Mein Name ist Gero und ich bin zum Graffiti wahrscheinlich 89, 88 so gekommen. Das war so, dass es in den oberösterreichischen Nachrichten einen Artikel gegeben hat über den ersten bemalten Zug in München, den Geltendorfzug. Das hat mich sehr fasziniert. Ich habe damals schon gewusst, dass Graffiti in New York gibt, habe aber überhaupt nicht gewusst, wie das genau ausschaut und war dann total begeistert, dass das in München gibt, das praktisch gar nicht so weit weg ist von mir. Und dann bin ich per Autostopp nach München gefahren und habe dort die ersten Graffiti-Maler kennengelernt. Mein Name ist Erich Willner und mein Sprüh-Name ist Shed, S-H-E-D. Und ich sprühe jetzt seit 27 Jahren. Zum Sprühen bin ich gekommen mehr oder weniger durch eine Radiosendung, die ein Freund gehört hat, das in Wels, in der Nebenstadt von Linz, ein Graffiti-Workshop ist. Und wir waren vier Kumpels und haben gesagt, das schauen wir uns einfach an und sind dann nach Weiß gefahren. Und da hat unter anderem auch schon das Kero da gesprüht und so Berühmtheiten wie Burns, Lomet und so weiter, die haben uns das Sprühen beigebracht. Also mein Name ist Schuh77, Interesse für die ganze Hip-Hop-Geschichte ist irgendwie so Anfang der 90er entstanden und das ist dann irgendwie, hat sich das ein bisschen intensiviert, man hat dann viel MTV geschaut, man hat irgendwie sowieso immer geschaut, dass man die Sachen halt irgendwo herkriegt zum Hören, gleichzeitig aber hat man gesehen, okay da gibt es aber gesehen, da gibt es Breaker, Sprüher, bunte Graffitis in den Videos. Das wollen wir auch machen. Und dann haben wir mit Ende 1994 unser erstes Bild gemacht, das immer noch steht, witzigerweise. Das war ein voll erschierches Hip-Hop, was wir gesprüht haben. Irgendwie waren wir einfach nur geflasht mit dem, dass da voll was der Dose rauskommt und mit Effekten, die entstehen konnten. Und mir war noch gar nicht bewusst, was das jetzt überhaupt ist und werden soll. Und ich war nicht einmal gewusst, dass jeder Sprüher einen eigenen Tag-Namen hat und zum Schluss auch unterschreibt. Und dann waren wir fertig damit und der Factor hat gesagt, du musst ihn unterschreiben. Und ich so, was muss ich machen? Ja, du musst einen Tag machen. Und er so, was ist ein Tag? Keine Ahnung. Und ich war voll überfordert, dass ich mir selber dann einen Namen gebe und da ich sowieso schon immer irgendwas mit Schuhen auch in der Schuhe schon gehabt habe, habe ich dann einfach eigentlich einen Icon gesprüht, also so einen kleinen Mini-Schuh habe ich gesprüht. Das war mein Tag damals, weil ich gar nicht gewusst habe, dass ich das brauche. Was mich auch sehr geprägt hat, war, dass ich bei der Wien Woche mit der Schule, das war glaube ich noch früher, hat es in Wien so eine Straßenbahn gegeben, so einen J-Wagen, der vom Face2 und vom Delta aus New York bemalt gewesen ist. Und den habe ich auf der Wienwochen gesehen. Da sind wir gerade beim Volksgarten gestanden und haben auf die Straßenbahn gewartet von der Schulklasse und auf einmal kommt dieser Straßenbahnzug daher und ich habe es überhaupt nicht mehr gepackt. Weil ich hab ja gar nicht gewusst, ist das jetzt legal oder illegal, wer ist das überhaupt, wo kommt das her jetzt und so. 1995, 1996 waren wir halt da in Interrail und haben dann in Berlin einen Ami kennengelernt, durch Zufall am Bahnhof Zoo, das war der Jolz. Aus dem aus ist dann eine Freundschaft entstanden, die in Richtung Brieffreundschaft gegangen ist, mit Packerl hin und herschicken und so weiter. Er war aber schon in diesem Lords-Kollektiv drinnen, das ursprünglich ja von Kalifornien kommt. Irgendwann hat es dann geklappt, mit 97 oder so, okay, schaut es doch einfach um und so, weil ich wollte es nicht auch da irgendwie dabei sein bei uns. Und dann sind wir eigentlich sehr überfordert, glaube ich, für die da drüben, alle auf einmal umahren sind und haben einfach ein cooles Monat mit denen verbracht. Und dann war klar, okay, das ist irgendwie eine Wöhnlinie und das passt super zusammen. Und dann war klar für uns, dass wir dieses LORZ-Ding weiterschreiben. Das gibt es seit Mitte der 80er Jahre, die LORZ-Crew, und bei uns gibt es es so seit Ende der 90er und Lords in Kalifornien gibt es seit Mitte der 80er. Es ist also eine Gang-Geschichte entstanden und dann so eine Graffiti-DJ-Breaker-Hip-Hop-Crew irgendwie geworden. Und es war relativ bald klar, dass diese Basics, die in Österreich oder Europa lange nicht so wichtig waren, dass starke Tags wichtig sind, Throbs, Buchstabenformen und so weiter. Da haben wir voll viel von dieser Californian Connection profitiert. Und ich glaube, man sieht das auch noch immer ganz viel in unseren Bildern, dass das ein wichtiger Teil des Ganzen war. Ich habe damals sehr viel gezeichnet und fotografiert, weil es zu der Zeit kein Internet gab und auch keine Graffiti-Magazine. Das heißt, Fotos waren heilig eigentlich und die hat man untereinander austauscht. Und das war die einzige Möglichkeit, wie man so Sachen archivieren konnte. Ich bin auch interrailmäßig viel unterwegs gewesen. Ich war dann in Holland und Frankreich und England und irgendwann auch in New York. Und hab mir das dort überall geschaut. Bin immer in die abgefucktesten Viertel umgekehrt, um nach Graffitis zu suchen. Also Interrail hat man fahren müssen, weil man ja nichts konsumieren hat können. Das heißt, man hat sich Interrail-Ticket gekauft und dann ist man mal in Paris und Amsterdam und Berlin und Köln und überall so Städte, wo man gewusst hat, da ist irgendwie grad pulsierendes Graffiti-Leben am Start, da musst du hin, weil sonst hast du es eigentlich nicht mitbekommen. Die Städte haben auch einen eigenen Style gehabt und so weiter, das heißt, es war voll wichtig, dass man dort hinfährt. Nein, in Linz hat es zu der Zeit keine legalen Flächen gegeben, deswegen habe ich mir eben auch diese verlassene Fabrik gesucht, um mich auszutoben. Es ist dann später irgendwann beim Spinatbunker diese Unterführung gekommen. Die hat mich allerdings nicht sehr gereizt, weil ich es nicht so super finde, ohne Sonnenlicht in so einem Tunnel zu malen. Angefangen hat man eigentlich das mehr damit zeichnen. Also Füßketschen, weil man sich einfach die Dosen nicht leisten hat können. Die ersten Gehversuche mit der Spraydose, die waren eigentlich bei uns am Land, bei einer B3, bei einer Unterführung. Da haben sie mir mit den Sprühdosen einfach ausprobiert. In Linz zu malen, das war die ersten drei, vier Jahre nicht wirklich ein Hindenken. Wie gesagt, das war für uns alles ziemlich teuer. Aber man hat dann entdeckt, dass es bei der Wifi in der Wiener Straße eine Unterführung gibt und dass man dort sprühen darf. Und da sind dann die ersten Werke entstanden. Also die Entwicklung der Sprühdosen, da hat es eben nur die klassischen Baumarktsprühdosen gegeben. Es war dann, ich weiß nicht, so 1995, 1996 herum, war man komplett begeistert, dass in Berlin, Ben hat er sich genannt, im Wildstyle Shop, die erste Spraydosen kreiert hat. Das waren Sparbauspraydosen, die waren schon konzipiert für Sprüher. Das ist von ihm designt und entwickelt worden, waren aber trotzdem auch ziemlich teuer. Was man auch nicht vergessen darf, früher waren die Spraydosen natürlich nur das FCKW drinnen und es waren Kunstharzlacke, also sehr giftig eigentlich. Wir haben sich früher über Artenschutz gar keine Gedanken gemacht, man hat einfach gesprüht und bis das man irgendwann einmal realisiert, okay eigentlich ist das doch irgendwie gesundheitsgefährdend und heute ist das komplett normal, dass man einfach seine Masken trägt beim Sprühen. Das ist die Original Jam, weil es war einmal eine Linzer Veranstaltung. Das erste original war im Neuen Rathaus. Da war die Crème de la Crème vom deutschsprachigen Raum da. Da waren die ärgsten Leute da, sei es zum Sprühen, zum Breaken, auch viele gute Rapper waren da. Und du hast eigentlich gar nicht gewusst, wo du zuerst hinschauen sollst. Der Sonny T aus Hamburg, eine volle Größe noch immer in dieser ganzen Szene, hat sich auf einer Cola-Dose auf einer Hand getragen. Auf dieser Dose. Und das hat super spektakulär ausgeschaut und ich habe mir gedacht, das mag ich auch machen. Bin am nächsten Tag nach Hause gegangen und habe mir eigentlich gedacht, das schaut super easy aus, das schaffe ich locker. Natürlich habe ich nicht einmal auf dieser Dose stehen können, geschweige denn mit tragen können. Aber dann war klar, ich will da jetzt irgendwie mich hinein tigern und wir wollen da irgendwie in die Richtung des ein bisschen intensivieren. So war das alles ein bisschen so wie, so wie, weiß ich nicht, wie Archäologen oder keine Ahnung, das war überall herum. Und es war halt sehr mystisch, weil es halt irgendwie für die breite Masse überhaupt nicht existent war und eigentlich nur für diesen kleinen Kreis, den es dann anscheinend überall in jeder Stadt gegeben hat. Mittlerweile gibt es halt auch sehr viele Graffiti-Maler, die Malerei studiert haben oder sich auch sehr viel mit Kunst beschäftigt haben, nicht nur mit Graffiti. Und daher ist es auch legitim, dass das in Museen mittlerweile einen Platz findet. Also bei mir war es eigentlich so, ich habe ja Kunstgeschichte studiert und ich hätte glaube ich niemals Kunstgeschichte studiert, wenn ich nicht vorher Graffiti gemacht hätte, weil Graffiti, das war für mich eigentlich schon Kunst, bin ich erst an die Kunst herangetreten durch das. Und ich sage auch immer, Graffiti ist nicht einfach nur Schmiererei, sondern es ist der beste Einstieg für Jugendliche, dass man sich auch dann mit Kunst in weiterer Folge auseinandersetzt. Jeder erwachsene Sprüher heutzutage setzt sich automatisch mit Kunst auseinander. Also das geht dann eigentlich auch einher. Also insofern, das beste Lehrbuch ist Graffiti, um in die Kunstwelt einzutreten. Und ich fühle mich natürlich absolut geehrt und bin voll stolz darauf, Das beste Lehrbuch ist Graffiti, um in die Kunstwelt einzutreten. Und ich fühle mich absolut geehrt und bin voll stolz darauf, dass jedem jetzt auch Graffiti ins Museum kommt. Also das sind die ersten Schritte, dass man dann sagen kann, in Hausnummer 20 ist das normal, wenn man in ein Museum geht, dass da Graffiti-Kunstwerk zu sehen ist. Und das hoffe ich halt auch. Bei Graffiti, also Graffiti ist so groß, dass es Industrie geworden ist und ein Spatenprogramm geworden ist. Du hast Leute, die spielen nur illegal, du hast Leute, die machen nur Morals, du hast Leute, die machen nur irgendwelche Tags. Beim Breaken ist es ähnlich. Du hast Leute, die machen dann nur irgendwelche Theatergeschichten, die machen nur irgendwelche Battlesachen. Dieses Jam-D Jam Ding, wie wir damals gehabt haben, dass du eigentlich in die Kapo gekommen bist oder eben auf das The Original gegangen bist, dass du einfach dort hingegangen bist, um einen Austausch zu haben, um einfach mit den besten und coolsten Menschen in diesem Kreis zu tanzen. Das gibt es jetzt in der Form nicht mehr. Also da hat sich das einfach verändert. Aufbau von Mural Harbour. Bevor ich dazu gestoßen bin, hat es natürlich schon Werke gegeben, die auch noch jetzt da sind. Die großen Künstler, wie Rohr und wir fallen es jetzt auch nicht ein, es tut mir leid. Aber es waren schon Werke da und ich habe versucht, da ein bisschen mehr zu pushen, dass da einfach mehr Graffiti entsteht. Ich habe viel ehrenamtlich gearbeitet und habe sehr viele Stunden reingesteckt, das mit aufzubauen. Die Stadt Linz ist komplett stolz auf den Mural Huber. Also mir wird relativ oft die Frage gestellt, was soll das, was ist Graffiti? Und eben wird auch sehr oft als Schmiererei betitelt. Nach der Führung im Hafen sagen dann eh die meisten, aha, okay, das ist ja doch eine Kunst. Aber es gibt dann immer den fahlen Beigeschmack und den Satz, aber das, was in der Stadt passiert, das ist halt schon Schmiererei. Ehrlich, da stimmt man aber schon zu. Wo ich sage, nein, so hat es angefangen. Es würde keine Murals nicht geben, wenn es damals in New York und in Philadelphia nicht die Taggegebenheit, die was einfach illegal alles bemeint haben mit ganz einfachen Buchstaben, so ist das Ganze entstanden. Ich kann das nicht leugnen, dass ich sage, ja, da haben sie aber recht, dass das schier ist. Nein, das ist einfach zu schlucken, Punkt, aus, fertig. Weil so hat es angefangen und eben wie ich vorher erwähnt gehabt habe, für mich zählt auch jeder einzelne Tag und der hat seine Berechtigung. Und ohne AKB nicht, das ist für mich ganz einfach. Ich habe in der Tabakfabrik mein eigenes Ding hochgezogen, was eher als Event angelegt ist. Sprich, einmal im Jahr für zwei Tage habe ich Künstler eingeladen, beziehungsweise hat man sie anmelden können. Die Tabakfabrik hat sehr viele Flächen zur Verfügung gestellt und da wird sie in zwei Tagen komplett ausgeklebt. Das erste Mal war es 1998, Entschuldigung, 2018. Da waren wir noch relativ kleine Gruppen an Künstlern, da waren wir knapp 40 Künstler. Die Besucherzahl ist irgendwo bei knapp 500 Leuten gewesen. 2019 haben wir schon über 100 Künstler gehabt und es waren so an die 1600-1700 Besucher da. Leider Gottes hat es nicht 2019 das letzte Mal stattgefunden, weil da auch Abrisspläne bestehen. Und soweit mir berichtet worden ist, wird im Herbst mit dem Abriss begonnen. Also das würde sich überschneiden, dass ich da jetzt nochmal ein Meeting mache. Das geht sich in dem Sinne nicht aus. Ich bin gerade dabei, Ausweichmöglichkeiten zu finden. Es ist halt irgendwie voll paradox. Ich hätte die Radiosendung vor 27 Jahren der Freund von mir nicht gehört, dann wäre mein ganzes Leben komplett anders davonlaufen. Nur durch die Radiosendung bin ich 27 Jahre später auch noch Brüder und verdiene meine Brötchen damit. Also es ist irgendwie schon ein bisschen schräg, muss ich sagen.