Wir beschäftigen uns gerade beide mit Utopie auf unterschiedliche Art und Weise. Also immer Utopie. Lisa, Richard. Volker, was ist denn mit der Utopie? Das ist halt eine Art Wunderung. Das ist halt eine Art Wunderung. Das ist halt eine Art Wunderung. Das ist halt eine Art Wunderung. Das ist halt eine Art Wunderung. Das ist ein bisschen wie von der Fee, auch was wünschen gerade. Aber was wäre, wenn? Der utopische Podcast mit Sigrid Ecker. Herzlich willkommen am österreichischen Kulturforum Berlin. Ich bin Denise Quistorp, die Direktorin des Kulturforums. Ich begrüße Sie sehr herzlich zum utopischen Podcast Was wäre, wenn? der österreichischen Radiojournalistin Sigrid Ecker. In ihren Interviews konzentriert sich Sigrid Ecker auf konstruktive neue Zukunftsideen und Möglichkeiten und setzt damit bewusst einen Kontrapunkt zu einer bloßen Berichterstattung und Diskussion über Ungerechtigkeiten, Missstände und so weiter. Eine solche positive Zukunftsidee ist die einer feministischen Außenpolitik. Dahinter steckt der Gedanke, dass es neue Ansätze braucht, neue Perspektiven, auch eine neue ausbalancierte Machtdynamik, eben eine feministische Außenpolitik, um die anstehenden brennenden globalen Dauerthemen wie Ungerechtigkeit, Klima, Menschenrechtsangriffe, Kriege wirklich in den Griff zu bekommen. Wir freuen uns daher sehr, dass Christina Luntz, Mitbegründerin des Center for Feminist Foreign Policy, Gesprächspartnerin von Sigrid Ecker heute im Zukunftspodcast ist. im Zukunftspodcast ist. Herzlich willkommen Sie beide. Ich freue mich sehr, dass Sie zueinander gefunden haben und miteinander dieses Gespräch führen werden. Der utopische Podcast ist eins der Vorzeigeprojekte der Initiative Reparatur der Zukunft, die das österreichische Außenministerium gemeinsam mit dem österreichischen Radiosender Österreich 1 gestartet hat. Für die Initiative wurden und werden Ideen, Konzepte, Projekte und auch wissenschaftliche Beiträge gesammelt, die sich unseren wichtigen globalen Fragen wie eben Frauenrechten, Gerechtigkeit, Klimaschutz, Armutsbekämpfung bis hin zu Lifestyle-Themen widmen und die Ansätze für eine bessere, reparierte Gesellschaft von morgen suchen und aufzeigen. Das österreichische Kulturforum Berlin greift Initiativen wie den Zukunftspodcast sehr gern auf. Denn Schwerpunkte der österreichischen Außenpolitik, wie die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen und dabei eben auch Frauenrechte, sind auch Schwerpunkte unserer Kulturarbeit. Wir wollen ein Ort für Begegnung und Austausch sein von Künstlerinnen, WissenschaftlerInnen und auch von solchen neuen Ideen und aufregenden Initiativen. Wir wollen interessante und aktuelle Gedanken zur Zukunft an den Schnittstellen von Kunst und Wissenschaft, Kultur, Nachhaltigkeit aufgreifen und ExpertInnen verschiedener Disziplinen zu Wort kommen lassen. Denn gerade an diesen Schnittstellen können innovative Ideen entstehen. Und dort können wir auch ein fundiertes Verständnis dafür entwickeln, wie das alles zusammenhängt. Klima, Ernährung, Wasser, Geld, Gerechtigkeit, Frieden. Zukunft braucht innovative, unerhörte, utopische Gedanken. Und Zukunft kann nicht gedacht werden ohne die Rechte von Frauen und Mädchen, ohne ihre faire Beteiligung und ausreichend Ressourcen, diese Rechte auch zu garantieren, schreibt Frau Lutz. In ihrem gerade erschienenen Buch Die Zukunft der Außenpolitik ist feministisch, wie globale Krisen gelöst werden können, führt sie aus, wie so eine Zukunft aussehen könnte und was es dazu braucht. Liebe Frau Lutz, liebe Frau Ecker, wir freuen uns sehr, wir sind ganz ober und sind gespannt auf Ihre Gedanken zur Zukunft der Außenpolitik. Vielen Dank. Vielen Dank, Frau Güstorf, für diese netten einleitenden Worte. Liebe Frau Lutz, dann legen wir jetzt los. Was wäre, wenn? Was wäre, wenn es keine Armut gäbe? Was, wenn alle Menschen gleichwertig wären, gleichberechtigt? Was wäre, wenn es keine Ausbeutung von Menschen, Tieren und der Natur gäbe? Kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander. Diese Liste könnte ich endlos weiterführen, deshalb widmet sich dieser monatliche Podcast all diesen Möglichkeiten und Visionen sozialen und politischen Utopien. Es geht um Fernes und Nahes, um Globales und Persönliches. Ich bin Sigrid Ecker und begrüße Sie zur zehnten Episode von Was wäre, wenn der utopische Podcast mit dem Titel Die Zukunft der Außenpolitik ist feministisch. Diese Ausgabe ist eine sehr besondere, denn sie entstand auf Einladung des österreichischen Kulturforums in Berlin, da ich mit dem utopischen Podcast von der Ö1-Initiative Reparatur der Zukunft ausgezeichnet wurde. Das ist natürlich eine sehr schöne Sache für mich und ganz besonders freut mich aber, dass ich nun Christina Luntz begrüßen darf. Sie ist eine deutsche Feministin, Aktivistin und Mitbegründerin und Mitgeschäftsführerin beim Center for Feminist Foreign Policy in Berlin und hat ganz aktuell das Buch Die Zukunft der Außenpolitik ist feministisch, wie globale Krisen gelöst werden müssen, im Ulstein Verlag herausgebracht. Hallo und willkommen, Frau Luntz. Es freut mich sehr, dass Sie sich für dieses Gespräch Zeit nehmen. Es freut mich total, hier zu sein. Vielen Dank. Frau Luntz, Sie haben mit Ihrem Buch einige Zeilen vorangestellt. Ich möchte nun auch mit diesen Worten unser Gespräch beginnen und sage, gelesen von meiner Radiofroh-Kollegin Petra Moser. Das spiele ich jetzt kurz ein. Tür aufgestoßen. Ich hoffe, es schreiten viele hindurch. Für alle, denen ihre Expertise regelmäßig abgesprochen wird, da sie es wagen, unsere Gesellschaft neu feministisch zu denken. Weg vom patriarchalen Status quo hin zu einer gerechten Gesellschaft. Sie sind die einzige Hoffnung, die wir haben. Warum sind das die ersten Sätze, die ich lese, wenn ich ein Buch aufschlage, Frau Luntz? Das war gerade ziemlich besonders, das von einer Person gelesen zu hören, weil diese Worte mir ständig im Kopf waren, als ich das Buch geschrieben hatte. Ganz besonders auch mit dem Hinblick darauf, wenn es veröffentlicht wird. Wurde jetzt eben vor zwei Wochen. Und weil es die Erfahrung, meine persönliche Erfahrung ist, in jetzt knapp acht Jahren öffentlichen feministischen Aktivismus, dieses ständige Absprechen meiner Expertise, dieses Delegitimieren meiner Erfahrungen, meiner Meinung, die Online-Gewalt, die Versuch, mich und alle Frauen, die den Status quo oder alle marginalisierten Gruppen, die den Status Quo in Frage stellen, eben diese sollte ich recht behalten, die vor allem die erste Woche, die ersten zehn Tage, als das Buch draußen war, waren alles andere als einfach. Und gleichzeitig meine ich das ganz genau so, die Menschen, die unsere Gesellschaft in Frage stellen, die aktuellen Strukturen in Frage stellen, vor allem eben aus einer Perspektive von politischer Marginalisierung oder Mangel an fairer Repräsentanz heraus. Diese Menschen sind wirklich die einzige Hoffnung, die wir haben, weil die Gesellschaft so mit ihren massiven globalen Herausforderungen von Klimakatastrophe über nukleare Aufrüstung oder Pandemien, von Klimakatastrophe, über nukleare Aufrüstung oder Pandemien. Wir können das alles nur angehen, wenn wir endlich neue Lösungsansätze reinbringen und nicht mit einem Business as usual weitermachen. Madeleine Ries, die Generalsekretärin der Women's International League for Peace and Freedom, fasst in ihren Grußworten zum Buch zusammen. Ich bin überzeugt davon, dass dieses Buch dazu beitragen wird, den Status Quo der Sicherheits- und Außenpolitik zu hinterfragen und sie humaner, effektiver und inklusiver neu zu denken. Es veranschaulicht die Zusammenhänge und Feinheiten der dringlichsten Themen unserer Zeit, Klimakrise, Pandemien, zunehmende Ungleichheiten auf allen gesellschaftlichen Ebenen und unterstreicht, was feministische Zivilgesellschaft schon lange wusste. Bevor wir uns inhaltlich mit all dem vertiefen, was es hier zu wissen gilt, möchte ich noch Ihren Werdegang etwas beleuchten, Frau Luntz, wie es sich ergeben hat, dass Sie die Zukunft der Außenpolitik feministisch geschrieben haben. Sie stammen ja aus eher einfachen Verhältnissen und sind die erste in Ihrer Familie, die an einer Universität studierte. Sie schreiben darüber auch in Ihrem Buch, weil Sie auf die ungerechten Bildungschancen aufmerksam machen möchten. Trotzdem haben Sie eine Karriere geschafft, die schon bemerkenswert ist. Nehmen Sie uns etwas mit, wie genau entwickelte sich das? Wie kommt man von einem Gymnasium in der Fränkischen Schweiz an das University College London und dann auf die Universität von Oxford? Und vor allen Dingen würde mich auch interessieren, wie kam es denn zu den ausgewählten Studienfächern? Woher das Interesse für internationale Politik und Diplomatie? ist ja nicht so etwas ganz Allgewöhnliches. Ja, danke sehr dafür. Genau, ich bin sehr, sehr behütet aufgewachsen im 80-Einwohner-Dorf im Süden Deutschlands, in der Fränkischen Schweiz. Und was schon immer ganz gut geklappt hat, ich war immer sehr gut in der Schule, war immer eine der Klassenbesten. Und ich hatte, ich weiß nicht woher, manche Dinge kann man ja nicht so gut erklären, aber ich hatte immer einen wahnsinnigen Ehrgeiz, alles maximal gut verstehen zu wollen, Zusammenhänge zu verstehen. zu verstehen. Und so kam es auch, dass ich nach dem Abitur oder einen der besten Abiture einfach hatte in meinem Jahrgang von über 100 Leuten und kannte aber eben niemanden, der oder die bislang, kannte niemanden persönlich, der oder die bislang eben auf einer Uni war und wusste aber, dass diejenigen, die die besten Abischnitte hatten in Deutschland, dann eigentlich Medizin oder Psychologie studieren. Darum habe ich mich dann für Psychologie entschieden im Bachelor meines Psychologiestudiums, wo ich auch wieder eine der Besten meiner Kurse war. Wo ich aber dann gemerkt habe, dass ich darin später nicht arbeiten möchte. Und auch wenn jetzt vielleicht rückblickend, Sie haben das gerade so schön gesagt, und also auch wenn jetzt vielleicht rückblickend, Sie haben das gerade so schön gesagt, vielleicht auch die Karriere oder mein Werdegang so stringent vielleicht auch ein bisschen wirkt oder so wirkt, als ob das alles so sehr erfolgreich vielleicht war, waren viele Entscheidungen aus einem Mangel daran, dass ich es einfach nicht besser wusste, entstanden. Und daher sollen auch vielleicht, wenn manche zuhören, die jünger sind als ich und manche Schritte noch nicht getan haben, die vielleicht ich getan habe, eine Ermutigung auch sein. Das war, die meiste Sachen waren bei mir echt nicht durchdacht. Und trotzdem hat es irgendwie zu was gereicht. Und ich hatte aber immer ein Interesse, so ein grobes Interesse an gesellschaftlichen Zusammenhängen. Habe dann noch eben am Ende meines Psychologie-Bachelorstudiums, einfach weil eine Freundin das vor mir gemacht hatte, eine Summer School in Stanford besucht, so politische Psychologie. In politischer Psychologie habe ich von Diskriminierungsstrukturen gelernt, über politische Einflussnahme, wie Menschen sich dazu entscheiden oder in politischen Kontexten verhalten. Und das war sehr faszinierend für mich und einfach nur darauf basierend, mich dann dazu entschieden, meinen ersten Master in England zu machen. Und auch nur deswegen in England, weil mein damaliger Freund sagte, Mensch, Christina, das ist eine der besten Abiture, eine der besten Bachelorabschlüsse. Und wenn du jetzt dein Studiengartenfach wechseln willst, kannst du eh nicht in Deutschland machen, weil das so stringent ist. Master musst du auf Bachelor aufbauen. Warum nicht an einer der besten Unis in Europa, in London zum Beispiel, wenn du irgendwas mit Politik machen möchtest? Und ich so, weil da Leute so wie ich nicht studieren und er hat mich aber ermutigt. Es waren in meinem Leben sehr, sehr oft Menschen, die mich zu Dingen ermutigt haben, die die Gründe dafür sind, warum ich bestimmte Schritte gegangen bin. oft Menschen, die mich zu Dingen ermutigt haben, die die Gründe dafür sind, warum ich bestimmte Schritte gegangen bin. Und so kam es, dass ich in London studierte, zuerst eben Menschenrechte, Völkerrecht, internationale Politik, Ökonomie, so ein Mischstudiengang, eine tolle Mischung. Und dann gemerkt habe, das interessiert mich wirklich sehr, sehr doll. Und ein Jahr, britische Master sind meistens nur ein Jahr, reichte mir aber nicht, um das Themenfeld wirklich zu durchdringen. Ich hatte damals schon ein Stipendium und dann habe ich noch ein Extrastipendium von der Uni in Oxford bekommen, weil meine Bewerbung eben überzeugend war bei der Uni dort. Und dann komplettes Vollstipendium von der Uni in Oxford bekommen für das Studium, für Lebensunterhaltungskosten und so weiter und konnte dort dann Diplomatie studieren. Und das war für mich aber mein Studium in Oxford die Zeit, war vor allem auch der Beginn meiner gemeinnützigen Laufbahn. Es war die Zeit, also wirklich direkt vor Studiumbeginn in Oxford, meine ersten Radiointerviews jemals habe ich aus meinem Studentenzimmer in Oxford gegeben, weil ich damals eine Kampagne gegen die Bild-Zeitung startete, gegen den Sexismus und die Frauenverachtung in der Bild-Zeitung. Und weshalb ich maximal abgelenkt war in den ersten Wochen oder die ganze Zeit in meinem Oxford-Studium. Und ja, dann war ich auf einmal konfrontiert auf der einen Seite mit einem Studiengang zur Diplomatie an der Universität, wo ich irgendwie davon ausgegangen bin, das ist so, that's the shit, like die beste Uni überhaupt, es wird beste Studieninhalte sein, gleichzeitig zu merken, dass ich mich sehr viel gewundert habe, gewundert darüber, dass wenn wir über Fragilität, über Staaten sprechen, dass wir nicht über, ja, die Unterdrückung von Menschen in den Staaten sprechen, über patriarchale Strukturen und gleichzeitig hatte ich aber, ja, weil ich die Kampagne gegen die Bild-Zeitung machte und auch massive Online-Gewalt gegen mich erfuhr, habe ich am eigenen Körper gemerkt, wie Patriarchat und patriarchale Unterdrückung auf Personen wirken und zu einem Mangel an menschlicher Sicherheit, an Instabilität und so weiter führen. Und das habe ich alles einfach nicht verstanden, warum wir darüber nicht sprechen hier im Studium. Und nach dem Studium hatte ich dann erst in Kolumbien gearbeitet für eine feministische Organisation, zur Zeit des Friedensreferendums zwischen der FARC und der Regierung. Dann war ich bei den Vereinten Nationen New York und dann Myanmar. Myanmar zur Zeit des Genozids des burmesischen Militärs gegen die Rohingya. Zeit des Genozids des burmesischen Militärs gegen die Rohingya. Und beide, wirklich beide Interessen für das Feministische, eine feministische Analyse unserer Gesellschaftsform, wie wir leben. Und mein Interesse für internationale Politik kam da immer stärker zusammen. Und dieser Wunsch, diese feministischen Analysen auch in internationale Politik zu bringen, resultierte dann in der Gründung, Mitbegründung des Center for Feminist Front Policy. Wir haben jetzt schon einen sehr großen Bogen gemacht. Das ist gut, weil unsere Zeit ja relativ knapp ist. Aber ich würde einmal noch gerne einhaken, weil ich es schon recht wichtig finde. Sie haben das jetzt erwähnt, eben mit dieser Kampagne im Oktober 2014 war das, wenn ich da richtig jetzt informiert bin, mit diesem Stop-Build-Sexism und Sie hatten da ja auch Erfolg damit, aber sie waren in extremen Anfeindungen ausgesetzt, wie das eben so ist. Und da sind dann zwei Aspekte, die da herausgearbeitet wurden, die sie auch schreiben, nämlich das Silencing von Frauen, das da ein Riesenthema ist natürlich, denn das Patriarchat erdrückt jede Wahrheit, die ihm nicht dient, schreiben sie. Aber andererseits, was ich natürlich auch festgestellt habe, ist dann trotzdem diese Wut als transformative Kraft offensichtlich, die ja auch da ist und mich würde schon nochmal zu dieser Punkt interessieren, weil ich glaube, er ist wirklich wichtig, weil alle Frauen, die sich irgendwie öffentlich äußern gegen das Patriarchat oder gegen Teile davon, sind diesem Druck ausgeliefert. Was war es oder was ist es, dass Sie trotzdem gegen diese Welle, die Ihnen da entgegenschlug, dass Sie trotzdem weitermachen? Dass Sie sich nicht stillmachen haben lassen sozusagen? Ja, wäre fast passiert. Das war wirklich knapp. Und es gab auch immer wieder über die Jahre, immer wieder Momente, wo es auch echt wieder knapp davor war, dass ich doch, dass die gewonnen hätten, die mich zum Schweigen bringen wollen. Damals, also ich war überwältigt und ich schreibe auch in meinem Buch, wie ich einfach zusammengebrochen bin und Heulanfälle hatte, weil ich einfach nicht verstanden habe, dass wirklich meine höfliche Bitte in dieser Petition dann auch, wo einfach drin stand, lieber Herr Chefredakteur Kai Diekmann, ich bitte Sie, Männer und Frauen mit dem gleichen Respekt einfach darzustellen. Frauen sind nicht die Lustobjekte einer Gesellschaft. Und dann diese Welle an Gewalt, an Nachrichten von vor allem von Männern, die mir schreiben, wie sie mich vergewaltigen wollen, was sie meiner Familie antun wollen. Und ich glaube, ich weiß nicht, ob da irgendjemand darauf vorbereitet sein kann, vor allem wenn sie davor nicht wusste, dass es diese Form von Gewalt so gibt. Und so hat mich das echt im Mark getroffen. Und was mir geholfen hat, war, aktiv habe ich dann den Kontakt gesucht zu anderen feministischen Aktivisten. Den Kontakt hatte ich noch nicht. Das Netzwerk hatte ich damals noch nicht, weil ich das ja einfach wirklich aus dieser Wut heraus machte und überhaupt keine Ahnung von Aktivismus oder so hatte. Aber andere Aktivistinnen dann, als sie meine Geschichte hörten, in Solidarität gesagt haben, pass auf, Christina, wir nehmen dich irgendwie unter unsere Fittiche auch, ich unterhalte mich mit dir, wir reden darüber. Und das hat mir echt so, und excuse my French, aber meinen Arsch gerettet. einzubringen und mich fertig zu machen, dass das System hat in patriarchalen Strukturen und dieses Wissen darüber. Und erst heute in einem Gespräch hat mich auch eine junge Frau gefragt, du Christina, ich möchte mich politisch engagieren, ich möchte auch gegen Dinge vorgehen, die ich falsch finde, aber ich weiß nicht, wie ich das aushalten soll, diese Vorstellung, dass mir diese Gewalt entgegenschlägt und ob ich einen Tipp habe. Und dann habe ich gesagt, ja, lies ganz viel feministische Literatur, lies Texte und von den Frauen oder hör sie dir an, die genau das hinter sich haben. Und du wirst sehen, dass auch irgendwie die erfolgreichsten Frauen im Bereich des feministischen Aktivismus, im Bereich der gesellschaftlichen Änderung, genau all das durchgemacht haben, weil es System hat. Und wenn wir hoffentlich, es gibt Momente, wo es mir nicht hilft, aber eigentlich hilft es mir immer, dieses Verständnis, dass es hat nichts mit mir als Person zu tun. Wenn man versucht, mir persönlich Dinge vorzuwerfen, mir zu sagen, wie dumm und blöd ich sei und was für eine dumme Blondine und auch irgendwelche Sachen, die sich raussuchen aus meinem Hintergrund, wie ich aufgewachsen bin, was auch immer, und blöd ich sei und was für eine dumme Blondine und auch irgendwelche Sachen, dass ich raussuche aus meinem Hintergrund, wie ich aufgewachsen bin, was auch immer. Das hat einfach nichts mit mir als Person zu tun, sondern es ist ein System, das hat mit meiner Rolle zu tun. Man will Christina, die den Mund aufmacht, zum Schweigen bringen. Und dieses Bewusstwerden, diese Rolle hilft mir in dem Moment. Und es ist fürchterlich, dass wir genau das machen müssen, dieses Bewusstwerden und dass eben nicht die Meinung aller daraus da außen existieren kann, gleichberechtigt. Aber genau das ist das, was mir geholfen hat. Zurück zu den Netzwerken und zu Ihrem Werdegang. Sie haben einige Punkte aufgezählt. Und ich greife jetzt nur mehr die Gründung der Organisation heraus. Nämlich 2016 gründeten Sie gemeinsam mit Marissa Conway das Center for Feminist Foreign Policy in London, also diese Forschungs- und Beratungsorganisation zur feministischen Außenpolitik. Und im Sommer 2018 holten Sie die Initiative dann nach Deutschland und gründeten das in Berlin. Gemeinsam mit Ihrer Stellvertreterin oder Co-Geschäftsführerin Nina Bernharding. Leiten Sie das jetzt? Vielleicht erzählen Sie uns nochmal kurz, was macht das denn ganz genau? Sagen Sie CFFP oder CFFP auf Englisch oder Deutsch? Wie wird es ausgesprochen? Ich sage CFFP, aber ganz viele sagen CFFP. Es geht beides. Genau, das Center for Feminist Run Policy. Inzwischen gibt es auch nur noch in Berlin. Wir haben die Ressourcen eben konzentriert, jetzt hier auf Berlin, um da irgendwie kräftiger wirken zu können durch diese Bündelung auch. Wir sind eine gemeinnützige GmbH und verstehen uns als Mischung aus Think Tank und Advocacy-Gruppe, die auch gleichzeitig noch Wissensproduktion macht. Also Advocacy, Wissensproduktion und Beratung und Community-Aufbau. Genau, wir sind eine gemeinnützige GmbH, die unterschiedliche Programme sozusagen hat, Bereiche, zu denen sie arbeitet. Wir sind hier ein Team von neun Leuten und arbeiten in Bereichen wie Verteidigung von Frauen- und LGBTQI-Rechten gegen die internationalen massiven antifeministischen Angriffe, zu Klimagerechtigkeit, Antirassismus, zur Frauenfrieden- und Sicherheitsagenda, zu globaler Gesundheitspolitik und zur Stärkung von feministischer Außenpolitik global. Unter anderem dadurch, dass wir in ziemlich genau fast einem Monat hier in Berlin den allerersten Summit Konferenz zur feministischen Außenpolitik austragen. Wir haben aber auch, ein Projekt von uns ist das Netzwerk F. Das ist ein genau Netzwerk für junge Frauen und nicht-binäre Menschen, vor allem auch aus schwierigeren oder, nee, nicht schwierigeren, was ist denn das für ein blödes Wort, sondern mit Hintergründen, die in unserer Gesellschaft es noch schwieriger machen, bestimmte Machtpositionen zu kommen, also mit Migrationsgeschichte aus einer bestimmten Klasse und so weiter. Und dieses Netzwerk F bringen wir die Mentees eben mit sehr gestandenen und auch bekannten, berühmten Frauen, politischen Frauen zusammen, machen Workshops, Mentoring-Programmen, um diese Frauen, um diese sehr und nicht binären Menschen, diese sehr schlauen, politisch interessierten Menschen eben zu unterstützen, ihren Weg in die Politik zu finden, vor allem in den Bereich, wo sie politische Verhältnisse auch hinterfragen. Und genau, wir schreiben Studien, wir schreiben über die antifeministischen Angriffe, wer ist die Bewegung, wie sind sie finanziert, was sind die Taktiken. Wir schreiben Policy Briefs, also Standpunktpapiere mit konkreten Forderungen beispielsweise dazu, wie im Vorlauf zu der Bundestagswahl oder während der Koalitionsverhandlungen in Deutschland im vergangenen Jahr, wie Deutschlands Rechtslage zu Schwangerschaftsabbrüchen internationale Menschenrechtsübereinkünfte, die Deutschland selbst ratifiziert hat, verletzt. Oder darüber, wie Deutschland dem Atomwaffenverbotsvertrag näher kommen kann. Oder schreiben Analysen darüber, über die Auswirkungen deutscher Waffenexporte auf sexualisierte Gewalt in Konflikten. Lüsen darüber über die Auswirkungen deutscher Waffenexporte auf sexualisierte Gewalt in Konflikten und so weiter. Und tragen irgendwie im Allgemeinen doch hoffentlich, und es gibt auch Anzeichen dafür, dass wir das ganz gut machen, dazu bei, dass ein feministisches Verständnis in der Außensicherheitspolitik immer weiter verbreitet wird. Ist es aber so, Sie haben es gesagt auch schon, dass Sie schon einige Vollzeitangestellte haben, neun, glaube ich, waren es und es werden offensichtlich immer mehr laufend. Im Buch steht nämlich noch acht. Ist mir, glaube ich, dann neun. Egal, ist nicht so genau, aber jedenfalls das Patriarchat finanziert nicht diejenigen, die es stürzen wollen, schreiben Sie. Das heißt, wie haben Sie denn das geschafft oder wie schaffen Sie denn das? Ja, das ist so mein Daily Struggle oder unser Daily Struggle, die allergrößte Herausforderung, die langfristige nachhaltige Finanzierung für das Team auch eben hinzubekommen und für unsere Arbeit. Wir sind mischfinanziert. Darauf lege ich seit dem Beginn großen Wert, dass wir eben keine Abhängigkeit von einer Regierung, von einer Stiftung, von Institutionen haben, sondern wir haben Projektzuwendungen und Projektgelder unter anderem eben von Ministerien, ob das ein deutsches Außenministerium ist, ein finnisches Außenministerium oder aus der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. von Stiftungen für konkrete Projekte. Ich habe aber auch vor zwei Jahren ungefähr angefangen, eine Gruppe aufzubauen, die nennen wir unsere Visionaries. Das sind Individuen und auch Unternehmen, die sich für mindestens drei Jahre dazu entschließen, uns mit einem jährlichen, ja doch signifikanten Betrag zu unterstützen. Und genau all diese Mischung erlaubt es uns eben, aktuell dieser Größe zu agieren. Und hoffentlich wird das immer mehr, sodass wir wachsen können. Weil es ist ein Riesenproblem in unserer Gesellschaft, ist es nicht nur so, dass Gewinne in unserer Gesellschaft werden privatisiert, also im privatgesellschaftlichen Bereich. Die Gewinne kommen meistens Individuen irgendwie zugute, aber die Verluste in unserer Gesellschaft, die werden kollektiviert. Verluste sind Umweltverschmutzung, Menschenrechtsverletzungen und so. Diese Verluste werden kollektiviert und wir hoffen irgendwie darauf, dass Zivilgesellschaft das im besten Fall mit ausbügelt. Zivilgesellschaft ist aber massiv unterfinanziert und dann nochmal gibt es besonders wenig Gelder für feministische Zivilgesellschaft. Ich nenne auch Zahlen in meinem Buch, dass beispielsweise das durchschnittliche Jahreseinkommen von feministischen Organisationen weltweit 20.000 Dollar ist. Und dann nochmal ist es so, dass Gründerinnen im Vergleich zu Gründern in unserer Gesellschaft kaum Gelder bekommen. Da haben wir beispielsweise, um das auch plakativ darzustellen, im For-Profit-Bereich, also wir sind im Non-Profit-Bereich, aber im For-Profit-Bereich in den USA ist es so, dass circa nur 2-3% allen Risikokapitals, das gebraucht wird, um ein Unternehmen aufzubauen, an Gründerinnen geht, alles andere geht an Männer. Also Geld und Macht in patriarchalen Strukturen geht von Männerhand zu Männerhand. Deswegen ist es so wichtig, dass im feministischen Bereich und auch im außenpolitischen Bereich und diplomatischen Bereich was passiert. Und darum gehen wir da jetzt nochmal in diese Thematik auch ein bisschen tiefer rein. Ich glaube, es war 2014, als erstmals in Schweden ein klarer Schritt in Richtung feministische Außenpolitik gesetzt wurde und Margot Wallström Außenministerin wurde. Auch sie hat Großworte für ihr Buch verfasst und schreibt, offengesagt können wir nicht über Außenpolitik sprechen, ohne über feministische Außenpolitik zu sprechen. Darum wollen wir das jetzt noch angehen, Frau Luntz. Nämlich, wie genau schaut denn Ihre Utopie einer feministischen Außenpolitik aus? Mittel dahingehend, dass in den unterschiedlichen Unterbereichen von Außen- und Sicherheitspolitik Ungerechtigkeiten abgebaut werden. Also, dass wir Gelder von Entwicklungszusammenarbeit für Projekte einsetzen, die die Rechte von marginalisierten Gruppen fördert. Dass wir Gelder in Sicherheitspolitik dafür einsetzen, dass Friedensmissionen gestärkt werden und eben von Aufrüstung abgezogen werden, dass wir Gelder in globaler Gesundheitspolitik dafür einsetzen, die Gesundheit von Menschen weltweit nicht mehr von den sogenannten sozialen Determinanten der Gesundheit abhängig sind, was eben bedeutet, dass der Gesundheitszustand von uns allen davon abhängig ist, wo wir geboren werden, von unserem Geschlecht, von unserer Rasse, von unserer Klasse. Dass alle diplomatischen Mittel so immer mit einem Blick verwendet werden, okay, wo bestehen gerade die Ungerechtigkeiten und was müssen wir tun, damit wir zu einer gerechten Welt kommen. Okay, das war jetzt ziemlich heruntergebrochen, sage ich jetzt einmal. Ich hätte jetzt ein paar Stichworte, aber ich bin mir jetzt nicht sicher. Also grundsätzlich feministische Außenpolitik basiert auf Menschenrechten, ist geprägt von Zivilgesellschaft, ist transparent, antimilitaristisch und auf Klimagerechtigkeit und Kooperation statt Herrschaft über andere ausgerichtet, haben Sie geschrieben. und auf Klimagerechtigkeit und Kooperation statt Herrschaft über andere ausgerichtet, haben Sie geschrieben. Sie will eine globale Sicherheitspolitik umsetzen, die Menschen, nicht Staaten, ins Zentrum stellt und dazu bisher marginalisierten Gruppen eine Stimme verleiht, die intersektional feministisch ist. Intersektional ist ein wichtiges Wort im Buch auch und generell. Vielleicht wollen wir dazu noch ein paar Stichworte, ein paar Worte dazu erläutern. Super gern. Genau, Intersektionalität als ein Konzept, das von Kimberley Crenshaw gecoint, definiert wurde und auch unterfüttert wurde, bedeutet, dass wie an einer Intersection, also einer Kreuzung, dass unterschiedliche Formen von Diskriminierung sich überschneiden. Dass beispielsweise eine schwarze Frau anders von Diskriminierung und qualitativ meist stärker von Diskriminierung betroffen ist als eine weiße Frau oder ein schwarzer Mann. Oder dass eine Person mit körperlicher Behinderung und aus einem Arbeiterhaushalt wieder ein besonderes Erleben in unserer Realität hat und strukturelle Gewalt ausgesetzt ist, dass die beispielsweise ein weißer Mann aus einem Bildungsbürgertum überhaupt nicht kennt. Und genau, diese Intersektionalität erlaubt uns, alle Formen von Politik wirklich in all ihrer Komplexität zu verstehen. Und dass wir davon wegkommen, zu denken, dass es One-Size-Fits-All-Lösungen im Politischen gibt, was viel zu lange immer noch genauso gehandhabt wird, weil auch immer noch vor allem diejenigen, die in politischen Entscheidungspositionen sitzen, sehr viele Eigenschaften teilen. Meistens das Geschlecht, meistens Männer, meistens kein Migrationshintergrund, meistens aus eben keinem Arbeiterhaushalt. Und diese Gruppe nimmt viel zu oft weiterhin an, dass ihre Lebensrealität die Lebensrealität aller Menschen ist. Und das ist ein großer Trugschluss. Dadurch werden politische Entscheidungen getroffen, die für die Mehrheit der Gesellschaft eben nicht funktionieren. Und Intersektionalität bedeutet, würde ich dazu hinzufügen, aber auch, dass wir die Intersektion der unterschiedlichen Politikfelder uns anschauen. der unterschiedlichen Politikfelder uns anschauen, dass wir uns angucken, dass Klimagerechtigkeit ein Sicherheitsthema ist. Nicht nur, wie wir jetzt sehen bei Putins Krieg in der Ukraine, dass die Tatsache der Energieabhängigkeit westlicher Staaten von Putins fossiler Energie eben seine Kriegskassen füllen und auch ihnen erlauben, die Aggression auszuführen, die er gerade ausführt. Oder dass die zunehmende Klimakrise immer stärker dazu führen wird, dass Menschen weltweit flüchten und flüchten müssen und dass eben auch wieder Potenzial für Konflikte birgen wird. Und genau diese Intersektionen, erst wenn wir wirklich uns hinsetzen und bereit sind, Politik und politische Zusammenhänge in ihrer Komplexität zu verstehen und endlich aufhören mit dieser Komplexitätsreduktion, dann kriegen wir es hin, wirklich gute Lösungen für alle zu finden. Reduktion, dann kriegen wir es hin, wirklich gute Lösungen für alle zu finden. Sie schreiben ja auch über J.N. Digner in Ihrem Buch, einer Pionierin der feministischen Theorie in internationalen Beziehungen. Wir haben sie interviewt für ihr Buch und die hat darin betont in diesem Interview, die wenigsten Menschen sind daran interessiert, ein anderes Volk mit Hilfe eines Knopfdrucks auslöschen zu wollen, wie es uns die vom Kalten Krieg geprägte realpolitische Außenpolitik suggeriert. Diese Vorstellungen sind schlichtweg ein von Männern und dem Patriarchat geschaffener und von einer kleinen Gruppe der Machthabenden aufrechterhaltener Inakzeptablerzustand, der uns alle in Unsicherheit hält. Gerade in der jetzigen Zeit ein sehr wichtiges Zitat und sehr wichtige Worte, denke ich mir. Dapler-Zustand, der uns alle in Unsicherheit hält. Gerade in der jetzigen Zeit ein sehr wichtiges Zitat und sehr wichtige Worte, denke ich mir. Denn diese Geschichte hat uns jetzt eingeholt, Sie haben es jetzt schon angesprochen, der Einmarsch von Putin und dem russischen Militär in der Ukraine. Jetzt werden aber die Stimmen gerade in dieser Situation für ein starkes und geeintes militärisches Aufrüsten von Europa wieder viel lauter und auch von den einzelnen Nationalstaaten. Wie stehen Sie dazu? Was sagen Sie da? Das beobachte ich mit sehr viel Sorge. Auch in meinem außenpolitischen Bekanntenkreis, an dem Tag, an diesem Sonntag, als es in Deutschland im Bundestag diese Sondersitzung gab und die sogenannte Zeitenwende eingeläutet wurde und Bundeskanzler Scholz sich entschied, diese 100 Milliarden Sondervermögen für die Bundeswehr auszugeben, gab es ganz viel, wie ich finde, unkritische Glorifizierung dieser Vervielfachung der Rüstungsausgaben, der Verteidigungsausgaben. Das ist problematisch auf vielen Ecken. Zum einen, weil es die Sorge bedingt, und das ist der Status quo in internationaler Politik, dass viel mehr Gelder ausgegeben werden für Destruktivität, Destruktion, für Verteidigung als für Friedensförderung. Und auch hier fürchte ich um die Opportunitätskosten, dass wenn die Gelder ausgegeben werden, die fallen ja nicht einfach vom Himmel, die werden irgendwo anders fehlen. Dann bekräftigt diese Antwort auf diesen Krieg. Ich verstehe auf jeden Fall, dass in absoluter Notwehr Menschen alles getan werden muss, dass Menschen sich vor brachiale Gewalt und Aggression schützen, das ist überhaupt gar keine Frage. werden muss, dass Menschen sich vor brachiale Gewalt und Aggression schützen, das ist überhaupt gar keine Frage. Aber wenn man nur darauf oder vor allem darauf mit solchen Antworten und Narrativen antwortet, was ja in der Konsequenz sagt, der Fehler, was passiert ist, ist, dass wir nicht aufgerüstet genug waren, dass wir nicht gewaltbereit genug waren, dass die Welt zu diplomatisch war. Deswegen geben wir die Gelder dafür aus. Ist ein gefährliches Narrativ, auch aufgrund der Verbindungen von Militarismus, Patriotismus, Nationalismus, Antifeminismus. Aber auch, weil es sehr emotional ist und es einfach nicht rational ist. Rational ist klar, dass ein Mehr von Waffen, ein Mehr von Militär, ein Mehr von Aufrüstung immer wieder zu einem Mehr von Gewaltkriegen, Tod, Sterben führen wird. Mehr Waffen bedeutet immer mehr tote Menschen. die ich gerade gebe, versuche ich, dieses Gegennarrativ zu stärken, zu sagen, das hätten wir internationalen Außenpolitik über Jahrzehnte, über Jahrhunderte gehabt eben nicht dazu beigetragen hätte, ein System zu bauen, in dem wir irgendwann Paradigmen irgendwie als Realität und richtig annehmen, die sagen, dass nukleare Abschreckung und die Möglichkeit der Tötung, der Massentötung von Menschen uns in Sicherheit hielte, sondern wenn wir Narrative aufgebaut hätten, die gesagt hätten, Diplomatie, zivile Kriegskonfliktlösung, Deeskalation, Investierung in Friedensministerien anstatt von Verteidigungsministerien, die Unterstützung von Zivilgesellschaft, die Stärkung des Völkerrechts und Multilateralismus, hätten wir das als das globale Narrativ, dass genau das uns zu Frieden führt und zur Sicherheit statt nukleare Abschreckung und Co., dann glaube ich, würden wir in einer anderen Gesellschaft, in einer friedfertigeren leben. Wieden hat ja seine Neutralität verlassen jetzt oder gedehnt und liefert Waffen an die Ukraine. Auch Deutschland tut das. Österreich diskutiert über die Neutralität und auch Schweden macht das jetzt wieder. Ist die Neutralität etwas, das Sie bewahren würden oder wollen würden und auch auf andere Staaten ausdehnen würden? denen würden, geht das mehr in eine Richtung, die eine Friedenspolitik ermöglicht, statt einer militärischen Politik? Das ist eine sehr komplexe Frage und da gibt es ja ganz viele unterschiedliche Dimensionen zu dieser Antwort. Zum einen, glaube ich, möchte ich einbringen, dass, ich glaube, hat das nicht mal Martin Luther King gesagt, dass sich neutral, sogenannt neutral zu verhalten im Angesicht von Ungerechtigkeit, man dabei die Seite des Unterdrückenden auswählt. Also das möchte ich zum einen in den Raum werfen, dass das natürlich eine Gefahr dieser sogenannten Neutralität ist. Und gleichzeitig möchte ich davor warnen, eine Aufgabe der Neutralität mit gleichzeitiger Militarisierung und einem Buy-in in dieses militärische Narrativ gleichzusetzen. Aufgabe der sogenannten Neutralität kann doch auch bedeuten, dass man sich anderen Sektionen anschließt, dass man Zivilgesellschaft in Belarus und Russland unterstützt. Es muss nicht direkt Waffen- und Militarisierung bedeuten. Ich wollte gerne über die Macht noch mit Ihnen sprechen, aber ich glaube, das schaffen wir jetzt zeitlich nicht mehr, dass wir da eingehen. Wir gehen jetzt da weiter, wo wir sind. Und da bleiben wir jetzt auch ein bisschen noch bei diesem Konflikt jetzt, beziehungsweise bei der Politik rund um diese Situation, die wir jetzt haben. Deutschland hat jetzt ja mit Annalena Baerbock erstmals eben eine Bundesministerin des Auswärtigen, das heißt eine Frau. Und auch, Sie schreiben auch, dass die Ampelkoalition tatsächlich in Richtung feministische Außenpolitik, dass es da ein Bekenntnis dazu gibt. Ist das sichtbar? Wird das jetzt schon sichtbar? Kann das überhaupt? Sind nicht die Hände von einer Person, von einer Frau, einer einzigen Frau sozusagen, die da versucht zu agieren, so gebunden, dass da wenig Spielraum ist? Wie schaut das aus? Wie schätzen Sie das gerade ein? Hände sind auf jeden Fall gebunden. Hände sind immer für Personen gebunden und auch mal besonders für MinisterInnen, die mit neuen Ideen und Werten in ein System reinkommen, das für so lange Zeit auf anderem Denken basiert. Um sich da erstmal Freiraum zu schaffen und nach den eigenen oder neuen Werten und Idealen agieren zu können, das kostet erstmal Kraft, um die alten Schranken zu überwinden. Also ja, Hände auf jeden Fall gebunden und trotzdem sehe ich einen veränderten Politikstil. Ich persönlich bin ein großer Fan von unserer Außenministerin, ich nehme sie als eine aufrichtig feministische Person, eine Person, die aufrichtig an Gerechtigkeit interessiert ist und sehr integer handelt und spricht war. Und was sie, um vielleicht so konkrete Beispiele zu nennen, immer wenn sie eine Rede hält, ob das bei der Münchner Sicherheitskonferenz oder bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen, bei der Abstimmung zur Resolution gegenüber Russland. Bei all ihren Reden bringt sie die Aufmerksamkeit immer auf das menschliche Leben und das menschliche Leid in den meisten Fällen. Bei den Vereinten Nationen fing sie an von dem Baby, das in den U-Bahn-Schachten in Kiew geboren wurde. Sie spricht über neokoloniale Strukturen, wenn sie sagt, dass, als sie versucht hat, auch nicht-europäische Länder davon zu überzeugen, in Solidarität mit der Ukraine zu stehen, das gesagt wurde, ja, aber Europa, wo wart ihr denn in der Vergangenheit? Sie thematisiert die rassistischen Vorkommnisse an der Grenze bei flüchtenden Menschen aus der Ukraine. Und obwohl sie natürlich jetzt eine ganz konkrete Antwort finden muss, das verlangt ihr Jobprofil auf diesen Krieg, diesen Angriffskrieg in der Ukraine, behält sie den langfristigen Aspekt, also diese Langfristigkeit der Transformation auch von Außenpolitik und wo wir hinkommen, wie wir agieren müssen, wenn wir zu einer feministischen Außenpolitik kommen wollen, hält sie im Auge. Beispielsweise am Vorabend oder am Tag vor dem Internationalen Frauentag lud sie ins Außenministerium ein, und zwar alle weiblichen Botschafterinnen, die in Berlin ansässig sind, international, und hat auf der Bühne ein Panel gehostet mit feministischen Menschenrechtsverteidigerinnen, unter anderem aus Afghanistan, aus Myanmar und hat immer wieder erzählt, was sie von der feministischen Außenpolitik versteht, wie sie agieren möchte. Also sie behält das weiterhin stets im Blick. Hier noch ein Zitat von Seite 53 aus ihrem Buch. Es sollte klar geworden sein, dass die feministische Außenpolitik und ihre AktivistInnen nicht dafür kämpfen, einfach nur einen Platz am Tisch zu erhalten. Es geht vielmehr darum, den Alten zu zerstören und einen komplett neuen Tisch zu erhalten. Es geht vielmehr darum, den alten zu zerstören und einen komplett neuen Tisch zu bauen. Respekt, das ist eine klare Ansage. Aber sofort, wenn ich das lese oder wie ich es gelesen habe, denke ich mir dann gleich, kann denn das gelingen, wenn man da mit so einem Frontalangriff quasi losstartet, ihr müsst weg, ernte ich da nicht viel Gegenwind, den ich vielleicht anders umschiffen könnte oder geht es nicht anders? Das ist so die Gretchenfrage zu sozialem Wandel. Wie machen wir sozialen Wandel? Machen wir den revolutionär, verlangen die Revolution, verlangen den neuen Tisch oder machen wir den Schritt für Schritt und laufen da vielleicht Gefahr, dass für die Zeit, in der wir das versuchen, viel zu viele Menschen zu sehr leiden an den alten Strukturen. Es gibt unterschiedliche Vorgehensweise, unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Organisationen entscheiden sich für unterschiedliche Wege. Ich für mich, meine Geduld ist doch sehr gering inzwischen, ob der massiven patriarchalen Strukturen, ob der Allgegenwärtigkeit männlicher Gewalt unserer Gesellschaft aufgrund des Mangels an fairer Machtverteilung. Daher wähle ich diese Sprache und gleichzeitig in meinem Agieren und Handeln auch durch die Gründung, mit Begründung des Center for Feminist Front Policy und wie wir einerseits von außen pushen, aber auch mit ministeriellen Strukturen zusammenarbeiten, glaube ich, dass dieses von außen pushen und von innen sich verbinden und zu agieren ein gewinnbringender Weg sein kann. Liebe Frau Luntz, unsere Zeit ist schon durchgelaufen durch die Uhr. Ich hätte noch so viele Fragen an Sie, ich versuche es jetzt ein bisschen zu bündeln. Also einerseits nochmal ein Zitat hier aus dem Buch, das ich recht wichtig finde. Frieden kann nicht nur als Abwesenheit von Krieg, negativer Frieden, verstanden werden, sondern es müssen strukturelle Gewalt einschließlich Armut, Hunger, soziale Ungerechtigkeit und Ungleichheit abgebaut und ein positiver Frieden erreicht werden. Feministische Außenpolitik besteht in diesem Prozess auf Inklusivität und transparenten Entscheidungen vom Lokalen zum Globalen in allen Fragen von Frieden und Sicherheit. Damit wird klar, Fragen von Frieden und Sicherheit. Damit wird klar, wie viel zum Beispiel die SDGs, die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN, wo es um Bekämpfung von Armut, von Ungleichheiten etc. geht, mit Frieden zu tun haben. Das haben Sie jetzt auch schon ausgeführt gleichzeitig. Aber schreiben Sie in Ihrem Buch, dass die UN selbst eine Institution ist, die zwar Menschenrechte und Menschenwürde und Gerechtigkeit herstellen will und sich dem verschrieben hat, aber selber ein strukturelles Problem mit Patriarchat, Rassismus und neokolonialen Machtverhältnissen hat. Wie sozusagen kann es gelingen? Wollen Sie das noch ein bisschen ausführen? Wie kann man trotzdem einhebeln? Und vielleicht auch abschließend, ich nehme gleich die Abschlussfrage dazu. Was ist denn der wichtigste Hebel, denken Sie, in dieser Transformation im Moment? Also zum einen glaube ich, dass eine Gleichzeitigkeit und das Verständnis auch von Ambiguitätstoleranz, dass zwei Fakten gleichzeitig oder auch mehrere bestehen können, dass das erstmal ein Gewinn ist, also dass man sagen kann, ja, die Vereinte Nation ist, wie ich finde, eine der größten Errungenschaften irgendwie, die die Menschheit so geschafft hat. Und gleichzeitig gibt es aber auch viele Probleme noch, was Machtverteilung, Besetzung des Sicherheitsrates, Rassismus, nenne ich einige Studien im Buch. Es gab auch noch nie eine Frau an der Spitze der Vereinten Nationen und so weiter, dass das beides gleichzeitig versteht und bestehen kann. Und für was denn der beste Hebel ist, um so eine massive Transformation zu schaffen? Es ist natürlich ein Kampf gegen Windmühlen, so ein bisschen. Und trotzdem einer, der gekämpft werden müssen, weil der Status quo für die Mehrheit der Bevölkerung einfach nicht funktioniert. Und wir oder ich, wir versuchen das durch ein Buch zu schreiben, eine Organisation zu gründen und darüber hinaus auch einfach eine Struktur aufzubauen, die so viel größer ist als ich als Person und dadurch auch Nachhaltigkeit sicherzustellen und so viele mehr Menschen, die so viele mehr schlaue Ideen haben, als ich die je haben kann und dadurch so einfach in die Breite auch zu wachsen, das ist so eine Strategie, also wirklich in der Gesellschaft das in den Mainstream zu bekommen und ich glaube wohl, dass ja vor allem vor einigen Jahren noch ein sehr nischiges Thema war und immer noch auch ein bisschen nischig ist und gleichzeitig aktuell in sehr vielen Zeitungen stattfindet und Formaten und Podcasts, machen wir da ganz gute Arbeit dazu. Und aber auch dann genau zu verstehen und analysieren, wer sind denn die wichtigsten Akteure in diesem Bereich. Und das sind Ministerien, das sind andere ausgewählte zivilgesellschaftliche Organisationen, das sind bestimmte Abgeordnete, die in bestimmten Ausschüssen, Hebeln sitzen. Also dieses nuancierte auch politisches Verständnis dafür, wo wir ansetzen müssen, das ist, glaube ich, gut bei uns in der Organisation auch vorhanden. dass es, glaube ich, gut bei unserer Organisation auch vorhanden ist. Ihr Buch, die Zukunft der Außenpolitik ist feministisch porträtiert, 13 Vordenkerinnen, ist recht persönlich gehalten, gleichzeitig ein feministisches Grundlagenwerk, würde ich sagen, und auch Fachliteratur, die aber nie abgehoben theoretisiert, sondern immer gut verständlich und spannend bleibt. Es leistet also sicher einen Beitrag zu diesem kulturellen Wandel. Das war die zehnte Episode von Was wäre, wenn der utopische Podcast? Die Zukunft der Außenpolitik ist feministisch. Vielen Dank, Christina Luntz, fürs Mitdabeisein und für Ihre interessanten Ausführungen. Vielen herzlichen Dank. War eine ganz große Ehre. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Team noch alles Gute für die weiteren so wertvolle Arbeit, die Sie da leisten. Vielen Dank auch an Denise Gwistorp und dem österreichischen Kulturforum in Berlin für die Inspiration und die Kooperation und auch an Ö1 und dem Team von Reparatur der Zukunft an dieser Stelle natürlich nochmal. Ich bin Sigrid Ecker und alle Folgen des utopischen Podcasts finden Sie wie immer unter cba.fro.at, dem Audioarchiv der Freien Radios in Österreich. Die Nummer 10 gibt es allerdings eben auch als Video auf DorfTV unter dorftv.at oder im YouTube-Channel vom Kulturforum in Berlin. Die nächste Episode vom Utopischen Podcast kommt bestimmt, nämlich in einem Monat. Und ich freue mich, wenn Sie dann wieder mit dabei sind. Wir beschäftigen uns gerade beide mit Utopie auf unterschiedliche Art und Weise. Lisa, Ulricha, Volker. Wir sind alle interessiert in der Art undee, auch was wünschen gerade. Aber was wäre, wenn? Reven. Der utopische Podcast mit Sigrid Ecker.