten einfangen. Die Balance zwischen routinierten Erzählen und ungewöhnlichen Wendungen gelingt, ohne aufgesetzte Dramatik, ohne Redunanz. Cornelia Hülmbauer baut sprachlich sorgfältig ausgeführte Szenen einer Entwicklung in einem nicht alltäglichen Umfeld, das dann doch ganz selbstverständlich erscheint. Vordergründig wirkt alles recht unkompliziert. Die Protagonistin in 30 ist jung, selbstbewusst, dem Leben zugewandt. So unbefangen, wie sie daherzukommen scheint, ist Cezanne vielleicht doch nicht. Es lauern Fragen im Hintergrund oder Untergrund, Fragen nach Identität, vor allem nach einer geschlechterspezifischen, die erst in der Fixierung einer Festschreibung erträglich wird. Das Ruhigstellen erfolgt nicht schmerzlos. Hinter guter Literatur muss etwas lauern, etwas, das uns anspringt oder jedenfalls erreicht, etwas, das aus Harmlosigkeit, aus der Harmonisierung herausführt, das überrascht. Dieser Augenblick der Überraschung ist einer, in dem wir ein wenig schutzlos werden, Abwehr- und Schutzstrategien kurz vergessen und damit dem Anderen, dem Unbekannten, Ungewandten gegenüberstehen. Es ist gut, wenn solches passiert. Ganz herzliche Gratulation der Marianne von Wilhelm-Preisträger Cornelia Rohr. Danke. Vielen Dank. Vielen Dank, Sabine Weißensteiner, für die Laudatio und von dieser Stelle aus auch an Frau Doktorin Dallinger für die Verfassung dergleichen. Wir haben nun die Sicht der Jurorinnen und der Jury gehört. Nun interessiert uns, denke ich, auch die Sicht der Preisträgerin dazu. Ich darf Cornelia Hülmbauer zu einer kurzen Interview-Sequenz zu mir bitten. Ja, eingangs auf jeden Fall nochmal herzliche Gratulation und Glückwunsch. Danke sehr. Genau, wir haben im Text Ö30 heißt es neben anderen vermeintlich biografischen Hinweisen, zum Beispiel, ich war die Tochter eines Mechanikers, eines Autoverkäufers, eines Werkstättenbesitzers. Das erste gesprochene Wort sei Auto gewesen und einiges mehr. Sie haben mir gestattet, die unbeliebte, ungeliebte Frage zu stellen, inwieweit autobiografisch geprägt ist denn dieser Text und worauf bezieht sich der Titel Ö30? Ja, ich glaube, ungeliebte Frage nur von AutorInnen, aber sehr geliebte Frage von LeserInnen. Da kann ich mich nicht ausschließen. Ich bin ja auch Leserin und ich frage mich das natürlich auch jedes Mal. Ich frage mich das natürlich auch jedes Mal. Ja, also man könnte meinen, dass das eine einfach zu beantwortende Frage ist, finde ich aber gar nicht. Zumindest wenn man davon ausgeht, dass ja die Frage nach dem Autobiografischen, die Frage nach dem ist, hat sich das wirklich so zugetragen? Hast du das wirklich so erlebt? Und ich finde, das deckt sich halt nicht so ganz, weil wie wir wissen, ist es mit der Erinnerung ja so eine Sache. Erinnerungsprozesse, zumal, wenn man es schriftlich festhält, das beinhaltet ja an sich schon eine Fiktionalisierung. Also zumindest wählt man aus und man könnte wahrscheinlich auch sagen, dass das in dem Sinn jeder Erinnerung per se schon eine falsche Erinnerung per se schon eine falsche Erinnerung ist. Aber vielleicht kann man so sagen, es ist schon sehr autobiografisch, dieser Text. Also ich bin in einem Haus groß geworden, in dem es eine Autowerkstätte gibt und so weiter. Ich bin die Tochter eines Autoverkäufers zum Beispiel. Also autobiografisch ja sehr, aber hat sich das tatsächlich so alles zugetragen? Weiß ich nicht so recht. Ach so, und der Titel? Genau, also das war zuallererst eine eher pragmatische Entscheidung. Also das war ein Arbeitstitel, der geblieben ist. Das bezieht sich zum einen, also so ein bisschen zu einem Spiel mit einem konkreten Ort, auf den ich mich bezogen habe. Aber es hat mir dann auch vom vielleicht vom Lautmalerischen ganz gut gefallen und auch die Anspielung so ein bisschen auf Ü30, weil es sich ja eben, weil es sehr um einen Rückblick geht und um Erinnerung. Vielen Dank. Um ein weiteres Zitat aus dem Text aufzugreifen. Sie schreiben unter anderem, ich war die Tochter eines Werkstättenbesitzers, ich war die Tochter eines Sohnes eines Werkstättenbegründers, ich war die Tochter einer Frau eines Chefs. Frau Chef, sagten die Mechaniker zu ihr. Inwieweit ist Ihr Schreiben feministisch? Auch keine so einfach zu beantwortende Frage. Also kurz könnte man vielleicht sagen, also ich begreife mich als Feministin und ich schreibe, also natürlich sind alle meine Texte mit einer feministischen Haltung geschrieben. Inwiefern man das den Texten dann wirklich anmerkt, weiß ich nicht. Es gibt ja auch unterschiedliche Zugänge, feministisch zu arbeiten. Es gibt das sehr aktivistische Arbeiten und es gibt eine Art von Sichtbarmachung, wo es dann vielleicht quasi dem mündigen Leser, der mündigen Leserin überlassen ist, das dann für sich zu interpretieren. Also die Missstände sind dann quasi da, aber man überlegt sich selber, was man davon hält. Eine kurze Geschichte eingefallen, weil ich auch, glaube ich, in meinem Statement damals zu meinem Linz-Bezug angegeben habe, dass eines meiner prägenden Erlebnisse in Linz auch eine erste Kunsterfahrung war. Nämlich habe ich in der damaligen Neuen Galerie das erste Mal ein Foto von Wally Export gesehen, das mich wirklich nachhaltig beeindruckt hat. Genau, und dieses Statement ist dann irgendwie auch auf Facebook gelandet und da hat mich dann ein Kollege gefragt, ja Conny, was war das denn für ein Foto, zumal mit feministischem Anspruch und so weiter, war das denn das Foto mit dem Maschinengewehr? Also er hat Genitalpanik gemeint, weiß nicht, ob das hier bekannt ist. Also da sitzt Wally Export, also breitbeinig mit Maschinengewehr und so weiter. Also das würde ich schon als aktivistische Kunst auch begreifen. Und ich musste dann sagen, nein, es war eine der Körperkonfigurationen. Also das sind Fotos, wo Wally Export sich im öffentlichen Raum quasi drapiert, also entlang von Konturen, von Gebäuden, Straßen und so weiter. Und das begreife ich aber genauso als feministische Kunst, weil einfach Frauenkörper in den öffentlichen Raum eingeschrieben werden und das eben eine Sichtbarmachung bewirkt. Und in diesem Sinne würde ich vielleicht mein Schreiben auch begreifen. Danke für die Ausführungen. Ich möchte jetzt noch einen gemeinsamen Ausblick wagen und die Frage stellen, wie geht es weiter? Woran arbeiten Sie gerade? Worauf dürfen wir uns in der Zukunft freuen, sofern etwas verraten werden darf? Ja, also es sind jetzt einige Monate vergangen seit dem ursprünglichen Termin, das heißt, ich habe auch an diesem Manuskript fleißig weitergearbeitet, da sind sehr viele neue Episoden entstanden und das Schöne, wenn man episodisch arbeitet, ist ja, dass man das immer wieder neu kombinieren kann und das immer wieder anders wirkt. Also ich hoffe, dass da hoffentlich doch demnächst mal ein Buch draus werden kann. Und ansonsten habe ich in letzter Zeit mit einem Briefwechsel meiner Großmutter gearbeitet aus der Nachkriegszeit und habe anhand dieses Wortmaterials Gedichte montiert und das fand ich auch einen ganz anderen, aber auch für mich sehr reizvollen Zugang. Wir werden das weitere Wirken auf jeden Fall im Auge behalten. Vielen Dank, herzlichen Glückwunsch noch einmal und alles Gute für das Weitere, das kommen mag, wird. Wir kommen nun zur offiziellen Preisverleihung. Die Frau Hülmbauer ist gerade mir entschwunden. Ich würde sie noch einmal zu mir bitten und wir holen uns Verstärkung von Frauenstadträtin Margrethe Ewer Schobelsberger, die die Preisübergabe vornehmen wird. Ja, das mache ich sehr gerne und ich würde jetzt da auch noch einmal um Verstärkung ersuchen und die Frau Vizepräsidentin bitten, dass sie uns da unterstützt und vielleicht Erika, magst du als Initiatorin des Willen immer Preises auch mit dabei sein bei der Übergabe? Vielen Dank. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Danke. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bessler. Bess Ja, mir bleibt nun eigentlich nur mehr mich zu bedanken. Ich bedanke mich ganz herzlich für Ihr Kommen und Ihr Interesse heute. Mein großer Dank gilt dem Team des Frauenbüros. Danke für euch, ihr seid super. Und natürlich auch danke für die Unterstützung von DorfTV und die Live-Übertragung. Überhaupt allen Beteiligten am heutigen Abend ein großes Danke. Ich freue mich, dass Sie heute hier waren und ich hoffe und freue mich auf ein baldiges Wiedersehen. Es gibt heuer auf jeden Fall noch mindestens zweimal die Möglichkeit dazu. Das Frauenbüro der Stadt Linz feiert Geburtstag, und zwar einen runden Geburtstag. Das Frauenbüro der Stadt Linz feiert Geburtstag und zwar einen runden Geburtstag. Das Frauenbüro wird 30 Jahre alt. Wir feiern das am 4. August des heutigen Jahres im Alten Rathaus, also wieder hier. Und es wird heuer ausnahmsweise zwei Marianne von Willemmer Preisverleihungen geben. Der Preis für digitale Medien wird im Oktober, konkret am 6. Oktober, verliehen werden. Wir freuen uns, wenn wir uns auch dann wiedersehen. Jetzt liegt der Fokus aber auf heute. Ich wünsche Ihnen und uns allen einen schönen Abend. Dankeschön.