Die Literaturgalerie im Stifterhaus zu einem jener Abende, die allseits bekannte Umstände aus dem Winter des vergangenen Jahres herübergetragen haben in den Frühling 2022. Willkommen zu einem Abend für Ludwig Laha, einem Abend mit der Präsentation des Rampe-Porträts, Ausgabe 321 der Literaturzeitschrift des Landes Oberösterreich, deren Redaktion seit 2005 am Adalbert-Stifter-Institut angesiedelt ist. Einem Porträt, das dem vielfach ausgezeichneten Schriftsteller, unter anderem Landeskulturpreisträger Oberösterreichs Ludwig Laha gewidmet ist. Der langjährige Redakteur der Rampe, Fritz Lichtenauer, er war es seit Gründung der Zeitschrift im Jahr 1975 insgesamt 30 Jahre lang. Fritz Lichtenauer also hat eine schöne Tradition begründet, die wir gerne fortführen. Der oder die die wir gerne fortführen. Der oder die Porträtierte werden gebeten, einen Vorschlag zu machen, wem er oder sie Einblick in Arbeitsprozesse, Verbindungen zu Kolleginnen und vielleicht Dokumenten im literarischen oder auch biografischen Archiv geben möchte. Ludwig Laha hat sich für Dr. Klaus Zeiringer entschieden, der eingeladen und beauftragt wurde, das sogenannte Heft, Sie sehen es hier, zu gestalten und herauszugeben. Wir freuen uns sehr, Ludwig Laha und seinen Porträtisten, Dr. Klaus Zeiringer, heute endlich zur gewissermaßen offiziellen Vorstellung des umfänglichen Dossiers begrüßen zu können. Herzlich willkommen, die beiden Herren hier im Stifterhaus. Die Übergabe des Rampeporträts ist sozusagen eine Art Nachreichung und nicht mehr eine wirkliche Überraschung. Ich hoffe, die Freude am so kompakten wie inhaltsreichen Ergebnis hat über den Winter gehalten. Die Rampe wurde ja nach dem ursprünglich vorgesehenen Präsentationstermin schon zum Verkauf angeboten, was ihr, glaube ich, gut getan hat. Unsere Bestände haben sich schon geschmälert. An der Rampe zu Ludwig Laha beteiligt sind insgesamt elf Beiträgerinnen und Beiträger. Zwei davon werden aus ihren Auseinandersetzungen mit unterschiedlichen Werkkomplexen heute vortragen. Wir begrüßen ganz herzlich Dr. Julia Danielczyk und Lydia Mischkulnik. Wie schön, dass Sie beide da sind. Lydia Mischkulnig, wie schön, dass Sie beide da sind. Am Zustandekommen jedes Buches, aber auch dieses Buches, sind etliche Mitwirkende beteiligt, auch gewissermaßen hinter den Kulissen. Ich möchte an dieser Stelle stellvertretend für all die notwendigen Schritte von der Idee bis zum fertigen Ding, zu diesem prächtigen roten Heft, nennen Mag. Gerti Blöchl, die einmal mehr die grafische Einkleidung des Materials verantwortet. Als 421 ist schon ein 65. dazu gekommen, sozusagen Postporträt. Gerti Blöchel betreut die Rampe seit 105, also Sie sehen auch das schon eine lange Vorgeschichte. Dank auch unserem Kooperationspartner als Verleger Bernhard Blöchel-Freistadt und Mag. Claudia Lehner, die das Projekt so kompetent wie engagiert begleitet hat über die ganze lange Zeit davor und heute Abend moderieren wird. Ihnen allen viel Vergnügen mit Ansichten auf und Einsichten in Ludwig Laha und seine literarische Arbeit. Dankeschön. Herzlich willkommen auch von meiner Seite zu dieser Rampepräsentation, Patrice Ludwig Laha. Wir freuen uns sehr, dass diese Veranstaltung nun endlich stattfinden kann, nachdem sie letzten November coronabedingt eben abgesagt werden musste, leider. Ludwig Laha und sein literarisches Werk sollen heute im Zentrum des Abends stehen. Daher noch zwei Sätze ganz kurz zur Vorstellung seiner Person für jene, die ihn noch nicht kennen. Ludwig Laha wurde 1955 in Linz geboren. Er studierte Germanistik, Anglistik und klassische Philologie an der Universität Salzburg und arbeitete nach seiner Promotion als Gymnasiallehrer, ehe er 1998 freier Schriftsteller wurde. Er hat Prosa, Lyrik, Essays, Übersetzungen, wissenschaftliche Arbeiten, Hörspiele und Drehbücher verfasst und dafür zahlreiche Literaturpreise und Stipendien erhalten. Darunter 2003 ist bereits genannt worden den Landeskulturpreis für Literatur des Landes Oberösterreich, der ja Voraussetzung ist, um in einer Rampe ein Porträt zu bekommen. Die Vielfalt und Qualität seines bisherigen literarischen Schaffens dokumentiert, denke ich, die vorliegende Rampe sehr anschaulich. Diese Rampe im Einzelnen vorzustellen, vertraue ich nun dem Herausgeber an, Dr. Klaus Zeiringer, emeritierter Professor für Germanistik und Autor bzw. Herausgeber mehrerer literaturwissenschaftlicher Werke. Er hat unter anderem für diese Rampe ein sehr ausführliches Interview mit dem Porträtierten geführt und ich heiße Ihnen nochmal herzlich willkommen und bitte Ihnen vorzukommen. Vielen Dank und vor allem vielen Dank für die Einladung. Mit Ludwig Lahr hatte ich zwei Begegnungen, die ganz besonders waren. Eine Begegnung fand in der Oststeiermark statt. Ich komme gerade von dort her, in dem Ort Böllau bei Hartberg. von dort her, in dem Ort Böllau bei Hartberg. Als meine Frau und ich einmal auf den Hauptplatz gingen, um dort einzukaufen, saßen auf einer Bank auf dem Hauptplatz Helga und Ludwig Laha. Und wir haben geglaubt, das muss irgendwie ein Irrtum, eine Fata Morgana oder ich weiß nicht was sein, weil so schnell fährt man aus St. Pantaleon nicht nach Böllau auf Urlaub. Wir waren dann in der Buschenschank, weiteres erzähle ich nicht. Die zweite Begegnung war, als mich Ludwig Laha fragte, ob ich die Herausgeberschaft der Rampe übernehmen könnte. Und das fand ich zum einen sehr ehrenvoll, zum anderen sehr herausfordernd. Und Ludwig muss gewusst haben, wenn er fragt, denn er muss gewusst haben, dass das dann keine germanistische Rampe wird. Mein Konzept war, kurz gesagt, dass so ein Band nicht nur für das Fachpublikum da sein sollte, sondern für interessierte Leserinnen und Leser also lesbar sein sollte. Und im Mittelpunkt sollte der Autor und das Werk des Autors stehen. Deswegen ist das Kernstück des Ganzen ein Gespräch, das wir per E-Mail geführt haben. Das ging über, ich glaube, ein Dreivierteljahr oder so irgendwie und ist entsprechend umfassend. Das sind im Band 50 Seiten und das präsentiert auf eine, wie ich finde, sehr eindringliche und tiefgreifende Art das Leben und das Werk des Autors und die Verbindung zwischen Leben und Werk des Autors. Das heißt, man bekommt eine Einsicht in dieses Werk und dass es tatsächlich ein Werk ist, das zeigt auch dann der erste Beitrag nach diesem Gespräch, nämlich von Karl Markus Gauß, wo Karl Markus Gauß schreibt, dass eben das Werk mehr ist als die Summe seiner Teile. Und das lässt sich aus diesem Band sehr gut herauslesen, wie ich finde. Und dann wollte ich vor allem Kolleginnen und Kollegen zu Wort kommen lassen. Das heißt, das Wort sollten die Meister und Meisterinnen des Wortes führen und nicht die Germanisten und Germanistinnen, über die ich hier keine weiteren Worte verlieren möchte. Das heißt, ich habe Petra Ganglbauer eingeladen, um über die Lyrik zu schreiben. Ich habe Lydia Mischkulnik eingeladen, um über die Frauenromane zu reflektieren. Und ich habe Georg Betz eingeladen, der vielleicht weniger bekannt ist, aber den ich für einen hochinteressanten Autor halte, über die Überführungsstücke zu schreiben. Autorhalte über die Überführungsstücke zu schreiben. Cordula Simon hat sich mit den Essays beschäftigt, Gerhard Ruiz mit der Interessens- und Berufspolitik, die er schon seit Jahrzehnten gemeinsam mit Ludwig betreibt. Und dazu andere, weniger übliche Standpunkte in einer derartigen Publikation, weniger erwartbare stimmen. Zum Beispiel Beate Eder-Jordan, eine vergleichende Literaturwissenschaftlerin aus Innsbruck, die das Digitale Archiv der Sinti und Roma betreut, die über die antiziganismuskritischen Aspekte oder über das antiziganismuskritische Lebenswerk geschrieben hat. Die Pädagogin Brigitte Schröder über Filme hat Jacqueline Vincent aus den USA geschrieben. Das ist im Übrigen die Einzige, die als Germanistin gelten kann. Über die Zeitgeschichte, na, Julia Danieltschik ist Theaterwissenschaftlerin. Über die Zeitgeschichte, insbesondere die NS-Zeit, habe ich Heimo Halbreiner aus Graz eingeladen, der dort den Verein Clio und anderes betreibt. Über die Hörspiele und die Features hat eben Julia Danieltschik geschrieben, Die Hörspiele und die Features hat eben Julia Danielczyk geschrieben, die Sie sicherlich hier aus Linz kennen, die mittlerweile schon länger das Literaturreferat der Stadt Wien leitet und Theaterkritiken sehr fleißig schreibt. Derart sind Innensichten und Außensichten entstanden und das trifft auch das, was Ludwig Laha über seine Lyrik selbst sagt. Einmal habe er sich als Lyriker aus seinem inneren Exil geholt, sagt er. Also wir haben Innensichten und Außensichten. Das sei ein verdichtender Denkansatz mit dem starken ersten Satz in ihrem Beitrag. Gedichte haben Sprengkraft. Auch Beate Eder-Jordans Beitrag trägt einen interessanten Satz. Die Latte liegt hoch und sie meint Ludwig Lachers Lyrik und auch seine Literatur insgesamt überspringen diese Latte. Ihm gelinge es, menschenverachtende Strukturen aufzudecken und Raum für Gegenerzählungen zu schaffen. Und das halte ich für ein sehr interessantes Wort. Heimo Halbreiner sieht den Autor als Chronisten des NS-Terrors und des Verdrängens und meint, es ist besonders wichtig und interessant, Ludwig Lachers Motivation zu sehen, sich in doppeltem Sinn, im doppelten Wortsinn auf ein ungeheures Material einzulassen. Und darüber gibt es im Gespräch, das wir gemeinsam geführt haben, sehr viele Einblicke. Brigitte Schröder, Pädagogin, geht auf Herzfleischentartung besonders ein und von dort aus und auf einen Hintergrund zu, nämlich über die Vorstellungen, die die Nationalsozialisten über, unter Anführungszeichen, Erziehung gehabt haben. Besonders poetisch und toll finde ich den Beitrag von Georg Schöller-Petz über Überführungsstück, so heißt nämlich sein Beitrag, und der beginnt folgendermaßen. Und der beginnt folgendermaßen. Von Zeit zu Zeit, da drängt es mich, mir die Literatur nicht länger als das Kind der eingesperrten Geister vorzustellen, die wir heute sind. An jenes Bibliotheks- und Archivleben gebunden, das auch ich hier führe. Als etwas ohne Jugend antiquarisches, staubiges, der zweiten Lebenshälfte Vorbehaltenes zur Bewältigung der Ersten. Stattdessen denke ich sie mir mitunter als das, was sie an jedem Anfang sein muss. Ein Hinausgehen, ein Grenzüberschreiten, ein Narrative Event, eine Aventüre, der man mit geschlossenen Augen zuhört, nur der Klang der Sprache, nur ihre absolute Poesie, ein Abenteuer, zu dem die Jungen aufbrechen, um darin zu erwachsen, wenn sie verstehen, was ich meine. Jedenfalls als ein Überführungsstück. Und ich finde, das ist eine gelungene poetische Auseinandersetzung mit einem Text, mit einem Prosa-Band von Ludwig Laha. zeigte sich und zeigt sich beeindruckt von der thematischen Breite der Essayistik. Zum Beispiel schreibt sie eingehender aus persönlicher Erinnerung und Erfahrung über die Rechtschreibreform und was Ludwig zu der Rechtschreibreform meint. Und dazu kann man im Band ein Geständnis der Autorin Cordula Simon lesen, die als Kind diese Rechtschreibreform erleiden musste. Und sie schreibt dann, wirklich rechtschreiben kann ich bis heute nicht. Jacqueline Vincent hat sich die Filme genau angesehen und nennt sie Filmessays und hat dazu eine eindringliche Präsentation und Analyse geliefert. Ihr Fazit ist es, in all seinen Filmen kämpft Ludwig Lager gegen einfache Antworten auf komplizierte Fragen. Und schließlich Gerhard Ruiz, der Geschäftsführer der IG Autorinnen und Autoren seit mittlerweile, glaube ich, vier Jahrzehnten oder sogar mehr, man weiß das nicht mehr so genau. Der Titel seines Beitrags ist Aus einer anderen Welt. Er schreibt über den österreichischen Literaturbetrieb und über das gesellschaftspolitische Engagement und er nennt Ludwig Lacher einen für Kultur, Bildungs- und Medienpolitik zuständigen Autor. In seinem Selbstverständnis und seinen Texten gäbe es keine Trennung, da die Literatur dort das Leben, sondern das sei verbunden. Und eben deswegen meinte ich, es müsse im Zentrum des Bandes ein langes, eingehendes Gespräch stehen. Lydia Mischkulnnik und Julia Danielczyk werden ihre Beiträge selbst präsentieren. Es bleibt mir dem Stifterhaus zu danken, insbesondere Claudia Lehner und es bleibt mir Ludwig, dir sehr herzlich für die geduldige, sehr geduldige und sehr packende Zusammenarbeit zu danken. Ja, Sie haben schon bemerkt, ich komme einfach immer noch kurz zwischendurch, um anzukündigen, wer folgt. Das ist mein Part heute. Ich wollte auf jeden Fall dem Herrn Zeiringer noch einmal ganz herzlich danken für die Vorstellung der Rampe. Und im Anschluss folgt nun ein Beitrag der Autorin Lydia Mischkulnig. Sie hat sich mit einer Romantrilogie Ludwig Lahrers auseinandergesetzt, die drei ganz unterschiedliche Frauenbiografien in den Fokus nimmt, die zwischen 2007 und 2011 entstandenen Romane, erschienenen Romane muss ich besser gesagt sagen, tragen die Titel und nehmen was kommt, ein Leben und Verfahren. Sie vorzustellen, lege ich jetzt in die Hände der Autorin Lydia Mischkulnick und ich freue mich schon sehr auf den Beitrag. Vielen Dank für die Gelegenheit, mich hier auseinandersetzen zu dürfen mit einem kleinen Ausschnitt aus dem Werk von Ludwig Laha, nämlich den sogenannten Frauenromanen. Für mich war das eine besondere Herausforderung, weil es sehr schicksalshafte Frauengestalten sind und sie gewissermaßen durch den Filter eines, so wie ich mir vorstelle, männlichen Bewusstseins gelaufene Charaktere sind, die uns die Möglichkeit geben, eine Mischung aus Verständnis, Anteilnahme und trotzdem distanzierte Reflexion zu erarbeiten durch Lektüre. Und ich habeissermaßen zu einem Fazit komme. Drei Frauen, ein Mädchen und der Autor. Zu Ludwig Lahers Romantrilogie und Nehmen, was kommt, Einleben verfahren. Frauen, die stark sind im Aushalten, zumindest für die Dauer ihrer Romanhandlungen, sind hier in meinem Fokus gerückt. Die Lektüren verschaffen ihnen ein Weiterleben im Kopf. Aspekten ihrer Schicksale werde ich im Alltag und in den Nachrichten wieder begegnen, überall dort, wo ich auf engagierte Sozialkritik stoße, wo die Zwangslage von Leuten, die ihre Füße nicht so leicht auf den mitteleuropäischen Boden bekommen, unter die Lupe genommen wird. Die Handlungen aller drei Bücher sind aus einer personal-dokumentarisch gemischten Perspektive erzählt, die sich selbst als auktorial erweisen kann. Diese umsichtige Allwissenheit ermöglicht es, die Fiktion mit Recherche anzureichern, Aspekte der Haltung durch die Erzählerinstanz einzubetten. Ludwig Lager, der Autor selbst, steht über dieser Trilogie. Die Perspektive blickt nicht auf eine sich selbst reflektierende Bewusstheit, sie fügt gestalterisch das gesamte Material aus den diversen Blickwinkeln zu sammeln und eröffnet ein gewisses Tempo der Handlung durch akronologische Vor- und Rückgriffe. Der Fortgang lässt sich durch Vorausblicke abkürzen und forcieren, durch Rückblenden Geschichte nachholen und durch die Technik des Heranzoomens im Augenblick verweilen. Das Ergebnis dieser Strategie ist ein straffer Spannungsbogen, der den Leser lockt, die auserzählten, ergründeten Fallbeispiele, die den Protagonistinnen zugrunde liegen, zügig durchzulesen. Die drei Bücher, Laha nennt sie Frauenbücher, werfen Licht auf Schattenseiten und tun Höllen neben der Mittelstandswelt auf. Sie zeigen den Utilitarismus der unbarmherzigen Gier auf. Die realistischen Lebensumstände der handelnden Personen werden erzählt, um sichtbar zu machen, was aus dem bürgerlichen Bewusstsein verdrängt wird. Deshalb kann man noch sagen, diese Bücher leuchten mit Schattenseiten in uns ein. Wir wissen zwar, dass es das Unvorstellbare gibt, doch malen wir es uns mit Schaudern aus. In welcher Sprache kann man aber schweigen? Lachas Prosa unternimmt den Versuch, die Grenzen unserer Weltvorstellung hinauszuschieben, zumindest bis an die Bruchlinien, die unsere Europäische Union begrenzt. Die Literatur Lahas nimmt das Wagnis auf sich, Sozialdramen mit Frauen in der Hauptrolle anzupacken, um Bewusstsein zu weiß, dass die Zeit keine Wunden heilt. Es folgen Geschichten weiblicher Heldinnen, das Leben einer Roma-Prostituierten, die es schafft, dem Milieu zu entkommen, die Asylsuche einer vergewaltigten Kosovo-Serbin, die in Österreichs Justizmühle aufgerieben wird. Das Ringeln um gesellschaftliche Akzeptanz eines Trisomie-21-Kindes durch die Unterstützung der Mutter, die sich in ihrem privaten und öffentlichen Leben neu positionieren muss. Wer jetzt glaubt, ein voyeuristisches Bad in der Elendigkeit nehmen zu können, irrt. Die Unvorstellbarkeit erlittener Angriffe auf die Menschenwürde, die Verletzung körperlicher Integrität und das Ausgeliefertsein an entmenschlichende Verhältnisse werden zumeist mit nüchterner Sachlichkeit abgefedert. Das Übel ist so normal und kommt als Missbrauch in unserem Leben vor, wie das Amen im Gebet. Man hat immer schon gewusst, dass es so ist. Die Bücher belegen es. schon gewusst, dass es so ist. Die Bücher belegen es. Der Effekt der Lektüre, Empathie für Opfer des banalen Bösen zu entwickeln, führt zu mehr Bewusstsein und verleitet vielleicht dazu, mit Begriffen wie Sexarbeit, Asylschmarotzer, Sozialschmarotzertum und Behinderung vorsichtiger umzugehen. Die drei Fälle von Lahers Hauptdarstellerinnen enden gut oder zumindest wird es für sie besser. In den Anfängen führt der Weg der Protagonistinnen erst vom Regen in die Traufe, langsam kommen sie weiter, geraten ins Trockene, ein Hoffnungsschimmer taucht auf. Das Gesetz der dramaturgischen Spannung schreibt Entwicklung und Verwandlung der Helden vor. Lahas Heldinnen folgen diesem Muster. Ihre Ressourcen und Resilienzkräfte werden mobilisiert, damit sie glaubhaft nicht vor die Hunde gehen, sondern kämpfen können. Die Charaktere, ausgesetzt der sexuellen Gewalt, können auf frühkindliche, wenn auch bescheidene Erfahrungen von Liebe zurückgreifen. Die Heldin des verlogenen Mittelstandes bricht aus diesem aus. Laha prüft die matrilinearen Herkünfte der Frauen. Die weiblichen Ahnen machen dem Leser klar, dass bereits ihre Mütter wussten, Autonomie ist nur durch Bildung zu erhoffen. Ein selbstbestimmtes Leben hat keine dieser Frauen gehabt. Mütter und Großmütter waren durch ihre Kinder und die Tradition eingebunden in eine patriarchal dominierte Familienökonomie. Der Aufbruch in ein befreites Frauenleben gelingt nur, wenn die Gesellschaft mitzieht. Laha schreckt vor Rettung durch die Liebe, die Übernahme von Verantwortung, das Angebot der Freundschaft trotz Verdacht, die Gesellschaft damit zu exkulpieren und die Aufgabe dem Individuum und dem Zufall zu überlassen, nicht zurück. In den drei Frauenbüchern stiftet er durch seine Beschäftigung Anteilnahme am Schicksal der Betroffenen. Die Bauweise der Romane ermöglicht, sachliche Information in literarischer Aufbereitung ohne über ein Vorwissen verfügen zu müssen. Vorurteile werden vermutlich dadurch durchbrochen werden. Die bittere Erkenntnis nach der Lektüre der Trilogie aber lautet, Unabhängigkeit gibt es nicht, Erlösung auch nicht. Der Einzelne ist im Kollektiv ausgeliefert, ohne guten Willen auf beiden Seiten geht allalong nichts. Der Einzelne braucht seinen Buddy, Der Einzelne braucht seinen Buddy, seine Interessensvertretung für das Recht auf die Würde und die Sozietät muss sie gewähren. Drei Handlungsabläufe wurden aus vielen authentischen Fällen gemixt, die Ludwig Laha gut recherchiert haben muss, um das Pandemonium der jeweiligen Milieus zu schildern. Keines der drei Bücher ist Schullektüre geworden, obwohl sie den didaktischen Impetus des Sozialkritikers in sich tragen und zur Aufklärung der Gesellschaft gereichen. Vielleicht sind die Themen zu heftig, zu polarisierend für einen Unterricht in den höheren Schulen, weil Laha zur Sache geht und sexuelle Gewalt gegen Frauen explizit, sowie die Trisomie 21-Thematik höchst offen behandelt. Die Mutter dieses Kindes gesteht sich selber ein. Sie hätte den Fötus vielleicht doch abgetrieben, hätten die pränatalen Untersuchungen die Diagnose ergeben. Jeder und jede von uns muss sich fragen, wieso man überhaupt ausgetragen worden ist und ob man auch mit einer Trisomie 21 Diagnose geboren worden wäre. Die Entscheidung über das Leben eines Ungeborenen liegt in der Macht der Mutter, wenn es rechtsstaatlich emanzipiert zugeht. Diese Wahrheit anzuerkennen, ist vielleicht nicht allen Menschen zumutbar. Der Autor versetzt sich in die Rolle eines Supervisors und man kann über seine Schulter blickendive der fiktionalen fiktionalisierten fälle wechseln eine identifikation ein verschmelzen mit der personalen perspektive wird durch die einwürfe auf auktorialer ebene vereitelt sie bietet an sich übergriffiger Allwissenheit zu entziehen. Der Orientierungsverlust durch die soziopolitischen Verstrickungen der Protagonistinnen erweckt den Widerstandsgeist des Lesers, wenn er den unüberhörbaren Appell an unsere Lebenswirklichkeit in der Parallelwelt spürt. Verwende meine Arbeit als Argumentationshilfe. Sind Lachers Bücher als Ratgeber zu verstehen? Ja, als Ratgeber in Sachen der Komplexität. Wer über Sexarbeit redet, soll auch und nehmen, was kommt, gelesen haben und kann dann von kriminellen Wirtschaftskreisläufen, in denen unterworfen und ausgebeutet wird, erzählen. Zweifelnd meldet sich der auktoriale Erzähler nie. Er fragt auch nie, ob sich die Geschichte, die er schreibt und beschreibt, sich wirklich so ereignet hat. Er ist aber in seiner Geschichte anwesend, das ist klar, wenn im Ton des Supervisors seine ganze Aufmerksamkeit auf die Ungeheuerlichkeit der Ereignisse gerichtet ist. Alle drei genannten Romane thematisieren den weiblichen Körper und verhandeln die Entität von Körper und Geist. Laha schreibt seine Protagonistinnen aus personaler Perspektive, aber auch manchmal, um vom Gefühl weiblicher Leiblichkeit zu berichten, was natürlich nur Projektion sein kann. Darin liegt immer die Gefahr einer Übergriffigkeit. Niemand ist frei von Zuschreibung. Nicht einmal in vollkommen fingierte, selbstgeschriebene Charaktere könnte man vorurteilsfrei schlüpfen. Nicht einmal vor sich selber ist man vorurteilsfrei. Auch meine Projektionen erzählen nicht nur über die biopolitische Konstruktion Lachers Vorstellung von weiblicher Leiblichkeit. Zu den Frauengestalten in Ludwig Lachers Trilogie lässt sich als Fazit ableiten. Keine schafft es allein, sie bekommen Männer und Frauen zur Seite gestellt. Sie bekommen Männer und Frauen zur Seite gestellt. Hilfe gibt es nur auf menschlicher Ebene durch einzelne Personen, die die systematischen Zusammenhänge erkennen. matrilinearen Herkunftsgeschichte ausgestattet. Insofern ist der Begriff Frauenroman interessant, weil die Geschichte der Emanzipation im soziokulturellen Kontext von Frauenleben mit imaginiert ist. Auffallend ist, dass die Töchter ihre Mütter schon verloren haben, bevor sie selbst Fuß fassen konnten. Eine literarische Familienanamnese schilderte Lebenswirklichkeit zuweilen im Befundton mit Ausflug in die Expertisen von Fachleuten Ergründung von soziologischen Zusammenhängen, die Mitteleuropa am Anfang des 21. Jahrhunderts noch ausmachen. Der Wechsel von personaler in kollektiv-auktoriale Perspektive vollzieht sich fließend, wenn das Erleben der Protagonistinnen als Puzzleteil im Panorama gesehen wird. Wie innovativ sind diese Frauengestalten. Monika, die Ex-Sexarbeiterin, vermag sogar zum Happy End wieder sexuelle Lust für ihren Retter zu empfinden. Johanna ist symbiotisch mit ihrem Kind verbunden. Jelena sucht einen sicheren Ort, an dem sie ihren Körper wieder ein- und annehmen kann. Die kleine Steffi hat das größte Potenzial zur Entwicklung. Wie es mit der literarischen Heldin weitergeht, kann nur gemutmaßt werden. Sie hat jedenfalls die Chance zu einer neuen Perspektive. Sie kann alle überraschen und dazu schreiben. Das ist es, was Lahas Weltsicht im Innersten zusammenhält, sich nichts vormachen und auf die Nase binden zu lassen. Alles Gute! Alles Gute. Für die kommenden... Ja, herzlich, vielen Dank nochmal für diesen schönen Beitrag. Ich leite gleich über zum nächsten Beitrag, den Julia Daljelsik halten wird. Es geht um einen ganz anderen Aspekt in Ludwig Lachas Werk und zwar um seine Hörspiele und Features. Die Germanistin und Theaterwissenschaftlerin Julia Daljelsik hat sich eingehend mit Ihnen befasst und ich lade Sie herzlich ein, uns eine Zusammenfassung Ihres Rampebeitrags dazu vorzustellen. Ja, vielen Dank. Zuerst das Spielen mit dem Germanist. Ich habe Germanistik und Theaterwissenschaft studiert und bin aber in meinem Selbstbild irgendwo dazwischen oder ganz woanders. Und das mit den Grenzen beschäftigt uns und diesen Einteilungen sowieso heute Abend im Beitrag von Lydia Mischkulnig, in allem, was Klaus Zeiringer gesagt hat, in allem, was Petra Maria Dallinger, Claudia gesagt hat. Entschuldigung, ich habe da Maske, kleine Toilettfehler sozusagen. Dann werde ich mir auch einen Schluck Wasser nehmen. eine Toilettfehler sozusagen, werde mir auch einen Schluck Wasser nehmen. Ich möchte mich vorweg ganz herzlich bedanken für die Freude, die mir Anteil wurde durch diese Arbeit, die ich mache. Wir haben vorher schon gesprochen, es war wirklich für mich eine sehr, sehr gewinnbringende und hochinteressante Arbeit, die Auseinandersetzung mit den Hörbildern, mit den Hörspielen und mit den Features von Ludwig Laha. Ich möchte mich bedanken bei Klaus Zeiringer für die Einladung, dass ich hier mitschreiben durfte zu diesem wirklich interessanten Thema und ich möchte mich an der Stelle auch ganz ganz herzlich beim Stifterhaus, bei Petra Maria Dallinger, bei Claudia Lehner bedanken. Ich habe hier ja viele Jahre arbeiten dürfen und es ist wirklich so ein besonderer Ort mit so vielen besonderen Menschen. Das ist immer so eine Freude, hier zu sein. Vielen, vielen Dank, dass ich heute hier, Dankeschön, hier über Ludwig Laha sprechen darf. Ich werde Ihnen einen kurzen Ausschnitt meines Beitrages präsentieren mit dem Titel Wo sich alles aufhört, fängt alles an. Es ist ein Beitrag über die Grenze zwischen Fake und Fiction und ich werde mich ja vor allem kurz drei texten, es gibt ja sehr viele von Ludwig Lacher, möchte aber gerne drei Texte vorstellen. Wo Grenzen, Zäune und Mauern Menschen trennen, dort verbindet, konfrontiert und konterkariert Ludwig Llaas Literatur. Ob es die unsichtbare Grenze zwischen Fälschung und Wahrheit, die politisch-geografische Grenze zwischen Staaten und Nationen oder jene zwischen Spiel und Wirklichkeit ist, immer zeigen seine Texte quasi wie Vexierbilder, was politische und ideologische Indoktrination, was Suggestion und was Erinnerung für unsere Wahrnehmung zu leisten imstande ist. Mit den Worten, wo sich alles aufhört, fängt alles an, das ist auch das Zitat, das ich als Titel verwendet habe, nimmt Laha Bezug auf das Hauptwerk Etugrafia Mundi des Barockdichters Johannes Olorinos, in welchem dieser die Erde als eine Scheibe versteht, an deren Rand Neues beginnt. Lahas Auseinandersetzung mit historischen Fälschungen, mit Echt und Fake, also falsch, erscheint gerade heute angesichts der Zunahme von Fake News bzw. ihrer enorm schnellen und schwer kontrollierbaren Verbreitung durch die digitalen Medien von neuer Relevanz. Lahas erzählerisches Verfahren, Facts and Fiction zu verbinden, also sogenannte Faction zu verfassen und diese aber dann wieder bewusst zu überzeichnen, desavouiert dadurch sowohl politisch gezielt inszenierte Lügen als auch vereinfachende Kategorisierungen in schnelle Urteile. An diesen oft willkürlich gezogenen Grenzen setzen Ludwig Lahas Hörspiele und Features sowohl thematisch als auch formalästhetisch an. Zumeist wählt Laha den O-Ton. Manchmal mit Schauspielern und Schauspielerinnen als O-Ton inszeniert, dann wieder in Interviews und Gesprächen im sogenannten wirklichen O-Ton präsentiert. Genau an und mit dieser feinen Linie zwischen Realität und Imagination spielend. In dem 1981 verfassten Essay Grenze beschreibt der Germanist und auch Historiker Laha sein Verständnis von Welt beziehungsweise den grundlegenden Ausgangspunkt seiner literarischen Arbeit. Der Autor assoziiert seine Wahrnehmung von auch politischer Grenzziehung mit der Schlussszene aus Michelangelo Antonioni's Film Blow Up, in der junge Leute mit imaginierten Rackets und Bällen Tennis spielen. Ich weiß nicht, ob vielleicht haben Sie diese Szene im Kopf. Ich habe es mir dann auch nochmal angeschaut, mehrfach, um das auch nochmal mir vor Augen zu führen. Also es ist diese Szene, wo Aussagen und Meinungen, stellt diese einander gegenüber und schafft zugespitzte Inszenierungen, in welchen Vorurteile gezielte und auch plumpe Verschleierung sowie die Kraft der Lügensprache durch die dramaturgische Setzung entlarvt werden. Das Verfahren, also durch Rhythmisierung, durch den Einsatz dokumentarischer Klänge und aufgenommene Ereignisse, Reportagen und Berichte mit Emotion aufzuladen, wurde in der Frühzeit des Radios als Hörfilm bezeichnet. Medientechnisch orientierte sich diese Begriffsverwendung an der sogenannten filmischen Verfahrensweise der Montage, wobei diese featureartigen Beiträge vor allem in den 30er Jahren häufig für propagandistische Zwecke eingesetzt wurden. Lahas Hörbilder hingegen dienen vielmehr dazu, Verdrängtes und Verborgenes sichtbar zu machen. In dem von Klaus Zeigner zu Beginn angesprochenen Gespräch, also aus diesem Gespräch möchte ich kurz ein Zitat bringen. Mein Anspruch bei den Hörbildern war etwa immer, über das journalistische Reportieren hinauszugehen, genau zu komponieren, wenig Zwischentext von hoher Präzision einzufügen und ansonsten den Originalton so zu montieren, dass viele Gesprächspartner einander die Stafette weiterreichen, obwohl sie an verschiedenen Orten aufgenommen wurden und einander wahrscheinlich nie begegnet sind. Inhaltlich geht es dabei um Themen, die mich persönlich angingen und eine Herausforderung darstellten. Ich komme gleich zu diesem ersten Hörbild, Tote Grenze aus dem Jahr 83. Hier verfolgt Ludwig Laha die Frage nach der Grenze zwischen dem nördlichen Müllviertel und der damaligen GSSR, wobei hier die Grenze nicht nur konkret geografisch-politisch, sondern auch metaphorisch verstanden wird. Zitat, gerade weil sie nicht existiert, ist diese Mauer so hoch und so dick. Die Entwicklung in dieser Region beschäftigte den Linzer Laha viele Jahre. Im Interview mit Klaus Zeiringer findet die zwischen 1983 und 1991 gesendete Hörbildreihe folgende Erwähnung. Also ich darf sie zitieren. Schon als Halbwüchsiger fuhr ich mit dem Rad Richtung Grenze. Also ich darf sie zitieren. konfrontierte ich die Regierungen der GSSR und Österreichs mit dem Anliegen, ein kleines Dorf zu beiden Seiten der Malz, also dem Fluss, das im tschechischen Teil seit 1947 unbewohnt verfiel, zu einem Kultur- und Begegnungszentrum zwischen den Hemisphären auszugestalten. Die Antwort aus Prag war übrigens ermutigender als jene rein formelle aus Wien. Mit dieser Utopie habe ich die vielfach resignierten Menschen der Region konfrontiert und ihnen so nicht nur Geschichten von der Vergangenheit und Gegenwart der Grenze entlockt, die bis in die Monarchie zurückreichten, sondern auch wunderbare Fantastereien, was dieses Begegnungszentrum für Zetwing bedeuten könnte. Ich weiß nicht, wie man das tschechisch auspricht, Zetwing, ich sage es auf Deutsch, wenn es okay ist. Dem Feature, eben Tote Grenze, so der Titel, Tote Grenze ist auch die Bezeichnung dieser Region, stellt Ludwig Laha in einem sogenannten Zwischentext das dystopische Bild der atomaren Bedrohung voran. Eine Nuklearkatastrophe würde alles Leben vernichten, Fauna und Flora zerstören, so prognostizieren die Schreckensszenarien, die von den Auswirkungen des Kalten Krieges bereits teilweise eingeholt wurden. Die Region um den Grenzfluss Malcz, von den Russen als Eldorado für Tiere und Pflanzen bezeichnet, ist längst ausgestorben. Einst blühende Dörfer liegen nun im Niemandsland. Noch einmal ein Zitat aus dem Gespräch, nein, aus dem Feature ist dieses Zitat. Eine unsichtbare Grenze trennt zwei Staaten. Nichts als ein rot-weiß-roter Balken und ein Schild mit der Aufschricht Achtung Staatsgrenze markieren eine unsichtbare Linie. Absurd heißt widersinnig. Das Wort sagt nichts darüber aus, ob das Widersinnige erklärbar ist oder nicht, ob man es ernst nehmen muss oder nicht. Wem der Vergleich mit dem Inferno nach dem Atomkrieg und der Wildnis an dem Ort, wo vor wenigen Jahrzehnten noch ein blühendes Dorf stand, absurd erscheint, dem entgeht, dass die eigentliche Absurdität darin besteht, dass es möglich wird, was im Grunde niemand will und niemandem nützt. Ernst nehmen meint mehr als den Satz, das ist halt so. meint mehr als den Satz, das ist halt so. Um das Absurde zu überwinden oder im glücklicheren Fall abzuwenden, müssen wir uns darauf einlassen, auch wenn es unangenehm ist, im Großen und im Kleinen. Unkommentiert lässt Laha die Bewohnerinnen und Bewohner von und über die Geschichte des Dorfes Zetwing erzählen. Wortwahl, Tonfall, Rede, ob fließend, stockend, begeistert oder aussparend, zeigen verschiedene Positionen. Erzählt werden persönliche Geschichten vom Leben an der Totengrenze, stockend oder nur in Nebensätzen wird das NS-Regime angesprochen. Dennoch ist deutlich hörbar, dass das friedliche Zusammenleben der Bevölkerungsgruppen mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten ihr Ende gefunden hat. Ich zitiere jetzt aus dem Feature. Die Spannungen haben erst angefangen, als das alles gekommen ist, 1938. Aber das weiß man ja eh. Der Hitlerismus, der führte zum Krieg. Nur kryptisch wird die Verschleppung tschechischer Grenzbeamter und ihrer Familien durch Sudeten Deutsche Freikorps angedeutet. Acht Jahre nach der Ausstrahlung von Tote Grenze und zwei Jahre nach Fall des Eisernen Vorhangs interviewte Laha abermals die Bewohnerinnen und Bewohner an der nun offenen Grenze. Wieder Zitat aus dem Gespräch jetzt. Wieder Zitat aus dem Gespräch jetzt. In den Folgejahren habe ich mich in dieser losen Reihe, also dieser Hörbildreihe, natürlich jenseits nostalgischer Verklärung auch mit den Menschen beschäftigt, die als Deutsch ja müllviertlerisch Sprechende in der GSSR bleiben durften, weil sie entweder mit Tschechen verheiratet oder als Faschismusopfer anerkannt waren. Opfer anerkannt waren. Solche Leute, die vergangenen 50 Jahre Revue passieren zu lassen, das war unglaublich informativ, berührend und augenöffnend. Selbst den Klo-Muschel-Kaufräuschen und Fressorgien außer Rand und Band agierender österreichischer Gäste nach 1990 widmete ich teils aus dem Blickwinkel irritierter Einheimischer ein Hörbild. Das Feature, nun mit dem Titel Grenzerfahrung, zeigt ein deutlich anderes Hörbild. Während 1983 noch zaghaft und zurückhaltend der Nachbar beobachtet wurde, klingen nun offene Feindseligkeiten und Ressentiments an. Die Grenze ist durchlässig und damit sind es auch Angst, Neid und Missgunst. Alte nationalistische Parolen werden wieder gedroschen, offen wird über die Vertreibung der Sudetendeutschen 1946 geschimpft, aber auch Roma und Sinti werden als verantwortungslose Zigeuner diffamiert. Den Vertriebenen und Verfolgten wird jede Heimatverbundenheit abgesprochen, über die systematische Ermordung der Roma und Sfolgten wird jede Heimatverbundenheit abgesprochen, über die systematische Ermordung der Roma und Sinti wird allerdings kein Wort verloren. Deren S-Diktion folgend sprechen manche Befragte über die sogenannten minderwertigen Zigeuner und zwischen Vogelgezwitscher und Traktorgeräuschen sind Zustimmungsbekundungen umstehender Personen zu vernehmen. Bewusst also positioniert Laha brutale und niederträchtige Diffamierungen und setzt sie akustisch in ein scheinbar harmloses, ja geradezu idyllisches Umfeld. Der akustische Rahmen bildet also einen krassen Kontrast und entlarvt scheinbar stumpfsinnige Geschichtslosigkeit als kalte Brutalität. Im Gespräch mit Klaus Zeiringer betonte Autor die Bedeutung und Sorgfalt bis hin zum zeitintensiven Einfangen von Atmo für den Hintergrund, dass nun gurgelnde Bachläufe kaum hörbare Züge in der Ferne und spezielle akustische Situationen bedingt durch landschaftliche Gegebenheiten oder Bauwerke sein mo mochten in grenzerfahrung behandelt wird wie klar hat die verschiedenen positionen pointiert gewiss hatte sich das gesellschaftliche leben auch zugespitzt die stimmen sind weniger zurückhaltend die antworten kommen schneller lauter direktor sowohl xenophobe als auch reaktionäre wortmeldungen aber auch offene tolerante den dialog und echte auseinandersetzung suchende. Zu Beginn fokussiert Laha eine Haltung, die aggressiv sogenannte alte Schulden gegenrechnet. 1945 aus dem tschechischen Gebiet vertriebene Österreicher verlangen nach 89 ihren früheren Besitz zurück. Abgrenzung bedeutet nun nach der Öffnung der Grenzen Abwertung des Nachbarn. Lahas Hörbild kristallisiert die Idealisierung des Selbst sowie die Inszenierung von Fremd- und Feindbildern heraus. Zitat, also ich zitiere eine Stimme aus dem Fitscher, wir haben uns nie so benommen wie die Tschechen. Wir müssen für die Borgrawoden da unten in Kärnten sogar die zweisprachigen Ortstafeln aufstellen. Dass die Unrechtsherrschaft des Realsozialismus eine Folge der Unrechtsherrschaft des Nationalsozialismus war, bleibt großteils hier ungesehen, wird isoliert und entkoppelt betrachtet. Neu aufblühender Nationalismus, Vorurteile gegen die tschechische Bevölkerung, also es fallen da so Zitate, die haben das Arbeiten nie gelernt, werden Klischees von österreichischem Wohlstand, also wir leben alle im Paradies, gegenübergestellt. Am Ende des Features etabliert Laha die Vision eines versöhnlichen Zusammenlebens und bezieht sich aber auf bereits bestehende konstruktive Begegnungen. Kinder aus dem tschechischen Unterhalt korrespondieren mit Kindern aus dem österreichischen Leopoldschlag, Tschechen spielen mit Österreichern Fußball und sogar die Zollbeamten kooperieren. Nach der Gegenüberstellung der verschiedenen Positionen lässt der Autor das Fitscher mit den positiven Stimmen also enden und eröffnet neue Denkräume. Ich habe mich gefreut, als der Stacheldraht endlich weg war, bemerkt ein Müllviertler erleichtert. Und in Unterhalt haben sie eine viel modernere Schule, da können wir uns ein Beispiel nehmen. Die Kinder lernen sowieso spielerisch tschechisch, sagt eine Mutter. Die Kinder auch werden Familiengeschichten neu betrachtet und teilweise auch erforscht. Dokumente von und über Groß- und Urgroßeltern gesucht, Spuren gefunden, die der Grenze, also der eigenen Geschichte, aber auch der anderen neue Bedeutung geben. Damit formuliert Ludwig Laha auch eigene Utopien. Zitat, im gemeinsamen Haus Europa Tür an Tür wohnen. Ich lasse jetzt ein bisschen was aus, wie ich schon angekündigt habe, damit es nicht zu lang wird und gehe jetzt im letzten Teil meines Beitrags auf ein Feature-Hörspiel ein, wo es um die Linie M geht, die Linzer Straßenbahn und möchte hier gerne anschließen. Also dazwischen waren die warmen Körper Thema und die ultimative Annäherung, aber ja, geht jetzt zur Linie M, zur Linzer Straßenbahn. Die politische Dimension und den gezielten Einsatz von Mitteln zur Täuschung hat Ludwig Laha in seinem ersten Feature-Hörspiel mit dem Titel Das Linie-M-Märchen aus dem Jahr 1994 erzähltechnisch raffiniert bearbeitet. Ein Jahr, nachdem der Krone-Journalist Richard Nimmerrichter seine Kolumne von den Gefahren des Fabulierens veröffentlicht hatte, legte Laha perfide Strategien einer rechten Lügenmaschinerie offen. Nimmerrichter, der unter dem Pseudonym Staberl antisemitische und die Massenvernichtung in der NS-Zeit verharmlosende Texte in der Krone-Zeitung publizierte, kurzer Einwand, wir wissen, also die meisten von Ihnen werden wissen, dass Nimmerrichter ja fast genau zwei Monate mit 101 Jahren gestorben ist. Und vielleicht können wir auch nachher noch darüber reden. Ich fand das auch ganz spannend, dass auch hier wieder die mediale Berichterstattung so war, dass seine Zeit als Wehrmachtsoldat und diese problematische Rolle eben als Staberl da eigentlich auch wieder ausgespart wurde. Also das fand ich, also ich glaube nur, ich möchte jetzt niemanden, ich habe nicht alles gelesen, aber ich habe eigentlich nur im Falter einen kritischen Nachruf gelesen. Also dieser Stabal schreibt in seiner Kolumne, Bezug nehmend auf Adolf Rohners Gemälde, der russische General, dass eine besondere Gräueltat der Nazis im KZ Mauthausen darstellt. das eine besondere Gräueltat der Nazis im KZ Mauthausen darstellt. Also er schreibt, also das Bild dokumentiert den Tod des Generals Karbyschev, der wie weitere 200 russische Gefangene im Februar 1945 nackt mit eiskaltem Wasser bespritzt wurde. Karbyschev und viele andere starben nach dieser Folter. Der Leserbrief eines Hobby-Meteorologen zitiert die bei der ZAMG recherchierten Verhältnisse jener Tage, die angeblich mildes Winterwetter in Mauthausen meldete. Anhand dieses Details, aufgebauscht zur einzigen Wahrheit, stellt Nimmerrichter auch die Erinnerungen der Opfer in Frage. Schlimmer noch, er deklariert sie als Lüge. Längst nachgewiesene Erkenntnisse über die psychischen Auswirkungen traumatisierender Erlebnisse sind ja ebenso ausgespart wie biografische Hintergründe des ehemaligen Wehrmachtsoldaten Nimmerrichter. Mit dem scheinbar verharmlosenden Begriff des Fabulierens werden also Opfer zu Lügnern erklärt, die sich in die Erinnerung manches einbilden. So zeigt Lahas Hörspiel die Viktimisierung der Opfer, also die zusätzliche Stigmatisierung. Er enttarnt raffinierte Methoden der Verkehrung, die traumatische Erfahrungen als erfunden, also falsch hinstellen, um abzulenken, um Schuld zu leugnen. Dramaturgisch beginnt Lahas ein Feature-Hörspiel mit einer Parabel, nämlich der angeblichen Erfindung, und jetzt kommen wir zur Straßenbahnlinie M. Im Rahmen einer Radiosendung, was sehr witzig ist, weil hier wird das eigene Medium noch einmal reflektiert, das haben wir dann später bei der ultimativen Annäherung noch einmal, anders, aber im Rahmen dieser Radiosendung wird ein Hobbyhistoriker namens Bernhard Nowak präsentiert. Präsentiert dieser Bernhard Nowak sein Buch mit dem Titel Linie M wie Märchen, eine grüne Geschichtslüge. Der Inhalt des Interviews ist die Infragestellung der Linzer Straßenbahnlinie M, die tatsächlich 1919 bis 1968 in Betrieb war. Und der Autor, dieser Bernhard Nowak, erklärt das zur Fälschung. Laha arbeitet kaleidoskopartig mit mehrfachen Verkehrungen, um diese doppelten Böden sichtbar zu machen. Der Autor des Buches, also dieser Nowak, weicht den Fragen des Reporters aus, der dessen Rolle als Proponent der oberösterreichischen Autofahrerpartei anspricht. Ja, er stellt sich vielmehr selbst als Opfer der Grünen dar. Absurde Behauptungen werden als faktenbasierte Wahrheit hingestellt. Zum Beispiel der Reporter sagt, naja, was ist denn nun Ihre Wahrheit oder in Ihren Augen die Wahrheit, wenn Sie so wollen? die Wahrheit, wenn sie so wollen. Nowaks Thesen richten sich klar gegen die Forderung nach umweltfreundlichen Verkehrsmitteln, für die die Straßenbahnlinie symbolischen und Vorbildcharakter hat. Vor allem richtet er sich aber gegen die sogenannten Linken. Nowak, also ich sage es Ihnen jetzt ganz offen, dass die Verteufelung des Individualverkehrs, also der Versuch mit grünen Mäntelchen, die Freiheit des Einzelnen entscheidend so zu beschneiden, meine Zustimmung nicht findet. Wir wissen ja, von wo aus die meisten der Grünbewegten sich früher bewegen haben lassen, also klare antikommunistische Haltung. Lacher thematisiert in diesem Hörspiel aber auch die Frage nach der Verlässlichkeit von Erinnerung. Dazu wurden Linzer Passanten befragt, deren Aussagen als O-Töne ins Hörspiel eingebaut sind. Oft betonen die Befragten, nicht mehr mit Sicherheit sagen zu können, also wo und wann die Straßenbahn eingesetzt war oder sie vielleicht nur ganz schwer zu erinnern, um ganz kurz darauf wieder zu sagen, also 100 pro, 100 pro, ich bin mir da ganz sicher, dass das so war, zu antworten. Bedient wird das Spiel an der Grenze, wieder die Grenze, aber zwischen Erinnerung, Einbildung und Realität durch den Einsatz trivialer Elemente. Populäre Lieder und Schlager wie Karl Valentins Lied vom Sonntag über die elektrische Straßenbahn oder Rudolf Karls Schlager von der lieben kleinen Schaffnerin, sind weitere Elemente zur Verwischung der Grenze zwischen Fälschung und Wirklichkeit. Nach den Schlusszeilen des Schlagers, in welchem die kleine, berückende, fahrkartenzwickende Hand der lieben kleinen Schaffnerin geküsst wird, setzt der Reporter seine Fragen nun mit der Überleitung fort. Ja, das war also ein Ausflug in die gute alte Zeit, ins Jahr 1942. war also ein Ausflug in die gute alte Zeit ins Jahr 1942. Zweiter Weltkrieg und Naziterror werden vom Reporter schlicht ignoriert. Laha aber desavouiert das vorherrschende Gemütlichkeits- und Unterhaltungsdiktat des Radiosenders. Wie im Schlagertext dient auch im Radiointerview die Straßenbahn als Mittel zum Zweck, Hinter- und Beweggründe zu verschleiern. So verliert der Hobbyhistoriker Nowak die Kontenance, als seine Behauptungen in Zweifel gezogen werden. Die Zeiten sind jetzt jedenfalls vorbei, wo man die Leute vor dumm verkaufen kann, in vielen Bereichen, auch und vor allem was Zeitgeschichte angeht, muss in der Demokratie frei diskutiert werden können. Da kann es Dokumente und Filme und Fotos geben und sogenannte Augen zeigen, so viel es will. Nach einer weiteren Musikeinspielung des Münchner Volkssängers Weiß-Fjerdl stellt der Sprecher das Buch Historikerstreit und Geschichtsrevisionismus des neonazistischen Publizisten und Politikers Rolf Kosiek vor, in welchem der Autor die Verbrechen der Nazis als kommunistische Geschichtsfälschung bezeichnet. Nun nimmt Lacher ganz klar Bezug auf die systematische Methode von Holocaust-Leugnern, Niedertracht und Mord als Erfindungen zu diffamieren. Also in diesem Hörspiel, auf das ich jetzt nicht eingehe, möchte ich doch in einem Satz noch eingehen. Auch hier geht es wieder um das Radio im Radio und auch hier geht es wieder, und das ist ja auch hochaktuell, wie stark in dieser ultimativen Annäherung die Wechselwirkung zwischen Weltpolitik und dem privaten Leben ist. Wie fern Verbrechen inszeniert werden oder eben die Erfindung als Erfindung eben diffamiert wird. Und auch in diesem, wie in vielen, fast allen Hörspielen, zeigt Ludwig Lacher die Kraft dieser Lügensprache, der Verharmlosung in der Sprache, der Begriffe und die Verschleierung eigentlich von brutalen Machtstrategien und kapitalistischen Interessen. Er arbeitet damit auch sehr stark intertextuell, in vielen Texten bezieht sich da auch auf Robert Musil, auf Karl Kraus und das hat in dieser Montage auch einen, ja, das ist sehr raffiniert und vergnüglich zugleich, finde ich. sehr raffiniert und vergnüglich zugleich, finde ich. Also ich habe das wirklich sehr oft gehört und immer wieder was Neues gehört. Und möchte jetzt am Schluss, den Schluss meines Beitrags auch sagen, wenn ich das richtig verstanden habe, haben Sie tatsächlich seit 2012 kein neues Hörspiel geschrieben. Und das ist auch der Schluss meines Beitrags. Seit 2012 hat Ludwig Lahrer kein Vorspiel und Hörspiel und kein Feature mehr vorgelegt. Im Gespräch mit Klaus Zeiringer sagt er dazu, dass es, ich zitiere es jetzt, ich will nicht ausschließen, vielleicht doch noch einmal etwas im Bereich Radio oder Fernsehen zu machen, aber sehr wahrscheinlich ist es nicht. Bei meinen Büchern kann sich das Publikum verlassen, das drinnen ist, was ich wollte, ohne jeden Abstrich, was Inhalt und Form betrifft. Das wäre in den audiovisuellen Medien wohl kaum mehr der Fall. Ich finde, dass gerade heute bei den Urheberinnen, die in den Social Media verbreiteten, auch Fake News, exakt jenes Figurenpersonal interessant, das ergänzen würde, jenes Figurenpersonal interessant, das ergänzen würde, also diese Leute, die Laha mit genauem Blick in seinen Hörspielen und Features aufwächert, nämlich dass alle Fasern einer zeitgeschichtlich, anthropologisch und zugleich mitfühlenden Leserinnen-Existenz aufruft. Vielen Dank. Vielen Dank nochmal, Julia Danietzschek, für diesen tollen Beitrag. Und nun folgt eine Einspielung eines Hörspiels von Ludwig Laha, die wir ein bisschen verkürzt machen. Also die Einspielung hätte ursprünglich oder würde eigentlich 18 Minuten dauern. Aber wie wir gerade direkt vor Beginn der Veranstaltung festgestellt haben, ist nach etwa sechs Minuten die Qualität des Hörspiels leider eingeschränkt. Wir haben das vom Landesstudio Oberösterreich zugeschickt bekommen und leider, wie gesagt, ist da ein Defekt. Aber ich finde nichtsdestotrotz ganz toll, das anzuspielen, die ersten Minuten zu hören. Zu dem Beitrag noch, es ist eine Produktion, wie gesagt, des ORF-Landesstudios Oberösterreichs aus dem Jahr 2011, da sind wir wieder da, das ist eines der letzten ihrer Hörspiele offensichtlich, die in den Literatursendungen Premiere und in der UN-Sendung Radiogeschichten gesendet worden ist. Es lesen Barbara Michel, Thomas Hölzel und der Autor. Und wir danken dem ORF für die Möglichkeit der kostenlosen Präsentation im Rahmen der heutigen Veranstaltung. In diesem Sinne, Ton ab. Wenn ein Käfer auf dem Rücken liegt, kommt er dann wieder hoch oder stirbt der, wenn kein Luftzug, keine Hilfe kommt? Ist das von der Natur nicht irgendwie geregelt? Ich meine, das passiert doch bestimmt oft. Es begab sich, dass aufmerksamen Beobachtern an einem nasskalten, trüben Spätnovemberabend des Jahres 1861 auf dem harten Perron unmittelbar neben den blanken Geleisen des Bahnhofs Frankenmarkt, auf welchen ein bereits zur Weiterfahrt bereitstehender, kraftstrotzend schnaubender Eisenbahnzug auf die Abfertigung durch den Stationsvorsteher wartete, trotz längst eingefallener Dunkelheit die Umrisse eines feisten, pelzigen Käfers von ungeheuren Ausmaßen ins Auge gefallen sein mochten, der, durch ein Unglück auf dem Rücken zu liegen gekommen, in heftigem Strampeln begriffen war. auf dem Rücken zu liegen gekommen, in heftigem Strampeln begriffen war. Dieser, wie es allen Anschein hatte, bestürzend hilflosen Kreatur haftete, obschon es sich eigentlich verbat, die allein einem solchen Momente zu empfinden, zugleich etwas unsäglich komisches, ja beinahe groteskes an, war sie doch ohne jeden Zweifel unsanft aus jenen ehrenen Gesetzmäßigkeiten geworfen worden, die ihr nach wiederholtem eigenen Bekunden einen bestimmten, wohlgefügten Platz zuwiesen in der Ordnung der Dinge. Wisst ihr, warum euch die Käfer, die Butterblumen so glücken? Weil ihr die Menschen nicht kennt, weil ihr die Sterne nicht seht. Schautet ihr tief in die Herzen, wie könntet ihr schwärmen für Käfer? Das habt ihr sicher schon gehört, dass die Spinnen Wetterverkündiger sind und dass die Ameisen den Regen vorhersagen. Man muss das Leben dieser kleinen Dinge betrachten, ihre häuslichen Einrichtungen anschauen, oft zu ihnen kommen, sehen, wie sie ihre Zeit hinbringen, erforschen, welche Grenzen ihre Gebiete haben, welche die Bedingungen ihres Glücks sind und wie sie denselben nachkommen. Mit Vergnügen und Rührung gedenke ich noch des Tages, da ich als kleines Büblein in der ersten Klasse der Volksschule saß und die festliche Schulprüfung an mir und meinen altergenossen vorgenommen wurde vor uns saßen in schwarzem festkleid die geladenen patronen des schulwesens mancher mit einem bunten bändchen im knopfloch und unter diesen ein behäbiger umfangreicher lebhafter herr mit blatternarbigem, großzügigem, aber vor Freundlichkeit, Wohlwollen und Vergnügen glänzendem Gesicht. Ein Herr, der die Aufmerksamkeit aller Herren Lehrer, der Eltern und Kinder auf sich lenkte, denn dieser Herr war die Berühmtheit der Stadt. Die Stadt hieß Linz an der Donau. Der freundliche Herr Adalbert Stifter. Und die Zeit der Handlung war ungefähr das Jahr 1860. Bei der Stadt Frankfurt aß ich gestern etwas Weniges zu Mittag. Dann fuhr ich auf den Bahnhof und um halb zwei auf der Eisenbahn dahin. Ich sass in meinem Pelze ganz allein in einer Abteilung, tat meinen grauen Hut weg, setzte die Haushaube, die ich in der Pelztasche hatte, auf und schlief bis Lambach. Die von ihm erhaltenen Fotografien zeigen einen in zunehmendem Maße melancholischen und morosen Menschen, der sich aller Wahrscheinlichkeit nach emotional systematisch zugrunde gerichtet hat. Die längst überfällige pathografische Darstellung Stifters ist freilich nicht leicht zu leisten, weil er sich ja bis zuletzt an seine positiven Präzepte gehalten hat und von seinen Albträumen kaum etwas laut werden ließ. Nach jener Zeit hob sich der Nebel und ich sah allerlei schwere Wolken. In Vöcklerbruck hörte ich ein seltsames Geräusch, als wir hielten. In Timmelkamm hörte ich beim Halten das Geräusch wieder. Es schien auf dem Dach oben. In Redl war es mir ganz deutlich. Es war ein entsetzlicher Regen auf das Wagendach. In Vöcklermarkt goss es. In Frankenmarkt goss es noch mehr. Es war bereits finster. Bei Stifter glückt alles, ausser seinem eigenen Leben. Das ist das Besondere, dass er diese Utopie, dieses Glücksverlangen niemals aufgibt und als diesseitige innerweltliche Utopie bestehen lässt. und als diesseitige innerweltliche Utopie bestehen lässt. Erst ganz zuletzt hat er aufgegeben und hat Ja gesagt, das heisst Nein, zu seinem Leben, wie es war und geworden war. Das war ein ungeheurer Akt der Verneinung, als wäre es eine Verneinung aller sanften Gesetze. Ein ganzes Leben voll Gerechtigkeit, Einfachheit, Bezwingung seiner selbst, Verstandesmäßigkeit, Wirksamkeit in seinem Kreis, nachlesen in der Rampe. Und ich habe vergessen zum Eingang natürlich zu sagen, dass es Käfer mit dem Rücken zum Boden heißt und eine Hörverständnisübung zu Adelbert Stifter ist. Aber das ist jetzt, denke ich, beim Zuschauer herausgekommen. An dieses Hörspiel anschließend und zum Ausgang des Abends liest Ludwig Laha noch drei kurze Gedichte und einen ebenso kurzen Text, der ebenfalls in der Rampe abgedruckt ist. Und der dafür möchte ich Ihnen jetzt kurz nach vorne bitten. Bevor ich das mache, möchte ich mich auch bedanken. möchte ich mich auch bedanken. Es widerfährt einem ja nicht jeden Tag, wenn man schreibt, dass so umfassend über einen nachgedacht wird. Es gibt Sekundärliteratur, die hat dann oft mit einem konkreten Buch oder einer konkreten Arbeit zu tun. Aber dass man in einem 200 Seiten starken und sehr großen Seiten starken Buch die verschiedensten Facetten der eigenen Arbeit wiedergespiegelt sieht und sich teilweise auch wundert, was man doch über all die Jahre auf den unterschiedlichsten Gebieten zu leisten versucht hat. Das ist wirklich ein seltenes Ereignis und dass mir dies zuteil wurde, dafür danke ich recht herzlich. Es war mir eine, gerade in persönlich schwieriger Zeit, große Freude, auch mit Klaus Zeiringer, den ich da besonders hervorheben möchte, laufenden Kontakt zu haben. Gerade die Möglichkeit, auf langsame Weise ein Gespräch zu entwickeln, über Monate hinweg, ist eine sehr schöne Erfahrung gewesen, weil so viel Zeit besteht, das Letzte hin und her zu reflektieren und dann daran wieder anzuknüpfen. Ich danke aber auch allen Beiträgerinnen und Beiträgern für dieses breite Bild, das da aufgeschlagen wurde. Den heute Anwesenden natürlich besonders, Julia Danielczyk, Lydia Mischkulnik. und natürlich besonders Julia Danielczyk, Lydia Milschkulnik. Danke dem Haus. Ich habe mich gefreut, dass man gerade auch diese kleine Hommage an Stifter abgedruckt hat. Das gehört ja doch sehr hierher. Dank an die Frau Dallinger, an die Frau Lehner. Es war mir eine große Freude und ich bin sehr glücklich über das Resultat dieses Buches. Und ich lese Ihnen jetzt quasi als kleinen Nachtrag drei Gedichte. Die werden auch in meinem nächsten Gedichtband dann zu finden sein. Und eine ganz kurze Rosa-Miniatur. an Zugkräftige bewegt sich Anhänger für Anhänger auf glattpolierten Schienen, eisern in dieselbe Richtung, wohin wird sich weisen. Alle wissen, wo der Ball liegt, nämlich bei wem anderen. Alle würden gerne handeln, aber leider geht das nicht. Wer den Ball hat, muss beginnen, sagt die Regel klipp und klar. Alle wissen, wo der Ball liegt, es kann losgehen, gestern schon. In mich horche ich hinein, in mich gehe ich, in mir irre ich mich nicht mehr so oft. Wer schläft im Nu? Als Laurin beteuert, er sei noch überhaupt nicht müde, meint die Großmutter nur, kein Kind schläft im Nu. Natürlich nicht, sagt Laurin grinsend, Kinder schlafen im Bett. Manche Leute können aber gleichzeitig im Bett und im Nu schlafen, sagt die Großmutter, zum Beispiel der Großvater, wenn er sich nach dem Essen zum Mittag kurz hinlegt. Wie schaut denn so ein Nu aus, fragt Laurin. Gar nicht, antwortet die Großmutter, aber er dauert, so wie die Zeit. Lang oder kurz, will Laurin wissen. Sehr, sehr kurz, erklärt die Großmutter. Ungefähr so kurz, wie man braucht, um die Hand umzudrehen. Im Handumdrehen bedeutet darum das Gleiche wie im Nu. Im Nu will ich ein Stück Kuchen, sagt Laurin jetzt und dreht beide Hände um. Ich danke Ihnen. Vielen Dank Ihnen, Herr Laha, für die Lesung. Vielen Dank nochmals allen Mitwirkenden dieses Abends und vielen Dank vor allem auch Ihnen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, für Ihre Aufmerksamkeit. Wir weisen nochmals darauf hin, dass Sie sowohl das Rappelporträt für nur sagenhafte 14,90 Euro als auch weitere Bücher Ludwig Lachas am Büchertisch erwerben und gegebenenfalls, nehme ich auch an, auch signiert bekommen können. Und ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend. Auf Wiedersehen.