... Ja, einen schönen guten Abend im Stifterhaus, meine sehr geehrten Damen und Herren. Es freut mich, Sie heute Abend zur Buchpräsentation von Wladimir Wertliebs neuem Roman Zebra im Krieg begrüßen zu dürfen. Der Roman ist 2022 im Residenzverlag erschienen. Christian Schacherreiter schrieb in seiner kürzlich in den oberösterreichischen Nachrichten erschienen Rezensionen zum Buch, ich zitiere, Wladimir Wertliebs Protagonist steht in einer langen Tradition der Schelmenliteratur. Mit dieser verbindet Zebra im Krieg auch die tragikomische Stilebene und den Hang zum schwarzen Humor. Die Gewalt des Kriegs erzeugt Furcht und Schrecken. humor die gewalt des kriegs erzeugt furcht und schrecken dummheit und dilettantismus der akteure führen aber auch immer wieder zu grotesken situationen es ist nicht nur der grimmige witz mit dem wladimir werth lieb seinem düsteren thema eine hellere seite gibt humanität bleibt immer möglich trotz allem wenn in zebra im krieg auch die ethische Misere dominiert, so finden sich zwischendurch genug Beispiele für Redlichkeit, Schönheit und Liebesfähigkeit, die Hoffnung geben. Nun wissen wir alle, dass Kritiker und Kritikerinnen manchmal, auch man darf sagen, ein bisschen Unsinn schreiben. Auf Christian Schacherreiter trifft das zum Glück nicht zu und auch dieses Mal finde ich, also nach meinem persönlichen Dafürhalten, dass er mit seiner sehr positiven und in die Tiefe des Textes eintauchenden Rezension vollkommen richtig liegt. Es ist mir eine Freude, den Urheber von Zebra im Krieg begrüßen zu dürfen. Ich bitte Sie um einen Applaus für den Autor Wladimir Wertlich. Herzlich willkommen. einen Applaus für den Autor Werdli. Herzlich willkommen. Nicht minder freut es mich, den heutigen Moderator begrüßen zu dürfen, der eine Premiere im Stifterhaus erlebt. Herzlich willkommen, Michael Kerbler, schön, dass Sie da sind. In aller gebotenen Kürze ein paar Worte zu unseren heutigen Gästen, die biografisch vielleicht gleich korrigiert werden, als ich in der Vorbesprechung gehört habe. Vladimir Vertli wurde 1966 in Leningrad, im heutigen St. Petersburg, geboren und emigrierte mit seiner Familie 1971. Zuerst nach Israel, dann nach Italien, Holland und in die USA. 1971. Zuerst nach Israel, dann nach Italien, Holland und in die USA. 1981 schließlich kam die Familie nach Österreich, wo er Volkswirtschaft studierte. Seit 1993 lebt er als Schriftsteller in Salzburg und Wien. Zu seinem umfangreichen Werk zählen neben Romanen, Erzählungen und Essays auch literarische Artikel. 2001 erhielt er den Adelbert von Camisso Förderpreis und den Anton Wildgans Preis. Sein Roman Lucia Bina und die russische Seele von 2015 stand auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis. Und ich denke, dass Zebra im Krieg ein ähnlicher Erfolg vergönnt sein wird. Zu unserem heutigen Moderator. Michael Kerbler gehörte in unterschiedlichen Funktionen fast 40 Jahre lang dem ORF an. Michael Kerbler gehörte in unterschiedlichen Funktionen fast 40 Jahre lang dem ORF an. In den 80ern arbeitete er als Auslandskorrespondent, bis 1994 als Reporter in den Kriegsregionen der Welt, in Ostafrika, den Arabischen Staaten, im Iran und in der DDR. Ab 2003 übernahm Michael Kerbler die Ö1-Senderei im Gespräch. Unter seinen Gesprächspartnern fanden sich unter anderem Watzlaw Havel, Peter Handke, Olga Neuwirth, Günter Grass, Christoph Schlingensief, Martin Walser, Stefan Essel oder der Dalai Lama und in Kürze eben auch dann Wladimir Wertlieb. Bücher von Wladimir Wertlieb gibt es nach der Veranstaltung am Büchertisch zu erwerben. Der Autor ist gerne bereit, nach der Veranstaltung zu signieren. Das Literaturcafé steht Ihnen, wie gewohnt, für Erfrischungen zur Verfügung. Auch wenn es gesetzlich nicht mehr vorgeschrieben ist, empfiehlt das Stifterhaus das Tragen der FFP2-Maske während der gesamten Veranstaltung. Und damit schon genug der Einbegleitung. Ich übergebe das Wort an Michael Kerbler und wünsche uns einen angenehmen und interessanten Abend. Danke. Ja, auch einen schönen Abend, einen interessanten Abend von meiner Seite. Das wünsche ich uns und ich bin mir sicher, der Wunsch wird in Erfüllung gehen. und ich bin mir sicher, der Wunsch wird in Erfüllung gehen. Wir haben einen Gast heute Abend hier, eine Persönlichkeit, die durch ihr Schaffen und ihr biografisches Leben, die Biografie selbst legitimiert ist, zu spannenden kulturellen und auch gesellschaftspolitischen Fragen unserer Zeit Stellung zu nehmen. Wertliebs Wortmeldungen sind gefragt. Auch morgen hat er wieder ein Interview, verfasst auch Essays zum Thema. Und er ist deshalb gefragt, weil er, jetzt sage ich einmal das Stichwort Russland-Ukraine, weil er in Zeiten wie diesen, wie Berthold Brecht einmal geschrieben hat, die Mächtigen wie blutige Hähne gehen, weil er uns unterstützt mit seiner Literatur, Orientierung gibt auf der einen Seite und auch hilft Reflexion nachzudenken, was geschieht wirklich, was kann Literatur in dieser Situation leisten. Ich komme aus Salzburg heute und in einer Besprechung bei den Salzburger Festspielen, wir haben es vorher kurz angesprochen, hat jemand gesagt, dieses Buch hätte eigentlich früher erscheinen müssen. Unter dem Aspekt wollen wir dieses Buch hören. Wir haben viel zu viel ausgeblendet und ich glaube auch verpasst, weil wir die Literatur zu stark negiert haben. Wladimir Wertlieb ist Schriftsteller. Was ist eigentlich ein Schriftsteller? Ich meine, Sie haben dauernd Schriftsteller und Schriftstellerinnen zu Gast. Ist ein Schriftsteller einer, der vom Schreiben leben kann oder einer, der vom Leben schreiben muss? Also das ist schon mal eine spannende Annäherung für diesen Abend. Warum schreiben Schriftsteller eigentlich? Ich kündige die Frage an, warum schreibt Wladimir Wertleb? Vielleicht, weil er, wie viele andere auch, Walzer oder Gras oder Handke, Georg Büchners Frage beantworten will. Die Frage, die da heißt, was ist das, was in uns lügt, mordet und stillt. Weil der Anton-Wilkerns-Preis angesprochen worden ist, den Herr Wertlieb erhalten hat, auch Doron Rabinowitsch hat in seiner Rede zur Verleihung des Anton-Wilkern-Preises gemeint, Literatur weiß um die Sprengsätze der Geschichte, aber sie kann auch die Zündler der Gegenwart benennen. An den Worten erkennt sie die Brandstifter, sie weiß von den Verbrechen der Vergangenheit, vergisst aber nicht jene, die heute zu Opfern von Krieg und Folter werden, die hier Zuflucht suchen und auf Argum stoßen. Sie fragt, sie, die Literatur, was war, um auszusagen, wie es gewesen sein wird. Ein zentraler Satz in meinen Ohren und Augen. Die Schriftsteller Thomas Hettche, einst Bachmann-Preisjuror, Matthias Polititzki, Michael Schindhelm und Martin Dien glauben, das haben sie in einer gemeinsamen Erklärung fixiert, dass dem Roman eine gesellschaftliche Aufgabe in einer, Zitat, unheimlich gewordenen Welt zukommt. Die Bewohnbarkeit der Welt beizubehalten und weiter zu erschließen, ist die Aufgabe des Romans. Dies setzt voraus, dass der Schreibende eine erkennbare Position bezieht, die moralische Valeurs mit ästhetischen Mitteln beglaubigt. Zitat Ende. Für wen oder was bezieht Wladimir Wertlieb in seinem Roman Zebra im Krieg eindeutig Position? Kann er seine Haltung mit ästhetischen Mitteln beglaubigen? Und warum und wie hat Wladimir Wertlieb, der in Wien Volkswirtschaftslehre studiert und bei einer Versicherung und dann in einer Bank gearbeitet hat, letztlich zum Schreiben, zum Schriftsteller sein gefunden. Zuerst, bevor wir auf diese Fragen eingehen, darf ich Sie bitten, Herr Wertli, mit dem ersten Teil Ihrer Lesung zu beginnen. mit dem ersten Teil Ihrer Lesung zu beginnen. Ja, herzlichen Dank für diese schöne und eindringliche Einleitung und vielen Dank auch für die Einladung hierher nach Linz. Es freut mich, dass ich Ihnen heute ein paar Ausschnitte aus meinem Roman Zebra im Krieg vorstellen darf. Ich fange gleich mit dem ersten Kapitel an. Vielleicht vorab nur ganz wenige erklärende Sätze. Die Geschichte spielt in einem fiktiven osteuropäischen post-sowjetischen Land, das gerade einen Bürgerkrieg erlebt. Der Protagonist ist ein Mann, der heißt Paul. Er ist ein Familienvater in den 30ern, hat eine 12 Jahre alte Tochter, eine Frau, die Ärztin ist und im Krankenhaus arbeitet, in dieser von Rebellen, Separatisten, wie man sie nennen mag, belagerten Stadt, die auch beschossen wird. Und er selber war einmal Flugzeugingenieur, aber nachdem im Flughafen jetzt auch geschossen wird, ist er freigestellt, arbeitslos und kümmert sich um seine Tochter, ist auch oft in den sozialen Netzwerken unterwegs, aber dazu später. Aus der Ferne sehen sie harmlos aus. Sterne, die um die Wette laufen, eine rasende Lichterkette, die das Firmament erhält und die Welt zum Glitzern bringt. Das Licht in der Wohnung kann man ausschalten und die Vorhänge zuziehen, doch erhöht das kaum das Gefühl von Sicherheit. Der Lärm lässt sich nicht abstellen. Ein Knurren und Heulen wie von aufgeschreckten Raubtieren, wie das Stöhnen eines Betrunkenen im Schlaf oder das Auf- und Abschwellen einer heißer gewordenen Sirene. Ein Krieg im Stimmbruch. Als die Geräusche näher kommen, kriecht Lena in Pauls Bett, schlingt die Arme um seinen Oberkörper, presst den Kopf an seine Brust und flüstert, Papa, wenn wir sterben, dann zusammen. Allein sterben will ich nicht. Unsinn, sagt Paul und streicht der Tochter durchs Haar. Du bist doch schon ein großes Mädchen. Es ist nicht die erste Nacht, dass sie schießen. Niemand wird sterben, jedenfalls nicht hier und nicht heute. Er gibt sich Mühe, die Angst des Kindes, vor allem aber seine eigene, zu bannen und versucht vergeblich, seiner Stimme die nötige Festigkeit zu geben. Sie sind immer noch weit weg. Wenn es wirklich gefährlich werden sollte, gibt es sofort Alarm. Schließlich haben wir eine Einsatzzentrale. Sei nicht doof, flüstert das Kind, schmiegt sich noch fester an ihn, krallt sich an seinem Rücken fest. Du weißt doch, dass dort nur Debile herumsitzen. Ich will nicht, dass du solche Wörter verwendest, ermahnt er sie, aber er weiß, dass er keine Chance hat. Frau Bona sagt, schon gut, unterbricht er sie, ich weiß, was deine Lehrerin redet, aber nein, sie hat Unrecht. Es sind nicht alle Menschen außer ihr selbst dumm und verkommen. Und den Ausdruck debil streichen wir ab sofort aus unserem Wortschatz. Auf einmal hört man die ersten Einschläge. Dumpf, in kurzen Abständen und immer lauter werdend. Das ist neu. Sie sind näher als je zuvor. Das Kind schluchzt. Heute Nacht ist nicht wie gestern oder vorgestern. Heute habe ich wirklich Angst, murmelt Lena mit weinerlicher Stimme. Ganz in echt. Stell dir vor, es ist nur ein Gewitter, sagt Paul und streichelt wieder über ihren Kopf. Göttervater Zeus reist auf seinen von vier Himmelspferden gezogenen Wagen durch die Lüfte, schickt Blitz und Donner herab auf die Stadt und bald schon kommt der Regen, den wir so dringend brauchen. Bald werden wir wieder sauberes Wasser haben. Wir bringen Zeus ein Opfer dar. Ach Papa, was redest du denn da für einen Quatsch? Auf einmal ist Lenas Stimme wieder lauter und klingt fast wie die einer Erwachsenen. Zeus gibt es doch nur im Kinderbuch. Das ist nicht Zeus, sondern ein WS1B. Wenn es nur ein WS1 wäre, hätte ich keine Angst. Aber WS1B schießen viel weiter. Geschwindigkeit Mach 5. Reichweite 180 Kilometer. Jedes Geschoss 150 Kilogramm schwer. Was ist ein Zeus mit seinen Blitzen dagegen? Etwas für Babys, die noch an den Weihnachtsmann glauben. Sei nicht so altklug, murmelt Paul verstört und ist dennoch beeindruckt von seiner Tochter. und ist dennoch beeindruckt von seiner Tochter. Im April ist Lena zwölf Jahre alt geworden, doch seit Beginn der Krise vor zwei Monaten wirkt sie auf ihn viel reifer. Als die Vororte der Stadt das erste Mal mit Raketen beschossen wurden, hatte Paul dies noch als großes Drama erlebt. Mit seiner Frau, der Tochter und seiner Mutter lief er die vier Treppen hinunter in den Keller. Dort traf er sämtliche Nachbarn und einige zufällige Passanten, Menschen, die das Schicksal an diesem Tag zu dieser Abendstunde in diese Straße und genau in der Minute, als der Beschuss begonnen hatte, vor dieses Haus verschlagen hatte. Damals hielt Lena sich die Hände vor das Gesicht, als könnte sie damit die Welt um sie herum verbergen. Pauls Frau, eine Ärztin, meinte trocken, sie müsse ins Krankenhaus, in einer halben Stunde beginne ihre Schicht, aber er ließ sie nicht gehen. Die Mutter erinnerte sich an ihre Eltern und an deren Erzählungen vom letzten großen Krieg, bis man sie bat, die Klappe zu halten. In diesem Augenblick wollte das niemand hören. Als die Kellertür von innen verschlossen wurde, verstummten alle und ließen sich auf den Holzbänken nieder, die einige Tage zuvor hastig in den Gang geschoben worden waren, der zu den Kellerabteilen führte. Im fahlen Licht der einzigen noch funktionierenden Neonröhre sahen die Gesichter der Menschen schmal, verbraucht und gespenstisch aus. Als das Heulen der Granatwerfer lauter wurde, als würde eine Meute hungriger Wölfe das Haus umkreisen, verzerrten sich die Gesichter, wurden zu Karikaturen ihrer selbst zu fratzen aus der Finsternis dämonender Angst. Und als das Licht auf einmal zu flackern und die Neonröhre zu summen begann, musste Paul an die Flagelantenprozession von Francisco de Goya denken. Eine Abbildung dieses Gemäldes hatte er vor gut zehn Jahren durch Zufall im Internet entdeckt und sich davon sofort angesprochen gefühlt. Mit einer Mischung aus Schaudern und Begeisterung, Ekel und Lust hatte er seinen Blick nicht davon losreißen können. Bis dahin hatte er sich kaum für Kunst interessiert und noch nie etwas von diesem spanischen Maler gehört. Inzwischen hatte er einige Bücher über Goya gelesen, Spielfilme und Dokumentationen gesehen und wenn er die Augen schloss, konnte er dessen Bilder aus dem Gedächtnis erstehen lassen, so klar und scharf und voller Details, als hätte er sie selbst erdacht und gemalt. Nach der Entwarnung waren alle so schnell wie möglich hinaus auf die Straße gelaufen. Sie machten den Eindruck, als seien sie nur knapp dem Erstickungstod entronnen und auch Paul sog die frische Abendluft und den Duft des Frühlings ein, wie er es noch nie getan hatte. Er füllte seine Lungen, bis sie zu platzen drohten. Er tastete mit der rechten Hand in der Austentasche seiner Jacke eine Zigarettenschachtel, zog nach einem kurzen Augenblick des Zögerns die Hand zurück, ließ die Schachtel, wo sie war, umarmte Lena, hob sie hoch und rezitierte, besser gesagt, flüsterte, so leise, dass es außer Lena niemand hören konnte, ein bekanntes Gedicht, das er einst in der Schule gelernt hatte. Nichts kann ich dir schenken, nur meine Liebe, Angst und Schreck. Nichts habe ich zum Trösten, doch einmal gehen wir weg. Du hörst, was ich dir sage, wenn andere hören kein Wort. Einmal gehen wir beide weit, sehr weit von hier fort. gehen wir beide weit, sehr weit von hier fort. Für mich, in meiner Erinnerung, als ich das Buch begonnen habe zu lesen, Herr Wertlieb, war das ein, ich nenne es so, wie es mir damals gegangen ist, ein irritierend seherisches Kapitel, weil da war schon der 24. Februar vorbei und da ist diese schreckliche Entwicklung, Russland, Ukraine hatte damals begonnen. Wann haben Sie begonnen, das Buch zu schreiben? Ich begann im Sommer 2019. Erschienen ist es am 15. Februar dieses Jahres ist es herausgekommen. Neun Tage später war es plötzlich noch viel aktueller als davor. Was mich nicht gefreut hat, also ich hätte es lieber gehabt, wenn das Buch aus anderen Gründen plötzlich in aller Munde gewesen wäre, als aus so zu arbeiten begann vor ein paar Jahren, war, dass dieser damals eingefroren scheinende Konflikt in der Ostukraine, von dem ich ja ausgegangen bin in meinen Recherchen und in meinen Vorstellungen, auch wenn ich es dann etwas exemplifiziert und verallgemeinert hatte und in einen so scheinbar fiktiven Raum transponiert hatte, also dass dieser eingefrorene Konflikt sicher irgendwann einmal wieder aufbricht. Also so weit musste man gar nicht hellseherisch sein, aber wenn man sich ein bisschen auskennt in der Region, hat man schon geahnt, dass da so viel an explosiver Emotion schon drinnen steckt und dass Putin sich damit nicht zufrieden gibt, sondern wenn man seine Äußerungen der letzten Jahre gehört und gelesen hat, hat man schon gewusst, dass er mehr möchte. Aber dass er dann Kiew angreift. Ich meine, ich habe noch am 22. Februar war ich in einer Fernsehsendung im ORF, die heißt Aktuell nach 1, das ist eigentlich eine Chronik-Sendung. Aber manchmal laden Sie auch Gäste zu allgemeinen politischen Themen ein. Und das war damals nach der Anerkennung dieser zwei Volksrepubliken durch Russland, Luhansk und Danierzk, haben Sie mich eingeladen. Und ich habe damals gesagt, nein, also großer Krieg wahrscheinlich nicht, aber Sie werden versuchen, da eine Landverbindung herzustellen zwischen diesen beiden Volksrepubliken und der Krim und wahrscheinlich ein Krieg in Navarossia, also in diesem sogenannten Neurussland im Süden und irgendwie läuft es jetzt genau darauf hinaus, aber ich fürchte fast, dass auch das wieder zu wenig ist. Also wenn er dort gewinnt, wird er mehr wollen. Ja, so ist das. Wenn er dort gewinnt, wird er mehr wollen. Ja, so ist das. Es ist mir, weil ich mich mal in anderem Zusammenhang damit befasst habe, ein Vortrag von Rainer hat Rilke einen Vortrag gehalten in Prag über die Aufgabe der modernen Lyrik. Was kann Lyrik sozusagen damals, 1898, leisten in der Gesellschaft, für die Gesellschaft und was können Schriftstellerinnen, Schriftsteller dazu beitragen. Und er hat damals gemeint, dass der Anlass war, es ist damals ein elektrisches Gerät erfunden worden, mit dem man frühzeitig Erdbeben, ganz feine Erdbeben aufspüren konnte und Prognosen, die ersten Prognosen sozusagen von Erdbeben machen konnte. Und er hat gesagt, der Schriftsteller, die Schriftstellerin, er hat es damals noch nicht gegendert, also er hat gesagt, er fühlt sich als Schriftsteller, das ist seine Aufgabe, Aufgabe, Veränderungen, die sich anbahnen, zu erspüren, also nicht hell nach wie vor als aktuell spüren? Dinge, die vielleicht noch nicht materialisiert sind, eben zur Sprache zu bringen und uns auf mögliche Veränderungen aufmerksam zu machen? zu machen? Ich hoffe, wenn mir das gelingt oder wenn anderen Schriftstellern und Schriftstellern und Schriftstellern und Künstlern das gelingen sollte, dann ist das natürlich wunderbar in dem Sinne, dass sie eine wichtige gesellschaftspolitische und insgesamtgesellschaftliche Rolle übernehmen. Aber das kann nicht programmatisch sein für mich. Also wenn ich etwas schreibe, sehe ich mich eigentlich nicht als Seismografen für die Veränderungen in der Welt oder in der Gesellschaft. Das wäre erstens anmaßend, zweitens bin ich mir nicht sicher, ob mir das immer gelingt. Hier, man kann sagen, es ist eine Verkettung von Zufällen oder vielleicht habe ich das wirklich erahnt, gespürt, aber ich habe andere Bücher geschrieben, die eine ganz andere Funktion und zu ganz anderen Themen und ganz andere Schwerpunkte hatten, als diese Vorhersagen. Arithmografen für das Kommende sind seit dahingestellt. Sie können ja auch in die Vergangenheit schauen oder den Leuten einfach den Spiegel vorhalten, wie sie jetzt sind, damit sie über sich selber nachdenken. Sie können auch die Befindlichkeit eben dieser Künstlerinnen und Künstler widerspiegeln und dann warten, ob andere sich darin wiedererkennen oder damit etwas anfangen können oder nicht. Also ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Wenn Sie das so sehen, werde ich Ihnen nicht widersprechen. Ich habe nämlich noch eine gute Begründung im zweiten Kapitel. Wie konnte es, fragt sich Paul, zu diesem dummen Krieg kommen, der von den Behörden immer noch als Aufruhr bezeichnet wird, während der Einsatz der Armee angeblich nichts weiter als eine EPA, eine erweiterte Polizeiaktion sein soll. Schnitt, wie man bei uns im Radio früher gesagt hat. So, was hat Wladimir Putin gesagt? Was hat Wladimir Putin gesagt? Der hat bekanntlich nicht von einer erweiterten Polizeiaktion, sondern von einer speziellen Militäroperation geredet. Das kann man bei Ihnen im Buch nachlesen. Mentalität einfühlen, in meinen Augen. Ich glaube, ich habe wirklich ganz laut gekriegt, wie ich diesen Ausdruck gefunden habe und ich denke mir, schon allein deshalb empfehle ich dieses Buch wirklich, manche Kapitel sogar mehr als einmal zu lesen, weil sie etwas tun, mit ihrer Sprache aufmerksam, auf Veränderungen aufmerksam machen. Ich glaube, es ist in meinen Augen ein gutes Beispiel dafür, dass man Ruth Wodak, mit der ich beruflich und privat immer wieder über die Funktion, die Sprachwissenschaftlerin, darüber rede, sagt, wir müssen besser zuhören und aufmerksamer sagen, welche Worte verwendet werden und welche Taten aus Worten werden können. Und dieses Beispiel wollte ich eben verwenden. Ich weiß jetzt nicht, ob Sie auch aus dem zweiten Kapitel jetzt lesen werden, aber Sie sind jetzt mit Ihrem zweiten längeren Teil des Vorlesens. Ja, ich werde jetzt das zweite Kapitel überspringen, aber Sie haben ja ohnehin schon ein paar Sachen angedeutet, die dort vorkommen. Also diese erweiterte Polizeiaktion, ausgegangen bin ich ja damals, wenn ich das noch kurz anbringen darf, von der ATO in der Ukraine 2014, 2015, das war die antiterroristische Operation, so wurde das damals genannt. Also von der ukrainischen Seite, die haben das ja auch nicht Krieg genannt. Die beiden Länder sind ja in vielerlei Hinsicht einander sehr ähnlich, obwohl natürlich die Ukraine schon ein sehr viel demokratischerer Staat ist als Russland. Und Russland eindeutig der Aggressor, das ist keine Frage. Aber dennoch, beide sind in dieser postsovietischen Mentalität gefangen. Das heißt, auch in der Ukraine gab es einmal so eine euphemistische Umschreibung dessen, was passiert ist. Allerdings war dort der Ausdruck Krieg nicht verboten, also so weit sind sie nicht gegangen. Und ich habe es noch ein bisschen zugespitzt, indem bei mir, glaube ich, auch Krieg wirklich gesellschaftspolitisch nicht erwünscht ist, der Ausdruck. Und dadurch kam ich ja dann wieder der Realität nahe. Also überall, wo ich versucht habe, von meiner Fantasie ausgehend und von dem, was ich wusste von den früheren Kriegsereignissen, ein bisschen zuzuspitzen und mir gedacht habe, naja, da werden Sie sagen, jetzt übertreibt der Wertleb, dann hat die Realität mich dann nachträglich selber um einiges übertrieben, aber das nur nebenbei erwähnt. Jedenfalls spielt diese Geschichte, ich glaube, das hatte ich vergessen zu erwähnen, in einer Stadt am Meer, die auch von Leuten verschiedenster Herkunft bevölkert wird, auch von Menschen griechischer Herkunft, deutscher Herkunft. Und dieser Paul heißt ja auch Sarianides, also er hat einen griechischen Familiennamen, obwohl auch kein Griechisch kann, wird hier erwähnt. Jedenfalls diese Nacht, die im ersten Kapitel beschrieben wird, die geht zu Ende und als die Familie dann in der Früh aufwacht, irgendwann schläft er dann ein, stellt sie dann fest, die Stadt, stellen sie dann bald fest, die Stadt ist von den Rebellen eingenommen worden. zurückgezogen, die Rebellen sind da, jetzt denken sie darüber nach, wie gehen sie jetzt mit der Situation um, eigentlich ist dieser Paul eher auf Seiten der Regierung, nicht auf Seiten der Rebellen und seine Tochter fragt ihn dann, wie wird das jetzt in der Schule sein, es ist Freitag und am Montag muss sie in die Schule und muss jetzt alles neu lernen, weil jetzt eigentlich die Geschichte wahrscheinlich auch ganz anders unterrichtet wird mit den neuen Nachtmachthabern. Und er sagt ja dann, ja, jetzt warte mal ab, jetzt ist Freitag, schauen wir, wie die Machtverhältnisse am Montag sein werden. Und als er das sagt, läutet es gerade an der Tür. Es läutet an der Tür. Wer kommt denn da schon wieder? Knurrt Pauls Mutter. Die wohnt ja auch noch dort, eben die Mutter. Knurrt Pauls Mutter. Es ist der Standardsatz, wenn sich unerwarteter Besuch ankündigt. Sollen wir überhaupt öffnen? Fragt Paul. Doch es ist schon zu spät. Lena ist schon in den Vorraum gelaufen und öffnet die Tür, bevor ihr Vater sie zurückhalten kann. Es ist Kocik, schreit sie, es ist nur Kocik. Kocik, eigentlich Konstantin Katz, ein russischer Jude, der seit ewigen Zeiten in der Stadt lebt, wohnt mit seiner Frau Mischka, die in Wirklichkeit Meurer heißt, ein Stockwerk höher. Er ist ein alter Musiker, früher Geiger im Orchester des städtischen Operntheaters, ein kleiner zarter Mann mit gelblich-weißem Haar und gebeugtem Rücken, der im Stiegenhaus oder auf der Straße noch nie jemand ohne Krawatte gesehen hat. Diesmal trägt er sogar einen beigefarbenen Anzug, den er sonst nur an Feiertagen anzieht und seine schwarzen Schuhe sehen frisch geputzt aus. Habt ihr schon gehört, fragt er, die Aufständischen sind bei uns einmarschiert. Was du nicht sagst, denkt Paul. Ja, das wissen wir. Ich wollte euch nur mitteilen, wenn ihr irgendwelche Probleme habt, wendet euch an mich, verkündet der Musiker mit feierlicher Stimme und strahlt über das ganze Gesicht. Jetzt wird alles besser. Glaubt mir das. Jascha, mein Neffe, ist eine ziemlich große Nummer in der PR-Abteilung der Aufständischen. Wenn ihr etwas braucht, sagt, ihr kennt Jakob Katz. Oder besser noch, kommt zu mir. Paul und seine Mutter stehen neben Lena im Vorraum, aber sie bitten Herrn Katz nicht herein. Danke, sagt Paul trocken. Er mag den alten Musiker nicht, auch wenn er nicht erklären könnte, warum. Vielleicht, weil er den Spitznamen Kozik, was auf Russisch Katerchen bedeutet, albern und den seiner Frau Muschka Mäuschen peinlich findet. Vielleicht, weil der alte Mann etwas Übergriffiges und gleichermaßen Armseliges hat, vor allem aber, weil Konstantin Katz ihn allzu sehr an die blassen Figuren erinnert, die seine frühesten Kindheitserinnerungen bevölkern. Höchstens drei Sätze braucht ihm der Mann zu sagen, schon empfindet er ihn als aufdringlich wie eine Klette und wird ungeduldig und nervös. Dass es so weit gekommen ist, hat sich dieser Staat selbst zuzuschreiben, erklärt Kociuk. Er ist erschaffen worden, um die Bedürfnisse der Eliten zu befriedigen. Gewiss, unterbricht ihn Paul. Ich danke Ihnen herzlich, aber nun müssen Sie mich entschuldigen, sagt er und schließt schnell die Tür. Dieser alte W... zischt er doch seine Mutter und unter bricht ihn schnell, bevor er das Wort aussprechen kann. Paul, untersteh dich, das Kind. Aber es weiß doch jeder, dass Cozy kein alter Wichser ist, erklärt Lena stolz und kichert. Glaubt ihr denn, ich bin ein Baby? Lisas Mutter sagt, dass ich mit allen Wassern gewaschen bin. Lisa, das ist die beste Freundin. Ehe Paul und Eva empört protestieren können, Eva die Mutter, klingelt es wieder an der Tür. Was will denn der Alte noch, schreit Paul verärgert, reißt die Tür auf und wird sofort, noch bevor er versteht, wie ihm geschieht, in die Wohnung geschoben. Etwas drückt ihm schmerzvoll gegen die Brust. Der Geruch von Schweiß, von schlecht geputzten Zähnen und dem Rasierwasser einer beliebten Billigmarke nimmt ihm den Atem, bis es ihm gelingt, sein Gesicht vom Körper des Fremden zu lösen, der drauf und dran ist, ihn umzustoßen, über ihn drüber zu steigen, als wäre er ein lästiger Gegenstand. Drei Männer drängen in den Vorraum. Ihr Name ist Paul Sarianidis? fragt einer von ihnen. Ja, sie kommen mit uns. Pauls Mutter ist wie erstarrt, schockiert steht sie da und bringt kein Wort heraus. Leda beginnt zu weinen, senkt den Blick, zieht den Kopf ein, macht zwei Schritte zurück, greift nach der Hand des Vaters. Zwei der Männer tragen Tarnanzüge, blaue Marinemützen und Patronengürtel. Einer hat eine Maschinenpistole in der Hand, der andere ist mit einem Revolver und einem Jagdmesser bewaffnet, die an seinem Gürtel hängen. ist mit einem Revolver und einem Jagdmesser bewaffnet, die an seinem Gürtel hängen. Ziehen sie ihre Schuhe an und kommen sie mit, sagt der Mann mit der Maschinenpistole, während der andere Lena ein Fruchtbonbon reicht und ihr über das Haar streicht. Sie weicht zurück, schlägt seine Hand weg. Hör auf zu weinen, Kleine, sagt der Mann. Wenn dein Vater brav ist, bekommst du ihn bald zurück. Weinen, Kleine, sagt der Mann. Wenn dein Vater brav ist, bekommst du ihn bald zurück. Sie nimmt das Bonbon, hört aber nicht auf zu weinen. Der dritte Mann trägt Lederjacke und Jeans sowie eine alte Militärmütze der Infanterie, die vor der letzten Heeresreform vor einigen Jahren noch in Gebrauch war. Auf der Mütze wie auch auf den Uniformen der anderen Männer fehlen allerdings Wappen, Rangabzeichen oder sonstige Erkennungszeichen. Das jagt Paul die größte Angst ein. Der Mann ist mindestens zwei Meter groß, hat breite Schultern, einen dichten schwarzen Bart, der ihm bis zur Brust reicht, eine Glatze, in die ein vielzackiger Stern eintätowiert ist und himmelblaue kalte Augen. Seine Oberarme sind breiter als Pauls Oberschenkel, die Hände größer als seine Fußsohlen. Ein Schrankmensch, einer, dem man nicht widerspricht. Paul stammelt dennoch halbherzig. Warum? Was wollen Sie von mir? Wer sind Sie überhaupt? Das bereut er sogleich. Manchmal ist es besser, den Mund zu halten. Fünf Minuten später sitzt er auf der hinteren Sitzbank eines Jeeps, der in einem Tempo, von dem Paul Angst und Bange wird, die kurvige Straße in die Innenstadt hinunterrast. Sein Oberarm schmerzt. Den Griff des Schrankmenschen wird er auch dann nicht vergessen können, wenn der blaue Fleck verschwunden ist. Bitte lassen Sie mich gehen, bettelt Paul, der immer noch nicht verstehen kann, was mit ihm gerade geschieht, vor allem aber warum. Ich habe doch überhaupt nichts getan. Ich habe eine kleine Tochter, ich habe Familie. Haben Sie denn keine Kinder, liebe Menschen, Haben sie denn keine Kinder? Liebe Menschen, Freunde, Kameraden. Halt endlich die Klappe, brummt der Schrankmensch. Ich kenne Jascha, Jakob Katz, erklärt Paul verzweifelt. Jakob Katz? Jakob Katz, sinniert der am Steuer sitzende Uniformierte. Ist das nicht der kleine schmierige Jude, den wir letzte Woche als Spion erschossen haben? Wir haben letzte Woche einen Spion erschossen? Fragt sein Kollege am Beifahrersitz. Warum sagt mir denn so etwas niemand rechtzeitig? Das hätte ich mir gerne angeschaut. Wenn ich mich recht entsinne, waren es sogar drei Spione, die hingerichtet wurden. Ich bin aber nicht sicher, ob die Sache mit Jascha letzte oder vorletzte Woche war. Egal, für ihn macht das sowieso keinen Unterschied mehr. Dann rast eben dieses Auto durch die Stadt und irgendwie das Meer bleibt dann rechts, das Auto biegt dann links ein, eine lange Straße, dort beschleunigt es immer mehr. Und Paul kriegt es auch immer mehr mit der Angst zu tun, weiß nicht, was das Ganze soll. Der Jeep biegt links in eine mehrspurige, einige Kilometer lange Straße ein, die Mitte des vorigen Jahrhunderts angelegt wurde und zu einem Neubauviertel am nördlichen Stadtrand führt. Die Ampeln blinken gelb, die Busse verkehren nicht, die neuen Machthaber haben Straßensperren errichtet. Warum dies gerade in dieser Straße der Fall ist, kann Paul nicht nachvollziehen. An einer Kreuzung stehen Panzer. Einige Häuser sind beschädigt. Aus einem von ihnen, einem sechsstöckigen Betongebäude, steigt immer noch dichter Rauch auf. einem von ihnen, einem sechsstöckigen Betongebäude, steigt immer noch dichter Rauch auf. Der Jeep wird überall durchgewunken, beschleunigt immer wieder auf gut 100 Stundenkilometer, bremst vor der nächsten Sperre ab. Paul wird übel, es hebt ihm jedes Mal den Magen aus, der Fahrtwind nimmt ihm den Atem. Er ist doch nur eine kleine Nummer, denkt er sich. Was ist an ihm, einem arbeitslosen Flugzeugtechniker, der sich politisch niemals engagiert hat, sondern nur, wie viele andere auch, in den sozialen Netzwerken seine Meinung kundgetan hat, so außergewöhnlich, dass man keine zwei Stunden nach Einnahme der Stadt ein bewaffnetes Kommando mit Jeep zu ihm schickt, um ihn an einen entfernten Ort zu transportieren. Bei dem Gedanken an einen entfernten Ort wird Paul noch übler als zuvor. Vor seinem geistigen Auge erstehen Exekutionskommandos, Massengräber und Gedenkstätten, die irgendwann einmal in ferner Zukunft am Ort des Verbrechens errichtet werden würden. Unter den in das Denkmal eingemeißelten Namen der zahlreichen Opfer wird auch seiner zu lesen sein und zum Jahrestag seiner Ermordung werden seine Tochter und ihre Kinder zusammen mit den Angehörigen anderer Opfer zum Denkmal pilgern, um Blumen niederzulegen und weihervolle Reden zu halten. Er selbst allerdings wird seine Tochter nicht heranwachsen sehen und seine Enkelkinder niemals kennenlernen. Ja, in einer Art Pressehaus, ein improvisiertes Pressezentrum, in dem sich auch jetzt die Rebellen eingenistet haben. Und dort wird er dann vorgeführt, in einen Raum gesetzt, gefilmt und dann erkennt er auch, worum es geht. Also was eigentlich passiert ist. Es erscheint nämlich einer der bekannten Rebellenführer, dieser Rebellenführer heißt Boris Lupowitsch und ist jetzt der starke Mann in der Stadt seit Kurzem. Und diesen Boris Lupowitsch, der gleichzeitig auch ein Blogger und ein Online-Journalist ist, ein Blogger und ein Online-Journalist ist, den hat dieser Paul in den Tagen und Wochen zuvor im Internet heftig attackiert. Also da gab es Diskussionen im Netz, in diversen Blogs oder in sozialen Netzwerken, Telegram oder wo auch immer. Und dort hat er eben diesen Boris Lupowitsch bedroht. Also dieser Paul hat nämlich zwei Seiten. Er ist einerseits ein eher harmloser, netter, sympathischer Familienvater, der niemandem was zu leide tut. Aber wenn er dann zu Hause auf seiner Couch vor seinem Computer sitzt, dann kommen andere Seiten von ihm zum Vorschein, dann wird er sehr aggressiv und er hat diesen Lupowitsch bedroht und hat ihn angedroht, dass er ihn dann erstechen wird. Seine Familie hat er auch indirekt bedroht und jetzt ist der Lupowitsch an der Macht und der hat sich das gemerkt, hat ihn ausforschen lassen und jetzt führt er ihn vor und bedroht ihn und schüchtert ihn ein. Der Paul bekommt es dann natürlich mit der Angst zu tun und stammelt, dass er das alles nicht so gemeint hat und natürlich und nein und er ist ja ganz unschuldig. Er macht sich sogar in die Hose. Also er ist sehr, sehr außer sich. Und die ganze Szene wird gefilmt und kommt dann auch ins Netz. Also Paul hat jetzt so ein doppeltes, so ein dreifaches Problem eigentlich. Einerseits ist er als Anhänger der Regierung jetzt in Feindesland, dann ist er zu einer traurigen Berühmtheit im Internet geworden durch dieses Video, das Video seiner Schande, das dann auch gleich Millionen Klicks auf der ganzen Welt bekommt und überall angesehen wird, auch im Ausland, auch dort in Regionen, die eigentlich nichts mit diesem Konflikt zu tun haben. für die das natürlich ganz, ganz furchtbar ist. Die Rebellen bleiben nämlich in der Stadt und sie muss dann sehr wohl in die Schule und sie bekommt es dann natürlich auch mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern zu tun, die sie auslachen und sie mobben. Also es ist eine schwierige Situation und er beginnt dann unter anderem darüber nachzudenken, wie es überhaupt dazu kommen konnte und was bedeutet überhaupt. Was bedeutet das Internet in Zeiten des Krieges? Also da jetzt noch eine Passage zum Thema Internet und moderner Krieg. Moderner Krieg. Je leidenschaftlicher Paul wurde, desto öfter fiel er, als er im Netz mit Leuten diskutierte, auf die Nase und fühlte sich als Versager. Je öfter er sich als Versager fühlte, desto mehr hatte er das Gefühl, wieder der kleine Junge von einst zu sein, auf dem alle herumhackten. Wie damals fühlte er sich ohnmächtig, dumm, unverstanden, vor allem aber stumm. Stundenlang schrieb er sich die Finger krumm und doch war alles, was er produzierte, nicht mehr als der stumme Schrei eines zappelnden Fisches, der am Angelhaken hängt und langsam aus dem Wasser gezogen wird. Irgendwann spielte es eine untergeordnete Rolle, worüber Paul im Netz mit irgendwelchen Leuten diskutierte oder ob er selbst glaubte, Recht zu haben oder nicht. Es war der Akt selbst, der ihn nicht losließ. Das Diskutieren entwickelte sich zu einem virtuellen Boxkampf und dieser zu einer in Szene gesetzten ritualisierten Niederlage. Jeden zweiten Tag fasste Paul den Entschluss, mit dem Blödsinn aufzuhören. Manchmal kündigte er auf seiner Facebook- oder Instagram-Seite großspurig an, eine 30-, 40- oder 50-tägige Internetpause einzulegen, nur um zur Schadenfreude seiner zahlreichen Freunde und Follower nach höchstens drei Tagen wieder rückfällig zu werden. Wenn er keine Kommentare im Internet verfasste, schlief er schlecht, hatte Schweißausbrüche oder Panikattacken. Seine Hände zitterten, manchmal hatte er das Gefühl, er bekomme keine Luft. Das alles war schlimmer als seine vergeblichen Versuche, mit dem Rauchen aufzuhören. Jedes Warten auf die Straßenbahn wurde zur Herausforderung, die Fahrt selbst zum Märtyrium. Wenn er nur noch einmal kurz hineinschauen wollte, wusste er, dass er demnächst wieder in den Ring steigen würde. Aber er konnte nicht anders. Etwas geschah mit ihm, etwas veränderte seinen Geist, eine innere Kraft trieb ihn an, die viel stärker war als er selbst. Seine Frau erklärte ihm, er entwickle sich zu einem Menschen, der er niemals gewesen war. Einmal las Flora, seine Frau, die Einträge in einem Block, in den Paul sich hineinsaugen hatte lassen und war entsetzt. Von Jonathan Swift, sagte Flora, stamme doch der Satz, It is useless to attempt to reason a man out of a thing he was never reasoned into, erklärte sie ihm. Warum nur gebe er sich so viel Mühe, irgendwelchen Idioten etwas zu erklären? Paul verstand selbst nicht, was ihn antrieb und meinte, er verliere den Verstand. Seine Tochter hätte es ihm gerne gleich getan, wenn sie ein eigenes Handy gehabt hätte, doch vermuteten Paul und Flora, dass sie insgeheim ohnehin viel Zeit mit ihren Freundinnen im Netz verbrachte. Paul sah ein, dass er ein schlechtes Vorbild für seine Tochter war. Er hatte ein schlechtes Gewissen, doch seine Sucht war stärker. Je mehr Zeit verging, desto öfter stritt er mit seiner Frau und je mehr Zeit verging, desto weniger ertrug er es, allein mit sich selbst zu sein. Er surfte im Netz, wenn er am Morgen aufwachte, nahm das Handy nach dem Frühstück mit auf die Toilette, surfte auf dem Weg zur Arbeit in den Pausen, auf dem Weg nach Hause und später am Abend und in der Nacht, nachdem alle schlafen gegangen waren. Als der Flughafen geschlossen und er in Zwangsurlaub geschickt wurde, machte das alles noch schlimmer. Meine Mutter hatte sowas von Recht, was dich betrifft, schimpfte Flora. Ich hätte auf sie hören sollen. Das Internet, las Paul einmal in einem Essay, ist die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Mehr als das würde es jedoch zum Vorspiel des Krieges. Vor Beginn der Kampfhandlungen hatte in der Stadt eine gespenstische Ruhe geherrscht. In diesen Tagen wurde die Verlagerung der gesamten sozialen Kommunikation ins Netz auf die Spitze getrieben. In früheren Zeiten hatte in Bussen und Straßenbahnen Leben geherrscht. Die Menschen hatten miteinander geredet, Scherze gemacht, gestritten, gesungen, Gitarre gespielt oder sich über die Köpfe von anderen Fahrgästen etwas zugerufen. Manche blätterten in Büchern oder in Zeitungen, andere schauten aus dem Fenster, machten ihre Nachbarn auf etwas aufmerksam oder spielten mit ihren Kindern. Die südländische Lebensfreude überlagerte Armut und Perspektivlosigkeit und wer mit finsterem Gesicht in einen Bus stieg, verließ ihn eine halbe Stunde später oft mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Dies alles gehörte längst der Vergangenheit an. Verbissen starrten alle in ihre Mobiltelefone, stiegen wie Zombies in Busse und Bahnen, konnten ihre Blicke keine Sekunde von ihren Displays losreißen, stiegen wie Zombies wieder aus, wankten zur Arbeit oder nach Hause. Ähnliches konnte man in Kaffeehäusern und Restaurants, in Parkanlagen, Wartezimmern, Frisiersalons, Konzertsälen, Vor- und Nachbegräbnissen am Strand und in allen Straßen der Stadt beobachten. Selbst die Zweijährigen umklammerten schon Geräte, die ihnen wichtiger waren als ihre Schnuller. Kurz bevor der Krieg ausbrach, änderte sich die Stimmung. In den Tagen, Wochen und Monaten danach wurde dann viel darüber diskutiert, wer die Angst und den Hass anheizte, wer davon profitierte, gezielt Falschinformationen lancierte oder reale Missstände aufbauschte. Der verbissene Gesichtsausdruck der Menschen wurde wütend, verzweifelt, manchmal resigniert, meist aber voller Aggression. Die Bewegungen der Daumen und Zeigefinger wurden schneller, gehetzter, wenn Kommentare und Drohungen in Geräte gehämmert oder Bilder verschickt wurden. Je Hass erfüllte die Menschen miteinander umgingen, desto weniger sahen sie einander im realen Leben an. Allenfalls nahm man den Mitmenschen wahr, wenn ein gutes Fotomotiv darstellte. Man grüßte den Nachbarn freundlich, dem man gerade eben auf Twitter die Vergewaltigung seiner Kinder gewünscht hatte, scherzte am Mittagstisch mit einem Arbeitskollegen, dem man auf Instagram gerne die Kehle durchschneiden würde, oder hielt einer Dame die Tür auf, die man wenige Minuten zuvor auf Facebook als Drecksfotze beschimpft hatte. Irgendwann jedoch geschah das, was geschehen musste. Als der Hass so groß wurde, dass er nicht mehr zu ertragen war, schauten die Menschen von ihren Bildschirmen und Displays auf und erkannten in den Gesichtern ihrer Nachbarn, Bekannten und der guten Freunde von einst denselben Hass und dieselbe Angst, die sie selbst empfanden. Das ertrugen sie nicht. Sie wurden taub und blind und das Morden begann. Ich habe mir dieses Zitat, das jetzt am Schluss der zweiten Lesung gestanden ist, angestrichen und mir dazu notiert. Fürchten Sie eine Dehumanisierung der Menschen durch das Internet? Was macht das Internet mit uns, ist in meinen Augen die eine zentrale Frage und das andere ist, was macht der Krieg mit uns? Die Geschichte umschreiben, bleiben wir jetzt mal beim Internet. Wenn man den ganzen Krieg Ukraine, die Aktualität wegschiebt, was ist die Botschaft? Die erste Botschaft, die bei mir hängen geblieben ist, ist die Sorge, wer braucht irgendwo, wer braucht schon das reale Leben, sagt, glaube ich, Paul, wenn es das Netz gibt. Genau. Das sagt nicht Paul, das sagt, glaube ich, einer von diesen beiden Gaunern, der Abdul und Abdullah. Das ist noch eine eigene Geschichte mit zwei Internetfachleuten, die versprechen ihm zu helfen, Abdul und Abdullah. Die versprechen ihm zu helfen, Abdul und Abdullah, und dann stellt sich aber heraus, dass sie jetzt auch nicht unbedingt das sind, was die Vorgaben zu sein, aber da verrate ich jetzt noch nicht zu viel dazu. Jedenfalls einer von den beiden, ich weiß jetzt nicht, wer von den beiden, es bleibt auch ziemlich offen, wer eigentlich von den beiden jetzt Abdul und Abdullah ist, die wechseln dann irgendwie die Rollen auch oftmals. Jedenfalls sagt er immer, wer braucht schon das reale Leben, wenn es das Netz gibt. Und in der Tat, wir leben ja in einer Welt, in der die Virtualität immer stärker und unmittelbarer wird. Und ja, zu Ihrer Frage, ja, das führt zu einer Dehumanisierung, also das wird nicht erst dazu führen, das hat ja schon dazu geführt. Wir sind ja schon dort, es wird eher schlimmer, zwar, aber ich denke, wir haben die Talsohle schon erreicht, ich glaube, schlimmer kann es ja nicht mehr werden. Oder vielleicht kann es schlimmer werden, es kann immer schlimmer werden. anzugreifen in einem virtuellen Raum und so unmittelbar zu dehumanisieren, das wofür man früher schon eine gewisse Arbeit gebraucht hat, sei es Arbeit des Regimes, sei es sozusagen eigene persönliche Arbeit oder wenn man zum Militär gegangen ist, wurde man ja erst einmal gebrochen und dann wurde man quasi neu aufgebaut als Kampfmaschine, die den Feind nicht mehr als Mensch sieht. Und das erledigen wir ja jetzt schon selber, indem wir ins Internet gehen, uns irgendwelche Avatare oder Profile auswählen und dort mit unseren Feinden oder Gegnern vermeintlichen Streiten und Kämpfen. Und diese Gegner sind ja auch keine realen Menschen, das sind ja auch nur Profile. Aber der Paul begeht den Fehler, er glaubt ja, und deshalb ist er ja auch am Anfang, wie er da mitgenommen wird, so überrascht, dass er sich eine falsche Identität genommen hat. Man kommt eh nicht drauf, wer er sozusagen in Wirklichkeit ist. Und es ist mit simplen Dingen, also relativ einfach festzustellen, wer steckt hinter einer angenommenen Identität. Wenn Profis mit der entsprechenden Infrastruktur tätig sind, dann stellen sie das natürlich fest. Also das ist ja auch das, was viele Leute, die sich nicht auskennen oder die ein bisschen naiv sind, glauben, dass das, was sie im Netz machen, dass sie das irgendwie verschleiern oder verstecken können. In Wirklichkeit geht das natürlich nicht. Alles appert irgendwann einmal aus. geht das natürlich nicht. Alles apert irgendwann einmal aus. Aber das, was Sie vorgelesen haben, diese Stelle, wo die Frau sagt, Paul, du entwickelst dich zu einem Menschen, der du niemals gewesen bist. Ja, natürlich. Das ist doch so ein Alarmsignal und wirklich reagieren tut er nicht drauf. Nein, weil er süchtig ist und Sucht funktioniert so. Wenn jemand drogenabhängig ist und man sagt ihm, du entwickelst dich zu einem anderen Menschen, hör auf damit, wer hört wirklich auf? Also das ist ja, wer hört mit dem Rauchen an? Das ist jetzt eine Sucht, die nicht in der Form persönlichkeitsverändernd ist, aber auch tödlich enden kann, bekanntermaßen. Trotzdem sagen sie einem Raucher, ja, du stirbst dran, jetzt hör endlich damit auf, das ist ja Wahnsinn, was du da treibst. Er sagt, ja, ja, du hast recht und sündet sich die nächste Zigarette an, aber dann bei den härteren Drogen sind das ja dann schon Menschen, die wirklich, um ihrer Sucht zu frönen, dann Beschaffungskriminalität begehen und hier, das ist dasselbe. Es ist alles, also es ist nicht dasselbe, aber es hat nicht dieselbe Auswirkung, aber es ist dasselbe Muster dahinter, es ist Sucht, Leute, die dann im Internet dem verfallen und das regelmäßig machen, die haben Entzugserscheinungen, es gibt auch Anonyme, weiß nicht, Internet-Trolle, die sich wahrscheinlich treffen, gibt es sicher alles. Es ist eine Sucht. Aber das Gefährliche daran ist, dass das sehr viele Menschen machen und dass die realen Auswirkungen, wenn es ins Politische geht, dann durchaus sehr materiell sind, weil gestorben wird ja dann im realen Leben und das Blut ist echt. Es kann ein Vorspiel zum Krieg werden. Ja, oder es kann einen realen Krieg auch verschärfen. Und der Krieg muss aber nicht Militär gegen Militär sein. Der Krieg kann sich innerhalb einer Gesellschaft zwischen Arm und Reich oder zwischen Machtlosen und... Natürlich. Wir haben es ja auch hier schon bei uns gesehen in der Corona-Pandemie zwischen Corona-Leugnern und den anderen, dass das manchmal auch eskaliert. Es gab in Deutschland den Fall des Mannes, der gebeten wurde, eine Maske aufzusetzen in einer Tankstelle und der dann nach Hause ging, eine Waffe mitnahm, zurückkam und diesen verkäufer in der tankstelle erschoss also das und wir haben ja wir haben ja auch gewalt das ist natürlich nicht nicht in dieser dimension aber diese gewaltbereitschaft in der gesellschaft wird natürlich dadurch gefördert ich habe vorher gesagt das ist eines der zentralen Themen, was aufmerksam zu machen, oder ich würde fast sagen aufzurütteln, was tut dieses Netz, nämlich auch an Langzeitfolgen mit uns, mit unserer Gesellschaft. Es wird sozusagen ja nicht nur das einzelne Individuum durch so eine Kriegssituation verändert, traumatisiert, sondern es soll ja auch die Geschichte einer ganzen Bevölkerung umgeschrieben werden. aufmerksam liest, wird drauf kommen, dass Sie da und dort Orwell 1984 2 plus 2 ist 5 Bezug nehmen. Und wenn man dann zu 1984 greift, dann wird es spannend. Also wenn man diese Stellen vergleicht, wird meiner Meinung nach noch die Tragweite dessen, was hier gemeint wird, noch viel schärfer zugespitzt. Ich möchte Ihnen allen, meine Damen und Herren, eine kurze Stelle vorlesen, weil die für mich signifikant etwas, nämlich dieses Problem, was tut das mit meiner Identität, beleuchtet in fünf Zeilen. Lisas Mutter sagt, dass wir alles neu werden lernen müssen, wenn die Terroristen einmarschiert sind. Sie selbst nennen sich Freiheitskämpfer und die Terroristen einmarschiert sind. Sie selbst nennen sich Freiheitskämpfer und die Terroristen wären dann wir, sagt Lisas Mutter. Das heißt, wir sind dann eigentlich nicht mehr wir, sondern wir sind eigentlich schon sie, nachdem sie uns erobert haben. Oder? Versteht ihr, was ich meine? Also diese Dimension, da passiert ein Umschreibeprozess der Identität und das nicht nur im Kleinen, einer Familie, sondern einer ganzen Bevölkerung. Und jetzt haben wir in der Realität, also das, was jetzt hier auch in anderen benachbarten Ländern zu Ukraine befürchtet wird, ist, dass auch deren Identität umgeschrieben wird. umgeschrieben wird. Ich bin jetzt beim Titel Zebra im Krieg. Dieses Umschreiben kann ja auch durch Schwarz-Weiß-Zeichnung passieren. Für mich ist das Zebra eine Symbolfigur für Schwarz-Weiß-Zeichnung passieren. Für mich ist das Zebra eine Symbolfigur sozusagen für Schwarz-Weiß-Zeichnung. Und es ist völlig egal, weil ich glaube, die Tochter oder der Vater, glaube ich, fängt jetzt die Schwarz-Weiß-Zeichnung mit Weiß oder Schwarz an. Genau. Zum Zebra. Ich wollte eigentlich diese kurze Passage lesen, aber ich sehe aufgrund der fortgeschrittenen Zeit, ich werde sie weglassen und nur noch eine dritte Passage lesen, aber zum Zebra, das erzähle ich einfach so. Also warum heißt das Zebra im Krieg? Es heißt Zebra im Krieg, weil plötzlich eines Morgens Lena ihrem Vater sagt, Papa, da ist ein Zebra im Krieg. Es heißt Zebra im Krieg, weil plötzlich eines Morgens Lena ihrem Vater sagt, Papa, da ist ein Zebra. Und sie schaut aus dem Fenster und sagt, da ist ein Zebra. Und er sagt, nein, das ist ein Pferd wahrscheinlich. Naja gut, er schaut raus und sieht wirklich ein Zebra. Dort steht ein Zebra und was ihn erstaunt ist, nicht so sehr, dass da ein Zebra mitten auf der Straße steht, denn er weiß und alle wissen, dass der städtische Zoo Kriegszone war, zuerst bombardiert wurde und dann auch wirklich Frontlinie, die lief dann quer durch den Zoo. weg, aber die Tiere, einige waren doch noch da und haben sich dann auch verbreitet in der Stadt. Also man hat dort eine Giraffe dann gesichtet, ein Krokodil taucht dann auf im Teich, im städtischen Stadtpark. Das ist auch eine Geschichte für sich, die noch erzählt wird. Und eben dieses Zebra, das taucht immer wieder auf und was ihn aber erstaunt ist, nicht diese Tatsache dass es auch zahm ist ein zotebra wahrscheinlich sondern dass die leute schon so in ihrer eigenen welt sind und schon so abgestumpft sind ob diese ereignisse dass sie an diesem zebra vorbeigehen ohne es anzuschauen und ohne zu staunen und Und dieses Zebra steht da und das wird nicht einmal mit dem Handy fotografiert und das in unserer Zeit. Wenn etwas nicht mit dem Handy fotografiert ist, das ist schon fast unerhört. Und da kommt eben dieses Motiv von Schwarz-Weiß, weil Schwarz-Weiß einerseits eben, wie Sie sagen, fängt das Zebra jetzt mit den schwarzen oder mit den weißen Streifen an, darüber scherzt er dann mit seiner Tochter und andererseits ist natürlich ein Zebra nicht von ungefähr schwarz-weiß, sondern das ist evolutionär, hat das ja eine Bedeutung, einen Sinn, dass das Zebra dann in der Savanne für die meistens nur schwarz-weiß sehenden Raubtiere dann nicht mehr erkennbar ist. Weil es sozusagen mit der, wenn es sich vor allem bewegt, dann mit der Landschaft verschmilzt, das war das Wort, das ich gesucht hatte, danke, mit der Landschaft verschmilzt und dann nicht mehr erkennbar ist. Und da ist natürlich auch eine gewisse Symbolik dahinter. So weit. Und das Zebra zieht sich dann durch. Am Schluss gibt es auch noch eine Geschichte mit dem Zebra, ganz am Schluss, die ich jetzt nicht erzählen werde. Aber das Zebra könnte man ja auch, weil heute in den Salzburger Nachrichten die Diskussion innerhalb russischer Familien, welche Nachricht ist die Wahrheit, die ihr uns serviert. Das Zebra kann man auch lesen als, wenn man will, das ist fake. Es reagiert niemand. Die Nachricht, Papa, da steht ein Zebra unten, okay. Das hat der Herr Wertlieb Das teuflische ist natürlich, dass das Zebra selber ja dann kein Fake ist. Also das, was man dann im Netz sieht an Bildern, die Bilder selber sind in den meisten Fällen kein Fake. Nur die Unterschriften zu den Bildern oder sozusagen der Ton zu den Bildern, der ist oft Fake. Also man sieht dann ein Gefecht, und es war ein Gefecht, aber es ist halt ein Gefecht, das findet woanders statt, als dort, wo es angeblich stattfinden soll. Oder man sieht Leute in einem Luftschutzkeller sitzen unter Beschuss und man sagt, die sitzen jetzt da und da und in Wiret ihn auf die Art und Weise propagandistisch und das ist ja eigentlich die doppelte Infamie, dass man den realen Wahnsinn, also das sind keine, man muss nicht, das sind keine gestellten Bilder, selten. Es sind dann Bilder aus anderen Kriegen oft. Also das Zebra ist schon echt, aber vielleicht ist es doch ein Pferd, das angemalt ist, das ist ja der Punkt. Ja, also zum Abschluss noch ein kleiner Ausschnitt aus einem Kapitel, eine kleinere Passage, die vielleicht auch durchaus bezeichnend ist, weil sie auch einen realen Hintergrund hat, wie so manches hier. Und zwar geht Paul, die Stadt ist dann schon einige Zeit besetzt von diesen Rebellen und wird jetzt belagert, aber diesmal von der anderen Seite. Davor haben sie die Rebellen belagert und inzwischen wird sie von den Regierungsgruppen belagert. wird sie von den Regierungsgruppen belagert und er ist außerdem noch als Pisser im Netz natürlich schon so eine sinistere Berühmtheit und seine Familie sagt ihm, naja, soll sich bitte fernhalten von der Stadt und soll nicht rausgehen. Aber er geht raus, also er hält das nicht aus. Er geht spazieren, er besucht Freunde, er will einen Freund besuchen und da passiert es auch, dass er dann plötzlich in einer großen Menschentraube stecken bleibt und kommt nicht weiter. und zuerst weiß er gar nicht, was da passiert und dann sieht er plötzlich, wird ein großer Müllcontainer, so ein Fräder, so ein Biomüllcontainer, wird zu diesem Gebäude, zu einem offenen Fenster im Gebäude geschoben und dann wird der Deckel geöffnet und dann beginnt er schon zu ahnen, was hier passiert. Der Deckel ist geöffnet, ein riesiges zahnloses Maul wird aufgerissen. Es wollte alles in seinen schwarzen Schlund ziehen, was von oben kommt. Aus dem Inneren steigt ein übler Geruch auf, eine Mischung aus Jauche, faulem Obst und verwesenem Fleisch. Wespen und Fliegen kreisen um die maulartige Öffnung. Und plötzlich versteht Paul, was der Mob skandiert. In den Müll, in den Müll, in den Müll. Nun weiß Paul, was vor sich geht. Hier findet eine Entsorgung, eine sogenannte Illustration statt. Rituelle Entsorgungen sind nicht neu, doch hier in der Stadt bis jetzt sehr selten gewesen, sodass Paul noch nie einem solchen Schauspiel beigewohnt hat. Soweit er sich erinnern kann, fanden die ersten Aktionen dieser Art während der pinkfarbenen Revolution in der Hauptstadt statt. Damals wurden korrupte Beamte und bekannte Anhänger des alten Regimes entsorgt. Künstler und Intellektuelle liest man aber noch in Ruhe. Etwas wird aus dem geöffneten Fenster gehalten. Auf den ersten Blick sieht es wie ein Paket aus. Erst als sich Pauls Augen an das grelle Sonnenlicht gewöhnt haben, das ihm ins Gesicht scheint, erkennt er, was, besser gesagt, wer hier von kräftigen Armen, einiger unsichtbar im Inneren des Gebäudes bleibender Peiniger, hinausgehalten wird. Es ist Céline Muscat, Leiterin des kleinen Stadttheaters, langjährige Regisseurin, Dramaturgin, ehemals Schauspielerin und Sängerin, Popsternchen der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts, inzwischen berüchtigt für ihre skandalträchtigen Theaterinszenierungen und ihre böse Zunge. Dass sie entsorgt werden soll, wundert Paul nach allem, was Frau Muscat in den letzten Monaten über die Rebellen, die Stadtbewohner und die Zustände im Land gesagt und geschrieben hat, nicht. Wie komme ich hier nur weg, fragt sich Paul. Mein Gott, ich will das nicht. Ich will nicht hier sein. Doch es gibt keinen Weg aus der Menschenmasse, die ihn umklammert hält und auch wenn er sich bemüht wegzuschauen, kann er seinen Blick schließlich doch nicht von dem sich windenden Körper losreißen, dessen Beine strampelnd über dem Abgrund hängern. Der Biomüllcontainer wird direkt unter das offene Fenster geschoben. Sein offenes Maul ist bereit, die Frau aufzunehmen. Es scheint, als würden alle den Atem anhalten und gespannt darauf warten, was als nächstes geschieht. So, ja genau so muss es während der französischen Revolution gewesen sein. In den Momenten unmittelbar bevor das Fallbeil der Guillotine auf seine Opfer herunterfiel, denkt Paul. Atem anhalten, eine seltsame unerträgliche Stille, Zeitstillstand, Herzstillstand. stürzt. Kein Ton dringt aus ihrem Mund. Man hört das dumpfe Geräusch, als sie im Inneren des Containers aufschlägt. Sieht schmutzigen Staub, Stroh, Wespen und Fliegen aufsteigen. Schnell wird der Deckel zugeklappt. Er schließt mit einem lauten, satten Knall. Die Menge beginnt wieder zu johlen und zu schreien und dann ertönt aus einigen und bald danach aus mehreren, aus vielen und schließt sich aus fast allen Kehlen. Muskat Müll, Muskat ist Müll, Muskat Müll, menschlicher Müll. Ja, Paul versucht sich dann aus dieser Menschenmenge irgendwie herauszuwinden. Dabei steigt auch jemand auf den Fuß, entschuldigt sich und dann hört er plötzlich eine tiefe männliche Stimme neben sich. Ist das nicht der Pisser, der von dem Video? Ja, genau, schreit jemand. Sie irren sich, protestiert Paul. Ich bin nicht der von dem Video. Doch, doch, doch, das ist der kleine Wichser, der... Paul macht einen schnellen Schritt vorwärts, doch jemand hält ihm am Ärmel fest. Was wollen Sie von mir, brüllte er. Ich bin es nicht. Hier geblieben, Freundchen. Ich bin nicht derjenige, für den Sie mich halten. Ich habe mit dem Pisser nichts zu tun. Ich kenne ihn überhaupt nicht. Wierendes Gelächter. Lassen Sie mich los. Lassen Sie mich gehen. Doch es ist zu spät. In Sekundenschnelle spricht sich herum, dass der Pisser gesichtet worden sei und bald schon ertönte eine weibliche Stimme vom anderen Ende des Platzes und zwar so laut und durchdringend, dass es alle hören können. Schmeißt ihn doch auch in den Müll. Super Idee. In den Container. Hierher, hierher tönt es aus der unmittelbaren Umgebung des Müllcontainers. Die beiden passen zusammen, die alte Fotze und der kleine Wichser. Müll zieht Müll an und macht neuen Müll. Müll zu Müll, Kadaver zu Kadaver, Abschaum zu Abschaum. Pisser in den Müll, Pisser ist Müll, Pisser Müll. Ja, jedenfalls, er wird dann wirklich auch noch zu dieser Regisseurin in den Müllcontainer geworfen. Davor beißt er jemanden, der andere schlägt ihm. Er verliert kurz das Bewusstsein, also Paul verliert kurz das Bewusstsein. Jedenfalls er landet dann im Müll und als er dort wieder zu sich kommt, hört er die Stimme der Regisseurin. Leben Sie noch? Mit Mühe presst er ein Ja heraus. Das ist immerhin ein Fortschritt, sagt sie. In früheren Zeiten hätten sie uns geteert und gefedert oder gleich am nächsten Baum aufgehängt. Sie machen sich ein Theaterstück daraus, stöhnt er. Worauf sie wetten können, meint sie. Was für ein Stoff. Ja, dann schlagen die Leute auf diesen Müllcontainer drauf, also da können sie eine Zeit lang nicht reden und dann hört aber dieser Lärm auf und dann können sie doch wieder reden. Und dann sagt er plötzlich, der Paul, ihre König-Lier-Inszenierung habe ich übrigens großartig gefunden, bemerkt Paul. Fred Paul Junior in der Rolle des Lear, unübertroffen. Danke, sagt die Regisseurin. Ich hoffe, es wird irgendwann einmal wieder aufgeführt, sagt er. Wenn es in diesem Leben irgendwann noch ein Irgendwann gibt, bemerkt sie. Was labere ich denn da für einen Unsinn daher, denkt Paul. Ich sollte die Klappe halten. Aber er spricht weiter und sagt, dieses futuristische Bühnenbild hat mich überwältigt. Sie haben die 1920er Jahre auferstehen lassen, in einen zeitgenössischen Kontext gestellt und mit so viel Leidenschaft und politischer Bedeutung versehen? Die Regisseurin fällt ihm ins Wort. Ich frage mich, ob das Menschen- oder Hundescheiße ist, auf der wir hier herum sitzen müssen. Riecht nach menschlichen Ausscheidungen, gnädige Frau, sagt Paul. Sehr gut, sagt sie. Es ekelt mich vor Hunden und Katzen und erst recht vor deren Kot. Ich kann Haustiere nicht ausstehen.« Fred Paul Junior, dieser großartige Schauspieler. »Fred ist gerade in Riga«, erklärt sie. Er hat sich rechtzeitig abgesetzt. »Warum sind Sie eigentlich noch hier?«, fragt er. »Ich bin in meinem Leben noch nie davon gelaufen, sagt sie. Solange ich lebe, bleibe ich in meiner Stadt. Hier bin ich zu Hause. Lebend bringt mich niemand von hier weg. Bewundernswert, denkt Paul. Sagt Paul, vielleicht aber auch ein bisschen blöd, denkt er, behält den Gedanken aber für sich und wiederholt stattdessen noch einmal, wenn auch mit schwacher Stimme, bewundernswert. Und Sie sind wer, fragt die Regisseurin? Paul Sarianidis. Angenehm, sollte ich Sie kennen? Ich bin der Pisser. Wie bitte? Ich bin der Mann auf dem Video, der von Lupowitsch bedroht und gedemütigt wurde und vor Angst in die Hose gemacht hat vor laufender Kamera. Welches Video? Wer ist Lupowitsch bedroht und gedemütigt wurde und vor Angst in die Hose gemacht hat vor laufender Kamera. Welches Video? Wer ist Lupowitsch? Was für eine Demütigung? fragt sie. Sie wissen nicht, wer Lupowitsch ist, fragt Paul erstaunt. Das Video ist überall auf YouTube und in allen sozialen Netzwerken zu sehen, im Fernsehen. Ich schaue seit Jahren nicht mehr fern, unterbricht den Selin Muscat. Die Glotze macht mich depressiv. Ich hasse YouTube, es ist das Klo des Internets. Und soziale Netzwerke sind mir zutiefst zuwider, seit es sie gibt. Das ist doch nichts für Menschen mit Charakter und Stil. Deshalb bekomme ich oft weniger mit als andere, was mir nicht Unrecht ist. Die Wahrheit erschließt sich mir auf anderen Wegen. Ich bin Künstlerin. Sie wissen aber schon, dass die Rebellen unsere Stadt erobert haben. Das schon, sagt sie. Wenn man in einen Mistkübel geworfen wird, bekommt man ja doch einiges mit. Ich verstehe, sagt er. Ach, was verstehen Sie denn schon? Immerhin sitze ich hier neben Ihnen, meint er. Zwei Minuten später dürfen Selin Muscat und Paul den Biomüllcontainer verlassen. Ein kräftiger Mann mit schwarzem Vollbart hilft ihnen hinaus und weist ihnen den Weg. Der Mob macht den beiden Platz und lässt sie gehen. Naja, und dann, sie gehen diese Straße wieder hinunter, also an den Besuch des Freundes ist für Paul natürlich nicht mehr zu denken, so wie er jetzt aussieht. Und dann verabschieden sie sich. Ich gebe Ihnen nicht die Hand, sagt Frau Muscat, als sie am unteren der Stadt zugewandten Ende der Straße angelangt sind und endlich allein sind. Noch nie in meinem Leben waren meine Hände so schmutzig wie jetzt. Paul nickt und schaut sie schweigend an. Es wäre mir lieber gewesen, wenn wir uns unter anderen Umständen begegnet wären, sagt sie und lächelt. Allerdings werde ich sie nie vergessen, das können sie mir glauben. Sie haben mich gar nicht gefragt, warum man mich in den Dreck geworfen hat, sagt er. Spielt das eine Rolle, fragt sie und lächelt. Zeigen Sie mir einen Menschen, der es im Leben nie verdient hätte, irgendwann einmal in den Dreck geworfen zu werden. Passen Sie auf sich auf, sagt Paul, macht eine kurze Verbeugung und geht. Ja, soweit jetzt auch diese dritte und letzte Passage für heute Abend aus dem Roman. auch diese dritte und letzte Passage für heute Abend aus dem Roman. Also die Situation spitzt sich da natürlich noch zu und es gibt noch einige Stränge in dem Roman, auf die wir noch nicht eingegangen sind und dann kommt es irgendwie auch zu einem recht dramatischen Ende, das ich heute nicht verraten werde. Aber danke für Ihre Aufmerksamkeit. Jetzt habe ich noch eineinhalb Schlussfragen. Das eine ist, Danke für Ihre Aufmerksamkeit. Leben das Richtige machen und zur Antwort bekommt, es gibt kein richtig und falsch, es gibt nur nützlich oder schädlich. Ist das die Moral von der Geschichte? Für mich nicht, aber das mag jede Leserin und jeder leser für sich selbst entscheiden also ich glaube ich meine sie wissen wer das sagt es gibt nur nützlich oder schädlich also das ist jetzt eine figur die vielleicht nicht unbedingt mein alter ego ist in diesem roman und ja ja, es gibt schon richtig oder falsch für mich. Ob das jetzt die Moral von der Geschichte ist? Vielleicht. Aber ich will natürlich als Autor Ihnen nicht die Moral von der Geschichte mitliefern. Das wäre ganz falsch. Ich meine, ein Roman, das ist ein Roman, den müssen Sie selbst lesen. Und selbst quasi Ihre Schlussfolgerungen ziehen. Ich bin ja, ich bin nur der, der es geschrieben hat. Jetzt hat das Roman ein Eigenleben. Und jetzt hat es eine Selbstständigkeit erlangt, ganz unabhängig von mir. Und jeder, der es liest, schreibt es neu? Jeder, der es liest, versteht es neu vielleicht. Schreiben hoffentlich nicht, aber verstehen. An irgendeiner Stelle steht ein für mich, jetzt neben diesen, wirklich, Gott sei Dank haben Sie diese eine Stelle ausgewählt, weil es die Bedeutung des Humors oder auch der Selbstkritik oder des Distanz zu sich selber einnehmen, wirklich wunderbar beleuchtet. Es gibt einen sehr hoffnungsfrohen, für mich hoffnungsfrohen Satz, der Morgen ist klüger als der Abend. Ist das eine jüdische Weisheit? Keine Ahnung, ich weiß es nicht. Der Morgen ist klüger als der Abend. Ist Ihnen der Satz eingefallen oder haben Sie den irgendwo gelesen? Eigentlich ist das, ich kenne es auf Russisch. Okay. Utre Vechera Mudrine ist eigentlich ein Ausdruck, den ich von meiner Mutter kenne. Es ist in so einem etwas stilisierten Russisch formuliert. Vielleicht ist es eine russische Weisheit, aber vielleicht ist es auch eine jüdische Weisheit. Es ist auch, ja vielleicht ist es einfach eine Weisheit meiner Mutter. Also mir reicht es, mir genügt es. Weil ich am Anfang Brecht, die blutigen Hähne zitiert habe, weil der Morgen ist klüger als der Abend, kann ja auch gelesen werden als das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine. Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag. Das Lied von der Moldau. Also dass es in Zeiten wie diesen wirklich Hoffnung geben könnte. Also der wichtige Teil heißt, es wechseln die Zeiten, die riesigen Pläne der Mächtigen kommen am Ende zum Halt. Und gehen sie einher, auch wie blutige Hähne. Es wechseln die Zeiten, da hilft kein Gewalt. Insofern, also der Morgen ist klüger als der Abend, hoffen wir, dass das Buch, der Schluss sei nicht verraten, dass einen klugen Morgen uns verspricht und das Gedicht uns Hoffnung gibt, dass das Drama, was sich da im Hintergrund abspielt, bald enden möge. Das ist sozusagen mein Schlusssatz, bevor ich das Publikum bitte, die Fragen an den Autor zu stellen. Wer stellt die zweite Frage? Ich habe eine Frage. Bitte. Ich habe eine Frage. Es steht, dass die Zepa im Weg von Man nach einer Wahn begegnet. Ja, ausgegangen bin ich tatsächlich von einem Ereignis in einer Stadt in der Ostukraine, die jetzt übrigens auch heftig umkämpft wird, aber egal jetzt welche, in der diese Geschichte mit dem Video tatsächlich stattfand, ungefähr so, wie ich es beschrieben habe, ich habe es noch ein bisschen zugespitzt, Das war ungefähr so, wie ich es beschrieben habe. Ich habe es noch ein bisschen zugespitzt. Das Video gibt es sogar noch. Aber es gab einen Ukrainer, der einen Separatärisch aktiv wurde mit seinen Freischellern und eben diese Stadt zeitweise dann unter Kontrolle hatte, der ihn auch wirklich so bedroht hat und dann sind die dort einmarschiert und haben den dann tatsächlich so vorgeführt. Also das war die reale Geschichte. Und dann habe ich, sonst weiß ich nichts über diesen damals relativ jungen Mann. Und die Figur des Paul ist natürlich absolut fiktional. Also das ist quasi die einzige wahre Begebenheit, was den Paul betrifft. Alles andere habe ich ihn erschaffen als symbolische Figur. Aber es gibt schon reale Geschichten. Natürlich, auch diese Illustrationen haben ja tatsächlich in der Ukraine stattgefunden damals. Also es wurden ja Menschen als Biomüll, das ist ja auch, wenn man in die russischsprachigen oder ukrainischen Netzwerke hineingeht, Menschen als Biomusser, als Biomüll zu bezeichnen, ist irgendwie dort ganz okay. Geht man sogar bei uns nicht. Ich meine, ich diskutiere, ich bin ja auch recht aktiv in den Netzwerken, aber wenn man hier zum Beispiel mit Rechtsradikalen oder FPÖ-Anhängern redet, so weit wie dort gehen die nicht. Also es ist schon hier auf Facebook irgendwo, sind doch zivilisiertere Westler. Sagen wir mal so, das ist jetzt gemein. Bitte. Herr Wertlieb ist natürlich auch gern bereit, Bücher zu signieren. Also das sei noch ergänzend gesagt gut wollen sie ein schlusswort okay ja ich möchte sie wirklich einladen, auch noch vielleicht im direkten Gespräch mit Herrn Wertlieb, ihm die eine oder andere Frage zu stellen, auch die Chance, sein Buch Zebra lege ich Ihnen sehr ans Herz. Es ist für mich ein Buch, das ich schon ein paar Mal weiterempfohlen habe, auch heute in Salzburg. Und ich wünsche Ihnen viel Erfolg. Danke sehr. Und ich hoffe, dass, ich bin schon sehr gespannt, ich formuliere es andersherum, wie das nächste Buch, wie der Beginn des nächsten Buches, ob es sich anschließt an das Ende dieses Buches. Jedenfalls, ich freue mich wieder auf ein Buch von Vladimir Vertleb. Danke fürs Kommen. Ich danke Ihnen noch für die tolle Begrüßung. Vielen Dank. Vielen Dank.