Selbstverständnis und Anspruch von dorf tv

DORF TV ist ein partizipativer und „userInnen-generierter“ Fernsehsender. Nach dem Prinzip „Einfach produzieren“ wird das Programm mehrheitlich unentgeltlich von den Menschen und Initiativen aus Oberösterreich gestaltet. Das Team von DORF TV unterstützt die ProduzentInnen in ihrer Arbeit, vermittelt in Workshops und individueller Betreuung das notwendig Know How, bietet Produktionsmöglichkeiten, Schnittplätze, Leihgeräte und stellt neben dem voll ausgestatteten Live-Sendestudio „Schirmmacher“ am Linzer Hauptplatz auch mobile Übertragungs- und Aufnahmesets zur Verfügung.

Ergänzend zum userInnen-generierten Programm hat DORF TV auch Sendungsformate, die von fixangestellten oder freien MitarbeiterInnen im Auftrag der Programmleitung von DORF TV gestaltet werden: Beispielsweise das wöchentliche „DORF Gespräch“ mit Live-Gästen im Studio Schirmmacher oder die „DORF TV Redaktion“ mit redaktionellen Beiträgen, Interviews und Reportagen zu aktuellen politischen oder kulturellen Themen und/oder Veranstaltungen. Diese Sendungsformate sind in der Auswahl der Themen und Inhalte bewusst „komplementär“ zum herkömmlichen Medienangebot programmiert.

Gegenwärtig werden bei DORF TV im Tagesdurchschnitt 1,5 bis 2 Stunden Programm erstausgestrahlt. Gemessen an der Programmproduktion ist DORF TV damit mit Abstand der größte Fernsehveranstalter des Bundeslandes.

Viele der Inhalte und Themen, die auf DORF TV eine Plattform finden, werden von kommerziellen Medien und dem ORF weitgehend vernachlässigt. Vor allem Kunst- und Kulturschaffende, Filmschaffende, MigrantInnen oder zivilgesellschaftlich Engagierte beklagen sich zu Recht seit Jahren über fehlende Präsenz und Berichterstattung in den regionalen Medien.

### Demokratisierung durch Fernsehen-selber-machen. Größtmögliche Niederschwelligkeit mit den Möglichkeiten der verfügbaren Technologien. 
dorf tv ist angetreten - analog zur freien Benutzung von Verkehrswegen -  auch den freien und demokratischen Zugang zum Informationsverkehr im Bereich des Fernsehens zu ermöglichen. 

Der Anspruch lautet: Freie Information um der Information willen. Freier Zugang zum Medium TV. Um den Zugang niedrigschwellig zu gestalten hat dorf tv mit Sendeschienen wie POCKET TV und OPEN SPACE, den UserInnen die Option eröffnet, auch über Internet audiovisuelle Produktionen hoch zuladen.

### Einfach Produzieren. Niedrigschwellig im Zugang.  Zugleich Radikal, experimentell und offen in der Ästhetik.
„Einfach produzieren“ ist nicht nur die programmatische Aufforderung, die Initiative zu ergreifen und mitunter die Hemmschwellen zwischen privat und öffentlich zu überschreiten sondern steht auch für einen radikal-ästhetischen Anspruch von dorf tv: Fernsehen auf die Einfachheit und Normalität herunterzubrechen und jenen „feinstofflichen Zwischentönen“ einen Raum zu geben, die oft im Mediengetöse untergehen.

Durch die Unmittelbarkeit und Einfachheit des Produktionsansatzes wird nicht zuletzt auch die gängige Ästhetik „geschönter Bilder“ durchbrochen. In diesem Sinne entwickelt dorf tv neue Zugänge und Möglichkeiten der Produktion und auch Rezeption von Fernsehen. 

Dadurch hebt sich der Umgang mit dem Medium „Fernsehen“ auf eine neue Ebene. Fernsehen wird entmystifiziert – und damit auch für zusätzliche ProduzentInnen- und RezipientInnengruppen interessant.

### Regionale Informationskreisläufe stärken und damit die notwendigen Voraussetzungen für gesellschaftliche Beteiligung und Engamenent schaffen.
Der ständige mediale Overflow an Information mit all den katastrophalen Facetten, Bildern und Emotionen überfordert und paralysiert eher, als dass er zum Handeln anregt. Die Aktivierung regionaler Informationskreisläufe führt zu Überschaubarkeit und Unmittelbarkeit: Beides sind Voraussetzung und zugleich Anregung, um sich zu beteiligen.

Die vielfältigen kulturellen und zivilgesellschaftlichen Anliegen und Formen werden durch die mit dem Medium Fernsehen hergestellten zusätzlichen Öffentlichkeiten gestärkt. Darüber hinaus bedeutet „Fernsehen-selber-machen“ auch Empowerment und ist bereits selbst ein wertvoller Beitrag zum regionalen Kulturschaffen und der Kulturproduktion. Jede/r gestaltet ihre/seine Inhalte selbst und transportiert dadurch auch ein authentisches Bild von dem, was gezeigt und angesprochen werden soll – ohne auf Verwertungsinteressen Rücksicht nehmen zu müssen.

### Die Hybridität von Fernsehen und Internet konsequent nützen. Vom Community TV zum Usergenertierten Fernsehen.
Was vielen VideoproduzentInnen im Web bereits geläufig ist, findet bei dorf tv seine Anwendung für das Fernsehen. Auf diese Weise entsteht ein innovativer Hybrid zwischen TV und Internet, der die Grenzen zwischen Netz und TV verwischt. Trotzdem bleibt dorf tv auch „Fernsehen“ mit allen Qualitäten und Potentialen dieses „traditionellen“ Mediums - mit der Verankerung im regionalen Kontext und in der unmittelbaren Lebensumwelt der Menschen.

### Das Verständnis von Fernsehen zu twisten. Ein Freiraum für Experimentelles in ästhetischer und erzählerischer Hinsicht.
Dieser Anspruch ist erklärtes Ziel von dorf tv. Großer Wert wird hierbei auf die Einbeziehung des „State of the Art“ technologischer Entwicklungen und die netzorientierte Praxis jüngerer Generationen gelegt, die mit Smartphones, Youtube und Facebook bestens vertraut sind.
Diese Philosophie öffnet das Fernsehen für eine Dimension der alltäglichen Produktion, die sich in den Nischen der Social Interest und Community Szenen des Netzes abspielt und nur den „Eingeweihten“ der jeweiligen Szenen zugänglich ist. Mit dem Fernsehen als Distributionsmedium für diese Produktionen werden die regionalen Informationskreisläufe zusätzlich aktiviert und gestärkt. Der lineare Ablauf des Sendens eröffnet Blicke, die ansonsten im Hypertext untergehen. 

### Ein Experiment, das auch sein Publikum erreicht. Ein weitester SeherInnenkreis von 5% und einem ZuschauerInenpotential von rund 25% im oberösterreichischen Zentralraum.
dorf tv ist bemüht, sich den klassischen Erwartungen an TV zu widersetzen, und hat – wie eine aktuelle  Reichweiten- und Potenzialerhebung zeigt – damit auch Fans und SeherInnen gewonnen. Die Studie, die am 1 Dezember 2011 in der RTR erstmals öffentlich präsentiert wurde, zeigt das erstaunliche Grundpotential von dorf tv – allein im Großraum Linz und Wels mit rund 130.000 Personen über 15 Jahren, die für die Inhalte und den besonderen Ansatz von dorf tv grundsätzlich erreichbar sind.

to be continued ...