Thank you for watching! Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Musik Circa 500 Meter Anzengruberstraße. Die zweite Folge in unserer Reihe, die Straßen vom Mackertviertel. Heute, wie gesagt, die Anzengruberstraße. Ich sitze zusammen mit Thomas Buchner und wir werden so ein bisschen ein Gespräch führen über den Autor, über die Straße. Die Anzengruber Straße im Maggertviertel ist nach dem österreichischen Schriftsteller Ludwig Anzengruber benannt. Anzengruber benannt. Ludwig Anzengruber ist 1839 in Wien und 1800 geboren, 1839 in Wien und in Wien auch gestorben, 1889 mit 50 Jahren. Wann ist denn die Straße hier in Linz nach Anzengruber benannt worden, Thomas? Hast du da was rausgekriegt? Ja, also die Straßenbenennung hier in Linz war zehn Jahre nach seinem Tod, also 1899. Wobei die Straße war damals nicht viel mehr als zwei, drei Häuser und der Rest war im Prinzip landwirtschaftlich genutzt. Also es war überhaupt noch nicht dicht besiedelt hier die Gegend. Das war eigentlich dann erst nach dem Zweiten Weltkrieg, wo hier so ein massiver Bauboom war. Ja, die Gegend generell hier, oder die Anlich anschließend das Gebiet eigentlich abschneidet. Wobei lange Zeit war es ja so, dass es keine Unterführung wie heute gegeben hat, sondern es war quasi eine durchgehende Straße, die sozusagen mit Schranken von der Bahn abgetrennt war. Und das hat relativ rasch zu Verkehrsproblemen geführt. Und es hat dann auch verschiedene Überlegungen gegeben, wie man dem Herr werden könnte. Also es gab den Plan, einmal eine Unterführung zu machen, wie sie dann ja auch in den 30ern realisiert worden ist. Es gab aber dann auch Pläne um 1900 etwa, dass man eine Überführung machte, keine Unterführung, eine Überführung, das heißt quasi eine Brücke über die Bahngleise, aber davon, und das ist eigentlich ganz interessant aus heutiger Sicht, und davon ist man wieder abgegangen, weil man die Angst hatte, dass damit unter anderem die Anzengruber Straße vollkommen vom Verkehr abgeschnitten werden würde und damit eigentlich die Preise der Grundstücke hier verfallen würden. Also man hat damals ja, also aus den 1920ern habe ich da mal einen Preis gefunden, 1926 hat man hier noch einen Quadratmeter Grund um 3,50 Schilling bekommen. Das ist ja halt bekanntlich nicht mehr so. Franz, wir beide wohnen ja selbst in der Anzengruberstraße. Und du hast dir ja auch mal Gedanken gemacht, wie das da so ist zu wohnen. Ja, meine Anzengruberstraße, da habe ich einen kleinen Text dazu geschrieben, den ich gerne vorlesen würde. Bestellt man ein Taxi in die Anzengruberstraße, kommt es manchmal vor, dass die Frau von 6969 nachfragt, Wels oder Linz? Das heißt, in Wels gibt es wohl auch eine Anzengruberstraße. Keine Ahnung, ob es sie dort tatsächlich gibt und wo sie verläuft. Ich spreche hier ausschließlich von der Linzer Anzengruberstraße. Unterhalte ich mich mit jemandem über die Anzengruberstraße, kann ich ganz schnell im Gesichtsausdruck feststellen, ob sie oder er wissen, wo die Anzengruberstraße liegt. Vermute ich, er oder sie wissen es nicht, sage ich, das ist die Straße zum Leiner. Dann wissen es fast alle. Was gibt es Besonderes in der Anzengruberstraße? Als Besonderes gibt es das Landesarchiv. Was gibt es nichts Besonderes gibt es das Landesarchiv Was gibt es nichts Besonderes? Geschäfte, Läden, Kneipen? Nein, nichts Wen kenne ich in dieser Straße? So gut wie niemanden, natürlich alle, die bei uns im Haus wohnen Hier ist ja auch die offizielle Vereinsadresse, aber sonst? So gut wie niemanden, natürlich alle, die bei uns im Haus wohnen. Hier ist ja auch die offizielle Vereinsadresse, aber sonst? Also, mein Urologe ist hier in der Straße. Sollte ich urologisch weiter versagen oder auch eher, wende ich mich an die chinesische Ärztin, die ich nicht kenne, die aber ihre Praxis auch in dieser Straße hat. Dann kenne ich Frau Stingl, die ehemalige Chef-Billeteurin am Landestheater an der Promenade, die sehr streng sein konnte. Jetzt ist sie schon lange in Pension und es geht ihr gut, hat sie letzte Woche zu mir gesagt. Dann kenne ich den Radlschrauber von gegenüber, der vor seiner Garage Radl repariert, bei uns im Verein aber nicht einsteigen will, weil er eh schon viel zu viel zu reparieren hat von Freunden und Bekannten. Den Achter hat er mir aus meinem Rad gebogen. Dafür habe ich ihm Bier aus Bayern mitgebracht. Dann kenne ich den Mann vom Autosalon. Den habe ich unseren alten Volvo verkauft. Ich bin in seinem Büro und habe ihm gesagt, ich möchte meinen Volvo verkaufen. Dann hat er mir einen Kaffee angeboten. Ich habe die letzten Werkstattrechnungen und die Papiere gezeigt. Dann hat er mich gefragt, was ich mir vorstelle und ich habe gesagt, 2000 Euro. Er hat gesagt, das ist der Preis, für den er das Auto verkauft, mit Haftung, weil er ja Händler ist. Mir gibt er einen Tausender. Eine andere Werkstatt hat mir 950 Euro angeboten, also habe ich gesagt, ja. Aus einer Schublade hat er fünf 200er Scheine herausgeholt und mir eine Quittung hingelegt. Sie sind ein anständiger Mensch, das sehe ich sofort. Wir müssen zusammenhalten. Wie, fragte ich. Ja, schauen Sie sich doch nur um. Ich schaue mich um, aber ich habe nicht viel gesehen. Autofüchsel, ein leerstehendes, verwildertes Haus, gestrüppt, Brachland, Parkplatz für Autohaus Günther und für abgeschleppte Autos. Ich habe schon verstanden, was er meinte, habe den Kaffee ausgetrunken, der nicht besonders war. Zu seinem Mitarbeiter hat er gesagt, fahr das Auto nach hinten und ich bin zu Fuß nach Hause gegangen. Beim Autosalon endet die Straße noch nicht. Dahinter kommt die Schelltankstelle, bei der ich auf die achte Autowäsche, die kostenlos ist, hinspare. Und gegenüber gibt es einen türkischen Supermarkt, der heißt Tokar, glaube ich. Und dann kommt die Rilke-Straße und dann kommt der Friedhof. Ruhe, Punkt, aus, Punkt, Ende. Klingt nicht sehr nach einer sehr romantischen Gegenfront, aber zum Stichwort Friedhof hat ja mal der Anson Gruber ein schönes Zitat gebracht. Er hat geschrieben, weil der Welt ein Heiland zu sein glaubt, tut gut, mit 33 Jahren zu sterben. Das hat er ja nicht geschafft, der Anson Gruber. Er hat es bis 50 gebracht, aber wer war denn jetzt eigentlich dieser Anzengruber, Franz? Was müssen wir denn wissen über den? Ja, Anzengruber war ein Dramatiker, der, wie gesagt, in Wien geboren wurde, in Wien dort auch gestorben ist. Er ist älter geworden als 33, aber er ist nur 50 Jahre alt geworden. Das Interessante ist, dass er oberösterreichische Wurzeln hat. Sein Vater kommt aus einem Bauerngeschlecht in Oberösterreich, und zwar in Hofkirchen an der Trattnach. Sein Vater selbst, Johann Anzengruber, verließ so den elterlichen Hof, den Obermeierhof in Weng und ist nach Wien gegangen und hat dort eine niedrige Beamtenstelle eingenommen, die einen sehr interessanten Namen hat, diese Stelle, die heißt Gefällen und Domänenhofbuchhaltung. Du hast gesagt, was ist das? Ja, so sinngemäß kann man sagen, es ist quasi in der Steuerverwaltung. Also klingt jetzt nicht so rasend spannend. Andererseits wieder wissen wir ja, also siehe Grillpazzer, dass man offensichtlich als österreichischer Beamter schon Zeit hatte zu schreiben. Ja, der Vater Hansengruber schrieb Gedichte und vorwiegend auch Theaterstücke, hatte aber nicht großen Erfolg. Wobei du gesagt hast, du hast entdeckt, dass ja doch ein Stück von ihm ist aufgeführt worden. Wobei du gesagt hast, du hast entdeckt, dass doch ein Stück von ihm ist aufgeführt worden. Ja, also ein Stück hat zumindest eine oder wenige Aufführungen erlebt, und zwar in Budapest sogar. Aber es war kein nachhaltiger Erfolg, also nichts, was man mit seinem Sohn vergleichen könnte. Ja, als der Vater starb, 1844, war Ludwig Anzengruber erst fünf Jahre alt. Die Mutter überließ dem Sohn die kleine Bibliothek des Vaters, in der vor allem Werke von Shakespeare und von Schiller vorhanden waren und die den Jungen sehr beeindruckten. den Jungen sehr beeindruckten. Seine Mutter wurde die bestimmende Person in seinem Leben, da sie große Schwierigkeiten mit ihrer kleinen Witwerente hatte, über die Runden zu kommen. Der Vormund, Andreas Schumacher, steckte selbst in finanziellen Nöten und war zudem als 1848er Revolutionär zwei Jahre lang eingesperrt in der Festung in Kufstein. Als dann die Großmutter auch noch starb, die Großmutter hat die Mutter und den Ludwig Anzenruber auch finanziell unterstützt, ist die Lebenssituation immer prekärer geworden. Das heißt, er musste auch seine Schullaufbahn beenden und hat eine Praktikumsstelle angenommen in einer Buchhandlung, in der Buchhandlung Salmeier. Dort aber las er mehr, als dass er arbeitete, sodass er die Stelle nach einem Streit mit seinem Vorgesetzten aufgeben musste. Er nahm dann zu dieser Zeit auch Schauspielunterricht und beschloss, mit 19 Jahren Schauspieler zu werden. In den nächsten Jahren zog er dann mit seiner Mutter in verschiedenen Wandertruppen als Statist und Aushilfs-Schauspieler durch Österreich, Kroatien und Ungarn. Den Durchbruch aber als Schauspieler oder die Anerkennung als Schauspieler, das ist ihm nicht gelungen. Einer der Gründe dafür mag sein starker Dialekt gewesen sein, den er nie ganz ablegen konnte. Da hat er zumindest auch eine Verwandtschaft zu Friedrich Schiller, der auch heftig Schwäbisch gesprochen hat. Der Hans Gruber hat ja auch im Dialekt geschrieben, aber was für ein Dialekt hat er gesprochen? Naja, das, was er geschrieben hat, ist eigentlich kein oberösterreichischer Dialekt und ist kein Wiener Dialekt, sondern es ist eigentlich eine Art Kunstdialekt. Das ist so eine gemilderte Mundartform des Österreichischen, so würde ich das mal beschreiben. Und seinen Durchbruch als Dramatiker, den hat er bekommen, als er noch unter dem Pseudonym Ludwig Gruber schrieb. Warum hat er sich ein Pseudonym zugelegt? Na ja, meine Vermutung ist, weil er zu diesem Zeitpunkt noch bei der Polizei als Schreiber gearbeitet hat, also auch eine kleine Beamtenstelle, und zwar war es seine Aufgabe, Steckbriefe abzuschreiben. Also, ja, das lassen wir jetzt einmal kommentarlos so stehen. Aber jedenfalls, er war da offensichtlich bei einer Stelle beschäftigt, die selbst auch mit der Theaterzensur zu tun hatte. Und man darf ja nicht vergessen, dass seine Stücke einen stark antiklerikalen Einschlag hatten. Und vermutlich hatte er gewisse Bedenken, dass er, der quasi als Polizeischreiber agierte, dass er da eigentlich recht für die zeitgenössischen Verhält allem eines seiner ersten Stücke, der Pfarrer von Kirchfeld, ein großer Erfolg in Wien wurde, gab es natürlich dann die Spekulationen, von wer jetzt quasi hinter diesem Pseudonym Gruber stecke. Und ich glaube, in der neuen freien Presse hat man die These aufgestellt, dass das eigentlich nur der Justizminister sein kann, der bekannt war, dass er auch selbst als Dramatiker dilettiert hat. Das heißt, das zeigt schon auch, eigentlich wie politisch auch für zeitgenössische Verhältnisse die Stücke vom Anzengruber waren. Einer der Entdecker des Autors oder Dramatikers Ludwig Anzengruber war Heinrich Laube. Der war der künstlerische Leiter des Burgtheaters. Im Übrigen ein Deutscher, der auch mit der 1848er Revolution sympathisiert hat. Und der hat ihn wohl sehr stark gefördert und promotet, sodass seine Stücke auch im Burgtheater aufgeführt werden konnten. Stücke auch im Burgtheater aufgeführt werden konnten und schrieb damals auch eine enthusiastische Kritik über diesen, der Pfarrer von Kirchfeld. Wenn ich das so richtig in Erinnerung habe, ich habe das Stück schon ewig hergelesen, da gibt es so zwei Punkte in diesem Pfarrer von Kirchfeld, was dieses Antiklerikale und Liberale zum Ausdruck bringen. Es gibt zwei Handlungen, die der Pfarrer tatsächlich vornimmt. Einmal verheiratet er einen Katholen mit einer Protestantin. Und das andere Mal ist, dass er sich dafür einsetzt, dass eine Selbstmörderin ein anständiges Begräbnis bekommt. Musik Du hast einmal gesagt, der Ernst & Gruber war zwar ein paar Jahre bekannt und berühmt und ist viel gespielt worden, viel gespielt sogar, muss man wirklich sagen, erstaunlicherweise, trotz diesem Kunstdialekt auch in Hamburg und in Berlin gespielt wurde. Aber es gab für Linz, in Linz ist er gespielt worden, aber es gab auch eine Zeit lang ein Linz-Verbot für Anzengruber? Ja, genau. Der Anzengruber ist zu Lebzeiten durchaus in Linz gespielt worden, ist aber dann beispielsweise eben dieses erwähnte Stück der Pfarrer von Kirchfeld ist dann ja eigentlich nach seinem Tod in Linz verboten worden und dürfte einige Jahre in Linz nicht aufgeführt werden. Und das ist schon so ein Zeichen für so einen sich wandelnden Zeitgeist. Wir haben ja eigentlich auch schon bei der Bargasse über das Thema gesprochen, über diesen antiklerikalen Zeitgeist, der vor allem auch vom liberalen städtischen Bürgertum vorangetragen wurde. Und für die war natürlich der Hans und Gruber ein Star. vor allem auch vom liberalen städtischen Bürgertum vorangetragen wurde. Und für die war natürlich der Ernst & Gruber ein Star. Vor allem in der Hochphase des Liberalismus in den 1860er, 70er Jahren. Und da waren die Stücke von Ernst & Gruber, die ja immer wieder ähnliche Themen auch abhandeln, immer wieder ähnliche Themen auch abhandeln, waren schon so etwas wie ein Kommentar zur Zeit, der auch verstanden wurde und als hochpolitisch verstanden wurde. Und dass er nach seinem Tod teilweise verboten war, zeigt, dass sich hier so etwas wie ein gesellschaftspolitischer Wandel eingesetzt hat, nämlich dass eben so antiklerikale Tendenzen in der Literatur und am Theater einfach nicht mehr gern gesehen wurden. Und das heißt aber auch, dass eigentlich der Anzengruber damals schon noch als politischer Autor gesehen wurde, während, ich meine, wenn wir heute den Pfarrer von Kirchfeld hören oder andere Titel von ihm oder der Mein-Eid-Bauer und so weiter, das steht ja von Haus aus unter Kitsch-Verdacht. Ja, das ist richtig, das stimmt. Aber ich würde vielleicht noch etwas zu seinem Linz-Bezug sagen. Eigentlich, er hat ja überhaupt keinen Linz-Bezug, der Anzengruber. Er war ja durch und durch Wiener, hat offensichtlich, und das ist eigentlich kurios, weil er doch eigentlich fast alle seine Stücke zumindest und auch seine Prosa eigentlich im ländlichen Milieu angesiedelt hat, großteils, hat er, das wird zumindest kolportiert, das Land eigentlich nicht gemacht. Also er war ein Städter, er mochte das Land nicht, er hatte, wie du auch schon gesagt hast, so seine Probleme mit dem Dialekt. Und eigentlich war für ihn das Land auch so ein bisschen so eine Hintergrundfolie, wo man halt gewisse Zeitthemen abhandelte. Also einen direkten Linzbezug gibt es bei ihm nicht, aber es gibt schon so etwas wie einen indirekten Linz-Bezug, und zwar jener Schauspieler, der als der begnadetste Anzengruber-Darsteller seiner Zeit galt, der Ludwig Martinelli, heute glaube ich nicht mehr bekannt oder kaum mehr bekannt, war gebürtiger Linzer. Und zudem gibt es übrigens eine kleine Anekdote. Der Martinelli ist nämlich aufgrund einer Wette zur Schauspielerei gekommen. 1856 hat er mit ein paar Freunden gewettet, dass er es schafft, innerhalb von acht Tagen Schauspieler zu werden. Und es ist ihm tatsächlich gelungen. Er hat tatsächlich innerhalb von acht Tagen sich offensichtlich Grundkenntnisse angeeignet und ein Engagement bekommen in Innsbruck und hat in einem Nestro-Stück debütiert. Also so schnell ist es damals noch gegangen mit der Schauspielerei. Er war ein höchst erfolgreicher Schauspieler, war dann auch als Regisseur tätig. ja, also so weit mehr oder weniger der indirekte Linz-Bezug vom Anzengruber. Generell fand wir haben ja geredet, der Anzengruber, viel gespielt worden, eigentlich im gesamten deutschsprachigen Raum, auch an den ersten Bühnen, muss man sagen, Burgtheater unter anderem. Anselm Gruber war ja auch phasenweise festangestellter Theaterdichter im Theater an der Wien. Das heißt, da hat er ein festes Einkommen bezogen und musste dafür pro Jahr zwei Stücke abliefern, die teilweise gar nicht gespielt wurden. Heute ist der Arndt von Gruber, ist es salopp formuliert, ein toter Hund im Theater. Ja, was ich so ein bisschen recherchiert habe, und selbst in meiner aktiven Dramaturgentätigkeit hat man sich immer wieder mal beschäftigt mit Anzengruber, aber dann sich eigentlich nicht durchgerungen, da was aufzuführen von ihm. Ich kenne auch jetzt kein größeres Theater, das in den letzten Jahren hier in Österreich Anzengruber gespielt hätte. Es gab vor ein paar Jahren im Werk X in Wien so eine Smash-Up-Produktion mit verschiedenen Teilen aus Anzengruber-Stücken, aber die wurde von der Kritik auch nicht besonders gelobt. Eine Sache habe ich vorhin, als wir uns unterhalten haben, vergessen, aber das ist vielleicht auch nicht ganz unwichtig. Also einmal gab es eine enge Freundschaft zu Peter Rossecker, von dem er sich aber doch literarisch wirklich eigentlich unterscheidet, das haben wir vorhin eigentlich schon mal gesagt, weil bei Peter Rossecker, der blieb eigentlich bei seiner, wenn man es böse sagt, Waldbauernliteratur, Waldbauern-Buben-Literatur eigentlich stecken. Diese antiklerikalen Züge und liberalen Züge gibt es bei ihm und sozialkritischen Züge gibt es auch nicht. Also es ist ja auch so, dass man Anselm Gruber tatsächlich teilweise innerhalb der Literaturwissenschaft auch einstuft, dass er doch schon zum Naturalismus zählt in einer gewissen Art und Weise, also zu den großen Autoren, die wir auch heute noch kennen und die heute noch gespielt werden, wie Gerhard Hauptmann, dass er dazu gehört. Zu den Gründervätern gehörte auch der Möbelfabrikant Franz Tonnet und die berühmten Architekten Hermann Helmer und Ferdinand Fellner, die ja von Hamburg bis Temeschwa alle möglichen Theaterbauten im 19. Jahrhundert erstellt haben. Die die Frauen in den 19. Jahrhunderten erstellt haben. Der Verein gründete das Deutsche Volkstheater in Wien, wurde auch eröffnet, natürlich mit einem Stück von Anzengrnt, der erkrankte 50-Jährige an Milzbrand und ist dann 14 Tage nach dieser Erkrankung an einer Blutvergiftung gestorben. Interessant finde ich ja nur beim Anzen Gruber, das fällt mir erst jetzt auf, dass er, er stirbt 1889, kriegt hier in Linz 1899 die Straße und ungefähr zur selben Zeit wird aber zumindest eines seiner Stücke hier in Linz verboten. Das ist ja eigentlich ein Kuriosum. Absolut, absolutes Kuriosum. Absolutes Kuriosum. Ich habe noch etwas gefunden, das die österreichische Arbeiterbewegung mit Wohlwollen seine Stücke auch betrachtet hat. Und nach seinem Tod schrieb Viktor Adler in der Arbeiterzeitung einen Nachruf. Aus dem würde ich gerne ein paar Zeilen vorlesen. Heute wird in Wien der größte dramatischer Dichter unserer Tage zu Grabe getragen. Wir sind weit entfernt davon, ihn als Sozialisten zu proklamieren. Das wirtschaftliche Problem lag im Ferne. Aber er fühlte die schneidenden Widersprüche in unserer Gesellschaft und mit der naiven Wahrheitsliebe des wirklichen Dichters sprach er aus, was er sah und fühlte. In jedem seiner Stücke kommt ein Mann vor, der den Widerspruch zum Ausdruck bringt, der nicht ist wie die anderen, sondern der denkt und die Menschen liebt. Sie alle sind zugrunde gegangen in und an der Gesellschaft und sie wissen das. Diese Lumpen, durch welche die ganze biedere ehrenwerte Bürger- und Bauerngesellschaft und ihre satte Tugend eigentlich ein verfluchtschäbiges Aussehen bekommt. Sie sprechen die Sprache der Wahrheit. Und das macht den Dichter unbequem. Anzengruber war eine Rebellennatur. Markante Worte, aber nicht unzutreffend, denke ich, bei der damaligen Zeit. Würde man heute nicht mehr sagen, Hansengruber ein Rebell. Nein, nein. Im Gegenteil, ich glaube, seine Werke verstauben in den hintersten Ecken der diversen Pfarrbibliotheken. Also da ist schon wirklich ein Wandel eingetreten. Und das liegt wahrscheinlich auch daran, dass seine Stücke wirklich Zeitstücke waren, die seit Themen sehr prägnant aufgriffen, die hier einen Finger in eine Wunde gelegt haben, die aber mittlerweile gar nicht mehr verstanden werden. gar nicht mehr verstanden werden. Und das ist wahrscheinlich das, warum der Anzengruber heute nicht nur nicht mehr gespielt oder kaum mehr gespielt wird, oder wenn dann eben so inszeniert wird als Bauernschwank von Leihengruppen. Und ja, ich weiß nicht, aber vielleicht gibt es, glaube ich, gibt es irgendwas, was man vom Anzengruber retten könnte, glaubst du? Boah, da tue ich mich schwer. Da tue ich mich schwer, das jetzt zu sagen. Diese Zeitgeistigkeit oder die Zeitgebundenheit auch seiner Werke hängt auch damit zusammen, dass er natürlich ganz stark immer wieder mit der Zensur in Berührung gekommen ist. Also was üblich war im 19. Jahrhundert oder vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, dass man die Theaterstücke der Zensurbehörde vorlegen musste. Darüber hat er auch etwas geschrieben, was ich vielleicht kurz zitieren darf. ich vielleicht kurz zitieren darf. Ja, ihr könnt durch Fernhalten aller Ideen, aller Entwicklung, durch Einschränkung auf abgeleierte Themen dem Publikum das Theater verleiden, gleichgültig machen und der Kunst als solcher unermesslich schaden. Die letzte Sorge aber wird euch vereitelt. Die Ideen von den Massen abhalten könnt ihr nicht. Und je weniger Diskussion, je verworrener und ungegorener werden sie aufgenommen und einseitig verderblich entwickelt. Also er hat sich da schon deutlich zur Zensur geäußert, auch wenn er vielleicht milde behandelt wurde aufgrund seiner kurzen Polizeitätigkeit oder Polizeischreibererfahrung. Tatsächlich, ja. Du hast, glaube ich, aber auch nochmal über die Zensur was gefunden bei Anzengruber? Ja, es ist tatsächlich so. Also Anzengruber ist natürlich wie jeder zensuriert worden. Es hat auch, wie wahrscheinlich jeder andere Autor auch, den Stift des Zensurs schon vorweggenommen in seinen Stücken. Also man könnte wahrscheinlich davon ausgehen, dass seine Stücke noch viel pointierter eigentlich waren. Es gibt ja auch, man weiß ja auch von einigen Stücken, kennt man auch die Originalfassung und auch den, was da wegzensuriert wurde. Und das war tatsächlich so, dass er noch viel radikaler gewesen wäre in seiner antiklerikalen Haltung. Und natürlich dadurch, dass er Schreiber bei der Polizei war, hat er natürlich auch gewusst, erstens einmal, was würde ihm wahrscheinlich ohne dies weggestrichen werden. Was würde ihm wahrscheinlich ohne dies weggestrichen werden? Aber es gibt auch die schöne Geschichte, dass als er eben ein fixes Salär dann erhielt vom Theater in der Wien, hat er seinen Polizeijob aufgegeben. Und bei der Verabschiedung von seinen Kollegen haben ihm die dann noch wohlmeinend mitgegeben. die dann noch wohlmeinend mitgegeben. Also man würde, wenn er dann oder seine Stücke dann über ihren Schreibtisch gehen würden zur Zensur, würden sie pfleglich mit ihm umgehen. Ob das dann tatsächlich so war, können wir heute schwer beurteilen. Vielleicht zum Abschluss noch, er war auch lange Zeit Redakteur einer humoristischen Wochenzeitung, die hieß der Figaro. Da habe ich jetzt leider nichts gefunden, aber du hast zum Abschluss, glaube ich, ein ganz schönes oder ein oder zwei sogar schöne Aphorismen von ihm gefunden, die wir doch festhalten wollen. Ja, also was der Anzengrub auf alle Fälle sozusagen verdient hat, auch heute noch gekannt zu werden, das sind einzelne Aphorismen von ihm. Also eines, das vielleicht auch ein bisschen seine Selbsteinschätzung charakterisiert. Künstler, sagt er, Künstler wird nur der, welcher sich vor seinem eigenen Urteil fürchtet. Vielleicht auch eine kleine Anmerkung zur Zensur. Und abschließend etwas, das auf alle Fälle wert ist, in alle Wohnzimmer gehängt zu werden. Die Tugend, schreibt Anzengruber, die Tugend trägt nie zur Unterhaltung bei. Das Laster zuweilen, die Dummheit immer. Wunderbar, ein wunderbares, ein wunderbares Intens zum Abschluss unseres kleinen akustischen Beitrags in der Reihe Die Straßen vom Makat. Das war heute die zweite Folge, die Anzengruberstraße. Die dritte Folge kommt demnächst, wann wir wieder live auftreten können im Volkshaus Kandelheim, werden wir es sehen. In diesem Sinne, Thomas, herzlichen Dank. Danke, Franz. Und einen schönen Nachmittag wünschen wir uns. Tschüss. Das war gut, oder? Thank you.